Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VII
Tabellenverzeichnis IX
Abstract - Deutsch X
Abstract - Englisch XI
1. Einleitung 12
1.1. Der Arbeit zugrunde liegende Motivation 13
1.2. Zielsetzung 17
1.3. Aufbau der Arbeit 18
1.4. Der Status Quo deutscher Weiterbildungsanbieter 20
2. Grundlegende Begriffe 24
2.1. E-Learning 24
2.2. Blended Learning 26
2.3. Web 2.0 28
2.4. User Generated Content 30
2.5. Selbstorganisiertes Lernen und Selbstorganisiertes Lernen 2.0 33
2.6. Weiterbildung 36
2.7. Geschäftsmodell 38
3. Theoretische Vorüberlegungen 40
4. Marktstrukturerhebung deutscher Weiterbildungsanbieter 41
4.1. Geschäftsmodelle von Weiterbildungsanbietern 41
4.1.1. Das Partialmodell nach Wirtz 42
4.1.2. Das angepasste Partialmodell 44
4.1.3. Das Web 2.0 als Erweiterung zum bestehenden Geschäftsmodell 47
4.2. Erhebungsmethode der Daten 50
4.2.1. Wahl der Untersuchungsmethode 50
III
4.2.2. Auswahl der Interviewpartner 52
4.2.3. Das leitfadenbasierte Experteninterview 53
4.2.4. Konstruktion des Interviewleitfadens 54
4.2.5. Praktische Vorbereitungen des Interviews 55
4.2.6. Rahmendaten der Interviews 57
4.3. Auswertungsmethode der Interviewdaten 58
4.3.1. Die Konversationsanalyse 59
4.3.2. Die Diskursanalyse 60
4.3.3. Die zusammenfassende Inhaltsanalyse 60
4.4. Der Interviewleitfaden 62
4.4.1. Themengebiete des Interviewleitfadens 63
4.5. Auswertung und Interpretation des Interviews 67
4.5.1. Auswertung und Interpretation der Fragen zum Leistungsangebot 68
4.5.2. Auswertung und Interpretation der Fragen zur Leistungserstellung 78
4.5.3. Auswertung und Interpretation der Fragen zur Beschaffung von Content 84
4.5.4. Auswertung und Interpretation der Fragen zur Vermittlung der Lerninhalte 89
4.5.5. Auswertung und Interpretation der Fragen zur Marktsituation 94
4.5.6. Auswertung und Interpretation der Fragen zu finanziellen Aspekten 100
5. Diskussion der Ergebnisse 106
6. Ausblick 110
7. Literaturverzeichnis 113
8. Anhang 117
8.1. Kontakt E-Mail 117
8.2. Der vorab gesendete Fragenkatalog 118
8.3. Der komplette Fragenkatalog mit möglichen Antworten 119
8.4. Transkription der Antworten auf die Fragen 120
IV
Abkürzungsverzeichnis
B
BRD
Bundesrepublik Deutschland ............................................................................................................................................... 58 bzw.
beziehungsweise ................................................................................................................................................................... 72
D
d.h.
das heiß ................................................................................................................................................................................ 25
E
Ebd.
Ebenda ................................................................................................................................................................................. 20 E-learning
Electronic learning ............................................................................................................................................................... 24 etc.
Et cetera ............................................................................................................................................................................... 33 ETZ
Elektro Technologie Zentrum Stuttgart ............................................................................................................................ 108 evtl.
eventuell ............................................................................................................................................................................... 53
O
OECD
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung engl.
Organisation for Economic Co-operation and Development......................................................................................... 22
S
SOL
Selbstorganisiertes Lernen ................................................................................................................................................... 14 SOL 2.0
Selbstorganisiertes Lernen 2.0 ............................................................................................................................................. 24
U
u.a.
unter anderem ...................................................................................................................................................................... 76 UGC
User Generated Content ..................................................................................................................................................... 48
V
Vgl.
Vergleiche ............................................................................................................................................................................ 12
Z
z.B.
zum Beispiel ........................................................................................................................................................................ 21
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Sinus-Milieus in Deutschland 2009
Abbildung 2 Stärken und Herausforderungen des SOL
Abbildung 3 Struktur der Arbeit
Abbildung 4 Dichte der Weiterbildungsanbieter
Abbildung 5 Beispiel einer Lernplattform realisiert mit Moodle
Abbildung 6 Grade der UGC Implementierung
Abbildung 7 Wirkungsbereich des Selbstorganisierten Lernens
Abbildung 8 Partialmodell eines integrierten Geschäftsmodelles
Abbildung 9 Auf Weiterbildungsanbieter angepasstes Partialmodell
Abbildung 10 Möglichkeiten des Web 2.0 um einen Mehrwert zu schaffen
Abbildung 11 Erklärungsstrategien und Methodeneinsatz in der empirischen Forschung
Abbildung 12 Ablaufplan Kontaktaufnahme (eigene Darstellung)
Abbildung 13 Ablaufmodell der zusammenfassenden Inhaltsanalyse
Abbildung 14 Frage zum Leistungsangebot
Abbildung 15 Fragen zur Leistungserstellung
Abbildung 16 Fragen zur Contentbeschaffung
Abbildung 17 Fragen zur Vermittlung der Lerninhalte
Abbildung 18 Fragen zur Marktsituation
Abbildung 19 Fragen zu Finanziellen Aspekten
Abbildung 20 Aspekte des Selbstorganisierten Lernens
Abbildung 21 Ergebnis Frage 1 - verschiedene Aspekte (eigene Darstellung)
Abbildung 22 Graphische Auswertung Frage 1 (eigene Darstellung)
Abbildung 23 Graphische Auswertung Frage 2 (eigene Darstellung)
Abbildung 24 Graphische Auswertung Frage 3 (eigene Darstellung)
Abbildung 25 Graphische Auswertung Frage 4 (eigene Darstellung)
Abbildung 26 Graphische Auswertung Frage 5 (eigene Darstellung)
Abbildung 27 Graphische Auswertung Frage 6 (eigene Darstellung)
Abbildung 28 Graphische Auswertung Frage 7 (eigene Darstellung)
Abbildung 29 Graphische Auswertung Frage 8 Teil 1 (eigene Darstellung)
Abbildung 30 Graphische Auswertung Frage 8 Teil 2 (eigene Darstellung)
Abbildung 31 Graphische Auswertung Frage 9 User Ratings Vs. UGC (eigene Darstellung)
VII
Abbildung 32 Graphische Auswertung Frage 9 (eigene Darstellung)
Abbildung 33 Graphische Auswertung Frage 10 (eigene Darstellung)
Abbildung 34 Graphische Auswertung Frage 11 (eigene Darstellung)
Abbildung 35 Graphische Auswertung Frage 12 (eigene Darstellung)
Abbildung 36 Graphische Auswertung Frage 13 (eigene Darstellung)
Abbildung 37 Graphische Auswertung Frage 14 (eigene Darstellung)
Abbildung 38 Auswertung Frage 15, große/mittlere/kleine Unternehmen (eigene Darstellung)
Abbildung 39 Graphische Auswertung Frage 16 (eigene Darstellung)
Abbildung 40 Auswertung Frage 17, große/mittlere/kleine Unternehmen (eigene Darstellung)
Abbildung 41 Graphische Auswertung Frage 18 (eigene Darstellung)
Abbildung 42 Graphische Auswertung Frage 19 (eigene Darstellung)
Abbildung 43 Graphische Auswertung Frage 20 (eigene Darstellung)
Abbildung 44 Graphische Auswertung Frage 21 (eigene Darstellung)
Abbildung 45 Graphische Auswertung Frage 22 (eigene Darstellung)
Abbildung 46 Graphische Auswertung Frage 23 (eigene Darstellung)
Abbildung 47 Mediennutzung
Abbildung 48 Nutzung des Web 2.0
Abbildung 49 Web 2.0 14 bis 19jähriger
Abbildung 50 Kontakt E-Mail (eigne Darstellung)
Abbildung 51 Der gesendete Fragenkatalog (eigene Darstellung)
Abbildung 52 Kompletter Fragenkatalog (eigene Darstellung)
VIII
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 Lerner Generationen nach Oblinger 14
Tabelle 2 Weiterbildungsanbieter nach Dozentenstunden - Teilnehmer: 6.600 22
Tabelle 3 Weiterbildungsanbieter nach Anbieterstatus - Teilnehmer: 11.100 23
Tabelle 4 Größe der interviewten Weiterbildungsanbieter 57
Tabelle 5 Positionen der Interviewpartner 57
Tabelle 6 Verteilung der Weiterbildungsbetriebe nach Bundesländern 58
Tabelle 7 Verteilung der Weiterbildungsbetriebe in der BRD 58
Tabelle 8 Auswertung Frage 1 120
Tabelle 9 Auswertung Frage 2 121
Tabelle 10 Auswertung Frage 3 122
Tabelle 11 Auswertung Frage 4 123
Tabelle 12 Auswertung Frage 5 124
Tabelle 13 Auswertung Frage 6 125
Tabelle 14 Auswertung Frage 7 126
Tabelle 15 Auswertung Frage 8 127
Tabelle 16 Auswertung Frage 9 128
Tabelle 17 Auswertung Frage 10 129
Tabelle 18 Auswertung Frage 11 130
Tabelle 19 Auswertung Frage 12 131
Tabelle 20 Auswertung Frage 13 132
Tabelle 21 Auswertung Frage 14 133
Tabelle 22 Auswertung Frage 15 134
Tabelle 23 Auswertung Frage 16 135
Tabelle 24 Auswertung Frage 17 136
Tabelle 25 Auswertung Frage 18 137
Tabelle 26 Auswertung Frage 19 138
Tabelle 27 Auswertung Frage 20 139
Tabelle 28 Auswertung Frage 21 140
Tabelle 29 Auswertung Frage 22 141
Tabelle 30 Auswertung Frage 23 142
IX
Abstract - Deutsch
Mittelpunkt dieser Arbeit bildet das Potential, welches das Web 2.0 für die Anbieter beruflicher Weiterbildung bereit hält. Durch die noch junge Technologie des Web 2.0 werden die kollaborativen Kommunikationsmöglichkeiten des Internets entscheidend erweitert. Neue Lernformen wie das Selbstorganisierte Lernen 2.0 ermöglichen es, diese kollaborativen Aspekte für die berufliche Weiterbildung zu nutzen.
Grundlage dieser Arbeit bildet eine empirische Untersuchung der Geschäftsmodelle von Weiterbildungsanbietern. Ziel der Untersuchung ist es, den aktuellen Integrationsstand der kollaborativen, webbasierten und selbstorganisierten Aspekte des Lernens zu dokumentieren. Die Analyse stellt die Basis dar, um ein Potential für auf Web 2.0 basierende Lernformen abzuleiten.
Die Untersuchung zeigt, dass die Möglichkeiten des Web 2.0 bei Weiterbildungsanbietern sehr unterschiedlich genutzt werden. Während einige wenige - vorwiegend große - Anbieter das Web 2.0 und seine kollaborativen Möglichkeiten bereits für den Lehrbetrieb nutzen, sind die meisten Anbieter relativ vorsichtig mit der Implementierung neuer kollaborativer Lernformen.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass in vielen Bereichen der beruflichen Weiterbildung ein signifikantes Potential für progressive, kollaborative Lernmethoden existiert. Die Mehrzahl der Anbieter geben an, dass großes Interesse an der Technologie besteht oder dass bereits Vorbereitungen zur Implementierung im Gange sind.
Die Herausforderung für Weiterbildungsanbieter besteht darin, kollaborative Lernplattformen in etablierte Lernmethoden und Geschäftsmodelle zu integrieren. Gängige Abrechnungsmethoden müssen überdacht und gegebenenfalls angepasst werden. Weiterhin müssen Vorbehalte, welche einige Weiterbildungsanbieter bezüglich der Qualitätssicherung und des Datenschutzes hegen, zerstreut werden.
Abstract - Englisch
The aim of this master‘s thesis is to outline the potential of web 2.0 applications for providers of advanced vocational training. Due to recent web 2.0 technologies, the scope of collaborative communication on the internet has been expanded significantly. New forms of learning, such as self-organized learning 2.0, facilitate the use of collaborate aspects for vocational education.
An empirical study of business models of various advanced vocational training providers forms the basis of this thesis, with the intention to document the current level of integration of collaborative, web-based and self-organized facets of learning. The analysis of this study marks the foundation for deducing the potential of web 2.0-based ways of learning.
The study shows that the possibilities of web 2.0 applications for vocational training providers are capitalized on differently. While some providers do use web 2.0 technology and its collaborative assets, others are reluctant to implement collaborative ways of learning.
In summary, it is fair to say that in many areas of advanced vocational training there is a considerable amount of untapped potential for progressive, collaborative ways of learning. The majority of vocational education providers report a great interest in such a technology or state that provisions to introduce web 2.0-based ways of learning have already been made.
The challenge for vocational education providers is to integrate collaborative learning platforms in existing, more traditional ways of learning and established business models. Furthermore, it is vital to dispel doubts concerning costs and privacy matters lingering among some vocational training providers.
1. Einleitung
„Wissen ist Macht“, dies erkannte Francis Bacon bereits 1597 1 und läutete durch seine Werke das Zeitalter der Aufklärung ein. In diesem Zeitalter begann die Gesellschaft sich von tradierten Vorurteilen und Ideologien zu trennen und öffnete sich für neu erlangtes Wissen.
Bis heute steigt der Stellenwert von Wissen, welches mittlerweile als die wichtigste Ressource der postindustriellen Gesellschaft angesehen werden kann. Durch Wissen erlangte Macht lässt sich in vielerlei Hinsicht nutzen, eine zentrale Nutzungsmöglichkeit ist sicherlich das Generieren geldwerter Vorteile. Der finanzielle Vorteil kann durch das Ausschöpfen eines Technologievorsprungs oder durch das spezielle Ausrichten von Produkten auf Kundenzielgruppen erfolgen. Die Grundlage hierzu bildet in beiden Punkten „das Wissen“ in Form von Informationen, der Informationsverarbeitung und der Technologie. Somit kann festgehalten werden, dass beinahe in jedem Produkt das Wissen verborgen ist, und zwar in Form von Technologien, Patenten und Know-how. Somit ist es auch nur allzu verständlich, dass in unserer Gesellschaft Wissen und Informationen als Produktionsfaktor angesehen werden.
Verdeutlicht man sich, dass Macht aus Wissen resultiert und dass Lernen Wissen generieret, so wird die enorme Bedeutung der Wissensaneignung deutlich. Lernen steht als Prozess des Wissenserwerbs im Zentrum einer mittlerweile durch Technologie geprägten Umwelt. 2
Da sich Wissen zu einem derart zentralen Faktor in unserer Gesellschaft gewandelt hat, ist es nicht weiter verwunderlich, dass bereits der Prozess der Wissensaneigung, also das Lernen selbst, die Basis von Geschäftsmodellen darstellt. Vor der beruflichen Laufbahn übernehmen vor allem Schulen und Universitäten die Rolle des Ausbilders, während diese später, also während der Berufsausübung überwiegend von Weiterbildungsanbietern wahrgenommen wird. Diese Weiterbildungsanbieter stehen im Zentrum dieser Arbeit.
1 Vgl. (Büchmann, 1929)
2 Vgl. (Klein, et al., 2008) S. 8.
In den nachfolgenden Ausführungen werden die bestehenden Geschäftsentwürfe dieser Dienstleister beleuchtet, es wird einen Überblick über die bestehenden Geschäftsmodelle vermittelt. Basierend auf diesem Status Quo werden die Möglichkeiten für eine moderne Art der Wissensvermittlung dem Selbstorganisierten Lernen 2.0 ausgelotet.
1.1. Der Arbeit zugrunde liegende Motivation
Neue Formen des Lernens versuchen, der bereits angeführten zunehmenden Wissensorientierung im Arbeitsumfeld Rechnung zu tragen. „Lebenslanges Lernen“ wird in diesem Zusammenhang häufig genannt. Zwar gibt es keine Phase im Leben, die nicht von Lernvorgängen begleitet wäre, jedoch bezieht sich der Begriff des „Lebenslangen Lernens“ hauptsächlich auf die Lernprozesse die im Erwachsenenalter, im Kontext der Berufsausübung auftreten. 3
Wird dieser Lernvorgang im Erwachsenenalter genauer betrachtet, so stellt sich die Frage nach einer adäquaten Form des Lernens für Erwachsene. Hier tritt vor allem das Selbstorganisierte Lernen in den Vordergrund. In einer empirischen Studie 4 für die Virtuelle Hochschule Bayern zum Thema Selbstorganisiertes Lernen hat sich gezeigt, dass diese Lernform insbesondere bei älteren Lernern besonders effektiv ist.
„Selbstorganisiertes Lernen ist, auch das geht aus der durchgeführten Studie hervor, kein didaktischer Selbstläufer. [..]Nach Auskunft der an der Untersuchung beteiligten Lehrkräfte hat sich diese Anstrengung jedoch gelohnt. Die Lehrpersonen berichten übereinstimmend über eine gestiegene Berufs- und Arbeitszufriedenheit.“ 5
Dies lässt sich mit der Lernkultur der Menschen im 21. Jahrhundert begründen. Kuhlmann und Sauter charakterisieren die Lernkultur im 21. Jahrhundert recht anschaulich in ihrem Buch „Innovative Lernsysteme.“ 6 Sie machen die Unterschiede der Generationen (Vgl. Tabelle 1 Lerner Generationen nach Oblinger) für die unterschiedlichen Lernkulturen verantwortlich.
3 Vgl. (Winkel, et al., 2006) S. 9.
4 Vgl. (Otto-Friedrich-Universität Bamberg)
5 Vgl. Ebd.
6 Vgl. (Kuhlmann, et al., 2008)
Die Einteilung nach Oblinger ist nach Meinung des Autors sicherlich etwas starr ausgefallen, die Merkmale und Vorlieben der einzelnen Jahrgänge sind wohl nicht ausschließlich jene, die von Oblinger aufgeführt werden. Sieht man die Merkmale und Vorlieben allerdings als Tendenz, ist diese Einteilung äußerst hilfreich.
Während die Kriegsgeneration tendenziell noch mit Vorliebe Anweisungen befolgte, werden die folgenden Generationen ab den Baby Boomern zunehmend selbständiger. Spätestens die Generation X welche als freiheitsliebend charakterisiert wird, möchte ihren Arbeits- und Lernalltag möglichst selbst gestalten. Hier kommen die Freiheiten des Selbstorganisierten Lernens (SOL) voll zur Geltung. Da mittlerweile Lerner der Generation X und der Net Generation die Mehrzahl der Lerner ausmachen ist die Relevanz des SOL für Weiterbildungsanbieter nicht abzustreiten.
7 Eigene Darstellung, in Anlehnung an: (Kuhlmann, et al., 2008) S. 8.
Um diese Relevanz des Selbstorganisierten Lernens für eine Vielzahl der potentiellen Lerner in Deutschland weiter hervorzuheben, ist es hilfreich einen Blick auf die Sinus Milieus in Deutschland zu werfen.
Abbildung 1 Sinus-Milieus in Deutschland 2009 8
Betrachtet man die Abbildung 1 Sinus-Milieus in Deutschland 2009, so lässt sich feststellen, dass lediglich 23 Prozent der Bevölkerung von der Grundorientierung eher den traditionellen Werten zugeordnet werden können. Die übrigen 77 Prozent sind entweder auf die Modernisierung oder die Neuorientierung ausgerichtet. Für diese Zielgruppe stellt das Selbstorganisierte Lernen die ideale Lernform dar. Individualisierung und Experimentierfreude sind beides Eigenschaften die SOL-Lernkonzepte auszeichnen.
Für einen Weiterbildungsanbieter muss die Motivation ein SOL-System zu implementieren in den Eigenschaften seiner Kunden, also den Lernern zu suchen sein. Die bereits angesprochenen Freiheiten des Selbstorganisierten Lernens, sowie das individualisierte Angebot sind im Motivationsprozess starke Faktoren. Doch bei allen Vorteilen des Selbstorganisierten Lernens dürfen die Herausforderungen, welche das Lernsystems mit sich bringt nicht vernachlässigt werden. Die Abbildung 2 Stärken und Herausforderungen des SOL liefert hierzu eine gute Einschätzung.
8 Quelle: (Sociovision)
Abbildung 2 Stärken und Herausforderungen des SOL 9
9 Quelle: Eigene Darstellung nach Anna Hoberg Fraunhofer IAO
Forschungsrahmen der Arbeit
Diese Master-Thesis ist Teil des Forschungsprojekts Selbstorganisiertes Lernen 2.0 welches vom Institut für Arbeitswirtschaft und Technologiemanagement (IAT) der Universalität Stuttgart durchgeführt wird. Projektpartner sind das Elektro Technologie Zentrum Stuttgart und die technische Universität Dortmund. Das Projekt Selbstorganisiertes Lernen 2.0 wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Europäischen Union - Europäischer Sozialfonds - gefördert.
1.2. Zielsetzung
In den einleitenden Teilen der Arbeit wurde sowohl die außerordentliche Bedeutung von Wissen in der modernen Gesellschaft hervorgehoben als auch die Rolle der Weiterbildungsanbieter bei der Vermittlung dieses Wissens betont.
Diese Arbeit soll helfen, die Frage zu beantworten, wie die Marktstruktur der Weiterbildungsanbieter angelegt ist, und darauf basierend, wie es für die Weiterbildungsanbieter möglich ist die vielfältigen Fähigkeiten des SOL optimal einzusetzen und damit den Anforderungen der modernen Lerner (Ge- nerationX, Net Generation) gerecht zu werden. Die Ergebnisse dieser Master-Thesis sollen das Grundgerüst bei der Entwicklung neuer, auf SOL basierender Geschäftsmodelle bilden.
Für die Integration zukünftiger SOL Lösungen in bestehende Geschäftsabläufe, ist es nötig Geschäftsmodelle der Weiterbildungsanbieter zu analysieren, um einen Überblick über die Geschäftsstruktur zu erhalten.
Basierend auf diesem Überblick können dann Modelle entwickelt werden um die kollaborativen Aspekte des SOL in die Arbeitsabläufe der Weiterbildungsanbieter zu integrieren. Hierzu werden die verschiedenen Facetten der Geschäftsmodelle verschiedener Weiterbildungsanbieter einer Revision unterzogen. Weiterhin soll die Arbeit eine aktuelle Bestandsaufnahme liefern, was den Stand der Implementierung von Web 2.0 Technologien bei Weiterbildungsanbietern betrifft. Basierend auf dem Stand der Implementierung kann dann das Potential für derartige Technologien abgeschätzt werden.
Dieses Kapitel soll einen schematischen Einblick in die Struktur der Arbeit geben. Die Arbeit ist in insgesamt sechs Abschnitte untergliedert, zu Beginn steht der einleitende Teil. Dieser Teil umfasst die zugrunde liegende Motivation, die Zielsetzung, den Aufbau der Arbeit sowie den Status Quo im deutschen Weiterbildungsmarkt. Im zweiten Abschnitt werden Grundlegende Begriffe erläutert, im Abschnitt drei werden theoretische Vorüberlegungen in Form von fünf Hypothesen angestellt.
Den vierten Teil und gleichzeitig den Hauptteil bildet die Marktstrukturerhebung deutscher Weiterbildungsanbieter mit Schwerpunkt auf die privaten Bildungsanbieter.
Zu Beginn des Hauptteils werden Geschäftsmodelle von Weiterbildungsanbietern beleuchtet, es wird ein geeignetes Geschäftsmodell ausgewählt um die Struktur eines Weiterbildungsanbieters abzubilden. Im zweiten Abschnitt des Hauptteils wird das methodische Vorgehen erläutert. Dieses ist unterteilt in die Wahl einer geeigneten Datenerhebungsmethode sowie einer geeigneten Auswertungsmethode. Anschließend wird die Konstruktion des Interviewleitfadens beschrieben. Am Ende des vierten Teils wird eine Auswertung und Interpretation des Interviews durchgeführt.
Im fünften Abschnitt werden die Ergebnisse des Interviews diskutiert. Abschließend folgt ein Ausblick und das Literaturverzeichnis. Einen schnellen Überblick liefert die Abbildung 3 Struktur der Arbeit.
Dieses zwischengeschaltete Kapitel soll dazu dienen einen ersten groben Überblick über die Landschaft der Weiterbildungsanbieter in Deutschland zu ermöglichen. Der Leser erhält einen Eindruck von der Dimension des Markts der Weiterbildungsanbieter.
Betrachtet man den Weiterbildungsmarkt in Deutschland, so muss die Frage nach der Anzahl der Weiterbildungsanbieter gestellt werden. Eine geeignete Quelle um die Vielfalt der Anbieter zu quantifizieren stellt das Institut DIE 11 dar. In der Projektstudie „Anbieterforschung“ 12 , welche vom DIE-Institut durchgeführt wurde, konnten insgesamt 17.000 Anbieter identifiziert werden. Diese Zahl wurde aus einem umfangreichen Abgleich verschiedener Datenbanken, Erhebungen, telefonischer Kontaktaufnahmen und Kurzbefragungen ermittelt. Zu den Strukturdaten befragte das Institut die Anbieter telefonisch und per E-Mail. Laut der Studie sind 46 Prozent also 7820 der untersuchten Weiterbildungseinrichtungen private Anbieter. 13 Die große Anzahl verschiedener Weiterbildungsanbieter lässt die Vermutung zu, dass der Markt für Weiterbildungsanbieter als sehr fragmentiert betrachtet werden kann. Ein Ergebnis der Studie ist das Nord-Süd Gefälle innerhalb Deutschlands. Die Erhebung lässt erkennen, dass im Süden Deutschlands wesentlich mehr Weiterbildungsanbieter pro 100.000 Einwohner vorhanden sind als im Norden (siehe Abbildung 4 Dichte der Weiterbildungsanbieter).
11 DIE steht für „Deutsches Institut für Erwachsenenbildung“. Hier handelt es sich um ein unabhängiges wissenschaftliches Serviceinstitut, das den gesamten Bereich der Weiterbildung abdeckt. Ziel des Institutes ist die Vermittlung zwischen Wissenschaft und Praxis der Erwachsenenbildung, weiterhin sollen Grundlagen für eine praxisorientierte Forschung bereitgestellt werden. Vgl. (Erwachsenenbildung)
12 Vgl. (Erwachsenenbildung, 2007) S. 1.
13 Vgl. Ebd. S. 3.
Abbildung 4 Dichte der Weiterbildungsanbieter 14
Ein wichtiges Merkmal der Weiterbildungsanbieter ist die Größe der Einrichtungen. Um die Anbieter in verschiedene Betriebsgrößen zu unterteilen wurde in der Projektstudie „Anbieterforschung“ die Kennzahl „Dozentenstunden“ eingeführt.
Möchte man die Kenngröße „Dozentenstunde“ auf die Anzahl der für das Unternehmen tätigen Dozenten umrechnen so kann folgende Näherung verwendet werden:
Ein Dozent verbringt etwa die Hälfte der Zeit mit der Vor- und Nachbereitung für seinen Unterricht 15 . So kann davon ausgegangen werden, dass für eine „Dozentenstunde“ zwei Arbeitsstunden pro Dozent anfallen. Bei 1000 Dozentenstunden im Jahr müssten also 2000 Arbeitsstunden abgeleistet werden.
14 Quelle: (Erwachsenenbildung, 2007) S. 1.
15 Erfahrungswert z.B. aus (GbR)
Die genäherte durchschnittliche Arbeitszeit in Deutschland beträgt laut OECD 1760 Stunden im Jahr pro Beschäftigter. 16
Berücksichtigt man diese Näherungen, so bedeutet dies, dass ein Weiterbildungsanbieter mit 1000 Dozentenstunden im Jahr ungefähr einen Dozent beschäftig. Die Ergebnisse der Studie lassen sich wie folgt zusammenfassen: (Die angegebenen Dozentenstunden beziehen sich auf den Zeitraum eines Jahres)
Weiterbildungsanbieter nach Dozentenstunden
Diese Erhebung zeigt, dass 75,4 Prozent der Weiterbildungsanbieter in Deutschland weniger als 3.000 Dozentenstunden im Jahr für sich verbuchen können. Also weniger als 3 Dozenten beschäftigten. Somit wird deutlich, dass die überwiegende Mehrheit der Weiterbildungsanbieter eher kleine bis mittelständige Unternehmen sind. Lediglich 3,8 Prozent der Anbieter generieren mehr als 30.000 Stunden im Jahr. Neben der Quantität, der Dichte und der Größe der Weiterbildungsanbieter wurde in der Studie auch der Anbieterstatus untersucht. Auskunft über den Status der verschiedenen Anbieter liefert Tabelle 3 Weiterbildungsanbieter nach Anbieterstatus - Teilnehmer: 11.100.
16 Vgl. (IDEA)
17 Basierend auf (Erwachsenenbildung, 2007) S. 4.
Weiterbildungsanbieter nach Anbieterstatus
oder Niederlassungen
Tabelle 3 Weiterbildungsanbieter nach Anbieterstatus - Teilnehmer: 11.100 18
Hier fällt auf, dass mehr als die Hälfte der Weiterbildungsanbieter eigenständige Anbieter ohne Filialen sind.
Zusammenfassend kann nach Betrachtung der Anzahl, Dichte, Größe und Status der Weiterbildungsanbieter festgestellt werden, dass sich der Eindruck, der zu Beginn des Kapitels geäußert wurde, bestätigt werden kann. Der Markt für Weiterbildung in Deutschland kann als stark fragmentiert angesehen werden. Auf dem Markt tummeln sich viele eher kleine Anbieter, größere Anbieter sind ebenfalls anzutreffen, jedoch eindeutig in der Unterzahl. Aus diesem Grund ist es für die spätere Untersuchung wichtig möglichst viele unterschiedlich gestaltete Weiterbildungsanbieter zu erfassen um damit sicherzustellen, dass die Umfrage sowohl die kleinen als auch die größeren Weiterbildungsanbieter berücksichtigt.
18 Ebd. S. 3.
2. Grundlegende Begriffe
Dieses Kapitel dient dazu, wichtige Begriffe einzuführen, die im Zusammenhang mit kollaborativen Lernumgebungen auftauchen. Es wird die Herkunft der Begriffe E-Learning, Blended Learning, SOL 2.0, Web 2.0 und Weiterbildung erklärt. Weiter wird umrissen, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt.
2.1. E-Learning
Herkunft
Die Wurzeln des E-Learnings gehen auf die Suche nach der „Lernmaschine“ zurück. 19 Zweck einer solchen Lernmaschine ist es, den Vorgang des Lernens zu automatisieren. Der Gedanke das Lernen zu automatisieren und zu rationalisieren passte gut in das frühe 16. Jahrhundert also in die Anfänge des Zeitalters der Aufklärung:
„Der Wunsch, die Mühen des Lernens wie des Lehrens zu verringern, ist sicherlich ein alter Menschheitstraum. Als früher Versuch hierzu Maschinen einzusetzen gilt oft das 1588 von Agostino Ramelli, den italienischen Ingenieur des Königs von Frankreich, konzipierte, zu seinen Lebzeiten aber vermutlich nie gebaute Leserad: eine Vorrichtung, die es erlauben sollte, ohne Hin- und Herlaufen an eine Arbeitsplatz auf mehrere Literaturstellen in unterschiedlichen Folianten zuzugreifen.“ 20
Definition
Eine im Kontext der Arbeit passende Definition des E-Learning (engl. für electronic learning, kurz: e-learning respektive eLearning), also das „elektronische Lernen“ wird von Michael Kerres, Professor für Mediendidaktik an der Universität Duisburg-Essen, folgendermaßen definiert: „Alle Formen von Lernen, bei denen digitale Medien für die Präsentation und Distribution von Lernmaterialien und/oder zur Unterstützung zwischenmenschlicher Kommunikation zum Einsatz kommen“ 21
19 Vgl. (Niegemann, et al., 2004) S. 3.
20 Vgl. (Niegemann, et al., 2004) S. 3.
21 Vgl. (Kerres, 2001)
Diese Definition bezieht sich ausschließlich auf die elektronische Distribution von Lernmaterialien. Die Form der Distributionskanäle variiert hierbei, so sind z.B. E-Mail, Foren, Downloads etc. denkbar. Es ist möglich beinahe alle elektronischen Kommunikationskanäle für das E-Learning zu benutzen. Diese Definition wird durch das inkludieren sämtlicher Aspekte der elektronischen Kommunikation ausgezeichnet und passt somit hervorragend in den Kontext dieser Arbeit.
Rahmen
Heute fällt der Begriff des E-Learning häufig im Zusammenhang mit elektronischen Lernplattformen wie Moodle 22 , um nur eine zu nennen. Eine solche elektronische Lernplattform kann als System ver-standen werden, bei dem das Internet in Kombination mit E-Mail und Internetforen genutzt wird um, Lerninhalte zu distribuieren. Solche Lernplattformen bieten häufig die Möglichkeit den Lernstoff multimedial aufzubereiten, d.h. es können interaktive Video- und Audiobeiträge integriert werden.
Abbildung 5 Beispiel einer Lernplattform realisiert mit Moodle 23
22 Vgl. (Dialog)
23 Quelle: Eigene Darstellung
Herkunft
"Blended Learning kann aus Antwort auf die enttäuschten Erwartungen im Zusammenhang mit der flächendeckenden Einführung von E-Learning insbesondere in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung angesehen werden." 24
Im ersten Anlauf E-Learning flächendeckend bei den Weiterbildungsanbietern einzuführen hatten sich Hoffnungen das Lernen effizienter und kostengünstiger zu gestalten nicht erfüllt. 25 Aus den Bemühungen die Vorteile des Präsenzlernens mit denen des E-Learnings zu verbinden ging das Blended Learning Konzept hervor.
Definition
Unter Blended Learning versteht man eine Mischform aus E-Learning und dem klassischen Präsenzlernen. Werner Wiater definiert Blended Learning in „Wissensmanagement: Eine Einführung für Pädagogen 26 “ folgendermaßen:
„Blended Learning ist eine Form des Präsenz-Distanz-Lernens unter Nutzung aller Möglichkeiten des E-Learnings; Präsenz- und Distanzphasen werden dabei zu einer hybriden Lernumgebung integriert, d.h. zu einem Methoden-,. Medien- und Konzeptmix. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln wird dieser Mix verschieden akzentuiert.“ 27
Er spricht hier von einer hybriden Lernumgebung, wobei verschiedene Varianten der Ausprägung einzelner Aspekte des Blended Learning denkbar sind. D.h., nach Wiater kann der Schwerpunkt sowohl auf dem Präsenz- als auch auf dem E-Lerningteil liegen. Wohingegen Frau Reinmann-Rothmeier in ihrem Buch „Didaktische Innovation durch Blended Learning“ 28 der Meinung ist, dass die Präsenzlehre beim Blended Learning im Vordergrund steht.
24 Vgl. (Pachner, 1. Auflage 2008) S. 64.
25 Vgl. Ebd. S. 64ff.
26 Vgl. (Wiater, 1. Auflage 2007) S. 43.
27 Vgl. Ebd. S. 235.
28 Vgl. (Reinmann-Rothmeier, 2003)
"Vom Standpunkt des Präsenzlehrens und -lernens [...] aus betrachtet ist Blended Learning eine Bezeichnung dafür, dass man traditionelle Methoden und Medien mit [...] e-Lerning kobiniert. Im Vordergrund steht nach wie vor die Präsenzlehre." 29
Rahmen
Da jedoch die Möglichkeiten des E-Learning immer weiter voranschreiten und auch kooperative Aspekte enthalten können, muss der Präsenzteil beim Blended Learning nicht zwingendermaßen im Vordergrund stehen. Hervorzuheben ist der integrative Ansatz, also die Kombination von klassischen Lernmethoden mit neuen Konzepten des Blended Learning. Dieser lässt sich in mehrfacher Hinsicht erkennen: 30
1. Blended Learning verbindet das Lernen durch die von Lehrern gesteuerte Instruktion mit dem Lernen durch selbstgesteuerte Konstruktion. Der Lehrer kann hier als Lernbegleiter angesehen werden.
2. Blended Learning kombiniert unterschiedliche Formen des Lernens, d.h. Lernen unter Anleitung und eigenverantwortliches Lernen sowie rezeptives und explanatives Lernen und individuelles und kooperatives Lernen zu einem Lernsystem.
3. Blended Learning kombiniert Online und Offline gestütztes Lernen mit dem Face-to-Face-
Learning.
Herr Wiater gibt die Empfehlung, dass die Präsenzphasen vor Beginn und nach dem Kurs vorgesehen sein sollten, weiterhin sollten sie einen ganzen Tag dauern. Online Angebote sollten auf die Fähigkeiten und Interessen der Nutzer ausgerichtet sein. 31
29 Vgl. Ebd. S. 30.
30 Nach (Wiater, 1. Auflage 2007) S. 236.
31 Vgl. Ebd. S. 236
Herkunft
Als Marketing Idee von Tim O´Reilly ins Leben gerufen 32 , kann mittlerweile beobachtet werden, dass der Begriff Web 2.0 eine Art Revolution im Internet ausgelöst hat. Beschäftigt man sich regelmäßig mit Trends und Entwicklungen im Internet stellt man fest, dass der Begriff Web 2.0 dermaßen oft zitiert wird, dass durchaus die Gefahr besteht das Begriff zum reinen „Buzzword“ degradiert wird.
Um den Gedanken der hinter Web 2.0 steckt zu verstehen, ist es hilfreich, die Wahrnehmung des Internets in der Vergangenheit zu betrachten. In der „Zeitrechnung“ vor dem Web 2.0 erlebte der Nutzer das Internet als zweiseitige Informationsquelle. In dieser wurden Inhalte von einer Seite bereitgestellt (dem Content-Anbieter) und von der anderen Seite (dem User) abgerufen.
Man konnte von einer eindeutigen Rollenverteilung sprechen, auf einer Seite der Verfasser und auf der anderen der Rezipient. Ab etwa 2005 33 begann sich diese eindeutige Verteilung langsam aufzulösen, der Rezipient, der ehemals als rein passiver Konsument agierte, begann selbst aktiv als Verfasser von Inhalten zu agieren.
„Die Rollenverteilung der beteiligten Personen war zweiteilig: Zum einen gab es Ersteller von Web-Inhalten, die teils kommerziell, teils privat Informationen einstellen und publizierten.“ 34
Definition
Um die Frage zu beantworten, wann eine Web-Anwendung als Web 2.0 Applikation bezeichnet werden kann, legte O’Reilly u.a. folgende wesentliche Schlüsselfaktoren fest 35 :
x Das Web wird als Plattform betrachtet (anstatt des lokalen Rechners).
x Content getriebene Anwendungen (der Inhalt steht im Mittelpunkt).
32 Vgl. (Beck, et al., 2005) S. 3.
33 Vgl. Ebd.
34 Vgl. Ebd.
35 Vgl. (Tim Oreilly)
x Der Vernetzungsaspekt wird verstärkt durch vom Nutzer erstellten Content (User Generated Content), da mehrere Nutzer gemeinsam Content erarbeiten können. x Weniger komplexe Geschäftsmodelle durch das gemeinschaftliche Nutzen von Inhalten und Technik.
x Der klassische Softwarelebenszyklus wird durchbrochen - die Projekte befinden sich laufend im Beta-Stadium.
Auf seiner Internetseite macht O´Reilly den Versuch einer kompakten Definition:
Web 2.0 is the business revolution in the computer industry caused by the move to the internet as platform, and an attempt to understand the rules for success on that new platform. Chief among those rules is this: Build applications that harness network effects to get better the more people use them. (This is what I've elsewhere called "harnessing collective intelligence.") 36
Frei übersetzt und interpretiert:
Das Web 2.0 ist eine Revolution in der Computerindustrie, hervorgerufen durch die Wandlung des Internets in eine Plattform und den Versuch die Erfolgsfaktoren für diese neue Plattform zu verstehen.
Kernaussage dieser Regeln ist: Konstruiere Anwendungen die besser funktionieren je mehr Menschen sie benutzen. Dieser letzte Satz der Definition stellt den kollaborativen Aspekt des Web 2.0 in den Vordergrund „Applikationen werden mit zunehmender Teilnehmerzahl besser“.
Es sei noch erwähnt, dass der Begriff Web 2.0 nicht ganz frei von Kritik ist. Kritiker werfen O’Reilly vor, dass sämtliche Schlüsselfaktoren bereits vor dem Web 2.0 Zeitalter im World Wide Web anzutreffen waren. So ist es denkbar, das Web von jeher als Plattform zu betrachten. Schon lange vor dem Web 2.0 wurde der kollaborative Aspekt in Form von Gästebüchern, Chats, Newsgroups und Inter-netforen gepflegt. Streng genommen lässt sich ein Newsgroup Beitrag auch als User Generated Content interpretieren.
36 Vgl. (O'Reilly)
Arbeit zitieren:
Jan Dittrich, 2010, Marktscreening zur Gestaltung von kollaborativen selbstorganisierten Lernumgebungen für die Weiterbildung, München, GRIN Verlag GmbH
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