1. Einleitung 2. Europa im Wandel 3. Johannes Gutenberg 4. Tiefgreifende Veränderungen 4.1 Die Reformation 4.2 Die katholische Kirche und der Buchdruck 5. Pressegeschichte
5. 1 Die Zeitung
5. 2 Flugblatt und Flugschrift 5.3 Das Buch 5.4 Ländliches Medium: der Kalender 6. Der Humanismus 7. Fazit 8. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Das 15. Jahrhundert zeichnet sich durch wesentliche Veränderungen im gesellschaftlichen Leben Europas aus: Martin Luther wandelte mit seiner Reformation das religiöse Denken und brachte durch den Protestantismus eine neue Konfession der katholische Kirche hervor. 1 Die Menschen richteten ihren Blick wieder auf die Antike aus und orientierten sich an deren Idealen. 2 Durch die Bauernkriege von 1524 und 1525 sowie dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Mehrheit der Bürger mittellos. 3 Dennoch verbesserte sich die Wirtschaft der Städte im Spätmittelalter rasant, vor allem der Handwerker- und Kaufmannsstand erfuhr hierbei einen raschen Aufschwung. Der Fernhandel dehnte sich weiter aus und machte sich neue Umschlagplätze zugänglich. Es kam zur Veranstaltung von globalen/staatenverbindenden Märkten, auf denen weit ausgreifende Handelsgesellschaften notwendig waren. Diese Entwicklung sorgte dafür, dass das bisher vorhandene Botenwesen, das lediglich auf Teilöffentlichkeiten reduziert war, für die Informationsübermittlung nicht mehr ausreichte. Der Merkantilismus hatte eine wachsende Nachfrage nach fachsprachlichen und literarischen Wissen zur Folge. 4
Doch erst die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, machte es möglich, den zunehmenden Bedarf an Texten zu befriedigen. Der Buchdruck stellt eine bedeutende Begebenheit in der europäischen Kulturgeschichte dar. Texte aus allen Bereichen des täglichen Lebens konnten nun beliebig oft kopiert und unter den Menschen verbreitet werden. Erst diese Medienrevolution ermöglichte es Reformatoren wie Luther und Johannes Calvin, ihre religiösen Ansichten zu verbreiten - denn die katholische Kirche war trotz ihrer Macht nicht dazu imstande, die immer weiter um sich greifenden neuen Medien mit einer wirkungsvollen Zensuren zu belegen. Die Weiterentwicklungen in den Medien im 15. Jahrhundert stellen somit auch eine Grundlage für die gesellschaftlichen Wandlungen zu dieser Zeit dar, oder steuerten zumindest einen wichtigen Teil zu ihrer Entstehung bei. 5 Neue Kommunikationsstrukturen setzten sich unter der Bevölkerung Europas durch. Doch wie genau veränderten sich die „alten“ Medien, beispielsweise der Bote oder der Sänger, mit der Entwicklung des Buchdrucks durch Gutenberg und welche Aufgaben erfüllten die „neuen“ Medien wie Flugblatt, Flugschrift und die Zeitung? Welchen Beitrag leisteten sie zur Reformation, dem
1 Vgl.: Werner Faulstich: Mediengeschichte von den Anfängen bis 1700, Göttingen 2006, S. 120.
2 Vgl.: Stephan Füssel: Gutenberg-Forschung: Kulturwissenschaftliche Aspekte des frühen Buchdrucks. In: Von Gutenberg zum Internet, hg. von Sabine Wefers, Frankfurt am Main 1997, S. 24.
3 Vgl.: Faulstich: Mediengeschichte von den Anfängen bis 1700, S. 121.
4 Vgl.: Frédéric Hartweg: Die Rolle des Buchdrucks für die frühneuhochdeutsche Sprachgeschichte. In: Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. Band 2.2, hg. von Werner Besch, Oskar Reichmann und Stefan Sonderegger, Berlin/New York 1985, S. 1416.
5 Vgl.: Faulstich: Mediengeschichte von den Anfängen bis 1700, S. 122.
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Humanismus und dem Frühkapitalismus? Die folgende Arbeit soll die Entwicklung der Medien nach der Medienrevolution näher erläutern und die daraus resultierenden gesellschaftlichen Veränderungen näher aufzeigen. 2. Europa im Wandel
In vielerlei Hinsicht differenziert sich das Europa des 14. und 15. Jahrhunderts von unserem heutigen. Da die Europäer die Erde noch als Scheibe wähnten, weichte ihre Vorstellung der Welt völlig von unserer ab. Die Menschen ernährten sich auch anders, denn einige Grundnahrungsmittel, wie etwa die Kartoffel, kannten sie noch nicht und Gewürze aus fremden Ländern waren für das gemeine Volk unbezahlbar. Dieses besiedelte größtenteils das Land. Nur die fünfzehn bedeutendsten Städte Mitteleuropas zählten eine Bevölkerung von über 10.000. Auch die Religion der katholischen Kirche übte einen erheblichen Einfluss auf die tugendhaften Bürger aus. 6 Doch damals wie heute verkörperten die Städte den Mittelpunkt von Modernität und Fortschritt. Die Geschäftswelt war auf ihre Finanzen angewiesen und suchte nach neuen Absatzmärkten. Die daraus resultierenden Exkursionsfahrten führten schließlich zur Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 und vertieften zusätzlich den Handel mit weiteren Ländern. Damit kam es zu einer Verschiebung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einflusses von Süd- und Mittel- nach Westeuropa. 7 Der Güteraustausch- und verkehr wurde jedoch bereits im Mittelalter verstärkt. In einigen Fällen wurden noch existierende Verkehrswege und Handelsrouten der Römer wiederbelebt, woraufhin sich der Transfer von Waren verdichtete. Menschen kamen untereinander in Kontakt und verbreiteten Neuigkeiten. An passenden Plätzen, beispielsweise Sammelpunkten und Flussübergängen, fanden Märkte statt und neue Städte wurden erbaut. Diese waren zugleich Brennpunkt beim Austausch von Nachrichten. Auch die Neuigkeiten aus Übersee, etwa die Bezwingung Konstantinopels durch die Türken 1453 oder der angebliche Fund des indischen Meeresufers durch Columbus, weckten den Wissensdurst der Menschen. Zusätzlich durch den sich festigenden Güterverkehr und die ansteigenden politischen Begebenheiten, die sich grundlegend auf die bisherige Welt auswirkten, stieg das Verlangen der Menschen nach mehr Aufklärung. 8 Im Besonderen die Geschäftswelt war nun auch auf den Austausch von Nachrichten angewiesen: Sie musste über die Auswahl der Güter in den anderen Städten Bescheid wissen sowie über die dort herrschende gesellschaftliche Situation. Um passende Angebote darzubieten war es zudem
6 Vgl.: Rudolf Stöber: Deutsche Pressegeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, 2. überarbeitete Auflage; Konstanz 2005, S. 15.
7 Vgl.: Ebd., S. 15.
8 Vgl.: Ebd., S. 16.
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notwendig, das Kaufinteresse genau zu kennen und über die dortigen Gewohnheiten Bescheid zu wissen. 9 Die aus dem vermehrten Handel entstandenen Nachrichtenzentren gewannen gesellschaftlich und kaufmännisch an Einfluss. Sie befriedigten in den Angelpunkten gewisser Gebiete den Drang der Menschen nach mehr Neuigkeiten, sie brachten Nachrichten in Umlauf, waren ein Ort zum Austausch von Nachrichten, waren aber in dem selben Maße auch auf Informationen aus anderen Städten angewiesen. 10
Es war daher notwendig, neue Kommunikationsstrukturen durchzusetzen. Dadurch entstand der Handels- und Kaufmannsbrief. Zudem mussten jedoch die zur Bezahlung unhandlichen Gold- und Silberbarren sowie die wuchtigen Münzen erneuert werden. 11 Eine bedeutende Entwicklung für die Veränderungen im Güterverkehr stellt infolgedessen die Entstehung der Papiermacherei in Italien dar, die sich über Italien, Frankreich und Spanien ihren Weg nach Deutschland bahnte und damit das teure Pergament ablöste. Ab 1390 waren bei Nürnberg und Ravensburg die ersten Papiermühlen zu finden, schon bis zum Ausgang des 16. Jahrhunderts hatte sich diese noch geringe Zahl auf insgesamt 190 deutsche Papiermühlen erhöht. 12 Für den Druck war jetzt ein kostengünstiges Material gefunden worden und etwa 1398 entwickelte sich auch der Holzschnitt in Europa, zusätzlich wurde der Blockdruck Ende des 14. Jahrhunderts in vielen Ländern populär. 13 Das Papiergeld erleichterte fortan den Handel. Stempel wurden in gewünschter Größe aus Holz und Metall erzeugt und nutzten damit der Duplizierung von Einzelblättern, die in großer Auflage verbreitet wurden. Doch der damit verbundene Arbeitsaufwand war für die Buchproduktion nicht rentabel. 14
Einen wichtigen Beitrag zur Weiterbildung der deutschen Sprache leistete zum Einen die Papierherstellung und zum Anderen die Entwicklung und Ausbreitung der Drucktechnik mit beweglichen Lettern durch Gutenberg seit etwa 1450. 15 Durch diese Erfindung kam es zu einer tiefgreifenden Verbesserung im Herstellungsverlauf von einfachen Texten bis hin zu komplexen Büchern. Ob Gutenberg sich über die weitreichenden Auswirkungen seiner Entwicklung bewusst war lässt sich nicht mehr feststellen. Jedenfalls entfalteten sich gänzliche neue Buchformen aus seiner als bloßer Handschriftenkopie gedachten Drucktechnik. 16 Zwar nutzte die Kirche den Druck mit beweglichen Lettern zuerst, doch hauptsächlich der Humanismus war dazu in der Lage, den
9 Vgl.: Faulstich: Mediengeschichte von den Anfängen bis 1700, S. 126f.
10 Vgl.: Stöber: Deutsche Pressegeschichte, S. 17.
11 Vgl.: Faulstich: Mediengeschichte von den Anfängen bis 1700, S. 127.
12 Vgl.: Ebd., S. 164.
13 Vgl.: Ebd., S. 121.
14 Vgl.: Hans-Joachim Griep: Geschichte des Lesens. Von den Anfängen bis Gutenberg, Darmstadt 2005, S. 211.
15 Vgl.: Thorsten Roelcke: Periodisierung der deutschen Sprachgeschichte. Analysen und Tabellen, Berlin/NY 1995, S. 295.
16 Vgl.: Füssel: Gutenberg-Forschung, S. 15.
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geistigen Aufstieg des Buchdrucks zu fördern. Darüber hinaus erkannten die Reformatoren den Nutzen des neuen Mediums des gedruckten Buchs, indessen die katholische Kirche sich vergeblich bemühte, mithilfe der Zensur das reformatorische und für sie ketzerische Gedankengut zu verbieten. Dennoch waren am Anfang des 16. Jahrhunderts die meisten Europäer des Lesens und Schreibens nicht fähig, im deutschsprachigen Gebiet waren etwa 3 bis 4 Prozent der Bürger Alphabeten. Die Frauen machten dabei weniger als ein Prozent aus. In England konnten rund 9 Prozent der Männer und ein Prozent der Frauen lesen und schrieben. Die mündliche Kommunikation überwiegte. Während des 16. Jahrhunderts und den darauffolgenden Jahrzehnten setzte sich dann an vielen Orten die Alphabetisierung durch: Im Jahre 1587 konnten bereits 14 Prozent der Jugendlichen in Venedig am Schulunterricht teilnehmen, zwar wurden mit einem Prozent immer noch kaum Mädchen im Lesen und Schreiben gebildet, doch mit dem Buchdruck kam ein Bildungswesen auf, das sich bald in ganz Europa ausbreitete und tiefgreifende Veränderungen mit sich brachte. 17 3. Johannes Gutenberg
Die Erfindung Gutenbergs ermöglichte die massenhafte Vervielfältigung von Texten. Dadurch konnte wesentlich mehr publiziert werden, als es bisher allein durch Schreiberhand möglich gewesen war. Eigentlich wollte Gutenberg mit seiner neuen Drucktechnik die alten Schreibmedien nicht ersetzen, sondern ein kunstvolles und detailgetreues Abbild der klassischen Handschriften erschaffen. 18 Daher konstruierte er auch seine Druckbuchstaben aus der Handschrift, die zur damaligen Zeit für sakrale Abfassungen verwendet wurde. Dennoch wurde der Druck mit beweglichen Lettern in kurzer Zeit überall in Europa bekannt. Schon 1459 erreichte die neue Technik Bamberg und Straßburg. Hier kam es nur sechs Jahre später zur Publizierung der ersten deutschsprachigen Bibel. Die deutschen Drucker ließen sich 1464 in Rom sowie 1469 in Venedig und 1470 in Paris nieder. Die Anzahl der Standorte von Druckereien stieg stetig an: Gab es 1470 in Europa nur 17 Druckorte hatte sich ihre Menge bis 1480 mit 121 mehr als verfünffacht. Zehn Jahre später existierten schon 201 in Europa. Im Jahre 1500 befanden sich 62 der insgesamt 252 Druckorte im Heiligen Römischen Reich. 19 In den rund sechzig deutschen Städten waren inzwischen allein 300 Druckereien zu finden. 20
Die Erneuerung im Bereich der Drucktechnik sorgte nicht nur dafür, dass Texte leichter zur kopieren waren, sondern sich auch schneller mit ihren Botschaften unter den Menschen ausbreiten
17 Vgl.: Griep: Geschichte des Lesens, S. 220f.
18 Vgl.: Faulstich: Mediengeschichte von den Anfängen bis 1700, S. 165.
19 Vgl.: Griep: Geschichte des Lesens, S. 216.
20 Vgl.: Elisabeth L. Eisenstein: Die Druckerpresse: Kulturrevolution im frühen modernen Europa, Wien 1997, S. 12-
17.
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Arbeit zitieren:
Rebecca Schwarz, 2009, Die Entwicklung der Medien nach Gutenberg, München, GRIN Verlag GmbH
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