„Cogito ergo sum“ - „Ich denke, also bin ich“ René Descartes hat es recht gut erkannt - wir sind. Ob wir auch alle denken sei mal dahin gestellt, aber wir sind hier. Nur stellt sich für viele die Frage: „Warum sind wir hier?“ oder einfacher „Was ist der Sinn des Lebens?“
Hierzu gibt es seit Jahrtausenden viele Ansätze. Unzählige Personen befassten sich mit diesen Thema - Bücher wurden verfasst, Filme produziert, Diskussionen diskutiert.
Eine allgemein gültige Lösung hat man bisher nicht gefunden. Wird man, meiner Meinung nach, auch nicht. Eines ist zumindest gewiss: Das Leben endet. Wir wissen nicht wie, wir wissen nicht wann, aber irgendwann ist es zu Ende (ich lasse hier bewusst religiöse und philosophische Ideen und Gedanken bei Seite).
Nüchtern betrachtet besteht unser Leben aus Folgendem: Wir wachsen auf und müssen in die Schule gehen. Täglich stehen wir auf, gehen dort hin, sitzen dort einige Stunden, hören uns an was LehrerInnen so von sich geben (vieles davon entweder uninteressant oder nicht brauchbar im weiteren Leben) und gehen nach Hause. Regelmäßig wird unser „Können“ überprüft. Schularbeiten, Tests, Prüfungen. Ob wir danach wirklich können, was wir können sollten, sei dahin gestellt. Lernen kurz vor einer Prüfung oder sogar *schock* SCHUMMELN erleichtern uns das Schulleben ungemein. Die meisten Sachen merkt man sich sowieso nicht oder braucht man im Leben nie wieder. Wen interessiert, dass die Winkelsumme in einem rechtwinkeligen Dreieck immer 180° beträgt? Oder, dass FIFO (in der Lagerverwaltung) „first in - first out“ bedeutet? Sowas merkt sich sowieso keiner. Genitiv und Dativ vertauscht? Egal, weiß sowieso niemand, dass das der 2. Fall und der 3. Fall sind. Meine Lehrer haben es auch nie geschafft, dass ich mir solche Sachen merke, auch egal. Deswegen bin ich auch nicht dümmerer. Zu Hause angekommen ist es oft schon Abend und der Tag ist gelaufen. Müde und erschöpft endlich ins Bett, damit alles morgen wieder von Vorne beginne kann, juhu!
Schule erledigt. Abschluss/Matura/Diplom/was auch immer geschafft. Was jetzt? Klar, die schöne Arbeitswelt wartet auf uns! Endlich dem Schulalltagstrott entkommen! Auf geht’s in die Arbeit!
Morgens wachen wir auf und gehen in die Arbeit. Machen dort immer die Selben, uninteressanten Tätigkeiten und gehen abends müde und frustriert nach Hause. Der Chef meckert, die Kollegen machen einem das Leben schwer, die Kunden sind lästig. Stunde um Stunde versuchen wir zu überbrücken, ohne wirklich irgendwas zu schaffen, ohne etwas zu vollbringen. Die Arbeiten sind langweilig und zäh. Freudlos versuchen wir einen Tag nach dem anderen hinter uns zu bringen. Hach, wie herrlich doch die Arbeitswelt ist!
Zu Hause angekommen ist es schon Abend und der Tag ist gelaufen. Müde und erschöpft endlich ins Bett, damit alles morgen wieder von Vorne beginnen kann, juhu!
In hohem Alter haben wir auch das hinter uns. Ein paar Jahre bleiben uns noch, aber da wir inzwischen schwere Raucher und Alkoholiker sind, haben wir davon nicht viel.
Wir sterben, landen in einer Holzkiste und werden vergraben - Ende. Was ist mit unseren Träumen? Unseren Ideen? Unseren Vorstellungen, Wünschen und Plänen? Vergraben in einer Kiste, unter der Erde. Zugegeben, ich habe ein wenig übertrieben. Wenn du dich hier wiedergefunden hast, solltest du mal darüber nachdenken. Naja, wenn du dich hier 1:1 wieder gefunden hast, liegst du unter der Erde in einer Kiste. Was bedeutet, dass du das hier sowieso nicht lesen kannst - hoffe ich mal…
Um nochmal auf Descartes zurückzukommen: „Ich denke, also bin ich“ Nur „zu sein“ reicht uns nicht aus, wir wollen leben!
Meine Antwort auf „Was ist der Sinn des Lebens“ - es hat keinen Sinn! Den Sinn müssen wir ihm geben! Ganz einfach. Ganz einfach? Nein, überhaupt nicht. Eines der größten Hindernisse des Menschen, macht uns hier einen Strick durch die Rechnung: Wir wissen nicht was wir wollen!
Macht
Viele Personen sehen ihren Sinn des Lebens im Ansammeln von Macht. Das sind dann diese Personen, die als kleines Kind mit einer Lupe über einem Ameisenhaufen gehockt sind und fies lachend Ameisen angebrutzelt haben.
In der Schule waren sie die ersten, die jemand anderen verpetzt haben, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Die, die sich sofort als Klassen- und Schulsprecher aufstellen ließen und diese Positionen mit allen Mitteln auch erreicht haben. Oder auch Personen, die einfach „hohe Tiere“ in ihren Schulklassen waren. Nach der Schule, geht’s ab in eine große Firma, mit vielen Aufstiegsmöglichkeiten. Wenn ihnen das nicht gelingt, gibt’s noch viele andere Möglichkeiten. Politik vielleicht. Oder wenn man ein guter Redner ist, kann man ja einfach eine kleine Armee aufbauen und ein kleines Land erobern. Oder mehrere Länder.
Ernsthaft, viele Menschen sehen Macht, vor allem viel Macht, als etwas Erstrebenswertes, weshalb sie ihr Handeln und Tun auf die Erlangung eben dieser Macht auslegen. Nicht unbedingt mit den vorher erwähnten Mitteln, aber es sind durchaus Möglichkeiten. Warum jemand Macht anstrebt, kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Einer der Gründe ist, dass er selbst nie Macht hatte und der Macht und Willkür anderer ausgesetzt war. Vielleicht ist jemand mit den aktuellen Zuständen unzufrieden und möchte Macht erlangen, um etwas zu ändern. Oder aber, jemand möchte Macht haben um der Macht willen.
Freiheit
Freiheit ist für viele der ultimative Sinn des Lebens. Diese Leute sind ganz einfach zu erkennen. Sie sehen so aus, wie ein normaler Mensch nie aussehen würde. Sie tragen Kleider und Frisuren, die niemand sonst tragen würde - haben absonderliche Jobs wie „Taubentröster“, „Pflanzenerzieher“ oder „Künstler“. Sofern sie überhaupt einen Job haben, versteht sich natürlich. Arbeiten könnte ja ihre Freiheit einschränken. Manchmal wandern diese Leute auch aus, in ein Land, dessen Sprache sie nicht können und versuchen ihre Berufe dort auszuüben. Spaß beiseite: Freiheit kann für viele durchaus zu einem Lebenssinn werden. Wir haben das Glück, frei zu sein. Natürlich könnte man hier wieder über das Thema streiten, was Freiheit eigentlich bedeutet. Absolute Freiheit gibt es nicht, das ist Fakt. Meine Freiheit hört dort auf, wo die Freiheit eines anderen beginnt. Oder anders gesagt: Wenn ich die Freiheit eines anderen einschränke, bin ich mit meiner Freiheit zu weit gegangen.
Menschen, die einen inneren Drang verspüren, ein Ziehen, eine Ruhelosigkeit. Unzufrieden mit ihrem derzeitigen Leben, können sie diese merkwürdigen Gefühle nicht einordnen. Sie fühlen sich nicht frei, wissen es aber nicht. Für sie wird das Streben nach Freiheit zum Sinn ihres Lebens.
Es gibt auch nachwievor Menschen, die nicht frei sind, auch im eigentlichen Sinne nicht. Unterdrückung, Überwachung, Zensur, keine Meinungsfreiheit. Auch für solche Menschen wird Freiheit für sich und andere zum Sinn ihrer Existenz.
Lust
Falls du an dieser Stelle kicherst, wie ein Schulmädchen, möchte ich dich beglückwünschen, dass du es geschafft hast, bis hierher zu lesen. Für viele Menschen steht die Lust im Vordergrund. Lust, kann, muss aber nicht, auch sexuelle Lust bedeuten. Hier ist an materielle Genüsse orientierter Lebensstil gemeint. Alles was Genuss bereitet, wird gerne gemacht. Die alten Römer (die ganz alten Römer, keine italienischen Senioren) haben das ganz gut vorgelebt. Alkohol-, Fress- und Sexorgien. Heutzutage gibt’s hierbei aber einige Komplikationen, die diesen Lebensstil erschweren. Zum einen gibt’s recht wenige Menschen, die es sich leisten können und wollen. Leider müssen die meisten von uns Arbeiten, was oft nichts mit Genuss zu tun hat. Weiters kommt noch hinzu, dass Sklaverei offiziell abgeschafft worden ist. Man hat zwar etwas Ähnliches entwickelt, aber in diesem Verfahren ist nur ein Leibeigener erlaubt (ich habe hier bewusst nicht gegendert) - man hat es „Ehe“ genannt. Der dritte Faktor, der den römischen Lebensstil heute schwierig macht ist der, dass es nicht mehr als sehr ästhetisch gilt, 250kg zu wiegen (und da man keine Sklaven hat, die einem die Sänfte herumtragen, ist es auch nicht mehr so bequem).
Monument
Ein Monument für die Nachwelt hinterlassen! Noch nach dem Tode bekannt zu sein! Einige Menschen haben es geschafft, manche durch Gutes, manche durch Schlechtes, manche nicht mal mit Absicht. Manche Menschen möchten nicht vergessen werden. Unsere Zeit ist begrenzt, aber unser Handeln, unsere Werke sollen weiter leben. Vergleichsweise wenige schaffen es, dass man sich nach ihrem Tod noch lange an sie erinnert. Natürlich, die meisten haben Familie, aber
irgendwann gerät man in Vergessenheit. Einige wenige Personen haben es geschafft noch über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende bekannt zu sein. Viele haben von Julius Caesar oder Kleopatra gehört, von Leonardo DaVinci oder Johann Wolfgang von Goethe, von Pharao Ramses oder Sokrates gehört. Diese und ein paar weitere gehören zu einer kleinen Gruppe von Personen, die es geschafft hat, vermeintlich unsterblich zu werden.
Realistisch gesehen, wird das den meisten von uns wahrscheinlich nicht gelingen, aber man soll niemals nie sagen.
Erleuchtung
Das „Erwachen“, die Erlangung von Weisheit und Mitgefühl, innere Balance. Darin sehen viele Menschen ihren Sinn. Wie genau man Weisheit erlangt, kann ich leider nicht sagen. Manche behaupten, Weisheit entsteht durch Erfahrung. Ich kann aber auch eine Sache 50 Jahre lang schlecht und falsch machen.
Komplett ausgeglichen sein - eins sein, mit sich selbst und der Umwelt. Absolute innere Ruhe. Ob es diesen Zustand wirklich gibt, kann ich auch nicht sagen, ich habe ihn zumindest nicht erreicht. Das könnte auch daran liegen, dass ich es nicht aktiv versuche. Vielleicht würde mir ein Jahr unter Mönchen in einem tibetanischen Bergdorf helfen - oder mich in den Wahnsinn treiben. Wie ich mich kenne, würde ich auf die zweite Möglichkeit tippen.
Für einige von uns ist aber genau das ihr Weg durchs leben. Ob dieser Weg zur Erleuchtung führt, müssen sie wohl selbst herausfinden.
Nicht nur von Person zu Person, sondern auch von Zeitalter zu Zeitalter ändert sich der Sinn des Lebens.
So bestand in der Antike der Sinn des Lebens für viele in der Erlangung von Glückseligkeit. Aber auch schon hier wieder unterschieden verschiedene philosophische Schulen, was Glück eigentlich ist und natürlich, wie man es erlangt.
Im Mittelalter wurden Hexen verbrannt, die im Bunde mit Satan standen! Leute, die Gott abgeschworen gesündigt hatten wurden gefoltert! Herrliche Zeit, richtig gemütlich damals. Immer brannte ein warmes Feuerchen und wenn man seinen Nachbarn nicht mochte, behauptete man einfach, er war ein ungläubiger Hexer. Wahrscheinlich wäre ich damals
nicht sehr alt geworden (was nicht unbedingt etwas mit der geringeren Lebensdauer, Hygiene, etc. zu tun gehabt hätte…). Damals dominierten ein paar alten Herren, die sich alles unter den Nagel rissen, was sie konnten. Pardon, ich meine natürlich, damals wachte die gütige Kirche mit ihren weisen Worten und edlen Taten über uns. Das Christentum war überall, was es nicht verwunderlich wirken lässt, dass das Leben nach dem Tod der Sinn des Lebens war. Naja, eigentlich klingt es heute für viele von uns doch recht verwunderlich. Maximal mögliche Gemeinschaft und Einigkeit mit Gott, was das Ziel der damaligen Menschen. Mit dem Beginn der Neuzeit begannen auch viele Menschen anders zu denken. Neue Ideen, Theorien und Philosophien traten auf den Plan. Man entfernte sich immer weiter vom blinden Gehorsam weltlichen und kirchlichen Institutionen gegenüber.
Im Endeffekt ist es doch so, dass wir in unser Leben „hineingeworfen“ werden und uns und unser Leben selbst definieren müssen. Wir entwickeln ständig neue Entwürfe und Ideale von uns, denen wir dann nachleben. Uns geht es eigentlich gut, weswegen wir in eine „Wohlstandsneurose“ verfallen. Speziell unter jungen Menschen ist das sehr weit verbreitet. Man geht in der Masse unter. Eine/r von vielen. Ein Fisch im Schwarm, der von der Strömung mitgerissen wird. Gefangen im Wohlstand. Durch diesen Zustand kommt es immer häufiger zu Depressionen, manchmal sogar zum Freitod. „Der Selbstmörder will zwar das Leben, aber nicht unter den gegebenen Umständen“ - Schoppenhauer
Etwas zu ändern ist aber oftmals gar nicht so schwer, wie wir es uns vorstellen. Wir suchen oft nur nach Ausreden um nichts ändern zu müssen. Warum? Ganz einfach, wir sind faul geworden. Also rafft euch auf! Hört auf zu jammern und nehmt euer Leben selbst in die Hand! Gebt eurem Leben selbst einen Sinn! Wartet nicht darauf, dass es ein anderer für euch tut - sonst besteht die Gefahr, dass euch dieser Sinn nicht gefällt!
„Die Zukunft hat viele Namen:
für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance.“
Arbeit zitieren:
Tim Maier, 2006, Sinn und Unsinn des Lebens, München, GRIN Verlag GmbH
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