1. Einleitung
Die Diskussion um aggressives und gewalttätiges Verhalten in den Schulen ist in letzter Zeit wieder verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Es häufen sich Nachrichten über Aggressionen und Gewalt zwischen Kindern und Jugendlichen, sowie zwischen Schülern und Lehrern. Dabei wird von Prügeleien, Schlägereien Belästigungen und Erpressungen berichtet. Lehrer berichten, dass schon die Kinder in der Grundschule und in der Mittelstufe nicht nur zappelig, unruhig und nervös sind, sondern auch die Anzahl der ruppigen, aggressiven, gewalttätigen und brutalen Schüler und Schülerinnen zunimmt. Selbst von Übergriffen auf Lehrer wird berichtet, wobei hier die Hauptschulen und Berufsschulen am meisten genannt werden.
In einer Vielzahl von Medienberichten wird immer wieder von spektakulären Einzelfällen berichtet, aus denen häufig eine generelle Tendenz der Brutalisierung und der Steigerung der Gewaltbereitschaft bei den Schülern abgeleitet wird.
Die Diskussion um aggressives Schülerverhalten ist allerdings keineswegs neu. Mitte der 70er Jahre tauchten in den Medien erstmals Berichte über zunehmende und brutale Schülergewalt auf. In der USA beschäftigte sich auch bald die wissenschaftliche Forschung mit dem Problem, während in der BRD nur Einzelfälle bearbeitet wurden. Noch im Jahr 1989 sprach man von aggressiven Schülern und Disziplinschwierigkeiten, nicht aber über „Gewalt an der Schule“. Die öffentliche Diskussion des Themas regte auch die wissenschaftliche Diskussion dieses Themas an. Seit 1990 gibt es eine Flut von Veröffentlichungen zu diesem Thema.
Ziel dieser Seminararbeit soll es sein, das Thema „Aggression in der Schule“ überblicksweise darzustellen. Dabei sollen zunächst die Begriffe „Aggression“ und „Gewalt“ voneinander unterschieden werden und definitorisch festgelegt werden. Danach werden theoretische Denkansätze zur Erklärung von aggressiven Handlungen vorgestellt. Die Beschreibung der Situation an den Schulen soll Mittelpunkt der Arbeit sein. Hier gehe ich auch auf die unterschiedlichen Formen der Gewalt an Schulen ein und versuche Ursachen und Bedingungsfaktoren für aggressives Schülerverhalten aufzuzeigen. Im letzten Punkt soll dann auch der Frage nach Präventionsmöglichkeiten und Interventionsmaßnahmen nachgegangen werden. Wie können Gewaltphänomene in der Schule verhindert bzw. reduziert werden?
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2. Aggression und Gewalt - Versuch einer definitorischen Klärung
Für die Begriffe „Aggression“ und „aggressiv“ können in der umgangsprachlichen Verwendung eine Vielzahl von Bedeutungen unterschieden werden. „So denken manche Menschen nur an massives, intensives Verhalten, wie körperliche oder verbale Angriffe oder Sachbeschädigungen. [...] Andere Menschen beziehen hingegen auch subtilere Formen wie Missachtung und mangelnde Hilfeleistung mit ein. [...] Viele Menschen sprechen nur dann von Aggression, wenn sie das Verhalten ungerecht finden.“ 1 Wenn man verschiedene Personen die Anweisung gibt den Begriff „Aggression“ zu definieren, so kommt man sehr häufig zu verschiedenen Definitionen, die jedoch im Kern sehr ähnlich sind. Zunächst können in der wissenschaftlichen Diskussion zur Definition des Aggressionsbegriffs weite und enge Definitionen unterschieden werden. In weiten Definitionen des Begriffes „Aggression“ wird letztlich jede Form von gerichteter Aktivität des Menschen und jede aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt als eine Form von Aggression betrachtet. 2 Für den praktischen Umgang mit aggressiven Schülerverhalten sind diese Definitionen jedoch unbrauchbar.
Enge Definitionen von Aggression versuchen Aggression möglichst klar von anderen Verhaltensformen abzugrenzen und durch relativ wenige Merkmale zu bestimmen. Geeignet erscheint mir die Definition von Fürntratt: „Unter aggressiven Verhaltensweisen werden hier solche verstanden, die Individuen oder Sachen aktiv und zielgerichtet schädigen, sie schwächen oder in Angst versetzen.“ 3
Die Begriffe Gewalt und Aggression können zwar in vielen Fällen synonym verstanden werden, Gewalt bezeichnet aber nach geläufigem Sprachgebrauch eher schwerere, insbesondere körperliche und weniger verbale und indirekte Formen aggressiven Verhaltens.
1 Nolting (1997), S. 21
2 Vgl. Hacker (1971), S. 80
3 Fürntratt (1974), S. 283
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3. Theoretische Denkansätze zur Erklärung von aggressiven
Handlungen
Es ist schwer festzustellen, ob Aggressivität ein fester Bestandteil eines jeden Individuums ist, der seit Geburt in unseren Körpern ruht und auf seinen unberechenbaren Einsatz wartet. Wenn man Kleinkinder genau beim Spielen beobachtet, kann man aggressive Tendenzen feststellen, beispielsweise wie sie unter körperlichen Einsatz ihr Spielzeug vor anderen verteidigen. Dies ist aber wohl eher der ,,harmlose" Ausbruch von Aggressivität. Gewalttätige Eruptionen jedoch, wie man sie beispielsweise auf Schulhöfen beobachten kann, bei denen sich Schüler extrem verbal wie körperlich verletzen, entsprechen unserer Meinung nach nicht einem angeborenen Aggressionspotential. Doch wie kann Aggression nun solche Ausmaße annehmen? Um diese Frage ansatzweise zu beleuchten, möchte ich zwei theoretische Denkansätze vorstellen.
3.1 Die Soziale Modellbildung nach Bandura
Bandura (1969) war der Überzeugung, dass viele aggressive Verhaltensweisen durch das Beobachten Anderer gelernt werden. Dieses beobachtende Lernen wird auch soziales Lernen genannt. Die Fähigkeit, durch Beobachtung zu lernen, ermöglicht, Verhaltensmuster zu erwerben, ohne sie langwierig und mühsam durch mehrmaliges Scheitern aufbauen zu müssen. Er nahm an, dass durch das beobachtende Lernen auch ein Sozialisierungsprozess stattfindet: Kinder, die eine gewaltsame Handlung beobachten, werden diese in einem analogen Setting, in ähnlicher Weise anwenden.
Banduras Persönlichkeitsansatz lässt sich durch seinen berühmten Versuch (1969) veranschaulichen, bei dem Kinder einen Film sahen, in dem ein Erwachsener eine Puppe schlug und trat und sie zu Boden stieß. Die Versuchsmanipulation (die unabhängige Variable) bestand darin, ob der Erwachsene im Film für sein Verhalten danach bestraft oder belohnt wurde. Die abhängige Variable war der Grad an Aggressivität, den die verschiedenen Gruppen von Kindern gegenüber dieser Puppe an den Tag legten, mit der sie spielen durften, nachdem sie die eine oder andere Version des Films gesehen hatten. Die Kinder, die gesehen hatten, dass der Erwachsene für seine Aggressivität belohnt wurde, erwiesen sich als aggressiver. 4
4 Vgl. Krech/Crutchfield (1992), S. 53
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3.2 Die Frustrations- Aggressions- Hypothese nach Dollard
Aggression ist häufig eine Folge von Frustration. In verschiedenen Untersuchungen ließ sich beobachten, dass unter bestimmten Umständen auf eine Frustration mit Aggression reagiert wurde. Diese Tatsache veranlasste Dollard zur Aufstellung der Aggressions- und Frustrationstheorie, die besagt, dass Aggression immer eine Folge von Frustration ist und das Auftreten von aggressivem Verhalten immer die Existenz von Frustration voraussetzt. 5 Das heißt demnach, wenn eine Person ihr gestecktes Ziel nicht erreicht, egal aus welchen Gründen, entsteht Frustration. Es muss allerdings nicht immer zur Aggression kommen. Kritiker dieser Hypothese weisen darauf hin, dass statt Aggression auch Depression die Folge von Frustration sein kann sowie auch, dass sich aggressives Verhalten durch einen Lernvorgang erklären lässt.
4. Beschreibung der Situation in den Schulen
Das Ausmaß von aggressiven Schülerverhalten ist stark von der Schulart abhängig. Die höchste Gewaltbelastung weisen in der Regel die Förderschulen auf, gefolgt von Haupt- und Realschulen. An Gymnasien hingegen gibt es tendenziell eine relativ geringe Gewaltbelastung. Mehrere angelegte Studien kommen zu dem Ergebnis, dass eine Dramatisierung des Ausmaßes an Gewalt, wie sie oft in den Medien dargestellt wird, nicht festzustellen ist. Dies sollte jedoch nicht als Entwarnung missverstanden werden, da es trotzdem viele Schulen gibt, die mit Gewaltproblemen zu kämpfen haben. Dennoch kann keineswegs davon gesprochen werden, dass der Schulalltag durch intensive aggressive Auseinandersetzungen zwischen Schülern oder durch aggressive Angriffe auf Lehrer geprägt wird. Auch muss festgehalten werden, dass nur ein geringer Teil oft oder sehr oft aggressives Verhalten äußerst. Diese Minderheit steht einer gewaltigen Mehrheit gegenüber, die sich selten oder nie aggressiver Verhaltensweisen bedienen.
Aggressives Schülerverhalten führt zu einer erheblichen Störung des Schulalltags und schulischer Lernprozesse und bedeutet darüber hinaus eine Beeinträchtigung und Schädigung von Schülern.
5 Vgl. Bierhoff (1998), S.8
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Arbeit zitieren:
Angelina Schulz, 2010, Aggression und Gewalt in der Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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