Kurzzusammenfassung
In Sprüche 8 stellt sich die Weisheit dem Volk Israel vor. In einer Rede an das Volk erklärt die personifizierte Weisheit ihre Vorzüge und erzählt von ihrem göttlichen Ursprung. Ihr Ziel ist es, die Menschen zu einem gottbejahenden Leben einzuladen, ansonsten sind die Menschen verloren. Außerdem erzählt sie dem Volk, dass sie bei dem Schöpfungsakt anwesend war und mitgewirkt hat und stellt sich so als ein gottesähnliches Wesen vor.
1. Erster Leseeindruck
In Sprüche 8 wird die Weisheit personifiziert und spricht den Leser direkt an. Auf den Leser wirkt die Weisheit sehr selbstbewusst, denn sie versteckt sich nicht und schildert ihre Vorzüge. Allerdings wirkt die Weisheit auch überheblich und von sich selbst überzeugt ± sie wirbt für sich. So ist die Einladung der Weisheit an die Menschen eine Art Selbstanpreisung. In diesem Text zeigt sich die Weisheit als dynamisch, direkt und fordernd.
2. Synchrone Zugangsweise
Das Sprüchebuch befindet sich im Kanon zwischen den Psalmen und den Predigern. In den Kapiteln 1-5 der Proverbien wird die Rolle der Weisheit beschrieben, die sie im Leben der Menschen spielt. Thematisiert wird hierbei, wie das Schicksal derjenigen, die sich der Weisheit anschließen und derjenigen, die die Weisheit ablehnen, aussehen wird. In den Kapiteln 6-8 wird dann der Ursprung der Weisheit geklärt. Dem Buch der Weisheit zufolge hat die Weisheit einen göttlichen Ursprung und erweist sich als präexistente Kraft, die an der Schöpfung mitgewirkt hat. Die Weisheit als Inspiration und Muse Gottes? In Kapitel 9 des Sprüchebuchs wird dann die Torheit dargestellt, die in Kontrast zur Weisheit steht und alle gegenteiligen Eigenschaften besitzt. Insgesamt geht es in den Kapiteln 1-9 um das Lob der Weisheit. Die Sprüche 1-9 stellen einen Teil des Sprüchebuchs dar,
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LQGHQHQÄ]HKQ/HKUUHGHQYLHU:HLVKHLWVJHGLFKWH>«@XQGGUHL=ZLVFKHQVWFNH³YRUNRm- men(Meinhold, 2004, 1627). Sprüche 8 ist demnach eine Lehrrede der Weisheit an das Volk. Allerdings könnte Sprüche 8 auch ein Weisheitsgedicht zu Ehren der Weisheit sein (vgl. Meinhold, 1991, 132).
In den Kapiteln 10-19 wird das geschichtliche Wirken der Weisheit beleuchtet. An dieser Stelle wird der Bezug zu Israels Auszug aus Ägypten hergestellt. In den letzten Kapiteln des Sprüchebuchs wird von Ratschlägen der Weisen erzählt. Im Buch der Weisheit wird die Weisheit als Schöpfungsmittlerin und geschichtliche Kraft dargestellt. Auffällig sind die Spuren des griechischen Denkens in dieser Schrift, die eine wichtige Rolle bei der Verfasserfrage spielen (vgl. Ego, 2006, 1451f).
Nach H. Engel befindet sich in Sprüche 7,22-GHUÄ+\PQXVDXIGLH:HLVKHLW³GDPDQ als Leser in diesem Abschnitt etwas über das Wesen, den Ursprung und die Wirkkraft der Weisheit erfährt (vgl. Engel, 1998, 132). Jedoch geht das Eigenlob der Weisheit bis zu Vers 21.
Sprüche 8, 1-21: Im ersten Abschnitt des Kapitel 8 des Sprüchebuchs tritt die Weisheit als Person auf. Allerdings preist sie sich in diesem Kapitel selbst an und wirbt dafür, sich ihr anzuschließen. Sie zeigt sich öffentlich und spricht direkt zum Volk. Außerdem macht sie den Menschen Hoffnung ± Voraussetzung für ein gutes Leben ist jedoch, sich ihr anzuschließen. Die Weisheit empfiehlt sich in diesem Abschnitt selbst und will die Menschen so dazu bringen, sich für ein Leben mit Gott zu entscheiden und ihrer Einladung Folge zu leisten.
Sprüche 8, 22-31: Im zweiten Abschnitt erzählt die Weisheit von ihrem göttlichen Ursprung. Sie beschreibt sich selbst als präexistente Kraft und erklärt, dass sie während dem Schöpfungsakt anwesend war. Des Weiteren beschreibt sie sich selbst als Gottes Liebling (Vers 30). Sie war anwesend bei der Schöpfung und unterhielt den Herrn (Vers 30f.). Somit kann sie auch als Inspiration Gottes während des Schöpfungsakts verstanden werden. Der Herr setzte sie an den Anfang und stellte so die Beziehung zwischen der Schöpfung und ihm her. Die Weisheit ist demnach auch eine Mittlerin. Sie wird als Anfang der Schöpfung verstanden und ist somit auch der Anfang des göttlichen Wirkens (vgl. Müllner, 2006, 104).
Sprüche 8, 32-36: Im letzten Abschnitt ist die Weisheit als eine Art Wegweiser für die Menschen zu verstehen. Wenn man dem Weg der Weisheit folgt, führt man ein gottgefälliges Leben (Vers 32ff.). Die Weisheit lädt die Menschen ein, sich ihr anzuschließen und ihr zu folgen. Letztlich ist es aber die Entscheidung jeden Einzelnen, sich von der Weis-
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heit einladen zu lassen und ihr zu folgen. Allerdings macht die Weisheit in ihrer Rede auch darauf aufmerksam, dass diejenigen, die sich ihrer verweigern und sich ihr nicht anschließen, verloren sind (Vers 36).
Durch die Rede der Weisheit in Kapitel 8 des Sprüchebuchs, die sich an das Volk Israel richtet, soll den Menschen bei ihrer Entscheidung geholfen werden. Die Menschen müssen sich zwischen einem Leben mit Gott ± das von Gottesfurcht geprägt sein soll ± und einem Leben ohne Gott entscheiden. Das Leben ohne Gott birgt für die Menschen jedoch keine Hoffnung. Als gottesähnliches Wesen soll die Weisheit den Menschen durch ihre Rede und auch durch ihr Werben für ein gottgefälliges Leben den Menschen ihre Entscheidung erleichtern. Die Weisheit lädt die Menschen ein. Sollten die Menschen dieser Einladung folgen, verspricht ihnen dieser Zuspruch großes Glück (vgl. Müllner, 2006, 103).
Auch das Buch Hiob (Ijob) erklärt, dass die Weisheit göttlichen Ursprungs ist und während dem Schöpfungsakt anwesend war. So erfährt man bereits vor den Proverbien etwas über die Herkunft und das Wesen der Schöpfung. So heißt es im Buch Hiob: 25 26 Als er dem Wind sein Gewicht gegeben und dem Wasser sein Maß gesetzt, als er dem 27 Regen ein Gesetz gegeben hat und dem Blitz und Donner den Weg: damals schon sah 28 er sie [die Weisheit] und verkündigte sie, bereitete sie und ergründete sie und sprach a zum Menschen: Siehe, die Furcht des Herrn, das ist die Weisheit, und meiden das Böse, das ist Einsicht (Ijob 28,25-28).
Diese Verse bestätigen ebenfalls, dass die Menschen gottesfürchtig sein sollen, wenn sie weise sein wollen und die Torheit in diesem Falle zu meiden ist. Dies ist die Aufgabe Gottes für die Menschen.
Die Proverbien sind sprachlich kunstvoll gestaltet. Die Sprüche und Reden der Weisheit haben einen poetischen Charakter (vgl. Müllner, 2006, 44). Mithilfe des poetischen Charakters wird in den Proverbien ein Kontrast zu dem alltäglichen Leben hergestellt (vgl. Müllner, 2006, 44). Da die Weisheit in Sprüche 8 eine Rede hält, wendet sie sich persönlich an das Volk und spricht diese direkt an. Des Weiteren wird die Weisheit in Sprüche 8 personifiziert ± Frau Weisheit.
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Arbeit zitieren:
Magdalena Rode, 2009, Die Weisheit in "Sprüche 8", München, GRIN Verlag GmbH
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