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ßende Intervention Scipios (53,4-13). Die Aufnahme der Soldaten in Canusium kann darin nicht eingeschlossen ein, da das exemplum Busas und die Nachricht darüber erst in Venusia eingetroffen sein mussten, damit sich deren Einwohner dies zum Vorbild für ihre eigene Gastfreundschaft nehmen konnten. Venusiam: „Stadt in Apulien, heute Venosa“ 4 , ca. 50 km von Canusium, heute Canosa di Puglia, entfernt. Livius’ formal unterschiedliche Verweise auf diese Stadt bzw. deren Einwohner (54,2: Venusini; 54,3: populus Venusinus) kann nach Catterall als „example[…] of variety in Livy’s style“ 5 , und somit als Abkehr von der Ciceronischen Uniformität und Symmetrie angesehen werden. 6 ad consulem: vgl. 49,14; gemeint ist der Konsul des Jahres 216, C. Terentius Varro, der im Gegensatz zu seinem Amtskollegen L. Aemilius Paul(l)us (vgl. 49,6-12) die Schlacht bei Cannae überlebte und mit 50 Reitern nach Venusia fliehen konnte. Namentlich wird er zuletzt in 45,8 (unmittelbar vor der Schlacht) danach erst wieder in 54,6 genannt, als er seine neu versammelten Truppen nach Canusium bringt. 7 Dazwischen, also im Kontext der dramatischen Schlacht und Niederlage, wird auf ihn - wie an dieser Stelle - nur in Hinblick auf sein Amt verwiesen: collegae (49,11), consul alter (49,14), fugientem consulem (50,3), alterum consulem (54,5). Dies könnte die Einschätzung Burcks unterstützen, wonach Livius die Hauptschuld für die Niederlage von Cannae in der Tatsache gesehen habe, dass Varro überhaupt das Konsulat antreten konnte. 8 Quattuor milia et quingenti pedites equitesque: Diese Zahl an Überlebenden sowie die bereits in 52,4 erwähnten 4200 übergeht Livius in seinem Vergleich der Niederlagen an der Allia und bei Cannae in 50,3. 9 So erwähnt er lediglich die 50 Überlebenden, die sich Varros Flucht nach Venusia anschließen konnten. 10 Dadurch kann Livius zweierlei Wirkung erzielen: Zum einen erweckt er den Anschein, dass es sich bei dieser Zahl um die einzigen Überlebenden handle, wodurch die Niederlage bei Cannae umso dramatischer erscheint. Zum anderen konstatiert diese Zahl den numerischen Tiefpunkt des römischen Heeres und somit
4 Blank-Sangmeister (2000) 222.
5 Catterall (1938) 292.
6 Catterall betont, dass gelegentliche Variationen bei allen Autoren zu finden seien. An dieser Stel-
le erscheint die Variation allerdings aufgrund der raschen Aufeinanderfolge (dreimal innerhalb von
zwei Sätzen) auffällig, zumal nach Catterall bei Livius „the repetition of the same word after a
short interval […] much more common“ sei (ebd. 297).
7 Vgl. Trümpner (1965) 29.
8 Vgl. Burck ( 2 1962) 84.
9 Vgl. Finken (1965) 51.
10 Livius Feststellung, dass prope totus exercitus (50,3) dem sterbenden Konsul Paul(l)us in den
Tod gefolgt sei, erscheint im Vergleich der Truppenstärke vor der Schlacht von 50 000 (46,6) und
der über 10 000 Überlebenden etwas übertrieben.
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zugleich den Ausgangspunkt für dessen Wiedererstarken, welches Livius im Folgenden sukzessive durch immer größere Zahlen an Überlebenden suggeriert: vix quinquaginta (50,3) - ad sescenti (50,11) - ad quattuor milia…et ducenti (52,4) - adquattuor milia et quingenti (54,1) - ad decem milia (54,5) und schließlich iam aliqua species consularis exercitus (54,6). Bei einem objektiven Vergleich der beiden Schlachten aus der Warte eines auktorialen Erzählers mit der Absicht, sie innerhalb des Gesamtkontextes römischer Geschichte zu verorten, hätte er diese Zahl an Überlebenden berücksichtigen müssen. sparsi fuga per agros fuerant:
Da sie das Schlachtfeld verlassen haben, sind diese Flüchtenden eidbrüchig geworden (vgl.
Liv. 22,38,2-4). Der Senat wird sie später der sizilischen Armee eingliedern. Dort müssen
sie ohne Sold ihren Dienst versehen, bis der Feind italischen Boden verlassen hat (vgl. Liv.
25,5,11). Nur die Soldaten, die bei ihrem Heerführer geblieben waren, werden von diesen
Sanktionen ausgenommen. 11
Livius setzt fuerant statt erant um die Betonung von dem Prozess auf den Zustand der Soldaten zu verlegen, die Versprengte waren, in Abgrenzung zu denjenigen, die aus den Lagern nach Canusium oder zusammen mit Varro nach Venusia geflohen waren. pervenere: Nebenform zu pervenerunt, s. 3,6,7; 8,13,4; 21,35,5 u.a.; bei Cic. kein Kompositum von venire in dieser Nebenform belegt, bei Caes. circumvenere: Gall. 25,6,11; nach McDonald ein Indiz für Livius’ „,Silver’ Latin […] with free use of poetic expression 12 “ 13 .Wechsel zurück ins lat. Erzähltempus Perfekt, nachdem Livius bei der Eidabnahme durch Scipio unmittelbar zuvor das dramatische Präsens verwendet hat (53,13: iurant…tradunt). 2 Eos omnes: anstatt rel. Satzanschluss (9,42,9; 39,27,8; 40,42,5); ebenso ii omnes: 9,42,7; 29,21,3; quos omnes als rel. Satzanschluss nur einmal belegt: 34,16,5, quibus omnibus zweimal: 34,3,1; 37,55,4. per familias: invitati hospitaliter per domos (1,9,9); custodibus divisis per domos (25,31,8); 14 zur Variation von Abl. instr. und per + Akk vgl. Catterall (1938) 305f. Eos…benigne accipiendos: Parallelismus zur Aufnahme der Flüchtigen in Canusium: eos…moenibus tantum tectisque a Canusinis acceptos (52,7). Abgesehen von Busa duldeten die Canusiner die Flüchtlinge nur, während sie in Venusia herzlich aufgenommen wurden, jedoch nicht aus Nächstenliebe, sondern um sich von Busa nicht übertrumpfen zu lassen (54,3). Dass die Bundesgenossen - in welcher Ausprägung letztlich auch immer - im Fall dieser Niederlage Rom die Treue
11 Blank-Sangmeister (2000) 208.
12 “words that appear earlier only in the poets e.g. […]' -ere ' for ' -erunt '” (McDonald [1957] 167).
13 Ebd.
14 Vgl. Weissenborn ( 9 1905) 122.
4
halten und dessen Bestand retten würden, sieht Burck bereits in der Rede des Fabius antizipiert: 15 omnia circa plena civium ac sociorum sunt; armis, viris, equis, commeatibus iuvant iuvabuntque (39,11), im Gegensatz zum Ende des Buches jedoch: fides sociorum, quae ad eam diem firma steterat, tum labare coepit (61,10).
in singulos equites…pediti: vgl. 35,40,5; 33,37,11: in singulos pedites… equiti; 45,34,4: in equitem…peditibus. 16 togas et tunicas: „auch [in] „29,3,5. 36,3; 44,16,4 findet sich der Gebrauch der Toga im Felde erwähnt; doch wurde diese wahrscheinlich nur in den Garnisonen und Winterquartieren und auch nur von Offizieren und Rittern getragen.“ 17 quadrigatos nummos: römisch-kampanische Silbermünze mit einem Viergespann als Prägung (quadriga); 18 s. 52,2; 58,4; Paul. Fest. 98,3; subst. quadrigati Plin. nat. 33,46. quinos vicenos: „ohne et dazwischen“ 19 , s. 41,7,3; 37,59,6, viermal viceni quini: 32,26,14; 36,40, 13; 39,5,17; 7,5. „[S]onst beträgt der Sold der Ritter (täglich 1 Denar) das Dreifache (triplex) von dem der Fußsoldaten [vgl. 33,37,11; 34,52,11; 36,14,13 u.a.]; hier ist zu beachten, dass die ersten auch Kleider erhalten.“ 20 3 ceteraque: vgl. 9.6.7: 21 consulibus fasces, lictores, arma, equos, uestimenta, commeatus militibus benigne mittunt. publice ac privatim: in dieser Junktur insg. dreimal belegt: 30,13,8; 42,41,4; publice privatimque siebenmal: 1,39,3; 45,2 u.a. nach Weissenborn fügt ac „das Bedeutendere und Allgemeinere hinzu“ 22 , weshalb die Betonung auf privatim und somit auf den Leistungen jedes Einzelnen liegt. muliere Canusina: die bereits erwähnte freigiebige Apulierin Busa aus Canusium (52,7). Kowalewski reiht sie als „exemplum munificentiae“ in die Riege der Frauen ein, die sich im zweiten punischen Krieg um Rom verdient gemacht haben, wie auch Vestia Oppia und Pacula Cluvia 23 , die dem römischen Volk bei der Belagerung ihrer Heimatstadt Capua durch tägliche religiöse Opferungen (exemplum benevolentiae) und heimliche Lebensmitteltransfers Dienste erwiesen haben
15 Vgl. Burck ( 2 1962) 93.
16 vgl. Weissenborn ( 9 1905) 122.
17 vgl. ebd.
18 vgl. Georges-LDHW Bd.2, 2116 s.v. quadrigatus.
19 Weissenborn ( 9 1905) 122.
20 Ebd. 123.
21 Vgl. ebd.
22 Ebd. 124.
23 Gesellschaftlich waren die beiden Frauen jedoch völlig unterschiedlich gestellt: So war Vestia
Oppia die Witwe eines Oppius (mater familiae), Pacula Cluvia hingegen eine ehemalige Prostitu-
ierte (meretrix) (vgl. Kowalewski [2002] 305).
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Jennifer Ellermann, 2011, Kommentierung von Livius, ab urbe condita, 22,54, München, GRIN Verlag GmbH
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