1. Klassenanalyse
In der Klasse 6.2 des - Gymnasiums in lernen 24 Schüler, 11
Mädchen und 13 Jungen. Die Schüler sind aufgeschlossen und sehr lebhaft. Das soziale Klima der Klasse ist aufgeschlossen.
Die Besonderheit dieser Klasse obliegt ganz allein bei den Schülern. Auf zahlreichen Ebenen herrschen in der Klasse Gemeinsamkeiten, aber auch Verschiedenheiten vor, wie zum Beispiel die persönliche Entwicklung eines jeden Schülers, die sozialen Verhaltensweisen, die unterschiedlichen Ausprägungen von bestimmten Fähigkeiten und Fertigkeiten und dem Leistungsstand. Diese scheinbare Heterogenität äußert sich aber alles andere als negativ. In der Klasse herrscht eine ausgeglichene Atmosphäre. Die Schüler kennen untereinander ihre Stärken und Schwächen, was angenehmes Arbeiten mit allen Schülern erlaubt. Außerdem sind die Schüler sehr motiviert und zeigen sich offen gegenüber ihnen fremde didaktische Herangehensweisen und neuen Ideen.
Etwas, das über den gesamten Beobachtungszeitraum deutlich und auch von den meisten Fachlehrern bestätigt wurde, ist, dass es einem kleinen Teil der Lerngruppe schwer fällt sich über einen längeren Zeitabschnitt zu konzentrieren. Dadurch erscheint die gesamte Klasse manchmal als unruhig. Dies wird vor allem von zwei Schülern beeinflusst, und
die zwar generell als fähig einzustufen sind, jedoch zu Disziplinlosigkeiten neigen. Im Unterricht gilt es daher darauf zu achten, sie in gewisse Schranken zu weisen. Teilweise sind auch und außerhalb des unterrichtlichen Geschehens überaus aktiv. Auf das Leistungsniveau der Klasse insgesamt hat diese Unruhe bis jetzt jedoch noch keine Auswirkungen gehabt, sodass man die Lerngruppe in allen Fächern als leistungsstark einschätzt.
Für das Fach Deutsch ergeben sich dabei folgende leistungsbezogenen Abstufungen. Als Klassenbeste sind und einzuschätzen. Alle drei verfügen über
ausgeprägtes literarisches Wissen und können auch schwierige Aufgaben ohne Probleme lösen. Lilly zeichnet sich zusätzlich dadurch aus, dass sie jederzeit in der Lage ist, komplexe Antworten zu geben, die über den normalen Fähigkeitsgrad eines Sechstklässlers weit hinausgehen. Allerdings ist sie, was die Unterrichtsmitarbeit nicht in jeder Stunde so agil, wie beispielsweise oder Von den bisher gezeigten Leistungen ist auch vor
allem mündlich, mit zu den Leistungsstärksten zu zählen.
3
Ebenfalls durch gute Leistungen überzeugen
Kristina. Sie beteiligen sich rege am Unterricht und weisen durch ihre Antworten ein gutes
Verständnis am Deutschunterricht auf.. Die bereits erwähnten Schüler und
allerdings auch durch Spielereien negativ auf. Bei
Potential zu guten Deutschnoten deutlich zu erkennen. Im Allgemeinen sind sie zwar eher zurückhaltend in der Mitarbeit, können aber, wenn angesprochen, antworten. Die Leistungen
von eben weniger gut mit. Abschließend sind noch und zu nennen, die zwar schriftlich zu überzeugen wissen, im mündlichen Bereich aber fast nie aktiv werden.
2. Darstellung des Lektionsentwurfs
Im folgenden Kapitel soll ein ausführlicher Lektionsentwurf einer gehaltenen Unterrichtsstunde dargestellt werden. Das Kapitel wird mit der Sachanalyse der Fabel beginnen. Anschließend wird sich die didaktische Analyse anschließen sowie die Darstellung der Lernziele, die der Stunde zu Grunde liegen. Im Anschluss werden die didaktischmethodischen Überlegungen und die detaillierte Darstellung der Verlaufsplanung folgen. Den Abschluss wird die Auswertung der gehaltenen Stunde bilden.
2.1 Sachanalyse
Das Wort „Fabel“ nimmt Bezug auf das lateinische Wort „fabula“ und kann mit Erzählung
übersetzt werden. 1 Im engeren Sinn wird heute diejenige selbständige, kurze epischdidaktische Gattung in Prosa- oder Versform als Fabel bezeichnet, die eine allgemein gültige Lebensweisheit oder belehrende, sentenzhafte Weisheit vermittelt, die üblicherweise
als „Moral” am Ende der Geschichte zusammengefasst wird. 2 Themen der Fabel sind in der Regel Auseinandersetzungen zwischen Tieren, die mit meist stereotyp verwendeten menschlichen Charaktereigenschaften ausgestattet sind (z.B. der schlaue Fuchs).
Geschichte der Fabel
Mündlich überlieferte Volksdichtungen, in deren Zentrum Tiere stehen, finden sich in zahlreichen Kulturen; die ältesten stammen aus Mesopotamien. Aber auch Hesiod bediente sich um 700 v. Chr. der Form. 3
Eine der frühesten und bedeutendsten Sammlungen von Tierfabeln stammt von Äsop. Äsop gab seine Fabeln nur mündlich weiter und sie wurden auch noch lange auf diese Weise überliefert. Griechische und römische Schriftsteller, darunter Babrios (2. Jahrhundert v. Chr.), Phaedrus (1. Jahrhundert n. Chr.) und Avianus (um 400 n. Chr.), hinterließen später verschiedene Versionen der äsopischen Fabeln in Prosa oder Versform, die so zum Vorbild der europäischen Fabeltradition avancierten. 4
Im Mittelalter waren Fabeln wegen ihres Lehrcharakters beliebt und gehörten zum Kanon der Schulausbildung. Seit dem 12. Jahrhundert erlebten Tiererzählungen in ganz Europa
1 Steinbach, Dietrich: Fabel und Parabel. Mit Materialien. Stuttgart: Klett 1982. S. 104
2 Lange, Günter; Marquardt, Doris; Petzoldt, Leander: Ziesensis, Werner: Textarten - didaktisch. Eine Hilfe für
den Literaturunterricht. Hohengehren: Schneider-Verlag 1998. S. 33
3 Vgl. Dithmar, Reinhard: Die Fabel. Geschichte, Struktur, Didaktik. Paderborn 1988. S. 11
4 Vgl. Lange, Günter: Textarten - didaktisch. S. 35
5
eine Wiedergeburt. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang besonders die französische Dichterin Marie de France, die mit Èsope auf Grundlage einer englischen Sammlung um 1170 eine eigenständige französische Tradition begründete. Die französische Tradition der Reynard-Erzählungen regte auch das erste deutsche Tierepos, Reinhard Fuchs, an, das das ganze Mittelalter hindurch in verschiedenen hoch- und niederdeutschen Fassungen in Umlauf war.
Zu einer weiteren Blüte kam es zur Zeit des Humanismus und der Reformation (Martin Luther, Sebastian Brant, Hans Sachs, Johann Fischart etc.). Mit Steinhöwels „Esop“ von
1476 wurde der Gattungsbegriff der „Fabel“ auch ins Deutsche eingeführt. 5 In Deutschland inzwischen in Vergessenheit geraten, wurde die Fabel erst in der Aufklärung als didaktische Gattung wieder entdeckt, so von Friedrich von Hagedorn und Christian Fürchtegott Gellert. Gleichzeitig versuchten sich Johann Jakob Bodmer, Johann Jakob Breitinger und Johann Christoph Gottsched an einer theoretischen Klassifikation. Der bedeutendste deutsche Fabeldichter des 18. Jahrhunderts aber, der besonders auf die äsopische Tradition zurückgriff, war zweifellos Gotthold Ephraim Lessing. Erst im 20. Jahrhundert konnte die Fabeltradition durch Kafka, Schnurre und Kirtsen u.a. im gewissen Sinne weitergeführt werden. Jedoch werden kleine Änderungen in Form wie auch in der Aussage deutlich.
Die Fabel als literarische Gattung
Die Fabel lässt sich der didaktischen Literatur zuordnen. Dabei „sind [die Fabeln] also Teil jener Literatur, die unmittelbar oder mittelbar lehrhafte, d.h. auf Wissensbereicherung oder Verhaltensformung gerichtete Inhalte vermittelt und sich dabei ästhetischer Darstellungsmittel und Darbietungsformen, wie sie sonst der nichtdidaktischen Dichtung eigen sind, bedient (z.B. Reim, rhythmische Sprache, Bilder, Vergleiche u.ä.).“ 6 Auf diese Weise besitzen Fabeln häufig eine aggressivsozialkritische Funktion, doch daneben können sie auch politische Aussagen, z.B. über kluges Verhalten, über ethische Fragen oder über religiöse Standpunkte aufweisen. Die Fabel ist eine lehrhafte Erzählung, in der die Einsichten an Beispielen,
vorwiegend aus der Tierwelt, vermittelt werden. 7 Die Fabel strebt nicht die Wiedergabe der Wirklichkeit an, sondern versucht sie zu verfremden. Auf die Fabel bezogen bedeutet das,
5 Vgl. Lange, Günter: Textarten - didaktisch. S. 35
6 Matzowski, Bernd: Wie interpretiere ich Fabeln, Parabeln und Kurzgeschichten? Grundlagen der Analyse und
Interpretation einzelner Textsorten und Gattungen mit Analyseraster. Hollfeld: Bange 2003. S. 56
7 Vgl. Lange, Günter: Textarten - didaktisch. S. 33
6
dass sie durch „Distanzierung“ und „Verfremdung“ gekennzeichnet ist. Diese unterschiedlichen Perspektiven werden durch das Auftreten der Tiere erzeugt, „denen bestimmte menschliche Eigenschaften (Charakterzüge) oder Verhaltensweisen zugeordnet werden können oder deren Verhältnis zueinander bestimmte Strukturen (z.B.
Machtstrukturen) spiegelt.“ 8 Das Eintauchen der Fabel in eine fiktive Welt, in der Tiere sprechen und handeln, hat auch eine bestimmte Wirkung auf den Menschen. Die vorgeführten Tierhandlungen werden immer für menschliche Verhältnisse üblich. So sind Tiere, wie Menschen, für ihre Denk- und Handlungsweisen selbst verantwortlich. Außerdem wird ein moralischer Lehrsatz in der anschaulichen Gestalt einer Kleingeschichte dargeboten. Aus einer mehr angedeuteten als beschriebenen Situation erwächst meist ein Dialog, der der Fabel eine witzig-satirische Wendung gibt. Für Gefühle der Helden, für deren Hass und Liebe, Mitleid und Trauer ist kaum Platz. Dafür zeigt sich die dialektische Struktur der Fabel in der Entgegensetzung von Recht und Unrecht, Macht und Machtlosigkeit, Dummheit und Einsicht. 9 Der Leser kann selbstverständlich erst dann zu der Situation in der Fabel einen Bezug herstellen, wenn dieser den Code erkannt hat. Das oben schon erwähnte ‚Eintauchen in eine fiktive Welt’ und die daraus resultierenden Reaktionen auf menschlicher Seite (Kritik nachdrücklich und schonend beizubringen) sind effektvolle rhetorische Mittel. Indem die Problematik auf die Bildebene gebracht wird, wird sie dadurch distanziert, vereinfacht und zugespitzt. Die Übertragung erlaubt daher eine objektivere, entemotionalisierte und problembezogene Darstellung und deren Diskussion. Dies bewirkt auch, dass mit Hilfe der Fabel gegenüber Mächtigen belehrend, korrigierend, kritisierend, drohend und spottend aufgetreten werden kann. Da dies bei Fabeln oft der Fall ist, hilft es zum Verständnis den historischen und politischen Kontext des Autors mit einzubeziehen.
8 Matzowski, Bernd: Wie interpretiere ich Fabeln, Parabeln und Kurzgeschichten? S. 56
9 Coenen Hans Georg: Die Gattung Fabel: Infrastrukturen einer Kommunikationsform. Göttingen: Vandenhoeck
und Ruprecht 2000. S. 22f
7
Die Fabel „Der Adler und der Sperling“ aus Indonesien.
Die Fabel vom Adler und Sperling ist in Inhalt und Gestalt leicht zu verstehen: der Adler, der König der Lüfte, fordert die um ihn versammelten Vögel zum Wettkampf heraus, und zwar in dreifacher Hinsicht:
- „Wer von euch vermag so stark zu schreien wie ich?“
- „Und wer von euch kann sich mit mir im Ringkampf messen?“
- Und wer von euch kann so hoch empor fliegen wie ich?“
Jetzt wird es dem kleinen und unscheinbaren Spatzen (Sperling), „der wegen der Prahlerei des Adlers in Wut geraten war“, zu bunt und er stellt sich mutig: „Ich, Adler, ich kann höher fliegen als du!“ Mit einer List übertölpelt der kleine Sperling den mächtigen Adler, der vor lauter Eitelkeit, Selbstgefälligkeit und Verblendung nicht merkt, wie ihm der Sperling heimlich auf den Rücken springt. Der Adler, oben angekommen, stürzt „wie ein Stein in die Tiefe“, während über ihm der listige, schlaue und clevere Sperling als Sieger „lustig“ flattert. Die Lehre, die der kleine Spatz dem großen Adler erteilt, ist klar und lässt sich treffend in den bekannten Satz fassen: „Hochmut kommt vor dem Fall.“
Aufzeigen der Merkmale
Charakteristisch für die meisten Fabeln ist deren Kürze. Dies gilt ebenso für die Fabel dieser zu planenden Stunde. Sie konzentriert sich auf einen wichtigen Ausschnitt eines Geschehens (das Kräftemessen), außerdem auf einen Ort (hier nicht benannt) und einen kurzen Zeitabschnitt (vor und nach dem Ringkampf). Diese Kürze soll der Überschaubarkeit des Geschehens dienen. In dieser Fabel werden zwei Darsteller aus der Tierwelt genannt, der Adler und der Sperling. Die überschaubare Anzahl handelnder Figuren trägt dazu bei, die Aufmerksamkeit des Lesers nicht abzulenken, sondern auf die Handlung zu konzentrieren. Über die Jahrhunderte hinweg und aufgrund ihrer Bekanntheit verbinden wir mit diesen Tieren bestimmte Charaktere, die uns die gegensätzlichen Verhaltensweisen vermitteln. Adler und Sperling besitzen in dieser Fabel konträre Eigenschaften (stark, mächtig, groß, naiv / clever, schlau, klein). Die Konstellation der Rollen ist also wiederum sehr stereotyp gehalten. In der Mitte der Fabel trifft der Leser auf einen Wendepunkt, an dem sich die Situation schlagartig ändert: Der Sperling überlistet den Adler, indem er seine Kräfte schont und auf dem Rücken des Adlers hoch in die Luft fliegt.
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Arbeit zitieren:
Angelina Schulz, 2010, Fabeln in Klasse 5: eine ausführliche Unterrichtseinheit, München, GRIN Verlag GmbH
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