Ursachen, Ablauf und Perspektiven des Strukturwandels
altindustrialisierter Räume: Das Beispiel Ruhrgebiet
Ursachen , Ablauf und Perspektiven des Strukturwandels altindustrialisierter Räume: Das Beispiel Ruhrgebiet
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Strukturwandel in altindustrialisierten Räumen - Definitionen 2
2.1 Altindustrialisierte Räume 3
2.2 Strukturwandel 4
2.2.1 Die Theorie des Produktzyklus 4
2.2.2 Die Theorie der langen Wellen 5
2.2.3 Sektoraler Wandel 7
2.2.4 Funktionaler Wandel 7
3 Ursachen und Ablauf des Strukturwandels im Ruhrgebiet 9
3.1 Das Ruhrgebiet - Lage und Abgrenzung 9
3.2 Die präfordistische Phase 10
3.3 Die fordistische Phase 11
3.4 Ursachen des Strukturwandels 13
3.5 Die Übergangsphase vom Fordismus zum Postfordismus 14
3.5.1 Die Krise des Fordismus - Postfordismus als
Organisationsmuster industrieller Arbeit 14
3.5.2 Der Prozess der Deindustrialisierung 17
3.5.3 Der Prozess der Reindustrialisierung 18
3.5.4 Die Tertiärisierung als weiterer Schlüsselprozess 20
3.5.5 Der entscheidende Prozess: die Neoindustrialisierung 21
4 Zukunftsperspektiven 26
5 Schlussbetrachtung 27
Anhang 29
Literaturverzeichnis 32
1
Ursachen, Ablauf und Perspektiven des Strukturwandels altindustrialisierter Räume: Das Beispiel Ruhrgebiet
Einleitung 1
Wirtschaftsräumliche Strukturen unterliegen in einer offenen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung einem permanenten Wandel; besonders in altindustrialisierten Räumen ist dieser Prozess stark ausgeprägt. Die Folge ist, dass einzelne Wirtschaftszweige an Bedeutung gewinnen, während andere verlieren.
Spricht man vom Strukturwandel im Ruhrgebiet, so wird damit oft jene Krise assoziiert, die in den 1950er Jahren mit dem Zechensterben begann und zwei Jahrzehnte später auch die Stahlindustrie erfasste. Jedoch ist der Strukturwandel im „Revier“ kein Ereignis der letzten 40 Jahre, sondern ein Prozess, den es seit Beginn der Industrialisierung im Ruhrgebiet gibt.
Wirtschaftlicher Strukturwandel ist ein Charakteristikum in der Entwicklung dieser Region. Er bedeutet nicht allein Abbau bestehender Strukturen, so wie dies in altindustrialisierten Räumen weltweit zu beobachten ist. Strukturwandel im Ruhrgebiet bedeutet vielmehr das Zurückdrängen der ehemals dominierenden Montanindustrie und der gleichzeitige Aufbau neuer Strukturen im Dienstleistungs-und High-Tech-Bereich.
In der vorliegenden Arbeit wird zuerst erläutert, was unter dem Begriffen Strukturwandel und altindustrialisierte Räume zu verstehen ist. In diesem Zusammenhang werden auch dynamisch-zyklische Ansätze erwähnt, die betonen, dass sich die Wirtschaft in einem ständigen Wandel befindet. Im Kapitel 3 werden die Ursachen und der Ablauf des Strukturwandels im Ruhrgebiet von der präfordistischen Phase bis in die Gegenwart vorgestellt. Von der Deindustrialisierung bis zu Neoindustrialisierung wird der Prozess des Wandels von einer Montanregion zu einer Dienstleistungsregion beschrieben, die aber an ihren industriellen Wurzeln festhält. Den Abschluss bildet eine kritische Betrachtung der Zukunftsperspektiven.
2
Ursachen, Ablauf und Perspektiven des Strukturwandels altindustrialisierter Räume: Das Beispiel Ruhrgebiet
Strukturwandel in altindustrialisierten Räumen - Definitionen 2 Altindustrialisierte Räume 2.1
Die Geographie hat eine Reihe konkreter Beispiele parat, die als altindustrialisierte Räume zu charakterisieren sind: die Region um Pittsburgh, alle europäischen Industriegebiete, die auf dem Steinkohlengürtel entstanden sind, von Mittelengland über Nordfrankreich, die belgische Wallonie, das südniederländische Limburg, Lothringen, das Saarland, das Aachener Revier, das eigentliche Ruhrgebiet bis ins Oberschlesische Industriegebiet (Michel, E. 1991, S. 2).
Altindustrialisierte Räume sind Regionen, die von den Industrien der frühen Industrialisierungsphase wie Kohle, Stahl, Textil und Schiffbau geprägt sind und sich infolge der Krisen dieser Branchen in einem tiefgreifenden Transformationsprozess befinden (Köhler, H.-D. 1994, S. 5).
Dabei ist "alt" nicht historisch, sondern im Sinne des Produktlebenszyklus zu verstehen. Alte Industrien sind danach solche, deren Produkte am Ende ihrer Entwicklung stehen und teilweise von anderen, neuen Produkten substituiert werden, so dass ihre Märkte ständig schrumpfen, während ihre Produktion technisch so problemlos geworden ist, dass sie zunehmend in kostengünstigere Regionen verlagert wird. Die Infrastruktur ist in den altindustrialisierten Regionen zwar quantitativ sehr weit ausgebaut, sie ist jedoch oft veraltet und qualitativ unzureichend bzw. lediglich auf die spezifischen Bedürfnisse der traditionellen Industrien ausgerichtet. Als wichtigster Engpassfaktor gilt in diesem Bereich die fehlende, zu geringe, veraltete oder für neue Industrien ungeeignete Qualifikation der Arbeitskräfte (Ott, Th. 1997, S. 1).
Weitere Merkmale altindustrialisierter Räume sind:
- Dominanz von Großbetrieben
- Monostrukturierung und einseitiger Arbeitsmarkt
- Betriebsstillegungen, Beschäftigungsabbau
- hohe und verfestigte Arbeitslosenquote
- hohe Einwohner- und Industriedichte
- Abwanderung, Überalterung, soziale Erosion
3
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- Altlastprobleme, Brachflächen
- Geringes Potential innovativer, zukunftsorientierter Branchen
- Identifikations- und Imageprobleme (Maier, J./Beck, R. 2000, S. 124)
Anpassungsprozesse in altindustrialisierten Räumen an die veränderten Erfordernisse des Marktes bewirken einen Strukturwandel in diesen Räumen; die o.g. typischen Merkmale erschweren allerdings den Prozess.
Strukturwandel 2.2
Der Bedeutungswandel von Wirtschaftszweigen kennzeichnet den ökonomischen Strukturwandel. Dabei handelt es sich um eine längerfristige und meist irreversible Veränderung der Struktur im sozioökonomischen Bereich (Leser, H. 2001, S.847). Seit den 1970er Jahren ist der Übergang von der Industriegesellschaft zur Dienstleistungsindustrie verstärkt zu beobachten, ein Prozess, bei der Dienstleistungen aller Art die Güterproduktion begleiten. Konjunktur- und Strukturveränderungen müssen getrennt betrachtet werden, da es sich bei den Erstgenannten um kurzfristige Erscheinungen handelt, die allerdings auch Strukturveränderungen bewirken können (Gugisch, I./Belina, P./Maier, S. 1997, S. 85).
Die Suche nach den Ursachen für einen Strukturwandel stellt ein kontrovers diskutiertes Forschungsfeld dar. Es existiert keine einzelne, allumfassende Theorie, die den komplexen Strukturwandel erklären könnte. Allerdings leisten einige Theorieansätze wesentliche Beiträge zum besseren Verständnis des Prozesses. Zwei ökonomische Ansätze werden im folgenden kurz dargestellt.
Die Theorie des Produktzyklus 2.2.1
Diese Theorie geht auf einer mikroökonomischen Maßstabsebene davon aus, dass ein Produkt nur eine begrenzte Lebensdauer besitzt und einen Lebenszyklus durchläuft. Dieser Zyklus ist durch vier Phasen gekennzeichnet: Entwicklung und Einführung, Wachstum, Reife und Schrumpfung. Produktions-und
Absatzbedingungen (Faktoreinsatz, Umsatz, Wettbewerb, Profit, Innovationen)
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ändern sich im Laufe des Lebenszyklus; es kommt u.a. zu
Schwerpunktverschiebungen von Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen zu Rationalisierungsinvestitionen, von kleinen Losgrößen zur Massenproduktion und zur Verlagerung des optimalen Produktionsstandortes. Steigende Sachkapitalintensität, sich verschärfender Qualitäts- und Preiswettbewerb erzwingen eine funktionale Standortspaltung oder Zweigbetriebsgründungen im Hinterland des Zentrums, in peripher gelegenen Standorten oder in Niedriglohnländern (Schätzl, L. 2001, S. 210-213).
Zu kritisieren ist, dass diese Theorie für manche Produkte zutrifft; allerdings reicht bislang die Innovationsfähigkeit im Stahlsektor zur Produktion von Qualitätsstählen und Kombinationen mit neuen Werkstoffen aus, so dass sich der Verbrauch auf einem relativ hohen Niveau einpendelt (Butzin, B. 1993, S. 8).
Die Theorie der langen Wellen 2.2.2
Die u.a. auf Kondratieff und Schumpeter zurückgehende Theorie liefert einen Erklärungsansatz für die Entstehung und Verlagerung von wirtschaftlichen Räumen anhand des technischen Fortschritts. Die zentrale Aussage lautet, dass grundlegende technische Neuerungen - sogenannte Basisinnovationen - in zyklischen Abständen gehäuft auftreten und somit lang anhaltende Wachstumsschübe („lange Wellen“) auszulösen vermögen. Die Basisinnovationen bringen als Produktinnovation neue Wachstumsindustrien hervor, als
Prozessinnovationen bewirken sie grundlegende Veränderungen in bereits bestehenden Wirtschaftszweigen.
Auf den Komplex Dampfmaschine/Kohle/Eisen (1. Welle) folgten Stahl/Eisenbahn (2. Welle), dann Elektrizität/Chemie/Auto (3. Welle) und schließlich - in den 1970er Jahren zur Reife gelangt - der Chip-/Kunststoff-/Flugzeug-Komplex (4. Welle). Als basistechnologische Generation der 5. Welle werden Information und Kommunikation, Gen- und Biotechnologie genannt (Butzin, B. 1993, S. 8).
In der Vergangenheit lag der räumliche Konzentrationskern einer neuen langen Welle in der Regel entfernt von jenem des alten Zentrums. Bei globaler Betrachtung lag das Zentrum der ersten Welle in England (Manchester), während sich die Zentren
5
Arbeit zitieren:
Markus Lueske, 2001, Ursachen, Ablauf und Perspektiven des Strukturwandels altindustrialisierter Raeume: Das Beispiel Ruhrgebiet, München, GRIN Verlag GmbH
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