Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis I
Tabellenverzeichnis. I
Abk ürzungsverzeichnis II
1. Einleitung 1
2. Der Markt für mobile Sprachkommunikation 3
2.1 Die Wertschöpfungskette für Sprach- und Kurzmitteilungsdienste. 3
2.2 Der relevante Markt. 5
2.3 Der Markt für mobile Sprachkommunikation nach der 5-Forces Analyse 6
2.3.1 Eintrittsbarrieren für potenzielle Wettbewerber. 7
2.3.2 Rivalität unter den Mobilfunkanbietern 9
2.3.3 Verhandlungsmacht der Abnehmer. 11
2.3.4 Verhandlungsmacht der Lieferanten 13
2.3.5 Bedrohung durch Substitute 15
3. Der Markt für mobile Datendienste 16
3.1 Von den Anfängen mobiler Datendienste: Das Walled-Garden Modell. 16
3.1.1 Die Wertschöpfungskette 17
3.1.2 Die Marktstruktur 18
3.1.3 Akzeptanz der mobilen Datendienste im Walled-Garden Modell 20
3.2 Wachstumstreiber der mobilen Datendienste. 20
3.2.1 Schnellere Übertragungstechnologien. 20
3.2.2 Neue Endgeräte 23
3.2.3 Neue Abrechnungsmodelle 25
3.3 Abkehr vom Walled-Garden Modell: Das offene mobile Ökosystem 25
3.4 Boom der Datendienste 26
3.5 Konvergenz von Mobilfunk- und Internetdienstleistungen 27
4. Wettbewerb um die Wertschöpfung auf dem Markt für
mobile Datendienste 28
4.1 Neuverteilung der Wertschöpfung 28
4.2 Die Strategien der Endgerätehersteller. 29
4.2.1 Horizontaler Wettbewerb 30
4.2.2 Standardwettbewerb 33
4.2.3 Vertikaler Wettbewerb 36
4.3 Die Strategien der Inhalte- und Diensteanbieter 37
4.3.1 Horizontaler Wettbewerb 37
4.3.2 Vertikaler Wettbewerb 39
4.4 Implikationen für die Mobilfunkanbieter 41
4.4.1 Die neue Position der Mobilfunkanbieter in der Wertschöpfungskette 41
4.4.2 Umsatz-Kosten-Schere beim Wachstum mobiler Datendienste 42
5. Strategische Optionen für die Mobilfunkanbieter 44
5.1 Strategische Punkte in der Wertschöpfungskette 44
5.2 Die Sales-Strategie 46
5.3 Die Plattform-Strategie. 48
5.4 Die Smart-Pipe-Strategie. 49
5.5 Ausblick für die Mobilfunkanbieter 51
6. Regulatorische Implikationen - Netzneutralität 52
6.1 Relevante Entwicklungen auf dem Mobilfunkmarkt 52
6.2 Das Konzept der Netzneutralität 52
6.3 Differenzierung der Servicequalität: Anreize und
volkswirtschaftliche Implikationen. 54
6.4 Blockierung: Anreize und volkswirtschaftliche Implikationen. 55
6.5 Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen 56
7. Fazit 57
Literaturverzeichnis 61
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Mobilfunk Wertschöpfungskette für Sprach- und Kurzmitteilungsdienste
Abbildung 2: 5-Forces im Mobilfunkmarkt
Abbildung 3: Marktvolumen des deutschen Mobilfunkmarktes (inkl. Sprach- und
Datendiensten ), 1995-2009.
Abbildung 4: Durchschnittlich pro Monat telefonierte Minuten und
durchschnittlicher Umsatz pro Minute, 2004-2009
Abbildung 5: Marktanteile der Netzbetreiber, in , 1998-2008.
Abbildung 6: Weltweite Marktanteile der Netzausrüster 2008.
Abbildung 7: Wertschöpfungskette und Akteure im Walled-Garden Modell
Abbildung 8: Absatz und Wachstum von Smartphones in Deutschland, in
Millionen Stück und , 2008-2010.
Abbildung 9: Anzahl der UMTS-Nutzer in Millionen und Datenübertragungsvolumen
in Millionen Gigabyte, 2005-2009
Abbildung 10: Anteil der Non-Voice Umsätze am Gesamtumsatz, in , 2005-2009.
Abbildung 11: Wertschöpfungskette und Akteure im offenen mobilen Ökosystem
Abbildung 12: Lern- und Skaleneffekte bei der Endgeräteproduktion
Abbildung 13: Marktanteile der Smartphone Betriebssysteme in Deutschland,
in , 2009.
Abbildung 14: Fixkostendegression und Kostenverläufe in der Content-Produktion
Abbildung 15: Reichweite ausgewählter Internetunternehmen, Endgerätehersteller
und Mobilfunkanbieter nach Ländermärkten
Abbildung 16: Geschäftsmodelle für Mobilfunkanbieter
Abbildung 17: Umsatz-Kosten-Schere bei mobiler Datennutzung.
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: GSM Mobilfunk Netzbetreiber in Deutschland
Tabelle 2: Geschwindigkeitsvergleich der Mobilfunkstandards
Tabelle 3: Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines "winner-takes-it-all-market"
I
Abkürzungsverzeichnis 2G Mobilfunkstandard der zweiten Generation 2.5G Mobilfunkstandard der 2,5. Generation 3G Mobilfunkstandard der dritten Generation AGB Allgemeine Geschäftsbedingungen App Application CAGR Compound Annual Growth Rate Capex Capital Expenditures DBP Deutsche Bundespost DSL Digital Subscriber Line EDGE Enhanced Data Rates for Global Evolution F&E Forschung und Entwicklung GPRS General Packet Radio Service GPS Global Positioning System GSM Global System for Mobile Communications HSDPA High Speed Downlink Packet Access IP Internet Protokoll IPTV Internet Protocol Television IT Informationstechnik kBit/s Kilobit pro Sekunde LTE Long Term Evolution M2M Machine-to-Machine MBit/s Megabit pro Sekunde MHz Megahertz MMS Multimedia Messaging Service MNO Mobile Network Operator MVNO Mobile Virtual Network Operator Opex Operational Expenditures OS Operating System
II
PDA Personal Digital Assistant S.A. Société Anonyme SIM Subscriber Identity Module SMS Short Message Service
VATM Verband der Anbieter von Telekommunika-
tions- und Mehrwertdiensten VoIP Voice over Internet Protocol WAP Wireless Access Protocol WWW World Wide Web
III
1. Einleitung 1
1. Einleitung
Der Mobilfunkmarkt in Deutschland befindet sich in der Sättigungsphase. Der Verdrängungswettbewerb hat bereits zu einem massiven Preisverfall geführt, der nicht durch eine steigende nachgefragte Menge an Gesprächsminuten kompensiert werden kann. Da mobile Datendienste noch ein erhebliches Wachstumspotenzial haben, gelten sie als Hoffnungsträger der Mobilfunkbranche und stellen aus diesem Grund den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit dar. Der Begriff „mobile Datendienste“ beschreibt in dieser Arbeit sowohl den Datentransport über das Mobilfunknetz, als auch die Gesamtheit der zur Verfügung stehenden Dienste und Inhalte, die auf einem mobilen Endgerät genutzt werden können.
Um an dem Geschäft mit der steigenden Nutzung von mobilen Inhalten und Services ökonomisch zu profitieren, versuchen derzeit alle relevanten Akteure der Wertschöpfungskette, sich in Stellung zu bringen. Dabei geraten die Mobilfunkanbieter von mehreren Seiten unter Druck. So bieten die Endgerätehersteller zunehmend eigene digitale Services an (wie Musik-Downloads, Programme), die in Konkurrenz zu den Angeboten der Netzbetreiber stehen. Genauso bieten auch die Inhalte- und Diensteanbieter sowie die Aggregatoren aus dem stationären Internet, wie Google, Facebook oder Yahoo eigene Onlinedienste an, die unabhängig von den jeweiligen Mobilfunkbetreibern über mobile Datenleitungen nutzbar sind. Zusätzlich hat sich Google bereits in den Markt für Endgeräte vorgewagt, und versucht mit einem eigenen Betriebssystem für Mobiltelefone einen Standard durchzusetzen.
Diese Entwicklungen bergen für die Mobilfunkanbieter das Risiko, zu reinen Datenleitungen zu verkommen (sog. „Dump Pipes“). Die Wertschöpfung würde sich in diesem Szenario auf die reine Datendurchleitung reduzieren, während das Geschäft mit digitalen Diensten und Inhalten anderen Marktteilnehmern überlassen wird. In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, inwieweit die Stellung der Mobilfunkanbieter in der Wertschöpfungskette durch andere Akteure der Wertschöpfungskette mobiler Datendienste zurückgedrängt wird, und welche strategischen Implikationen daraus für die Mobilfunkanbieter abzuleiten sind.
Zunächst wird in Kapitel 2 die Struktur des Marktes für klassische mobile Sprachtelefo- nie analysiert. Diese ist für die Untersuchung des Marktes für mobile Datendienste
1. Einleitung 2
relevant, da die Marktstrukturen beider Märkte in wesentlichen Punkten identisch sind und die Analyse der Marktstruktur die strategische Position der Mobilfunkanbieter verdeutlicht. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird die Rolle der Mobilfunkanbieter in Bezug auf mobile Datendienste und deren Entwicklungen wiederholt aufgegriffen. Die Marktstruktur im Markt für Sprachtelefonie soll dabei als Referenz dienen. In Kapitel 3 werden dann die Anfänge der mobilen Datendienste beleuchtet und die Gründe für den gegenwärtigen Boom der Datendienste herausgearbeitet. Des Weiteren wird auf die Entwicklung der Wertschöpfungskette eingegangen, die in Kapitel 4 ausführlich untersucht wird. Hier wird auf den Wettbewerb um die Wertschöpfung sowie die strategischen Positionen der wichtigsten Anbietergruppen eingegangen. Abschließend werden die wesentlichen Implikationen für die Mobilfunkanbieter zusammengefasst.
Darauf aufbauend werden in Kapitel 5, das zusammen mit dem vorangegangenen Kapitel den Kern dieser Arbeitet bildet, drei mögliche Positionierungen für die Mobilfunkanbieter entwickelt und bewertet. Wie in allen Kapiteln wird dabei auch auf aktuelle Entwicklungen am Markt eingegangen.
Im sechsten Kapitel wird abschließend auf das Thema Netzneutralität als wettbewerbspolitische Implikation der in Kapitel 5 vorgestellten Strategien eingegangen. Durch den zunehmenden Wettbewerbsdruck innerhalb der Wertschöpfungskette könnten die Anreize für eine Verletzung der Netzneutralität seitens der Mobilfunkanbieter steigen. Untersucht werden soll, inwieweit ein solches Verhalten in Anbetracht der Wettbewerbsintensität auf dem deutschen Markt durchsetzbar ist, und welche Implikationen sich daraus für die Regulierung ergeben.
Im letzten Kapitel werden im Fazit die wesentlichen Erkenntnisse dieser Arbeit zusam- mengefasst und es wird ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen gegeben.
2. Der Markt für mobile Sprachkommunikation 3
2. Der Markt für mobile Sprachkommunikation
Die Strukturanalyse des Marktes für mobile Sprachkommunikation soll die wettbewerbliche Ausgangssituation der Mobilfunkanbieter darstellen. Denn mit einem durchschnittlichen Umsatzanteil von 74,6% im Jahr 2008 stellen mobile Sprachdienste gemessen am Umsatz nach wie vor das Kernprodukt der Mobilfunkanbieter dar (Dialog Consult/VATM 2009, 24). Die Analyse dieses Marktes ist für die Untersuchung des Marktes für mobile Datendienste relevant, da sie die ökonomischen Triebkräfte im Mobilfunkmarkt verdeutlicht und die strategische Relevanz der mobilen Datendienste begründet. Zunächst wird in diesem Kapitel die Wertschöpfungskette der Mobilfunk Basisdienste erläutert, die in Kapitel 3 um die Datendienste erweitert wird.
2.1 Die Wertschöpfungskette für Sprach- und Kurzmitteilungsdienste
Das Konzept der Wertschöpfungskette als Instrument zur Untersuchung innerbetrieblicher Aktivitäten zur Werterstellung wurde von Michael E. Porter entwickelt (Porter 1985, 36f.). Sie stellt den Fluss an Gütern und Dienstleistungen dar, die zur Erstellung des Endprodukts erforderlich sind. Die Wertschöpfungskette bezieht sich hierbei nicht auf ein Einzelunternehmen, sondern umfasst auch die vor- und nachgelagerten Wertketten. Neben den primären Aktivitäten der Werterstellung (im Grundmodell von Porter sind dies die Eingangslogistik, Produktion, Marketing und Vertrieb, Ausgangslogistik und Kundendienst) umfasst Porters Konzept auch die unterstützenden Aktivitäten Unternehmensinfrastruktur, Personalwirtschaft, Technologieentwicklung und Beschaffung. Im Rahmen dieser Arbeit werden ausschließlich die primären Wertaktivitäten betrachtet, da das Konzept der Wertschöpfungskette in dieser Arbeit dazu genutzt wird, um die Stellung der Mobilfunkanbieter innerhalb der Wertschöpfungskette zu betrachten. Zunächst soll nun die Wertschöpfungskette für die Sprach- und Kurzmitteilungsdienste kurz erläutert werden. Sie bildet die Grundlage für die Analyse der strategischen Positionierung der Mobilfunkanbieter innerhalb der Wertschöpfungskette. Im nächsten Kapitel wird diese Wertschöpfungskette um die mobile Datendienste erweitert. In der Literatur variiert die Art der Darstellung bezüglich Bezeichnung und Anordnung der Wertschöpfungsstufen. Die gewählte Darstellung (vgl. Abbildung 1) wurde aus mehreren Quellen hergeleitet (Tewes 1997, 67; Koch 2006, 54; Borowicz/Scherm 2000, 5; Peppard/Rylander 2006, 7).
2. Der Markt für mobile Sprachkommunikation 4
Abbildung 1: Mobilfunk Wertschöpfungskette für Sprach- und Kurzmitteilungsdienste Quelle: Eigene Darstellung, angelehnt an Tewes (1997, 67); Koch (2006, 54); Borowicz/Scherm (2000,
5); Peppard/Rylander (2006, 7)
Den Beginn der Wertschöpfungskette markieren die Netzausrüster und Endgerätehersteller. Sie produzieren die technische Infrastruktur, die zum Netzbetrieb erforderlich ist.
Die Stufe Netzbetrieb im weiteren Sinne beinhaltet die Netzbereitstellung, den Netzbetrieb, die Übertragungsdienstleistungen sowie die Netzplanung und den Netzaufbau. Es handelt sich hierbei um die zentrale Wertschöpfungsstufe in der Kette, da der Netzbetrieb direkt mit der Netzinfrastruktur verbunden ist und für alle nachfolgenden Wertschöpfungsaktivitäten nicht substituierbar ist. Dies gilt auch für die netzbasierten Dienste, welche die Basisdienste (Sprachtelefonie) und netzabhängige Mehrwertdienste, wie beispielsweise SMS, umfassen (Tewes 1997, 19f). 1 Die Stufe Kundenbetreuung beinhaltet den direkten Kontakt zum Endkunden und auch die Rechnungserstellung. Sie ist von hoher strategischer Relevanz, da die Besetzung dieser Wertschöpfungsstufe Kenntnis über die Identität des Kunden ermöglicht, was die Grundlage für eine direkte Kundenbeziehung ist (Ballon 2007, 10).
Die netzunabhängigen Dienste zeichnen sich dadurch aus, dass sie ohne technische Veränderungen seitens des Netzbetreibers implementiert werden können, also eine Kontrolle über das Netz für die Anbieter solcher Dienste nicht erforderlich ist. Es handelt sich hierbei zum Beispiel um SMS-Infodienste von Drittanbietern. Die letzte Stufe in der Wertschöpfungskette, Marketing und Vertrieb, beinhaltet primär den Verkauf von Nutzungsverträgen, Zusatzdiensten und Endgeräten an den Endkunden (Tewes 1997, 17).
Bezogen auf die netzbasierten Dienste (Sprache und Kurzmitteilungsdienste) sind die MNOs (Mobile Network Operator) vertikal integriert. Sie decken die Wertschöpfung
1 Basisdienste sind dadurch definiert, dass sie vom Lizenzgeber vorgeschrieben sind (Tewes 1997, 19).
2. Der Markt für mobile Sprachkommunikation 5
vom Netzbetrieb bis hin zum Endkunden vollständig ab. Lediglich die Netzausrüstung sowie die Endgeräte werden von Zulieferern bezogen. Auf die alternativen Geschäftsmodelle der Service Provider und MVNOs (Mobile Virtual Network Operator) wird in diesem Kapitel im Rahmen der Marktstrukturanalyse eingegangen.
2.2 Der relevante Markt
Die Analyse der Marktstruktur des Mobilfunkmarktes setzt eine sachliche, räumliche und zeitliche Marktabgrenzung voraus.
Als Konzept zur Abgrenzung des relevanten Marktes wird das Bedarfsmarktkonzept angewendet (Bauer 1989, 89ff). Dieses Konzept wird regelmäßig auch vom Bundeskartellamt sowie auch von der Monopolkommission verwendet. (I) Für die sachliche Marktabgrenzung sind gemäß dem Bedarfsmarktkonzept die Eigenschaften, Preise und der Verwendungszweck des Produktes aus Nachfragersicht die relevanten Kriterien (Monopolkommission 2009, 42). Die Mobilfunkkommunikation zeichnet sich durch die mobile Nutzbarkeit aus. Der Nutzer kann ortsungebunden über ein mobiles Endgerät kommunizieren und ist im Empfangsgebiet stets erreichbar (Gerum/Sjurts/Stieglitz 2003, 73).
Die technische Grundlage der Mobilfunkkommunikation bildet der GSM (Global System for Mobile Communications) bzw. der UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) Standard (Sundermann 2006, 25-26). Aus Endkundensicht stellen die digitalen GSM und UMTS Netze vollständige Substitute in Bezug auf die in diesem Abschnitt betrachtete Sprachkommunikation dar. Die meisten Handys sind dualbandfähig, d.h. sie können sowohl im D-Netz als auch im E-Netz verwendet werden. Anbieter im relevanten Markt sind die Netzbetreiber. Diese verfügen über eine staatlich vergebene Lizenz zur Nutzung festgelegter Frequenzen für den GSM Mobilfunkstandard, beziehungsweise haben eine UMTS Funklizenz ersteigert. Neben den in Tabelle 1 aufgeführten vier Netzbetreibern sind in Deutschland weitere Anbieter im Endkundenmarkt aktiv. Dabei handelt es sich um die Diensteanbieter (Service Provider) und um MVNOs. Die Service Provider verfügen über keinerlei eigene Infrastruktur und benötigen daher auch keine Lizenzen (Gries/Neumann 2006, 37). Ihr Geschäftsmodell beruht auf dem Weiterverkauf von Übertragungskapazitäten, die sie von den Netzbetreibern einkaufen. Damit sind die Diensteanbieter gleichzeitig Wettbe-
2. Der Markt für mobile Sprachkommunikation 6
werber und Abnehmer für die Netzbetreiber. Sie werden im Rahmen der 5-Forces Analyse in der Gruppe der Abnehmer zusammen mit den MVNOs näher betrachtet. Die MVNOs betreiben wie die Diensteanbieter kein eigenes Funknetz, verfügen aber über eine eigene Infrastruktur im Back-End-Bereich sowie über Elemente einer Vermittlungsinfrastruktur (Monopolkommission 2008, 50).
Tabelle 1: GSM Mobilfunk Netzbetreiber in Deutschland
Quelle: Gerum/Sjurts/Stieglitz (2003, 74)
(II) Die räumlichen Grenzen des relevanten Marktes stellt das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland dar. Dieses ist durch die nationale Lizenzierung der Mobilfunkanbieter zu begründen. Endkunden könnten zwar auch über Roaming auf die Leistungen ausländischer Mobilfunkanbieter zurückgreifen, jedoch sind die dadurch anfallenden Roaming-Gebühren derart hoch, dass es sich hierbei nicht mehr um ein Substitut im Sinne des Bedarfsmarktkonzepts handelt.
(III) Als Betrachtungszeitraum wurden aus Gründen der Aktualität und der Datenverfügbarkeit die Jahre 2008 und 2009 ausgewählt.
2.3 Der Markt für mobile Sprachkommunikation nach der 5-Forces Analyse
Als Bezugsrahmen wird das Branchenstrukturmodell von Porter, das 5-Forces Modell (Porter 1980, 3f.), angewendet, da es erlaubt, die wesentlichen Triebkräfte des Wettbewerbs in kompakter Form darzustellen.
Die 6. Kraft, die Komplementoren, wird in der Analyse ebenfalls berücksichtigt (Brandenburger/Nalebuff 2008, 41f.). Die wichtigsten Komplementoren sind die Mobiltelefonhersteller, welche in dieser Arbeit wiederholt einbezogen werden. Im Rahmen der 5- Forces Analyse werden sie unter den Lieferanten in die Analyse einbezogen.
2. Der Markt für mobile Sprachkommunikation 7
Abbildung 2: 5-Forces im Mobilfunkmarkt
Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Porter (1980, 3f.)
2.3.1 Eintrittsbarrieren für potenzielle Wettbewerber (I) Institutionelle Eintrittsbarrieren
Die entscheidende Ressource zum Eintritt in den Markt für Netzbetreiber ist der Zugriff auf Mobilfunkfrequenzen. Diese stellen ein knappes Gut dar und werden staatlich vergeben. Mit Einführung des GSM-basierten digitalen Mobilfunks wurden in Deutschland im Jahr 1992 zwei Anbieter lizenziert: Die Tochter T-Mobile vom DBP Nachfolger Deutsche Telekom, und Mannesmann D2 (wurde 2000 von Vodafone übernommen). Das Duopol wurde 1994 mit E-Plus und 1998 mit O2, damals noch Viag Interkom, durch zwei weitere Anbieter auf vier Netzbetreiber erweitert (Gruber 2005, 106f.). Zur Einführung des UMTS Standards wurden im Jahre 2000 erneut Lizenzen vergeben. Im Gegensatz zur vorherigen GSM Lizenzvergabe wurden die Funklizenzen nicht zugeteilt, sondern versteigert. Von den sechs im Jahr 2000 lizenzierten Anbietern waren in 2008 nur noch die vier ursprünglichen GSM Lizenznehmer T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 Inhaber einer UMTS Funklizenz (Gerum/Sjurts/Stieglitz 2003, 147). Da es sich bei UMTS um einen für die Datenübertragung entwickelten Übertragungsstandard handelt, wird in Kapitel 3 näher auf das Vergabeverfahren und technische Aspekte eingegangen. (II) Strukturelle Eintrittsbarrieren
Der Aufbau eines Netzes ist mit sehr hohen Kosten verbunden. Aufgrund direkter Netzeffekte (der Nutzen des Mobiltelefonierens steigt mit der Teilnehmeranzahl) ist es erforderlich, eine möglichst hohe Netzabdeckung zu erzielen (Knieps 2007, 5f.). Daher
2. Der Markt für mobile Sprachkommunikation 8
liegt gerade in der Aufbauphase ein hoher Kapitalbedarf vor. 2 Und da diese spezifischen Investitionen mangels alternativer Verwendbarkeit versunkene Kosten darstellen, stellt der Kapitalbedarf sowohl eine Markteintrittsbarriere als auch eine Marktaustrittsbarriere dar (Clausen 2008, 52).
Zusätzlich ist der Betrieb eines Mobilfunknetzes mit erheblichen Skaleneffekten ver-bunden. Aufgrund des sehr hohen Fixkostenanteils, verursacht durch die nutzungsunabhängigen Kosten des Netzbetriebs, kommt es bei steigender Teilnehmerzahl zu einer Fixkostendegression. Diese impliziert eine mindestoptimale Betriebsgröße für einen wirtschaftlichen Netzbetrieb. Theoretisch ergibt sich die Anzahl der Unternehmen (m), die in einem Markt kostendeckend anbieten können, als:
m = (1/ F) (p j − c)q j ( p j )
wobei F die versunkenen Fixkosten des Markteintritts bezeichnet und p j sowie c j der Preis bzw. die variablen Kosten für das Produkt j=1,...,n sind und q j (p j ) die Nachfrage bei einem Preis p j ist. Je höher also die zum Markteintritt erforderlichen Fixkosten sind (im wesentlichen durch den Netzaufbau), desto geringer wird ceteris paribus die Anzahl der Unternehmen im Markt sein, die verlustfrei anbieten können (Haucap 2003, 4). Eine weitere relevante Eintrittsbarriere stellen die Netzeffekte dar. Direkte Netzeffekte sind hauptsächlich in der Sprachtelefonie zu beobachten: Wie bereits erwähnt steigt der Nutzen eines Mobilfunknetzes mit der Anzahl seiner Teilnehmer. Da bei Telefonaten in fremde Mobilfunknetze Terminierungsgebühren anfallen, gibt es üblicherweise eine Preisdifferenzierung zwischen netzinternen und netzexternen Gesprächen. Daher steigt durch Kostenvorteile für Netzbetreiber und Konsumenten bei netzinternen Gesprächen der Nutzen eines Mobilfunknetzes mit steigender Teilnehmerzahl, was den Marktzutritt für neue Anbieter erschwert. Aus diesem Grund unterliegen die Terminierungsgebühren der Genehmigungspflicht durch die Bundesnetzagentur.
Indirekte Netzeffekte treten in Form von Wechselkosten bei einem Anbieterwechsel durch die Mitnahme der Rufnummer auf (Clausen 2008, 53). Diese Gebühren sind allerdings durch die Bundesnetzagentur in ihrer Höhe begrenzt worden. Dennoch müs-
2 DieKosten für den Aufbau eines UMTS Netzes mit einer Abdeckung von 90% in Deutschland wurden
in 2001 auf 8 Milliarden Euro geschätzt (Durlacher 2001, 16).
2. Der Markt für mobile Sprachkommunikation 9
sen neue Anbieter einen Preisvorteil bieten, der die Wechselkosten übertrifft (Haucap 2003, 7).
Strategische Eintrittsbarrieren sind in diesem Markt zu vernachlässigen. Den eingesessenen Anbietern fehlt aufgrund der hohen Wettbewerbsintensität der finanzielle Spielraum, um etwa durch Dumping-Preise neue Anbieter aus dem Markt zu drängen. Zudem unterliegt der Markt der Aufsicht durch den Regulierer, der Bundesnetzagentur (Gerum/Sjurts/Stieglitz 2003, 150).
Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass die Markteintrittsbarrieren aufgrund der Skaleneffekte und der Lizenzpflicht im Mobilfunkmarkt äußerst hoch sind. Ein Eintritt als Netzbetreiber ist aufgrund des begrenzten Frequenzspektrums nur möglich, wenn einer der etablierten Anbieter ausscheidet oder eine neue Lizenzvergabe stattfindet.
2.3.2 Rivalität unter den Mobilfunkanbietern
Die Wettbewerbsintensität im deutschen Mobilfunkmarkt ist als hoch einzustufen. Dieses hat folgende Ursachen:
Der Markt befindet sich bezüglich der Penetration in der Sättigungsphase. Im Jahr 2008 erreichte die Penetration mit SIM Karten bezogen auf die Gesamtbevölkerung 130%. Gleichzeitig ging das Marktvolumen seit 2006 zum vierten mal in Folge zurück und betrug in 2009 23,6 Milliarden Euro, was einem Rückgang von -19% im Vergleich zu 2005 entspricht (vgl. Abbildung 3).
Abbildung 3: Marktvolumen des deutschen Mobilfunkmarktes (inkl. Sprach- und Datendiensten),
1995-2009 Quelle: Dialog Consult/VATM (2009)
Arbeit zitieren:
Peter von Aspern, 2010, Mobilfunk und Mobile Datendienste, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
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BWL - Personal und Organisation
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