Inhalt
Abk ürzungsverzeichnis II
1 Einleitung 1
2 Autismus 3
2.1 Definition 3
2.2 Ursachen 4
2.3 Merkmale 4
3 Soziale Einstellungen 6
3.1 Der Begriff Einstellung 6
3.2 Struktur und Merkmale der Einstellung 7
3.3 Funktionen von Einstellungen 8
3.4. Zusammenhang zwischen Einstellung und Verhalten 9
3.5 Einstellungsänderung 10
3.5.1 Einstellungsänderung nach dem Kommunikationsmodell 11
3.5.2 Theorie der kognitiven Dissonanz 13
4 Einstellung gegenüber Menschen mit Autismus 15
5. Hilfen für autistische Kinder und Jugendliche durch den Einzelfallhelfer 17
5.1 Funktion der negativen Einstellungen der Mitschüler 18
5.2 Beeinflussung durch Anwendung des Kommunikations-modells 19
5.3 Beeinflussung mit Hilfe des Dissonanzdrucks 20
5.4 Fallbeispiel: Fridolin und Max 22
6 Fazit 24
Literatur IV
I
Abkürzungsverzeichnis
BVJ Berufsvorbereitendes Jahr EFH Einzelfallhelfer in der Schulbegleitung von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung ICD-10 International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, revision 10 WfMmB Werkstatt für Menschen mit Behinderung
II
1 Einleitung
Die Autismus-Spektrum-Störung gilt als eine komplexe und nur unzureichend verstandene Behinderung mit einer Bandbreite von Erscheinungsformen. Abgesehen von den täglichen Herausforderungen, die mit ihrer Behinderung in Verbindung stehen, müssen sie auch mit der negativen Einstellung der Gesellschaft, einer mangelhaften Unterstützung ihrer Bedürfnisse, und in einigen Fällen mit unvorstellbarer Diskriminierung, ertragen.
Menschen mit Autismus leiden oft an zwanghaften stereotypen Bewegungsmustern oder motorische Eigenarten, durch die sie in der Gesellschaft bereits visuell auffallen. Hinzukommend sind sie im öffentlichen Leben durch ihre akustisch wahrzunehmenden Auffälligkeiten sozusagen eine Attraktion - jedoch in negativer Hinsicht. Durch ihre Symptome werden Menschen mit Autismus im Arbeits-, Wohn-und Freizeitbereich trotz der im Neunten Sozialgesetzbuch festgeschriebenen Leistungen zur Teilhabe behinderter Menschen benachteiligt. In meiner Arbeit als Einzelfallhelfer (EFH) für autistische Kinder und Jugendliche sind mit diese negativen Einstellungen seitens der Gesellschaft deutlich bewusst geworden. Meine Klienten, die unter den verschiedensten Formen der Autismus-Spektrum-Störung leiden, haben Schwierigkeiten, nonverbale Verhaltensweisen zur Steuerung sozialer Interaktionen zu erkennen und zu deuten. Dies hat Folgen auf eine entwicklungsgemäßen Beziehungsaufbau zu Gleichaltrigen sowie die Fähigkeit, spontan Freude, Interessen oder Erfolge zu empfinden oder mit anderen zu teilen. Der Autor D. Zöller, der selbst vom frühkindlichen Autismus betroffen ist, schilderte dieses Problem in einem seiner Veröffentlichungen: „Wie nehmen Menschen Beziehungen auf? Sie lächeln sich an, tauschen Blicke. Durch ihren ganzen Körper drücken sie Zuneigung aus. Was hindert autistische Menschen, Beziehungen zu gestalten? Ihr Körper drückt Gefühle nicht aus. Die Mimik bleibt starr. Die Augen schauen nicht an, was sie lieben. So bleiben Gefühle eingeschlossen, Beziehungen ungelebt“ (Zöller 2001, S. 141).
1
Aufgrund dieser Schwierigkeiten wurden in Deutschland gesetzliche Bestimmungen zur Schulintegration durch die Schulintegrationsverordnung und die Paragraphen 53ff des Zwölften Sozialgesetzbuches eingeführt. Doch allein durch diese gesetzlichen Regelungen kann sich die negative Einstellung gegenüber Menschen mit Autismus nicht ändern. N. Schuster schrieb in ihrer Autobiografie „Ein guter Tag ist ein Tag mit Wirsing“ über ihr Leben mit dem Asperger-Syndrom. Hierbei machte sie deutlich, dass auch sie nicht zufrieden mit der Integration in ihre Klasse ist, da ihr die Lehrer eine negative Einstellung entgegneten:
„In der Schule haben sie gesagt, dass ich keine Freunde habe. Aber das stimmt doch nicht. Kevin und ich tauschen Sammelbilder aus, er ist mein Freund. Warum sagen die Lehrer sowas?“ (Schuster 2007, S. 135) Der EFH betrachtet es daher als seine Aufgabe, die gesetzlichen Anforderungen durchzusetzen, indem eine Einstellungsänderung der Mitmenschen, in meinem Arbeitsbereich vor allem der Mitschüler und Lehrer gegenüber dem autistischen Menschen auslöst. Doch ist dies eine relaistische Aufgabe? Kann ein EFH die Einstellung gegenüber einem Menschen ändern? Oder ein idealistisches Bild eines Sozialarbeiters als Retter der Welt, durch dessen einzigartige Leistung die Gesellschaft verändert werden kann?
In der vorliegenden Studienarbeit wird die Problematik der Einstellungsänderung mit Hilfe einer Beeinflussung der Mitschüler autistischer Kinder durch den EFH thematisiert. Hierzu werden zuerst theoretische Grundlagen zum
sozialpsychologischen Begriff der Einstellung vermittelt. Anschließend wird die bestehende Einstellung gegenüber Autistischen Mitmenschen, aber auch im Speziellen autistischen Mitschülern, beleuchtet. Eine mögliche
Einstellungsbeeinflussung der Mitschüler autistischer Kinder durch Eingreifen des EFH wird im Anschluss anhand von Fallbeispielen geprüft. Hierzu werden zuvor erläuterte Theorien, wie beispielsweise die der kognitiven Dissonanz von Festinger, herangezogen.
2
2 Autismus
Um die Problematik der negativen Einstellung gegenüber autistischen Kinder, die der EFH gegenübersteht, nachvollziehen zu können, wird im folgenden Kapitel die Autismus-Spektrum-Störung mit ihren Merkmalen erläutert.
2.1 Definition
Erstmals wurde der Begriff Autismus im Jahr 1911 von dem schweizerischen Psychiater Eugen Bleuler als Merkmal der Schizophrenie verwendet. Definiert wurde der Begriff als Rückzug von der Außenwelt in eine eigene psychische Welt. Der Kinderarzt Asperger und der Kinderpsychiater Kanner erkannten 1943/44 unabhängig voneinander zwei unterschiedliche Störbilder, welche sie selbst als autistisch bezeichneten. Daraus ergab sich die Einteilung der Autismusformen in den frühkindlichen Autismus (Kanner-Syndrom) und die autistische Persönlichkeit (Asperger-Syndrom). Infolge einer ungleich starken Ausprägung ergibt sich ein weites Spektrum des Autismus.
In der Internationalen Klassifikation der Erkrankungen (ICD-10) werden alle Formen des Autismus den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen, und nicht wie früher den Psychosen, zugeordnet. Hiermit wird unter anderem deutlich gemacht, dass sich dem genannten Rückzug keine „normale“ Entwicklung anschließt (vgl. Remschmidt 2008, S. 9ff).
Autismus kann nicht geheilt, aber behandelt werden. So finden sich in der Autismustherapie beispielsweise tiefenpsychologische und verhaltensorientierte Ansätze wieder. Weitere erfolgreiche Methoden zur therapeutischen Hilfe der Autismus-Spektrum-Störung sind das Führen nach Affolter und diverse Therapien wie Reit-, Musik-, Ergotherapie, Logopädie, etc. Im Zentrum für autistische Menschen in Chemnitz wird ein besonderes Augenmerk auf die Förderung der sozialen Fähigkeiten durch Sozialkompetenztraining gelegt. Gegebenenfalls kann eine medikamentöse Behandlung der Begleiterscheinungen wie Epilepsie oder Aggressivität erfolgen, um dem autistischen Menschen zu helfen.
3
2.2 Ursachen
Lange Zeit wurden die Ursachen der Autismus-Spektrum-Störung in psychologischen und psychoanalytischen Theorien gesucht. Man sprach sogar davon, dass die Mütter, die ihre Kinder nicht liebten, sogenannte „Kühlschrankmütter“, an der Störung des Kindes Schuld seien. In den letzten Jahren forschte man jedoch intensiv nach biologischen Ursachen. Dabei erschlossen die Wissenschaftler, dass die folgenden Faktoren bei der Entstehung von Autismus beteiligt sind:
- genetische Faktoren,
- Hirnschädigungen und Hirnfunktionsstörungen,
- biochemische Besonderheiten,
- die Störung kognitiver Prozesse und der Sprachentwicklung, sowie
- Umwelteinflüsse (vgl. Remschmidt 2008, S.57).
2.3 Merkmale
Die Störung wird gewöhnlich vor der Vollendung des dritten Lebensjahres sichtbar, indem sich die folgenden wesentlichsten Merkmale zeigen:
- eine qualitative Beeinträchtigung der zwischenmenschlichen Kommunikation,
- Beeinträchtigungen der sprachlichen, als auch nichtsprachlichen
Kommunikation, wobei zu erwähnen ist, dass etwa die Hälfte der Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung nicht die Fähigkeit besitzen, zu sprechen,
- ein offensichtlich eingeschränkter Bestand von Interessen, Verhaltensmustern und Aktivitäten. Autistische Menschen können ein zwanghaftes Bestehen auf die Gleicherhaltung der Umwelt zeigen, welches mit Ängsten und Panik verbunden ist.
Zahlreiche weitere Symptome, wie Probleme bei der Nahrungsaufnahme aufgrund einer Bevorzugung bestimmter Speisen, Schlaf- und Reinlichkeitsprobleme, Aggressivität in Form von selbst- und fremdverletzendem Verhalten und eine fehlende Angst vor realen Gefahren, können auftreten. Desweiteren leiden viele Menschen mit Autismus an neurologischen Auffälligkeiten wie Epilepsie und
4
oftmals an einer Intelligenzminderung. Es muss jedoch erwähnt werden, dass die verschiedenen Symptome je nach Individuum unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Veränderung in der Umwelt können autistische Menschen stark erregen. Kinder mit Autismus spielen beispielsweise in einer anderen Art als andere Kinder ihres Alters. Oft benutzen sie ihr Spielzeug in zweckentfremdeter, aber immer gleicher Art und Weise. Das Kreiseln und Drehen von Rädern und Bällen, Rieseln mit Sand, Wedeln mit Fäden oder mit den Händen sind Beispiele für die Stereotypien, die sie entwickeln.
Die intellektuellen Fähigkeiten von Menschen mit Autismus variieren stark. Sie reichen von einer geistigen Behinderung bis hin zu durchschnittlicher Intelligenz. Einige von ihnen, die sogenannten Savants, weisen Inselbegabungen auf, welche zu erstaunlichen Teilleistungen im Rechnen, in technischen Fachrichtungen, in der Musik oder auf anderen Gebieten führen (vgl. Remschmidt 2008, S. 16, S. 47f; Theunissen, Paul & Stichling 2003, S. 123ff).
5
Arbeit zitieren:
Anne Dreyer, 2011, Die Beeinflussung der Einstellung gegenüber autistischen Kindern und Jugendlichen im schulischen Kontext, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Lehrtheoretische Didaktik (Heimann-Otto-Schulz)
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 10 Seiten
Die entwicklungspsychologische und pädagogische Funktion von Bilderbüc...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Pädagogik - Pädagogische Soziologie: Die Beeinflussung der Einstellung gegenüber autistischen Kindern und Jugendlichen im schulischen Kontext ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Pädagogik - Pädagogische Soziologie: neuer Titel erschienen: Die Beeinflussung der Einstellung gegenüber autistischen Kindern und Jugendlichen im schulischen Kontext
Anne Dreyer hat einen neuen Text hochgeladen
Wie erziehe ich ein autistisches Kind?
Grundlagen und Praxis
Shira Richmann, Matthias Wengenroth
Hyperkinetische Störungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
Hans-Christoph Steinhausen
Systemische Familientherapie mit Kindern, Jugendlichen und Eltern
Lebensfluß-Modelle und analoge...
Peter Nemetschek
Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörungen bei Kindern, Jugendlichen und...
Ein Ratgeber für Betroffene un...
Paul Wender, Frank Badura
Die Entwicklung der Delinquenz von Kindern, Jugendlichen und Heranwach...
Eine vergleichende Analyse von...
Felix Schulz
Mutismus im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter
Für Angehörige, Betroffene sow...
Boris Hartmann, Michael Lange
0 Kommentare