Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 2
2 Voraussetzungen zur Entstehung von Identität 2
3 Die Identitätsentwicklung. 3
3.1 Play und Game 3
3.2 Bewusstsein und Selbst Bewusstsein 5
3.3 Ich und ICH. 5
3.4 Der Geist 6
4 Die Verwirklichung der Identität 6
5 Schluss 7
6 Verwendete Literatur 9
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1 Einleitung
In der vorliegenden Ausarbeitung vertiefe ich die Themen meines Referates über den Text „Identität“ des amerikanischen Philosophen und Psychologen George Herbert Mead (1863 - 1931). Der heute als Klassiker angesehene Aufsatz stammt aus Meads Hauptwerk „Geist, Iden‐ tität und Gesellschaft“, welches erst 1934 aus Vorlesungsmitschriften veröffentlicht wurde und dem Forschungsgebiet der Chicagoer Schule zuzuordnen ist.
Ich werde mich mit der Frage beschäftigen, inwieweit bei Mead das Soziale bei der Entwick‐ lung von Identität eine Rolle spielt. Hierbei gehe ich in Kapitel 2 zuerst auf die Genese von I‐ dentität ein und erkläre, weshalb Sprechen und Denken genauso wie Gesellschaft notwendige Bedingungen für die Entstehung von Identität sind und was den Menschen nach Meads An‐ sicht hierbei von allen anderen Tieren unterscheidet.
Das darauf folgende Kapitel 3 behandelt die beiden frühesten Stufen der Identitätsentwicklung beim Kind: das Spiel und das Wettspiel. Ebenso stelle ich den verallgemeinerten Anderen (bzw. das verallgemeinerte Andere) vor, welcher bzw. welches während der Phase des Wettspiels erstmals in Form von Spielregeln auftritt und dessen Internalisierung aus einer individuellen Identität eine gesellschaftliche Identität formt. Im Anschluss gehe ich auf den Unterschied zwischen Bewusstsein und Selbst‐Bewusstsein ein und stelle die beiden Phasen des Selbst, das „Ich“ und das „ICH“, welche unterschiedliche Funktionen erfüllen, sowie den Geist vor. Kapitel 4 beinhaltet die von mir im Vortrag genannten Aspekte der Verwirklichung von Identi‐ tät. Ich gehe hierbei darauf ein, weshalb nach Mead Gesellschaft notwendig für die Verwirkli‐ chung von Identität ist und zeige auf, welcher Techniken sich Individuen bedienen, um sich zu profilieren bzw. von anderen vorteilhaft zu unterscheiden.
Im Schluss (Kapitel 5) beantworte ich die vorangegangene Frage und vergleiche den Aufsatz Meads mit den Erkenntnissen von Emile Durkheim, Erving Goffman und Sigmund Freud.
2 Voraussetzungen zur Entstehung von Identität
Nach Auffassung George Herbert Meads (1978) sind die Fähigkeit des Sprechens und Denkens untrennbar und unterscheiden Menschen von Tieren (vgl. S. 226). Sie bedingen sich gegensei‐ tig und sind notwendig, um eine Identität zu entwickeln. Tiere reagieren auf Reize, was wie‐ derum eine Reaktion bei ihrem Gegenüber auslöst. Diese Reiz‐Reaktions‐Kette „enthält jedoch keinen Hinweis des Einzelnen, des Tieres, des Organismus, auf sich selbst“ (ebd. S. 187). Dem‐
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gegenüber kann der Mensch vermittels Gesten oder Sprache in sich selbst die gleichen Reakti‐ onen auslösen, wie in seinem Gegenüber. Dies ist möglich, weil wir in Symbolen denken und sprechen. Diese Symbole sind Allgemeinbegriffe, haben also für alle die gleiche Bedeutung. „Man sagt etwas, das bei allen anderen eine ganz bestimmte Reaktion auslöst, vorausgesetzt, dass das Symbol in der Erfahrung des anderen ebenso wie für uns existiert“ (ebd. S. 189). Am Beispiel der Schriftstellerin Helen Keller verdeutlicht Mead seine These: Es gelang der taub‐ blinden Frau erst, über Symbole mit anderen Menschen zu kommunizieren, nachdem sie sol‐ che gefunden hatte, die in ihr die gleichen Reaktionen auslösen, wie in anderen Personen (vgl. ebd. S. 191). Weiters ist es dem Menschen möglich, die Reaktion seines Interaktionspartners auf seine Gesten zu antizipieren 1 . Mead spricht hier vom Sinn der Geste eines Organismus, welcher „in der Reaktion des anderen Organismus auf die voraussichtliche Vollendung der Handlung des ersten Organismus, der diese Geste auslöst und aufzeigt“ (ebd. S. 188) liegt. Dem sinnvollen oder rationalen Sprechen steht das Sprechen im emotionellen Bereich gegen‐ über, welches nicht den Sinn hat, in Sprecher und Zuhörer die gleichen Reaktionen auszulösen. Aggressive Gesten und Symbole sollen den Adressaten erschrecken, nicht aber den Absender.
3 Die Identitätsentwicklung
3.1 Play und Game
Die früheste Form der Identitätsbildung ist das kindliche Spiel (Play). Mead verweist zuallererst auf die Trennung von Organismus und Identität bei von ihm so genannten primitiven Völkern. Der Mensch ist durch eine „dinghafte Identität“ oder „Seele“ (ebd. S. 192), welche sich vom Organismus durch die Fähigkeit, den Körper zu verlassen, unterscheidet, in der Lage, sich und sein Handeln von außen zu betrachten (vgl. ebd. S. 191f). Auch beim Kind finden wir unsichtba‐ re, „durch die Phantasie geschaffene Spielgefährten, die sehr viele Kinder in der eigenen Erfah‐ rung erzeugen“ (ebd. S.192). Die uns umgangssprachlich als „imaginärer Freund“ geläufige zweite Identität ermöglicht es dem Kind, sich in verschiedene Rollen zu versetzen und dadurch auch verschiedene Haltungen anzunehmen. Dem Kind ist erstmals die Gelegenheit geboten, für sich selbst ein anderer zu sein. Das gleiche geschieht auch beim nachahmenden Spiel, in
1 Ich verweise an dieser Stelle bewusst nicht auf den Unterschied zum Tier, da neuere Beobachtungen
an Schimpansen und Weißschulter‐Kapuzineraffen gezeigt haben, dass auch manche Tiere in der Lage
sind, die Reaktionen ihrer Artgenossen zu antizipieren und beispielsweise durch Lügen zum eigenen
Vorteil zu beeinflussen (Byrne & Whiten, 1988, S. 216)
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Arbeit zitieren:
Stefan Kräh, 2009, Mind, Self and Society, München, GRIN Verlag GmbH
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George Herbert Mead: Geist, Identität und Gesellschaft Teil II
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