INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung
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1.1. Heranführung an das Thema 2
1.2. Relevanz des Themas 3
1.3. Vorüberlegungen 4
1.4. Gliederung der Arbeit 4
1.5. Leitende Fragen und Forschungsziel 5
2. Bildungsmigration und die Mobilitätsprogramme der EU
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2.1. Personenaustausch 6
2.1.1. Auslandsreisen und Bildungsprogramme als interkultureller
Austausch 7
2.1.2. Defizite des Austausches im Allgemeinen 8
2.2. Rahmendaten der europäischen Bildungspolitik 9
2.3. Überblick der wichtigsten europäischen Bildungsprogramme 10
2.3.1. Comenius 11
2.3.2. Erasmus 11
2.3.3. Leonardo da Vinci 11
2.3.4. Grundvig 12
2.4. Das Programm Erasmus 12
2.5. Rahmendaten der Österreichischen Hochschulen und deren
Studierenden im Bezug auf die Teilnahme am Erasmus-Programm 14
2.6. Die Universität Salzburg und Erasmus 17
3. Begriffsklärungen und Einbettung von Kultur in das Feld der
interkulturellen bzw. transkulturellen Kommunikation
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3.1. Kultur 18
3.1.1. Kulturmodelle 22
3.1.2. Kulturdefinition für das Feld der Kommunikationswissenschaft 25
3.1.3. Warum Kulturen sich unterscheiden 27
3.1.4. Kulturdistanzen und Verstehen fremder Kulturen 28 3.2. Kommunikation 29
3.2.1. Kommunikationsbegriff 29
3.2.2. Kommunikation als Element von Kultur 34
3.3. Formen der Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen 35
3.3.1. Interkulturelle Kommunikation 37
3.3.2. Transkulturelle Kommunikation 42
3.3.3. Internationale Kommunikation 45
4. Verbindungen und Schnittstellen interpersoneller und interkult-
ureller/transkultureller Kommunikation 46
4.1. Dimensionen kultureller Variabilität von Hofstede 47
4.1.1. Individualismus versus Kollektivismus 48
4.1.2. Maskulinität versus Femininität 50 4.1.3. Machtdistanz 51
4.1.4. Unsicherheitsvermeidung 53
4.1.5. Langfristige Orientierung versus Kurzfristige Orientierung 54
4.1.6. Die Bedeutung von Hofstedes Dimensionen kultureller Variabilität für den Vergleich ausgewählter Länder Europas 56
4.2. Kontextgebundene versus kontextungebundene Kultur 57
4.3. Organisationsmodell für das Studium von Kommunikation mit Fremden 59 4.3.1. Kodieren/ Dekodieren von Nachrichten 61
4.3.2. Kulturelle, soziokulturelle, psychokulturelle und Umwelteinflüsse 62 4.3.3. Kulturelle Strukturmerkmale 63
4.3.4. Der Besucher in einer fremden Kultur 65 4.4. Die offene Dimension 66
4.4.1. Sprache, Kultur und Kommunikation 66
4.4.2. Dialekte bzw. österreichisches Deutsch 67
4.4.3. Sprache und Übersetzung in einem interkulturellen/transkulturellen Kontext 69
4.4.4. Kommunikationsbarrieren und Missverständnisse 71
4.5. Die versteckte Dimension von Kultur 74
4.5.1. Proxemik 75 4.5.2. Kinesik 76 4.5.3. Chronemik 77 4.5.4. Haptik 78 4.5.5. Stille 78 4.5.6. Parasprache 79
4.5.7. Kleider- und Körpererscheinung 79 4.5.8. Olfaktik 80
5. Methode 81
5.1. Definition und Erhebungsmethode 82 5.2. Das Leitfadeninterview 82
5.3. Stichprobe und Durchführung der Leitfadeninterviews 84
5.4. Themenbereiche des Leitfadens 86
5.4.1. Allgemeine Angaben und Motive bzw. Ziele für den Auslandsaufenthalt in Salzburg 86
5.4.2. Ankunft, Wohnsituation in Salzburg und Sprachkenntnisse 87
5.4.3. Soziale Kontakte und interpersonelle Beziehungen 87
5.4.4. Sprache, Kultur und Kommunikation in einem interkulturellen bzw. transkulturellen Kontext 88
5.4.5. Österreich-Bild, Stereotypen und nichtverbale Kommunikation der Österreicher 89
5.5. Datenaufbereitung der Leitfadeninterviews 89
6. Auswertung und Analyse der Ergebnisse 91
6.1. Motive und Ziele für den Auslandsaufenthalt in Salzburg 91
6.2. Wohnsituation in Salzburg und Sprachkenntnisse 92 6.2.1. Wohnsituation 92
6.2.2. Sprache in der interkulturellen bzw. transkulturellen Kommunikation 94
6.3. Soziale Kontakte und interpersonelle Beziehungen 97
6.4. Kultur und Kommunikation in einem interkulturellen bzw. transkulturellen Kontext 100
6.4.1. Kommunikationsbarrieren und Probleme 100
6.4.2. Missverständnisse und interkulturelle Erfahrungen 102
6.5. Österreich-Bild und nonverbale Kommunikation der Österreicher 105
6.5.1. Österreichische Stereotype 106
6.5.2. Nonverbale Kommunikation 107
7. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen 110
7.1. Allgemeine Zusammenfassung 110
7.2. Zusammenfassung der Ergebnisse 114
7.3. Beantwortung der Forschungsfrage und Fazit 116
8. Anhang 119 8.1. Literaturverzeichnis 119
8.2. Soziales Profil der befragten Erasmusstudierenden in Salzburg 126 8.3. Leitfaden 127 8.3.1. Leitfaden (deutsch) 127 8.3.2. Leitfaden (englisch) 129 8.3.3. Leitfaden (spanisch) 131
1. Einleitung
Durch den Tourismus und der weltweiten Ausbreitung von Transport- und Kommunikationsnetzwerken stoßen eine Vielzahl von Menschen häufig auf Mitglieder anderer Kulturen. Zwischen industrialisierten Ländern ist es binnen kurzer Zeit möglich zu kommunizieren und Informationen zu verbreiten. Die weltweite Ausbreitung von Kommunikationsnetzwerken, kombiniert mit Reisen und internationaler Migration macht es in unserer Zeit nötig verschiedene Kulturen und deren Personen zu verstehen. (Vgl. Gudykunst/ Kim 1992: 3)
Wenn sich Studierende dazu entschließen einen Teil ihrer Studienzeit im Ausland zu verbringen, ist das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen bzw. soziokultureller Systeme vorprogrammiert. Viele tausende Studierende nützen die Chance im Rahmen des vielleicht bekanntesten und auch bei Studierenden sehr beliebten europäischen Bildungsprogramms ERASMUS ein oder zwei Semester im europäischen Ausland zu leben und zu studieren. Jene Studierenden treffen auf verschiedene soziokulturelle Systeme bzw. Kulturen und erfahren, was es bedeutet in einer fremden Lebenswelt einige Zeit zu leben.
Das Bildungsprogramm ERASMUS ist ein Teil des Aktionsprogrammes „Lebenslanges Lernen“, mit dem sowohl die Mobilität als auch die Bildung der Studierenden von der Europäischen Union gefördert wird. Auch an der Universität Salzburg konnten im Studienjahr 2008/2009 etliche Studierende die Chance ergreifen einen Teil ihres Studiums im Ausland zu absolvieren. Da es sich ursprünglich um einen Studienaustausch handelt, wurde auch zahlreichen europäischen StudentInnen ermöglicht einen Teil ihres Studiums in Salzburg zu absolvieren.
Wir leben in einer Zeit der Globalisierung, wo interkulturelle bzw. transkulturelle Kommunikation immer mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Die Ausbreitung und Entwicklung internationaler Unternehmen bringt eine zunehmende Interaktion zwischen Menschen verschiedener Kulturen mit sich. Das bedeutet, dass Menschen nun mit unterschiedlichen Kommunikationsformen direkt konfrontiert werden. Somit tritt
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das Thema der interkulturellen bzw. transkulturellen Kommunikation in den Vorder-grund, um effektiv mit Personen aus verschiedenen Kulturkreisen kommunizieren zu können. Um Kommunikation zwischen Personen verschiedener Kulturen herzustellen, müssen erstmals verschiedenste Barrieren bewusst gemacht werden, wie beispielsweise Stereotypen, nonverbale Missverständnisse oder Übersetzungsschwierigkeiten. In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich besonders auf jene Probleme und Schwierigkeiten konzentrieren, die bei der Kommunikation von Personen, die unterschiedlichen Kulturen angehören, auftreten. Effektive Kommunikation kann nur dann erfolgen, wenn sich die Kommunikationspartner dessen bewusst sind und jene Missverständnisse und Verständnisprobleme soweit wie möglich reduziert werden.
1.1. Heranführung an das Thema
Die Universität Salzburg ermöglichte es mir zwei interessante Studiensemester in Spanien zu verbringen und ich erfuhr, was es heißt eine Austauschstudentin zu sein. Das war der Punkt, an dem ich angefangen habe mich für verschiedene Kulturen zu interessieren. Für mich war nach diesem Auslandsaufenthalt klar, dass ich etwas mit diesen besonderen Erfahrungen anfangen musste, um die Zeit nicht nur als schöne Reise in Erinnerung zu behalten.
An verschiedenen Ländern, dem Reisen und Menschen unterschiedlicher Kulturen war ich seit jeher interessiert. Ich erkannte, dass sich Fremdsprachen am besten im jeweiligen Land erlernen ließen und realisierte, dass es nicht genug war, die Landessprache zu sprechen, um die Menschen und deren Kultur zu verstehen. In meiner Abschlussarbeit konzentriere ich mich auf Probleme, Schwierigkeiten und Missverständnisse bei effektiver Kommunikation von Personen verschiedener Kulturen. Erasmusstudierende in Salzburg sollen zu diesem Thema mittels Befragung analysiert werden. Mehr Komponenten als nur die verschiedenen Landessprachen tragen dazu bei, eine Verständigung zwischen Personen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen zu erzeugen, welche von mir aufgezeigt und diskutiert werden sollen. Viele Menschen gehen davon aus, dass der Grund für Missverständnisse bei Kommunikationspartnern, die unterschiedlichen Kulturen angehören, in der nicht ausreichen-
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den Sprachkompetenz des Gegenübers liegt. Jedoch ist linguistisches Wissen nicht genug, um eine effektive Kommunikation zwischen Menschen herzustellen. Missverständnisse entstehen oftmals dadurch, dass Normen und Regeln, welche die Kommunikation einer bestimmten Menschengruppe ausmachen, vom Kommunikationspartner nicht verstanden werden. (Vgl. Gudykunst 1992: 2)
Das Wichtigste bei der Kommunikation mit Gesprächspartnern unterschiedlicher Kulturen ist seine eigene Kultur zu verstehen und zu wissen, dass Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen Botschaften unterschiedlich interpretieren. Erst wenn Menschen auf eine für sie fremde Kultur stoßen, beginnen sie die eigene Kultur bzw. eigene Verhaltensmuster zu verstehen und sie mit Personen anderer Kulturen zu vergleichen. Um eine gelungene Kommunikation zwischen Personen verschiedener Kulturen zu erreichen, gilt es jene Punkte zu beachten und zu versuchen größere Missverständnisse zu vermeiden.
1.2. Relevanz des Themas
Eine große Zahl an Studierenden weltweit verbringt, im Zuge von Austauschprogrammen, einen Teil ihres Studiums im Ausland. Bei jener - im Vergleich zur gesamten internationalen Migration - kleinen Gruppe handelt es sich um Personen, denen große politische, wirtschaftliche als auch wissenschaftliche Bedeutung zugeschrieben wird. Ausländische Studierende werden in einem Gastland nicht als wirtschaftliche Belastung oder kulturelle Gefahr gesehen, sondern, im Gegenteil, die westlichen Industriestaaten bemühen sich um die Aufnahme möglichst vieler Studierenden aus dem Aus-land.
Der Zweck dieser Arbeit ist es herauszuarbeiten, was Kommunikation und Kultur bedeutet bzw. wie Kultur Kommunikation und Kommunikationsprozesse von Menschen aus verschiedenen Kulturen beeinflusst. Es soll anhand einer empirischen Untersuchung von Erasmusstudierenden in Salzburg herausgefunden werden, welche Missverständnisse bei der Kommunikation von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen entstehen und wie jene Barrieren in zukünftigen Interaktionen minimalisiert werden können.
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1.3. Vorüberlegungen
Für Studierende stellt ein Auslandsaufenthalt einen bedeutenden Schritt ihres Lebens dar. Vor allem die Anpassungsschwierigkeiten, mit denen Studierende am Anfang ihres Auslandsaufenthaltes rechnen müssen, hinterlassen Spuren. Das alltägliche Leben in einem bis dato fremden Kulturkreis bedingt verschiedene Anpassungen an Ausdrucksweisen, unbekannte Menschen, Essgewohnheiten, Klima, Sprache, Unterrichtsmethoden etc., um sich in jener Kultur wohl zu fühlen. Anfänglich werden sich einige Studierende missverstanden fühlen bzw. der im Gastland gesprochenen Sprache nicht mächtig sein.
Ziel der Arbeit ist es herauszufinden, welche Missverständnisse in der interpersonellen Kommunikation zwischen Personen unterschiedlicher Kulturen auftreten und welche Probleme damit ausgelöst werden. Kommunikationsprobleme und Missverständnisse im Alltag ihrer Studienzeit in Salzburg sollen aufgezeigt und analysiert werden. Konzentrieren werde ich mich hierbei auf Erasmusstudierende, die ein bis zwei Semester ihrer Studienzeit in Salzburg verbringen.
1.4. Gliederung der Arbeit
Im ersten Kapitel wird eine Einführung in das Thema meiner Arbeit gegeben und die Relevanz und meine persönliche Motivation vorgestellt. Im zweiten Kapitel werden einige allgemeine hochschulpolitische Überlegungen wiedergegeben und die Mobilitätsprogramme der Europäischen Union dargestellt, um einen Bezug zum Thema Erasmus und Erasmusstudierende herzustellen. Das dritte Kapitel beginnt mit der Ei-nordnung der verwendeten Begriffe in das Gebiet der Kommunikationswissenschaft. Es werden die wichtigsten Begriffe, wie Kultur, Kommunikation und deren Verbindung, erläutert und in das Feld der interkulturellen bzw. transkulturellen Kommunikation eingeordnet. Im vierten Kapitel, dem zentralen Theoriekapitel, werden die interpersonelle Kommunikation und die interkulturelle bzw. transkulturelle Kommunikation zusammengeführt und Überschneidungen jener beiden Bereiche herausgearbeitet. Vor allem der Kommunikationsprozess zwischen Personen verschiedener Kulturen wird aufgezeigt und welche Einflüsse bei der Kommunikation zu beachten sind. Im 5.Kapitel wird die verwendete Methode genauer vorgestellt und die Stichprobe erklärt.
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Des Weiteren werden die Themenbereiche, die für diese Arbeit von Interesse sind, vorgestellt. Im 6. Kapitel werden die Ergebnisse der Untersuchung ausführlich dargestellt, um die am Anfang gestellten Fragen zu beantworten. Die Arbeit endet mit Kapitel 7, dem Schlusskapitel, welches die gesamte Arbeit zusammenfassend darstellt und Schlussfolgerungen zu den am Anfang gestellten Fragen beinhaltet.
1.5. Leitende Fragen und Forschungsziel
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Missverständnissen und möglichen auftretenden Problemen bei der Kommunikation von Kommunikationspartnern, unterschiedlicher Kulturkreise. Die sprachliche als auch die nonverbale interkulturelle bzw. transkulturelle Kommunikation im Hinblick auf Alltagprobleme soll an einigen Erasmusstudierenden in Salzburg untersucht, festgehalten und analysiert werden. Das Ziel der Arbeit liegt darin, Missverständnisse und Kommunikationsprobleme von Erasmusstudierenden in Salzburg aufzuzeigen und die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten in der Kommunikation herauszuarbeiten. Die leitende Frage dieser Arbeit lautet daher: „Welche Kommunikationsprobleme und Missverständnisse treten bei der interpersonellen Kommunikation zwischen Kommunikationspartnern unterschiedlicher Kulturen auf?“
2. Bildungsmigration und die Mobilitätsprogramme der EU
In diesem Kapitel möchte ich zum Einstieg einen Überblick über die internationale Bildungsmigration bzw. die Mobilitätsprogramme der Europäischen Union geben. Da jene Arbeit die Situation der Erasmus-Studierenden in Salzburg und deren Missverständnisse in der Kommunikation untereinander beschreiben wird, erscheint es mir sinnvoll den Begriff Erasmus-Studierende und deren Charakteristika zu klären. Des Weiteren werden Rahmendaten der europäischen Mobilitätsprogramme und deren Zielsetzungen dargestellt, um die Situation der Erasmusstudierenden in Salzburg besser verstehen zu können.
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2.1. Personenaustausch
Unter Personenaustausch wird die Bewegung von Menschen über die Grenzen ihrer eigenen Kultur oder Nation gesehen. Hierbei kann der Austausch sowohl direkt als auch indirekt entstehen. Unter direktem Personenaustausch versteht man die gegenseitige Grenzüberschreitung und beim indirekten Austausch die Begegnung des Ein- und Ausreisenden mit der fremden Bevölkerung. Jenen interkulturellen Austausch kann man in der ganzen Menschheitsgeschichte wiedererkennen. Sowohl die ersten Begegnungen der sich damals fremden Stämme der Nomaden, bis hin zum modernen Massentourismus unserer Zeit. Der Krieg, der Handel und die Auswanderung werden als die Ursachen der historischen interkulturellen Begegnungen genannt. Der Fernhandel wurde meistens von einigen wenigen Gruppen ausgeübt, jedoch Krieg und Auswanderung führten zu Massenmigrationen, die in der Geschichte auch oft als Völkerwanderung bezeichnet wurden. Somit war damals das Phänomen, die eigene Heimat zu verlassen, meist in Begleitung mit Schmerz und Leid anzutreffen. Der Personenaustausch, wie man es heutzutage kennt, im Sinne der Völkerverständigung und der interkulturellen Erfahrungen, ist eine Erscheinung der Neuzeit. Nur einigen wenigen Personen der Industriestaaten ist ein solcher interkultureller Austausch gewährleistet. Die Mehrheit derjenigen, die sich über die eben erwähnten Grenzen hinausbewegen, muss dies unfreiwillig und aus bitterer Not tun. Immer weiter steigende Arbeitslosigkeit und der gleichzeitige Anstieg an Konsumwünschen in Europa, schafft eine gewisse Angst und Abneigung gegenüber all jenem, dass von außerhalb „hereinkommt“. Auch bei den Austauschprogrammen, die in Schulen und Universitäten angeboten werden, kann man jenen Trend eindeutig erkennen. Jene angesprochenen Abwehrreaktionen machen einen Austausch zwischen Europa und der restlichen Welt immer schwieriger. Die Gefahr besteht darin, dass in Zukunft weit mehr Austäusche innerhalb Europas stattfinden werden und eine Art „Festung Europa“ entstehen kann. (Vgl. Danckwortt 1996: 269f)
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2.1.1. Auslandsreisen und Bildungsprogramme als interkultureller
Austausch
Inzwischen kann man auch von interkulturellem Austausch bei Auslandsreisen sprechen. In den letzten Jahrzenten haben Urlaubsreisen so stark an Bedeutung gewonnen, dass man, auch wenn jene Personen mit der Kultur des zu bereisenden Landes nur oberflächlich in Kontakt kommen, zunehmend von interkulturellem Austausch sprechen kann. Da jene Personen immer und immer wieder ins Ausland reisen und die Bildungsansprüche der Touristen von Jahr zu Jahr wachsen, nehmen auch die Aus-landskenntnisse und die Offenheit gegenüber Ausländern in der eigenen Heimat zu. Die Toleranzgrenze gegenüber Ausländern in der Heimat steigt, da jene Personen im Ausland auf ähnliche Verhaltensweisen stoßen. Untersuchungen haben gezeigt, dass das Auslandserlebnis je nach Altersgruppe variiert. Jugendliche bzw. Studierende haben andere Erfahrungen mit dem interkulturellen Austausch als beispielsweise Senioren. Während es vor Jahrzehnten nur der reichen Bürgerschicht und kleinen Studenten-und Handwerksgruppen ermöglicht wurde, im Rahmen der Ausbildung das Ausland kennenzulernen, ist heute in jeder Schule ein Auslandsaufenthalt und meist auch ein Schüleraustausch schon fest vorprogrammiert. Viele Behördengruppen konzentrieren sich bereits auf jene Form des Austausches, wenn auch mit dem primären Ziel, die Fremdsprachenkenntnisse, die in den Schulen erlernt werden, zu festigen und auszubauen. (Vgl. Danckwortt 1996: 275f)
Wenn Menschen längere Zeit im Ausland in einer fremden Kultur leben, werden jene von dieser Kultur beeinflusst. Zahlreiche Beobachtungen liegen vor, die auf die Auswirkungen von Auslandsaufenthalten hinweisen. Die Auslandsaufenthaltsdauer, ob die Person zum ersten Mal in einer fremden Kultur lebt oder nicht und die Tatsache, dass sie zum ersten Mal mit jener Kultur in Kontakt kommt, bestimmen einen großen Teil des Maßes an Veränderung bei dieser Person. Verschieden starke Auswirkungen sind zu erwarten, je nach sozialen Beziehungen und Kontakten bzw. Wohnsituation, ob die Person in einer Gastfamilie lebt oder alleine. Des Weiteren spielen die Einbindung in eine Institution, der Kontakt mit Landesleuten, der Grad der Fremdsprachkenntnisse und die interkulturelle Distanz zwischen dem Herkunftsland der Person und dem Gast-land eine sehr große Rolle. (Vgl. Maletzke 1996: 168ff)
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Oftmals führt die Begegnung von Menschen mit einer fremden Kultur dazu, dass die eigene Kultur bewusst wird. Das bis dato für den Menschen Selbstverständliche wird mit neuen Denkweisen, Verhaltensmustern und Wertorientierungen konfrontiert, in Frage gestellt und relativiert. (Vgl. Maletzke 1996: 171)
2.1.2. Defizite des Austausches im Allgemeinen
Als Defizite der Austauschpraxis führt Danckwortt (1996: 279f) als erstes eine fehlende Zieldefinition an. Politische Zielvorgaben, an denen man sich orientieren sollte, sind meist unpräzise, um ein weites Spektrum abzudecken und Zustimmung zu erlangen. Für eine gute Umsetzung reichen jene unpräzisen Zielvorgaben jedoch nicht aus, was es im Nachhinein auch sichtlich erschwert, jene Programme einer guten Evaluierung zu unterziehen. Ein zweites großes Problem kristallisiert sich durch die zuständige Öffentlichkeitsarbeit heraus, bei deren Prospekten und Ankündigungen, Missverständnisse durch unklare Ausdrucksweisen oft bereits vorprogrammiert sind. Viele jener im Folgenden beschriebenen Austauschprogramme können ihr Ziel nur dann erreichen, wenn die Teilnehmer ihren Auslandsaufenthalt bereits mit gewissen Vorkenntnissen und bestimmten Voraussetzungen antreten. Untersuchungen zeigen immer wieder, dass die Auswahlverfahren oft so oberflächlich bzw. gar nicht durchgeführt werden und so Missverständnisse bzw. das Nicht-Erreichen des Zieles bereits voraussetzen. Ein großer Mangel besteht auch in der Vorbereitung der an den Programmen teilnehmenden Personen. Unter Vorbereitung sind hiermit sowohl der organisatorische Ablauf, Sprachkenntnisse als auch grundlegende Einstellungen und Verhaltensweisen des Gastlandes gemeint. Wichtig für einen gelungenen Auslandsaufenthalt ist auch eine ständige Betreuung während des Aufenthaltes, um mögliche Probleme und Missverständnisse schneller und effektiver zu behandeln und zu lösen. Das größte Problem stellt meist die Rückkehr in die Heimat dar, welche von den meisten Organisationen meist ganz außer Acht gelassen wird. Besonders nach jahrelangen Auslandsaufenthalten ist es oftmals schwieriger sich in die eigene Kultur wieder einzuleben, als sich an die im Gastland fremde Kultur anzupassen. Oftmals führt jene Phase der Wiedereingewöhnung im eigenen Land und Kulturkreis zu Frustration und dies soll bestimmt nicht das Ziel eines interkulturellen Austausches sein. (Vgl. Danckwortt 1996: 279f)
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2.2. Rahmendaten der europäischen Bildungspolitik
Das Bemühen um eine gemeinsame Zielrichtung der Hochschulbildung in Europa ist bereits seit Langem ein Thema.
Auf dem Kapitol in Rom wurden am 25. März 1957 die Romverträge unterzeichnet und somit Anfang des Jahres 1958 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft ins Leben gerufen. Einige wichtige Zielsetzungen waren die vier Freiheiten des Verkehrs von Dienstleistungen, Kapital, Personen und Waren als auch die Angleichung innerstaatlicher Rechtvorschriften der betroffenen Staaten. Mit den Romverträgen wurde ein Grundstein für eine europäische Integration gelegt. Somit wurde die Mobilität von Dienstleistungen und Personen gewährleistet. (Vgl. Seyr 2005: 27) Die „Europäische Wissenschaftsstiftung“ wurde 1982 von der Europäischen Gemeinschaft zusammen mit den Mitgliedsstaaten ins Leben gerufen. Das Ziel jener Stiftung war die Förderung von wissenschaftlichem und kulturellem Austausch.
Am 7. Februar 1992 wurde der Maastrichter Vertrag über die Europäische Union von den damals 12 Mitgliedern unterzeichnet. Jener Vertrag bedeutete seit den Romverträgen den größten Schritt zur europäischen Integration. Als erweitertes Aufgabengebiet der Europäischen Union scheint unter anderen auch der Bereich Bildung auf. Im Kapitel 3 unter „Sozialpolitik, Allgemeine und Berufliche Bildung und Jugend“ steht geschrieben:
Die Gemeinschaft trägt zu einer Entwicklung einer qualitativ hochstehenden Bildung dadurch bei, dass sie die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten fördert und die Tätigkeit der Mitgliedstaaten unter strikter Beachtung der Verantwortung der Mitgliedstaaten für die Lehrinhalte und die Gestaltung der Bildungssysteme sowie der Vielfalt ihrer Kulturen und Sprachen unterstützt und ergänzt. (Seyr 2005: 30)
Das Ziel war die Mobilität der Lehrenden und Lernenden als auch die europäische Zusammenarbeit weiterzuentwickeln und zu fördern. Ausdrücklich herausgenommen aus dem Einflussbereich der Europäischen Union sind die Bestimmung der Lehrinhalte und die Gestaltung des Bildungssystems. Ziele, die hingegen verfolgt werden, sind das Erlernen der Sprachen der Mitgliedsstaaten, Förderungen von Mobilität von Lehren-
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den und Lernenden, Förderung der Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen, Ausbau des Informations- und Erfahrungsaustausches im Rahmen der Bildungssysteme und etwa die Förderung und Entwicklung der Fernlehre. Europaweite Förderungsmaßnahmen, Forschungs- und Fortbildungsprogramme sollen die Verwirklichung jener Ziele erreichen. Gemeinschaftliche europäische Aktionsprogramme, wie SOKRATES, für die allgemeine Bildung, und LEONARDO DA VINCI, für die berufliche Bildung, werden auf europäischer Ebene von Rat und Parlament mitentschieden. (Vgl. Seyr 2005: 31f)
2.3. Überblick über die wichtigsten europäischen Bildungsprog-
ramme
Durch den wissenschaftlichen Fortschritt in den letzten Jahrzenten werden nationale Grenzen im Bezug auf wissenschaftliche Information und wissenschaftliche Kooperation immer weiter in den Hintergrund gedrängt. (Vgl. Teichler 1990: 7) Zur Förderung des Austausches, der Zusammenarbeit und der Mobilität von allen europäischen Bildungseinrichtungen wurde das Aktionsprogramm im Bereich des lebenslangen Lernens 2007 - 2013 ins Leben gerufen. Das Programm wurde für Schülerinnen und Schüler, Studierende, Lehrkräfte, Lehrende in der Erwachsenenbildung als auch Verwaltungs- und Leitungspersonal entwickelt. Die Leitgedanken sind die Verwirklichung eines europäischen Raums des lebenslangen Lernens. Großen Wert wird dabei auf die Entwicklung von qualitativ hochwertiger Bildung und Förderung von hohen Leistungsniveaus gelegt. Weitere Ziele jenes Programmes sind die Verbesserung von Qualität, Attraktivität und Zugänglichkeit der verfügbaren Angebote für lebenslanges Lernen und die Förderung des Sprachenlernens und der sprachlichen Vielfalt. (Vgl. Europäische Kommission 2007: 1)
Das Programm für Lebenslanges Lernen 2007 - 2013 kann wiederum in sektoriale Programme unterteilt werden. Die wichtigsten werden im Folgenden kurz definiert.
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2.3.1. COMENIUS
Das Programm Comenius richtet sich an Schüler und verfolgt Ziele, wie die Entwicklung von Verständnis für die Vielfalt der europäischen Kulturen und die Unterstützung junger Menschen beim Erwerb grundlegender Fertigkeiten und Kompetenzen. (Vgl. Europäische Kommission 2007: 1)
2.3.2. ERASMUS
Das Erasmusprogramm betrifft die formale Hochschulbildung und das Ziel ist eine Verwirklichung des europäischen Hochschulraumes. Im Rahmen jenes Programmes werden die Mobilität von Studierenden, Studien- als auch Ausbildungsaufenthalte sowie Praktika gefördert. Als Ziel gilt, dass mindestens 3 Millionen Studierende die Mobilitätsmaßnahmen im Rahmen von ERASMUS und dessen Vorläufern bis 2012 genutzt haben sollen. Ein Großteil des Gesamthaushaltes des Programmes für Lebenslanges Lernen ist für das Sektorialprogramm Erasmus vorgesehen. (Vgl. Europäische Kommission 2007: 1)
2.3.3. LEONARDO DA VINCI
Dieses Programm fördert die berufliche Bildung, welche nicht in den Tertiärbereich fällt. Unterstützt werden Teilnehmer beim Erwerb und Einsatz von Wissen, Fähigkeiten und Qualifikationen, um ihre persönliche Entwicklung und Teilnahme am europäischen Arbeitsmarkt zu fördern. (Vgl. Europäische Kommission 2007: 1)
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2.3.4. GRUNDVIG
Das Programm Grundvig fördert die Erwachsenenbildung. Ziel ist es, den durch die Alterung der europäischen Bevölkerung entstehenden Herausforderungen im Bildungsbereich entgegenzuwirken. Alternative Möglichkeiten zum Ausbau des Wissens und der Kompetenzen der Erwachsenen werden bereitgestellt. (Vgl. Europäische Kommission 2007: 1)
Des Weiteren gibt es ein Querschnittprogramm, dass vor allem jene Tätigkeiten betrifft, die über die Grenzen jener sektoralen Programme hinausgehen, und das Programm Jean Monnet, dass sich speziell mit Fragen der europäischen Integration im Hochschulbereich sowie der Förderung von Einrichtungen im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung beschäftigt. Im Programm für Lebenslanges Lernen 2007 -2013 sind alle europäischen Programme zusammengefasst und es stützt sich auf die vorangegangenen Programme des Zeitraumes 2000 - 2006, Socrates, Leonardo da Vinci, E-learning und die Aktion Jean Monnet. (Vgl. Europäische Kommission 2007: 1) Ein kurzer Blick auf den Arbeitsmarkt genügt, um zu erkennen, dass es einer international ausgerichteten, konkurrenzfähigen Hochschulausbildung bedarf. Es ist die Pflicht der Hochschulen, die Bildung und Ausbildungen international anzupassen, um es den Absolventen auch zu ermöglichen einer beruflichen Tätigkeit im Ausland oder grenzüberschreitend nachzukommen. Als Voraussetzung werden die Grundkenntnisse von Fremdsprachen als auch ein Grundverständnis für fremde Kulturen erwartet. Das bekannte Programm ERASMUS hat in den letzten Jahren vor allem die Mobilität von Studierenden und Dozenten gefördert. (Vgl. Erichson 2001: 7)
2.4. Das Programm Erasmus
Das bekannteste EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung ist Erasmus. Dieses Programm ermöglicht es jährlich rund 200.000 Menschen in Europa einen gewissen Zeitraum im Ausland zu studieren bzw. zu arbeiten. Des Weiteren kommt es zu Kooperationsaktivitäten zwischen Hochschuleinrichtungen und das Programm wendet
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sich nicht nur an Studierende, sondern auch an Lehrende und Personen, die in der freien Wirtschaft tätig sind. Das Programm selbst erhielt seinen Namen nach dem Humanisten und Theologen Desiderius Erasmus von Rotterdam, welchen seine jahrelangen Studienreisen in die bekanntesten Bildungszentren Europas führten. Bekannt und mittlerweile wissenschaftlich belegt ist, dass jene Auslandsaufenthalte der eben genannten Gruppen nicht nur der Bereicherung der akademischen Bildung dienen, sondern vor allem zum Erwerb von interkulturellen Fähigkeiten führen und die Selbstsicherheit stärken. Kaum ein anderes Programm der Europäischen Union kann so viele europäische Mitglieder zählen. Etwa 90% der Hochschulen Europas nehmen am Erasmus-Programm teil und die Zahl der Teilnehmer seit 1987 erreicht bald die Zwei-Millionen-Grenze. Zurzeit wirken 3.100 Hochschuleinrichtungen in 31 Ländern bei dem Erasmus-Programm mit und weitere Teilnahmen wurden bereits beantragt. Man kann somit davon ausgehen, dass das Erasmus-Programm von Jahr zu Jahr an Beliebtheit und Mitgliedern gewinnt. (Vgl. Europäische Kommission 2008: 1) Das Aktionsprogramm ERASMUS (European Action Scheme for the Mobility of Universtity Students) der Europäischen Union ist 1987 in den EU-Staaten angelaufen und seit 1991 auch für Österreich zugänglich.
In Form von sogenannten Hochschulkooperationsprogrammen fördert das ERAS-MUS-Programm zwischen den Hochschulinstituten die interuniversitäre und transnationale Zusammenarbeit. (Vgl. Leidenfrost 1997: 6) Das Erasmusprogramm verfolgt vor allem zwei spezifische Ziele:
• die Unterstützung der Verwirklichung eines europäischen Hochschulraumes
• und die Stärkung des Beitrages der Hochschulbildung zum Innovationsprozess. Als operative Ziele des Erasmus-Programmes werden die Entwicklung, Stärkung und Verbesserung der Mobilität, des Umfangs der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen sowie zwischen Hochschulen und Unternehmen, der Transparenz und Kompatibilität der neu erlernten Qualifikationen und der Übertragung zwischen den teilnehmenden Ländern aufgezählt. Gefördert werden können im Rahmen des Erasmus-Programmes die Mobilität von Studierenden als auch Lehrenden und multilaterale Projekte als auch multilaterale Netze, wie beispielsweise die thematischen Erasmusnetze. (Vgl. Europäische Kommission 2007: 1)
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Als Motor der Modernisierung der Hochschulbildung im gesamten Europa wird Erasmus gesehen. Das primäre Ziel des Erasmus-Programmes ist die Schaffung eines Europäischen Hochschulraumes.
Die Aktionen des Erasmus-Programmes unterstützen das Studium und Arbeiten im Ausland, sprachliche Vorbereitung und Fortbildung im Ausland für Studenten. Für die Mitarbeiter von Hochschuleinrichtungen kommt es zu einer Unterstützung von Lehre und Fortbildung im Ausland. Die Hochschuleinrichtungen selbst werden durch Intensivprogramme, akademische Netzwerke und multilaterale Projekte unterstützt und die Unternehmen durch Unternehmenspraktika für Studenten, Lehren im Ausland und Zusammenarbeit mit den Hochschuleinrichtungen. Um das Qualitätsniveau der Mobilität und die erwartete Kooperation zu gewährleisten, müssen jene Hochschuleinrichtungen, die am Erasmus-Programm teilnehmen, über eine Erasmus-Hochschulcharta verfügen. In jener Charta werden grundlegende Prinzipien festgehalten, die von den teilnehmenden Hochschulen einzuhalten sind. (Vgl. Europäische Kommission 2008: 1)
Nachdem generelle Daten und Zielsetzung des Erasmus-Programmes in Europa vorgestellt wurden, werde ich nun auf die österreichische Situation im Bezug auf das Erasmus-Programm eingehen.
2.5. Rahmendaten der österreichischen Hochschulen und ihrer Stu-
dierenden im Bezug auf die Teilnahme am Erasmus-Programm
In diesem Teil wird kurz auf die Situation Österreichs bzw. speziell auf die Situation Salzburgs im Bezug auf das Erasmus-Programm eingegangen. Bei den Programmteilnehmern, die einen gewissen Zeitabschnitt im Ausland studieren, wird zwischen Programmstudierenden, ECTS-Studierenden und Bewerbern für ein Free-Mover-Stipendium unterschieden, welche in den Bereich der Studierendenmobilität fallen. In den vorliegenden Untersuchungen werde ich mich auf die Programmstudierenden beschränken, da diese den Großteil der Austauschstudierenden darstellen.
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Programmstudierende wird jene Gruppe von Studierenden genannt, die im Rahmen eines Hochschulkooperationsprogrammes teilnehmen. Jene werden von den zuständigen Koordinatoren nominiert und erhalten ein Mobilitätsstipendium mit der Voraussetzung eines Mindeststudienaufenthaltes von 3 Monaten im Gastland und einer je nach Gastland bestimmten zu erbringenden Mindeststudienleistung. Die Austauschstudierenden sind sowohl im Heimat- als auch im Gastland von den anfallenden Studiengebühren befreit und zusätzlich werden ihnen die im Ausland erbrachten Studienleistungen an der Heimatinstitution angerechnet. (Vgl. Leidenfrost 1997: 7) ECTS-Studierende sind jene Studierenden, die die gleichen Vorteile wie die Programmstudierenden für einen Auslandsaufenthalt von bestimmter Dauer erhalten, jedoch an einem eigenen System teilnehmen, um die komplette Anrechnung der im Ausland erbrachten Studienleistungen zu gewährleisten. (Vgl. Leidenfrost 1997: 7) Free-Mover werden jene Studierenden bezeichnet, die sich die Hochschule der förderberechtigten Hochschulinstitutionen im Ausland selbst aussuchen. Jene müssen sich um Zulassungen, Regelung der Studiengebühren und die Anrechnung der Studienleistungen, die im Ausland erbracht wurden, selbst kümmern. Ebenso wie die zuvor genannten Programmstudierenden und ECTS-Studierenden, erhält die Gruppe der Free-Mover, wenn die Formalitäten erbracht werden, eine finanzielle Förderung für einen Auslandsaufenthalt von mindestens drei bis maximal zwölf Monaten. (Vgl. Leidenfrost 1997: 7)
Der Trend zum Studieren im europäischen Ausland lässt sich deutlich in der Erasmusstatistik Österreich (Abb. 1) erkennen. Innerhalb der letzten 15 Jahre haben sich die Teilnehmerzahlen der Studierenden, die am Erasmus-Programm teilnehmen, mehr als vervierfacht. Wie man deutlich an der Statistik erkennen kann, nimmt die Zahl der Studierenden, die das Erasmus-Programm in Österreich in Anspruch nehmen, von Jahr zu Jahr kontinuierlich zu. Dies bedeutet, dass in Zukunft immer mehr Studierende aus Österreich die Chance wahrnehmen werden, durch Förderung der Europäischen Union ein bis zwei Semester im Ausland studieren zu können, . Beispielsweise nahmen im Jahr 2006/2007 bereits 4.139 Studierende am Erasmusprogramm teil.
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Erasmusstatistik Österreich - Studierendenmobilität - Studienaufenthalte (Outgoing)
Abb. 1.: Erasmusstatistik Österreich (ÖAD)
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2.6. Die Universität Salzburg und Erasmus
Weltweit pflegt die Universität Salzburg momentan 71 Partnerschaften mit ausländischen Universitäten und verfügt des Weiteren durch das Erasmus-Sokrates-Programm über 158 Partner zum Austausch von Studierenden als auch von Lehrenden. Durchgeführt und geplant werden jene Austauschmöglichkeiten vom Vizerektorat der Außenbeziehungen der Universität Salzburg. Die Pflege jener, eben angesprochenen Kontakte fördert und erhöht auch das Interesse der ausländischen Studierenden als Austauschziel Salzburg zu wählen oder sogar generell ihre Studienzeit in Salzburg zu verbringen. Zum derzeitigen Zeitpunkt sind an der Universität mehr als 2000 ausländische Studierende aus über 90 verschiedenen Staaten inskribiert. Jedoch sind mit dieser Zahl nicht nur die AustauschstudentInnen gemeint, sondern all jene Studierenden, die über keinen österreichischen Pass verfügen. Die Bildungs- und Forschungsprogramme der Europäischen Union werden von der Universität sehr stark genützt, um zu mehr Internationalität zu gelangen. Einen weiteren internationalen Schwerpunkt setzt die Universität Salzburg auf Partnerschaften als auch auf multilaterale Netzwerke im Pazifischen Raum und in Ostasien, welche ein großes Entwicklungspotential haben. (Vgl. Haybäck 2008: 1)
Abb.2.: Studierendenstatistik Universität Salzburg
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Diese Austauschprogramme sind für die Studierenden deshalb so wichtig, weil sie dadurch die Möglichkeiten erhalten andere Kulturen und auch andere Universitätssysteme kennenzulernen. Momentan sind an der Universität Salzburg 15.093 Studierende gemeldet. Unter jenen 15.093 Studierenden sind insgesamt 3.983 ausländische Studierende. Jene ausländischen Studierenden sind nicht mit den Austauschstudierenden, die am Erasmus-Programm teilnehmen, gleichzusetzen, jedoch lässt sich erkennen, dass bereits ein Fünftel der Studierenden in Salzburg keine Österreichischen Staatsbürger sind.
3. Begriffsklärungen und Einbettung von Kultur in das Feld
der interkulturellen bzw. transkulturellen Kommunikation
In diesem Kapitel werden die zur theoretischen Fundierung notwendigen Begriffe erläutert. Um ein besseres Verständnis für diese Arbeit zu bekommen, ist es wichtig, die Schlüsselwörter „Kultur“ und „Kommunikation“ zu klären und später zusammenzuführen und das Konzept der interkulturellen und transkulturellen Kommunikation aufzugreifen. Es wird mit der Klärung jener Begriffe begonnen, um das Verständnis dieser Arbeit zu erleichtern. Um von dem Feld der interkulturellen als auch der transkulturellen Kommunikation zu sprechen, ist es unabdingbar einige mit diesen Feldern im Zusammenhang stehende Begriffe erstmals abzugrenzen. Anschließend wird auf die Begriffe interkulturelle Kommunikation, transkulturelle Kommunikation und internationale Kommunikation näher eingegangen.
3.1. Kultur
Der Begriff Kultur wird alltäglich verwendet, hat jedoch eine vielseitige Bedeutung und zahlreiche Definitionen. Um von interkultureller und transkultureller Kommunikation sprechen zu können und welche Missverständnisse und Probleme daraus resul-
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tieren, ist es erstmals wichtig eine Definition für den Begriff Kultur zu finden. Da die Definitionen des Terminus Kultur ins Unendliche gehen, werden in dieser Arbeit einige wenige dargestellt, um einen Überblick zu verschaffen. Kultur ist wie viele abstrakte Begriffe vieldeutig und kann nicht mit einer einheitlich anerkannten Definition beschrieben werden, da eine solche nicht existiert. Je nach Kontext der Verwendung als auch nach Benutzer variiert die Bedeutung von Kultur, sowohl im normalen Sprachgebrauch als auch in den Wissenschaften. Somit muss jeder, der in der Wissenschaft über Kultur spricht, erstmals genau festlegen, was derjenige unter Kultur versteht, um den Zusammenhang des Sinngehalts zu erfassen. (Vgl. Maletzke 1996: 15) In der interkulturellen Kommunikation wird Kultur oftmals mit politischen oder geografischen Grenzen festgelegt, da dies eine einfache Form darstellt von Kultur zu sprechen. Diese Art von Abgrenzung zwischen verschiedenen Nationen ist jedoch nicht unproblematisch.
Ursprünglich stammt der Begriff Kultur vom lateinischen „colere“ = bebauen, bestellen, pflegen, ab. Im deutschen Bildungsbürgertum wurden seit dem 18. Jahrhundert nur jene Sachen zur Kultur gerechnet, die als besonders anzusehen waren. Meist wurde der Begriff Kultur mit dem Begriff Hochkultur gleichgesetzt und war somit nur einigen gesonderten gesellschaftlichen Kreisen vorbehalten. Kultur wurde dem Begriff Natur gegenübergestellt, wobei letzteres etwas bezeichnete, was vorgegeben ist und Kultur vom Menschen aus eigenem Willen und Vermögen erschaffen wurde. (Vgl. Maletzke 1996: 15) Insbesondere in der Umgangssprache findet ein solch verwendeter Kulturbegriff noch heute Gefallen. Er wird vor allem bei den schönen Künsten, wie Theater, Literatur, Musik etc. angewendet. (Vgl. Schugk 2008: 28)
In der Theoriendiskussion der Kulturwissenschaften werden vor allem drei grundlegende Begriffe unterschieden:
- Interkulturell- ästhetischer Kulturbegriff: Dieser Begriff ist eng mit den Begriffen Bildung und Kunst verbunden und ihm liegen moralisch-ethische Werte zugrunde, welche durch Werke großer Künstler verkörpert und anschaulich gemacht werden. Somit wird die Elitenkultur von der breiten Volkskultur abgegrenzt.
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- Materieller Kulturbegriff: Jener Begriff leitet sich von dem ursprünglichen lateinischen Wort „agricultura“ (= Landwirtschaft) ab.
- Anthropologischer Kulturbegriff: Bei jenem Begriff wird Kultur als die Gesamtheit der kollektiven Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsmuster einer Gesellschaft ver-standen. (Vgl. Lüsebrink 2005: 10)
Häufiger wird in der interkulturellen und transkulturellen Forschung der Kulturbegriff der kognitiven Anthropologie verwendet. Unter Anthropologie versteht man hier die menschlichen Verhaltensweisen in den Auseinandersetzungen mit deren Umwelt. (Vgl. Maletzke 1996: 18) In der vorliegenden Arbeit ist, wenn von Kultur die Rede ist, immer die moderne Kulturanthropologie gemeint. Bei jenem Gebrauch des Begriffes Kultur stehen nicht die äußerlich sichtbaren Erscheinungen bzw. Phänomene im Mitterlpunkt, sondern Kultur wird als gemeinsames Wissen, das in den Köpfen der einzelnen Mitglieder existiert, gesehen. Durch das gemeinsame Wissen werden demnach äußerlich beobachtbare Sachverhalte von Menschen gleicher Kulturen wahrgenommen und anschließend in Beziehung gesetzt. Somit kann man sagen, dass die Kultur bzw. das darin gemeinsam vorhandene Wissen dazu benutzt wird, andere Kulturmitglieder zu interpretieren, zu kategorisieren und zu bewerten. Diese Basis erlaubt es einem Menschen erst in einer Kultur angemessen zu handeln und auch zu kommunizieren. (Vgl. Warthun 1997: 9) Somit kann Kultur im Wesentlichen als ein
[…] System von Konzepten, Überzeugungen, Einstellungen Wertorientierungen, die sowohl im Verhalten und Handeln der Menschen als auch in ihren geistigen und materiellen Produkten sichtbar werden. Ganz vereinfacht kann man sagen: Kultur ist die Art und Weise, wie die Menschen leben und was sie aus sich selbst und ihrer Welt machen. (Maletzke 1996: 16)
Von Hofstede wird Kultur wie folgt definiert:
Die kollektive mentale Programmierung des Geistes, die die Mitglieder einer Gruppe oder Kategorie von Menschen von einer anderen unterscheidet. (Hofstede 2006: 9)
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Hofstede spricht von einer gewissen Vorhersehbarkeit menschlichen Verhaltens in bestimmten Situationen. Jene Vorhersehbarkeit wird auf die kulturweit in hohem Maße einheitliche mentale Programmierung der einzelnen Vertreter einer Kultur zurückgeführt. (Vgl. Schugk 2008: 32)
In Begegnungssituationen, wo verschiedene Kulturen aufeinandertreffen und mitei-nander kommunizieren, entsteht eine spezielle Situation mit eigenen speziellen Anforderungen an die Kommunikationspartner. In jenem Kontext scheint die folgende Definition von Thomas sehr passend:
Kultur ist ein universelles, für eine Gesellschaft, Organisation und Gruppe aber sehr typisches Orientierungssystem. Dieses Orientierungssystem wird aus spezifischen Symbolen gebildet und in der jeweiligen Gesellschaft usw. tradiert. Es beeinflusst das Wahrnehmen, Denken, Werten und Handeln aller ihrer Mitglieder und definiert so deren Zugehörigkeit zur Gesellschaft. Kultur als Orientierungssystem strukturiert ein für die sich der Gesellschaft ungehörig fühlenden Individuen spezifisches Handlungsfeld und schafft damit die Voraussetzungen zur Entwicklung eigenständiger Formen der Umweltbewältigung. (Thomas 1993: 380)
Meist wird die eigene Kultur als Mittelpunkt und Maßstab für alles verwendet. Diese Einstellung wird in der Wissenschaft als Ethnozentrismus bezeichnet und spielt in der Begegnung und Kommunikation von Personen verschiedener Kulturen eine sehr wichtige Rolle. Ethnozentrismus ist laut Porter und Samovar:
Eine unbewusste Tendenz, andere Völker aus der Sicht der eigenen Gruppe zu betrachten und die eigenen Sitten und Normen zum Standard aller Beurteilungen zu machen. Wir stellen uns selbst, unsere rassische, ethnische und soziale Gruppe, in den Mittelpunkt des Universums und stufen alle anderen dementsprechend ein. Je ähnlicher diese uns sind, umso näher plazieren wir sie in diesem Modell; je größer die Verschiedenheiten, umso ferner lokalisieren wir sie. (Porter/ Samovar 1982: 10)
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Arbeit zitieren:
Katharina Rinnerthaler, 2010, Interpersonelle Kommunikation im interkulturellen bzw. transkulturellen Kontext, München, GRIN Verlag GmbH
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