Gliederung
(I) Einleitung 1
(II) Positionen Sextus Empiricus 2
(II.1) Die Hauptthesen Sextus 2
(III) Die zehn Tropen 4
(III.1) Die Tropen der Erscheinungen 4
(III.2) Der achte Tropus 7
(III.3) Der zehnte Tropus 8
(IV) Ist praktisches Leben möglich? 8
(IV.1) Ein Handlungsbegriff 9
(IV.2) Das Leben des Skeptikers nach Sextus 10
(IV.3) Praktisches Leben ohne Handlungen? 10
(IV.4) Weitere Konsequenzen 12
(IV.5) Pyrrhon heute 12
(V) Fazit 14
(I) Einleitung
Wenn es darum geht eine Aussage über Wahrheit zu treffen, so bleiben nach jetzigen Gesichtspunkten der Philosophie, in Bezug auf die Erkennbarkeit von Wahrheit, insgesamt drei Möglichkeiten. Entweder Wahrheit lässt sich erkennen, oder eben nicht. Somit können wir sagen „Ich habe die Wahrheit erkannt.“, „Ich bin mir sicher, dass sich Wahrheit erkennen lässt, habe sie aber noch nicht gefunden und befinde mich deshalb auf der Suche nach Wahrheit.“ oder aber ich vertrete die These, dass sich Wahrheit nicht erkennen lässt. Ausgehend von diesen Positionen haben sich verschiedene philosophische Disziplinen entwickelt. Diese wurden auch schon in der Antike vertreten. Ich werde mich im Folgenden mit der Position Sextus Empiricus auseinander setzen. Dieser befasst sich in seinem „Grundriß der pyrrhonischen Skepsis“ mit der Position des Suchenden.
Zu Beginn meiner Arbeit werde ich in (II) auf die Grundpositionen Sextus eingehen. Hier werden im Verlaufe des besagten Kapitels zwei Kernthesen hervortreten, die zum einen Einfluss auf das praktische Leben der Menschen nehmen, und zweitens Konsequenzen für die Philosophie verlangen. Den zweiten der beiden Aspekte werde ich in meiner Arbeit jedoch kaum große Beachtung schenken. Ich werde mich vornehmlich mit den Konsequenzen der ersten These beschäftigen. Dabei wird der Begriff der Erscheinungen eine wichtige Rolle spielen, weswegen ich den Hauptthesen zu eben diesen Erscheinungen Kapitel (III) zukommen lasse. Im Anschluss daran werde ich, ausgehend vom Handlungsbegriff von Katja Maria Vogt, untersuchen, zu welchen Verhaltensweisen der Pyrrhoneer berechtigt ist, ob er entgegen der Behauptung von Sextus Empiricus doch Meinungen vertritt und inwiefern ein praktisches Leben als Pyrrhoneer überhaupt möglich ist.
Im Verlaufe meiner Arbeit werde ich mehrere Male aus dem "Grundriß der pyrrhonischen Skepsis" von Sextus Empiricus zitieren. Dafür benutze ich folgende Notation:
Bsp: (G I 23)
- 1 -
Hierbei steht das G für den "Grundriß der pyrrhonischen Skepsis" nach der Übersetzung von Malte Hossenfelder. I steht für das Buch 1 und 23 bezieht sich auf das Kapitel Nummer 23. Des Weiteren wird, wenn ich in meiner Arbeit vom Skeptiker rede, immer nur der pyrrhonische Skeptiker gemeint sein.
(II) Positionen Sextus Empiricus
In Bezug auf den "Grundriß der pyrrhonischen Skepsis" werde ich im Folgenden Kapitel die vertretenen Hauptthesen herausarbeiten. Diese werden einmal von einer praktischen und zum zweiten von einer theoretischen Natur sein. Dementsprechend haben die Inhalte dieser Positionen für denjenigen, der sie vertritt, Konsequenzen für das Leben mit all seinen Handlungen (praktische Seite) sowie für die inneren Überzeugungen und Glauben (theoretische Seite).
(II.1) Die Hauptthesen Sextus
So wie jede andere Skepsis auch, bezweifelt die pyrrhonische Skepsis jede Form von Wissensansprüchen. Die Begründungen dafür sind jedoch sehr verschieden und auch die Konsequenz in diesem Denken reicht bei den einen viel weiter als bei anderen skeptischen Richtungen. Den Kern der pyrrhonischen Skepsis beschreibt Sextus wie folgt:
"Die Skepsis ist die Kunst, auf alle mögliche Weise erscheinende und gedachte Dinge einander entgegenzusetzen, von der aus wir wegen der Gleichwertigkeit der entgegengesetzten Sachen und Argumente zuerst zur Zurückhaltung, danach zur Seelenruhe gelangen." (G I 8)
Das Verfahren der Skeptiker wird in diesem Zitat sehr deutlich gemacht. Der Skeptiker beschäftigt sich mit einer Meinung, welche von einigen Personen als wahr deklariert wird, da auch er selbst noch auf der Suche nach Wahrheit ist. Er findet jedoch immer ein Gegenargument, welches ebenso stark ist wie die besagte Meinung ("Gleichwertigkeit der entgegengesetzten Sachen und Argumente") und entkräftet es dadurch. Auf Grund dieser Tendenz, dass es zu jeder Aussage eine Gegenposition gibt, welche ebenso glaubhaft ist, gerät der Skeptiker in Zurückhaltung. Er würde sich nie anmaßen etwas als wahr oder falsch zu bezeichnen. Da er dadurch nicht mehr den inneren Zwang hat nach der Wahrheit zu suchen, gewinnt er automatisch Seelenruhe,
- 2 -
welche das Ziel jedes Pyrrhonikers darstellt. Somit lässt sich zusammenfassend sagen, dass der Kern der Skepsis zum jetzigen Zeitpunkt auf einer These aufbaut, die ich folgendermaßen zusammenfassen würde:
(T1) Jedem Argument lässt sich ein gleich glaubwürdiges gegenüber stellen.
Wie dem obigen Zitat zu entnehmen ist, bezieht sich (T1) sowohl auf erscheinende, als auch auf erdachte Dinge über die Welt. Mit erscheinenden Dingen meint Sextus all die Aussagen, die wir auf Grund unserer Sinneswahrnehmungen tätigen. Im Allgemeinen würden wir sagen, dass der Großteil der Aussagen die wir über die Natur treffen wahr ist. Sextus hingegen argumentiert, dass er jedem unserer Argumente ein gleichwertiges entgegenstellt, so dass wir über den Wahrheitsgehalt unserer Aussagen nochmals nachdenken und ihn bestenfalls ablegen sollten. Des Weiteren können wir keine wahren Behauptungen zu gedachten Dingen äußern. Denn auch hier verhält es sich wie eben schon beschrieben. Nimmt man beides so an, dann ergibt sich für Sextus eine enorme Konsequenz:
(T2) Wir müssen die Philosophie aufgeben.
Denn das Ziel eines jeden Menschen ist persönliches Glück. Dieses wurde zu damaligen Zeiten auch mit der Seelenruhe umschrieben. Die Argumente Sextus sind nun, dass die Philosophie auf diesem Weg nur hinderlich ist, denn Philosophie betreiben heißt nach Wahrheit suchen. Da diese Suche nach Meinung der Skeptiker vergeblich ist, kann also auf dem Weg der Philosophie die Seelenruhe nicht erreicht werden. Die Philosophie muss also aufgegeben werden, damit Seelenruhe möglich ist, vorausgesetzt, dass (T1) stimmig ist. Dennoch gibt es in diesem Denkmuster gewisse Unstimmigkeiten. Denn nur weil man durch Zufall Seelenruhe erreichte in dem man die Philosophie ruhen ließ, sollte man nicht davon ausgehen, dass sich automatisch eine kausale Beziehung aus diesen beiden Argumenten aufbauen lässt. Die Theorie, die Sextus hier konstruiert, resultiert quasi nur aus einem angegebenen Beispiel. Ob sie sich dadurch rechtfertigen lässt ist äußerst fraglich. Abgesehen davon, steht der pyrrhonische Skeptiker nicht nur diesem Problem gegenüber, sondern er muss sich auch gegenüber einer Reihe anderer Argumente rechtfertigen. Unter anderem wird es in den folgenden beiden Kapiteln darum gehen
- 3 -
Arbeit zitieren:
Andreas Sommer, 2008, Ein Leben als Pyrrhoneer, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen: Ein Leben als Pyrrhoneer ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen: neuer Titel erschienen: Ein Leben als Pyrrhoneer
Andreas Sommer hat einen neuen Text hochgeladen
Sextus Empiricus: Against the Grammarians (Adversus Mathematicos I)
Sextus Empiricus, Sextus, D. L. Blank
Sextus Empiricus: Against the Ethicists: Adversus Mathematicos XI
Sextus Empiricus, Richard Bett
0 Kommentare