Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung 4
Entstehung Gelernter Hilflosigkeit und ihre Folgen 5
1. Entdeckung der Hilflosigkeit und erste Ansätze zur Ursachenforschung 6
1.1 Hilflosigkeit beim Menschen 6
1.2 Unkontrollierbarkeit als Ursache 7
1.3 Widerlegung Seligmans 8
1.4 Abhängigkeit des Hilflosigkeitlernens von dem Ausmaß der Mißerfolge 8
1.5 Reaktanztheorie von Brehm (1972) 9
1.6 Anreiz und Entsagung 10
2. Kurzer Überblick in andere Motivationsforschungsbereiche 11
2.1 Persönlichkeitsunterschiede und ihre Folgen 11
2.2 Attributionstheoretischer Ansatz 11
2.3 Unterschiedliche Erklärungen für Erfolg und Mißerfolg 12
2.4 Handlungskontrolle nach Kuhl (1981) 12
3. Versuche der Annäherung an die Ursachen 14
3.1 Generalisierung der Gelernten Hilflosigkeit 14
3.2 Kontrolle und Vorhersagung 15
4. Auswirkungen eines heimtückischen Attributionsstils 16
4.1 Attributionsstil und Depressionen 16
4.2 Gegenteilige Befunde 17
4.3 Spektakuläre Befunde bei Rattenstudien 17
5. Entstehung des „funktionalen Defizits“ 19
5.1 Beleg für ein funktionales Defizit 19
5.2 Funktionales Defizit versus stabil - globaler Attributionsstil 19
5.3 Prozeß des Hilfloswerdens 20
2
6. Möglichkeiten der Einflußnahme 22
6.1 Genese der Attributionsstile 22
6.2 Genetische versus umweltbedingte Entstehung der Handlungskontrolle 22
6.3 Auswirkung der Änderung des Attributionsstils 23
6.4 Beeinflussung der Handlungskontrolle 23
7. Neuerer Ansatz 25
7.1 Anagenesis - Modell 25
8. Schlußfolgerung 26
Literaturverzeichnis 27
3
Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit will einen Überblick über die Hilflosigkeitsforschung geben. Sie geht dabei speziell der Frage nach, wodurch Hilflosigkeit entsteht und was ihre Auswirkungen sind. Unterschiedliche Ansätze werden vorgestellt, die versuchen, die Ursache der Gelernten Hilflosigkeit aufzudecken. Es wird gezeigt, wie Persönlichkeitsunterschiede wirken, woher sie eventuell kommen und welche tatsächlichen Folgen sie für die Person haben. Die auf die unterschiedlichen Ansätze folgenden Hilfs - und Änderungsmöglichkeiten werden erwähnt, sowie ein neuer Denkanstoß gegeben.
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Entstehung Gelernter Hilflosigkeit und ihre Folgen
Was ist die Ursache, daß manche Menschen es einfacher haben, mit ihrem Leben zurechtzukommen und Erfolge geradezu anziehen und wiederum andere, die von Mißerfolg zu Mißerfolg immer tiefer in einen depressiven Zustand gleiten? Liegt es einfach an den zufälligen Umständen, denen sich diese Personen aussetzen müssen, oder besitzen sie ein Merkmal, das Mißerfolg geradezu anzuziehen scheint? Wenn es nun tatsächlich auf einen Persönlichkeitsunterschied zurückzuführen wäre, wie kommt dieser zustande? Ist es dem Menschen genetisch vorbestimmt, wie er hinsichtlich irgendwelcher Aufgaben und Leistungsansprüchen zu reagieren hat oder liegen den etwaigen Differenzen in der Person unterschiedliche Erfahrungen zu Grunde? Wenn man sich mit der Motivationsforschung befaßt, lernt man zuallererst, sich mit den unterschiedlichen Motiven zu befassen. Man teilt in Mißerfolgsängstliche und Erfolgsaufsuchende. Unterschiede in der Attribution von Erfolg und Mißerfolg werden gefunden sowie bezüglich der Handlungskontrolle differenziert. Seit sich durch einen Zufall bei einem Tierexperiment über Vermeidungslernen (Overmier und Seligman, 1967) ein unerwarteter Befund ergab, ist die Gelernte Hilflosigkeit ein Thema geworden, dem man sich nun durch unterschiedliche Ansätze und Experimente zu nähern versucht. Trotz interessanter Ansätze und Erklärungsversuche ist es immer noch nicht eindeutig belegt, ob es sich um motivationale Ursachen handelt oder ob ein funktionales Defizit dafür verantwortlich zu machen ist. Es kann auch die Frage gestellt werden, ob dieses Phänomen den Namen „gelernt“ zurecht trägt oder ob es sich einfach um eine normale Reaktion handelt, die sich bei Streß einstellt Um jedoch mit der Gelernten Hilflosigkeit klinisch umzugehen ist es erforderlich, so viel wie möglich Information über ihre etwaigen Ursachen zu erhalten.
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1. Entdeckung der Hilflosigkeit und erste Ansätze zur
Ursachenforschung
Overmier und Seligman (1967) hatten Hunde einer klassischen Angstkonditionierung ausgesetzt, indem sie den Tieren, festgeschirrt, durch ein Glockenzeichen angekündigt, einen unausweichlichen Stromstoß gaben. Danach sollte geprüft werden, ob diese Erfahrung die Hunde schneller der Gefahr entkommen läßt. Tatsächlich war dieses Experiment konstruiert, um Erkenntnisse über das Vermeidungslernen zu erhalten. Zur Überprüfung ihrer Hypothese wurde den Tieren nun in einer neuen Situation der Stromstoß mit einem Lichtsignal angekündigt und erwartet, daß diese, nun mit der Möglichkeit ausgestattet, dem schmerzhaften Elektroschock zu entkommen, diese auch nützen und über die Barriere springen und somit der Gefahr ausweichen würden. Statt aber nun das ankündigende Signal zu nutzen und dem Schmerz mit einem Sprung auszuweichen, taten die Hunde genau das Gegenteil. Hilflos gaben sie sich dem Stromstoß hin und ließen diese unangenehme Behandlung winselnd über sich ergehen. Andere Tiere hingegen, die nicht zuvor die klassische Angstkonditionierung erfuhren, lernten schnell, den Stromstößen mit einem Sprung zu entkommen.
Dieses Phänomen ließ sich auch bei Tieren wie Katzen, Ratten oder Fischen nachweisen ( Maier und Seligman, 1976; Seligman, 1975). Dies führte dazu, diese Befunde auch auf den Menschen zu übertragen und man versuchte nun, experimentell Gelernte Hilflosigkeit herbeizuführen.
1.1 Hilflosigkeit beim Menschen
Hiroto (1974) lehnte sein Experiment stark an dem ursprünglichen Tierversuch an. Die unangenehmen Ereignisse bestanden jetzt nicht aus Stromschlägen, sondern in einem hohen lauten Ton. Die Versuchspersonen waren in 3 Gruppen geteilt ( triadischer Versuchsplan). Die erste Gruppe konnte anhand eines Knopfes den Ton manipulieren und somit nach dem unvermeidlichen Ertönen wieder Ruhe herstellen. Diese Gruppe hatte somit Kontrolle über den Klang. Die zweite Gruppe war dem Ton ausgesetzt. Sie hatte keine Kontrolle, da der unvermeidbare Ton unabhängig von der Manipulation am Knopf ertönte und wieder verschwand. Die dritte war die Kontrollgruppe und wurde von der oben genannten Vorerfahrung ausgeschlossen. In der nun folgenden Testphase wurden alle drei Gruppen in die gleiche Situation gebracht: Jede Versuchsperson konnte nun den unangenehmen Ton von 5 sec. Dauer, der durch ein Lichtsignal angekündigt wurde, abstellen, indem der Knopf abwechselnd nach links oder rechts gedreht wurde.
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Das Ergebnis lieferte die gleiche Befunden wie beim Hundeversuch. Die zweite Gruppe, die zuvor die Erfahrung machte, nichts gegen den Ton ausrichten zu können, erwies sich jetzt als hilfloser im Vergleich zu den anderen beiden. Diese Versuchspersonen lernten nur verzögert, den Ton durch Manipulation des Knopfes
auszuschalten und kam nicht so weit, schon beim Erscheinen des Lichtsignals zu reagieren, um den Ton ganz zu vermeiden. Zusätzlich zu der unkontrollierten Vorerfahrung hat Hiroto noch zwei anderer Faktoren nachgewiesen. Der erste Faktor war eine Zusatzinstruktion, die die Kontrollierbarkeit einmal als fähigkeitsabhängig und einmal als zufallsabhängig hinstellte. Dabei stellte sich heraus, daß die Latenzzeit bei der Zufallsattribution verzögert war im Vergleich zu der Fähigkeitsattribution. Der zweite Faktor waren individuelle Unterschiede bezüglich internaler versus externaler Kontrolle. Hier lernten externale Personen verzögert. Diese drei Faktoren, Unkontrollierbarkeit, Zufallsattribution und das Persönlichkeitsmerkmal Externalität trugen additiv zu einem verzögerten Ausweich- und Vermeidungslernen bei. Somit konnte davon ausgegangen werden, daß die Persönlichkeit des Einzelnen seinen Beitrag zur Gelernten Hilflosigkeit leistet und es sich nicht um ein Phänomen handelt, daß unabhängig von den Merkmalen situationsbestimmt bei jedem Menschen auftreten kann.
1.2 Unkontrollierbarkeit als Ursache
Nach diesen Befunden wollte Seligman (1975) die Ergebnisse der Hilflosigkeitsforschung auf einen theoretischen Nenner bringen. Er ging davon aus, daß die Erfahrung, keinen Einfluß auf den Lauf der Dinge zu haben und die Ergebnisse nicht bewußt herbeiführen zu können, die Erwartung der Unkontrollierbarkeit der Handlungsergebnisse festigt. Dies sollte ein dreifaches Defizit, nämlich ein motivationales, ein kognitives und ein emotionales zur Folge haben.
Motivationales Defizit: verzögerter Ansatz, handelnd einzugreifen
Kognitives Defizit: hält Person davon ab, in anderen ähnlichen Situationen zu erkennen, daß
Emotionales Defizit: deprimierende, wenn nicht gar depressive Stimmung, die entsteht, wenn das eigene Handeln als nutzlos empfunden wird.
Dieser Erklärungsversuch ist knapp und allgemein gehalten und geht nicht auf die unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmale ein, die jedoch, wie Hiroto nachwies, einen Einfluß auf die Auswirkung der Gelernten Hilflosigkeit haben.
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1.3 Widerlegung Seligmans
Seligman nahm an, daß die Versuchspersonen bei einer Aufgabe, bei der die Handlung keinen Einfluß auf das Handlungsergebnis hat, also unter einer Nicht - Kontingenz - Bedingung, die Erwartung haben, die rückgemeldeten Ergebnisse seien unabhängig von den eigenen Lösungsbemühungen. Er ging somit davon aus, daß Unkontrollierbarkeit der Grund für das Auftreten der Gelernten Hilflosigkeit sei. Befunde widersprachen jedoch dieser Vorstellung. Levine (1971) stellte fest, daß die Versuchspersonen aus nicht - kontingenten Rückmeldungen nicht den objektiv richtigen Schluß ziehen, daß keine Lösung für diese Aufgabe existiert, sondern denken, daß ihre bisherigen Versuche zu einfach wären. Sie versuchen es dann mit komplizierteren Ansätzen. Nach einer verzweifelnden Suche nach der Lösung erleben sie eine Überforderung und beginnen, an ihren Fähigkeiten zu zweifeln oder die Aufgabe als zu schwierig zu empfinden. Dadurch sind diese Personen nicht mehr motiviert, mehr Energie in die Lösungssuche zu investieren und sich weiter mit der Aufgabe zu beschäftigen. Nach Levin hängt somit die Hilflosigkeit davon ab, wie entmotivierend Mißerfolg erlebt und wie weit die erlebte Hilflosigkeit auf andere Aufgaben und Situationen übertragen wird.
Dies führt zu dem Schluß, daß Seligmans Ursache, die Unkontrollierbarkeit, ein zu banaler Ansatz war. Es ist viel mehr der Fall, daß der Mensch eher Schwierigkeiten hat, Ereignisse als nicht - kontingent oder zufällig zu erfassen. Er neigt eher dazu, Zufällen noch einen Zusammenhang zu Situationen oder Verhalten zuzusprechen.
Ganz besonders neigen Versuchspersonen dazu, einen Kontext zu sehen, da sie nach dem Sinn des Experiments suchen und davon ausgehen, daß irgendein Zusammenhang besteht.
1.4 Abhängigkeit des Hilflosigkeitlernens von dem Ausmaß der Mißerfolge
Daß zwischen der persönlichen Vorstellung der Unkontrollierbarkeit und der Gelernten Hilflosigkeit ein größerer Zusammenhang besteht, geht aus der Studie von Roth und Kubal (1975) hervor.
Der Befund ergab, daß der Hilflosigkeitseffekt bei jeder Person auftritt, wenn eine nachhaltige Erfahrung der Unkontrollierbarkeit gemacht wird.
In dem Experiment bekamen die Versuchspersonen in der Trainingsphase entweder ein, zwei oder drei Begriffbildungsprobleme. Die Testphase fand dann in einem anderen Raum statt und bestand aus einem angeblichen anderen Experiment. Das Ergebnis zeigt klar, daß diejenigen der Vpn, die nur 50 Durchgänge machen mußten, eine gesteigerte Leistung in der Testphase zeigten und dies unabhängig, ob in der Trainingsphase Kontingenz oder Nicht-
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Arbeit zitieren:
Elvira Kröhnert, 1999, Entstehung Gelernter Hilflosigkeit und ihre Folgen, München, GRIN Verlag GmbH
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