INHALTSVERZEICHNIS
1. EINFÜHRUNG 3
2. AUFBAU DER ARBEIT 4
3. DIE ENTWICKLUNG DER KINDERTAGESPFLEGE IN DEUTSCHLAND 4
4. ZU DER VEREINBARKEIT VON FAMILIE UND BERUF 8
4.1. POLITISCHE DEBATTE UM DIE KINDERFRÜHFÖRDERUNG UND
KINDERBETREUUNG 9
5. CHARAKTERISTIKA DER KINDERTAGESPFLEGE 12
5.1. RECHTSGRUNDLAGEN DER TAGESPFLEGE 12
5.2. MERKMALE DER KINDERTAGESPFLEGE 14
5.3 DER BUNDESVERBAND FÜR KINDERTAGESPFLEGE E.V., BILDUNG,
ERZIEHUNG , BETREUUNG 16
6. PROFESSIONALISIERUNGSTENDENZEN IN DER AUS- UND WEITERBILDUNG
VON TAGESPFLEGEPERSONEN 18
6.1. PROFESSIONALISIERUNG IN DER ERWACHSENENBILDUNG 18
6.1.1. PROFESSIONALISIERUNG ALS PROFESSIONSENTWICKLUNG 19
6.1.2. PROFESSIONALISIERUNG ALS ENTWICKLUNG PÄDAGOGISCHER
PROFESSIONALIT ÄT 19
6.2. PROFESSIONALISIERUNG IN DER KINDERTAGESPFLEGE 24
6.2.1. DJI -CURRICULUM 26
7. FAZIT 29
8. LITERATURVERZEICHNIS 32
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1. EINLEITUNG
Die Kindertagesbetreuung in Deutschland befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Seit der OECD-Untersuchung im Jahr 2000 und dem darauf folgendem „PISA-Schock“ steht der Bereich der frühkindlichen Erziehung und Bildung unter besonderer Beobachtung. Wolf Singer schreibt dazu: „Falsches oder fehlendes Verständnis von Lernprozessen in frühen Lebensphasen kann zu Versäumnissen in der Erziehung führen, die später kaum mehr durch Bildungssysteme, wie optimiert sie auch sein mögen, wettgemacht werden können“ (Singer, 2003, S. 67).
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Voraussetzungen für die Verbesserung von schulischen und sozialen Defiziten von deutschen Schülern besonders in der Elementarbildung liegen. Es hat leider Jahrzehnte gedauert, im Vergleich zu den skandinavischen Ländern, bis man zu der Erkenntnis der großen Bedeutung der frühkindlichen Bildung und Betreuung gekommen ist.
Die neueste Debatte über die Qualität der frühkindlichen Bildung scheint in diesem Zusammenhang mehr als angebracht.
Die Globalisierung und damit verbundenen Veränderungs- und Anpassungsprozesse der Gesellschaft verlangen heutzutage effiziente Aus- und Weiterbildung, die nur auf einer qualitativ guten Elementarbildung aufgebaut werden können (vgl. ebenda). In diesem Sinne, um den Erfordernissen heutigen Weltgesellschaft gerecht zu werden, bedarf es zunehmend hochqualifizierter Kräfte, vor allem im Elementarbereich. Mein Interesse für dieses Thema dient in dieser Arbeit dem jahrelang in Deutschland unterschätzten Teil des Systems der frühkindlichen Betreuung, nämlich der Kindertagespflege. Als Ausgangspunkt meiner Überlegungen eignet sich der Bildungsauftrag, zu dessen Erfüllung die Kindertagespflege laut § 22 und §23 KJHG 1 verpflichtet ist.
Demzufolge ist eine Tagespflegeperson rechtlich dazu verpflichtet, Ihren Beitrag zur Erziehung und Bildung des Kindes durch eine angemessene Förderung zu leisten.
1 KJHG - Kinder- und Jugendhilfegesetz
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Von diesem Hintergrund wird die Kindertagespflege mit der öffentlichen Kinderbetreuung gleichgestellt, obwohl sie im Hinblick auf die allgemeine gesellschaftliche Wahrnehmung nur als „Notfalllösung“ bzw. „Zusatzprogramm“ gilt, und die Frage der Professionalisierung in der Kindertagespflege wird aktueller denn je.
2. AUFBAU DER ARBEIT
Begonnen wird mit einem allgemein geschichtlichen Abriss der Kindertagespflege innerhalb Deutschlands und dem Aspekt der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der heutigen Gesellschaft.
Danach widme ich mich der politischen Debatte rund um die Kinderfrühförderung und die Kinderbetreuungssituation in Westdeutschland. Im folgenden Teil werden allgemeine Charakteristika der Tagespflege unternommen unter Berücksichtigung der rechtlichen Grundlagen und wichtigsten Merkmale dieses Berufsfeldes. Es folgt die kurze Vorstellung des „Bundesverbandes für Kindertagespflege“ und dessen Aufgaben und wichtigste Ziele. Im Anschluss daran widme ich mich der Professionalisierungsdiskussion in der Kindertagespflege. Zur Bearbeitung dieses Problems werden zunächst die Fragen in der professionalisierungstheoretischen Tradition aufgezeigt und Professionalisierungstendenzen in der Erwachsenbildung vorgestellt sowie deren Ambivalenz aufgezeigt. Nach diesen zunächst allgemeinen Erkenntnissen über die Professionalisierungstheorie, thematisiere ich die Entwicklung der Professionalisierung in der Kindertagespflege und deren aktuellen Stand, es wird u.a. auf die neusten Standards in der „Qualifizierung“ für Tagespflegepersonen eingegangen. In abschließendem Kapitel werde ich die Ergebnisse dieser Arbeit zusammenfassen und die Probleme, die sich in der Kindertagespflege ergeben, sowie einige Zukunftsperspektiven darstellen.
3. DIE ENTWICKLUNG DER KINDERTAGESPFLEGE IN DEUTSCHLAND
Historisch betrachtet, ist die familiennahe Kinderbetreuung in Deutschland, d.h. die Kinderbetreuung von Kindern durch andere Familien, viel älter als die Förderung, Bildung und Betreuung von Kindern im institutionellen Rahmen (vgl. Stranz 1995, 20 ff.). Schon seit der Antike hatte das Ammenwesen in Europa einen großen Einfluss in der Kinderbetreuung und dem familiären Leben. Im eigentlichen Sinn des Wortes wurde jede Frau zur Amme, sobald sie stillte. Erst im übertragenen Sinn des Wortes
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steht das Wort Amme für eine Frau, die ein fremdes Kind gegen Entlohnung zur Brust nimmt.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass unter Ammen sowohl Frauen verstanden wurden, die selber Mütter waren und somit auch das Stillen fremder Kinder übernehmen konnten, als auch Frauen, die dies nicht taten, aber alle anderen Funktionen der Bildung, Betreuung und Erziehung der ihnen anvertrauten Kinder übernahmen, einschließlich sehr enger emotionaler Bindungen. Dies machte sie nicht selten zu echten „Ersatzmüttern“ (vgl. Gestrich /Krause/Mitterauer, 2003, 571 ff.). In der Geschichte der Menschheit war die Brust einer Amme lebenswichtig für Säuglinge, deren Mütter im Kindsbett starben oder selbst keine eigene Milch produzieren konnten. Doch Ammen wurden sogar häufiger eingesetzt als notwendig. Schon der griechische Arzt Soranos von Ephesos (96 bis 138 nach Christus) befand, dass Frauen sich durch das Stillen verausgabten und vorzeitig alterten, ein Bild, das sich bis in die Neuzeit hielt. In Anbetracht ihrer angeblich dahinwelkenden Körper hielten sich die Römerinnen der Oberschicht eine Haussklavin als Amme (vgl.ebenda). Die Brust zu geben, galt im 18. Jahrhundert als ekelhaft. Pariser Babys wurden deswegen für zwei Jahre zum Stillen aufs Land geschickt. In der Stadt Hamburg des 18. Jahrhunderts waren z. B. 4000 bis 5000 Ammen beschäftigt. Seit in Berlin die Kinder Kaiser Wilhelm II. von einer Spreewaldamme groß gezogen wurden, waren die Sorbenfrauen der Inbegriff des vertrauenswürdigen Kindermädchens und galten schon bald als Statussymbol in der Berliner Gesellschaft (vgl.ebenda). In der Zeit der Aufklärung und des Absolutismus war die außerfamiliäre Kinderbetreuung auch weit verbreitet. Aus dieser Zeit stammen jedoch grausame Berichte über verwahrloste Kinder, zunehmende Armut von Manufaktur-Arbeiterinnen und ihre Kinder sowie von überfüllten Bewahranstalten für verwaiste Kinder. Auf diesem Hintergrund wurde der Mutter-Kind-Beziehung und der Kindheit mehr Bedeutung beigemessen. Darauf folgten verschiedene Initiativen von Geistlichen, Angehörigen des Adels und des Bürgertums, die der Not der Kinder, ihrer drohenden Verwahrlosung und Vernachlässigung entgegenwirken wollten (vgl. Pettinger 1996, S.29). Es entstanden „Kinderbewahranstalten“ für die Kinder der armen arbeitenden Bevölkerung, die der sittlichen, zivilisatorischen und religiösen Förderung der armen Bevölkerung, wie auch der Bildungsarbeit mit den Müttern dienen sollten (vgl.ebenda). Diese Betreuungseinrichtungen werden als Pioniere der Idee des Kindergartens wie auch der Tagesbetreuung bezeichnet. Zugleich entwickelte sich die bürgerliche
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Konzeption von Kindheit, die Kindheit als eine sensible, lebensgeschichtlich wichtige Phase ansah, deren Unterstützung und Begleitung in der Familie angesiedelt werden sollte.
„Die bürgerlich-pädagogische Konzeption von Kindheit zielte also zugleich auf eine spezifische Rolle der Frau in der Familie. Ihre natürliche Mütterlichkeit, deren erzieherischen Potenzen sich nur im privaten Schutzraum der Familie voll entfalten können, prädestinieren sie zur Übernahme der Erziehungsverantwortung, ja der Verantwortung für die Ausgestaltung der Familie als Ort häuslicher Ruhe und Erholung überhaupt, während der Familienvater für den außerhäuslichen Erwerb zuständig ist. Damit war der Weg bereitet für die etwa zeitgleich sich vollziehende Verfestigung der familiären Arbeitsteilung von Mann und Frau zu geschlechtsspezifischen Wesenszügen, für die Polarisierung von Geschlechtscharakteren...“ (Sachße 1986, S. 111). Lange Zeit war diese Überzeugung auch das dominante Leitbild der Familienpolitik in der BRD. Ganz anders in der DDR, dort war „die Erwerbstätigkeit von Frauen und Müttern ein Teil der gesellschaftlichen Ideologie, deren Leitbild die Gleichberechtigung, die berufliche Integration und wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen war“ (BMFSFJ 1996, S. 33-34). Weitgehend war sogar die Entscheidung von Frauen für die Kindererziehung im familiären Rahmen gesellschaftlich nicht erwünscht. Ein flächendeckendes, institutionelles, öffentliches oder betriebliches, für die Eltern kostenfreies Betreuungssystem unterstützte die fast vollständige berufliche Integration der Frauen, die auf einer Vollzeitbeschäftigung basierte. Ein Beleg dafür sind die statistischen Quoten aus den 80en Jahren. In dieser Zeit waren z. B. im Jahre 1988 80 % der unter Dreijährigen und 95% der drei- bis sechsjährigen Kinder in Krippen, Kindertagesstätten und Kindergärten und 80% aller Schulkinder bis zum zehnten Lebensalter in Horteinrichtungen (Meyer/Schulze 1992, S.13). Bemerkenswert ist, dass die Tagesbetreuung in den jetzt „neuen Bundesländern“ trotz des Rückgangs des Kinderbetreuungsangebots seit der Vereinigung mit der BRD weiterhin als bedarfsdeckend bezeichnet wird.
In Westdeutschland stand man der Kleinkinderbetreuung in Kinderkrippen überwiegend kritisch gegenüber. Dazu kamen noch konservative Aussagen, wie von Christa Meves, einer Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, die die Rolle der Mutter in der Frühkindererziehung besonders hervorhob. Demzufolge wurde die Kindererziehung hauptsächlich den Eltern überlassen. Dieses Leitbild der bürgerlicher Familie, wo der Mann für das Familieneinkommen und die Frau für die Kinder zuständig war, prägte in
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den 50er und 60er Jahren weitgehend die Familienpolitik und die ungleiche Entwicklung der Tagesbetreuung von Kindern in der BRD und dies führte häufig zu einer der größten Sorgen junger Familien bezüglich der Gestaltung und Organisation ihres Lebensalltages. Das konservative Leitbild hatte zur Folge, dass sich die öffentliche Debatte um den Ausbau der Krippenplätze leider um einige Jahre verschoben hat.
Erst im Zuge des Reformzeitalters der 70er Jahre, beginnend mit den Studentenunruhen von 1968, der Bildungsreform und eines allmählichen familienpolitischen Umdenkens im Hinblick auf die Kinderfeindlichkeit der damaligen Gesellschaft rückten verstärkt frauenspezifische und frauenpolitische Themen in den Blick (vgl. Martin 1993, S. 103). Vor diesem Hintergrund ist es selbstverständlich, dass das Erscheinen eines Artikels in der populären Frauenzeitschrift „Brigitte“ über die schwedischen Tagesmütter Aufsehen erregte, mit dem Aufruf im Titel „Wir fordern einen neuen Beruf: Tagesmutter“ (vgl. Jurczyk 2005, S.10 ff). „»Dagmama«“ wurde wörtlich übersetzt, womit der Begriff „Tagesmutter“ in Westdeutschland geboren war (vgl. Tietze 2005, S. 50). Die Resonanz auf den Artikeln war überwältigend. Es folgte eine Flut von Leserinnen-Briefen, spontan bildeten sich über 50 Initiativen von Frauen, die sich dafür engagierten, den Beruf „Tagesmutter“ durchzusetzen und die Tagespflege als Betreuungsform zu organisieren. In den Initiativen waren sowohl Frauen aktiv, die selbst Tagesmütter werden wollten, als auch Mütter, die ihre Kinder von Tagesmüttern betreuen lassen wollten (vgl. Jurczyk, 2005, S. 10).
Die unerwartete Resonanz der Öffentlichkeit sowie Solidarität der Frauen untereinander und deren Forderungen nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf machte der breite Öffentlichkeit klar, dass Frauen nicht länger bereit waren zugunsten der Familie auf Beruf und Karriere zu verzichten.
„Das Bedürfnis von Frauen, die arbeiten, studieren, eine Ausbildung machen wollten und gleichzeitig nicht auf Kinder verzichten wollten, sondern diese neben und parallel zu Familie, Kindern und Partnerschaft ausüben wollten, traf auf solidarische Bereitschaft von sog. Familienmüttern, die sich für ihre Hausfrauen- und Mutterrolle entschieden hatten und bereit waren, ein weiteres Kind zu ihren Kindern zusätzlich aufzunehmen. Diese Frauen signalisierten damit, dass sie ihre Tätigkeit als Mutter und als Erzieherin eines Kleinkindes betrachteten: Durch Forderung nach einem wenn auch bescheidenen Entgelt sowie nach Kranken-, Arbeitslosen-, und
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Arbeit zitieren:
Ewelina Wasik, 2010, Zur Professionalisierung in der Kindertagespflege - Tendenzen und Überlegungen, München, GRIN Verlag GmbH
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