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Inhaltsverzeichnis
I. Stationäre Psychotherapie mit Kunsttherapie im Klinikum Freising. 3
II. Kunsttherapie und Dialogisches Malen. 4
1. Grundsätzliche Fragen und Überlegungen zu Kunsttherapie. 4
1.1 Wieso ist Kunst Teil einer Psychotherapie? Was kann Kunst in einer Therapie
leisten ? 4
1.2 Worum geht es in der Kunsttherapie? Was sind die Ziele? 5
1.3 Was sind die Aufgaben eines Kunsttherapeuten? 7
1.4 Wie läuft Kunsttherapie in der Praxis ab? 10
1.5 Welche Materialien und Techniken kommen in der Kunsttherapie zum Tragen?
Und was sollen/können sie bewirken? 11
2. Dialogisches Malen. 16
2.1 Definition. 16
2.2 Wie geht „Dialogisches Malen“ vor sich? 16
2.3 Nutzen von Dialogischem Malen. 17
2.4 Praktischer Teil: Dialogisches Malen im Selbstversuch mit drei Testpersonen. 19
2.4.1 Versuch 1: Kunsthauptfachstudentin. 19
2.4.2 Versuch 2: Journalistikstudent. 22
2.4.3 Versuch 3: Musikwissenschaftsstudentin. 23
2.4.4 Kurzes Fazit des praktischen Versuchs. 24
III. Macht Dialogisches Malen auch ohne kunsttherapeutischen Kontext Sinn? 25
Quellen - und Literaturverzeichnis. 26
Anhang 27
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I. Stationäre Psychotherapie mit Kunsttherapie im Klinikum Freising
Die heutige stationäre Psychotherapie in Krankenhäusern setzt auf ein breit gefächertes Behandlungskonzept, um einem Menschen in seiner Lebenskrise zur Seite zu stehen. Die Dauer eines Aufenthalts variiert je nach Klinik, beträgt aber meist 8-12 Wochen - eine Zeit, die intensiv genutzt werden sollte. Das Programm auf der psychosomatischen Station im Klinikum Freising etwa umfasst verschiedene Einzel- und Gruppentherapien. So hat jeder Patient wöchentliche Einzelgespräche mit einem Psychotherapeuten, einem Arzt und einer Person des Pflegepersonals. In der fest eingeteilten Gruppe von bis zu 8 Patienten finden Soziales Kompetenztraining, Gesprächs-, Bewegungs- und Kunsttherapie statt. Daneben gibt es jede Woche einen Stationsausflug und den speziellen Freitagnachmittag - beides wird von den Patienten gestaltet. Außerdem arbeitet die psychosomatische Abteilung eng mit der physikalischen Abteilung im Haus zusammen. Denn bei der Behandlung der psychischen Krise soll nicht nur der Seele, sondern auch dem Körper Aufmerksamkeit zuteil werden: „Wir behandeln Menschen, bei deren Beschwerden seelische Einflüsse eine Rolle spielen […]. Dabei sehen wir den ganzen Menschen: Seinen Körper, der medizinische Behandlung braucht, seine Seele, die von ungelösten Problemen belastet ist, seine familiäre bzw. soziale Umwelt mit der er in Schwierigkeiten geraten sein mag.“ 2
Ein Teil dieses vielseitigen Wochenprogramms wird in der vorliegenden Arbeit genauer beleuchtet: Die Kunsttherapie. In ihr gibt es verschiedene Ansätze (kunstpsychologisch, kunstpädagogisch/-didaktisch, psychiatrisch (arbeits-, ergo-, beschäftigungstherapeutisch), heilpädagogisch, kreativ- u. gestaltungstherapeutisch, tiefenpsychologisch) 3 . Ebenfalls eine Rolle spielen viele unterschiedliche Themen, Materialien und Techniken. Eine Technik steht hier unter besonderem Augenmerk: Das Dialogische Malen. Zunächst wird grundsätzlich in die Thematik eingeführt: Was hat es mit Kunsttherapie auf sich? Wieso ist Kunst wichtig in einer Therapie, was kann Kunst leisten? Worum geht es in der Kunsttherapie, wie läuft sie ab, welche Rolle spielt der Kunsttherapeut und was können bestimmte Materialien und Techniken bewirken? Danach rückt das Dialogische Malen in den Fokus: Was ist Dialogisches Malen und was sein Nutzen? Im letzten Teil geht es um die Praxis: Dialogisches Malen im Selbstversuch mit drei Personen. Davon ausgehend gilt es abschließend zu beurteilen, ob diese eigentlich therapeutische Technik auch außerhalb einer Kunsttherapie hilfreich sein kann. Als wissenschaftliche Untermauerung dienten Bücher über Kunsttherapie, deren Autoren praktizierende Kunsttherapeuten sind und aus selbst geführten Therapien berichten. Zusätzlich konnte von der eigenen Erfahrung (mehrwöchiger Aufenthalt im Klinikum Freising, d.h. auch aktive Teilnahme an der Kunsttherapie) profitiert werden.
2 http://www.klinikum-freising.de/Abteilungen/Psychosomatik/Informationen
3 Vgl. Menzen, Karl-Heinz: Grundlagen der Kunsttherapie. München 2009. S.13.
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II. Kunsttherapie und Dialogisches Malen
1. Grundsätzliche Fragen und Überlegungen zu Kunsttherapie
1.1 Wieso ist Kunst Teil einer Psychotherapie? Was kann Kunst in einer Therapie leisten? „Kunst soll die psychische Dynamik einer Person wirkungsvoller offenbaren als der verbale Ausdruck. Der bildnerische Ausdruck wird in der Regel als weniger bedrohlich angesehen als der verbale. Innere Konflikte können in eine sichtbare Form projiziert werden. Die bildnerische Form bildet den Ausgangspunkt für Gespräche, Analysen und Selbstevaluationen.“ 4
Hier werden, in kürzester Form zusammengefasst, schon verschiedene wichtige Aspekte der Kunsttherapie deutlich: Über Kunst kann sich der Patient mitunter besser mitteilen als durch Worte; unsichtbare Probleme/Konflikte können bildhaft gemacht und damit besser bewältigt werden; den in der Kunsttherapie gefertigten Bildern folgt die verbale Kommunikation. „Malen [bzw. jegliches aktive künstlerische Gestalten] ist Ausdruck, Produktion, Konfrontation, Befriedigung und Reflektion zugleich“ 5 und damit ergiebiger als eine verbale Äußerung. Der Patient ist in der Kunsttherapie Teil des Therapie-Geschehens, d.h. er hat gerechtfertigt das „Gefühl, selbst aktiven Anteil an seiner Behandlung und damit an seiner eigenen Wiederherstellung zu haben.“ 6 Weiterhin kann durch Erfahren der bzw. durch Umgang und Gestalten mit künstlerischen Mitteln psychischer und emotionaler Stress abgebaut, ein neues Bild von sich selbst (Selbstwahrnehmung) gewonnen, Hemmschwellen überwunden, das Selbstwertgefühl gestärkt, neue Ausdrucksmittel (= nonverbale Kommunikationsmittel) gefunden, Gefühle/Erinnerungen/Gedanken aktiviert und die Wahrnehmung geschärft werden. Damit gelangt der Patient zu einem reicheren Erleben seiner Selbst und seiner Umgebung. 7 Darüber hinaus kann Kunsttherapie Selbstvertrauen stärken, Konzentrationsfähigkeit verbessern, Sozialkompetenz fördern, Ängste und Spannungen abbauen, und helfen, mit Aggressionen umzugehen, psychische Belastungen zu bewältigen und traumatische Erfahrungen zu verarbeiten. 8 Schwierigkeiten im Leben, d.h. immaterielle Konflikte, können nur durch Kunst bildhaft gemacht werden und „Bildgeworden kann ein Konflikt, für den sich in den habituellen Lebensverhältnissen keine Lösung abzeichnete, im Beziehungsraum der Therapie bearbeitet und schließlich vielleicht auch gelöst werden.“ 9 Farben und Formen werden in der Kunsttherapie Stellvertreter für die „wirklichen“ Gefühle, Konflikte, Beziehungen. „An formalen und farblichen Beziehungen werden soziale bildhaft
4 Aissen-Crewett, Meike: Kunst und Therapie mit Gruppen - Aktivitäten, Themen und Anregungen für die Praxis. Dortmund 2002. S.13.
5 http://www.psycho-holistik.de/start-themenzentriertes-vertiefungsjahr.html
6 Aissen-Crewett: Kunst und Therapien mit Gruppen. S.13.
7 Vgl. ebd. S.13f.
8 Vgl. http://www.bildern.net/5FUER%20WEN.htm
9 Sinapius, Peter: Therapie als Bild - Das Bild als Therapie. Grundlagen einer künstlerischen Therapie. Frankfurt am Main 2007. S.24
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begreifbar. Im Beziehungsfeld der Farben und Formen […] können wir zwischenmenschliche Beziehungen gestalten“ 10 . Außerdem kann der Patient durch künstlerisches Gestalten Zugriff auf verbal nicht/schwer Auszudrückendes erlangen, denn „Durch die kreative Tätigkeit werden emotionale und unbewusste Bereiche berührt, die sich verbal oft weniger einfach erschliessen lassen.“ 11 Zusammenfassend formuliert: Über Kunst ist es möglich, unbewusste Vorgänge, immaterielle Ereignisse, innere Konflikte, kurz: eigentlich nur fühl- und erlebbare Verhältnisse, in Farben und Formen auszudrücken, d.h. sichtbar, bildhaft, gegenständlich zu machen, was es natürlich erleichtert, diese Dinge, da sie nun eine optische/haptische Gestalt erhalten haben, be- und verarbeiten zu können. Sich künstlerisch zu betätigen ermöglicht darüber hinaus eine Loslösung von zu vielem Nachdenken/Grübeln, Kontrolle, dem Zwang, etwas leisten zu müssen, Ängsten. Stattdessen gelangt der Patient durch die Kunsttherapie in einen Raum, an dem Stille eintritt, tiefes Wissen sichtbar und zugänglich wird, sich Eins-Sein mit dem Moment ergibt, Konzentration gebündelt wird, Ruhe und Sicherheit herrscht. Dadurch können Träume, Phantasien und innere Erfahrungen gemacht, Erkenntnisse formuliert, Schweres und Leichtes erfahren und ausgehalten werden, Unbewusstes integriert und schließlich Lösungen erarbeitet werden. 12 Wichtig: Im Gegensatz zur „normalen“ Gesprächstherapie bleiben die Werke aus der Kunsttherapie bestehen und sind Zeugnisse der Entwicklung des Patienten. Immer wieder können sie betrachtet und nachvollzogen werden. Sie erinnern an die individuellen Fortschritte, zeigen, wie sich der Patient zu einer bestimmten Zeit gefühlt hat, was ihn bedrückt hat, was er ändern will/wollte, welche Sichtweise er auf gewisse Dinge/Sachverhalte hat/hatte usw. Schlechte Erfahrungen u.ä. können von der Seele gemalt und in die Bildform gebannt werden. Und: „Indem Inneres im Aussen gestaltet und umgestaltet wird, verändert sich das Innere. Die Modifizierung wirkt also zurück“ 13 . All das spricht dafür, Kunst in eine Therapie einzubinden. Aber was genau sind die Ziele der Kunsttherapie? Der folgende Gliederungspunkt soll das klären.
1.2 Worum geht es in der Kunsttherapie? Was sind die Ziele?
Natürlich ist das große Hauptziel der Kunsttherapie - wie jeder anderen Therapie auch - dem Patienten zu helfen und sein Leiden zu lindern.
„Aufgabe der Künstlerischen Therapie ist es, das Gleichgewicht im Menschen wiederherzustellen. Im harmonischen Wechselspiel des Denkens, Fühlens und Wollens kann sich der Kranke beim Schaffen in Harmonie bringen. Es können ihm vom Therapeuten
11 http://www.bildern.net/2WAS.htm
12 Vgl. http://www.bildern.net/4WARUM.htm
13 Ebd.
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spezielle Aufgaben gestellt werden, durch die er sich mit ganz bestimmten Wahrnehmungen und Gestaltungen beschäftigen muß. Hieraus können ihm die Kräfte zufließen, die er zu seiner Heilung braucht.“ 14
In Kürze: „Die künstlerischen Therapien wollen rehabilitieren und wiedereingliedern.“ 15 Ausführlicher: Der „Zweck [der Kunsttherapie] besteht darin, die Orientierungs- und Gefühlslagen der Patienten wiederherzustellen und Problem- wie Leidenssituationen bildnerisch zu bearbeiten. Ihr Mittel besteht darin, jenen psychischen Ausdrücken, jenen Bildern, Vorstellungsmustern, die Leiden verursachen, eine andere Ausrichtung zu geben. Im Ergebnis sollen die Bewusstseins- und Erlebnisweisen, aber auch die Verhaltensabläufe mit bildnerischen Mitteln so konstelliert werden, dass es möglich wird, das Alltagsleben neu zu sehen und zu bewältigen.“ 16 Dabei soll der Mensch „- zunächst im Rahmen des therapeutischen Raumes - selbst zum Gestalter seiner Lebensverhältnisse“ 17 gemacht werden. In der Kunsttherapie malt, zeichnet, arbeitet der Patient mit Ton oder anderen Materialien, d.h. er gestaltet - unter Umständen zum ersten Mal („die Kunsttherapie hat […] einen teilweise gravierenden Mangel an Sinnes- und Gefühlserfahrungen zu kompensieren.“ 18 ) - und muss das selbstständige Gestalten erst erfahren, erlernen. Es geht hier um die „Auffassung von Kunsttherapie, mit der das Beziehungsleben und die Lebensverhältnisse eines Menschen zu etwas werden, das er über Bilder selbst gestalten kann“ 19 . Dieses Gestalten soll sich auf den Alltag, das Leben der Patienten ausweiten - Sie sollen verstehen, dass sie ihr Leben selbst in der Hand haben und nach ihrem Belieben formen können, genauso wie sie Kunstwerke geschaffen haben. Die Patienten sollen auch lernen, in die eigenen Kräfte zu vertrauen, Gefühle/Gedanken/Konflikte durch Bilder auszudrücken, Zugang zu Phantasie und dem Unbewussten zu erlangen, aber sie sollen vor allem (wieder) ein Gefühl dafür bekommen, wer sie sind und was sie als wertvolles Individuum ausmacht (= Selbstwahrnehmung, -reflexion, -erkenntnis). Daneben bietet die Kunsttherapie natürlich auch einen Ort der Freiheit, d.h. einen Ort, an dem experimentiert, entspannt und Kreativität ausgelebt werden kann. 20 „Indem wir Bilder schaffen […], versichern wir uns aber auch unserer eigenen Identität. […] Selbsttätig gewinnen wir ein Bewusstsein unserer selbst […]. Im künstlerischen Tun […] erleben wir uns selbst als Schöpfer dessen, was wir hervorbringen.“ 21 Damit ist Kunst ein Weg, sich selbst zu erfahren und sich von seiner Existenz und seinen eigenen Fähigkeiten zu
14 Mees-Christeller: Kunsttherapie in der Praxis. S.70f.
15 Menzen: Grundlagen der Kunsttherapie. S.25.
16 Ebd. S.22f.
17 Sinapius: Therapie als Bild - Das Bild als Therapie. S.24.
18 Menzen: Grundlagen der Kunsttherapie. S.212.
19 Sinapius: Therapie als Bild - Das Bild als Therapie. S.25.
20 Vgl. Aissen-Crewett: Kunst und Therapie mit Gruppen. S.17.
21 Sinapius: Therapie als Bild - Das Bild als Therapie. S.18.
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überzeugen. In der Kunsttherapie geht es dann aber nicht um die künstlerische Qualität der Endprodukte oder „um das gestaltete Werk an sich, sondern um die Erfahrungen, die es ermöglicht“ 22 , um den Gestaltungsprozess, das Entdecken und Sich-Auseinander-Setzen mit Unbewusstem, das Verarbeiten von inneren Konflikten/Problemen durch Kunst, den Ausdruck von Gefühlen mit bildnerischen Mitteln oder wie Peter Sinapius schreibt: „In der Kunsttherapie steht nicht die Herstellung von Bildern im Vordergrund […] Es geht um den schöpferischen Prozess als ein Prozess der Bewältigung, der Formulierung und der Lebensgestaltung. Das Gestalten selber wird zum Teil der Lebensgeschichte und hat seinen Sinn darin, in dieser Geschichte etwas zu bewältigen oder Zugriff auf das zu gewinnen, was die Lebensgeschichte sonst nur unterschwellig begleitet.“ 23 Dennoch sind natürlich Bilder Gegenstand der Kunsttherapie: Man geht „mit gemalten Bildern, mit inneren, erlebten Bilder, mit assoziierten oder projizierten Bildern [um].“ 24 Dabei ist zu bedenken, dass die Bilder/Werke aus der Kunsttherapie ihre Bedeutung „erst durch den Kontext der therapeutischen Begegnung, mit der sie verbunden sind [gewinnen]. […]. Ohne den Kontext der therapeutischen Situation erschließt sich nicht seine Bedeutung.“ 25 Zu diesem therapeutischen Kontext zählt in erster Linie der anwesende Kunsttherapeut. Welche Aufgabenbereiche ihm zukommen, soll nun beschrieben werden.
1.3 Was sind die Aufgaben eines Kunsttherapeuten?
Hierbei ist zu unterscheiden, ob es sich um einen Einzelpatienten oder eine Gruppe handelt, der/die zur Kunsttherapie kommt. Es ist ja ganz logisch, dass der Therapeut in der Einzeltherapie oft selbst künstlerisch tätig werden muss, während er das in der Gruppentherapie nicht unbedingt muss. Therapeutisch aktiv werden muss er natürlich in jedem Fall und „Wer kunsttherapeutisch arbeitet wird zur handelnden Person in den Therapiegeschichten seiner Patienten.“ 26 Der Kunsttherapeut „kümmert sich um die Rahmenbedingungen und Spielregeln, er begleitet, regt an, unterstützt, wo es notwendig ist“ 27 , er macht den Patienten Angebote - sowohl was die künstlerischen Materialien betrifft, wie auch die zu bearbeitenden, psychologischen Themen. Er ist der „Organisations- und Kristallisationspunkt“ 28 . Er sollte dem Patienten erklären, was in der Kunsttherapie auf ihn zukommen wird, jedoch nicht, welche Ziele er mit den gestellten Aufgaben verfolgt: „Patienten wissen ja im allgemeinen nicht, warum man ihnen bestimmte Aufgaben gibt. Das
23 Ebd. S.143f.
24 Ebd. S.78.
25 Ebd. S.86.
26 Ebd. S.27.
27 Ebd. S.20f.
28 Aissen-Crewett: Kunst und Therapie mit Gruppen. S.19.
8
Tun selbst wirkt aber häufig bereits so stark - zuweilen auch erst hinterher -, daß der Kranke spürt, was damit erzielt werden wollte. Diese Absicht sollte aber im Hinblick auf die gute Wirkung niemals vorher mit dem Kranken besprochen werden. […] das Mitdenken über den Sinn der Aufgabe wirkt zerstörend auf die Erlebnisfähigkeit und auf das Kräftespiel, das nur in voller Hingabe an die Übung entsteht.“ 29 Der Kunsttherapeut ist für den Patienten Helfer und Unterstützer und zwar auf dem Weg des Patienten zur Kunst bzw. auf dem Weg über die Kunst zu sich selbst zu finden. Dabei ist es von äußerster Wichtigkeit, dass der Therapeut auf die Bedürfnisse seiner Patienten eingeht, aber ganz individuell je nach Person und Situation. Er muss sich einfühlen und auf jegliche Reaktionen spontan einstellen können! Gertraude Lowien teilt diese Ansicht: „Es ist sehr wichtig, alle Überlegungen zu den Gestaltungsaufgaben auf die Situation und die Bedürfnisse der Menschen zu beziehen, die mit Hilfe des Mediums Kunst gefördert werden sollen. Das heißt, alles muss durchdacht, besser noch vorher ausprobiert, auf die Zielpersonen ausgerichtet und für sie aufbereitet werden. Doch die Ereignisse und Abläufe lassen sich nicht in vollem Umfang vorhersehen und planen. Denn jeder Mensch, der sich mit Kunst auseinandersetzt […], bringt in diesen Prozess sich selbst mit ein - mit all seinen Befindlichkeiten und Gefühlen, mit Vorerfahrungen und Vorkenntnissen, mit Vorlieben und Abneigungen - er agiert und reagiert also immer wieder anders. […]. Jede Situation gestaltet sich auf neue Weise, denn im Miteinander entwickeln sich Prozesse, die von allen Beteiligten, besonders vom Gruppenleiter, sehr viel Einfühlung verlangen.“ 30
Der Therapeut muss für seinen Patienten einen Raum schaffen. Einen, in dem der „Kranke“ Erfahrungen machen kann, um sich selbst zu finden, in dem er sich geschützt und wohl fühlt, in dem er sich nicht verliert, in dem er zu sich selber kommen, sein und sich öffnen kann und durch den dann Begegnungen und schöpferische Beziehungen zur Umwelt möglich sind. Dieser Raum ist zum einen natürlich als architektonischer zu verstehen, zum anderen aber auch als therapeutischer. Letzterer resultiert aus der Beziehung zwischen Therapeut und Patient bzw. entwickelt sich automatisch zwischen den zwei Polen der funktionierenden(!) therapeutischen Beziehung, die wiederum auf der Basis gegenseitiger/n Vertrauens, Akzeptanz, Respekts und Vorbehaltlosigkeit entsteht. Peter Sinapius spricht davon, dass eine funktionierende Beziehung - also der Raum zwischen zwei Personen - immer etwas mit Wärme zu tun hat (d.h. dass Wärme ein Element dieses bestimmten Raumes ist) und bezeichnet demnach das Verhältnis von Therapeut und Patient als „Wärmeraum“. 31 Ein Kunsttherapeut ist „nicht stiller Beobachter“, sondern „aktiver Teil des therapeutischen Geschehens“ 32 , denn er greift mehr als ein herkömmlicher Therapeut in die Therapie ein bzw. er tut das augenscheinlicher: Die Handlungen des Therapeuten (und die Entwicklungen des
29 Mees-Christeller: Kunsttherapie in der Praxis. S.35.
30 Lowien, Gertraude: Kunst als Medium für Begegnungen. Norderstedt 2007. S.216.
31 Vgl. zum Abschnitt „Raum“: Sinapius: Therapie als Bild - Das Bild als Therapie. S.146-149 und S.156f.
32 beide Zitate aus: Ebd. S.147.
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Jacqueline Koller, 2011, Kunsttherapie und Dialogisches Malen, München, GRIN Verlag GmbH
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