Problematische Geschäftspraktiken
im Privatkundengeschäft von Banken
und Sparkassen
Diplomarbeit
Abgabedatum: 18.09.2010
Institut für Recht der Wirtschaft
der Universität Hamburg
Name:
Jonathan Hillebrand
Studiengang:
Betriebswirtschaftslehre
Inhaltsverzeichnis
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
iv
Abkürzungsverzeichnis
v
1
Einleitung
1
1.1
Problemstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1
1.2
Gang der Untersuchung
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3
2
Banken und Sparkassen in Deutschland
4
2.1
Bankenmarkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
4
2.2
Anlagegeschäft
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
8
2.3
Kreditgeschäft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
3
Geschäftspraktiken im Privatkundengeschäft von Banken und Spar-
kassen
15
3.1
Vertriebsstrategien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
3.2
Anlagegeschäft
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
3.2.1
Rolle des Kunden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
3.2.2
Anlageberatung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
3.2.3
Produktkonditionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
3.2.4
Empirische Untersuchung zur Unterstützung der Ergebnisse
. 21
3.3
Kreditgeschäft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
3.3.1
Rolle des Kunden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
3.3.2
Kreditberatung und -entscheidung . . . . . . . . . . . . . . . . 27
3.3.3
Kreditkonditionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
3.3.4
Umschuldungssituation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
3.3.5
Empirische Untersuchung zur Unterstützung der Ergebnisse
. 34
3.4
Mitarbeiterführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
3.4.1
Geschäftspraktiken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
3.4.2
Empirische Untersuchung zur Unterstützung der Ergebnisse
. 39
4
Kritische Bewertung der Geschäftspraktiken
41
4.1
Anlagegeschäft
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
4.2
Kreditgeschäft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
4.3
Mitarbeiterführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
5
Handlungsempfehlungen
51
5.1
Staat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
ii
5.2
Konsument
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
5.3
Bank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
6
Zusammenfassung und Ausblick
59
Literaturverzeichnis
vi
A Anhang: Befragung
xvii
A.1 Anlageberatung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . xvii
A.2 Konsumentenkredite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . xxi
A.3 Mitarbeiter einer Bank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . xxvi
B Anhang: Abbildungen
xxx
iii
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abb. 3.1 Welches Anlageziel verfolgen Sie? . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Abb. 3.2 Welche Aspekte der Anlage sind Ihnen wichtig? . . . . . . . . . 22
Abb. 3.3 Welche Anlageinstrumente nutzen Sie bzw. haben Sie genutzt? . 23
Abb. 3.4 Welche Informationsquellen nutzen Sie zur Anlageentscheidung?
23
Abb. 3.5 Wie schätzen Sie Ihr Verständnis beim Thema Kapitalanlagen
ein? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
Abb. 3.6 Bei welchem Anbieter lassen Sie sich beraten? . . . . . . . . . . 24
Abb. 3.7 Sind die Kosten der Anlageprodukte bekannt? . . . . . . . . . . 25
Abb. 3.8 Wurde ein Beratungsprotokoll... . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
Tab. 3.1
Konditionen von Kredit 1 bei Bank A . . . . . . . . . . . . . . . 33
Tab. 3.2
Konditionen von Kredit 2 bei Bank B . . . . . . . . . . . . . . . 33
Abb. 3.9 Was war der Zweck der Kreditaufnahme? . . . . . . . . . . . . . 34
Abb. 3.10 Welche Kosten sind angefallen?
. . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
Abb. 3.11 Bei wem fand der Kreditabschluss statt? . . . . . . . . . . . . . 36
Abb. 3.12 Wo haben Sie den Vertrag abgeschlossen? . . . . . . . . . . . . . 36
Abb. 3.13 Fand eine Kreditberatung statt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
Abb. 3.14 Haben Sie den Kreditvertrag... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
Abb. 4.1 Verwendung des deutschen Bruttoinlandsprodukts (Eigene Dar-
stellung, Daten aus: Statistisches Bundesamt, Bruttoinlands-
produkt 2009 für Deutschland, Januar 2010 URL: http://www.
destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/
pk/2010/BIP2009/Pressebroschuere__BIP2009,property=file.pdf,
eingesehen am 12.08.2010, S. 11) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
Abb. 5.1 Holländisches Risicometer für Anlageprodukte (Quelle: Autori-
teit Financiële Markten) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
Abb. B.1 Informationsblatt für Finanzprodukte Seite 1/2 (Quelle: Ban-
kenverband) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . xxxi
Abb. B.2 Informationsblatt für Finanzprodukte Seite 2/2 (Quelle: Ban-
kenverband) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . xxxii
iv
Abkürzungsverzeichnis
AGB Allgemeine Geschäftsbedingungen
bAV
Betriebliche Altersvorsorge
BaFin Bundesamt für Finanzaufsicht
BGH Bundesgerichtshof
BIP
Bruttoinlandsprodukt
BMELV Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz
CSR
Corporate Social Responsibility
ETF
Exchange Traded Fund
FRUG Finanzmarktrichtlinie-Umsetzungsgesetz
KWG Kreditwesengesetz
MiFID Richtlinie 2004/39/EG über Märkte für Finanzinstrumente
PAngV Preisangabenverordnung
RLV
Risikolebensversicherung
RSV
Restschuldversicherung
SCHUFA Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung
ZPO
Zivilprozessordnung
v
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
Die Geschäftsfelder einer Bank lassen sich in ein Privatkunden- und ein Firmenkun-
dengeschäft aufteilen. Das Firmenkundengeschäft ist den starken und schwachen
Phasen des Konjunkturzyklus unterworfen. Ausgelöst durch spekulative Finanzge-
schäfte befindet sich die Wirtschaft seit 2008 in einer starken Rezession. Durch die
gesunkene gesamtwirtschaftliche Aktivität ist das Firmenkundengeschäft und vor
allem das Anlagegeschäft im Investment Banking unter Druck. Die Risikobereit-
schaft ist gesunken, es bestehen Vertrauensdefizite zwischen den Banken und das
Zinsniveau der Zentralbanken ist auf einem historischen Tief.
1
Das Privatkundengeschäft besteht aus dem Einlagen- und dem Kreditgeschäft. Es
ist klassischerweise weniger volatil und kann helfen die Konjunkturzyklen zu glätten.
Banken haben also zurzeit ein Interesse am Ausbau der Privatkundensparte. Gerade
das Anlagegeschäft muss sich durch die jüngsten Verwerfungen der Kapitalmärkte
allerdings der Kritik vieler Interessengruppen stellen. Privatanleger stehen vor der
Frage, ob mangelnde Risikoaufklärung und der starke Vertriebsfokus der Banken
zu vermeidbaren Risiken geführt haben könnten. Die Krise bietet die Chance, die
Geschäftspraktiken der Banken genauer zu betrachten.
Das Kreditgeschäft kann in Krisenzeiten Einbrüche der privaten Haushaltsein-
kommen kompensieren und dient so dem Ausgleich konjunktureller Schwankungen
des privaten Konsums. Der private Konsum hat den größten Anteil an der Ver-
wendung des Bruttoinlandsprodukt (BIP). Durch eine vermehrte Aufklärung ver-
schiedener Interessengruppen und einer breiten Öffentlichkeit, nicht zuletzt durch
Unterhaltungssendungen im privaten Rundfunk, bietet sich auch hier die Chance
einer genaueren Betrachtung der Geschäftspraktiken.
Die strategische Ausrichtung durch die Führung der Banken gibt den allgemeinen
1
Vgl.
Wellershoff,
K.
W.,
Alarmstufe
rot:
Zinsen
auf
Allzeittief,
in:
Han-
delszeitungOnline,
Juli
2010
URL:
http://www.handelszeitung.ch/artikel/
Unternehmen-Alarmstufe-rot-Zinsen-auf-Allzeittief_753105.html,
eingesehen am 07.07.2010,
S. 1.
1
Umgang mit Kunden vor. Die konkrete Ausgestaltung geschieht durch die Mitar-
beiter der Banken. Diese werden durch verschiedene Anreizwirkungen zu dem ge-
wünschten Geschäftsziel gelenkt. Die Methoden im Umgang mit den Mitarbeitern
spielen eine wichtige Rolle bei der Erarbeitung des Forschungsziels.
Die Fragestellung lautet: ,,Werden problematische Geschäftspraktiken im Privat-
kundengeschäft von Banken und Sparkassen angewandt und wie lässt sich dies ge-
gebenenfalls verhindern?".
Das Leitbild für die Untersuchung und die Zielsetzung ist die Entwicklung einer
Unternehmensethik. Im wissenschaftlichen Diskurs wird dies mit Corporate Social
Responsibility (CSR) bezeichnet. CSR verlangt verantwortliches Handeln in allen
Geschäftsbereichen, insbesondere im Umgang mit Kunden und Mitarbeitern. Ban-
ken sollten sich ihrer Rolle in der Gesellschaft bewusst werden und entsprechend
agieren. Die Anforderungen der CSR gehen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus.
Je nach Interessengruppe hat der Diskurs über dieses Thema eine differenzierte Fo-
kussierung auf soziale oder ökologische Themen. Von Unternehmensseite wird eine
solche Unternehmensethik klassisch zuerst als Kostenfaktor betrachtet. Diese Arbeit
stellt die Hypothese auf, dass CSR nicht nur die Gesamtwohlfahrt positiv beeinflusst,
sondern auch die ökonomische Effizienz erhöhen kann. Neben der theoretischen Be-
trachtung werden praktische Anwendungen diskutiert.
Problematische Geschäftspraktiken können zu Marktversagen aufgrund von In-
formationsasymmetrien und durch Ausnutzen der stärkeren Marktstellung führen.
Die Banken sind in der Prinzipal-Agenten-Theorie der besser informierte Agent und
steht dem schlechter informierten Prinzipal in Form des Kunden gegenüber.
2
Sind
die Marktkräfte in der Lage eigenständig Marktversagen zu verhindern und zu einem
Pareto-Optimum zu gelangen, so spricht man von einer First-Best-Lösung. Wenn da-
zu Eingriffe durch die staatliche Regulierung nötig sind, so spricht man von einer
Second-Best-Lösung, da durch diese Eingriffe Kosten und Ineffizienzen entstehen.
3
Zielsetzung dieser Arbeit ist nach einer eingehenden Untersuchung der Geschäftsprak-
tiken im Privatkundengeschäft von Banken und Sparkassen und einer eigenen empi-
rischen Untersuchung Handlungsempfehlungen abzuleiten, um Marktversagen auf-
zulösen und Effizienzsteigerungen zu realisieren.
2
Vgl. Schäfer, H.-B./Ott, C., Lehrbuch der ökonomischen Analyse des Zivilrechts, 4. Auflage. Sprin-
ger, Berlin/Heidelberg, 2005, S. 636-638 und Spremann, K., Agent and Principal, in: Bamberg, G./
Spremann, K. (Hrsg.), Agency Theory, Information, and Incentives, Springer, Berlin/Heidelberg,
1987, S. 3-37.
3
Vgl. Kleinewefers, H., Einführung in die Wohlfahrtsökonomie: Theorie - Anwendung - Kritik,
Kohlhammer, 2008, S. 162.
2
1.2. Gang der Untersuchung
Für ein einleitendes Verständnis der allgemeinen Zusammenhänge auf dem deut-
schen Bankenmarkt folgt unter Gliederungspunkt 2 eine Betrachtung der volkswirt-
schaftlichen Funktion von Banken. Die Rolle der Banken und die spezifischen Tätig-
keiten in den Geschäftsfeldern Anlageberatung und Kreditvergabe werden definiert.
Außerdem wird ein aktueller Bezug zur derzeitigen Marktsituation und dem Stand
der Regulierung hergestellt.
Unter Gliederungspunkt 3 werden Geschäftspraktiken der Banken dargestellt. Den
Ausgangspunkt stellt die Vertriebsstrategie für die Gesamtbank dar. Darauf auf-
bauend folgt eine Darstellung der spezifischen Geschäftspraktiken der Tätigkeits-
felder Anlageberatung und Kreditvergabe. Da die operative Ausgestaltung der Ge-
schäftstätigkeit den Mitarbeitern der Bank obliegt, werden im Anschluss Methoden
im Umgang mit den Bankmitarbeitern dargestellt. Die Untersuchung stützt sich auf
Literaturquellen, eine eigene empirische Untersuchung und qualitative Berichte über
einzelne Sachverhalte.
Die Darstellung der Geschäftspraktiken bildet die Grundlage für die kritische Be-
wertung in Abschnitt 4. Die individuelle Problematik der einzelnen Geschäftsprak-
tiken der Banken wird erörtert und das Anlagegeschäft, das Kreditgeschäft und der
Umgang mit Mitarbeitern werden unter wohlfahrtstheoretischen Effizienzkriterien
bewertet. Es wird diskutiert, welche Aspekte zu Marktversagen beitragen und wel-
che dieses verhindern können.
In Abschnitt 5 werden die Ergebnisse der kritischen Betrachtung aus dem vor-
hergehenden Abschnitt aufgenommen und Handlungsempfehlungen zur Auflösung
von Ineffizienzen verdeutlicht. Effizienzsteigerungen können durch Interaktion der
beteiligten Akteure Staat, Konsument und Bank hergestellt werden, deshalb wird
dieser Gliederungspunkt in diese drei Ebenen differenziert. Laut der ökonomischen
Analyse des Rechts sind Regulierungen seitens des Staates nur gerechtfertigt, wenn
Marktversagen vorliegt. Wie im vorhergehenden Abschnitt gezeigt, liegt Marktver-
sagen vor, darum werden in Abschnitt 5.1 Handlungsempfehlungen für die staatli-
che Regulierung gegeben. Eingriffe seitens des Staates führen aber immer zu einer
Second-Best-Lösung. Eine First-Best-Lösung kann nur durch das reine Wirken der
Marktkräfte entstehen. Deren Akteure sind die Konsumenten und Banken. In den
Abschnitten 5.2 und 5.3 werden Handlungsempfehlungen für diese aufgezeigt.
Abschnitt 6 fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen, um darauf aufbauend Im-
pulse für eine Beobachtung und weitergehende Untersuchung dieses Themengebietes
zu geben.
3
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