S.Brüning Die Wasserkrise im Nahen Osten 2010/2011
Kurzfassung
Durch die natürliche aride Klimabegebenheit herrscht im Nahen Osten eine ausgeprägte Wasserknappheit vor. Verstärkt durch stetige Wasserverschwendung entsteht die Wasserkrise, ein Zustand des akuten Wassermangels. Die Wasserverschwendung wird insbesondere durch veraltete Bewässerungstechniken im primären Sektor, aber auch durch nicht Instand gehaltene Wasserleitungen verursacht. Die betroffenen Staaten versuchen nun das Wasserdargebot zu erhöhen und alle möglichen Quellen auszunutzen. Hierbei treffen sie jedoch oft auf internationale Gewässer wie z.B. den Jordan, den gleich mehrere Nationen als natürliche Wasserquelle nutzen. Es tut sich die Wasserfrage auf, in der entschieden wird, welcher Nation wie viel Wasser zusteht, damit eine sog. „win-win Situation“ entsteht. Durch mangelnde Kommunikation und einer vorbelasteten Vergangenheit kommt es hierbei oft zu einem Konfliktpotential und Streitigkeiten um das Wasser.
Ein solcher Konflikt herrscht insbesondere zwischen den Staaten Jordanien, Israel und den Palästinensern. Durch den Sechs Tage Krieg 1967 konnte sich Israel große Gebiete und Wasserressourcen sichern, die den Nachbarländern nun fehlen. Israel nutzt diese hydrologischen Ressourcen vor allem für den primären Sektor, um in einigen Jahren von Nahrungsmittelimporten unabhängig zu sein. Die Folge ist ein gigantischer Wasserverbrauch. Israel versperrt den Palästinensern den Zutritt zu den Wasservorräten, um Sie zu unterdrücken und zu vertreiben. Jedoch währt die ewige Quelle nicht immer, schon heute sind viele Quellen völlig übernutzt und nicht mehr verfügbar. National und international wird nach Lösungen und Versorgungssysteme gesucht, die nachhaltig arbeiten und auf lokalem Wissen und Ressourcen basieren.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Die Wasserkrise 5
2.1 Ursachen 5
2.1.1 Wasserknappheit 6
2.1.2 Watermismanagement 6
2.1.3 Mangelnde Kommunikation 7
2.2 Brennpunkte der Wasserkrise 8
2.2.1 Jordanien 8
2.2.2 Israel 9
2.2.2.1 Die besondere Problematik der Palästinenser 12
2.3 Wasser - Kriegsentfacher oder Friedensstifter? 14
2.4 Lösungsansätze und mögliche Verbesserungen 16
2.4.1 Konventionelle Methoden 17
2.4.2 Unkonventionelle Methoden 17
2.4.3 Stand der Planungen 18
2.5 Politische Maßnahmen gegen die Wasserkrise 19
3. Fazit 20
4. Anhang 21
4.1 Materialien 22
4.2 Literaturverzeichnis 27
4.3 Quellenverzeichnis 28
3
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1. Einleitung
„Alle Menschen haben das gleiche Recht auf Trinkwasser, in einer Menge und Qualität, die ihren Bedürfnissen genügt. Bis zum Jahr 2000 werden alle Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben“. 1
Mit diesen Worten beendeten die Vereinten Nationen im Jahr 1977 die erste Wasserkonferenz in Mar del Plata. 1981 wurde dieses Ziel noch weiter ausformuliert. Demnach sollten zusätzlich bis zum Jahre 2000, laut der WHO, alle Menschen Zugang zu sanitären Einrichtungen haben. 2
Diese Ziele wurden jedoch bis heute bei weitem nicht erreicht. schätzungsweise über eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, eine noch größere Zahl hat keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen. Bleiben die Aktionen weiterhin so aussichtslos steigen diese Zahlen bis 2025, laut UN Schätzungen, auf rund 2,5 Milliarden². Das wären rund 40% der Weltbevölkerung. Parallel dazu steigt die Sterberate infolge von durch schmutziges Wasser übertragenen Infektionen. Die meisten Opfer davon sind Kinder unter fünf Jahren.
Der Weltwasserentwicklungsbericht 3 vergleicht die Zahl der Todesopfer von Kindern mit 20 Jumbojets, die jeden Tag abstürzen, ohne Überlebende zu hinterlassen. Dieser drastische Vergleich zeigt den Ernst der Wasserkrise.
1984 untersuchte eine Studie der amerikanischen Universität in Michigan die Bewässerungstechniken des Nahen Ostens sowie die Wasserpolitik und die Verteilung dieser Ressourcen. 4 Aufgrund des katastrophalen und verschwenderischen Umgangs mit dem „Blauen Gold“ kam man zu dem Schluss: „Es ist eine menschengemachte Krise, die mit natürlichen Ursachen nichts zu tun hat“ 4
In vielen Regionen der Erde fühlen sich die Menschen von ihrer Regierung im Stich gelassen und kämpfen ums Überleben. Ein neuerliches Scheitern solcher politischen Ziele, wie die obigen, wäre ein starker Rückschlag für die Glaubwürdigkeit der Staaten sowie für die Bekämpfung der Not und der Armut.
1 UN 1977, entnommen aus MISEREOR, Die globale Wasserkrise, 2007
2 MISEREOR, Die globale Wasserkrise, 2007
3 Weltwasserentwicklungsbericht 2003, UNESCO
4 Peter Barth, Krieg um Wasser?. Wasserkonflikte im Nahen und Mittleren Osten, 1994
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Durch das fehlende Vertrauen und das Gefühl „für sich alleine sorgen zu müssen“ 5 entsteht das eigentliche Konfliktpotential, das die Wasserkrise mit sich bringt. Die Schwierigkeiten der Verteilung der verbleibenden Wasserressourcen unter Staaten, Völkern, Stämmen und Nachbarn katalysiert die Krise und ihr mögliches Gewaltpotential.
Historisch gesehen wurde bisher noch nie ein Krieg rein aus hydrologischen Motiven geführt, doch diese Aussagen bestreiten mittlerweile mehrere Experten. Die folgende Facharbeit beschäftigt sich mit den Ursachen, möglichen Lösungen sowie Prognosen der Wasserkrise. Ebenso werden die Wasserpolitik und -konflikte in Jordanien, Israel und in Palästina kritisch verglichen. Zusätzlich untersucht diese Facharbeit die Frage, ob es in Zukunft zu einem gewaltsamen Ausbruch zur Verteidigung der Wasserressourcen kommen wird, bzw. ob das Wasser im Nahen Osten die Position des Friedensstifters oder des Kriegsentfachers einnimmt.
2. Die Wasserkrise
Die Wasserkrise bezeichnet einen langwierigen bis hin zu akuten Zustand des Wassermangels. Diese Situation herrscht vor allen in ariden und semi-ariden Gebieten der Welt vor. Die natürlichen Faktoren der Wasserknappheit werden zusätzlich noch durch Wasserverschwendung und ungeschickte Landnutzung verstärkt. Ein besonders kritischer Fall herrscht vor, wenn Wassermangel auf extremes Bevölkerungswachstum trifft. In den folgenden Kapiteln werden die Ursachen, Brenn- und Konfliktpunkte und mögliche Lösungen der Wasserkrise erörtert.
2.1 Ursachen
Auslöser der Wasserkrise sind eine nicht ausreichende Wasserversorgung für die betreffende Bevölkerung und eine problematische Wasserpolitik seitens der zuständigen Regierungen. Die fehlende Kommunikation der Konfliktpartner, betreffend die Aufteilung der Wasserressourcen, verschlechtert die Lage noch zusätzlich.
5 Klaus Polkehn, Krieg um Wasser?, 1992
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2.1.1 Wasserknappheit
Im Nahen Osten haben etwa 85 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser 6 . Unter „keinem Zugang“ versteht man eine Wasserquelle, die in mehr als 1 Kilometer Entfernung liegt, so dass über 30 Minuten Hin- und Rückweg zu Fuß benötigt werden (siehe Material 4.1 (Anhang)). Die verfügbare Wassermenge in solchen Gebieten liegt pro Kopf und Tag bei 5 Litern, meist jedoch weniger. Dadurch kann eine ausreichende Wasserversorgung, eine gesunde Hygiene sowie eine allgemeine Grundversorgung nicht gewährleitet werden. Aufgrund des akuten Mangels bedient sich die Bevölkerung an schmutzigem Wasser, welches schwerwiegende Krankheiten mit sich bringt. So sind 80 Prozent aller Krankheiten in Entwicklungsländer auf schmutziges Wasser zurückzuführen (u. a. Diarrhöe, Malaria, Typhus) 7 .
Der tatsächliche Wassermangel wird v. a. durch folgende Faktoren verursacht:
• Arides Klima in der geographischen Umgebung
• Desertifikation
• Bevölkerungswachstum und der damit steigende Wasserverbrauch • Verschmutzung, Verschwendung der verbleibenden Wasserressourcen • Erhöhung des Wasserbedarfs für den primären und sekundären Sektor
2.1.2 „Watermismanagement“ 8
Aufgrund der fehlenden Geldmittel von Entwicklungsländern kann der Staat meist nicht die benötigte Infrastruktur für die Wasserleitungen bereitstellen. Viele Siedlungen sind nicht an das Wassernetz angeschlossen, falls ein solches überhaupt vorhanden ist, und damit auf sich alleine gestellt.
In solchen Fällen fehlt es vor allem an Pumpen und an Wasserreservoiren, die eine allgemeine Wasserknappheit verhindern könnten (siehe 2.5).
6 Stand 2008, World Health Organization
7 MISEREOR, Die globale Wasserkrise, 2007
8 Begriff aus: Chadi Bahout, Der Konflikt um Wasser in Israel und Palästina, 2010
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Ein weiterer Punkt ist die problematische Verteilung von hydrologischen Ressourcen zwischen dem primären und sekundären Sektor sowie der Bevölkerung. Da z. B. die Landwirtschaft einen Großteil des Wassers für die Bewässerung der Felder verbraucht, bleibt in speziellen Fällen die Bevölkerung auf der Strecke. 9 Weil außerdem in den meisten Entwicklungsländern die Nachfrage nach Wasser das Angebot bei weitem übersteigt, ist eine ökologisch nachhaltige Entnahme von Wasser besonders wichtig 10 . Durch den ständigen Verbrauch werden z. B. Grundwasserreserven extrem übernutzt, sodass der Grundwasserspiegel absinkt. Im Extremfall kann es passieren, dass diese Reservoirs wegen Übernutzung austrocknen, was die Lage vor Ort weiter verschlechtert.
2.1.3 Mangelnde Kommunikation
Wasserreservoirs befinden sich sehr häufig in internationalen Gebieten/Gewässern, wodurch es ständig zu Spannungen zwischen benachbarten Staaten und Stämmen kommt. Deshalb sind vor allem erfolgsorientierte Verhandlungen und eine ausreichende
Kommunikation zwischen den Konfliktpartnern nötig, die jedoch oft mangelhaft erscheint 11 . Verschiedene Religionen, Sprachen und Kulturen sowie ein historischer Hintergrund verschlechtern die Situation zusätzlich.
In der Grafik (siehe Mat. 4.2) kann man den allgemeinen Ablauf eines akuten Wassermangels mit einem friedlichen oder gewaltbereiten Ende erkennen. In der Grafik geht man von 2 Modellen aus:
Zum einen Wassermangel durch geographische und klimatische Ursachen (siehe 2.1.1), zum anderen Wassermangel aufgrund einer unzulänglichen Wasserpolitik (s. 2.1.2). Verbessert man das Wassermanagement und/oder erschließt man neue Quellen, um den Wassermangel zu verhindern, kommt man zu einer friedlichen Lösung. Gelingt dies nicht, entsteht ein Gewaltpotential.
9 Klaus Polkehn, Krieg um Wasser? 1992
10 Henning Thobaben, Der Wasserkonflikt im Jordanbecken, 2007
11 Klaus Polkehn, Krieg um Wasser?, 1992
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Sebastian Brüning, 2011, Die Wasserkrise im Nahen Osten, München, GRIN Verlag GmbH
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