1. Einleitung
1.1 Geschichte des Stierkampfs
Bereits bei prähistorischer Höhlenmalerei in Spanien lassen sich sehr viele Zeichnungen von Stieren finden. Diese sind teilweise bereits so gestaltet, dass sich aus der Konstellation von Tieren und Menschen bereits eine frühe Form des Stierkampfes vermuten lässt. Viele Historiker sehen den Ursprung für die starke Bedeutung des Tieres darin, dass man die Form seiner Hörner mit dem aufgehenden Mond assoziierte. Der Stier wurde teilweise als „Künder neuen Lebens“ gefeiert und durch den Sprung über seinen Rücken, so glaubte man, überspringe man auch „die auf das Leben limitierte Zeit“. Das Töten des Tieres war letztlich ein Zeichen gesteigerter Freude. 1
Der Stierkampf oder auch „corrida de toros“, so wie er in Spanien genannt wird, ist an sich aber nicht älter als circa 300 Jahre und wird außer in Spanien noch in Südfrankreich, Lateinamerika und Portugal zelebriert.
Bullfighting, national sport and spectacle of Spain. Called the corrida de toros in Spanish, the bullfight
takes place in a large outdoor arena known as the plaza de toros. The object is for one of the bullfighters
2 (toreros)-the matador-to kill a wild bull, or toro, with a sword.
Ihren Ursprung hat die corrida in der Verehrung des Stieres, die seit der Antike in vielen Kulturen existiert, erinnert sei an den Minotaurenkult auf Kreta. Der Stier gilt als ein sehr starkes und kraftvolles Geschöpf und verkörpert natürlich auch für viele Männlichkeit. Dies ist darauf zurückzuführen, dass für die Spanier, wie auch für viele andere Völker, der Sitz und die Größe der Testikel als ein Zeichen von Mut gedeutet werden können. So werden der Mut und die Stärke des Stiers an der Größe seiner Hoden gemessen. Daher kommt auch der spanische Ausdruck „tener cojones“, was soviel bedeutet wie „Mut haben“. 3 Noch heute werden deshalb in Spanien die Toreros, d.h. die Teilnehmer eines Stierkampfes, bzw. die, die es mit dem starken Stier aufnehmen, als Helden gefeiert. Ein „Matador de toros“, ein Stiertöter, beginnt seine Karriere als „Novillero“ und kämpft nur gegen Jungtiere. Wenn dieser genug Kampferfahrung hat und viele corridas bestritten hat, kann er in einer speziellen Zeremonie in das Amt des Matadors erhoben werden. Die Madrider „Escuela de tauromaquia“ (Stierkampfkunst) nimmt pro Jahr circa einhundert Schüler zur vierjährigen Ausbildung zum Torero auf. Diese bekommen dann am Ende ihrer Ausbildung bis zu 50000
1 Vgl.: Braun, Karl (1997): Der Tod des Stieres. München: C.H.Beck, 87ff.
2 http.//www.encyclopedia2.thefreedictionary.com/bullfighting (Abruf: 22.09.2009)
3 Vgl.: Hanisch, Wilhelm (1931): Stierkampf und Sprache. Marburg a.d. Lahn: Universitäts-Buchdruckerei, 29.
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Euro pro corrida und werden als Nationalhelden gefeiert. 4 Schauplatz einer corrida ist eine Art Arena, die „plaza de toros“. Heute gibt es in Spanien in fast jeder größeren Stadt eine solche plaza de toros. Der Stierkampf ist ein Spektakel, das meistens am Wochenende oder an Feiertagen stattfindet. Obwohl der größte Teil der lateinamerikanischen und spanischen Bevölkerung aus „aficionados“, d.h. begeisterten Anhängern der Tauromaquia besteht, gibt es auch immer mehr „anti-taurinos“, nämlich Gegner des Kults um den Stierkampf. Das rührt vor allem daher, dass der Stier während einer corrida brutal getötet und bereits vor Beginn des Kampfes tagelang gequält und geschwächt wird. Dieses kontroversen Positionen gab es nicht immer. Früher war der Stierkampf in Spanien für die Monarchie von großem Nutzen, denn dadurch konnte sie dem Volk ein großes Spektakel bieten, was es vor allem von dem herrschenden Elend durch die feudalistische Ausbeutung im Land ablenkten sollte. Das Volk verehrte die Matadore, die den tapferen und starken Stier töteten. Zu Zeiten des Bürgerkriegs entwickelten sich die kontroversen Ansichten, denn während die republikanische Regierung die corrida in großen Teilen des Landes verbot, genossen viele toreros die Gunst der Faschisten unter der Führung von Franco. Von den Einnahmen zahlreicher Wohltätigkeitsstierkämpfe fütterte man oft die Kriegsmaschinerie und berühmte toreros wie Lalande und Manolete stiegen für Franco in die Arena. Besonders im ursprünglich republikanischen Katalonien sorgten die Faschisten dafür, dass die Stierkämpfe problemlos durchgeführt werden konnten. Deshalb haben auch noch heute die corridas besonders in dieser Region einen schlechten Ruf und verkörpern für die Bevölkerung die faschistische Unterdrückung. Viele Stierkampfarenen sind infolge des mangelnden Enthusiasmus der Bevölkerung dort bereits geschlossen. 5
Besonders die Tauromaquia und deren Bedeutung für die Bevölkerung zur Zeit des Francoregimes sollen in folgender Ausführung im Fokus stehen. Dazu wird die Darstellung des Stierkampfes in dem Film Los golfos von Carlos Saura und in der Kurzgeschichte El doble von Jesus Fernandez Santos betrachtet.
4 Müller, Ute (2006): Stierkampf. Blutiges Milliardengeschäft.
http://www.welt.de/wirtschaft/article1006164/Butiges_Milliardengeschaeft.html (Abruf: 18.09.2009)
5 Vgl. http.//www.stop-corrida.info (Abruf: 20.09.2009)
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2. Hauptteil
2.1 Los golfos von Carlos Saura
Die Anfänge des Films in Spanien begannen mit der Einführung des Cinematographe, eines Apparates der Filmkamera, Kopiergerät und Filmprojektor in einem war und der von, den Gebrüdern Lumiere im Jahre 1896 entwickelt wurde. Der Stummfilm-Ära, in der hauptsächlich literarische und historische Werke verfilmt wurden, folgten ab 1929 auch Tonfilme. In der Franco-Ära, ab 1939, sollte der Film vor allem das Regime unterstützen. Man besann sich rück auf das traditionell „Spanische“ und die Filme sollten vor allem authentisch sein. Daher bediente man sich zu dieser Zeit gerne Laienschauspielern. Typische Themen für Filme waren u.a. Stierkampf und Religion. Die strengen staatlichen Zensurmaßnahmen wurden mit Beginn der 50er Jahre etwas liberalisiert und so konnten Regisseure wie Carlos Saura mit Filmen debütieren, die zeitgenössische Kritik zum Inhalt hatten. 6
Carlos Saura wurde 1932 in Aragon geboren und ist nach Luis Buñuel einer der erfolgreichsten spanischen Filmregisseure. Er drehte vor allem sehr kritische Filme und es „war ihm trotz der starken Zensur möglich, Filme zu drehen, die der Ideologie des Diktators keineswegs entsprachen“. 7 Seinen Film Los golfos (deutscher Titel die Straßenjungen) von 1959, drehte er ausschließlich mit Laiendarstellern.
2.1.1 Kurze Wiedergabe des Inhalts von Los golfos
Im Wörterbuch findet man als Synonym für „golfo“ z.B. „vagabundo“. Desweiteren wird erklärt: „Puede tener sentido benévolo, aplicado a la persona hábil para engañar o para atraerse la simpatía de otros”. 8 Daher bezeichnet Ruppe die gesellschaftliche Interpretation eines „golfo“, also eines Straßenkindes oder Strolches, in Spanien (zumindest heute) als eher sympathisch und meint, man begegne solchen Menschen mit „augenzwinkernder Nachsicht“ 9
6 Vgl.: http//www.encarta.msn.com/encyclopedia_721545563/Spanischer_Film.html (Abruf: 15.09.2009)
7 Galán, Diego (1981): Realist- wie Goya. Carlos Sauras Stellung in der Entwicklung des spanischen Films. In:
Reihe Film. Carlos Saura 26, 1981: 7.
8 Moliner, María (1994): Diccionario de uso del español. A-G. Madrid: Gredos.
9 Ruppe, Sebastian (1999): Carlos Saura und das spanische Kino. Zeitkritik im Film: Untersuchungen zu Los
Golfos (1959) und Deprisa, deprisa (1980). Berlin: tranvía. 44.
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Die golfos Manolo, Juan, Paco, el Chato, Ramón und Julián sind sechs Freunde, die im Randbezirk von Madrid in sehr ärmlichen Verhältnissen wohnen. Im Grunde genommen denkt Carlos Saura mit diesem Spielfilmdebüt über den sozialen Aufstieg der sechs Freunde nach, die „durch ihren Zuwanderstatus, ihre mangelnde Ausbildung und die Dürftigkeit ihrer materiellen Mittel vor einer unklaren, mit dem Franquismus im Hintergrund wenig hoffnungsfrohen Zukunft („árbol sin fruto“) stehen“ (Ruppe 1999: 41). Im Gegensatz zu seinen Freunden, die ihr Geld mit Diebstählen verdienen, arbeitet Juan als Lastenträger auf einem Markt; aber sein großer Traum ist es, einmal torero zu werden, und dafür gibt er auch sein ganzes Geld aus. Auf einer kleinen „Plaza de toros“ übt er immer im Beisein seiner Freunde. Zur Verwirklichung seines Traums, einmal in einer echten corrida zu überzeugen, fehlt es ihm allerdings an finanziellen Mitteln. Daher schließen sich die Freunde zusammen und wollen durch organisierte Diebstähle das Geld für Juan erbeuten. Doch Paco wird von einem Taxifahrer, den er zuvor bestohlen hat, erkannt und stirbt bei der Verfolgung. Zusätzlich zu diesem bitteren Verlust muss Juan in die Arena steigen; seine erste corrida, die eigentlich sein Leben verändern sollte, wird zu einem Fiasko: „Unter den höhnischen Zurufen der Zuschauer stirbt der Stier einen langsamen Tod“ (Ruppe 1991: 41). Obwohl der Schluss offen bleibt, geht der Zuschauer davon aus, dass die Polizisten am Zaun auf die golfos warten.
2.1.2 Die Darstellung des Stierkampfes in dem Film
Der Stierkampf wird auf der einen Seite in dem Film verherrlicht und idealisiert, aber man kann auch die Schattenseiten des Spektakels aus Sicht des torero Juan erkennen. Der Stier wird als Tier von der Bevölkerung verehrt. Dies wird während des Films besonders deutlich, wenn Szenen innerhalb von Häusern spielen. Dort hängen zumeist an den Wänden Bilder von Stieren, die fast schon götterähnlich dargestellt werden. Ein Beispiel hierfür wäre die Szene, in der Juan nach Hause kommt und die Wohnung seiner Mutter betritt. Die Kamera schwenkt durch den Raum und man sieht sehr deutlich ein solches Gemälde an der Wand hängen. Damit wird auch indirekt erklärt, wie Juans große Vorliebe für diesen Sport, entstanden ist, nämlich durch die traditionellen spanischen Vorstellungen in seinem Elternhaus.
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Arbeit zitieren:
Michelle Becker, 2009, Repräsentation von Stierkampf in los golfos und el doble, München, GRIN Verlag GmbH
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