1
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 2
2 EXEGETISCHE BETRACHTUNGEN ZU MT 5,32 (BZW. MT 19,9) 4
2.1 Textvergleich von Mt 5,32 und Mt 19,9. 4
2.2 Exegetische Betrachtungen zu Mt 5,32 als Grundlage beider Matthäustexte. 5
2.1.1 Beobachtungen zur Interpretation von Dt 24,1-4. 5
2.1.2 Die Bedeutung von RQTPGK Cin Mt 5,32 (bzw. 19,9) 7
2.1.3 Der syntaktische Zusammenhang von OJ GX RK RQTPGK C in Mt 19,9 8
3 EXEGETISCHE BETRACHTUNGEN ZU 1. KOR 7,15 12
3.2 QWX XFGFQW NYVCKals ausschließlich „frei zur Scheidung“ 13
3.3 QWX XFGFQW NYVCKals „frei zur Wiederverheiratung“ 15
4 SCHLUSS 17
BIBLIOGRAPHIE 18
2
1 EINLEITUNG
Die Ehe ist eine Institution Gottes, die in den Schöpfungsordnungen und in der Ebenbildlichkeit Gottes im Menschen begründet liegt (Gen 1,27, 2,24; Mt 19,5-6). Somit ist sie für den Menschen eine gottgewollte und notwendige Lebensform, ohne die der Mensch nicht leben kann. Die Theologische Realenzyklopädie beschreibt die Bedeutung der Ehe für den Menschen wie folgt:
Es lässt sich darlegen, dass die Ehe der dauerhaften Begegnung, wechselseitigen Lebensbereicherung und vertieften menschlichen Erfahrung der Ehepartner dient […] für die Ehepartner [bietet sie] einen stützenden, stabilisierenden Lebensrahmen, durch den ihre Beziehung nach innen und nach außen hin auf eine dauerhafte, verlässliche, Kontinuität vermittelnde Grundlage gestellt wird 1 .
Wenn es zum Bruch dieser Ehe kommt, hat das schwerwiegende Folgen für beide Ehepartner 2 . Die Komplexität der heutigen Ehesituation 3 auch in Deutschland stellt eine große Herausforderung an die Gemeinde Jesu dar. Trotz des ausdrücklichen Widerspruchs zu Gottes Willen (Mal 2,16) ist auch für Christen Ehescheidung und Wiederverheiratung zur Realität geworden. Daraus ergeben sich zum Teil sehr schwierige seelsorgerische Probleme. Die pastoralpraktischen Fragen wie biblische Unterweisung, Ehevorbereitung, Versöhnung, Betreuung von geschiedenen und wiederverheirateten Paaren sind enorm. Aber auch diese benötigen ein biblisches Fundament, damit sie nach dem Willen Gottes beantwortet werden können. Das Ziel dieser Arbeit ist es nicht auf speziell seelsorgerliche Fragen einzugehen. Es wird der Versuch gewagt, durch die exegetische Betrachtung einzelner Bibelstellen zu einer Antwort in Fragen der Ehescheidung und Wiederverheiratung zu kommen. Sicherlich kann man nicht anhand dieser drei Stellen in Mt 5,32; 19,9 und 1. Kor 7,15 eine gesamtbiblische Betrachtung von Ehescheidung und Wiederverheiratung erwarten. Aber gerade die Aussage Jesu in den Matthäusstellen und die des Paulus in 1. Kor 7,15 führen immer wieder als Anlass vieler Diskussionen und unterschiedlicher Meinungen. Auf Grund der Fülle der geschriebenen Artikel und Bücher im christlichen, speziell evangelischen und evangelikalen Bereich wird es im Um-
1 Hartmut Kreß, „Ehe IV.Systematisch-theologisch 1.Evangelisch“, RGG 2, 1079-1080, 1079.
2 Siehe dazu Helmuth Egelkraut. Ehe, Ehescheidung, Wiederverheiratung. Eine ethisch-seelsorgerliche Handreichung. Unkorrigiertes Manuskript. Korntal: AWM, 2007.
3 Das Statistische Bundesamt Deutschland berichtet, dass 2003-2005 über 200 000 Ehen geschieden wurden. 1952-1968 waren es noch unter 100 000. Man kann aus solchen Zahlen keine direkte Schlussfolgerung ziehen, aber die Tendenz, dass immer weniger Ehen in den letzten 5 Jahrzehnten geschlossen werden und immer mehr geschlossene Ehen sich scheiden lassen ist klar zu erkennen. In http://www.destatis.de/indicators/d/lrbev06ad.htm; Internet; angewählt am 13 April 2007.
3
fang dieser Arbeit nicht möglich sein, auf all diese einzugehen. Es zeigt sich an der Anzahl von Schriften und Meinungen, dass es ebenso nicht einfach ist, eine Antwort zu finden.
Diese Arbeit hat somit das Ziel, Mt 5,32; 19,9 und 1. Kor 7,15 exegetisch-theologisch zu betrachten, die grundlegenden Unterschiede der Interpretationen aufzuzeigen und wo möglich zu Schlussfolgerungen zu gelangen. In der Exegese können nicht alle Beobachtungen be-handelt werden. Es sollen vor allem diejenigen dargestellt werden, die in Bezug zum Thema der Ehescheidung und Wiederverheiratung, vor allem in der aktuellen Diskussion, wichtig sind. Somit werden die folgenden exegetischen Beobachtungen der Matthäusstellen und der Korintherstelle mit dieser Perspektive betrachtet. Die Exegese beginnt mit den beiden Stellen im Matthäusevangelium.
4
2 EXEGETISCHE BETRACHTUNGEN ZU MT 5,32 (BZW. MT 19,9)
Bevor der Text näher gehend betrachtet wird, erweist sich folgender Textvergleich als hilfreich.
2.1 Textvergleich von Mt 5,32 und Mt 19,9
Die Textstelle in Mt 5,32 ist der in Mt 19,9 sehr ähnlich. Folgende Tabelle stellt die einzelnen Versteile gegenüber:
Es zeigt sich, dass bei beiden Teilen der Verse die Verben sowie die Substantive in ihrer Grundform übereinstimmen. Die einzige Abweichung ist der Ausdruck RQKGK OQKEGWSJ PCK in Mt 5,32 gegenüber OQKEC VCKKin Mt 19,9. Auch der Satzaufbau in Haupt- und Nebensatz ist in beiden Bibelstellen gleich. Ein noch zu beachtender Unterschied findet sich im zweiten Teil der Verse, in denen RCTGMVQ LNQ IQWRQTPGK CLin Mt 5,32 und OJ GX RK RQTPGK C^ in Mt 19,9 verwendet wird.
Als Grundlage für die exegetische Betrachtung soll Mt 5,32 dienen, da der dritte Teil, wie in der Fußnote erklärt, klar zu definieren ist. Bei kritischen Fragestellungen und wichtigen Abweichungen werden beide Texte betrachtet. Im nächsten Punkt kommt es zur näheren Textbetrachtung.
4 In Mt 19,9 ist umstritten, ob der dritte Teil des Satzes wie oder ähnlich wie in Mt 5,32 vorhanden ist. Dieses textkritische Problem ist nicht einfach zu lösen. The Greek New Testament herausgegeben von Barbara Aland, Kurt Aland u. a. lässt einen dritten Teil im geschriebenen Text draußen und zeigt die verschiedenen Möglichkeiten in der Fußnote 3 und 4. Vor allem die Diskussion in Fußnote 4 ist für das Thema dieser Arbeit interessant. Es besteht durch viele und/oder gewichtige Textzeugen begründet die Möglichkeit nach OQKEC VCKK bzw. OQKEGWSJ PCK den Zusatz MCK QB B CX RQNGNWOG PJP [bzw. YB UCW VYL MCK QB IC OY PPCX RQNGNWOG PJP]ICOJ UCL[bzw. IC OY P] OQKEC VCKKim eigentlichen Text zu sehen. In Aland, Barbara, Aland, Kurt, Kraravidopoulos, Johannes. The Greek New Testament. Forth Revised Edition (Nördlingen: Deutsche Bibelgesellschaft, United Bible Society), 71. Da diese Diskussion nicht in Mt 5,32 zu sehen, sondern der 3. Teil dort klar definiert ist, muss für den Zweck dieser Arbeit nicht näher auf die textkritische Auseinandersetzung eingegangen werden. Wenn durch den dritten Teil dieses Verses Unterschiede in der Schlussfolgerung für Ehescheidung und Wiederverheiratung zu sehen sind, wird es im laufenden Text der Arbeit erwähnt.
5
2.2 Exegetische Betrachtungen zu Mt 5,32 als Grundlage beider Matthäustexte
GX IY FG NG IYWB OK PPQ= VKKRC LLQB BCX RQNW YPPVJ PPIWPCK MCCWX VQW RCTGMVQ LLNQ IQWRQTPGK CLL RQKGK CWX VJ PPOQKEGWSJ PCKMCK Q? LLGX C PPCX RQNGNWOG PJPICOJ UJ^ OQKEC VCK Ich aber sage Euch, dass jeder, der seine Frau scheidet (entlässt), außer wegen Unzucht, der macht, dass mit ihr Ehebruch begangen wird, und wenn jemand eine Geschiedene heiratet, begeht er Ehebruch.
Jesus setzt in der Bergpredigt einen Gegensatz zu dem vorher Gesagten. Dies wird betont durch den Ausdruck GX IY FG NG IYWB OK P. In V.31 greift er die Aussage aus Dt 24,1-4 auf, in der steht, dass einer geschiedenen Frau ein Scheidebrief gegeben werden soll. Jesus gibt Ant-wort auf eine falsche Interpretation der damaligen Phariäser. Über das Verständnis der damaligen Interpretationsschulen soll ein genauere Untersuchung Aufschluss geben, um dann die eigentliche Bedeutung des Textes in Dt 24,1-4 zu erschließen.
2.1.1 Beobachtungen zur Interpretation von Dt 24,1-4
Strack und Billerbeck zeigen, dass unter den Schriftgelehrten der damaligen Zeit verschiedene Interpretationen des in Dt 24,1 stehenden UE ' WZ U! > (übersetzt: etwas Anstößiges,
Schandbares) gab 5 . Die Schule Schammais vertrat im Gegensatz zur Schule Hillels den strengeren Standpunkt. Die Schule Schammais hat eine Ehescheidung nur dann für zulässig erklärt, wenn sich die Frau etwas Schandbares, d. h. Unzuchtssünde, hatte zuschulden kommen lassen. Die Schule Hillels erweitert dies, da UE ' WZ U! > als „Schandbares und sonst irgendetwas“ gedeu-
tet wurde. Dies führte für diese Schule schon zu Scheidungsgründen, wenn die Frau die Speise hat anbrennen lassen oder der Mann eine andere als schöner empfand 6 . Dieser anscheinende Interpretationspielraum stand im Mittelpunkt der zeitgenössischen jüdischen Debatten 7 . Dies zeigt sich auch in dem Gespräch in Mt 19,3-9, in dem die Pharisäer zu Jesus kamen und ihn mit der Frage versuchten: „Ist es einem Mann erlaubt, aus jeder beliebigen Ursache eine Frau zu entlassen.“ (Hervorhebung des Autors).
Die eigentliche Bedeutung von Dt 24,1-4 zeigt sich wie folgt. Zu der Parallelstelle in Mt19,9 zitiert Haubeck und Siebenthal den Autor Carson, der verdeutlicht, dass es in Dt 24,1-4
5 Hermann L. Strack, Paul Billerbeck. Das Evangelium nach Matthäus. Erster Band. Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch (9. unv. Aufl. München: C.H. Beck´sche Verlags-buchhandlung), 312-315.
6 Strack, Billerbeck, op. cit., 313.
7 Heinpeter Hempelmann. Ehe, Ehescheidung und Wiederheirat. Eine biblisch-exegetische und praktisch-seelsorgerliche Orientierung (Liebenzell: VLM), 49.
Arbeit zitieren:
Rouven Hönes, 2007, Ehescheidung & Wiederheirat, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Theologie - Praktische Theologie: Ehescheidung & Wiederheirat ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Theologie - Praktische Theologie: neuer Titel erschienen: Ehescheidung & Wiederheirat
Rouven Hönes hat einen neuen Text hochgeladen
Güterrechtlicher und schuldrechtlicher Ausgleich von Zuwendungen unter...
scheidung
Dieter Grünenwald
Formig Armat I Pretensat. Exercicis Curts de Bases de Clcul I Estats L...
Climent Molins Borrell
Steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten bei Trennung und Ehescheidung
Uwe Grobshäuser, Jürgen Herrmann
Vereinbarungen anlässlich der Ehescheidung
Die vertragliche Regelung der ...
Ulrike Börger, Andrea Brüggen, Peter Finger, Horst Göppinger
0 Kommentare