1. Einleitung
Jeder kennt den Begriff Moor aus dem täglichen Sprachgebrauch. Doch schon bei der Unterscheidung zwischen Moor und Sumpf wird einem bewusst, dass man nur oberflächlich beantworten kann, was ein Moor ist und, dass sich die eigene Kenntnis auf ein Minimum beschränkt. Eher bestimmen vage Beschreibungen aus Märchen das Bild, das man von einem Moor hat. In ihnen wird das Moor als ein getränkter Untergrund geschildert, der Menschen verschlucken kann. Dem Moor wird mit seinem Nebel etwas Mystisches und Geheimnisvolles zugesprochen. In alten germanischen Sagen sollen dort „böse Geister“ gelebt haben. Dies sind jedoch nur Mythen, die entstanden sind, unter anderem, weil das Moor ein schwieriges Verkehrshindernis in vergangenen Tagen darstellte. Richtig jedoch ist, dass das Moor ein feuchter Lebensraum, ein „Zwischending“ zwischen nassem Boden und einem See ist und, dass es keinen festen Untergrund hat. Doch selbst wenn man ein Moor mit eigenen Augen gesehen hat, ist einem nicht ganz klar, was genau ein Moor ist.
Dabei ist das Moor ein verbreiteter Landschaftstyp in unseren Breiten, über den sich der Mensch schon in der Vergangenheit Gedanken gemacht hat. So fragte sich der Holländer H. Degner schon 1729, „ob der Torf etwa Faulholtz sey“ oder „ob er Erde sey“ (OVERBECK 1975, 24). Um hinter das Geheimnis des Moores zu kommen, werde ich mich in dieser Hausarbeit damit beschäftigen, was ein Moor ist und wie es entsteht. Des weiteren führe ich aus, wie und nach welchen Kriterien man die einzelnen Moortypen klassifiziert. Daraufhin stelle ich ein Schema vor, das die beiden gängigen Klassifikationsformen vereint. Zuletzt geh ich auf die unverantwortliche Moornutzung in der Vergangenheit ein, erkläre, warum man Moore erhalten muss und stelle einige Projekte vor, die dies zum Ziel haben.
2. Definition Moor
Moore sind nasse Lebensräume, die über einem undurchlässigen
Untergrund entstehen, in den das Wasser nicht abfließen kann. Neue Wasserzufuhr (z.B. durch Regen oder durch Untergrundströme) bewirkt einen Wasserüberschuss - eine positive Wasserbilanz. Da der Sauerstoffgehalt in diesen Gewässern dauerhaft einen bestimmten Wert unterschreitet, wird die natürliche Zersetzung von organischen Stoffen behindert. (DIERSSEN / DIERSSEN 2001, 8)
Dadurch werden organische Reste nicht vollständig abgebaut und es entsteht so genanntes Torf. Eine mindestens 30 cm starke
Schicht oder Schichtfolge von Torfen gilt als Moor. Dies macht auch den Unterschied zu einem
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Sumpfgebiet aus. Als einen Sumpf bezeichnet man ein permanent unter Wasser stehendes Gebiet, das jedoch keine Torfbildung aufweist, da der Sauerstoffgehalt eine Zersetzung organischer Substanz zulässt (GERKEN 1983, 42).
Dadurch, dass in einem Moor mehr organische Substanzen gebildet als zersetzt werden, nimmt es eine Sonderstellung in den Stoffkreisläufen der Natur ein. Die Torflagen der Moore stellen gewaltige Kohlenstoffvorräte dar. Somit beherbergen sie über Jahrtausende gespeicherte Energie. (JESCHKE / SUCCOW 1986, 20f.)
Eine zweite Sonderstellung nehmen sie im Wasserkreislauf ein. 95 % ihres Volumens bestehen aus Wasser, nur 3 bis maximal 10 % machen Feststoffe aus. In ihnen sind enorme Wassermengen gespeichert, die allein durch die fossilisierten pflanzlichen Strukturen zusammengehalten werden, weswegen sie oft mit einem Schwamm verglichen werden (JESCHKE / SUCCOW 1986, 21 f.). Aufgrund von Herkunft und Nährstoffgehalt des Wassers, Vegetation, Torfbeschaffenheit sowie Gestalt des Moores unterscheidet man verschiedene Moortypen. (vergleiche Seite ...)
3. Verbreitung der Moore
Moore können sich dort entwickeln, wo reichlich Niederschlag und geringe Verdunstung zusammentreffen. Eine weitere Voraussetzung für eine positive Wasserbilanz sind wasserundurchlässige Böden oder entsprechend dichtes Gestein. Diese begünstigenden Bedingungen findet man stellenweise fast überall vor, jedoch sind zu trockene Gebiete wie die Sahelzone davon ausge-
schlossen. Doch auch zu kaltes Klima wirkt sich ungünstig auf die Moorentstehung aus. So trifft man nördlich der Baumgrenze auf große Flächen vermoorten Landes, dort sind die Torfdecken jedoch sehr dünn, da sich das Torf aufgrund der Kälte sehr bildet. (JESCHKE / SUCCOW 1986, 178). Weltweit bedecken Moore eine Fläche von etwa 4 Millionen km² und zwar zum größten Teil in der borealen Zone (Taigagürtel). (DIERSSEN / DIERSSEN 2001, 8)
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Die stärkste Torfbildung findet jedoch in den gemäßigten Klimazonen statt, insbesondere in Mitteleuropa. Die an Mooren reichsten Gebiete in Deutschland sind die Norddeutsche Tiefebene und das Alpenvorland. Zahlreiche meist kleine und isolierte Moorvorkommen finden sich noch im Mittelgebirge und den Alpen. (GERKEN 1983, 15).
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4. Entstehung der Moore
Moore entstehen auf zwei Weisen; sie bilden sich bei der Verlandung von Gewässern oder durch die Versumpfung von terrestrischen Lebensräumen. Bei der Verlandung füllt sich ein Wasserkörper zunächst mit Seesedimenten, d.h. organischen Teilchen, die sich in einem See durch die natürliche Vegetation bilden oder aus dem Einzugsgebiet hinzugeführt werden. Diese sinken unter dem Einfluss der Schwerkraft und anderen Kräften auf den Grund des Sees. Reicht der Sauerstoffgehalt im Gewässer nicht aus um diese organischen Substanzen abzubauen, lagern sie sich ab. Diese Ablagerungen werden als Torfe bezeichnet.(DIERSSSEN / DIERSSEN 2001, 9) Mineralböden versumpfen, wenn an einem Standort das Grundwasser ansteigt oder der Abfluss, bzw. die Verdunstung sich verringern. Bei hoch stehendem Wasser werden die organischen Substanzen im Wasser mangels Sauerstoffs unvollständig zersetzt, was wiederum zu Torfbildung führt.(DIERSSREN / DIERSSEN 2001, 9)
Ist erstmal ein Torfkörper entstanden, kann er bei kontinuierlicher Wasserversorgung nach außen
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hin expandieren. Der jährliche Torfzuwachs der Moore in Mitteleuropa beträgt 0,5 bis 1,5 mm. (JESCHKE / SUCCOW 1986, 21). Große Moore haben also für ihre Bildung mehrere Jahrtausende benötigt.
Zudem ist auch die Art der Wasserversorgung entscheidend bei der Moorbildung. Wenn das Moor
nur von nährstoffarmem Regenwasser gespeist wird, bewachsen Torfmoose das Gebiet. Denn diese können selbst in geringster Konzentration vorkommende Nährstoffe aufnehmen und sich deshalb in dieser Umgebung durchsetzen. Im Gegenzug geben sie Wasserstoffionen an die Umgebung ab, womit sie sich selbst ein saures Milieu schaffen, das Konkurrenten im Wuchs behindert (DIERSSEN / DIERSSEN 2001, 9). Torfmoose können praktisch unbegrenzt wachsen. Während sich die Pflanze nach oben hin entwickelt, stirbt die Basis wegen des Luftabschlusses ab; aus dem
sich unvollständig zersetzenden Gewebe entsteht Torf. Dadurch, dass sie wie Schwämme das Niederschlagswasser aufsaugen, wölbt sich das ganze Moor - daher der Name „Hochmoor“. Torfmoose sind also typisch für nährstoffarme, regengespeiste Moore.
Wenn das Gebiet nicht nur von Regenwasser gespeist wird, sondern zusätzlich durch eine Quelle, Grundwasser oder anderweitig von nährstoffreicherem Wasser getränkt wird, setzen sich andere Pflanzen besser durch, wie beispielsweise die Erle, die Röhrichte und die Großseggenriede. In der Regel gilt: je nährstoffreicher ein Moor, desto größer ist seine Pflanzenvielfalt. Der Anteil des nährstoffreichen und nährstoffarmen Wassers und das pH-Milieu bestimmen somit die weitere Entwicklung, die Pflanzenwelt und die Form eines Moores.
5. Klassifikation von Mooren
Ursprünglich wurden die Moore in Hoch-, Nieder- und Zwischenmoore eingeteilt. Doch dieses Schema wurde erweitert, um der Vielfalt der Moorformen, der Entstehungsarten, der verschiedenen Stoffhaushalte und der Pflanzen- und Tierwelt besser gerecht zu werden. Kriterien sind sowohl der Nährstoffgehalt und der pH-Wert des Moorwassers, als auch die Art und Weise der Wasserversorgung und die Entstehungsgeschichte. So können Moortypen nach ökologischen oder hydrologischen Merkmalen unterschieden werden.
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Arbeit zitieren:
Alona Gordeew, 2006, Moore und Sümpfe - Entstehung und Klassifikation, München, GRIN Verlag GmbH
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