Einleitung
Die Kirche als Ort der Feier und der Gemeinschaft sieht sich in der heutigen Zeit vor einer schwierigen Aufgabe. Die multikulturelle Gesellschaft und die Religionslosigkeit der Menschen bilden die Grundlage des Pluralismus. Die religiösen Überzeugungen des Einzelnen und die Abwendung von der Kirche stellen ebenfalls wichtige Faktoren dar. Religion und vor allem die Liturgie stehen an einem Scheideweg. Besonders die Liturgie muss sich den neuen Begebenheiten in der gottesdienstlichen Praxis stellen und versuchen diesen gewachsen zu sein. Die Liturgie sollte sich gegenüber den anderen Religionen und Konfessionen behaupten und im Zuge dessen nicht ihre Identität verlieren. Im Folgenden wird erörtert, welches die Merkmale des religiösen und des rituellen Pluralismus sind und vor welche Probleme und Herausforderungen dies die Liturgie besonders in Bezug auf die gottesdienstliche Praxis stellt. Wie die Liturgie mit der neuen Situation umgeht, zeigt sich an praktischen Beispielen, die bereits in der Kirche vollzogen werden. Verdeutlicht wird dies an der „Feier der Lebenswende“ im Erfurter Dom. Religiöser und ritueller Pluralismus
Der Gottesdienst bildet das Zentrum einer liturgischen Feier, dessen Mittelpunkt ist das Pascha-Mysterium (Leben, Leiden, Tod, Auferstehung und Erhöhung Jesu Christi). Hierbei gilt als das gottesdienstliche Ideal der Dialog zwischen Gott und dem Menschen durch seinen Sohn Jesus. Christliche Liturgie stellt eine Christuserfahrung. Durch Re-formen und neue Bücher, die die Liturgie in Textform festlegen, entstehende Diskrepanzen, die die Christuserfahrungen verfälschen können. Da der Gottesdienst ein individuelles Geschehen ist, dürfen nonverbale Zeichen nicht vorgegeben werden. Durch die soziale Realität in Deutschland ist es der Liturgie nicht mehr möglich die sozialen Erfahrungen der gesamten Bevölkerung aufzunehmen, sondern nur noch einen Teil der Erfahrungen von ihr aufzugreifen, Das Handlungsspektrum der Liturgie wird durch den Pluralismus eingeschränkt und verliert in der Gesellschaft an Relevanz. Der Pluralismus, der es der Kirche und der Liturgie erschwert Menschen für den Gottesdienst zu begeistern, ist ein Phänomen der neueren Zeit. Er beschränkt sich nicht nur auf den Bereich des gottesdienstlichen Handels, sondern betrifft alle Lebensbereiche. Durch die hohe Anzahl an religiösen Gruppen und verschiedenen Konfessionen, die in Deutschland vertreten sind und im Alltag besonders in Ballungsgebieten in unmittelbarer Nähe von einander ihren Glauben praktizieren, entsteht ein neues religiös plurales Alltagsleben. Bereits im Grundgesetz wird die Möglichkeit, seinen eigenen Glauben öffentlich zu praktizieren, gesichert (Artikel 4 und 7). Das Praktizieren verschiedener
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Religionen und Konfessionen in unmittelbarer Nähe zueinander erschwert es, die gemeinsamen Werte und Werthaltungen aufrechtzuerhalten, da die diversen Werte der einzelnen Gemeinschaften nicht immer miteinander vereinbar sind. Deshalb ist es schwer gemeinsame Entscheidung auf der Grundlage der Werte zu treffen, da nicht genügend Berührungspunkte vorhanden sind. Die individuelle Meinung tritt an die Stelle der Gewissheit und die religiösen Überzeugungen werden nach den eigenen Interessen zusammengesetzt.
Die eigene Lebensgestaltung orientiert sich nicht mehr an Traditionen, sondern an den Bedürfnissen des Einzelnen. Besonders deutlich wird dies an der neuentstandenen bzw. expandierenden Ritualkultur, die sich in Deutschland auf dem Vormarsch befindet. Ritualratgeber oder Ritualdesigner helfen den Menschen für jede Lebenssituation undwende das geeignete Ritual zu entwerfen bzw. zu finden. Die verschiedenen Vorstellungen von Feierformen und Feiern haben längst den Bezug zur Liturgie und Kirche verloren und bewegen sich auf einem Feld einer unabhängigen Ritualkultur. Es entstehen individuelle Formen von „Religion“, die nach dem eigenen Geschmack und mithilfe des Baukastenprinzips erstellt werden. Die Rituale unterstreichen die Feierlichkeit eines Ereignisses und lassen ihm eine gesteigerte Bedeutung zukommen. Das Wahrnehmen der eigenen religiösen Rituale und das anderer Religionen legt den Menschen das breite Spektrum an Religiösem und Religiosität offen. Die Grenzen der Religionen in Bezug auf die Ritualkultur verwischen und sind für die Menschen nicht mehr ersichtlich. Durch die Verbreitung der Ritualkultur werden die Reichweite und Bedeutung des religiösen Pluralismus offen gelegt.
An diesem Punkt muss sich die Kirche dem Kampf mit den individuellen Bedürfnissen stellen und sich auf dem Markt der Meinungen behaupten. Die Lösung kann jedoch nicht ein Weitertragen der Liturgie bzw. der Sakramente sein. Die Veränderungen in der Gesellschaft müssen von der Kirche berücksichtigt werden und die Kirche muss auf diese reagieren. Eine Anpassung an die neuen Begebenheiten darf nicht mit einer Entfernung von den eigenen Werten geschehen. Vielmehr muss die Kirche ihre Identität untermauern und diese nach außen hin vertreten. Die verlorene Monopolstellung in Glaubensfragen und mangelnde Relevanz müssen als Chance gesehen werden das eigene Bild und die Außenwirkung zu verbessern. Kirche kann eine Art Neubeginn wagen, ohne dabei ihre treuen Mitglieder zu verlieren.
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Multireligiöse und interreligiöse Feiern
Besonders in der Schule sind Schüler und Lehrer mit den verschiedenen Religionen und Konfessionen konfrontiert. Zu Schuljahresbeginn oder zum Schuljahresabschluss beispielsweise finden an einigen Schulen multireligiöse Feiern statt, zu denen alle Schüler eingeladen teilzunehmen. Die Religions- oder Konfessionszugehörigkeit bleiben bei diesen Einladungen außen vor.
Ähnlich verhält es sich bei Katastrophen oder großen Tragödien, als Anlässe des öffentlichen Lebens. Bei Menschen steigt das Bedürfnis nach Zeichenhandlungen, sie wollen in der Gemeinschaft den Schrecken des Erlebeten verarbeiten und überwinden. Bekannte Symboliken, wie das Anzünden von Kerzen, können den Menschen helfen mit der Situation umzugehen. Es ist ratsam die Feier nicht als Gottesdienst zu gestalten, um allen Teilnehmern gerecht zu werden und ihnen eine gewisse Freiheit innerhalb der Feier einzuräumen. Daher wäre es dem Zwecke angemessen, wenn die Verantwortlichen der Kirche keine liturgische Kleidung tragen. Der Bezug zur Kirche sollte unterschwellig übermittelt werden, indem christliche Elemente eingebracht werden oder biblische Texte gelesen werden, die beispielsweise als Hoffnungsperspektiven dienen, um den Menschen Kraft in dieser schwierigen Situation zu spenden.
Das gemeinsame Beten ist in multireligiösen und interreligiösen Feier nicht zu empfehlen, da die einzelnen Religionen eine jeweils andere Auffassung von Glauben haben. Das Gebet ist ein Reden zu Gott und setzt daher eine gemeinsame Gotteserfahrung voraus, die bei den unterschiedlichen Religionen nicht vorhanden ist. Die verschiedenen Religionen würden beispielsweise durch ein gemeinsames Gebet innerhalb der Feier ausgeschlossen und dies unterstütze nicht den Sinn, den eine solche Feier für sich beansprucht.
Der Erzbischof von Köln ging 2006 sogar soweit und untersagte in einer Richtlinie in Köln multireligiöse Feiern für Schüler zu zelebrieren , da diese in ihrem Glauben noch nicht ausreichend gefestigt sind, könnte ihnen die Fähigkeit zur Differenzierung, die für eine solche Art von Feier notwendig ist, fehlen. Die Unterscheidung zwischen multireligiösen Feiern und dem eigenen Gottesdienst ist für Kinder und Jugendliche zu kompliziert, das es zu Verwechslungen kommen kann.
Michael Meyer-Blank bringt die Aufgabe die eine Feier hat hervorragend auf den Punkt: „Jede Feier muss dem Gemeinsamen der sozialen Erfahrung wie den Unterschieden Rechnung tragen; ein Gottesdienst (bzw. eine religiöse Feier) muss Identität und Differenz unter Berücksichtigung der religiösen Realität zum Ausdruck bringen.“ Trotz einer
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Arbeit zitieren:
Marcel Butkus, 2009, Der Pluralismus aus der christlichen Perspektive, München, GRIN Verlag GmbH
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