Einleitung
In der heutigen Zeit, in der eine besondere Rückbesinnung auf Religion stattfindet, sind die religiöse Sozialisation und Entwicklung wichtige Bestandteile während des Aufwachsens von Kindern. Durch die Veränderung der religiösen bzw. kirchlichen Situation, die Volkskirche befindet sich im Übergang zu einer neuen Sozialgestalt der Kirche 1 , in der größtenteils säkularisierten Welt, findet Religion vermehrt im Privaten Bereich statt. Dieser Privatisierung muss entgegengewirkt werden und Religion wieder ins öffentliche Leben zurückgeführt werden. Bereits im Kindesalter ist es wichtig mit religiösen Inhalten in Kontakt zu treten und diese zu verinnerlichen. Das Elternhaus ist die erste Station, an der Kinder mit Religion in Berührung kommen. Ebenso übernehmen die Kirche und der Kindergarten/die Grundschule die wichtige Aufgabe Kinder in die Religion einzuführen und diese erfahren zu können. In diesen Institutionen und besonders in der Kirche wird den Kindern Religion vergegenwärtigt, sie setzten sich aktiv mit ihr auseinander. In der Schule ist es ihnen möglich ein besseres Verständnis für Religion zu entwickeln, da sie dort die Chance ergreifen können, um ihr Wissen zu stärken oder ihr Unwissen bzw. ihre offenen Fragen zu beantworten. Gerade im Kindesalter sind Kinder für äußere Einflüsse offen und nehmen Anregungen an. Daher ist es wichtig früh mit der religiösen Erziehung zu beginnen. Durch religiöse Sozialisation und Entwicklung ist es einem Kind möglich eine eigene Identität zu entwickeln und sich auf die eigene Sinnfindung zu begeben.
Aufgaben der Eltern
Das Elternhaus und der Umgang mit Religion innerhalb der Familie sind wichtig für die religiöse Sozialisation und die Entwicklung. Die Familie dient dem Kind als Vorbild in Bezug auf die Religion und den Stellenwert, den diese in ihrem Alltag einnimmt. Denn gerade diese ist der erste Bezugspartner für das heranwachsende Kind. Das Vorleben praktizierter Religion ist ein wichtiger Bestandteil der Sozialisation und Entwicklung. Hier ist jedoch nicht vom religiösen Verständnis der Kirche die Rede, sondern von der jeweiligen Umsetzung der Eltern bzw. der Familie. 2 Das heißt jedoch nicht, dass Religion in der Familie in einer Form stattfindet, die der Kirche zuwider ist, sie ist
1 Sakramentenpastoral im Wandel. Überlegungen zur gegenwärtigen Praxis der Feier der Sakramente -
am Beispiel von Taufe, Erstkommunion und Firmung (Pastoral-Kommission 12), hrsg. vom Sekretariat
der Deutschen Bischofskonferenz, 3. korrigierte Auflage, Bonn 1993, S. 9
2 Schweitzer, Friedrich: Religionspädagogik, Gütersloh 2006, S. 202
2
vielmehr an die Gegebenheiten des Alltags der Familie angepasst. Es handelt sich dabei um praktizierten Glauben im Alltag. Was jedoch bei der religiösen Erziehung zu beachten ist, das die Eltern sowohl negativen als positiven Einfluss auf die Entwicklung und die Sozialisation haben. 3
Kinderbibeln beispielsweise bieten Eltern die Möglichkeit Kindern spielerisch und in ihnen verständlicher Form die Heilige Schrift zu vermitteln. Sie bieten einen guten Einstieg, der bei der Entwicklung eines Verständnisses für die Bibel und die Religion unterstützend wirkt.
Durch die elterliche Erziehung bildet das Kind sein eigenes Gottes Bild das stark an dem Verständnis der Eltern orientiert ist. 4 Die Geborgenheit, die das Kind bei der Mutter erfährt und die Autorität, die Vater ausstrahlt, beeinflussen das Bild des Kindes von Gott. Durch die Mutter wird eine Art Grundvertrauen aufgebaut, ähnlich dem, wie es die Menschen zu Gott haben. Dieses Gottesbild der Eltern wird durch Erfahrungen differenzierter betrachtet und das Kind kann zwischen dem eigenen Gottesbild und dem der Eltern unterscheiden. Die äußeren Einflüsse, die das Kind erfährt, beeinflussen es und lasses es sein privates Bild von Gott entwickeln. 5
Eltern ebnen ihren Kindern zudem den Weg in die Religion und schaffen die Grundlage für die religiöse Sozialisation. Sie sind es die Kind taufen lassen und es damit ein Teil der Gemeinschaft werden lassen. Von diesem Punkt an treten die Eltern zwar ein Stück ihrer religiösen Verantwortung ab, da die Kirche ihren Einfluss auf das Kind ausübt, nachdem es getauft wurde, die Eltern besitzen trotzdem weiterhin eine Verpflichtung zu einer religiösen Erziehung des Kindes.
Aufgaben der Kirche
Die Kirche ist der Ort der öffentlichen Religion, in der Gemeinschaft erfahrbar wird. Daher übernimmt die Kirche eine wichtige Rolle in der religiösen Sozialisation. Die Aufgabe der Kirche ist nicht damit erfüllt, dass sie das Kind tauft, es auf die Kommunion vorbereiten und am Abendmahl teilhaben lässt. Die Kirche muss darüber hinaus aktiv an der Entwicklung des Kindes teilhaben. Religion muss für Kinder erfahrbar und lebendig gemacht werden, um sich mit ihr auseinanderzusetzen.
3 ebd. S. 201
4 Schweitzer, Friedrich: Lebensgeschichte und Religion. Religiöse Entwicklung und Erziehung im
Kindes- und Jungendalter, 3. Auflage, München 1987, S. 203
5 ebd. S. 207
3
Der Gottesdienst als Zusammenkunft der Gemeinde muss einen Raum entwickeln für die Kinder. Eine Möglichkeit ist der Kindergottesdienst. Zwar sind rückläufige Teilnehmerzahlen zu beobachten 6 , doch soll dies nicht ein Zeichen sein dieses Angebot aufzugeben. Eventuell ist eine Modifikation notwendig, um den Kindergottesdienst attraktiver für ihre Teilnehmer zu gestalten, um so alte und neue Besucher zurück zu gewinnen. Eine Möglichkeit ist der Familiengottesdienst, bei dem der Inhalt auf die gesamte Familie abgestimmt ist. Denn so können eventuell desinteressierte Eltern motiviert werden, entweder durch das Angebot oder ihre Kinder, wieder die Kirche zu besuchen und dahin ihre Kinder mitzunehmen. So kann eine Spirale der Motivation entstehen und ein solcher Gottesdienst kann sich etablieren, denn das Interesse an einem speziellen Gottesdienst besteht bei den Kindern. 7 Dieses Interesse sollte bei der Gestaltung des Gottesdienstes genutzt werden und integriert die Kinder gleichzeitig in selbigen. Eine weitere Einrichtung in der Gemeinde kann ein Kinderbibelkreis sein. Kinder haben die Möglichkeit sich mit einzelnen Bibeltexten auseinanderzusetzen. Sie können Erfahrungen und Beobachtungen aus dem Gottesdienst einbringen und so ihr Wissen vertiefen und Unklarheiten beseitigen. Die Kinder entwickeln eine engere Bindung zur Heiligen Schrift und lernen diese zu verstehen. Neben diesem speziellen Angebot sind weitere nötig, um den Kindern Religion und Kirche näher zu bringen und sie in die Gemeinde zu integrieren. Dabei sind besonders Kinder- und Jugendarbeit sehr wichtig. 8 Im Kindesalter bieten sich hier grade die Messdiener und die Pfadfinder an. Sie können Kinder weiter an die Kirche binden und ihnen ein Bild von lebendiger Gemeinschaft vermitteln. Sie dienen zudem auch noch als Begegnungsstätte junger Menschen. Im Bereich der Messdiener übernehmen Kinder und Jugendliche eine wichtige in der Gemeinde, da sie aktiv am Gottesdienst beteiligt sind. Durch diese Einrichtungen kommt es in der Erziehung zu einer Selbstbildung der Kinder und Jugendlichen. 9 Die gemachten Erfahrungen werden reflektiert und in das eigene Religionsverständnis integriert.
Wenn Kinder sich als Teil der Gemeinde ansehen, ist dies ein bedeutender Schritt für die religiöse Sozialisation. Wer sich angenommen und aufgenommen fühlt, ist gewillt und offen für eine Entwicklung innerhalb der Gemeinschaft.
6 Schweitzer, Friedrich: Religionspädagogik, S. 210
7 ebd. S. 211
8 ebd. S. 215
9 ebd.
4
Arbeit zitieren:
Marcel Butkus, 2009, Religiöse Sozialisation und Entwicklung, München, GRIN Verlag GmbH
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