Inhalt
Inhalt I
Abbildungsverzeichnis II
Tabellenverzeichnis III
1 Einleitung. 1
2 Theoretische und empirische Grundlagen 2
2.1 Grundlagen der Rational Choice-Theorie 2
2.1.1 Instrumenteller Nutzen 4
2.1.2 Weitere Nutzenaspekte - Expressivität 4
2.2 Wahlen unter Rational Choice-Betrachtung 5
2.2.1 Teilnahmeentscheidung 5
2.2.2 Empirische Darstellung der Teilnahmeentscheidung 7
2.2.3 Urnenentscheidung 8
3 Die Urnenentscheidung empirisch untersucht - Vergleich von vier
Wahlstudien 9
3.1 Erste Untersuchung - Klein/Rosar 2005 10
3.2 Zweite Untersuchung - Debus 2007 14
3.3 Dritte Untersuchung - Shahla 2001 18
3.4 Vierte Untersuchung - Abold 2007. 20
4 Auswertung der empirischen Ergebnisse 23
4.1 Zusammenfassung der Einzelvariablen 24
4.2 Auswertung der übergeordneten Zielvariablen 26
5 Fazit 29
Anhang 31
Literatur 33
I
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Einflussfaktoren der Teilnahmeentscheidung (Quelle: vereinfacht nach
Kühnel/Fuchs, 1998, S. 343, Schaubild 4) .....................................................................8
II
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Variablen zur Modellierung der Urnenentscheidung in Untersuchung 1
(Quelle: Klein/Rosar, 2005, S. 190f. sowie S. 194) ...................................................... 11 Tabelle 2: Determinanten der Wahlentscheidung zugunsten SPD und CDU/CSU
(Quelle: vereinfacht nach Klein/Rosar, 2005, S. 192, Tab. 12.2) .................................. 13 Tabelle 3: Determinanten der Wahlentscheidung zugunsten Grünen und FDP (Quelle:
vereinfacht nach Klein/Rosar, 2005, S. 195, Tab. 12.4) ............................................... 14 Tabelle 4: Variablen zur Modellierung der Urnenentscheidung in Untersuchung 2
(Quelle: Debus, 2007, S. 277f.) ................................................................................... 15 Tabelle 5: Koeffizienten zur Voraussage der Wahlabsicht bei der Bundestagswahl 1987 (Quelle: vereinfacht nach Debus, 2007, S. 280, Tabelle 2) ........................................... 16 Tabelle 6: Koeffizienten zur Voraussage der Wahlabsicht bei der Bundestagswahl 1998 (Quelle: vereinfacht nach Debus, 2007, S. 283, Tabelle 5) ........................................... 17 Tabelle 7: Koeffizienten zur Voraussage der Wahlabsicht bei der Bundestagswahl 2002 (Quelle: vereinfacht nach Debus, 2007, S. 286, Tabelle 8) ........................................... 17 Tabelle 8: Variablen zur Modellierung der Urnenentscheidung in Untersuchung 3
(Quelle: Shahla, 2001, S. 662-667) .............................................................................. 18 Tabelle 9: Koeffizienten zur Erklärung der Wahlabsicht bei den Bundestagswahlen 1990 und 1994 (Quelle: vereinfacht nach Shahla, 2001, S. 676f. Tabellen 4 und 5) ..... 20 Tabelle 10: Variablen zur Modellierung der Urnenentscheidung in Untersuchung 4
(Quelle: Abold, 2007, S. 129-132) ............................................................................... 21 Tabelle 11: Berücksichtigung der Determinanten im Prozess der Urnenentscheidung (Angaben in Prozent, Quelle: Abold, 2007, S. 166, Tabelle 18) ................................... 22 Tabelle 12: Übersicht über die übergeordneten Variablen und ihre Kategorisierung
(eigene Abbildung) ...................................................................................................... 26 Tabelle 13: Anteile der übergeordneten Zielvariablen unter den stärksten drei Effekten
(eigene Berechnungen) ................................................................................................ 27 Tabelle 14: Erreichte Ränge der Einzelvariablen, Teil 1 (eigene Berechnungen) .......... 31 Tabelle 15: Erreichte Ränge der Einzelvariablen, Teil 2 (eigene Berechnungen) .......... 32 Tabelle 16: Berechnung der Effektstärken der übergeordneten Zielvariablen (eigene
Berechnungen) ............................................................................................................ 32
III
1 Einleitung
Nachdem in einem früheren Papier bereits erste Erkenntnisse über das Verhalten von rationalen Wählern und über die Anwendung des Rational Choice-Ansatzes in empirischen Untersuchungen gewonnen werden konnten, sollen diese Kenntnisse nun in der vorliegenden Bachelorarbeit vertieft und auf neuem Terrain angewandt werden. Mit Hilfe der Theorie des rationalen Wählers kann für die Bundesrepublik Deutschland zweifelsfrei empirisch gezeigt werden, dass die deutschen Wahlteilnehmer nicht auf-grund originär politischer Motive in die Wahllokale gehen, sondern aufgrund des sozialen Drucks und eines inneren Pflichtbewusstseins - der sogenannten Wahlnorm (vgl. Rattinger/Krämer, 1995; Kühnel/Fuchs, 1998; Klein/Rosar, 2005). Einen Schritt weiter gedacht muss die Frage interessieren, ob der deutsche Wähler auch seine Stimme auf-grund solcher Überlegungen abgibt. Jetzt ist also der Akt der Wahl selbst gemeint. Zu überprüfen gilt es, ob der Wähler bei der Ausübung seines seltenen Rechts der demokratischen Gestaltung wirklich von seinem Umfeld und sozialen Zwängen oder von anderen unpolitischen Motiven geleitet wird, oder ob nicht doch die Chance ergriffen wird, die präferierte Sachpolitik zu unterstützen und die eigene Wohlfahrt zu steigern (vgl. Klein, 2002, S. 44-46). Grundlage hierfür müsste natürlich auch eine ausreichende Informiertheit über die betreffenden politischen Zusammenhänge sein (vgl. Downs, 1968, S. 75-79).
Zuerst wird in Kapitel 2 die zugrunde liegende Theorie kurz dargelegt, begonnen mit ihrer erstmaligen Formulierung durch Downs (1957), der den Wähler mit einem Marktteilnehmer vergleicht und ihm dessen Nutzenmaximierungskalkül zuschreibt. Die Theorie wird fortgeführt bis zu ihren aktuellen Erweiterungen, v.a. von Brennan/Lomasky (1997). Sie lassen zur Nutzenmaximierung auch expressive Motive zu, also solche, die über den rein politischen Nutzengewinn hinaus gehen. Außerdem wird die Wahl selbst in zwei Entscheidungsteile zerlegt. Gemeint ist die Entscheidung, an der Wahl teilzunehmen (Teilnahmeentscheidung) und die Entscheidung, wen man am Ende wählt (Urnenentscheidung) (vgl. Im Winkel, 2010, S. 14). Kapitel 3 und 4 sollen empirisch zeigen, ob der Wähler bei der zweiten Entscheidung von der ersten abhängig ist, also ob er in der Wahlkabine aufgrund von Faktoren wie einer Wahlnorm entscheidet (vgl. ebd., S. 16). Hierzu wird allgemein überprüft, ob die Urnenentscheidung von expressiven Faktoren, wie die Wahlnorm einer ist, geleitet wird, oder ob der Wähler in der Wahlkabine rein politisches (sog. instrumentelles) Kalkül walten lässt. Dazu werden in Kapitel 3 vier empirische Wahlstudien vorgestellt, die sich mit den Determinanten dieser Ent-
1
scheidung befassen (Klein/Rosar, 2005; Debus, 2007; Shahla, 2001; Abold, 2007). Die Studien wurden alle aus Anlass von Bundestagswahlen in der jüngeren Vergangenheit durchgeführt. Im nächsten Kapitel werden diese Studien dann zusammengefasst ausgewertet. Dazu werden aus allen untersuchten Determinanten die Haupteinflussfaktoren für die Urnenentscheidung gebildet. Da diese nach ihrem instrumentellen bzw. expressiven Einfluss kategorisiert werden können und ihre Einflussstärke errechnet werden kann, lassen sich die Determinanten der Urnenentscheidung ermitteln. Kapitel 4 beschreibt die Ergebnisse der Arbeit. Ein Fazit bildet das letzte Kapitel.
2 Theoretische und empirische Grundlagen
Um die Grundlage für den Hauptteil der Arbeit, die empirische Überprüfung des individuellen Wahlverhaltens, zu schaffen, wird ein kurzer Überblick über die zugrunde liegende Theorie gegeben. Hier soll sich auf die ökonomisch verwurzelte Rational Choice-Theorie konzentriert werden, eine der drei Theorien, die in der empirischen Wahlforschung regelmäßig zu Rate gezogen werden. Diese Theorie konnte - wohl auch wegen ihres wirtschaftswissenschaftlichen Ursprungs - auf diesem Fachgebiet gute Dienste leisten. Die Wahl dieser Grundlage ist also für eine Untersuchung dieser Art angemessen (vgl. Fröchling, 1998, S. 71-76). Am Ende des Kapitels werden einige empirische Erkenntnisse über die Wahlteilnahme präsentiert, die die Grundlage für die Überlegungen im Hauptteil der Arbeit bilden.
2.1 Grundlagen der Rational Choice-Theorie
Das grundlegende Werk zur Rational Choice-Theorie stammt von Anthony Downs: „An Economic Theory of Democracy” (Downs, 1957; deutsche Übersetzung 1968). Downs beschreibt hier das Handeln der Menschen als Wähler in Demokratien. Trotzdem gilt für die Theorie die Annahme der motivationalen Neutralität. Das heißt, dass sie nicht nur im Kontext der Wahlen und Wähler gültig ist, sondern vielmehr allen Menschen in allen Lebenssituationen dieselbe Motivstruktur unterstellt (vgl. Klein, 2002, S. 19). Die grundlegende Annahme ist, dass der Wähler immer rational handelt, „d.h. den Out- puteines bestimmten Input maximierend bzw. den zur Erreichung eines bestimmten Outputs nötigen Input minimierend“ (Downs, 1968, S. 5). Diese Rationalität bezieht sich einzig auf die Mittel, die der Wähler benutzt, nicht jedoch auf seine Ziele (vgl. ebd.).
2
Weiter kann man das Verhalten des Wählers beschreiben, indem man seinem Handeln die folgenden Maxime zugrunde legt: (1) Er entscheidet sich zwischen mehreren Möglichkeiten immer für eine bestimmte; (2) er ordnet jede dieser Möglichkeiten so, dass sie besser oder schlechter als oder gleich wie jede andere ist; (3) diese Ordnung ist transitiv; (4) er wählt die Möglichkeit aus, die er als am besten eingeordnet hat (vgl. Downs, 1968, S. 6).
Das gezeichnete Menschenbild entspricht dem des homo oeconomicus. Downs postuliert also, dass jeder Wähler sich verhält wie ein Marktteilnehmer. Auf einem Markt bezahlt man einen Preis für ein Gut, dies soll nun auf die politische Aktivität übertragen werden. Durch die Teilnahme an Wahlen will der Bürger einen Nutzen erlangen und maximieren, dafür muss er jedoch gewisse Kosten auf sich nehmen. Der Unterschied besteht darin, dass man auf dem Markt das Gut, welches man bezahlt hat, erhält. Bei einer Wahl kann man nie sicher sein, dass sich das Wahlergebnis mit der eigenen Stimme, also der durch die Stimme offenbarten Präferenz für eine Partei oder einen Kandidaten, deckt (vgl. Brennan, 2008, S. 479).
Für die Wahlteilnahme und die Stimmabgabe gibt es keinen Preis 1 , aber Kosten. Kosten können verschiedener Art sein, hauptsächlich sind Entscheidungs-, Opportunitäts- und Informationskosten abzugrenzen. Entscheidungskosten fallen durch die Entscheidung zwischen den Parteien oder Kandidaten an, die der Wähler treffen muss. Je schwieriger die Entscheidung fällt, desto höher sind die Kosten. Opportunitätskosten entstehen bei der Wahl selbst, kann man doch die benötigte Zeit nicht anderweitig nutzen (vgl. Kühnel/Fuchs, 1998, S. 321).
Zuletzt kann der Wähler nur eine rationale Entscheidung treffen, wenn er vollständig über seine Ziele, seine Möglichkeiten zur Zielerreichung und über die Folgen seiner Entscheidung informiert ist. Um diese vollständige Information zu erreichen oder sich ihr zumindest anzunähern, muss er Informationen beschaffen und dafür Zeit aufwenden. Dies sind die Informationskosten (vgl. Downs, 1968, S. 202-205). 2
1 Die Arbeit bezieht sich ausschließlich auf die Bundesrepublik Deutschland, wo keine Gebühren, Steuern etc. anfallen.
2 Dabei ist nicht davon auszugehen, dass es den perfekt informierten Wähler gibt. Das Einholen von In-formationen ist aufwändig und der Nutzen (s. Kap. 2.1.1 ) gering (vgl. Downs, 1968, S. 253). Dennoch
sind die Wähler nicht uniformiert. Es gibt einerseits trotzdem einen kleinen Anreiz, sich zu informieren,
andererseits fließen den Wählern im täglichen Geschehen ausreichend kostenlose Informationen zu (vgl.
ebd., S. 239).
3
2.1.1 Instrumenteller Nutzen
Um den rationalen Wähler zur Wahlhandlung zu bewegen, müssen diese Kosten durch den Nutzen, den er erlangt, aufgewogen oder überstiegen werden. Der Nutzen ergibt sich zunächst nur aus dem rein politischen Vorteil, den der Wähler aus dem Gewinn der von ihm präferierten Partei zieht. Beschreiben lässt er sich in einem Zweiparteiensystem als
wobei angenommen wird, dass Partei A in der letzten Periode an der Macht war. U ist das Nutzeneinkommen des Wählers, das er aus der Regierungstätigkeit der jeweiligen Partei erhält. E bezeichnet den Erwartungswert des Nutzeneinkommens für die nächste Periode. Die Differenz aus den beiden Nutzeneinkommen wird als Parteiendifferential bezeichnet, genauer beschreibt (2.1a) das erwartete Parteiendifferential und (2.1b) das gegenwärtige Parteiendifferential. Letzteres soll als eher ausschlaggebend für die Entscheidung des Wählers angenommen werden, da hier ein Unsicherheitsfaktor (in Form eines Erwartungswerts) weniger enthalten ist (vgl. Downs, 1968, S. 37-39). Diese Art von Nutzeneinkommen „aus der staatlichen Tätigkeit während einer Wahlperiode“ (Downs, 1968, S. 37) wird als intrumenteller Nutzen bezeichnet (vgl. bspw. Brennan, 2008, S. 478; Im Winkel, 2010, S. 2; Moshövel, 2004, S. 83).
2.1.2 Weitere Nutzenaspekte - Expressivität
Durch das Wählen kann jedoch auch eine andere Art des Nutzens für den Wähler entstehen - sogenannter intrinsischer oder expressiver Nutzen (vgl. Klein, 2002, S. 41). Er entsteht durch den Akt des Wählens selbst: „If she does not vote, she cannot get the intrinsic benefits“ (Brennan, 2008, S. 478). Ein gutes Beispiel für expressiven Nutzen ist ein jubelnder Fußballfan. Er jubelt vor dem heimischen Fernseher zwar seiner Mannschaft zu, erwartet dabei aber nie, das Ergebnis des Spiels beeinflussen zu können. Er jubelt also um des Jubelns willen (vgl. Brennan/Lomasky, 1997, S. 33). Damit kann er seine Einstellungen, Werte und Überzeugungen zum Ausdruck bringen (vgl. Brennan, 2008, S. 480). Jede expressive Aktivität „reveals the values and attitudes to which the expression refers“(ebd.). Dieses Verhalten lässt sich auch auf die Wahlteilnahme und
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Florian Ramel, 2010, Das Verhalten des rationalen Wählers an der Wahlurne, München, GRIN Verlag GmbH
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