Inhalt
1 Einleitung. 3
2 Theoretische Sachanalyse. 3
3 Fachdidaktische Überlegungen. 5
4 Beschreibung der Lehrsequenz. 7
4.1 Sport und Spiel. 7
4.2 Freizeitsport und Leistungssport. 9
4.3 Sport und Fairness. 11
4.4 Lernkontrolle. 14
5 Zusammenfassung. 14
Literatur. 15
Stefan Witzmann
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1 Einleitung
Um sich über die Bedeutung des Sports in unserer heutigen Gesellschaft klar zu werden, genügt ein Blick in ein beliebiges Medium, sei es Tageszeitung, Fernsehen oder Internet. Sport ist allgegenwärtig und nicht nur in dieser medialen Form, sondern auch in unserem Alltagsleben. In gewisser Weise bildet jeder Mensch eine Beziehung dazu: als aktiv Betreibender, als passiv Erlebender oder in der strikten Ablehnung a la „Sport ist Mord“. Jedoch ist die Reflexion darüber, wie überhaupt das Phänomen Sport und die damit zusammenhängenden Nebenaspekte philosophisch zu begreifen sind, bisher kaum in die öffentliche und wissenschaftliche Debatte eingedrungen. 1 Großer öffentlicher Aufschrei erregt sich häufig nur, wenn drastische Verstöße gegen das „Fair-Play“ ausgeübt werden. Exemplarisch sollen hier die Do -ping-Skandale im Radsport oder das legendäre Tor Maradonas bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 gegen England („die Hand Gottes“) genannt werden. Jedoch bietet der Sport in seinem Wesen wesentlich mehr Angriffspunkte zur facettenreichen Analyse als gemeinhin angenommen. Nicht nur ethische Probleme können diskutiert werden, sondern auch anthropologische und sozialphilosophische Aspekte bieten interessante Ansatzpunkte für eine fruchtbare und spannende Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Sport“.
Im Folgenden soll deshalb eine Unterrichtssequenz zur Thematik „Sportphilosophie“ dargelegt und diskutiert werden. Dazu wird zunächst inhaltlich das Themenfeld beschrieben, um dann dieses fachdidaktisch in Beziehung zu setzen. Das Kernstück der Arbeit ist die stringente Darstellung der Unterrichtsreihe, verbunden mit einer kritischen Reflexion.
2 Theoretische Sachanalyse
Die Sportphilosophie ist eine so genannte „Bindestrich-Wissenschaft“ und befindet sich im Spannungsfeld zwischen Sport(wissenschaft) und Philosophie. Sie stellt sich also Fragen, die nur ungenügend in den Einzelwissenschaften erläutert werden (können). 2 Es würde sich also anbieten, Sport und Philosophie exakt zu bestimmen und darauf basierend eine Definition von Sportphilosophie zu generieren. Allerdings
1 So stellt ALBRECHT (2005:224) fest, dass die Sportethik gegenüber anderen Gebieten der Ange -wandten Ethik einen geringeren Zuspuch in entsprechenden wissenschaftlichen Schriften erhält. Das zeigt sich - nach eingehenden Recherchen des Autors dieser Hausarbeit - auch in der philosophie-didaktischen Literatur.
2 REHFUS (1980:168) unterstreicht den metafachlichen Aspekt als allgemeines Kennzeichen philosophischer Tätigkeit.
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scheitert dieses Unterfangen schon daran, dass für beide Teilbegriffe keine konsensfähigen Definitionen vorhanden sind. Es gibt aber zumindest interessante Ansätze: Der Kieler Sportpädagoge Herbert Haag versucht eine Definition vornehmlich mit einer Klärung des Begriffes „Sport“ zu bestimmen. 3 So sieht er in dem Ausspruch „wichtigste Nebensache der Welt“ fundamentale Aspekte vereint: Sport kann substantiell bedeutsam sein in medialer, ökonomischer und persönlicher Perspektive. Andererseits ist es ein akzidentieller Bestandteil des Lebens als freiwillige und freudvolle Freizeitaktivität. Sport kann demnach eine immense Spannbreite an Tätigkeiten erfassen, von Schach bis Extremsportarten, vom sonntäglichen Nordic-Walking-Lauf einer Gruppe von Pensionären im Stadtpark bis hin zum wissenschaftlich betreuten Höhentrainingslager einer Radfahrmannschaft in Südafrika. Körperliche Tätigkeit ist essentiell an Sport gebunden. Jedoch würde eine Reduktion auf diesen Aspekt nicht ausreichen, um Sport einheitlich zu beschreiben. Schließlich könnten so schon berufliche Tätigkeiten wie Bergbau als Sport deklariert werden und das Schachspiel würde aus dem Bereich des Sportes herausfallen. Von entscheidender Bedeutung ist - auch für die Unterrichtskonzeption - die Kopplung an das Spiel, die Leistung und den Wettkampf. Spiele können in dialektischer Art als durch Regeln geleitete, zielgerichtete Tätigkeiten verstanden werden, die um ihrer selbst willen praktiziert werden und keine materielle Zielstellung besitzen. 4 Damit entsteht aber eine Spannung zum Leistungssport, der in beträchtlicher Weise sozio-ökonomisch eingeflochten ist und damit eher der Arbeit ähnelt. Sport ist ebenso eine Messung der Leistung, das Erfüllen einer spezifischen Aufgabe, die durch die Regeln bestimmt wird und komparativ im Wettkampf bewertet wird. 5 Durch die obigen Ausführungen wird sicherlich deutlich, dass die Diskussion über Sportphilosophie vor allem auf anthropologischer und ethischer Ebene geführt wird. Aber auch andere Teilbereiche der Philosophie bieten Anknüpfungspunkte, wie etwa die Ästhetik oder Sozialphilosophie. 6 Im Brennpunkt der Öffentlichkeit befindet sich vor allem die Diskussion um Fair-Play und im speziellen die Doping-Problematik. Hierbei werden grundlegende Themenfelder der praktischen Philosophie aufgenommen wie etwa die Frage nach Gerechtigkeit, Verantwortung und die Bedingung der Möglichkeit korrekten Handelns.
3 vgl. HAAG (1995:2f)
4 vgl. ALBRECHT (2005:226)
5 Der Olympiasieger Hans Lenk sieht im Ausspruch „Das ist nur ein Spiel“ die „Wechseldynamik zwischen Ernst- und Spielcharakter“ hervorstechend abgebildet (LENK 2002:68).
6 vgl. HAAG (1995:13)
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3 Fachdidaktische Überlegungen
Es stellt sich nun die Frage, wie eine sportphilosophische Diskussion an die Schüler herangetragen werden kann. Eine Schwierigkeit besteht schon darin, dass im Lehrplan für Ethik an Thüringer Gymnasien Sportphilosophie oder Sportethik mit keinem Wort erwähnt wird. 7 Deshalb ist die Einordnung der Unterrichtseinheit nicht durch eine institutionelle Instanz vorgegeben und kann somit auch relativ selbständig bestimmt werden. Sinnvoll erscheint eine Einordnung in die Klasse 10, die einen Fokus auf die Erläuterung klassischer und moderner Ethiken besitzt und damit auch dem Schwerpunkt der sportphilosophischen Diskussion Rechnung trägt. 8 Aber auch eine Behandlung in Klasse 12 mit der Anthropologie als Kernbereich ist durchaus vorstellbar. 9 Für die Gestaltung der Unterrichtssequenz ist die differenzierte Auswahl der Klassenstufe aber meines Erachtens nicht der entscheidende Faktor. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Schüler eine wie auch immer geartete Beziehung zu Sport besitzen. Dies kann durch den Sportunterricht in der Schule oder die Aktivitäten in der Freizeit geprägt sein. Deshalb ist die lebensweltliche Relevanz der Thematik für die Schüler im Allgemeinen sichergestellt. Insbesondere für sportethische Fragen des Fair-Plays kann zudem auf den Erfahrungsschatz vieler Schüler zurückgegriffen werden. Es ist kaum vorstellbar, dass ein Jugendlicher noch nie mit einer (un)fairen Begebenheit konfrontiert war. Dies muss nicht unbedingt im Sport selber gewesen sein, sondern kann durchaus auch in anderen Bereich des privaten Lebens passiert sein. Der sportliche Wettkampf ist jedoch dafür prädestiniert, Erfahrungen zum Fair-Play zu sammeln. Summa summarum kann der Lehrer ein gewisses Maß an Vorwissen und Interesse beim Schüler voraussetzen und „diese Ansätze ernst- und aufnehmen und in aktives und selbstgesteuertes Arbeiten und Erforschen umsetzen“. 10
Die Struktur der Unterrichtskonzeption soll wie folgt getaktet sein: Zu Beginn muss eine Klärung basaler sportphilosophischer Begriffe erfolgen. Insbesondere die Frage, wie Sport und Spiel zu bestimmen sind, ist von Interesse. Dies muss nicht in einer starren Definition münden. Im Gegenteil, es müssen die enorme Spannweite und Widersprüchlichkeiten der Begriffe und ihrer Beziehung zueinander entfaltet werden. Erst auf dieser Grundlage ist es sinnvoll, eine spezielle sportphilosophische Diskussion zu beginnen. Ein sportethisches Problemfeld wird in dieser Arbeit exemplarisch
7 vgl. TKM (1999)
8 vgl. TKM (1999:51)
9 vgl. TKM (1999:66)
10 STEENBLOCK (2000:93)
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Arbeit zitieren:
Stefan Witzmann, 2007, Eine Unterrichtskonzeption zur Sportphilosophie, München, GRIN Verlag GmbH
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