Interpretationshilfe zu Christoph Heins Roman „In seiner frühen
Kindheit ein Garten“
Herausgeber: Jens Junek Autorenschaft: Schülerinnen und Schüler des Grundkurs Deutsch 12p13
Alle Rechte vorbehalten.
© Grundkurs Deutsch D12p13 (Abiturjahrgang 2011) der Modellschule Obersberg in Bad Hersfeld, vertreten durch den Herausgeber.
Kontakt
Jens Junek Modellschule Obersberg Am Obersberg 25 36251 Bad Hersfeld E-Mail: junek@modellschule-obersberg.de
Vorwort
Im Rahmen des Deutschunterrichtes einer zwölften Klasse der Modellschule Obersberg haben wir als eine sehr eifrige Gruppe aus Sportleistungskursschülern diese Lektürehilfe für Christoph Heins „In seiner frühen Kindheit ein Garten“ entworfen. In nur vierwöchiger Arbeit haben wir uns viel Mühe gegeben, eine anschauliche Zahl von Texten zu verfassen und möglichst alle wichtigen und interessanten Themen zu berücksichtigen.
Dabei ist unser Anliegen, dass wir vielen anderen Schülern helfen können, indem sie sich mit unserem Lektüreschlüssel einen Überblick über den Roman verschaffen, sich orientieren und dabei Interpretationsansätze zur Weiterentwicklung entdecken. Viel Spaß beim Lesen des Romans und beim erleichterten Interpretieren mit dieser Lektürehilfe.
Mit freundlichen Grüßen
Monique Apel Marielle Fischer Sabrina Böhle Lea Henning Andreas Pannek Denise Kuhl Johanna Roth Eva Sippel Dominik Betz Matheus Drzewiecki Sebastian Ernst Arnold Gildenberger Florian Hoffmann Alexander Görzen Niklas Dähn Nikola Lissner Adrian May Christopher Nuhn Dominic Rehbein Lukas Schmitt Lukas Schott Patrick Sauer Joshua Steinberg Alexander Wiegand Stephan Wiegand
Bad Hersfeld, im Mai 2010
Inhaltsverzeichnis
1. Biographie des Autors 4
2. Historischer Hintergrund 7
3. Inhalt 11
4. Charakterisierungen der Figuren
Richard
16
Friederike
20
Oliver
22
Christin
25
Heiner
27
Katharina Blumenschläger
27
5. Personenkonstellation 29
6. Der Umgang mit der Todeserfahrung 35
7. Parallelen zwischen Romanhandlung und
historischem Geschehen und Intension des
Autors 38
8. Aufbau und Sprachliche Gestaltung 41
9. Bedeutung des Titels 44
10. Interpretationsansätze
Rechtsstaat und Demokratie
47
Rolle der Medien
49
Trauerverarbeitung
51
Schuldfrage
54
11. Rezensionen 58
12. Quellenverzeichnis 66
1. Biografie des Autors
Christoph Hein
Christoph Hein wurde am 8. April 1944 in Heinzendorf im heutigen Polen geboren. Nach Kriegsende flohen seine Eltern mit dem einjährigen Sohn nach Sachsen, wo er in Bad Düben bei Leipzig in einem Pfarrhaus lebte. Dort verbrachte Hein seine Kindheit und bewarb sich 1958 um einen Platz an einer Oberschule im (künftigen) Osten Berlins, welcher ihm allerdings verwehrt blieb, da er Sohn eines Pfarrers war. Da diese Berufsgruppe für die Ideologie des Staates keinen materiellen Nutzen hatte, war der Beruf des Pfarrers mit Nachteilen verbunden. Gewollt waren zum Beispiel Arbeiterkinder. Aus diesem Grund wurde er an der Oberschule nicht angenommen, sodass er schließlich ein Gymnasium im (künftigen) Westen Berlins besuchte. Seine Familie zog nach Ost-Berlin um. Beim Mauerbau entschied sich Hein, bei seiner Familie im Osten zu bleiben; ein höherer Schulabschluss blieb ihm hier aber zunächst verwehrt. Im Alter von 17 Jahren arbeitete er in Ostberlin als Montagearbeiter, Buchhändler, Kellner, Journalist und Schauspieler.
1964 bestand er dann sein Abitur an einer Abendschule. Bereits im Alter von 22 Jahren (1966) heiratete er seine Frau, eine Dokumentarfilmerin. Noch im selben Jahr bekam Hein seinen ersten von zwei Söhnen. Hein begann 1971 einem Studium für Dramaturgie, welches er jedoch nicht erfolgreich beendete. In den folgenden Jahren erlangte Hein einen Abschluss im Studienfach Logik und Philosophie. Ab 1971 arbeitete er an einem Ost-Berliner Theater als Assistent und Dramaturg. Ab 1974 auch als Autor.
1979 fing Hein an, als freier Schriftsteller zu arbeiten. Der bis dahin unbekannte Christoph Hein veröffentlichte 1982 in der DDR die Novelle „Der fremde Freund“, welche ihn bekannt machte. Aufgrund des Titelschutzes erschien die Novelle erst 1983 in Westdeutschland unter dem Namen „Drachenblut“. Er trat dem
Schriftstellerverband der DDR bei. 1984 erhielt Hein den Literaturpreis des Verbandes deutscher Kritiker. In den folgenden Jahren war er auch als Übersetzer für französische Werke tätig. Im Alter von 41 Jahren wird Hein 1985 in die internationale Schriftstellervereinigung P.E.N. (poets,essayists,novelists)gewählt . In den Jahren bis zum Mauerfall beschäftigte sich Hein vor allem mit Vorträgen und Lesungen über DDR-Literatur. Im Jahre des Mauerfalls erhielt Hein den „Lessing-Preis“, einen hochangesehener Literaturpreis der DDR.
Mit seinem Stück „Die Ritter der Tafelrunde“, welches er 1989 schrieb, schuf Hein eine Parabel auf die zugrundegehende DDR. Die Aufführung wurde bis 1989 nicht genehmigt. Die Uraufführung galt als Sieg über die allgegenwärtige Zensur der DDR.
1990 bekam er den Erich-Fried-Preis, ebenfalls ein Literaturpreis, verliehen. In den folgenden Jahren wurde Hein auf Grund seiner literarischen Leistungen in verschiedene Akademien der Künste berufen. Ab 1992 war er Mitherausgeber einer Wochenzeitung. Im Alter von 54 Jahren (1998) wurde er zum Präsidenten des P.E.N. Deutschlands gewählt. Hein erhielt weitere Literaturpreise. Insgesamt erhielt er in seiner Karriere 14, seinen jüngsten in 2010, den Eichendorff-Literaturpreis. 2002 starb seine Frau. In den folgenden Jahren veröffentlichte Hein diverse Bücher, unter anderem 2004 den Roman „Landnahme“, wofür er auch ausgezeichnet wurde. 2006 sollte Hein Leiter des Deutsches Theaters werden, was er aber auf Grund von heftigen Reaktionen gegen ihn, vor allem aus der Presse, nicht annahm. Sein Buch „In seiner frühen Kindheit ein Garten“ wurde im Jahre 2006 erstmalig herausgegeben. Christoph Hein gilt heute als ein bedeutender Schriftsteller im deutschen Sprachraum und insbesondere als bedeutender DDR-Schriftsteller. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller war er außerdem noch als Übersetzer und Essayist tätig.
Wer ist Christoph Hein?
Hein war schon immer ein Außenseiter. Als Flüchtlingskind und Sohn eines Pfarrers hatte er es schon zu Anfang schwer und wurde in seiner neuen Heimat nicht willkommen geheißen. Als Sohn eines Pfarrers spürte er, dass er nicht benötigt wurde. So wurde ihm zum Beispiel, wie schon erwähnt, die Aufnahme an einer Schule verwehrt. Hein wuchs früh in die Rolle des Außenseiters hinein. Zu seinen politischen Ansichten hält sich Hein sehr bedeckt, da er der Meinung ist, dass Prominente mit einer Meinungsäußerung nur zur Volksverdummung beitragen. Bekannt ist aber, dass Hein Sympathisant der Ideologie der DDR ist: „…die Verfassung der DDR liest sich auch heute noch wunderbar...“ (Viertelhaus 2007, S. 78). Allerdings ist Hein „nur“ Sympathisant der Ideologie der DDR, nämlich des Sozialismus. Mit der Umsetzung dieser Ideologie war Hein zum Teil sehr unzufrieden. So sprach er sich schon immer öffentlich gegen die Zensur aus und missachtete sie auch. „Wenn ich den Zensor in meinen Kopf reinlasse, kann ich den Griffel gleich aus der Hand legen“ (ebd., S. 80). Christoph Heins Ziel des Schreibens ist nicht, eine Veränderung zu bewirken, er versteht sich „lediglich“ als Beobachter und versucht so, einen Ist-Zustand möglichst genau zu beschreiben. Schon mit seinem ersten Werk „Der fremde Freund“ wurde Hein zum Chronisten von Deformationen, ob politischer Natur oder gesellschaftlicher. So erzählt er eine Geschichte, mit Hilfe derer er einen Missstand behandelt. Diese „verpackte“ Art Kritik zu üben entwickelte sich vor allem aus dem Schreiben unter Zensur. Es war nicht möglich, Dinge einfach direkt auszusprechen, also bediente sich Hein eines Umweges. Sein Ziel des Schreibens ist, den Menschen ihre
Situation bewusst zu machen, sodass sie von sich aus eine Veränderung herbeiführen. So gibt Hein auch im vorliegenden Roman keinerlei Wertung ab. Er berichtet lediglich. Er greift einen RAF-Fall auf, um zu zeigen, wie ein demokratischer Staat mit Gerechtigkeit und dem Individuum umgeht.
2. Historischer Hintergrund
Die Rote Armee Fraktion (RAF)
Um die Zusammenhänge aus „In seiner frühen Kindheit ein Garten“ zu verstehen, ist es wichtig, das zeitgenössische Geschehen zu erörtern. Daher ist eine Beschäftigung mit der Gruppe, der Oliver Zurek angehörte, und ihrem Einfluss unumgänglich. Die Rote Armee Fraktion war eine aus dem Untergrund agierende, linksterroristische Vereinigung. Sie wurde (informell) im Mai 1970 gegründet und verkündete die Selbstauflösung im April 1998. Während ihrer Wirkungszeit ist sie für 34 Morde und mehrere Überfälle und Attentate verantwortlich zu machen.
Ideologie & Vorgeschichte
Die RAF verstand sich von Beginn an als eine einzig aus politischen Gründen agierende Terrorgruppe. Obwohl sie große Unterschiede zu der Jugendbewegung der späten 60er besaß, vertrat auch sie viele Ansichten der selbigen. Zum einen wurde die verlogene Politik in Deutschland angeprangert, da viele Funktionäre aus der NS-Zeit weiterhin politische Positionen innehatten. Daraus folgte starke Kritik an der „Vertuschungspolitik“, in Folge derer dem Staat auch erneute faschistische Tendenzen nachgesagt wurden. (Antifaschismus)
Allgemein zur Kritik am Kapitalismus der US- Regierung und dem westlichen Europa trugen die Ereignisse des Vietnam-Krieges in erheblichem Maße bei. (Antiimperialismus, Antikapitalismus)
Im Zuge dieser Politisierung der Jugend entwickelten sich, auch als Reaktion auf den Faschismus und die NS-Zeit, viele kommunistische Gruppen. Auch unter den Kommunisten wiederum gab es unterschiedliche Meinungen, etwa ob der Legitimation von Gewalt.
Natürlich gab es dann neben den konservativ Eingestellten auch Radikale. Es kam nun auch zu vielen Unruhen, ein entscheidender Aufreger war jedoch die Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg durch einen Polizisten. Während es in den späten Sechzigern bei Unruhen der Studenten blieb, sah sich die linksradikale RAF als Antreiber einer weiterführenden Revolution. Auch der Name Rote Armee Fraktion zeigt, dass sie sich als Vorreiter einer breiten Masse definierte, die sie jedoch erst von den Missständen überzeugen müsse.
Für die RAF war dabei die Gewaltanwendung ein unumgänglicher Schritt zum Erreichen ihrer Ziele. Nach dem Vorbild von Guerillas wie den Tupamaros in Uruguay
wollten sie durch gezielte Taten aus dem Untergrund den Kampf gegen das „System“ aufnehmen.
Des Weiteren lässt sich zur Ideologie der RAF sagen, dass sie durch ihre eigenen Aktionen die gesteckten Ziele in Frage stellten und die eigentliche Ideologie in den Hintergrund rückten. Dabei geht es vor allem um die Tötung unbeteiligter Personen und auch darum, dass die Geiselnahmen zur Befreiung der Inhaftierten mit der Ideologie nicht direkt zu tun hatten, sondern lediglich die Fronten verschärften und die Gesellschaft, die überzeugt werden sollte, eher abgeschreckt und geschockt wurde.
1. Generation
Als Geburtsstunde der RAF wird die Befreiung Andreas Baaders am 14. Mai 1970 genannt. Journalistin Ulrike Meinhof traf sich unter einem Vorwand mit Andreas Baader im Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen in Berlin. Dieser konnte dann durch Waffengewalt befreit werden. Bei der Befreiungsaktion wurde ein Angestellter des Instituts schwer verletzt. Im Sommer 1970 hielten sich Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Horst Mahler, Peter Homann, Brigitte Asdonk und weitere Personen in Jordanien auf. Sie erhielten in einem Camp eine militärische Ausbildung. Am Anfang fiel die Gruppe durch zahlreiche Banküberfälle und Diebstähle auf, welche das Überleben im Untergrund sichern sollten. Am 29. September 1970 wurde der Dreierschlag durchgeführt, bei dem zur gleichen Zeit drei Banken überfallen wurden. Bei den Überfällen wurden 209.000 DM erbeutet. Die Beteiligten wurden kurz darauf am 9. Oktober 1970 verhaftet. Im April 1971 gab die RAF das Strategiepapier Das Konzept Stadtguerilla heraus. Darauf folgte eine bundesweite Fahndung nach ungefähr 50 Mitgliedern der RAF. Die Spitze der 1. Generation bestand aus Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Holger Meins, Ulrike Meinhof und Jan Carl Raspe. Es gab immer wieder Schusswechsel zwischen der Polizei und der RAF. Diese forderten zahlreiche Opfer. Am 15. Juli 1971 beispielsweise wurde Petra Schelm erschossen, am 22. Oktober und 22. Dezember die Polizisten Norbert Schmid und Herbert Schoner.
1972 wurden die ersten Bombenanschläge auf US-Militäreinrichtungen verübt. Auch staatliche Einrichtungen wurden ins Visier genommen. Bei fünf Sprengstoffanschlägen im Jahr 1972 wurden vier Menschen getötet und über 30 Menschen schwer verletzt. Im Juni 1972 wurde der harte Kern der 1. Generation verhaftet. Die Verhältnisse im Gefängnis bezeichneten die Terroristen als “Isolationsfolter”. Auf diese Verhältnisse reagierten sie mit Hungerstreiks. Diese wiederum forderten Opfer und am 9. November 1974 starb Holger Meins in der JVA Wittich. Zu den Anwälten der ersten Generation gehörten:
Im Mai des Jahres 1975 wurden die Inhaftierten angeklagt und im April 1977 zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt. Die führenden Mitglieder der ersten Generation fanden ihren Tod im Hochsicherheitstrakt der JVA Stuttgart-Stammheim in den Jahren 1976 und 1977. Ulrike Meinhof wurde erhängt in ihrer Zelle aufgefunden. Die zweite RAF-Generation versuchte ohne Erfolg, die Inhaftierten im Deutschen Herbst zu befreien.
2. Generation
Die zweite Generation bildete sich nach der Inhaftierung der ersten Generation und setzte sich zum Ziel, die Inhaftierten zu befreien. Diese wurden von den Rechtsanwälten Siegfried Haag und Klaus Croissant, sie vertraten die erste Generation, rekrutiert. Die Gruppierung wurde immer stärker terroristisch aktiv und das Ziel der politischen Veränderungen, geriet in den Hintergrund. Am 27. Februar 1975 wurde der Spitzenkandidat der CDU, Peter Lorenz, von der Bewegung 2. Juni entführt. Durch diese Entführung sollten Inhaftierte frei gepresst werden, darunter auch RAF-Mitglieder. Die Regierung ging auf die Forderungen der Entführer ein und die geforderten Inhaftierten wurden nach Aden im Jemen ausgeflogen. Daraufhin wurde Peter Lorenz am 4. März 1975 freigelassen. Am 24. April 1975 wurde die deutsche Botschaft in Stockholm von mehreren RAF-Terroristen besetzt. Die Terroristen gingen kaltblütig vor und erschossen zwei Diplomaten. Dadurch, dass ein Sprengsatz versehentlich detonierte, ging das Gebäude in Flammen auf und die Geiseln konnten sich retten. Siegfried Haag, der Drahtzieher der Aktion, wurde am 13. November 1976 verhaftet. Nach Haags Verhaftung übernahm Brigitte Mohnhaupt die Führung der zweiten Generation. Der Generalbundesanwalt Siegfried Buback wurde unter der Leitung von Ulrike Meinhof in Karlsruhe getötet.
Im Deutschen Herbst erreichte der Terrorismus seinen Höhepunkt. Der Präsident des Bundesverbandes der Arbeitgeber, Hans Martin Schleyer, wurde vom 5. September 1977 bis zum 18. Oktober 1977 als Geisel gefangen gehalten. Die Forderung der RAF war erneut die Freilassung der Inhaftierten. Am 30. Juli wurde der Vorstandssprecher der Dresdener Bank, Jürgen Ponto, ermordet. Am 13. Oktober wurde die Lufthansamaschine Landshut durch ein palästinensisches Kommando entführt. Die Entführung des Flugzeugs wurde durch die GSG9 am 18./19. Oktober gewaltsam beendet. Nach dem Scheitern der Landshut-Geiselnahme begingen die
Gründungsmitglieder der RAF Selbstmord. Darauf folgte die Ermordung Schleyers. Das Dasein der RAF war von 1978 bis 1982 vom Leben im Untergrund geprägt.
3.Generation
Die Mitglieder der dritten Generation sind nicht sehr bekannt. Die Befreiung der Inhaftierten RAF-Mitglieder stand nicht mehr im Vordergrund, sondern eher die Kooperation mit anderen Terrorgruppen und gezielte Angriffe auf den Staat. Es ist bekannt, dass Wolfgang Grams und Birgit Hogefeld zur Befehlsebene gehörten. Die RAF fand keinen Rückhalt in der Bevölkerung und lebte isoliert im Untergrund. Am 31. August und 15. September 1981 verübte die RAF diverse Anschläge auf US-Airbasen. 1982 wurde das Mai-Papier veröffentlicht, in dem die Änderungen der Zielsetzungen der RAF bekannt gegeben wurden. Am 9. Juli 1986 wurde der Siemens Manager Karl Heinz Beckurts durch einen Bombenanschlag auf sein Auto getötet. Der Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, wurde am 30. November 1989 ebenfalls durch eine Bombe getötet.
Am 27. Juni 1993 sollten die RAF Mitglieder Wolfgang Grams und Birgit Hogefeld in Bad Kleinen festgenommen werden. Für dieses Vorhaben wurden 100 Polizisten, unter denen 39 GSG9 Beamte waren, eingesetzt. Ein V-Mann sollte sich mit Grams und Hogefeld treffen und daraufhin sollten sie ohne besondere Vorkommnisse festgenommen werden. Trotzdem kam es zu einem Schusswechsel, bei dem ein GSG9 Beamter und Grams starben. Der Tathergang ist unbekannt. Daraufhin trat, was einige Spekulationen hervorrief, Bundesminister Seiters zurück. Am 20. April 1998 verkündete die RAF die Selbstauflösung.
10
3. Inhalt
Der Roman „In seiner frühen Kindheit ein Garten“ von Christoph Hein erzählt die Geschichte eines jungen Terroristen, der bei einem Schusswechsel mit der Polizei ums Leben kommt. Hein berichtet, wie der Staat den Fall auf seltsame Weise zu verschleiern versucht, der Vater des Terroristen bei seiner Trauerarbeit mit seinem Alltag zu kämpfen hat und dabei mit den eigenen Idealen in Konflikt gerät. Kapitel I
In Kapitel I. wird der Leser in den Alltag des pensionierten Schuldirektors Richard Zurek und dessen Frau Friederike eingeführt. Ihr Sohn Oliver ist seit fünf Jahren tot und Richard unterhält sich mit dem Sohn eines Schulkameraden über die vergangenen Jahre. Kapitel II
Richard schreibt einen Brief an den ehemaligen Innenminister, in dem er ihn bittet, ihm über den Tod seines Sohnes Aufschluss zu geben. Des Weiteren redet Richard mit dem Pfarrer über Oliver. Zurek und seine Frau planen einen Besuch des Bahnhofs von Kleinen, an dem ihr Sohn vor fünf Jahren ums Leben gekommen ist. Kapitel III
Herr und Frau Zurek kommen am Bahnhof von Kleinen an, wo sie sich über die Geschehnisse vom Todesfall ihres Sohnes informieren und unter anderem mit einer Bahnangestellten über die Vorfälle in Kleinen sprechen. Wieder zuhause angekommen besprechen sie das weitere Vorgehen, um den Tod ihres Sohnes aufzuklären, und ihre Ängste vor der Presse. Außerdem bitten sie um einen Termin bei ihrem Anwalt Feuchtenberger. Kapitel IV
Ab Kapitel IV. findet ein Rückblick auf den zuvor beschriebenen Sachverhalt bezüglich des Todes ihres Sohnes Oliver statt, bei dem besonders auf die Reaktionen der Eltern eingegangen wird. Friederike Zurek telefoniert mit ihrer Tochter Christin, die sich klar von den illegalen Machenschaften ihres Bruders distanziert. Weiterhin treffen die Zureks ihren Anwalt, mit dem sie über die Obduktion Olivers sprechen, und Freunde ihres Sohnes.
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Kapitel V
Es wird geschildert, wie der Nachfolger Richards, Kobelius, sein Amt angetreten hat. Der Leser bekommt erste Informationen über ihr Verhältnis und erfährt von der Bitte Kobelius, dass Richard in der Aula über den Tod Olivers sprechen möge. Die Zureks werden weiterhin von einer Freundin Olivers besucht, Karin Gloedel, die ihnen die ihr vorliegenden Hinterlassenschaften ihres toten Sohnes bringt. Kapitel VI
Christin und ihr Sohn Konstantin besuchen dessen Großeltern, Richard und Friederike Zurek. Richard unterhält sich mit seinem Enkel über dessen verstorbenen Onkel. Außerdem lässt er erste Schuldgefühle am Tod seines Sohnes verlauten. Kapitel VII
Als überraschenderweise die Meldung, dass Oliver ein Mörder sei, ins Haus der Zureks flattert, benachrichtigt Richard seinen Anwalt und fragt, ob man den Staat verklagen solle. Später telefoniert Friederike mit ihrer Tochter Christin und sie unterhalten sich über Oliver und dessen Entscheidung zwischen Tod und Gefängnis. Des Weiteren erhält Richard die Absage der Protestveranstaltung zur Ermordung Olivers in der Aula seiner ehemaligen Schule. Kapitel VIII
Richard Zurek besucht seinen Anwalt in Wiesbaden und kauft erneut Zeitungsartikel über den Tod seines Sohnes, welche er vor seiner Frau versteckt. Gegen Ende des Kapitels werden die Zureks über die Freigabe ihres Sohnes unterrichtet und planen dessen anschließende Beerdigung. Kapitel IX
Am Vorabend der Beerdigung von Oliver besuchen Christin, ihr Ehemann Matthias und deren Sohn Konstantin das Ehepaar Zurek. Hein schildert daraufhin den Ablauf der Beerdigung und weist auf den dadurch bedingten kurzzeitigen Pressetrubel hin, der kurze Zeit später wieder erlischt. Kapitel X
Das Ermittlungsverfahren zur Aufklärung des Todesfalls von Oliver Zurek wird sieben Monate nach der Schießerei wegen mangelnder Beweise und unglaubwürdiger Zeugen
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eingestellt. Als das Ehepaar Zurek jedoch den Abschlussbericht liest, kommen ihnen die Argumentationen eher rätselhaft vor. Kapitel XI
Familienvater Richard Zurek begreift daraufhin den Kampf um Olivers Ehre gegen den eigenen Staat, dessen Ideale er jahrzehntelang selbst lehrte, als verloren, und beginnt in Büchern seines Sohnes zu stöbern, um dessen Wandel zur Illegalität zu begreifen. Des Weiteren schreibt er zwei Briefe. Den einen an den ehemaligen Innenminister und den anderen an den ehemaligen Generalbundesanwalt. In seinen Briefen bittet er um die Wahrheit und Aufklärung im Todesfall seines Sohnes. Kapitel XII
Das X!!. Kapitel erzählt, wie der Staat das Ehepaar Zurek verfolgt. Es schildert deren Urlaub in Mooskopf und den Plakaten ihres Sohnes, die sich überall befanden. Kapitel XIII
Richard und Friederike schwelgen in Erinnerungen. Sie unterhalten sich über ihr gegenseitiges Kennenlernen und ihre Berufe. Kapitel XIV
Der Antrag auf die Besuchserlaubnis von Katharina Blumenschläger, der Freundin Olivers, wird abgelehnt. Frau Blumenschläger schreibt einen Brief an die Familie Zurek, in dem sie sich für deren Bemühen bedankt. Daraufhin telefoniert Richard erneut mit seinem Anwalt und spricht darüber, Beschwerde einzulegen, welche anschließend abgeschickt wird. Kapitel XV
Herr und Frau Zurek besuchen ihre Tochter Christin und deren Familie und führen eine angeregte Unterhaltung über den Wandel Olivers. Kapitel XVI
Lutz Immenfeld, ein Schul- und Kriegskamerad von Richard, besucht das Ehepaar und schlägt ihm vor, gewaltsam gegen den Staat vorzugehen, wenn es rechtlich keine andere Möglichkeit mehr gäbe, Recht zu sprechen. Später erhält Friederike Zurek
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Jens Junek, 2010, Lektürehilfe zu Christoph Hein: In seiner frühen Kindheit ein Garten, München, GRIN Verlag GmbH
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