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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung - Was machst du gerade? 3
2. Die Technik 4
3. Die Realität von Twitter 5
3.1. Das Massenmedium 7
3.1.2. Massenkommunikation nach Maletzke 7
3.1.1. Das Arena-Modell 8
3.1.3. Luhmanns Verbreitungsmedien 8
3.1.3.1. Nachrichten 9
3.1.3.2. Unterhaltung 10
3.1.3.3. Werbung 11
3.2. Privatinformationen 12
3.2.1. Selektionsregel 12
3.2.2. Alltägliches 14
4. Fazit - Der wohltuende Realismus 15
Literaturverzeichnis 17
3
1. Einleitung: Was machst du gerade?
Die Fragestellung “What are you doeing?”, die über der dafür vorgesehenen Eingabemaske zu lesen ist, müsste im Grunde genommen „Was möchtest du der Welt mitteilen?“ lauten. Lefe aus Köln freut sich in diesem Moment auf einen Erasco Linseneintopf zum Mittagessen 1 , dabei informiert Peter Klinglmüller seine Follower darüber, dass der Fußballclub Union Berlin auf wichtige Sponsorengelder verzichtet 2 , während Frank Wallitzek aus Bonn für kurzweilige Unterhaltung sorgt und ein lustiges Foto seiner beiden Katzen ins Internet stellt. 3 So wie Lefe, Frank und Peter, die sich einander nicht kennen, kommunizieren derzeit insgesamt knapp 40 Millionen Nutzer weltweit über Twitter 4 und tragen dazu bei, dass ein öffentlicher Raum entsteht, der eine erstaunlich große Anzahl an Mitteilungen mit einem immensen Themenspektrum beinhaltet, wie es bisher noch von keinem anderen Medium zuvor geleistet werden konnte. Bis zum Jahr 2013 sollen über eine Milliarde Nutzer den Microblogdienst verwenden und damit Twitter zum größten Online-Dienst im Internet machen 5 . Ein so reichhaltiges Kommunikations- und Themenangebot, das von jedermann mitgestaltet werden kann, und das für alle rezipierbar ist, muss weitreichende Konsequenzen für die Realitätskonstruktion der Gesellschaft haben. Zum ersten Mal könnte Bertolt Brechts Vorschlag von einem Kommunikationsapparat, der versteht, „nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen“ 6 , Anwendung finden. Vieles deutet dennoch darauf hin, das Twitter auch als Massenmedium verstanden werden kann. In der vorliegenden Arbeit werden die medialen Eigenschaften beider Begriffe aus konstruktivistischer Perspektive näher betrachtet, um zur Feststellung zu gelangen, dass es sich bei Twitter um eine Verschränkung von Kommunikationsapparat und Massenmedium handelt. Das soll heißen, dass die Aspekte beider Formen bestimmend für die Beschaffenheit des hier betrachteten öffentlichen Raumes sind. Twitter erfüllt die Funktionen der klassischen Massenmedien nach Niklas Luhmann: Repräsentation von Öffentlichkeit, Orientierung und Selbstverortung in der Gesellschaft. Zudem hat Twitter durch seine medialen Eigenschaften als Kommunikationsapparat das Potential,
1 Vgl. Lefe. In: Twitter, URL: http://twitter.com/Lefe (30.08.2009).
2 Vgl. Peter Klinglmüller. In: Twitter, URL: http://twitter.com/pk2604 (30.08.2009).
3 Vgl. Frank Wallitzek. In: Twitter, URL: hhtp://twitter.com/frankwallitzek (30.08.2009).
4 Vgl. Knüwer, Thomas: Twitter will künftig mit Unternehmen Geld verdienen. In: Zeit Online, URL: http://www.zeit.de/online/2009/31/twitter-firmenaccounts-einnahmen (03.09.2009) [S. 1].
5 Vgl. ebd., [S. 1].
6 Brecht, Bertolt. In: Kursbuch Medienkultur, Düsseldorf 2004, S. 260.
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Realität realer zu konstruieren als es bisher die klassischen Massenmedien allein leisten konnten.
Um die genannten Punkte nachweisen zu können, ist es notwendig, wichtige technische Funktionen von Twitter darzustellen, um anschließend mit überwiegender Hilfe der Theorien von Niklas Luhmann die Aspekte der Medialität von Twitter und ihre Wirkung erläutern zu können. Dabei können dem Umfang dieser Arbeit entsprechend nicht auf alle Punkte eingegangen werden. Es sollte trotzdem deutlich werden, dass Twitter ein Medium ist, mit dessen Hilfe sich die Gesellschaft selbstbeschreibt, dass alle gesellschaftlichen Themen integriert, um private Themen ergänzt und damit als thematisch allesumfassend gelten kann.
2. Die Technik
„Twitter is like having a party in your pocket!” 7 oder “Twitter is the best and easiest social marketing tool on the web - fast updates, low maintenance, potentially high impact and fun!” 8 oder “Twitter is a online tool that lets you send messages & talk to whomever you ‘follow’ and whomever is following you” 9 . Diese Sätze, die aus der Twitter-Blogosphäre entnommen sind, sollen verdeutlichen, was Twitter für seine Netzwerk-Teilnehmer sein kann - nämlich eine öffentliche, informative, unterhaltsame und für Marketingzwecke zugebrauchende Kommunikationsplattform, mit der jeder Nutzer theoretisch 10 selbst entscheiden kann, welche Blogs 11 er von anderen empfangen möchte und welche Nutzer, die wir im Folgenden Follower nennen werden, seine Tweets abonnieren dürfen. Genau formuliert ist Twitter ein eindimensionales „Microblogging-Werkzeug“ 12 , mit dem Information in den Umlauf gebracht wird und eine Reaktion nicht zwingend notwendig ist. Der Begriff Werkzeug deutet bereits darauf hin, dass es sich hier nicht notwendigerweise um eine Internetseite handeln muss, sondern Twitter ein Medium darstellt, das in anderen Medien integriert werden kann und selbst andere Medien integriert. So zum Beispiel ist Twitter einerseits mit Hilfe von Internetseiten, wie z.B. Facebook und StudiVZ oder auch mit SMS und Email nutzbar, und andererseits können alle öffentlichen Inhalte aus dem Internet mit Hilfe eines Hyperlinks im Tweet veröffentlicht werden, so dass Fotos, Videos, Audiofiles
7 Micek, Deborah/Warren Whitlock: Twitter Revolution. How Social Media and Mobile Marketing is Changing the Way We Do Business & Market Online, Las Vegas 2008, S. 32.
8 Ebd., S. 32.
9 Ebd., S. 32.
10 Theoretisch deshalb, da nicht kontrollierbar ist wer empfängt. Siehe Kapitel 3.1.1.
11 Blogs: im Folgenden auch Tweets genannt: Kurze Einträge mit maximal 140 Zeichen.
12 Ebersbach, Anja u.a.: Social Web. Konstanz 2008, S. 77.
5
oder die Inhalte anderer Webseiten indirekt über Twitter verschickt werden. So entsteht eine integrierte Plattform, die charakteristisch für das Internet, im Besonderen für die Blogosphäre ist: „eine Mischung aus Informationsaustausch und sozialer Vernetzung“. 13 Oder konkreter formuliert:
„Die Communitys […] in der Blogosphäre zeigen sich gegenseitig die Welt. So wird die Neugierde bedient und Informationsflut gleichzeitig thematisch gefiltert. War es bisher das Problem von Internetbesuchern, dass sie oft nicht wussten, wie sie auf neue Seiten kommen, die sie interessieren, so etablieren die Social-Software-Plattformen völlig neue Einstiegspunkte in das WWW“ 14 .
Erwähnt werden muss, dass Twitter darüberhinaus seinen Nutzern die Möglichkeit bietet, die Nachrichten anderer Medien nicht nur aufzugreifen sondern auch private Themen öffentlich zu machen, so dass Privatheit und Öffentlichkeit offenbar endgültig miteinander vermischt 15 werden - einem Vorgang, der bereits von anderen Medien bekannt ist. 16 Die Verschränkung von Privatem und Öffentlichem mittels einer öffentlichen und massenmedialen „Used-generated“ 17 - Plattform, die alle gesellschaftlichen Themen (alle Programmbereiche) integriert, weltweit über verschiedene Kanäle und mobil nutzbar ist, hat weitreichende Folgen für die Selbstbeschreibung der Gesellschaft und die Konstruktion von Realität, auf die im nächsten Kapitel näher eingegangen werden soll.
3. Die Realität von Twitter
Um die Konstruktion von Realität durch Twitter beschreiben zu können, macht es Sinn einen Blick auf die Theorien Niklas Luhmanns, der dem operativen Konstruktivismus zuzuordnen ist und ausführlich das System der Massenmedien untersucht hat, zu werfen. Luhmann beschreibt in diesem Werk, welche Funktionen die Massenmedien in der Gesellschaft einnehmen, wofür sie verantwortlich sind und kommt zur Erkenntnis: „Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien“. 18 Damit ist gemeint, dass wir mit Hilfe der Massenmedien die Welt lesen können bzw. durch ihren Inhalt ein konstruiertes Bild der Realität geliefert bekommen. Denn systemtheoretisch betrachtet, beobachten Massenmedien mit Hilfe einer Unterscheidung, die die Differenz von System und
13 Ebersbach: Social Web, S. 77.
14 Ebd., S. 204.
15 Vermischung von Privatheit und Öffentlichkeit, siehe Kapitel: 3.2. und 4.
16 Vgl. Hickethier, Knut: Einführung in die Medienwissenschaften, Stuttgart 2003, S.213.
17 Used-generated-Content: Von den Nutzern selbst erstellte Inhalte. Potentielle Nutzer sind alle Institutionen, Firmen, Politiker, Privatpersonen, traditionelle Massenmedien mit Zugang zum Internet.
18 Luhmann, Niklas: Realität der Massenmedien, Wiesbaden 2004, S. 9.
Arbeit zitieren:
Felix Wende, 2009, Twitter - Das Verbreitungsmedium für Alle, München, GRIN Verlag GmbH
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