Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Theoretische Grundlagen einer Marktpotenzialanalyse für
Sportgro ßveranstaltungen. 4
2.1 Sozio-Ökonomische Bedeutung von Sportgroßveranstaltungen 4
2.2 Die Rolle der Zuschauernachfrage für den Erfolg einer
Sportgro ßveranstaltung und mögliche Besonderheiten der Nachfrage
nach Spielen der FIFA Frauen-WM 2011 5
2.3 Hypothesen zur Zuschauernachfrage in Nachbarstädten der
Austragungsorte 7
3 Methodik 9
3.1 Bevölkerungsbefragungen als Instrument zur Einschätzung des
Nachfragepotenzials 9
3.2 Aufbau des Fragebogens 11
3.3 Datenerhebung 13
3.3.1 Stichprobenziehung Bevölkerungsbefragung in der Stadt
Duisburg 13
3.3.2 Vergleich mit kompatiblen Erhebungen aus Bochum 14
3.3.3 Qualität der Primärdaten 15
3.4 Datenverarbeitung und Datenauswertung 17
4 Ergebnisse der Nachfrageanalyse 18
4.1 Allgemeine deskriptive Daten der Bevölkerungsbefragungen in
Duisburg 18
4.1.1 Soziodemographische Daten 18
4.1.2 Psychographische Daten 21
4.1.3 Konsumgewohnheiten bezogen auf die Stadt Bochum
(Bermuda Dreieck, Bochumer Stadion) 24
4.1.4 Besuchsabsicht FIFA Frauen-WM 2011 im Bochumer
Stadion 25
4.2 Allgemeine deskriptive Daten der Bevölkerungsbefragungen in
Bochum 26
4.2.1 Soziodemographische Daten 26
4.2.2 Psychographische Daten 29
4.2.3 Konsumgewohnheiten bezogen auf die Stadt Bochum
(Bermuda Dreieck, Bochumer Stadion) 31
4.2.4 Besuchsabsicht FIFA Frauen-WM 2011 im Bochumer
Stadion 32
4.3 Korrelation der Variablen 33
4.3.1 Zwischenergebnisse der Datensätze 33
4.3.2 Hypothesenprüfung: Frauenfußballinteresse 36
4.3.3 Hypothesenprüfung: Besuchsabsicht Spiele Frauen-
WM 2011 37
4.4 Diskussion der Ergebnisse 39
4.5 Bedeutung der Ergebnisse für die Maßnahmen des Organisations-
komitees zur Zuschauergewinnung 41
5 Schlussbetrachtung 44
Literaturverzeichnis 46
Internetquellen 50
Anhang 52
1 Einleitung
Die FIFA Frauen-WM 2011™ findet im Zeitraum vom 26. Juni 2011 bis zum 17. Juli 2011 in Deutschland statt. Das Rewirpowerstadion im Zentrum des Ruhrgebietes in Bochum wird eines von insgesamt neun Fußballstadien sein, dass die Spiele der 16 Endteilnehmer beherbergt. Die Herren-WM 2006 in Deutschland hatte bereits gezeigt, welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Potenziale solche sportlichen Großereignisse bergen (siehe hierzu Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2009).
Bei der bevorstehenden Frauen-WM 2011 kann gegenwärtig auf die Forschungserfahrungen aus 2006 zurückgegriffen werden (z.B. Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2008; Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2009a; Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2009b). Im Gegensatz zur Herren-WM 2006, die hinsichtlich der Stadien- und Fanfestnachfrage ein Selbstläufer war (vgl. Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2009b; Kurscheidt & Klein, 2009b, S. 3), wird es bei der Frauen-WM 2011 erhebliche Anstrengungen benötigen die Arenen und Fanmeilen wie z.B. das Bermudadreieck in Bochum zu füllen, um annähernd die positiven wirtschaftlichen Effekte und Imagewirkungen für die Austragungsregionen zu erzeugen (vgl. Kurscheidt & Klein, 2009b, S. 3). Die Herausforderung liegt in der Aktivierung aller Potenziale des Ereignisses (vgl. Kurscheidt & Klein, 2009b, S. 3; Kurscheidt, 2004; Kurscheidt, 2003).
Das übergeordnete Ziel dieser Bachelorarbeit ist, über solide Bevölkerungsbefragungen in NRW am empirischen Beispiel der Stadt Duisburg, den geplanten Konsum- als auch die Besuchsabsicht der einzelnen Bevölkerungsgruppen zur FIFA Frauen-WM im Bochumer Stadion während der Frauenfußball-WM 2011 zu erfassen. Hieraus resultieren die dieser Arbeit zugrunde liegenden zwei Forschungshypothesen:
1. Bei der Duisburger Bevölkerung ist das Frauenfußballinteresse höher als bei der Bochumer Bevölkerung.
2. In der Bochumer Bevölkerung ist die Absicht das Bochumer Stadion während der Frauen-WM zu besuchen verbreiteter als in der Duisburger Bevölkerung.
1
Die Bevölkerungsbefragungen fanden an sportneutralen Standorten statt. Überdies wurde von der „Family & Friends“ Methode Gebrauch genommen.
Als Grundlage für die Bevölkerungsbefragungen dient ein, von der Forschungs- gruppe„Empirische Begleitforschung zur FIFA Frauen-WM 2011 TM “ des Lehr- und Forschungsbereiches Sportmanagement/ Sportsoziologie der Ruhr-Universität Bochum, zur Frauen-WM 2011 erstellter Fragebogen (Fragebogen siehe Anhang).
Die Informationen aus den Fragebögen wurden in einen Datensatz des Statistikprogramms SPSS 18 eingepflegt und analysiert. Die statistische Auswertung orientiert sich an den oben geschilderten Zielstellungen. Zunächst wird eine univariate Auswertung in Form einer deskriptiven Darstellung erzeugt (vgl. Kromrey, 2009, S. 403 ff.). Anschließend ist die Verteilung der Beobachtungen in einer bivariaten Auswertung (Geschlecht, Alter, Bildung, Einkommen) gut einsehbar und vergleichbar (vgl. Kromrey, 2009, S. 441 ff.). Mit der Überprüfung von Zusammenhängen zwischen den Variablen wird es möglich die Einstellung zur Konsums- und Besuchsabsicht korrekt abzubilden (vgl. Backhaus et al., 2008, S. 11). Idealerweise lassen sich die Auswertungen klassifizieren und in Typologien präsentieren (vgl. Backhaus et al., 2008, S. 14.).
Mit dieser Bevölkerungsbefragung bezüglich des Reise- und Konsumverhaltens ist es möglich auf primärempirischer Basis die unmittelbaren touristischen und wirtschaftlichen Effekte zu erfassen (vgl. Kurscheidt & Klein, 2009b, S. 4). Die produktive Verwendung der Ergebnisse findet in einer soliden empirischen Ermittlung einer Prognose aktivierbarer Zielgruppen für einen Stadionbesuch als Voraussetzung fruchtbarer sozioökonomischer Standorteffekte statt. Außerdem bietet die Bachelorarbeit Hilfestellung bei der Ermittlung von effektiven Themen zur Aktivierung der Besuchsabsicht und sorgt für empirisch solides Wissen im Hinblick auf die nächsten Eventaustragungen.
Literatur zum Frauenfußball ist ausgiebig vorhanden. Es existiert Literatur zum Frauenfußball aus historischer Perspektive (z.B. Hoffmann & Nendza, 2005; Novak, 2002; Selmer, 2006; Wesp, 2001; Witte, 2007), aus soziologischer Perspektive (z.B. Busch, 1997; Diketmüller, 2005; Fechtig, 1995; Gerulat, 2006; Linsen, 2001; Sinnig, 2007) als auch aus ökonomischer Perspektive (z.B. Bökemeier,
2
2005; Küster, 2001; Laumann, 2004). Darüber hinaus bestehen weitere Publikationen der Ruhr-Universität Bochum über Frauenfußball (vgl. Klein, 2009a; Klein, 2007b; Mintert, Klein, 2007). Außerdem existieren zahlreiche Schriftwerke zum Thema Großevents im Fußball (vgl. Klein & Kurscheidt, 2007c; Kurscheidt, 2009a; Kurscheidt, 2009b; Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2008; Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2009a; Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2009b; Kurscheidt 2004; Preuß, Siller, Stickdorn, Schütte & Zehrer, 2009). Literatur die sich speziell mit dem Thema „Nachfragepotenzial der Frauen-WM 2011“ befasst, ist nicht vorhanden. Infolge- dessenkönnen die tatsächlichen Nachfrager nur „geschätzt“ werden. Eine ver- gleichbareprimärempirische Forschung wurde bei der Herren-WM 2006 durchgeführt (siehe hierzu Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2008; Kurscheidt Preuß & Schütte 2009a; Kurscheidt Preuß & Schütte 2009b). Genau wie das Vorgehen im Zuge dieser Bachelorarbeit zur Frauen-WM 2011, wurden zur Herren-WM 2006 u.a. schriftliche Befragungen im Vorfeld der WM durchgeführt, um eine Prognose über die tatsächlichen Nachfrager zu ermitteln.
Die Forschungsgruppe des Lehr- und Forschungsbereiches Sportmanagement/ Sportsoziologie der Ruhr-Universität Bochum führt momentan, unter der Leitung von Prof. Dr. M.-L. Klein und Dr. Kurscheidt, eine empirische Begleitforschung zur Frauen-WM 2011 durch (siehe hierzu Kurscheidt & Klein, 2009b). Die Bachelorarbeit findet projektbegleitend statt. Die Daten und Auswertungen aus den Befragungen der Bachelorarbeit werden in die Begleitforschung mit einbezogen. Diesen wird ein Bochumer-Datensatz aus Befragungen des oben vorgestellten Projekts gegenübergestellt.
Die Bachelorarbeit beginnt mit theoretischen Grundlagen einer Marktpotenzialanalyse für Sportgroßveranstaltungen. Hier soll zum einen die Sozio-Ökonomische Bedeutung von Sportgroßveranstaltungen angesprochen werden; zum anderen wird die Rolle der Zuschauernachfrage für den Erfolg einer Sportgroßveranstaltung mit möglichen Besonderheiten der FIFA Frauen-WM 2011 näher erläutert. Nachkommend werden die Forschungshypothesen zur Zuschauernachfrage in Nachbarstädten der Austragungsorte formuliert, deren Prüfung sich diese Bache-lorarbeit zum Ziel nimmt.
3
Im darauffolgenden Kapitel wird das methodische Instrumentarium angesprochen. Es wird die Gültigkeit von Bevölkerungsbefragungen zur Einschätzung des Nachfragepotenzials angesprochen, der Aufbau des benutzten Fragebogens veranschaulicht, sowie die Methoden der Datenerhebung als auch Datenverarbeitung und Datenauswertung verdeutlicht. Schließlich werden die Ergebnisse der Befragungen in deskriptiven Darstellungen dokumentiert, die formulierten Hypothesen geprüft und die daraus resultierenden Ergebnisse diskutiert. Anschließend wir die Bedeutung der Ergebnisse für die Maßnahmen des Organisationskomitees zur Zuschauergewinnung erörtert und die Ergebnisse der Bachelorarbeit in einer Schlussbetrachtung reflektiert.
2 Theoretische Grundlagen einer Marktpotenzialanalyse für Sportgroßveranstaltungen
2.1 Sozio-Ökonomische Bedeutung von Sportgroßveranstaltungen
„Sportgroßveranstaltungen haben in den vergangenen Jahren weltweit zunehmende wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung erlangt. Erhöhte Ansprüche der Besucher an die Qualität der sportlichen Leistungen und an den Erlebniswert der Veranstaltungen, erheblicher organisatorischer Aufwand, hohe öffentliche und private Investitionen sowie ein intensiver Wettbewerb der Veranstaltungsorte untereinander
kennzeichnen die aktuelle Situation“ (Gans, Horn & Zemann, 2003, S. 19).
Sportgroßveranstaltungen sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Freizeitkultur geworden. Stärker als in anderen Bereichen (Kultur, Freizeitgestaltungen wie z.B. Tourismus) fußt der Sport auf „Events“, denn Spitzenleistungen können nur im Wettkampf oder Schaukampf, als Zuschauersport, produziert werden (vgl. Kurscheidt, 2009a, S. 28-29). Sportgroßveranstaltungen bieten den Zuschauern in den Stadien/ Sporthallen wie auch an den Fernsehern spannende Unterhaltung und Erholung vom Alltag. Aus dem u.a. gemeinschaftlichen Erleben von spannungsgeladenen Wettkämpfen beziehen Sportgroßveranstaltungen einen Großteil ihrer Attraktivität (vgl. Klein, 1996, S. 55 f.). In einer Situation zwischen Kameradschaft und der Anonymität einer Masse teilen die Zuschauer ihr emotionales Erleben. So werden intensive Gefühle geteilt und eine Gemeinschaftszugehörigkeit erlebt (vgl. Weiß, 1999, S. 182). Zudem werden den Sportgroßveranstaltungen Funktionen im Rahmen der Integrationsförderung von
4
Minderheiten sowie der Vermittlung von Orientierung und Werten zugesprochen (vgl. Gans, Horn & Zemann, 2003, S. 99).
Gans, Horn & Zemann (2003, S. 99-100) stellen dem negative Aspekte wie beispielsweis die gesundheitlichen Risiken beim Besuch von Sportgroßveranstaltungen (Unfälle, Hörschädigungen usw.) gegenüber. Darüber hinaus verweisen sie auf verschiedene mögliche Konfliktsituationen zwischen den Zuschauern z.B. durch Hooligans (Siehe hierzu auch Rahmann et al. 1998, S. 54).
Auf der (potenziell positiven) öffentlichen Wahrnehmung und der hohen Nachfrage für den Besuch oder den TV-Konsum einer Veranstaltung, beruht das starke Interesse der Stadtoberen, Landes- und Bundespolitiker sich in der Ausrichtung von Großereignissen zu beteiligen (vgl. Kurscheidt, 2009a, S. 13). So kann eine derartige prestigeträchtige Großveranstaltung genutzt werden um sich z.B. als erfolgreicher Organisator vor einem großen Publikum darzustellen. Zudem ist es im Interesse vieler Großstädte „Events“ strategisch in Stadtentwicklungspläne einzubinden, um sich ein positives Standortprofil zuzulegen und sich so im nationalen sowie zunehmend internationalen Wettbewerb hervorzuheben. Nicht zuletzt erhoffen sich die Austragungsregionen dadurch einen zumindest kurzfristigen Zuwachs der Kaufkraft durch Veranstaltungstouristen, Sponsoren, öffentliche Finanzzuweisungen übergeordneter Gebietskörperschaften und private Investoren (vgl. ebd., S. 13-14, Rahmann et al. 1998, S. 65ff. & Klein, 1996).
Die empirische Analyse zur FIFA Herren-WM 2006 von Kurscheidt, Preuß & Schütte (2009b) wie auch die Dissertation über die Zuschauernachfrage im professionellen Teamsport von Roy (2004) sind nur zwei Beispiele von vielen, die für eine sehr große ökonomische und soziale Bedeutung der Zuschauernachfrage für den Erfolg einer Sportgroßveranstaltung sprechen. Auf Grund der sehr starken Zuschauernachfrage berechneten Kurscheidt, Preuß & Schütte (2009b, S. 223) den Primärimpuls nach Konsumverwendungszwecken der Herren-WM 2006.
5
Diese Berechnung ergab in den direkt betroffenen Branchen eine zusätzliche Nachfrage nach tourismus- und event-spezifischen Waren und Dienstleistungen (z.B. Übernachtung, Gastronomie, Einzelhandel usw.) in Höhe von mehr als 2,8 Mrd. Euro. Zwar stiegen gleichzeitig die Kosten der jeweiligen Branchen (z.B. zusätzlicher Einkauf von Lebensmitteln) aber der eindeutige Profit wurde nicht gefährdet (vgl. Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2009b, S. 223). Durch diesen Primärimpuls kam es in Deutschland im Jahr 2006 infolge gesamtwirtschaftlicher Kreislaufeffekte zu einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von über 3,2 Mrd. Euro. (vgl. ebd., S. 224).
Im Zuge der Zuschauernachfrage weist Roy (2004, S. 17) auf die verschiedenen Einflussfaktoren des Nachfrageverhaltens hin. Roy beruft sich auf die Punkte der „Preis-Nachfrage-Beziehung“ sowie der „Einkommens-Nachfrage-Beziehung“ (vgl. ebd., S. 17 & 19). Einerseits wird die Zuschauernachfrage von den Preisen beeinflusst: Wenn sich die Frauen WM-2011 beispielsweise mit hohen Eintrittspreisen präsentiert, so wird die Nachfrage sinken. Durch niedrigere Eintrittspreise kann die Frauen-WM 2011 mehr Zuschauer ansprechen und die Stadien füllen.
„Zwischen der nachgefragten Menge eine Gutes und dessen Preis besteht im Regelfall eine inverse Beziehung. Bei fallendem Preis steigt die Nachfrage, bei steigendem Preis sinkt sie“ (Roy, 2004, S. 17).
Andererseits beeinflusst das Zuschauereinkommen die Nachfrage des Events: Je höher das Einkommen, desto mehr Güter (z.B. VIP Lounge) werden in Anspruch genommen (vgl. ebd., S. 19). Übersteigen die Eventkosten (z.B. Für den ausländischen Besucher: Flug/ Reise, Übernachtung, Nahrung, Eintrittspreise usw.) allerdings das Budget der Publikumshaushalte, so werden diese nicht zum Event reisen.
„Das Haushaltseinkommen oder im diskutierten Falle das Budget für Ausgaben zur Freizeitgestaltung stellt nun eine Restriktion in der Entscheidung für eine gewisse präferierte Güterkombination dar, da die Ausgaben eben höchstens so hoch wie das
Budget sein können“ (ebd., S. 17).
Ob bewusst oder unbewusst, die Frauen-WM 2011 wird an den hohen Ansprüchen der Herren-WM 2006 gemessen (vgl. Kurscheidt & Klein, 2009b). Durch ein geeignetes strategisches Marketing muss bei der Frauen-WM 2011
6
gezielt für eine hinreichende Nachfrage gesorgt werden, um annähernd die positiven wirtschaftlichen Effekte und Imagewirkungen für die Austragungsregionen zu erzeugen wie die Herren-WM 2006 (vgl. Kurscheidt & Klein, 2009b, S. 3).
Obwohl Gdawietz und Kraus (2007, S. 60f.) den höheren Zuschauerzuspruch bei den deutschen Frauenfußball-Länderspielen als bei Frauenfußball-Bundesligaspielen verdeutlichen, reicht es für das Ausschöpfen der Zuschauerkapazitäten für regelmäßig ausverkaufte Stadien noch nicht aus (vgl. ebd., S. 61f.). Zudem ist zu beachten, dass bei der Frauen-WM 2011 mit einer weitgehend unterschiedlichen Besucherstruktur zu rechnen ist, als bei der Herren-WM 2006 (Kurscheidt & Klein, 2009b, S. 3). Hieraus entsteht ein unterschiedliches Konsum- und Reiseverhalten der Zuschauer (ebd.).
Deutschland ist Gastgeber der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 und die Stadt Bochum einer der Austragungsorte. Im Rahmen dieser Arbeit wurden Bevölkerungsbefragungen in der von Bochum ca. 40 km entfernten Stadt Duisburg durchgeführt. Duisburg zeichnet sich unter anderem durch die sehr erfolgreiche Frauenfußball-Bundesliga Mannschaft FCR 2001 Duisburg aus (vgl. FCR 2001 Duisburg, 2010).
Vor diesem Hintergrund nimmt die Arbeit Bezug auf den Faktor Regionalität der Frauenfußballnachfrage sowie auf die Kategorie Frauenfußballinteresse der Bevölkerung. Somit definiert sich als übergeordnetes Ziel der Arbeit, über solide Bevölkerungsbefragungen in NRW am empirischen Beispiel der Stadt Duisburg, die Konsumgewohnheiten als auch die Besuchsabsicht zur FIFA Frauen-WM im Bochumer Stadion, während der Frauen-WM 2011 zu erfassen.
Für diesen Forschungsansatz ergeben sich die folgenden Fragen: Wer würde nach Bochum reisen, um im dortigen Stadion ein Spiel der Frauen-WM 2011 zu besuchen? Auf welchem Stand liegt das allgemeine Frauenfußballinteresse? Hat
7
die Duisburger Bevölkerung, aufgrund ihrer sehr erfolgreichen Frauenbundesligamannschaft, mehr Frauenfußballinteressierte als die Bochumer Bevölkerung? Welchen Einfluss nimmt die Entfernung zur Austragungsstätte auf die Nachfrage? Wirkt sich die Entfernung zum Austragungsort im Bochumer Stadion unter Umständen negativ auf die Besuchsabsicht der Duisburger Bevölkerung aus? Diese Fragen werden anhand der 2 formulierten Forschungshypothesen geprüft:
1. Bei der Duisburger Bevölkerung ist das Frauenfußballinteresse höher als bei der Bochumer Bevölkerung.
2. In der Bochumer Bevölkerung ist die Absicht das Bochumer Stadion während der Frauen-WM zu besuchen verbreiteter als in der Duisburger Bevölkerung.
An Beispielen von erfolgreichen Sportlern, wie z.B. Boris Becker im Tennis oder Michael Schumacher in der Formel 1, wird deutlich, dass der Erfolg der Akteure das Interesse der deutschen Zuschauer an ihrer jeweiligen Sportart verstärkt hat. Daneben ist das steigende Interesse am Frauenfußball, ausgelöst durch den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft, spürbar. Der FCR 2001 Duisburg zählt mit einem Europapokalsieg, einer deutschen Meisterschaft und drei deutschen Pokalsiegen (Stand August, 2010) zu den Spitzenmannschaften im deutschen Frauenfußball. Zuletzt haben sie den UEFA Women’s Cup 2009 sowie den DFB Pokal 2009 und 2010 gewonnen. Sie bieten einen attraktiven Kader mir mehreren Nationalspielerinnen wie beispielsweise die ehemalige Ruhr-Universität Studentin Annike Krahn oder die Torschützenkönigin der U-20 Weltmeisterschaft 2010 Ale-xandra Popp (vgl. FCR 2001 Duisburg, 2010.). Es liegt die Vermutung nahe, dass sich dieser Erfolg der Mannschaft ebenso förderlich auf das Frauenfußballinteresse in der Stadt Duisburg auswirkt. Die dem gegenüber gestellte Nullhypothese lautet hingegen, dass es einen solchen positiven Effekt in Duisburg nicht gibt. Das Interesse wäre demnach in der Duisburger sowie Bochumer Population entweder gleich hoch oder die Bochumer Population verfügt über mehr Frauenfußballinteressierte als die Duisburger Bevölkerung.
Bezüglich der 2. Forschungshypothese liegt die Vermutung nahe, dass die Bochumer Bevölkerung, während der Frauen-WM 2011 eher das Bochumer Stadion
8
besuchen würde als die Duisburger Bevölkerung, da das Stadion unmittelbar und schneller erreichbar ist. Die Duisburger Bevölkerung hat einen mindestens 40 km langen Weg vor sich bis zum Stadion. Dies beansprucht einen höheren zeitlichen und organisatorischen Aufwand und, so die Annahme, senkt folglich die Reisebereitschaft zum Austragungsort. In der Nullhypothese wird hingegen davon ausgegangen, dass sich die Regionalität nicht auf die Besuchsabsicht auswirkt und es somit keinen Zusammenhang zwischen Regionalität und Besuchsabsicht des Bochumer Stadions besteht.
3 Methodik
Schätzungsweise werden rund 90% aller Daten durch Befragungen gewonnen. Bevölkerungsbefragungen sind somit die mit Abstand am häufigsten verwendete Methode der Datenerhebung (Bortz & Döring, 1995, S. 216). „Zugleich ist sie auch dasjenige Verfahren, das am weitesten entwickelt ist“ (Kromrey, 2009, S. 336). Die Methode lässt sich in die mündliche Befragung, in Form von Interviews, und in die schriftliche Befragung über Fragebögen unterteilen (Bortz & Döring, 1995, S. 216).
Den Kern der Untersuchung und dieser Arbeit bilden schriftliche Befragungen mit einem standardisierten Fragebogen (n insgesamt = 290). Die Befragungen fanden zu verschiedenen Zeitpunkten am Duisburger Innenhafen, an der Duisburger Universität sowie am 18. Juli auf der „Kulturmeile A40“ statt. Zudem wurden Befragungen mit der „family & friends“ - Methode durchgeführt. Bei dieser Methode wurden Fragebögen im Bekanntenkreis des Autors aus Duisburg ausgefüllt. Ferner haben Freunde und Familienangehörige in ihren jeweiligen Bekanntenkreisen (Familie, Freunde, Arbeitskollegen etc.) in Duisburg Fragebögen ausfüllen lassen (n=79).
Der Duisburger Innenhafen ist gekennzeichnet durch eine u.a. hohe Dichte von gastronomischen Betrieben (Siehe hierzu: Innenhafen Portal, 2010). Nach
9
Arbeit zitieren:
Bachelor of Sports Science Serkan Kiyar, 2010, Nachfragepotenzialanalyse für den Spielort Bochum zur FIFA Frauen-WM 2011, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Sport - Sportökonomie, Sportmanagement: Nachfragepotenzialanalyse für den Spielort Bochum zur FIFA Frauen-WM 2011 ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sport - Sportökonomie, Sportmanagement: neuer Titel erschienen: Nachfragepotenzialanalyse für den Spielort Bochum zur FIFA Frauen-WM 2011
Serkan Kiyar hat einen neuen Text hochgeladen
Freigespielt: Frauenfußball im geteilten Deutschland
Frauenfußbal im geteilten Deut...
Carina Sophia Linne
0 Kommentare