II
Inhalt
1 Einführung 1
2 Die Studien 2
2.1 Die Souffleure der Mediengesellschaft 2
2.2 Diktatur des Publikums 4
3 Die Befunde im Vergleich 7
3.1.1 Anzahl der deutschen Journalisten 7
3.1.2 Wo die Journalisten arbeiten 8
3.1.3 Alter und Einkommen 10
3.1.4 Ausbildung 11
3.1.5 Tätigkeiten 12
3.1.6 Arbeitszufriedenheit 13
3.1.7 Rollenselbstverständnis 15
3.1.8 Berufsethische Einstellungen 17
3.1.9 Einflüsse 18
4 Fazit 21
5 Literaturverzeichnis 22
6 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis 23
1
1 Einführung
Der Beruf des Journalismus hat eine besondere Anziehungskraft. Viele, vor allem junge Menschen, versuchen über Praktika, Volontariate, Journalismusstudiengänge oder Journalistenschulen in dieses Berufsfeld zu finden. 1 Die Wege und Anforderungen, um in den Journalismus zu gelangen, haben sich allerdings geändert. Früher als Begabungsberuf bekannt, kann man heute von einer Professionalisierung des Journalismus sprechen. 2
Aber nicht nur die Ausbildung im Journalismus hat sich geändert. Die Digitalisierung, die Ökonomisierung und auch die Medienkrise im Jahre 2003 haben sicherlich Spuren im Journalismus hinterlassen. Siegfried Weischenberg hat, zusammen mit Maja Malik und Armin Scholl 2005 seine im Jahre 1993 erstmals durchgeführte Studie über die Journalisten in Deutschland wiederholt und unter dem Titel „Die Souffleure der Mediengesellschaft“ publiziert. 2009 veröffentlichten Michael Meyen und Claudia Riesmeyer ihre qualitative Studie mit dem Titel „Diktatur des Publikums“. Beide Studien versuchen ihr möglichstes, auf ihre Weise den deutschen Journalismus widerzuspiegeln. Sie beschäftigen sich mit den soziodemographischen Merkmalen, genauso wie mit dem Rollenselbstverständnis und den Einflüssen, die möglicherweise auf die Journalisten einwirken können.
In dieser Arbeit werden die Befunde beider Studie wiedergegeben und so gut es geht mit einander verglichen. Es wird geschaut ob die Journalisten nun „Souffleure der Mediengesellschaft“, oder eher der „Diktatur des Publikums“ unterworfen sind.
Das zweite Kapitel wird die Details beider Studien erläutern, die Methoden und die Stichproben, sowie den Fragebogen. Im dritten Kapitel werden dann die Be-funde der beiden Studien miteinander verglichen. Wobei zwei Befunde (Alter & Einkommen) nur aus der Weischenberg et.al.-Studie wiedergegeben wurden, da ein Vergleich mit der Studie von Meyen und Riesmeyer aufgrund fehlender Daten nicht möglich war. Im vierten Kapitel wird dann das Fazit des Vergleichs gezogen und zusammengefasst, wie der deutsche Journalismus sich verändert hat und wie er zurzeit aussieht.
1 Mast, Claudia (Hg.) (2004): ABC des Journalismus, Ein Handbuch; UVK, Konstanz; S. 103.
2 Kunczik, Michael; Zipfel, Astrid (2005): Publizistik; UTB, Köln; S.: 152-154.
2
2 Die Studien
In diesem Kapitel werden die Studien und vor allem ihre Methoden erläutert und untersucht. Es wird darauf eingegangen, wie die Studien aufgebaut sind und welche Gebiete abgefragt wurden.
2.1 Die Souffleure der Mediengesellschaft
Die Studie „Die Souffleure der Mediengesellschaft - Report über die Journalisten in Deutschland“ von 2005 ist die Fortsetzung der Studie „Journalismus in Deutschland“ aus dem Jahre 1993. Anfangs war eine Wiederholung nach 10 Jahren geplant. Die Ereignisse des 11. September 2001 und die Medienkrise hätten aber, so die Autoren, möglicherweise zu einer Verfälschung führen können. 3 Man darf die Studie jedoch nicht als Trendstudie verstehen, denn man kann anhand des Vergleiches zum Beispiel nicht die Anzahl der Arbeitsplätze in den letzten Jahren quantifizieren. Was die Autoren jedoch vorgenommen haben, war, die „Personen, Tätigkeiten und Bedingungen [zu] beschreiben, die den Journalismus heute ausmachen - und sie mit dem Journalismus in Deutschland von vor zwölf Jahren [zu] vergleichen.“. 4
Da sich die Medien in den letzten Jahren stark gewandelt haben, neue Mediensparten dazugekommen sind, wurden mit der neuen Studie nochmals die Merkmale und Einstellungen ermittelt, die den deutschen Journalisten ausmachen. 5 Um die Grundgesamtheit zu definieren, haben Weischenberg et.al. versucht den Journalismusbegriff theoretisch und empirisch möglichst exakt zu definieren und zu begrenzen. Dies geschah auf drei Ebenen:
1. Gesellschaftliche Funktion
Hierbei wird der Journalismus als soziales System betrachtet, das „eine exklusive Funktion für die Gesellschaft erfüllt und durch spezifische Kommunikationsmechanismen charakterisiert ist.“ 6
4
5
6
3
2. Organisatorische Ebene
Auf dieser Ebene stellen Medienbetriebe und Medienangebote Institutionen des Journalismus dar, „die anhand spezifischer Regeln und Routinen kontinuierlich journalistische Kommunikation produzieren“ 7 . 3. Akteursebene
Diese Ebene definiert den „professionellen Journalisten“. Dies ist der Fall, wenn Journalismus hauptberuflich ausgeübt wird, in fest angestellter oder freier Mitarbeit. Hauptberuflichkeit besteht, wenn ein Journalist mehr als die Hälfte seines Einkommens aus journalistischer Arbeit bezieht, oder mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit für journalistische Medien tätig ist. 8
Die Grundgesamtheit der Journalisten basiert auf der Grundgesamtheit der Me-dienorganisationen in Deutschland, welche die ermittelte journalistische Funktion erfüllen.
Diese Ermittlung wurde in vier Schritten durchgeführt. Als aller Erstes wurde die Grundgesamtheit journalistischer Medien ermittelt. Daraufhin erfolgte eine Personalerhebung bei einer geschichteten Zufallsstichprobe von Medienbetrieben, um die Anzahl der bei ihnen arbeitenden freien und fest angestellten Journalisten und die Verteilung auf Geschlecht, Position und Ressort zu ermitteln. Der nächste Schritt war die Hochrechnung der Gesamtzahl der Journalisten in Deutschland, „differenziert nach Mediensparte, Anstellungsverhältnis, Position und Geschlecht“ 9 . Letzter Schritt war dann die Auswahl und Befragung einer mehrfachgeschichteten Zufallsstichprobe von 1536 Journalistinnen und Journalisten. 10 Die Befragung fand in der Zeit vom 1. Februar bis 25. April 2005 statt. Sie wurde telefonisch durchgeführt und es gab durchschnittlich 38 Kontaktversuche pro Person. 11
Folgende Bereiche wurden vom Fragebogen umfasst:
• Strukturdaten: Mediensparte, Ressort, Anstellungsverhältnis, Position in der Hierarchie;
• Sozialisation: (journalistische) Ausbildung, Dauer der Berufstätigkeit;
• Wochenarbeitszeit, journalistische Tätigkeiten, Internettätigkeiten, Häufigkeit und Praxis des Gegenlesens;
8
9
10 Vgl. ebd. S. 347.
11 Vgl. Weischenberg, S. et.al. (2006a): S. 228.
4
• Arbeits- und Berufszufriedenheit;
• Einflussfaktoren und Reaktionen auf die journalistische Arbeit;
• Einschätzung von Pressemitteilungen;
• Berufliche Mediennutzung;
• Berufliches (Rollen-) Selbstverständnis und Umsetzungsmöglichkeit (Handlungsrelevanz);
• Beurteilung von ungewöhnlichen Recherchemethoden;
• Publikumsbild und Informationen über das Publikum;
• Eigene politische Einstellung und Parteineigung, politische Grundhaltung der Kollegen und des Medienorgans, Berufsorganisation und gesellschaftliches Engagement;
• Soziodemografische Merkmale (Geschlecht, Alter, Familienstand, Bildung, Herkunft, Be-
rufe der Eltern und engsten Freunde, Einkommen). 12
2.2 Diktatur des Publikums
Die Studie Diktatur des Publikums von den Autoren Michael Meyen und Claudia Riesmeyer aus dem Jahre 2009 basiert auf der Feldtheorie des Wissenschaftlers Pierre Bourdieu. Auch wenn die Massenmedien in der Kulturtheorie des französischen Soziologen nur eine untergeordnete Rolle spielen, versuchen die Autoren diese für die Journalismusforschung zu nutzen. 13 Dafür wurde der Begriff „journalistisches Feld“ definiert:
„das journalistische Feld [gehört] hier zu einem nationalen sozialen Raum, in dem Kapitalvolumen und Kapitalstruktur über die Position der Akteure entscheiden. In diesem Feld gibt es zwei ‚Trümpfe‘: ökonomisches Kapital und journalistisches Kapital (verstanden als Summe von kulturellem [journalistische Kompetenzen], sozialem [Netzwerke] und symbolischem [berufliche Reputation] Kapital). Journalistisches Kapital ist mehr als symbolisches Kapital, weil bestimmte Fähigkeiten [Recherche, Schreiben, Redigieren] und Kontakchancen [etwa: Handynummern von Politikern oder Sportstars] im Feld auch objektiv einen Vorteil versprechen.“ 14
Da der einzelne Journalist aber nicht nur durch das (oben definierte) Kapital strukturiert ist, haben die Autoren auch nach folgenden Dimensionen gefragt: Sozio-
12 Vgl.ebd.: S. 228.
13 Vgl. Meyen, Michael (2009): Das journalistische Feld in Deutschland, Ein theoretischer und empiri-
14 Ebd.:S. 328-329.
5
demographische Merkmale, Sozialisation, aktuelle Lebenssituation, Selbstverständnis. 15
Es wurden qualitative Leitfadeninterviews geführt, da sie den Befragten die Möglichkeit bieten, „frei über ihren Lebenslauf, ihr persönliches Umfeld und ihren Arbeitsalltag zu sprechen, über ihre Einstellungen zum Beruf und über ihre Wünsche für die Zukunft 16 .
Die Auswahl der Befragten verlief nach der Definition des journalistischen Kapitals. Demnach ist nur Journalist, wer bei einem Medienbetrieb arbeitet und sich für ebenjenes Kapital interessiert. 17 Folgende Merkmale werden von Meyen und Riesmeyer genauer definiert:
• „Mediengattung
• Organisationsform
• Verbreitungsgebiet
• Marktsituation
• Ressort
• Dispositionen
• Anstellungsverhältnis“ 18
Dies führte dann zu folgender Auswahl (N=501):
• „Geschlecht: 343 Männer, 158 Frauen
• Alter: 56 Befragte jünger als 30 Jahre; 191 zw. 30 und 39; 154 zw. 40 und 49; 82 zw. 50 und 59;
18 noch älter
• Anstellungsverhältnis: 131 Befragte in Führungspositionen, 118 Freiberufler
• Mediengattung: 93 Fernsehen; 70 Hörfunk; 189 Tageszeitung; 15 Wochenzeitung; 97 Publikumszeitschrift; 19 Nachrichtenagentur; 18 Online
• Ressort: 65 Politik; 25 Wirtschaft; 43 Kultur; 32 Lokal; 57 Sport; 34 Wissenschaft; 43 Service; 23 Vermischtes; 179 ohne Zuordnung
• Ausbildung: 357 Hochschulabschluss; 175 Volontariat; 61 Journalistenschule“ 19
Zunächst wurde im Sommersemester 2005 ein Leitfaden entwickelt und dann in 60 Interviews getestet. 20 Der Leitfaden bestand aus drei Themenkomplexen: Le-
15 Vgl.ebd.: S. 330.
16 Vgl. ebd.: S. 331.
17 Vgl. ebd.: S. 332.
18 Meyen, Michael; Riesmeyer, Claudia (2009): Diktatur des Publikums, Journalisten in Deutschland,
UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz; S. 52-53.
19 Ebd.: S. 54.
20 Vgl. ebd.: S. 56.
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Klaudia Heiduk, 2010, Journalistenbefragungen in Deutschland im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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