sterben, da sie Kreons Gesetz gebrochen hat. Das zweite Stasimon steht nun am Beginn der fallenden Handlung, die in der Katastrophe endet. Es soll dem Zuschauer Antigones Schicksal erklären und ihm die Unausweichlichkeit der Ereignisse verdeutlichen.
Obwohl Antigone im Sinne der Götter handelt, muss sie sterben. Im Sinne der Götter ist es nämlich, den Toten mit einem Begräbnis Ehre zu erweisen. Selbst den gefallenen Feind soll man begraben, da man sich den unaufgeschriebenen Gesetzen der Götter zufolge „befleckt“, wenn man einen Toten nicht wenigstens symbolisch mit einer Hand voll Erde bewirft. Denn die Götter wollen nicht, dass Feindschaft den Tod überdauert. Trotzdem muss Antigone sterben, denn ihr Schicksal ist durch den Fluch vorherbestimmt.
Dem zweiten Stasimon folgt das dritte Epeisodion, in dem es um den Streit zwischen Kreon und Haimon geht. Hier kann sich der Zuschauer im Bezug auf das vorangegangene Stasimon ausmalen, dass auch Kreon und Haimon ihrer conditio humana nicht entgehen können. Kreon erfährt insofern Unheil, als dass er erstens eine große Erniedrigung als König erleidet: Eine Frau setzt sich über seine Gesetze hinweg! Zweitens entspricht Haimon nicht seinen Vorstellungen von einem Sohn: „Ja, Kind, so halte es in deinem Herzen fest: Des Vaters Wille geht vor in allem.“ (Vers 639, 640). Haimons unausweichliches Unheil erfüllt sich im Tod Antigones. Außerdem machen ihm die Verblendungen und Uneinsichtigkeiten seines Vaters sehr zu schaffen. Das zweite Stasimon besteht aus vier Strophen. In der ersten Strophe ist der Fluch das zentrale Thema. Seine Wesensart kommt zum Ausdruck, und seine schrecklichen Folgen werden durch metaphorische Beispiele beschrieben. Es wird gesagt, dass ein Gott einen Fluch über ein Haus, das heißt ein Geschlecht, sprechen könne. Alle Kinder, die in dem Haus geboren werden, symbolisch für alle Nachkommen, wären diesem Fluch unterworfen. „Denn wo Gott ein Haus erschütterte, schwillt ihm unablässig durch alle Geschlechter Unheil.“ (S. 1, Vers 2, 3).
Die zweite Strophe geht speziell auf den Fluch des Labdakiden-Geschlechts ein. Die konsequente Fortsetzung des Fluchs bis zu den letzten Nachkommen wird nochmals unterstrichen durch den Verweis auf Antigone. „Noch lag ein Licht auf letztem Sproß des Ödipus, nun mäht auch ihn der Todesgötter Mördersichel“ (S. 2, Vers 5, 6).
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Die dritte Strophe stellt eine kleine Hymne an Zeus dar. „Zeus! ...“ (S. 3, Vers 1). Er wird bis in alle Ewigkeit verehrt, denn „Alterlos in aller Zeit thronst du in Olympos’ lichtem Glanze.“ (S. 3, Vers 5, 6). In den drei letzten Versen der dritten Strophe wird noch einmal ganz deutlich die Bedingung eines jeden Menschenleben erklärt. „Doch hinfort in alle Zukunft wie vor alters dauert das Gesetz: Keines Menschen Leben erfüllt sich frei von Unheil.“ (S. 3, Vers 7 - 9). Wie oben schon erwähnt, wird die conditio humana hier sogar als ewiges Gesetz beschrieben.
Die vierte Strophe macht dem Zuschauer die in jeder Tragödie vorliegende Situation des Dilemmas klar. Ein Dilemma ist eine nicht selbst verschuldete Situation, in der jedes Handeln zum Scheitern führt. Der Zuschauer soll verstehen, dass sich nicht nur Antigone in einem Dilemma befindet, da sie sich im Konflikt mit den Gesetzen der Götter und denen Kreons befindet. Er soll auch lernen, dass man den Begriff des Dilemmas auch ganze abstrakt auf die conditio humana übertragen kann. Denn auch wenn der Mensch um sein Schicksal weiß, dass er Unheil erfahren muss, auch wenn er alles tut, um diesem Unheil zu entgehen, auch wenn er meint, immer richtig zu handeln, wird sich sein Schicksal als Mensch erfüllen und werden die Götter ihm Unheil bringen. „Wem Gott verführt das Herz zum Unheil, der meint das Gute und gerät in Schuld,“ (S. 4, Vers 7, 8).
Das zweite Stasimon verkündet am deutlichsten die Ursache einer Tragödie. Das ist nämlich die conditio humana. In dem Mythos um Antigone ist es der Fluch, dem das Schicksal der Menschheit unterworfen ist.
Das zweite Stasimon besteht aus vier Strophen. Die ersten beiden haben jeweils sieben , die letzten beiden neun Verse. Die erste Strophe beginnt mit einem Ausrufesatz: „Selig, wer nie im Leben vom Fluch gekostet!“ (S. 1, Vers 1). Dadurch wird sofort das Thema und die Einstellung dazu klar. Es folgen zwei Aussagesätze, einer mit zwei und der letzte mit vier Versen. Es liegt also eine stilistische Steigerung vor, die den Inhalt unterstreichen soll. Im ersten Aussagesatz wird nur von „unablässigem Unheil“ (S. 1, Vers 3) gesprochen. Im zweiten Aussagesatz dagegen wird metaphorisch das ganze mögliche Ausmaß eines Fluchs beschrieben. Sophokles hat sich hier aus dem Wortfeld der Natur bedient. Es ist von Stürmen, sogar von einem Orkan, von Flut, Meer, Sand und
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Küste die Rede (S. 1, Vers 4 - 7). Die Wörter „Meeresdunkel“ und „schwarzer Sand“ sollen die Düsternis des Lebens unter einem Fluch ausdrücken. Naturereignisse wie die Flut oder der Orkan konnten sich die Menschen früher nicht erklären und schon gar nicht voraussagen. Daher wird hier die Einmischung der Götter deutlich, die den Fluch verhängt haben.
Die Thrakerstürme sind eine Metapher für den Fluch, die Macht der Götter. Die Alliteration in „Thrakerstürme toben“ soll dies unterstreichen. Ein weiteres Stilmittel ist die Personifikation. Die Flut „bricht hinab“ und „wühlt empor“. Sie wird als eine handelnde Person dargestellt, die man mit dem Bild der Götter verbinden kann. Die zweite Strophe hat zwei Aussagesätze, wobei der erste aus vier Versen, der zweite aus drei Versen besteht. Hier ist also eine Abnahme zu erkennen im Gegensatz zur Steigerung in der ersten Strophe. Diese Abnahme untermauert die Resignation, die aus dem Inhalt hervorgeht. Denn es wird gesagt, dass es so aussah, als könnte man für Antigone noch hoffen. Doch nach dem zweiten Epeisodion ist klar, dass sie sterben muss. In dieser Strophe sind zwei Wiederholungen zu erkennen: „Weh auf hinge-schwundener Weh“ (S. 2, Vers 2) und „von Geschlecht zu Geschlecht“ (S. 2, Vers 3). Dieses Stilmittel verwendet Sophokles, um die unweigerliche Fortsetzung des Unheils durch die Geschlechter zu verdeutlichen.
Die dritte Strophe beginnt mit einer Apostrophe: „Zeus!“ (S. 3, Vers 1). Danach folgt eine Frage, wodurch sehr deutlich wird, dass es sich hier um eine Anrufung, eine Art von Gebet handelt.
In der vierten Strophe findet man in Vers zwei und drei eine Anapher. Das wiederholte Wort „vielen“ soll erklären, dass es normal ist, dass der Mensch hoffe, seinem Schicksal, dem Unheil zu entgehen. Der Vers „bis sein Fuß auf Feuer tritt.“ (S. 4, Vers 5) birgt eine Metapher. Das Feuer ist hier als das Unheil aufzufassen, in das man läuft. Im siebten und neunten Vers der vierten Strophe liegt eine Epipher vor. Hier wird - durch Inversion im siebten Vers - das Wort „Unheil“ zwei mal ans Ende des Verses gestellt, damit es sich der Zuschauer einprägt, denn in den folgenden Auftritten nimmt das Unheil seinen Lauf.
In dem zweiten Stasimon tauchen an zwei Stellen Doppelpunkte auf, und jedes mal folgt eine Art feststehende Regel. Das erste ist ein ungeschriebenes Gesetz der Götter,
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Arbeit zitieren:
Diplom-Pädagogin Anna Bachem, 1999, Sophokles: Antigone - Analyse des 2. und 3. Stasimons, München, GRIN Verlag GmbH
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