De peccato originali
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG UND ZIELSETZUNG 1
2 DIE ENTSTEHUNG DER ERBSÜNDE 2
2.1 ANTE LAPSUM: DIE SCHÖPFUNG DES FREIEN MENSCHEN 2
2.2 LAPSUS: DER FALL 5
2.3 POST LAPSUM: DAS GETRENNTSEIN 6
3 DAS PECCATUM ORIGINALE UND DESSEN BEDEUTUNG FÜR DEN HEUTIGEN MENSCHEN
8
3.1 ZUM BEGRIFF DER RBSÜNDE 10
3.1.1 11
4 FAZIT 12
5 BIBLIOGRAPHIE 14
5.1 ANHANG 15
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1 Einleitung und Zielsetzung
Der Begriff der Sünde wird in der heutigen Gesellschaft als nicht mehr relevant angesehen, er sagt in der Alltagssprache von heute auch nichts Schwerwiegendes mehr aus. Allenfalls wird noch verwendet, um kleinere, ja marginale Verfehlungen zu bezeichnen, die Menschen selber wieder gutmachen können. 1 Dazu Johannes Stöhr:
usstseins festzustellen. Man akzeptiert nur noch Fehler, Pannen oder notwendige schicksalshafte Verstrickungen. Statt an die ei-
utet als Strukturfehler in Ökonomie und Politik,
nicht mehr als eigene Verfehlung, die mit natürlichen Kräften nicht mehr korrigiert werden kann. r- sönlicheVeran 2
Wo der Ausdruck Sünde im Allgemeinen noch einigermassen verständlich ist, dort endet das Verständnis beim Begriff der Erbsündes- besondereseine Tragweite, ausserhalb des Glaubens nicht (mehr) begriffen werden kann. Mindestens aber der Glaubende soll die Erbsünde als nachvollziehbares menschliches Verhalten verstehen und ermessen können 3 e-
stimmtheitund die Unentrinnbarkeit des Zustandes zu verstehen, in dem der Mensch der Gegenwart 4 Ist das Verständnis vom grundsätzlich sündhaften Wesen des Menschen, vom Leben im status corruptionis, erst einmal vorhanden, entsteht ein umso grösseres Verständnis für die Gnade Gottes, die trotz der Sünde, oder gerade deswegen, zum Tragen kommt. Um es mit den Worten von Wie die Botschaft von der Erlösung Zentrum der biblischen Verkündigung ist, 5 Dazu soll die Sicht
des Rezipienten von der Schöpfung des Menschen auf seinen Fall gelenkt werden, um anschliessend abzuwägen, ob das Reden von der Erbsünde in der postmodernen Zeit noch berechtigt ist.
1 RGG 4 , Bd. 7, 1872.
2 - persönliche Sünde - Theologisches: Katholische Monatszeitschrift Nr. 5/6 (2009):184.
3 Vgl. dazu Christof Gestrich, das Verhängnis menschlicher Selbstrechtfertigung, schriftliche Aufzeichnung des Vortrages im Erbacher Hof. Mainz, 2009, 9. 4 schaft des Menschengeschlechts., ThWNT, Bd. II, 435.
5 Emil Brunner, Dogmatik II: Die christliche Lehre von Schöpfung und Erlösung, 3. Aufl. (Zürich: Theologischer Verlag, 1972), 100.
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Im Rahmen dieser Arbeit können jedoch soteriologische Gedanken, deren Beschreibung als konsequente Folge von Gottes gutem Willen über seiner Schöpfung folgen würde, leider nicht erörtert werden. 6 Für den Leser wichtig ist die Tatsache, dass eben dort, wo die vorliegende Arbeit ihr Ende findet, die Beschreibung von Gottes Gnade einsetzt.
Die folgende Ausarbeitung befasst sich vor allem mit der schöpfungstheologischen 7 Sicht des Sündenfalles, gerade in dieser Sicht wird die tiefe Kluft zwischen dem ursprünglichen Willen Gottes mit seinem Geschöpf, dem Menschen, und der Zeit nach dem Fall sichtbar. Der Mensch befindet sich in einem gestörten, nicht mehr dem Schöpferwillen entsprechenden Verhältnis zu Gott. Diese Trennung des Menschen vom ursprünglichen Willen Gottes, widerspricht seiner Bestimmung zur Gottebenbildlichkeit. 8 Das Geschöpf wird vom Imago-Dei-Menschen zum Sicut-Deus-Menschen. 9 Im Anhang findet sich eine grafische Darstellung, welche einen Überblick über den zeitlichen Ablauf von Schöpfung, Fall, Ursünde (peccatum originalis) und Tatsünde (peccatum actualis) geben möchte. Zuweilen mag es für den Leser hilfreich sein, sich beim Studium der Ausführungen diese Skizze vor Augen zu halten. 10
2 Die Entstehung der Erbsünde
2.1 Ante lapsum: Die Schöpfung des freien Menschen
Dieser Aspekt soll bewusst kurz gehalten werden. Dennoch ist er eminent wichtig, um das Fatale am Lapsus, dem ersten Ungehorsam des Menschen gegen seinen Schöpfer, zu erkennen. Somit muss der Blick zuerst auf den Zeitraum davor, auf die Schöpfung und Gottes Ziel damit an sich, gelenkt werden.
6 Ebenso wenig kann aufgrund des beschränkten Umfangs dieser Arbeit auf die Folgen der Sünde eingegangen werden. So z.B. das Sein unter dem Zorn Gottes, die Angst vor Gott welche sich mit dem Verstecken der ersten Menschen im Paradies das erste Mal geäussert hat, das Stehen unter dem mosaischen Gesetz usw. Siehe dazu die Ausführungen in Emil Brunner, a.a.O., 130ff. Aus demselben Grund entfallen auch andere, wichtige Teile der Hamartiologie wie z.B. die Ausführung der Begriffe des und des sowie die Zusammenhänge mit dem
servum arbitrium, dem unfreien Willen, oder ein ausführliches Einteilungsschema wie es beispielsweise in den Loci von J. Gerhard enthalten ist. Es soll hier vor allem der Abfall des Menschen von Gottes ursprünglichem Plan seiner Schöpfung und die Tragweite dieser Rebellion gegen Gott bis ins heutige Zeitalter beleuchtet werden.
7 Die schöpfungstheologische Sicht kommt in der Dogmatik von Emil Brunner zum Vorschein. Daneben argumentieren auch Paul Althaus, Helmut Thielicke oder Edmund Schlink schöpfungstheologisch. Diese Sicht steht neben der anthropologischen Sicht (Paul Tillich u.a.), welche das Problem der menschlichen Existenz mit Hilfe des Sündenbegriffs deutet (der Mensch verfehlt als Sünder sein eigentliches Sein durch Unglaube, Selbstliebe und Habgier), und der soteriologischen Sicht (hier vor allem Karl Barth), welche die Sünde als Gegensatz zu dem von Gott geschenkten Heil betrachtet. Vgl. dazu: Ralf Dziewas, Gegenwartsanaly- se aus freikirchlich-baptistischer Perspektive, In: Die Aktualität der Sünde, Herausgeber: Rochus Leonhardt (Frankfurt a.M.: Verlag Otto Lembeck, 2010), 102ff.
8 Vgl. dazu: Ebd. 103.
9 Dietrich Bonhoeffer, DBW: Schöpfung und Fall, Herausgeber: Martin Rüter und Ilse Tödt (München: Chr. Kaiser -wie-Gott Men-
10 Siehe dazu Abbildung 1 im Anhang.
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Nur mit dem Verständnis des ursprünglichen, göttlichen Planes für den Menschen kann dieser die Tiefe des Sündenfalles ausloten. 11 In der Genesis Kapitel 1 wird die Erschaffung der Erde beschrieben. Gott in seiner Grösse und in seiner Freiheit schafft sich die Welt, weil er sie will:
Sie hat keinen anderen Grund. Gottes Wille ist die ratio sufficiens der Schöpfung. Die Schöpfung ist das Werk der göttlichen Allmacht. Aber sie ist nicht nur das Werk seiner Allmacht, sondern auch seiner heiligen Liebe 12
Nach jedem Tag seines Wirkens schaut sich Gott die Schöpfung an und kommt zum Schluss, dass seine Handlung gut war. Schliesslich schafft Gott den Menschen 13 , ihm ähnlich, als sein Gegenüber:
14
(Gen 1,26f). Gleichzeitig steht der Entschluss Gottes, dem Menschen Herrschaft zu verleihen über die Schöpfung. Das was Gott in seiner Kreativität und Liebe geschaffen hat, vertraut er dem Menschen an. Gott will den geschaffenen Raum nicht selber einnehmen. Er begrenzt sich durch seinen Entschluss, indem er sich ein freies Gegenüber schafft:
11 Die gesamte, folgende Darstellung des Schöpfungsberichtes und des Sündenfalles betrachtet die aus der Genesis zu entnehmenden Ereignisse, wobei diese als prophetische Schau in die Vergangenheit (siehe dazu: Dietrich Bonhoeffer, a.a.O., 28f.), als göttlich inspiriertes Wort, welches eine tatsächlich stattgefundene Situation darstellt, angeschaut werden. Wo Brunner diese Beschreibungen lediglich als mythische Erzählungen zur Belehrung ansieht, verlieren sie nach Ansicht des Verfassers die Essenz ihrer Relevanz für die heutige Zeit. Nach der Ansicht von Brunner und Barth handelt es
- vgl.dazu Brunner a.a.O., 87. Wobei sich Brunner so-
Sage, womit die vorliegende Arbeit in ihrem Kern nur noch die Auslegung einer Erzählung darstellen würde. Dies würde Erzählung versenken, um aus
ihr zu erfahren, was Sünde ist. Trotzdem sind wir nicht an sie gebunden und haben wir nicht von ihr auszugehen, ebenso-
wird die alttestamentliche Sichtweise nur noch für belehrende Zwecke gebraucht. Vgl. dazu Brunner, a.a.O., 101. Der Verfasser hält sich bei vorliegender Arbeit an die Überzeugung, dass die Bibel ewig und von göttlicher Autorität ist und der Zeit und vor Grundlegung der Wel Biblische Fundamente, Übersetzt durch Doris Ewert, 5. Aufl (Hamburg: Verlag C.M. Fliss, 2006), 36ff.
12 Emil Brunner, a.a.O., 23.
n
5,3 wird Adam das erste Mal als Eigenname gebraucht). Hierin kommt einerseits die tiefe Einheit von Mann und Frau im Paradies zum Ausdruck und andererseits die Tatsache, dass im ersten Menschen alle Menschen mitgemeint sind. Vgl. dazu auch: Stuttgarter Erklärungsbibel, 2. Aufl. (Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft, 2007) 13/16. 14 Bibeltext nach der 1967 revidierten Elberfelder Übersetzung, zitiert nach: Scofield Bibel, 4. Aufl. (Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1997). Wenn nicht anders angegeben entstammen alle weiteren Bibelzitate dieser Übersetzung.
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sich nimmt, um dieses Ziel zu verwirklichen, es zu verwirklichen sogar an einem Geschöpf, das 15
Hier folgt sogleich und unweigerlich der Gedanke, wieso Gott als allmächtiger Schöpfer sich überhaupt ein freies Wesen als Gegenüber schafft und nicht eine Existenz, über die er als Urheber frei verfügen kann. Es ist der Wunsch Gottes, dass der Mensch ihm aus Freiheit und aus Liebe antwortet, nicht weil er durch seinen Schöpfer dazu gezwungen wird, nicht weil der Mensch gar nicht anders kann, da er nichts anderes kennt. Gott erwartet freie, dankbare Gegenliebe. 16 Gottes Wille ist ein Gegenüber seiner selbst, ihm ähnlich. 17 Gott selbst ist frei, so kann auch der Imago-Dei-Mensch nur frei sein.
Nur ein Ich kann dem Du antworten, nur ein sich selbst bestimmendes Ich kann in Freiheit Gott 18
Diese Freiheit des ersten Menschen umschreibt nicht eine Fähigkeit oder einen Wesenszug. Es handelt sich dabei auch nicht um einen individualistischen Freiheitsbegriff. Vielmehr drückt sich darin eine Be-zieh-sein-für-den-anderen (sic). 19 Der freie Mensch ist frei für Gott. Da gibt es weder in ihm, noch um ihn herum etwas, das ihn belastet oder umtreibt. Er darf in ständiger Gegenwart und Nähe seines Schöpfers sein und frei mit ihm kommunizieren. Und der Schöpfer ist frei für das Ge- Schöp- 20
Emil Brunner sagt in einem Satz, was schliesslich Ursache, Grund und Ziel der durch Gott ge- Die Gottesliebe ist die causa finalis der Schöpfung. 21
15 Emil Brunner, Ebd., 31.
16 Vgl. dazu Emil Brunner, a.a.O., 67.
17 Die Gottebenbildlichkeit des Menschen ist keine analogia entis, in welcher der Mensch von seinem Sein her Gott ähnlich wäre. Vielmehr ist diese Ähnlichkeit, um den Begriff von Bonhoeffer zu benutzen, eine analogia relationis. Erst durch die dem Menschen von seinem Schöpfer, welcher der alleine Seiende ist, gegebene Beziehung, wird der Mensch Gott ähnlich. Somit weist selbst der Imago-Deiheraus göttlich. Siehe dazu auch Dietrich Bonhoeffer, a.a.O., 60f. 18 Emil Brunner, Ebd., 67.
19 Diese Umschreibung der Freiheit schliesst sich Dietrich Bonhoeffer an: Ebd., 58f. Insbesondere der Begriff des -sein-für-den- 20 DietrichBonhoeffer, Ebd., 60.
21 Emil Brunner, Ebd., 24.
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David Jäggi, 2010, De peccato originali, München, GRIN Verlag GmbH
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An den Verfasser dieser Seminararbeit: Wenn man sich daran wagt, einen lateinischen Titel für eine Veröffentlichung zu verwenden, sollte man sich zuerst einmal über die Grammatik der Sprache im Klaren sein. Die Präposition "de" wird immer mit Ablativ konstruiert, weswegen es "de peccato originali" lauten müsste.
am Wednesday, June 08, 2011-
David Jäggi
Guten Tag Herr Bärsch. Vielen Dank für den Hinweis. Der Fehler ist mir leider nach der Veröffentlichung auch ins Auge gesprungen. Wobei dieser wohl auf einen Tippfehler zurück zu führen ist. Ich hoffe sehr, dass dies niemandem Ursache zum Abfall vom Glauben sein wird! Denn genau darum geht es ja in dieser Arbeit: Um den Sicut-Deus Menschen, bei welchem das ICH und dessen Erkenntnis im Zentrum steht.
In diesem Sinne ein Segen im Ablativus sociativus: Dominus vobiscum!
am Wednesday, June 08, 2011-