1. Anforderung an Texte im Englischunterricht
Wenn wir uns mit der Auswahl von Texten im Englischunterricht beschäftigen sollten stets einige wichtige punkte berücksichtigt werden. Das erste wichtige Kriterium, welches hier genannt werden muss, ist Angemessenheit. Texte müssen Alter, Klassenstufe, Leistungsstand sowie individuelle Erfahrungen und Interessen der Schüler berücksichtigen. Innerhalb einer Gruppe von Schülern herrschen natürlicherweise differenzierte Lern- und Leistungsmöglichkeiten; auch das muss vom Lehrer ins Auge zur Kenntnis genommen werden. Die Motivation auf Schülerseite wird erheblich gesteigert, wenn diese sich mit den zu lesenden Texten auf irgendeine Weise identifizieren können. Man sollte als Lehrperson auch sicherstellen, dass die Schüler nicht überfordert sind und ihnen so die Realisierungsgewissheit und der Ausblick auf Erfolgserlebnisse verloren gehen. Leseinteresse und Lesefreude können durch die Vermittlung von neuen Erkenntnissen und Erfahrungen geweckt werden. Man sollte nie stur nach Lehrplanempfehlungen und eigenem Interesse auswählen, sondern herausfinden, was die Schüler interessiert, was sie mögen und evtl. auch privat lesen. Gehen die Vorstellung von interessanter Lektüre innerhalb der Klasse weit auseinander, kann auch unterschiedliches Material bearbeitet werden. Mann sollte auch Zeit für ein Leseprojekt einplanen, indem sich die Schüler selbst aussuchen können, was sie lesen und vorstellen wollen. Diese Strategie eignet sich auch besonders gut, um als Lehrender Kompromisse mit den Schülern zu schließen. Wenn Shakespeare auf dem Lehrplan steht und voraussichtlich in den Abiturprüfungen abgefragt werden wird, dann kann man das natürlich nicht umgehen, auch wenn den Schülern die Aussicht auf Shakespeares Dramen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht besonders motivieren wird. Räumt man aber die Möglichkeit ein im Gegenzug ein, dass auch selbst gewählte Literatur gelesen werden darf, so werden die Schüler vielleicht eher motiviert sein, sich durch den stellenweise sehr schwierigen und meist komplizierten Stoff zu arbeiten. Andererseits gibt es mit Sicherheit auch Möglichkeiten Shakespeare auf ansprechende, interessante und schülerorientierte Art zu vermitteln (Bsp.: Romeo und Julia).
Wichtig ist ebenfalls, dass die ausgewählten Texte auch neben ihrem Nutzen für den Spracherwerb einen Zweck erfüllen, nämlich informativ sind und so das Herausfinden von Textbedeutung abverlangen. Der Text sollte möglichst viel Spielraum für Interpretation und Umgangsweise lassen um die Schüler eben auch zum Zuge kommen zu lassen und die Rezeptionsästhetik in den Mittelpunkt zu stellen.
Der Text muss, wie oben schon kurz angesprochen, in Bezug auf strukturelle und lexikalische Schwierigkeiten angemessen sein. Neues Vokabular wird mit Sicherheit immer enthalten sein und das ist auch sinnvoll und zweckmäßig. Allerdings sollte der Text nicht mit einer Flut
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von unklaren Begriffen, schwierigen Metaphern und Satzkonstruktionen aufwarten, da die Motivation auf Schülerseite dann sicher in den Keller fällt und es schier unmöglich wird Textbedeutung und eventuell tiefere, versteckte Sinnebenen herauszulesen. Die Textauswahl im Englischunterricht sollte, wie auch in Muttersprachenunterricht zu aller erst abwechslungsreich sein. Die ganze bandbreite an vorhandenen Textsorten und Genres kann herangezogen werden. In unteren Klassenstufen kann man die Schüler mit „leichtem“ Lesestoff an das Lesen in der Fremdsprache heranführen, indem man z.B. kleine Rätsel, Bildgeschichten, Kurzgedichte oder einfache Sketche behandelt. Denkbar sind auch Gebrauchstexte, Alltagstexte, Sachtexte, expositorische Texte wie zum Beispiel Erklärungen, Zusammenfassungen und Definitionen. Formalisierte Texte wie Fahrpläne, Speisekarten, Hinweisschilder, Kleinanzeigen oder zum Beispiel touristisches Prospektmaterial sind eine gute Möglichkeit auch kulturelle Aspekte miteinzubeziehen und sorgen besonders aufgrund der formalen Besonderheiten für eine gesteigerte Motivation bei den Lesern. Weiterhin sind an dieser Stelle deskriptive Texte wie Berichte (Zeitungsartikel), argumentative Texte (Kommentare, Rezensionen, Interpretationen) und instruktive Texte (Dramen- und Nebentexte, Bastel- und Spielbeschreibungen, Gebrauchsanweisungen, Arbeitsaufträge) zu nennen. Auch Werbetexte und natürlich Erzähltexte wie Romane und Short Stories oder andere literarische Textformen wie Gedichte sollten in den Literaturunterricht miteingebracht werden. Es bietet sich auch immer an aktuelle Geschehnisse, die für die Schüler von Interesse sein könnten in Form von berichten oder Kommentaren aus Zeitungen und Zeitschriften lesen zu lassen. Eine anschließende Diskussion kann je nachdem in welcher Klassenstufe man sich befindet auch auf Deutsch stattfinden um auch den größtmöglichen Nutzen aus dem Text zu ziehen und das Interesse nicht aufgrund der sprachlichen Barriere abzuschwächen. In höheren Klassenstufen kann man dann durchaus auch schon zu längeren Texten wie zum Beispiel einfacher Abenteuer- und Unterhaltungsliteratur greifen.
Um den Literaturunterricht authentisch zu machen und dennoch angepasst an das Leseniveau der Schüler, kann man sich sogenannten simplified readers bedienen. Es handelt sich hier um adaptierte Originalversionen, die in der Sekundarstufe I als Einstieg in das selbstständige Lesen genutzt werden können. In diese Sparte lassen sich auch easy readers oder stage readers zählen, welche aus in sich geschlossenen Lektürereihen aus Erzählungen, wie zum Beispiel Abenteuer- und Detektivgeschichten zeitgenössischer Autoren, die sich auf unterrichtsnahe Texte spezialisiert haben, bestehen. Teilweise sind in solchen readers auch Zeichnungen und Arbeitsaufgaben enthalten. In unteren Klassenstufen sowie auch schon in der Grundschule ist das Arbeiten mit kürzeren lyrischen Texten in Form von Reimen, Liedern, Sprechgesängen,
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rhythmischen Versen, Rätseln oder auch Popsongs sehr gut denkbar. Wenn die Lesekompetenz bereits geschult ist und die Schüler bereits über ein umfangreiches Vokabelwissen bzw. entsprechende Lesetechniken verfügen, sollte man als Lehrperson natürlich unbedingt auch authentische Originaltexte in den Unterricht miteinbeziehen. Man sollte stets sinnvolle und nützliche Themen auswählen; Werke, die Aussagekraft haben und Anlass zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema bieten. Dazu kann man dann als Lehrer selbst Aufgaben erstellen oder in entsprechenden Lehrerhilfen suchen und diese dann mit den Schülern zur Vertiefung des Gelesenen bearbeiten. Man kann auch adaptierte Filmversionen im Anschluss schauen oder je nach Thema des Werkes Projektunterricht abhalten, in welchem einzelne Gruppen aufgefordert sind sich auf eigenen Faust weiter mit dem Thema zu beschäftigen und diese Ergebnisse vorzustellen. Gerade mit Originaltexten, wenn sie nicht all zu „verstaubt“ sind, lassen sich Interesse und Motivation bei den Schülern wecken. Man kann schließlich durchaus auch aktuelle, kürzlich erschienene Originaltexte lesen. In einer 8./9. Klasse wäre hier zum Beispiel sehr gut Harry Potter als eine Möglichkeit vorstellbar.
1.1. Praktische Hinweise zur Arbeit mit Texten
Um die Lesemotivation zu erhöhen sollten auf literarischer Ebene stets Texte ausgewählt werden, die die Aufmerksamkeit der Schüler erregen. Sie sollten für die Schüler attraktiv sein, indem sie aufgrund ihres Bedeutungsinhaltes für die Schüler relevant sind. Das ist natürlich in erster Linie vom Interesse, Alter und der Reife der Schüler abhängig. Bei anderen Textsorten ist es günstig Texte zu wählen, die einer bestimmten Struktur zur Erleichterung des Verständnisses folgen. Das bezieht sich auf Layout, Zeilenabstände, Absätze, Hervorhebungen, Zwischenüberschriften, Schriftarten und Zeichensetzung. Sind die Texte mit Illustrationen wie zum Beispiel Diagrammen, Karten, Zeichnungen oder Tabellen etc. ergänzt, kann das in Bezug auf die Verständniserleichterung ebenfalls sinnvoll sein. Handelt es sich um Lektüre, die zu Haus gelesen werden soll, sind inhaltsbezogene Illustrationen, Vokabellisten, Fußnoten, Kommentare, Zeilenzähler ebenso wie Übungsapparate gut geeignet um allein schon aus praktischen Gründen das Arbeiten mit dem Text leichter zu gestalten.
Bei der Textarbeit im Englischunterricht sollte natürlich wie in anderen Fremdsprachen auch, immer mit einfachen Texten begonnen werden. Das Niveau und der Schwierigkeitsgrad sollten dann stetig ansteigen. Man sollte die Schüler das Tempo der Rezeption vorgeben lassen. Es geht stets um ein ganzheitliches Verstehen und keine detaillierte Übersetzungsarbeit, wenn diese nicht zwingend für ein globales Verständnis notwendig ist. Bei literarischen Texten sollten in der Schule keine Analysen aus literaturwissenschaftlicher Sicht erfolgen. Die Schüler
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Arbeit zitieren:
Manja Lübeck, 2009, Texte im Englischunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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