Das erste Dogma des Empirismus ist die Unterscheidung zwischen synthetischen und analytischen Wahrheiten. Das zweite Dogma wird als Reduktionismus bezeichnet. In diesem Essay werde ich mich hauptsächlich mit dem ersten Dogma auseinandersetzen. Willard Van Quine kritisiert in seinem Aufsatz „Zwei Dogmen des Empirismus“ die Begründung beider Dogmen. Seiner Meinung nach sei die Unterscheidung der Wahrheiten von synthetischen und analytischen Aussagen nicht sinnvoll. 1 Quine bezweifel, dass ein hinreichend gültiges Kriterium, welches eine Unterscheidung von synthetischen und analytischen Aussagen rechtfertigen würde, existiert.
Während analytische Wahrheiten unabhängig von Tatsachen gelten, sind synthetische Wahrheiten von empirischen Tatsachen abhängig.
Synthetische Wahrheiten sind demnach Tatsachenwahrheiten. Sie gründen sich auf empirische Tatsachen und konnten nicht allein durch Denken erschlossen werden. Ein Beispiel für eine synthetische Aussage ist folgender Satz:
„Alle Lebewesen mit Herz haben auch eine Niere.“
Die Wahrheit solcher Sätze kann nicht allein über die Bedeutung der Wörter herausgefunden werden. Allein aufgrund empirischer Tatsachen werden Sätze solcher Art wahr. Sie sind also wahr a posteriori.
Analytische Aussagen hingegen sind wahr aufgrund ihres Sinnes. Folgt man der Kantischen Definition, so sind es Aussagen, die ihrem Subjekt nichts hinzufügen. 2
Leibniz bezeichnete sie als Verstandeswahrheiten, die gar nicht falsch sein können und somit in allen möglichen Welten wahr sind. Beide meinen Aussagen, die der Form:
„Kein unverheirateter Mann ist verheiratet“
entsprechen. Solche Aussagen sind logische Wahrheiten. Eine logische Wahrheit ist eine Aussage, welche „bei allen Interpretationen ihrer Bestandteile neben den logischen Partikeln wahr ist und bleibt.“ 3 D.h. diese Aussagen sind also wahr, allein aufgrund der im Satz beteiligten Wörter. Dazu ist es nicht notwendig, empirische Untersuchungen oder Erfahrung herbeizuziehen; dieser Satz ist also wahr a priori.
1 Vgl. Quine. S. 191
2 Vgl. Quine. S. 168
3 Quine. S. 170
2
Ähnlich verhält es sich mit solchen Sätzen, welche logisch wahr werden, indem man ein Synonym einsetzt. „Unverheirateter Mann“ und „Junggeselle“ bedeuten in unserer Sprachgemeinschaft dasselbe. Folglich sind Sätze wie
„Kein Junggeselle ist verheiratet“
analytisch wahr. Wenn wir sagen, dass es keinen unverheirateten Mann gibt, der verheiratet ist, dann fügen wir dem Subjekt „unverheirateter Mann“ nichts weiter hinzu, was nicht schon in seiner Bedeutung enthalten wäre. Somit können wir eine weitere Eigenschaft von analytischen Aussagen benennen: sie sind notwendig wahr.
Logische Empiristen postulieren, dass analytische Aussagen entweder wahr sind, weil sie eben logisch wahr sind () oder aber aufgrund von Synonymie (). Quine merkt an, dass der Begriff „analytisch“ zunächst einmal definiert werden müsse, d.h. wir bedienen uns bei der Erklärung von analytischen Aussagen von Begriffen, welche erst selber geklärt werden müssen. Indem wir nun aber versuchen analytisch zu definieren, geraten wir in einen Begründungszirkel. Die Kantische Definition von analytischen Wahrheiten enthält laut Quine zwei entscheidende Fehler: Erstens sei sie lediglich auf Sätze beschränkt, in denen es um Subjekt-Prädikat-Beziehungen geht und zweitens basiere seine Definition auf einen Begriff, welcher metaphorischer Natur ist. Denn der Begriff des „Enthaltenseins“ müsse genauso erst geklärt werde, wie der der Begriff „analytisch“. 4
Auch die Leibniz’sche Definition enthält Mängel. Wenn analytische Aussagen eben solche Aussagen sind, die unmöglich falsch sein können und somit in allen möglichen Welten wahr sind und bleiben, ist der Terminus „unmöglich falsch“ wiederrum erklärungsbedürftig. Auch der Begriff der Synonymie ist keineswegs so deutlich, wie er zunächst erscheinen mag. Auf-grund von Konventionen kamen wir in unserer Sprachgemeinschaft darüber überein, dass „Junggeselle“ durch „unverheirateter Mann“ definiert wird. Aber die Definition kann nicht als Ursache der Synonymität angesehen werden. 5 Sie erklärt die Synonymie nämlich nicht näher, da sie sich eben auf einen bereits bestehenden Sprachgebrauch gründet. Außerdem nennt Quine drei Arten von Definitionen: lexikographisch, explikatorisch und konventionell.
Konventionelle Definitionen begründen zwar eine Bedeutungsgleichheit (Sprachgebrauch), aber nicht alle Definitionen sind eben dieser Art. Die ersten beiden Arten wiederrum setzen bereits eine Bedeutungsgleichheit voraus und können somit nicht als Begründung derselben dienen.
4 Vgl. Quine. S. 168
5 Vgl. Quine. S. 172 3
Arbeit zitieren:
Mendina Morgenthal, 2010, Erstes Dogma des Empirismus nach Quine, München, GRIN Verlag GmbH
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Der Utilitarismus, John Stuart Mill, Kap.5
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