Inhalt
1 Der Streit der Königinnen 3
2.1 Die Beunruhigung Brünhilds 3
2.2 Der Frauenstreit 4
2.3 Die Folgen 7
3 Ring und Gürtel 9
4 Der Eid 10
5 Die Öffentlichkeit 11
6 Fazit 14
7 Bibliographie 16
2
1 Der Streit der Königinnen
Der Streit der Königinnen im Nibelungenlied ist der Dreh- und Angelpunkt des Handlungsverlaufs, dessen weitreichende Folgen den weiteren Fortlauf motivieren. Doch die 14. Aventiure ist nur die Eskalation der Feindseligkeiten der beiden Protagonistinnen, der in der vorhergehenden Geschichte vorbereitet wird. Ursula Schulze teilt in ihrem Buch „Das Nibelungenlied“ den Komplex in drei Teile auf: die Beunruhigung Brünhilds, der Frauenstreit und die Folgen.
2.1 Die Beunruhigung Brünhilds
Der Zank zwischen den beiden Protagonistinnen wird durch den Betrug der Männer auf Isenstein angelegt. Gunther will um die überlegene Brünhild werben, Siegfried spielt vor den Damen des Landes den Vasallen für den burgundischen König, indem er ihm den Steigbügel hält und vor Brünhild erklärt, dass Gunther sein „herre“ (420,4) sei. Anschließend besiegen die Männer Brünhild im Zweikampf, indem Siegfried, unsichtbar durch seine Tarnkappe, die Streiche ausführt und Gunther nur die Bewegungen nachahmt. Brünhild ist besiegt, doch ist sie keineswegs glücklich darüber, vor allem nicht über den Freier. Sie ist die stärkste Frau und ihre selbstauferlegten Werbungsregeln sollen auch sichern, dass nur der stärkste Mann sie zur Frau erhält und das ist bekanntlich Siegfried, den sie auch zunächst als Werber vermutet. Zunächst stellt sich jedoch kein Problem dar. Die Werbung gelingt, Brünhild reist mit den Helden nach Worms und es wird eine große Doppelhochzeit gefeiert. Gunther heiratet Brünhild und Siegfried heiratet seinen verdienten Lohn für die Hilfe zum Sieg über Brünhild, Kriemhild. Doch bei der Festtafel kommt es zum ersten Mal dazu, dass Brünhild beunruhigt wird: Sie kann es nicht fassen, dass ihre Schwägerin die Gattin eines Vasallen geworden ist. Über das Weinen Brünhilds auf dem Fest herrscht in der Forschung keine Einigkeit. Ob Brünhild weint, weil sie eifersüchtig ist oder weil sie durch die unstandesgemäße Vermählung der Schwester ihres Gemahls mit einem Vasallen eine Schmach für Gunther und dadurch auch für sich sieht, bleibt offen. Wichtig ist aber, dass sie „aus Wut, aus Enttäuschung oder um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen [weint], aber wohl kaum um Kriemhild,
3
wie sie vorgibt. Jene dürfte eher das Objekt sein, das ihr die
Rechtfertigung bietet.“ 1 Brünhild beschäftigt diese Situation jahrelang und sie kann dazu keinen Abstand gewinnen. Es scheint ihr schleierhaft, warum Siegfried dem König keine Vasallendienste leistet und „wâ von daz komen waere, daz hete si gerne bekannt“ (725,4) Hier geht es aber nicht um die private Sphäre, sondern um „das Bewusstsein der Relation von Herrschaft und Unterordnung.“ 2 Denn auch Kriemhilds Selbstbewusstsein scheint gegenüber ihr nicht gerechtfertigt. Zehn Jahre lang trägt sie diese Gedanken mit sich herum, bis sie schließlich von Gunther verlangt, Siegfried und Kriemhild an den
Wormerser Hof zu befehlen. 3 Sie wünscht sich Aufklärung und weiß, dass sie diese nur bekommen kann, wenn sie Siegfried und Kriemhild an ihrem Hof hat. Doch Gunther stellt wieder, wie auch schon bei der Hochzeit, fest: „er [Gunther] enjach es im niht ze dienste, swie dicke er Sîvride sach.“ (725,4). Es würde ihm nicht einfallen, Dienst von Siegfried zu fordern. Daraufhin ändert Brünhild ihre Taktik und bittet und bettelt so lange, bis Gunther nachgibt und die Verwandten einlädt. Ob Brünhild an dieser Stelle ahnt, dass sie auf Isenstein betrogen worden ist, ist nicht abzulesen. Wir wissen nur, dass es ihr nicht um die Dienstleistungen Siegfrieds geht, sondern darum, endlich die Wahrheit zu erfahren.
2.2 Der Frauenstreit
Der eigentliche Streit der Königinnen lässt sich nun wiederrum in drei Abschnitte aufteilen: Das Zwiegespräch beim Turnier, vor dem Münster und nach der Messe. „Hier ist eine dramatische Darstellung gelungen, die quasi funktional die in dieser Zeit nicht vorhandene Gattung
des weltlichen Dramas ersetzt.“ 4
Siegfried und Kriemhild sind nach Worms gekommen und es gibt ein großes Fest. Die beiden Königinnen sitzen friedlich zusammen und beobachten ihre Gatten beim Turnier, als Kriemhild den Schlagabtausch eröffnet:
1 Gephart, Irmgard S. 180.
2 Schulze, S. 204.
3 vgl. Reichert, S. 434.
4 Schulze, S. 207.
4
„ich hân einen man,
daz elliu disiu rîche ze sînen handen solden stân.“ (815,3f) Schulze interpretiert diese Aussage Kriemhilds folgendermaßen: „Die Bewunderung ist in eine rechtssprachliche Wendung gefaßt, ähnlich wie im Minnesang häufig herrschaftsanaloge Metaphern verwendet
werden.“ 5 Irmgard Gephart behauptet, dass Kriemhild hier nur ihren Mann nicht nur preisen wolle, sondern wirklich einen Herrschaftsanspruch stelle, denn man erkenne eine Parallele zu Siegfrieds Herausforderung an Gunther, als er das erste Mal an den Wormser Hof kommt. 6 Diese Interpretation macht jedoch der folgende Text an sich schon abwegig, denn Kriemhild preist ihren Mann noch einmal, diesmal aber ohne Anspruch: „alsam der liehte mâne / vor den sternen tuot“ (817,3). Diese Zeile stammt aus der Lyrik und wurde vorher vom Erzähler bereits für
Kriemhild selbst verwendet (283,1) 7 . Doch egal, ob sie es impliziert oder nicht, Brünhild reagiert daraufhin provoziert. Für Kriemhild ist ihre Ehe eine Verbindung aus Liebe, für Brünhild hingegen ist es eine Verbindung der stärksten Frau mit dem (angeblich) stärksten Mann. Daher schwärmt Brünhild auch nicht von Gunther, sondern verweist auf seine Superiorität, die gleichzeitig auch ihre Stellung bestärkt. Kriemhild lenkt nun ein und bezeichnet die beiden Männer als gleichrangig. Sie versucht also einen Kompromiss zu machen, wie sie das auch schon früher tut, als sie nach ihrer Hochzeit den Erbteil von ihren Brüdern fordert. Sie will nach den Feierlichkeiten gar nicht abreisen und wünscht sich eher, dass Siegfried in Worms herrschen würde. Doch ihre Forderung kann sie nicht durchsetzen: Siegfried ist gegen eine Reichsteilung, denn er hat genug Ländereien und Reichtum, sodass er nicht auf Burgund angewiesen ist. Auch die Forderung nach Hagen als Kriemhilds Gefolgsmann scheitert, denn er selbst lehnt diesen Dienst ab und will sich nicht verschenken lassen. Die Königstochter wird mit einem Kompromiss abgespeist, sie bekommt 500 Recken als Gefolge mit in Siegfrieds Reich. Sie ist es also gewohnt, Kompromisse zu machen und so versucht sie auch, sich mit Brünhilde darauf zu einigen, dass ihre Männer gleichgestellt sind, doch diese bringt
5 Schulze, S. 207.
6 vgl. Gephart, S. 193.
7 Schulze, S. 207.
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Arbeit zitieren:
Veronika Luther, 2009, Der Streit der Königinnen im Nibelungenlied, München, GRIN Verlag GmbH
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