Hausarbeit im Filmseminar von
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Das Genie in der deutschen Literatur der Vergangenheit 4
3. Das Genie John Nash, sein Wahnsinn und dessen Darstellung im Film 6
3.1 Das Genie John Nash 6
3.2 Der Wahnsinn John Nashs 8
4. Vergleich zum Buch 11
5. Fazit 12
6. Anhang
Literaturverzeichnis
S. 14
2
1. Einleitung
Schon ein Sprichwort besagt: „Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander“. Aber der Genie-Gedanke entspringt nicht nur einem Sprichwort, sondern ist ein Topos, der sich über die ganze Literaturgeschichte der Neuzeit erstreckt. Genies wie Mozart oder Goethe sind jedem bekannt, doch dass sie zu Lebzeiten nicht nur durch ihre Werke auffielen, sondern auch durch ihr bizarres Verhalten, ist eher unbekannt. Forschern zu Folge sind psychische Störungen immer eine Nebenwirkung außerordentlicher Kreativität. Ähnlich erging es auch dem genialen Mathematiker John Forbes Nash. Durch das Lösen komplizierter Probleme und seiner Neuentwicklung der Spieltheorie erreichte er Großes. Dennoch erkrankte er an paranoider Schizophrenie und hatte Wahnvorstellungen. Angeregt durch den Film „A Beautiful Mind“ von Ron Howard und auch der ihm zu Grunde liegenden Biografie „Genie und Wahnsinn - Das Leben des genialen Mathematiker John Nash“ von Silvia Nasar möchte ich mich im Folgenden näher mit dem Phänomen des Genies und Wahnsinns an-hand dieses Films im Vergleich mit dem Buch beschäftigen. Der Film hat mich nach dem ersten Schauen schon außerhalb des Filmseminars zutiefst beeindruckt, wie Nash seine Krankheit durch seine eigene Genialität schlussendlich überwindet und wie ergreifend Russell Crowe spielt. Ich war aber auch nach dem Lesen der Biografie ehrlich überrascht, wie anders eigentlich das Leben John Nashs dargestellt wurde und was die Macher des Films alles zu Gunsten der Länge des Films weggelassen hatten. Deshalb habe ich mich auch für dieses Thema entschieden.
Wie stellt der Film Nash als Genie dar und wie seinen Wahnsinn? War dies auch in seinem realen Leben so? Es gibt ja einige Filme, die irgendwelche Forscher und Professoren in irgendwelche Forscherschubladen stecken, wie z. B. den Mahner mit dem Satz: „Ich habe Sie ja gewarnt“ oder den Reuigen mit dem Satz „ Oh mein Gott, was habe ich getan?“ 1 Bei John Nash in „A Beautiful Mind“ ist dies allerdings anders, wie folgende These zeigt: „Der an Schizophrenie leidende Nash wird nicht als verrückter Professor denunziert, sondern mit größter Empathie und Hollywood eigenem Pathos als Held inszeniert.“ 2 Deshalb will ich auf Grundlagen der Forschung zu diesem Thema herausfinden, wie Nash als Genie und Wahnsinniger im Film gezeigt wird.
1 Vgl. Scholl, Georg: Zwischen Genie und Wahnsinn. Online verfügbar: http://www.humboldt-foundation.de/web/715697.html zuletzt aufgerufen: 17.02.09
2 Ebd.
3
2. Das Genie in der deutschen Literatur der Vergangenheit
Schon immer sprach man bei außergewöhnlich begabten Menschen von Genies. Das Wort Genie lässt sich auf zwei verschiedene Begriffe zurückführen: zum Einen „genius“, das aus dem Lateinischen stammt und soviel wie Erzeuger bedeutet; zum Anderen „ingenium“, was soviel heißt, wie natürliches, angeborenes Talent oder Begabung und stellt irrationales Vermögen dar. Weiterhin wird das Genie dadurch definiert, dass es nicht die rationale Methode ist, sondern Originalität und Ursprung, sowie die Entstehung des Neuen. 3 Literaturgeschichtlich gesehen tauchte der Geniegedanke vorrangig in der Aufklärung auf. Diese Epoche stieg dann allmählich zu einer richtigen Geniezeit auf, was auch daran lag, dass die Dichtung einen höheren Stellenwert einzunehmen begann. Dies entwickelte sich auch deshalb, weil die höfische Dichtkunst an Bedeutung verlor und die Dichter zunehmend autonomer wurden, allen voran Lessing, der als einer der ersten versuchte, nur vom Dichten zu leben. Die Aufklärung war auch eine sich selbst thematisierende Epoche, benannt durch Kants Werk „Was ist Aufklärung?“, was bedeutete, dass man alle Autoritäten auf Grund der Vernunft kritisch hinterfragt. Kant grenzt das Genie, das eine unbewusst schaffende Natur ist, vom nichtgenialen Wissenschaftler ab, weil dieser methodisch-rational vorgeht. Außerdem ist das Werk eines Genies, im Gegensatz zum Schaffen des Wissenschaftlers, das man erlernen und nachahmen kann, nicht übertragbar oder nachzuahmen. Die Menschen beginnen in dieser Zeit, politische Selbstbestimmung zu fordern, sowie Toleranz und Mündigkeit. England und Frankreich hatten auf deutsche Dichter einen unsagbar großen Einfluss. So wurde beispielsweise Shakespeare als Genie bezeichnet und seine Schriften beeinflussten die deutsche Literatur maßgeblich. In der Aufklärung ist der Dichter kein gelehrter Vielwisser, sondern ein naturhaft Schaffender, der über die Erhabenheit über alles Einzelwissen, Gelehrtes und alle Geschicklichkeit verfügt, d.h. die Darstellung einer von vorherein vorhandenen Ganzheit. 4 Doch vor Lessing beschäftigte sich auch schon Klopstock mit der Genie-Thematik. Er war der Ansicht, „die Schaffensenergie des Genies lieg[e] nicht in der rationalen Sphäre, sondern in der irrationalen Sphäre.“ 5 D.h. natürlich, dass das Geniehafte schon da sein muss, damit der Dichter daraus schöpfen kann, es handelt sich dabei um etwas, das man nicht erlernen kann. Lessing definierte eine Generalregel, woran sich alle orientieren sollten, indem er versuchte, das Genie als Inbeg-
3 Vgl.Schmidt, Jochen: Die Geschichte des Genie-Gedanken der deutschen Literatur, Philosophie und Politik 1750-1945, Band 1, S.36, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1985.
4 Vgl. ebd., S. 37
5 Ebd., S. 68
4
riff des freien Schöpfertums und vom Prinzip der Nachahmung in Einklang zu bringen. Später jedoch war das Geniehafte losgelöst vom Nachahmungsprinzip. 6 Lessing wollte das Genie auch buchstäblich erziehen, d.h. ein Mensch muss lernen und erfahren, verarbeiten, wieder lernen und sich dieses merken, vergleichen, wissen und dann auch lehren, damit er zum Genie werden kann. Andererseits erwähnt er auch wieder in Zusammenhang mit Shakespeare, dass ein Genie nicht anerzogen werden kann, sondern durch ein anderes Genie angeregt, plötzlich selbst zum Genie wird. Es war also eine teilwiese etwas widersprüchliche Definition, die Lessing vom Genie lieferte, da er auch später daran zweifelt, dass es ein echtes Genie überhaupt existiert. Herder fordert danach, dass das Genie als Reaktion auf Gelehrsamkeit und kulturelle Reaktion zu verstehen ist, bzw. als Medium der Integration von Totalität und Individualität. 7 Später schreibt Goethe in seinen Hymnen über Genies, die sich ganz aus sich selbst heraus und aus eigener Kraft entfalten. Seine Hymnen werden auch als Höhepunkt der Geniezeit angesehen. Das Genie war für den Künstler das Wesen des Künstlertums, um das künstlerisch-geniale Selbstverständnis zu etablieren. Eine Wendung im Genie-Thema stellt Goethes Werther dar. Ging es vorher eher um eine ästhetische Definition des Genies, war das Genie nun plötzlich ein existentielles Problem. Die Entwicklung des Genies geht dahin, dass das Dichtertum des wirklich genialen Dichters, der von einer ursprünglichen Erfahrung geleitet wird, für ihn selbst schicksalhaft wird, sodass es seine Existenz bestimmt. Doch mit zunehmendem Alter wendet sich Goethe mehr und mehr gegen den Kult um das Genie. Er sagt dem autonomen Künstler und dem Eigenrecht der Kunst ab. Bei seinen früheren Genie-Dichtungen stand das „Ich“ und die Selbstdarstellung im Mittelpunkt. Nun nimmt gerade das „Nicht-Schöpferische“ eine zentrale Stellung ein. 8
Hölderlin interessiert sich indes sehr für das sich legitimierende Genie. Aber auch er sieht das Genie als eine All-Natur an, aus welcher der Mensch dann all seine schöpferische Energie nimmt und auch alle anderen künstlerischen Ergüsse. Im Sturm und Drang waren die Dichter gegen Lehren und Lernen des Genies, d.h. ein Genie war gekennzeichnet durch seine eigene Schaffenskraft und die Autonomie der Kunst.
Für Kleist wird die Todverfallenheit des Menschen zum existentiellen Argument gegen Genie und Charisma. 9
6 Vgl. ebd., S. 70
7 Vgl. ebd., S. 79
8 Vgl. ebd., S. 345f.
9 Vgl. ebd., S. 463
5
Arbeit zitieren:
Katja Sachs, 2009, Genie und Wahnsinn am Beispiel von "A Beatutiful Mind", München, GRIN Verlag GmbH
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