Hausarbeit im Mediävistikseminar Aussatz, Wunden, Minneleid
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Inhaltliche Übersicht 3
3. Nicht - körperliche Gewalt 5
4. Ursachen für die Gewalt 6
5. Augenscheinliche Gewalt 7
5.1 Gewaltszenen vor der endgültigen Rache Kriemhilds (bis 32. Aventiure) 7
5.2 Gewaltspirale der Rache Kriemhilds (ab 33. Aventiure) 9
5.3 Die letzte Aventiure 12
5.4 Resultat der Gewalt 13
6. Schluss 13
7. Literaturverzeichnis 14
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Hausarbeit im Mediävistikseminar Aussatz, Wunden, Minneleid
1. Einleitung
Bei der Themenfindung für diese Hausarbeit habe ich mich zuerst recht schwer getan, weil es viele interessante Angebote gab, die mich dennoch nicht überzeugen konnten, darüber eine Hausabreit zu schreiben. Erst durch einen Vortrag eines Studenten angeregt, entschied ich mich, das Thema der Gewalt im Nibelungenlied näher zu betrachten. Gewalt ist nämlich ein immer aktuelles Thema, alle modernen Actionfilme leben davon und leider müssen dazu viele Menschen im realen Leben Gewalt erleben, wie das jüngste Beispiel des Amoklaufs eines 17jährigen Schülers wieder zeigt. Es ist also ein aktuelles Thema der Gegenwart, das ich in meiner Arbeit gern auf die Vergangenheit, besser gesagt, auf das Mittelalter beziehen will, denn damals schon spielte Gewalt eine große Rolle. Da das Thema auch mit dem Seminarthema „Aussatz, Wunden, Minneleid“ konform sein sollte, ist die Gewalt und die Gewaltspirale im Nibelungenlied eine gute Wahl, da Gewalt, vor allem körperliche Gewalt, Wunden zurücklässt und diese Gewalt teilweise wegen Minneleid entstand. Doch wo äußert sich diese Gewalt? Wie spitzt sie sich am Ende der Handlung zu? Wer ist verantwortlich dafür, dass so viel Gewalt ausgeübt wird?
Diese und andere Fragen sollen in dieser Arbeit eine Antwort finden.
2. Inhaltliche Übersicht
Wenn man die Handlung des Nibelungenliedes anschaut, wird man feststellen, dass die treibende Kraft über den handelnden Menschen das Schicksal ist. Aus kleinsten, banalen Anlässen heraus entwickelt sich das Verhängnis bis zum grauenhaften Ende aller, sodass sich aus falschen Verhaltensweisen die Verfehlungen und Verstrickungen, die Handlungen und Ge-genhandlungen ergeben, die dich immer stärker gegenseitig vorantreiben, sodass am Ende alle furchtbar untergehen. 1 Schon am Anfang wird auf Grund eines Traumes, den Kriemhild hat, die Gewalt, die sich dann durch das ganze Epos zieht, deutlich: Sie träumt, wie sie einen Falken abrichtet, der dann plötzlich von zwei Adlern geschlagen und zerfleischt wird. Dieser Traum fügt ihr schon großes Leid zu. 2 Daran sehe ich, dass Gewalt immer untrennbar mit Leid verbunden ist, was sich auch durch die ganze Handlung des Nibelungenliedes zieht. Die Gewalt wird in diesem Epos erstaunlicherweise nicht nur von Männern, sondern zusätzlich von Frauen ausgeführt und teilweise repräsentiert. So hat beispielsweise Brünhild übernatürliche Kräfte, die der Stärke von 12 Männern entsprechen und die sie gern gewaltsam einsetzt, welche sie aber nach einem harten Kampf mit dem unsichtbaren Siegfried im ihrem
1 Vgl. F. Maurer, 1969, S. 16
2 Vgl. Nibelungenlied, 1. Aventiure, Vers 13
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Schlafgemach verliert, als sie sich Gunther hingibt. Andererseits führt Kriemhild ihre grausame Rache als Frau durch, wobei sie Anweisungen und Befehle erteilt und schlussendlich Hagen selbst enthauptet.
Neuzeitlich wird Gewalt als jeder vermeidbare Angriff auf menschliche Grundbedürfnisse und das Leben im Allgemeinen definiert, während das Wort Gewalt im Mittelalter noch einen erweiterten Begriffsumfang hatte: es leitet sich von dem Verb waltan ab und bedeutet soviel wie ‚Kraft haben‘, ‚über etwas verfügen‘ oder ‚herrschen‘. Die heutige Bedeutung des Begriffs war folglich nur ein Teilaspekt. 3 Wenn man also im Mittelalter von Gewalt spricht, muss man diese Bedeutungen unbedingt in die Betrachtung mit einbeziehen. Die Gewalt wird, wie gesagt, durch kleine Ereignisse, unscheinbare Angelegenheiten ausgelöst. Da ist als erstes die List Siegfried zu nennen, als er sich bei der Werbung Gunthers um Brünhild als sein Lehnsherr ausgibt, wobei er das Pferd für Gunther dient, ihm hilft und ihm so dient. 4 Sie nächste List, die Siegfried an Brünhild begeht, ist das Besiegen in ihren Kampfdisziplinen, bei denen er mit Hilfe der Tarnkappe unsichtbar ist und Gunther sozusagen gewinnt. Doch schon bei der Doppelhochzeit wird Brünhild skeptisch und will aufgeklärt werden, weshalb sie sich Gunther auch verweigert. An dieser Stelle wird sie erneut betrogen: Siegfried setzt wiederholt seine Tarnkappe ein und überwältigt Brünhild im harten Kampf, so dass sie sich Gunther hingibt. 5 Er verhält sich gegenüber Gunther ganz treu, begeht aber den schwerwiegenden Fehler, dass er Kriemhild in diese Geschehnisse einweiht und ihr den Gürtel und Ring, die er Brünhild gestohlen hat. 6 Brünhild ist immer noch unruhig und verwundert, dass Siegfried so wenige Dienstleistungen zu erbringen hat. Deshalb lädt sie Siegfried und Kriemhild ein. Doch dabei kommt es zu einem Streit zwischen den beiden Frauen, da Brünhild auf Siegfrieds sich auf Siegfrieds ersten betrug bezieht und Siegfried ja Gunthers Mann sei. Daraufhin hält Kriemhild ihre Schwägerin an, solche Behauptungen zu unterlassen. Dieser Streit steigert sich auch deshalb, weil beide davon überzeugt sind, dass ihre Männer die Wahrheit verkörpern. Brünhild ist zutiefst beleidigt, dass Hagen, Ortwin und Gernot Rache schwören und somit Siegfrieds Tod abmachen. Kriemhild wurde entehrt und durch den Tod Siegfrieds wird sie noch mehr entehrt. Dieser Mord an Siegfried, durch Hagens Gewalt ausgelöst, erfordert Rache. Dass Hagen der Kriemhild dazu noch den Hort raubt, beleidigt sie noch mehr und erfordert erneut Rache und Gegenwehr erfordert. Die Möglichkeit dazu wird Kriemhild dadurch gegeben, dass sie die Werbung Etzels annimmt. Damit erlangt sie nicht
3 P. Frank, 2004, S. 6f.
4 Vgl. Nibelungenlied, 7. Aventiure, V. 397
5 Vgl. Nibelungenlied, 10. Aventiure, V. 663 - 677
6 Vgl. Nibelungenlied, 10. Aventiure, V. 680
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nur wieder Ehre und Machtstellung, sondern auch das, was ihr angetan wurde, zu rächen. Jetzt wiederholt Kriemhild eine Handlung Brünhilds: wie diese damals Siegfried und Kriemhild einlud, lädt sie nun die Burgunden zu sich ein. Hagen warnt noch, die Reise nicht anzutreten, da er sich bewusst ist, dass Kriemhild auf Rache sinnt, aber ihm vorgeworfene Feigheit und die Rettung seiner und der Königen Ehre zwingt ihn, doch ins Hunnenland zu reisen. Hier steigert sich die Gewalt dann zunehmend. Hagen ermordet Kriemhilds und Etzels Sohn, er wird schlussendlich von Kriemhild selbst mit dem Balmung-Schwert enthauptet, was dazu führt, dass sie selbst durch das Schwert Hildebrands getötet wird. Der Erzähler resümiert, dass alle, außer Dietrich und Etzel, von denen es sich zu erzählen lohnte, nun tot sind. Alle Überlebenden weinen. 7 Damit ist jede höfische Ordnung, die sonst von Freude gekennzeichnet ist, nun zerstört ist und der Erzähler deshalb nichts mehr zu berichten wisse. 8
3. Nicht-körperliche Gewalt
Gewalt im Nibelungenlied ist immer nur körperliche Gewalt, sondern ebenso diskursive Gewalt. 9 Generell werden die Frauen, vor allem Kriemhild und Brünhild, als Damen höfischer Abstammung beschrieben und großer Wert auf die Beschreibung ihrer außerordentlichen Schönheit gelegt. Kriemhild wird als vorbildliche höfische Dame eingeführt, die eine ausnehmende Schönheit, edle Herkunft, Tugendhaftigkeit und Ehre kennzeichnet. 10 Auch Brünhild wird als unbeschreiblich schöne Königin und ungewöhnlich große Kraft besitzend, dargestellt. 11
Damit wird deutlich, dass Adel und Schönheit den Wert und die Attraktivität einer Frau damals ausmachten. Eine Frau musste ihre ehelichen Pflichten erfüllen, dem Mann eine Zierde sein und ihm Söhne gebären, wodurch sie zum Heiratsobjekt degradiert und damit auf ihren Funktionswert reduziert wird.
Sobald Brünhilds körperliche Gewalt erwähnt und Kriemhild im Zusammenhang mit ihrer Rache beschrieben wird, verschwinden positive Beschreibungen der Frauen. Brünhild wird beispielsweise als edel (V. 393), schœne (V. 417) oder minneclîche (V. 435) beschrieben. Doch als die Beschreibung ihrer überdimensionalen Kampfgegenstände beginnt (V. 436), wird sie nicht mehr mit solch positiven Attributen bedacht, sondern sogar als tíuvéles wîp (V. 438) beschrieben. Ähnlich verhält es sich auch bei Kriemhild, die im ersten Teil hauptsächlich
7 Vgl. Nibelungenlied, 39. Aventiure, V. 2377
8 Vgl. J.-D. Müller, Tübingen, 1998, S. 117
9 Vgl. R. Scheuble, Frankfurt a./M., 2005, S. 113
10 Vgl. Nibelungenlied, 1. Aventiure, V. 2 - 3
11 Vgl. Nibelungenlied, 6. Aventiure, V. 326
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Arbeit zitieren:
Katja Sachs, 2009, Gewalt im Nibelungenlied, München, GRIN Verlag GmbH
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