Deutsche Zusammenfassung
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel einige der wichtigsten Aspekte von freier/Open Source Software zu beschreiben. Aus der F¨ ulle der m¨ oglichen Aspekte sollen die g¨ angigen Lizenzmodelle zum Schutz der Open-Source-Idee und zur Vermeidung von Missbrauch sowie die Effekte von Open Source Software auf Softwarem¨ arkte und Softwareindustrie allgemein als besonderere Schwerpunkte behandelt werden. Die historische Entwicklung der Idee hinter dem Ph¨ anomen und das Betriebssystem GNU/Linux das aus dem Open-Source-Umfeld stammt sollen auch geb¨ uhrend beachtet werden.
Schl¨ usselw¨ orter
Open Source Software, freie Software, Linux, Softwarelizenzen, GPL, wirtschaftliche Auswirkungen von Open Source, Softwarem¨ arkte, Kritik an Open Source
English abstract
This work aims at describing several of the most important aspects of free/open source software. Out of the plethora of possible aspects the software licensing models that ensure the propagation of the underlying idea and prevent misuse as well as the effects of open source software on the software market and software industry in general shall be treated with a special emphasis. The historical development and evolution of the idea behind the phenomenon and the operating system GNU/Linux that emerged from an open source background shall be dealt with accordingly as well.
Keywords
Open Source Software, free Software, Linux, software licenses, GPL, economic impact of open source, software markets, review of Open Source Software
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 5
2 Historische Entwicklung 8
2.1 GNU/Linux - Ein Erfolgsmodell? 11
3 Software als okonomisches Gut 14
3.1 Was ist Open Source-Software? 16
3.2 Propriet are Software 18
4 Geistiger Eigentumsschutz an Software und Lizenzierungsmodelle 19
4.1 Urheberrecht und Patentrecht 19
4.1.1 Open Source und Softwarepatente 21
4.2 Abgrenzung zu weiteren Lizenzmodellen 23
5 Open Source Lizenzen 26
5.1 Das Prinzip des Copyleft 27
5.2 GPL 28
5.3 BSD 31
5.4 LGPL 32
5.5 MPL 32
5.6 Andere Open Source Lizenzen 33
5.6.1 Lizenzen mit Wahlm oglichkeiten 33
5.6.2 Lizenzen mit Sonderrechten 34
6 Motivation und wirtschaftliche Aspekte von Open-Source-Projekten 35
6.1 Besonderheiten des Entwicklungsprozess bei Open Source Software 35
6.2 Auswirkungen von Open Source of Softwarem arkte 37
6.2.1 Theorie der Softwarem arkte 37
6.2.2 Softwarem arkte als bestreitbare M arkte 38
6.2.3 Wettbewerbswirkungen von Open Source 38
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6.3 Unternehmerische Strategien 41
6.4 Kritik am Open-Source Modell 44
7 Zusammenfassung, Ausblick und Schlussbemerkungen 47
8 Literaturliste 50
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1 Einleitung
In den letzten Jahren hat in der Softwarewelt ein vergleichsweise neuartiges Konzept an Bedeutung gewonnen, dessen weitreichende wirtschaftliche Auswirkungen nicht l¨ anger von der marktf¨ uhrenden Softwareindustrie ignoriert werden konnten. Diese, unter dem Begriff Open Source Software subsumierbare Ideen 1 , basiert auf der Grundidee dem Nutzer einer Software das Programm ohne Lizenzgeb¨ uhr benutzen zu lassen und auch den Quellcode (die von Menschen geschriebenen Anweisungen in einer Programmiersprache, die in funktionierende Software ¨ ubersetzt werden k¨ onnen ) - zur Einsicht freizugeben,
selbst Modifikationen zuzulassen. Ein fl¨ uchtiger Blick auf die Internet-Plattform sour-ceforge.net, die eine Umgebung zur Kommunikation und Entwicklung von Open Source Software anbietet, zeugt mit 165.234 Projekten 2 von der zunehmenden Bedeutung von Open Source Software. Das nach den eben genannten Prinzipien kreierte ” freie“ Betriebssystem GNU/Linux ist mittlerweile in vielen verschiedenen Distributionen erh¨ altlich, die ein breites Spektrum an Funktionalit¨ at abdeckend, eine ernstzunehmende Konkurrenz f¨ ur das bisher dominierende propriet¨ are Betriebssystem Microsoft Windows sind. Auch gr¨ oßere Firmen haben bereits auf Open Source Software reagiert und sie in eigenen Gesch¨ aftsmodellen einbezogen. Der Kontrast zu herk¨ ommlicher, propriet¨ arer Software macht Open Source Software zu einem interessanten Gegenstand von Betrachtungen, wirft aber auch einige grundlegende Fragen auf. Zum Beispiel erfordert die Sicherstellung und Wahrung der Besonderheiten von Open Source Software im Vergleich zu propriet¨ arer Software radikal unterschiedliche Lizenzmodelle, die in dieser Arbeit n¨ aher betrachtet werden sollen. Die juristische Dimension dieser Lizenzmodelle wird bei Betrachtung von F¨ allen wie der Milliardenklage von IBM gegen SCO deutlich. Auch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit, marktwirtschaftlichen Bedeutung und grundlegenden Motivation hinter Open-Source Projekten soll hier behandelt werden. Ebenso ist eine Kritik an der Open-Source-Idee angebracht. In Kapitel 2 wird versucht die historische Entwicklung des Konzepts hinter Open Source Software darzustellen, die von anf¨ ang- 1 mehrzu der Abgrenzung der einzelnen Begriffe sp¨ ater
2 Quelle: http://sourceforge.net, Aufgerufen am 31.12.2007
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lichen, eher idealistischen Betrachtungen die ihren Ursprung im universit¨ aren Umfeld hatten, zu einem Ph¨ anomen mit wirtschaftlicher Tragweite reichen. Mit der Gr¨ undung der Free Software Foundation (FSF) entsteht die Idee ein freies Betriebssystem zu schaffen, welches, etwa ein Jahrzehnt sp¨ ater in dem freien Betriebssystem GNU/Linux seine produktiv nutzbare Konkretisierung findet und zunehmend zu einer L¨ osung f¨ ur Server-und Desktopbereich wird. Im Subkapitel 2.1 soll dieses Betriebssystem und seine Entwicklung n¨ aher dargestellt werden.
Kapitel 3 versucht die Eigenschaften von Software als ¨ okonomischem Gut zu bestimmen, welche durch ihre Besonderheit essentiell f¨ ur das Verst¨ andnis von Software als handelbares Gut sind. Weiters soll der in dieser Arbeit durchgehend verwendete Begriff Open Source Software“ erkl¨ art werden. F¨ ur den ” Gegenspieler“ zu Open Source Soft-”
ware soll der Begriff ” propriet¨ are“ Software verwendet werden, wenn auch diese Begriffe aufgrund der Komplexit¨ at der Materie nicht immer exakt zu treffen und bestimmen sind.
Kapitel 4 behandelt die grundlegenden Fragen der Lizenzierung von Software. Hierf¨ ur sollen die rechtlichen Grundlagen des Intellectual Property Rights skizziert werden, insbesondere Urheberrecht und Patentrecht. Auch sollen g¨ angige Lizenzierungsmodelle die in der Softwareindustrie verbreitet sind, dargestellt werden.
Kapitel 5 widmet sich detailliert der Betrachtung der bedeutungsvollsten Open Source Lizenzen, denen die GNU GPL als die wohl bedeutsamste gegenw¨ artige Lizenz f¨ ur Open Source Software vorangestellt werden soll. Wichtig ist im Zusammenhang mit Open-Source-Lizenzen die Verwendung einer Copyleft-Klausel, welche großen Anteil an der Festlegung der Restriktivit¨ at einer Lizenz hat, sie soll hier vorangestellt betrachtet werden. Zu den weiteren betrachteten Lizenzen geh¨ oren die BSD-Lizenz, die MPL und die LGPL.
Kapitel 6 r¨ uckt die wirtschaftlichen Aspekte von Open-Source-Projekten in den Vor-
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dergrund. Die Besonderheiten des Entwicklungsprozess bei Open Source Software sollen beschrieben werden und die wirtschaftlichen Auswirkungen von Open Source auf den Softwaremarkt. Abschließend soll eine Kritik an Open Source Software aus wirtschaftlicher Sicht das Kapitel beschließen.
In Kapitel 7 sollen die gewonnenen Erkenntnisse aus den vorigen Kapiteln noch einmal rekapituliert und summierend zusammengefasst werden.
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2 Historische Entwicklung
Bei der chronologischen Betrachtung der Anf¨ ange der Computerindustrie erscheint es als merkw¨ urdiges Paradoxon dass urspr¨ unglich Ausschließbarkeit bei der Nutzung von Software nicht vorgesehen war, eine Idee die erst in den 70er-Jahren an Boden zu gewinnen begann. Die Entscheidung von IBM 1969 Hardware und Software nach einem verlorenen Kartellverfahren (bei einem Marktanteil von etwa 70%) zu entb¨ undeln, f¨ uhrte bald zu einem ersten Markt f¨ ur Softwareprodukte und Betriebssysteme (Brunner 2005). Jedoch wird bei n¨ aherer Betrachtung ersichtlich dass die fr¨ uhen Systeme vollst¨ andig hardwareabh¨ angig waren und die Idee, Software als eigenwertiges Produkt - nicht bloß als Anh¨ angsel der Hardware - zu betrachten, erst allm¨ ahlich aufkam. Mit der Entwicklung der Timesharing-Systeme 3 entwickelte sich langsam eine Gemeinde welche die Entwicklung von Software in den Vordergrund r¨ uckte. Dieser Community von Hackern“ 4 war es selbstverst¨ andlich ihre Produkte miteinander zu teilen, Weitergabe
”
des Quellcodes an gleichfalls enthusiastische Freunde war Bestandteil dieser Kultur. Hier sollte erw¨ ahnt werden dass es sich hierbei um Grundlagenforschung handelte, was einen sozialen Kontext des Teilens und Verbreitens schaffen konnte. Diese Gemeinschaften zentrierten sich um Hochschulen 5 und Forschungseinrichtungen 6 . (Raymond 1999) Einen weiteren Aufschwung erlebte die Gemeinde 1969 als mit dem Betriebssystem Unix und der Sprache C die Basis geschaffen war um Software unabh¨ angig von einer speziellen Rechnerarchitektur zu implementieren. Das Kartellrecht verbot der amerikanischen Firma AT&T ihr Betriebssystem Unix f¨ ur kommerzielle Zwecke einzusetzen, so gelangte es mitsamt offenem Quellcode an verschiedene Universit¨ aten, welche die Entwicklung fortsetzten, Weiterentwicklung durch die Hackergemeinde war offen erw¨ unscht. Die offenen Standards des ARPA-Net, des technologischen Vorl¨ aufers des Internets, wurden
3 Als Beispiel w¨ are z.B. das ITS des MIT (Massachusetts Institute of Technology) zu nennen
4 Damit ist nicht der heute gebr¨ auchliche, von den Medien verzerrte Begriff gemeint, sondern eine Person mit Begeisterung f¨ ur tiefgehende Besch¨ aftigung mit Software/Hardware. http://www.catb.org/ esr/jargon/html/H/hacker.html liefert eine genauere Definition
5 Berkeley, MIT, Stanford um einige zu nennen
6 Das Palo Alto Research Center von Xerox und die Bell Labs von AT&T w¨ are hier bekannte Vertreter
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mit Unix verschmolzen, was die Hacker-Gemeinde um ein wie f¨ ur sie geschaffenes Kommunikationsmittel reicher machte. 7
Mit dem Aufkommen kleinerer Maschinen und der ersten Personal-Computer etablierten sich auch propriet¨ are Betriebssysteme deren genaue Funktionsweise ein gut geh¨ utetes Firmengeheimnis blieb. 8 Die Hacker-Community war also weiterhin auf Unix angewiesen. Unix jedoch zersplitterte sich in verschiedene Distributionen, die kommerziell verbreitet wurden und nicht mehr miteinander kompatibel waren, was eine Periode Unix wars“ ausl¨ oste. 9 der sogenannten ”
1974 wurde Microsoft gegr¨ undet, jenes Unternehmen, das sp¨ ater die Industrie dominieren sollte. Die Einstellungen gegen¨ uber dem freien Tauschens und Verwendens von Software seines Gr¨ unders war schon anfangs deutlich negativ. 10 1976 entstand Apple Computers, ein Unternehmen das bedeutend zur Entwicklung und Verbreitung des Personal-Computers beitragen sollte. Der nicht mehr aufzuhaltende Siegeszug der Personal-Computer begann in der 80er-Jahren Unix langsam den Wind aus den Segeln zu nehmen. 1981 stellte IBM seinen ersten Personal-Computer vor, das Modell mit der Nummer 5150 war der erste preislich leistbare Rechner f¨ ur den Heimgebrauch. Zu dieser Zeit begann auch die Geschichte dessen, was sich sp¨ ater zu Open Source und freier Software entwickeln sollte. Nach eigenen Angaben durch einen Drucker mit einem qualitativ minderwertigen Treiber, der jedoch propriet¨ ar und nicht einsehbar war, zu diesem Schritt veranlasst (Korb 2001) gr¨ undete der Programmierer und Vision¨ ar Richard Stallman die Free Software Foundation (FSF), die es sich fortan zum Ziel machte, quelloffen verf¨ ugbare Software zu produzieren. Mitte der 80er-Jahre begann sich die Marktreife grafischer Benutzeroberfl¨ achen abzuzeichnen, Apple brachte 1984 den ersten PC mit graphischer Benutzerober-
7 Dasheute noch sehr beliebte Free-/Open-/Net-BSD hat seinen Ursprung in einer Weiterentwicklung von Unix an der Berkeley University (Berkeley Software Distribution). Bedeutsam ist hier auch die BSD-Lizenz, die sp¨ ater behandelt werden soll.
8 IBM und Apple w¨ aren hier als die Pioniere zu nennen
9 hier w¨ aren Hewlett-Packards HP-UX, AIX von IBM und BSD als Beispiele zu nennen
10 http://www.blinkenlights.com/classiccmp/gateswhine.html
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fl¨ ache (GUI) 11 auf den Markt. 12 Abnehmende Unterst¨ utzung der großen Firmen und eine Verringerung der Forschungsgelder brachten zusammen mit dem Siegeszug des Personal Computers das allm¨ ahliche Verschwinden der universit¨ aren Strukturen der Hackerkultur. Microsoft gelang es sich zun¨ achst mit MS-DOS, in den 90er-Jahren langsam mit Windows - trotz inferiorer Technologie - als dominanter Marktf¨ uhrer zu etablieren. Die kommerziellen M¨ oglichkeiten des Internets wurden entdeckt und l¨ osten eine Euphorie aus die einige Unternehmen im Taumel des M¨ oglichen die Gesetze der ¨ Okonomie ¨ uber Bord
werfen ließ - was dann letztlich zum Platzen der als ” New-Economie-Blase“ bekannt ge-wordenen Euphorie f¨ uhrte. (M¨ uhlmann 2006) Microsoft begann seine Vormachtstellung sukzessive auszubauen, hierbei war die Strategie der Produktb¨ undelung sehr hilfreich, auch wenn es Microsoft einige Vorw¨ urfe wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung einbrachte. Als erfolgreichstes Beispiel ist der Internet Explorer zu nennen: Microsoft lieferte ihn kostenlos mit seinen Betriebssystemen aus, was das Produkt des bisherigen Marktf¨ uhrers Netscape in arge Bedr¨ angnis brachte und letztlich ganz verdr¨ angte. Diese Entwicklung f¨ uhrte zu der Entscheidung Netscapes den Quellcode ihres Browsers zu ver¨ offentlichen, was einen bedeutenden Meilenstein f¨ ur die Open-Source-Bewegung darstellte (mehr dazu sp¨ ater). 13 . Im Zuge der Freigabe des Netscape-Quellcodes ent-stand 1998 die ” Open Source Initiative“ (OSI), welche als H¨ uterin der Open-Source-Idee genaue Kriterien f¨ ur die Einordnung einer Software als Open Source Software entwickelt hat 14 . Ziel war es auch das Wort ” free“ durch einen neutralen Begriff zu ersetzen der
auch besser vermarktet werden konnte (Mundhenke 2007). Nur Lizenzen die diese Definition erf¨ ullen d¨ urfen das Markenzeichen ” Open Source“ f¨ uhren. ” Somit ist die Open
Source Definition keine eigenst¨ andige Lizenz, sondern ein G¨ utesiegel zur Bewertung von Lizenzen“ (Kooths et al. 2003).
Mit der Idee eines offenen Browsers konnte durchaus erfolgreich der Marktanteil von Mi- 11 GraphicalUser Interface
12 Der ” Urahn“ der GUI-Technologie, der Xerox Alto, wurde bereits 1972 entwickelt, schaffte es aber nie auf den Markt
13 Daraus entwickelte sich die Mozilla Foundation mit popul¨ aren Produkten wie dem Browser Firefox und dem Mailprogramm Thunderbird
14 Die ” Open Source Definition“ ist unter http://www.opensource.org/docs/osd verf¨ ugbar
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Arbeit zitieren:
MSc Markus Moser, 2008, Open-Source-Software mit besonderer Berücksichtigung wirtschaftlicher Aspekte und Softwarelizenzen, München, GRIN Verlag GmbH
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