rights“, die mit der Arbeiterbewegung in Verbindung gebracht wird. Die letzte Phase beschreibt die Entstehung von „solidarity rights (for instance the right to economic development)“ 3 . Auch wenn diese geschichtliche Einteilung im Einzelnen von vielen Autoren bemängelt wird, zeigt sie, dass ein ökonomischer Prozess begleitet wurde durch die Weiterentwicklung des Rechtssystems.
Begleitet wird jede Veränderung einer Gesellschaft durch die ideologische Anpassung an die neuen Möglichkeiten, Reichtum zu produzieren. Ob den Veränderung der Möglichkeiten der Produktion gesellschaftliche Veränderungen vorausgehen, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Dennoch kann der Historiker Tendenzen beider Ebenen im Nachhinein an besonderen Punkten der Geschichte nachzeichnen und beschreiben. Die beschriebene Ablösung des Menschen aus die ihm umgebenden Strukturen als Subjektivierung bietet die philosophische Absicherung und Begründung des Wandels in der Neuzeit.
Der Mensch versteht sich als unabhängig von der äußeren Natur, die nun nicht mehr als Träger einer Bedeutung verstanden wird. Wenn die Gesellschaft auf der individuellen Stufung des Eigeninteresses aufgebaut ist, muss dieses Eigeninteresse im Sinne des Gemeinwohls ausgelegt werden. Eine Verantwortlichkeit gegenüber der Gesellschaft besteht dann nicht mehr in der Einhaltung von Pflichten (wie die Pflichterfüllung im Konfuzianismus, yi), sondern nur noch in seinem individuellen „Pursuit of Happiness“, der in der Politik über den Umweg des ‚größtmöglichen Glücks für Alle’ legitimiert wird.
Gestiftet werden musste demnach eine „Toleranz für den kapitalistischen Geist“ 4 . Denn die neuen Möglichkeiten der Massenproduktion im 19. Jahrhundert während der Industriellen Revolution konnten nur genutzt werden, wenn die Bereitschaft der Massen zu konsumieren gewährleistet wurde. Dieser Prozess erforderte einen Wandel im Selbstverständnis des Individuums. Im frühen 18. Jahrhundert galt es noch, sich mit dem „täglich Brot“ zufrieden zu geben. Max Weber charakterisiert diese Weltanschauung als antik-orientalisch. Mit dem eschatologischen Verständnis für den Aufschub des Genusses wurden Mängel des Diesseits kompensiert. Genügsamkeit galt als Tugend. Genauso galt es, die Begierden zu unterdrücken (ähnlich wie in der konfuzianischen Ethik bis zur Ming-Zeit). Diese protestantische Ethik wurde mit der Veränderung der Produktionsverhältnisse und der gleichzeitigen Subjektivierung in der Aufklärung abgelöst durch das Ideal der Selbstentfaltung. Der Konsum wurde an die Ideologie der Selbstentfaltung und damit an die liberal-demokratischen Visionen der Moderne
Vgl.: Wolfgang Schmale, 1993, S. 8, Harro von Senger, 1993, S. 48.
3
Vgl.: Max Weber, 2004, S. 81ff. 4
gekoppelt.
Die Emanzipation des Individuums drückt genau diese Veränderung der Verhältnisse aus. Sie wirkt als Gegenpol gegen jeden Traditionalismus, denn mit der Tradition wird jeglicher Fortschritt ausgebremst. 5
Grob zusammenfassend kann man sagen, dass die neuen Möglichkeiten der Massenproduktion zu einer grundlegenden ideologischen Veränderung führten. Das Individuum musste aus seinen alten Rollen gelöst werden. Die bürgerliche Großfamilie musste aufgelöst werden, denn der Einzelne sollte sich von den Traditionen emanzipieren, nicht nur damit er individuell von der Steuer erfasst werden konnte, sondern auch, damit ihn alte Ideale der Genügsamkeit und der Askese der christlichen oder protestantischen Ethik nicht am Konsum hinderten.
Unter diesen Gesichtspunkten ist die Verbreitung des Hedonismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert naheliegend. Die moderne Marktwirtschaft kann ohne eine hedonistische Mentalität des Volkes nicht verwirklicht werden 6 . Und der Hedonismus wiederum kann ohne die liberalen Visionen der Selbstentfaltung, d.h. der Individualität nicht ins Leben gerufen werden.
Die Loslösung von den gewachsenen Strukturen unter dem liberalen Banner der Gleichheit und Individualität, die zu einer „Toleranz des kapitalistischen Geistes“ geführt haben, führte nicht zuletzt zu der Inanspruchnahme des Menschenbegriffs. Wenn der Mensch aus seiner sozialen Rolle gelöst wird (Stände und Familie), bleibt als einigender Begriff nur noch der Gattungsbegriff Mensch und damit die Normativität der Ratio.
Chinesiche Gelehrte wie Pei Minxin und Liu Binyan sowie Andrew J. Nathan fordern deswegen in
5
Diskussionen über Individualisierung eine Stärkung der chinesischen Wirtschaft, um den Demokratisierungs- und Individualisierungsprozess der chinesischen Gesellschaft weiter voranzutreiben. Vgl.: „On the Eve“, China Symposium '89, Bolinas, California, 27-29 April, 1989, als Internet-Quelle seit Mai 1996 unter http://www.tsquare.tv/film/Bolinas6nathan.html verfügbar. Unter diesen Gesichtspunkten wird auch im Diskurs über Menschenrechte in China die Meinung vertreten, die Rechte können erst verwirklicht werden, wenn der chinesische Staat an wirtschaftlicher Stärke gewonnen hat. Vgl.: Harro von Senger, S. 308. Kondylis, 1992, S. 105-112. 6
Arbeit zitieren:
2011, Die sozialen und geistesgeschichtlichen Vorbedingungen für einen Wandel der Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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