1. Einleitung
Um eine Ausführliche Auseinandersetzung mit der Fragestellung „Welche Rolle spielt Kinderfernsehen in den Alltagsgesprächen von Kindern“ zu ermöglichen, habe ich nach ausführlicher Literaturrecherche des weiteren noch Interviews mit Kindern durchgeführt.
In dieser Hausarbeit werde ich zuerst meine Vorgehensweise ausführlich darlegen. Dem folgt eine kurze Analyse jedes Interviews, in der ich auf die speziellen Besonderheiten und Auffälligkeiten sowie auf die Interviewsituation genauer eingehen werde. Anschließend werden die Ergebnisse der Interviews miteinander vergleichen und dem aktuellen Forschungsstand gegenüber gestellt. In der gesamten Analyse werde ich mich vorwiegend auf die von mir erhobenen Daten beziehen, da es mir wichtig erscheint möglichst „unbelastet“ an das Untersuchungsmaterial heran zu gehen. Dennoch werde ich versuchen, die von mir erhobenen Ergebnisse mit dem aktuellen Stand der Forschung in Beziehung zu set- zen.
2. Vorgehensweise
Zu Beginn möchte ich anmerken, dass die folgen Ergebnisse keinen repräsentativen Charakter haben, da die Untersuchungsgruppe zu klein ist. Um dennoch an möglichst heterogene Daten zu kommen, die es mir ein möglichst realistisches Einblick in Bezug das zu untersuchende Thema zu gewinnen, habe ich meine Befragung sehr heterogen angelegt. Im Zeitraum von nur mehreren Wochen habe ich 4 Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren aus dem Großraum Greifswald und Rostock befragt. Es handelt sich dabei um 3 Mädchen und 1 Jungen. Eines der Mädchen wurde kurz nach der Befragung erst 8 Jahre alt. Da nicht davon auszugehen ist, dass sich in wenigen Wochen das Fernsehverhalten sowie die Lebensumstände innerhalb weniger Tage so verändern werden, dass es Auswirkungen auf die Untersuchung hat, habe ich sie als achtjährige in die Ergebnisse mit einbezogen. Des Weiteren habe ich drauf geachtet, sowohl ein Einzelkind, zwei Jüngste Geschwister und ein Mittleres Geschwister Kind zu bekommen. Bei den Jüngsten handelt es sich jeweils einmal um gleichgeschlechtliche und einmal um gemischtgeschlechtliche Geschwisterpaare. Damit die Gruppe jedoch im Rahmen meiner Arbeit vergleichbar ist, habe ich darauf geachtet alle Kinder aus dem selben Milieu zu interviewen, damit die Grundsubstanz der Lebensumstände, durch ihre Homogenität, ein Vergleichen zulässig macht.
Die Interviews wurden auf Grundlage des im Seminars „Qualitative Medienforschung“ erarbeiteten Leitfadens von mir durchgeführt. Bis auf einen Fall fanden alle Interviews bei den Kindern zu hause statt. Das kürzeste Interview dauerte 15 Minuten, das längste etwas über 30 Minuten. Drei Gespräche wurden auf einem Diktiergerät aufgenommen, das letzte mit dem Laptop und anschließend von mir transkribiert. Auf Grund der Fragestellung habe ich auf eine lautliche Transkription verzichtet. Des weiteren habe ich grobe sprachliche Unsicherheiten und grammatikalische Fehler, sofern sie nicht für die Analyse von Bedeutung waren, korrigiert. Sämtlich in dieser Arbeit enthaltenen Zitate sind, soweit nicht anders gekennzeichnet aus den Transkriptionen.
Bei dem Interview mit dem 12jährigen Mädchen, kam es aufgrund äußerer Umstände, auf die ich bei der Einzelanalyse noch genauer eingehen werde, zu einem langem Gespräch nachdem das Aufnahmegerät abgeschaltet wurde. In diesem Dialog sind noch einige interessante Daten gewonnen wurden. Ich habe aufgrund
der fehlen Aufnahme versucht, so gut es mir möglich war, das Gespräch im Anschluss ohne Interpretation zu protokollieren und werde es in die Analyse mit einbe- ziehen.
3. Interviews
Auf den folgenden Seiten werde ich jeweils eine kurze Analyse jedes einzelnen Interviews geben. Dabei werde ich nur marginal auf Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Kindern bzw. ihrem Fernseh- und Kommunikationsverhalten eingehen.
Dabei beginne ich immer mit der Analyse des Lebensumfeldes, da alle weiteren Angaben vor diesem Hintergrund zu sehen sind. Da jedes Gespräch eine in sich abgeschlossene einzigartige Einheit bildet, wird der Inhalt jeweils in einer Struktur wiedergeben, wie sie mir, für den entsprechenden Fall angemessen erscheint. Dennoch versuche ich den Grundaufbau über das allgemeine Fernsehverhalten, den weiteren Freizeitbeschäftigungen und der daraus resultierenden Kommunikation über das medial gesehene innerfamiliäre als auch innerhalb der Peer- Group beibehalten. Ich hoffe dadurch eine Vergleichbarkeit dieser heterogenen Versuchsgruppe zu erreichen.
3.1 Anna
Das erste Interview wurde am 20. Januar dieses Jahres mit einem 12 Jahre alten Mädchen geführt und dauerte etwa 30 Minuten. Ich habe Anna ausgewählt, da sie aus einem sozial schwachen Umfeld kommt und ich nicht nur alle Altergruppen, sondern auch alle gerne alle soziale Gruppen vertreten haben möchte. Anna lebt mit ihren Eltern und ihrer Schwester in einer Drei-Zimmer-Wohnung in Greifswald. Ihr Vater (41) ist zur Zeit auf Arbeitssuche und ihre Mutter (45) hat einen „Ein-Euro-Job im Tierpark gehabt und sie arbeitet jetzt noch woanders … also in der Steinstraße“. Ihre Schwester (17) besucht die elfte Klasse des Fachgymnasiums und ist meine Nachhilfeschülerin. Da die Nachhilfe nicht bei ihr zu Hause stattfand, hatte ich vor diesem Besuch keinerlei Kontakt zu Anna sowie ihrem näheren Lebensumfeld. Die Familie besitz einen Hund.
Die Wohnung hat für eine Drei-Zimmer-Wohnung eine durchschnittliche Größe. In der Wohnstube steht eine Schrankwand, eine Couch und ein Couchtisch. Die kleinen Fenster und Erdtöne der Wände und Teppiche lassen die Zimmer jedoch klein und beengt wirken. Anna teilt sich ein Zimmer mit ihrer älteren Schwester. Der
Raum ist klassisch zweigeteilt; an der rechten und linken Wand, von der Tür aus betrachtet, steht je ein Bett, dazwischen ein Schriebtisch unter dem Fenster, neben der Tür eine Schrankwand und über jedem Bett ist jeweils ein Regel angebracht. Wie der Rest der Wohnung, befinden sich auch in diesem Zimmer etliche Dekorgegenstände über den gesamtem Raum verteilt. Über Annas Bett ist ein Fernseher auf einer dafür vorgesehenen Halterung an der Wand angebracht. Er ist auf das Bett ihrer Schwester gerichtet. An den Wänden über den Betten, befinden sich zahlreiche Poster, die die Vorleiben in Film und Musik aufzeigen. Wie die gesamte Wohnung, wirkt auch dieses Zimmer aufgeräumt, aber dennoch etwas erdrückend. Im Haushalt befinden sich insgesamt vier Fernsehgeräte „also im Wohnzimmer Einer zum spielen und Einer zum gucken, hier Einer und im Schlafzimmer Einer.“ Nach der Theorie der Sinus Milieus 1 , würde ich Annas Umfeld als die Grenze der Bürgerlichen Mitte zu den Konsum-Materiallisten bezeichnen. Das Gespräch mit Anna verlief zu Anfang etwas stockend, da ich nicht wusste, dass sie die sechste Klasse einer Förderschule besucht, habe ich sie am Anfang mit den Fragen etwas überfordert. Nach wenigen Minuten hatte ich mich auf sie eingestellt und das Gespräch lief recht flüssig. Während des ganzen Interviews über, jedoch hielt sie so gut wie keinen Augenkontakt, benötigte oft längere Denkpausen und hatte oft Schwierigkeiten sich auf die eigentliche Fragestellung zu konzentrieren, so dass ich mehrerer Fragen erneut gestellt habe.
Während des Gespräches teilte sie mir sehr schnell mit „also Mittwochs, also in der Woche gucke ich auch manchmal. Ich guck auch kein Fernsehen, also keine Filme. Ich guck manchmal Spongebob oder Carl², manchmal guck ich auch Deutsch-land sucht den Superstar, Mittwochs und Samstags (…) ich guck auch nicht jeden Tag fernsehen.“ Sie erzählte auch, dass ihre Schwester oft alleine fernsieht und das sie lieber mit ihren Freunden oder dem Hund draußen spielt sich mit dem Gamboy die Zeit vertreibt. Da sie mir dies relativ am Anfang unseren Gespräches mitteilte und im weiteren Verlauf noch mehrmals versicherte, dass sie lieber spiele als fernzusehen, ist davon auszugehen, dass Fernsehen in ihrem Leben nur indirekt eine Rolle spielt.. Anna sieht vorwiegend Serien, aber durch abschwächende Wörter wie „manchmal“, „oft“ sowie „ab und zu“ ist davon auszugehen, dass es für sie nicht primär ist, ob sie etwas im Fernsehen sieht oder es verpasst. Dennoch spielt das Fernsehen in ihrem Leben eine große Rolle. So erzählte sie mir „Naja, meine Freundin
1 Angaben nach Sinus Sociovision 2007
Arbeit zitieren:
B.A. Liane Giese, 2007, Welche Rolle spielt Kinderfernsehen in den Alltagsgesprächen von Kindern zwischen 8 und 12 Jahren , München, GRIN Verlag GmbH
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