Inhaltsverzeichnis
1. Der olympische Gedanke nach Baron Pierre de Coubertin 4
2. Die Olympischen Spiele in der Antike 6
2.1 Der „heilige Friede : Politik als Voraussetzung für die Spiele 6
2.2 Kräftemessen zwischen Stadtstaaten 7
3. Wiedereinführung der Spiele im 19. Jahrhundert 8
3.1 Coubertin und die olympische Bewegung 8
3.2 Die ersten Spiele 1896 bis 1912 9
4. Die Spiele als Mittel der Politik 10
4.1 Der Erste Weltkrieg: Die Spiele in Abhängigkeit von der Politik 10
4.2 Antwerpen 1920: Ausschluss als Sanktionsmittel 11
4.3 Die Olympischen Spiele 1936: Nationalsozialistische
Propaganda , Beschwichtigung und Verschleierung 11
4.4 Die Olympischen Spiele als „Waffe“ im Kalten Krieg:
Sportpolitik am Beispiel der DDR 16
4.5 Die Olympischen Spiele in Mexiko 1968 20
4.5.1 Blutiges Massaker 20
4.5.2 Protest und Demonstration: Black Power 21
4.6 Die Olympiade in München 1972: Terrorismus 22
4.7 Boykotte 25
4.7.1 Rassismus und Sticheleien: Die Spiele 1952 bis 1972 25
4.7.2 Höhepunkt des Kalten Krieges 26
4.7.2.1 Der Krieg in Afghanistan und die Spiele in Moskau 1980 26
4.7.2.2 Die Spiele in Los Angeles 1984 27
5. Das Internationale Olympische Komitee 29
5.1 Status und Aufgaben 29
5.2 Politische Möglichkeiten 30
6. Die Spiele als Beitrag zum Frieden 32
Literaturverzeichnis 34
Bildnachweis 43
Als im Oktober 2009 die Olympischen Spiele 2016 in Kopenhagen vergeben wurden, reisten US-Präsident Barack Obama und seine Frau persönlich in die dänische Hauptstadt. Obama war auf dem Höhepunkt seiner Popularität. Vor knapp einem Jahr hatte er die Präsidentschaftswahl gewonnen und gerade erst den Friedensnobelpreis erhalten. Nun wollte er das größte Sportereignis der Welt nach Amerika holen. Wenn der mächtigste Mann der Welt dafür um den halben Erdball reist, kann es nicht nur um Sport gehen. Da muss Politik im Spiel sein. 1
1. Der olympische Gedanke nach Baron Pierre de Coubertin
Baron Pierre de Coubertin (Abb. 1) hat, zum anderen ist auch die olympische
Flagge ein Symbol dafür. Sie besteht aus fünf verschiedenfarbigen inein-ander verschlungenen Ringen, wobei die Ringe für die fünf Kontinente der Erde stehen. Auf der olympischen Fahne erscheinen die Ringe auf weißem Grund. Ihre Farben - blau, gelb, schwarz, grün, rot und weiß - repräsentieren gleichzeitig die Nationalflaggen aller Nationen. 2 Die Flagge veran-
1Vgl. http://www.stern.de/sport/sportwelt/olympia-vergabe-2016-chicago-und-tokio-scheitern-in-runde-eins-1512394.html
2 Vgl. http://multimedia.olympic.org/pdf/en_report_1304.pdf
schaulicht so also gewissermaßen einen internationalen Zusammenhalt aller Staaten. Coubertins große Hoffnung war es, dass die Spiele durch die Begegnung der Jugend im sportlichen Wettkampf einen wichtigen Beitrag zum Weltfrieden leisten würden. Die Hoffnung blieb Utopie. 3 Von Beginn an hatte es die olympische Bewegung nicht leicht. Man hatte einerseits mit der Zerstrittenheit der europäischen Staaten zu kämpfen und andererseits mit den imperialistischen Ansprüchen der Großmächte weltweit. 4 Direkt und indirekt nahm die Politik damit stets Einfluss auf die Olympiaden. Doch damit nicht genug: Immer wieder in ihrer Geschichte wurden die Olympischen Spiele von Staaten, Organisationen, Gruppierungen und Einzelpersonen dazu benutzt, sich Gehör zu verschaffen und politische Interessen zu vertreten oder durchzusetzen. Die Spiele, bis hin zu den Sportlern, wurden dafür instrumentalisiert. Allzu oft wirkten die Absichten die dahinter standen, dem ursprünglichen Friedensgedanken von Coubertin entgegen. Aber auch seine Intuition ist keineswegs eine rein sportliche. Geht es um die Frage, ob die Olympischen Spiele ein Mittel der Politik sind, ist schon Coubertins Zielsetzung ein eindeutiger Hinweis. Denn Frieden und Völkerverständigung sind Aufgaben der Politik. Der Sport kann dabei höchstens Mittel zum Zweck sein, also ein Werkzeug der Politik. Die Olympischen Spiele sind im Positiven wie im Negativen Mittel der Politik. Diese Aussage soll in der nun folgenden Arbeit untermauert werden.
3 Vgl. http://www.planet-schule.de/wissenspool/olympische-spiele/inhalt/unterricht/frieden-undvoelkerverstaendigung-die-spiele-der-neuzeit.html#
4 Vgl. http://www.planet-schule.de/wissenspool/olympische- spiele/inhalt/sendungen/frieden- und-voelkerverstaendigung-die-spiele-der-neuzeit.html
2. Die olympischen Spiele in der Antike
2.1. Der „heilige Friede“: Politik als Voraussetzung für die Spiele
Diskuswerfer in der Antike (Abb. 2) doch man geht aufgrund zahlreicher
Quellen davon aus, dass das Jahr 776 v. Chr. das Geburtsjahr der Spiele ist. Die sportlichen Wettkämpfe wurden alle vier Jahre wieder am selben Ort ausgetragen, weshalb der Zeitraum von vier Jahren seither „Olympiade“ genannt wird. Von Boten wurde anlässlich der Olympischen Spiele ein sogenannter „heiliger Friede“ ausgerufen, der vor, nach und während der Spiele unter allen teilnehmenden Stadtstaaten herrschen sollte. Sie wurden dazu aufgerufen, alle kriegerischen Auseinandersetzungen während der Spiele zu unterbinden, um den Athleten, aber auch den Zuschauern, eine gefahrlose Hin- und Rückreise zu sichern. 6 Auf diesem „heiligen Frieden“, der damals während der Festtage herrschte, gründet auch der Gedanke von
5 Vgl. http://multimedia.olympic.org/pdf/en_report_659.pdf
6 Vgl. http://multimedia.olympic.org/pdf/en_report_659.pdf
Völkerverständigung durch die Olympischen Spiele, den Coubertin im 19. Jahrhundert wieder aufleben lassen will. Wenn eine Stadt die Waffenruhe nicht einhielt, wurde diese bestraft und durfte für eine gewisse Zeit nicht mehr an den Olympischen Spielen teilnehmen. 7 Wie man sieht, nehmen Spiele und Politik bereits in der Antike wechselseitig Einfluss aufeinander, schon damals war eine Trennung der beiden Bereiche Sport und Politik nicht möglich.
Das Wort Politik kommt aus dem Griechischen und bezeichnet Angelegenheiten, die die „Polis“, modern gesprochen den Staat betreffen. 8 Der „heilige Friede“ während der Spiele konnte nur von den Stadtstaaten gewahrt werden, das Olympische Fest war damit abhängig von der Politik, die die Voraussetzungen dafür schaffen musste. Andererseits wäre es ohne die Spiele nicht zu diesem zeitweiligen Frieden gekommen. Darüber hinaus wurden schon im antiken Griechenland die sportlichen Leistungen der Athleten stets auf das „Image“ ihrer Heimat übertragen. Ein guter Sportler war immer gut für den Ruf seiner Stadt, die dadurch an Ansehen gewann. 9 2.2. Kräftemessen zwischen Stadtstaaten
Schnell erkannten auch Politiker, welches Potenzial in den Spielen steckte, und es dauerte nicht lange, bis die Olympiade von einem religiösen Fest zu einem Kräftemessen zwischen Staaten geworden war. Einziges Ziel war es, die verfeindeten Staaten in den sportlichen Disziplinen zu besiegen und somit die Überlegenheit des eigenen Volkes zu demonstrieren. 10 Der faire Wettkampf blieb dabei auf der Strecke. Politische Macht entschied über
7 Vgl. http://www.auguste-piccard.ch/pages/TM-PDF/TM2005/TM2005Duvoisin.pdf
8 Vgl. http://politikdefinition.de/tag/politik-deutschland/
9 Vgl. http://archive.diary.ru/~iudAAAA/?comments&postid=47304371&htm&uid=&rss_signature=&
10 Vgl. http://archive.diary.ru/~iudAAAA/?comments&postid=47304371&htm&uid=&rss_signa- ture=&
Sieg und Niederlage. Je größer sie war, desto schamloser waren die Manipulationen bis hin zum offenen Betrug, wie das Beispiel Kaiser Neros belegt: „Dann war es Roms unrühmlicher Kaiser Nero der im Jahre 67 Olympia endgültig zum Spektakel verkommen ließ. Mit einem Zehnergespann nahm er am olympischen Wagenrennen teil. Obwohl er schon in der ersten Runde vom Wagen stürzte, ließ er sich, dank seiner politischen Macht, zum Olympiasieger krönen und von den eingeschüchterten Kampfrichtern mit Siegeslorbeer bekränzen.“ 11 Letztendlich löste Kaiser Theodose die Spiele auf, als er im Jahr 393 nach Christus alle heidnischen Zeremonien verbieten ließ, zu denen seiner Ansicht nach auch die Olympischen Spiele zählten. 12 3. Die Wiedereinführung der Spiele im 19. Jahrhundert 3.1. Coubertin und die olympische Bewegung
Erst Ende des 19. Jahrhunderts begann man, sich wieder für den antiken olympischen Kult zu interessieren. Der Franzose Pierre Frédy, Baron de Coubertin, war so fasziniert davon, dass er alles daran setzte, die Olympische Bewegung in der modernen Welt neu zu begründen. Nach reichlichen Anstrengungen gelang es ihm schließlich am 23. Juni 1894 einen Kongress aus verschiedenen Abgeordneten unterschiedlicher Organisationen zu bilden, woraus sich dann das „comité international des jeux olympiques“ (Internationales Komitee der Olympischen Spiele) gründete, das heute „comité in- 11Wange, W. B., Der Sport im Griff der Politik, Nördlingen, Bund-Verlag, 1988, S.20
12 Vgl. Wange, W. B., Der Sport im Griff der Politik, Nördlingen, Bund-Verlag, 1988, S.20
ternational olympique“ heißt, Internationales Olympisches Komitee (IOC). 13
Plakat für Athen 1896 (Abb. 4)
Spiele sich dauerhaft etablieren konnten. 14 „Mit der [durch Coubertin erfolgten] Wiedererweckung der olympischen Idee und der Einführung neuer olympischer Spiele begann [nun], trotz mancher Vorläuferveranstaltungen in einzelnen Sportarten, das Zeitalter des modernen Sports. Und an der Wiege stand, wie sich zeigen sollte, die Politik.“ 15 Im Jahr 1900 fanden die zweiten Olympischen Spiele auf Wunsch Coubertins in Paris statt. Sie waren schlecht organisiert, dauerten viel zu lange und standen im Schatten der Weltausstellung, die zur gleichen Zeit ebenfalls in Paris stattfand. 16 Auch Willy B. Wange bezeichnet diese Spiele als nur „wenig geliebtes Anhängsel an die Weltausstellung“. 17 So war es auch vier Jahre später in St. Louis in den USA, wo die Spiele wieder nur ein Anhängsel der Weltausstellung waren, viel zu lange dauerten, nämlich ganze 162 Tage, und aufgrund der zu großen Entfernung nur von sehr wenigen ausländischen
13 Vgl. http://www.auguste-piccard.ch/pages/TM-PDF/TM2005/TM2005Duvoisin.pdf
14 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Sommerspiele_1896
15 Wange, W. B., Der Sport im Griff der Politik, Nördlingen, Bund-Verlag, 1988, S.25
16 Vgl. http://www.olympiastatistik.de/ ¤ Sommerspiele ¤ Paris 1900
17 Wange, W. B., Der Sport im Griff der Politik, Nördlingen, Bund-Verlag, 1988, S.33
Arbeit zitieren:
Michael Wälischmiller, 2010, Die Olympischen Spiele als Mittel der Politik , München, GRIN Verlag GmbH
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