Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Definitionen 3
2.1 Definitionsansatz für Rituale 3
2.2 Rituale in pädagogischen Diskurs 5
2.2.1 Rituale als Orientierungshilfe vs. Verlust individueller Freiheit 5
2.2.2 Ritual als Orientierungshilfe vs. Disziplinierungsmaßnahme 6
2.2.3 Ritual als a priori inneres Bedürfnis vs. Stereotypisierung 7
2.2.4 Zusammenfassendes Resümee 8
2.3 Vor- und Nachteile von Ritualen aus Grundschulsicht 8
2.3.1 Vorteile von Ritualen in Reflexion zum Sozialraum Schulklasse 8
2.3.2 Nachteile von Ritualen in Reflexion einer Grundschulklasse 9
2.4 Definitionsansatz für Regeln als Ableitung aus dem Ritualbegriff 9
2.5 Definitionsversuch Klassenklima 10
2.5.1 Das ideale Klassenklima 11
2.5.2 Das Klassenklima in der Realität 12
2.5.3 Klassenklima im Anfangsunterricht 13
3. Klassenklima in erlebter Schulpraxis 14
3.1 Grundlegung im Anfangsunterricht und den ersten Schulwochen 15
3.2 Ausgangssituation 15
3.3 Grundlegende Ritualfindung und deren pädagogische Begründung 15
3.3.1 Begrüßungs- und Abschiedsrituale 16
3.3.2 Frühstücksrituale 16
3.3.3 Montagmorgenkreis 17
3.3.4 Dienste als festes Ritual des gemeinsamen Zusammenlebens 18
3.3.5 Glocke als ritualisiertes Aufmerksamkeitssymbol 19
3.4 Zusammenfassung 19
4. Persönliche Unterrichtspraxis 20
4.1 Klasse als Gemeinschaft - „Wie fühle ich mich in meiner Klasse?“ 20
4.1.1 Zielformulierung mit Blick auf das Klassenklima 21
4.1.2 Zwischenresümee S 22
4.2 Lernvertrag S. 23
4.2.1 Zielformulierung für einen Lernvertrag S. 23 4.2.2 Zwischenresümee S. 24 4.3 Klassenbriefkasten S. 25
4.3.1 Zielformulierung für einen Klassenbriefkasten S. 25 4.3.2 Zwischenresümee S. 26
4.4 Regelbildung als Reaktion auf erlebte Unterrichtssituation S. 26
4.4.1 Situationsbeschreibung und erste Reaktion S. 27
4.4.2 Überschreitung von Regeln in der Reflexion der Gemeinschaft S. 27 4.4.3 Zwischenresümee S. 28
5. Kritische Reflexion und Ausblick S. 29
Anlage
1. Unterrichtsplanung S. 30
1.1 Unterrichtsplanung „Wie fühle ich mich in meiner Klasse?“ S. 30
1.2 Unterrichtsplanung „Klassenregeln“ S. 36
1.3 Unterrichtsplanung „ Klassenbriefkasten“ S. 39
2. Übersicht über die Ritualvielfalt in der Schule S. 41
2.1 Begrüßungs- und Abschiedsrituale S. 41 2.2 Frühstücksrituale S. 42
2.3 Rituale, die ein soziales Miteinander fördern S. 42
2.4 Rituale der Arbeitsstrukturierung S. 43
2.5 Ritualen der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsförderung S. 43
2.6 Liste von Ritualen der Ruhe und Entspannung S. 43
2.7 Rituale in Bezug zu besonderen Anlässen S. 43
Literaturverzeichnis S. 44
1. Einleitung
„Das Ritual lebt von der Wirklichkeit, der Wiederholbarkeit und von Formen der Partizipation. Es muss sichtbar, hörbar, erfahrbar, als auch sinnlich sein. Es benötigt besondere Arrangements oder sogar eigene Räume.“ (Meier, „Rituale rund um den Körper“. In: Grundschule 03/1993, S.33) Rituale, aber auch Regeln des menschlichen Miteinanders, sind von je her Grundfeste, die erst ein soziales Miteinander der Menschen ermöglichen. Es gibt ausnahmslos keine Gemeinschaft von Menschen, die völlig ritualfrei ihr Zusammensein lebt. Mit Blick auf die heutige, technisierte und in diesem Zusammenhang, durch elektronische Medien stark reizgeprägte, eigentlich schon völlig überflutete Umwelt, verliert die Lebenswelt der Kinder zusehends an Struktur und Zuverlässigkeit. Die Halbwertszeit einer technischen Neuerung geht gegen Null und der Versuch des Schritthaltens wird zum Lauf im Hamsterrad und Fortschritt wird zum Hinfortschreiten des Menschen und seinen wirklichen Bedürfnissen (vgl. Winterhoff, „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“, 2008, S.172). Die Schulpädagogik ist an dieser Stelle gefordert und muss zusätzlich auch auf veränderte Familienstrukturen und damit sich verlierende Haltepunkte im Leben der Kinder reagieren. Singelleben und allein erziehende Eltern werden zum normalen und zum Teil erstrebenswerten Zustand in unserer Gesellschaft. Rituale, wie auch feste Regeln, finden immer mehr Einzug in die sehr prägende Schuleingangsphase der Kinder, aber auch darüber hinaus. Der Schulalltag soll einen gleichmäßigen Rhythmus erzeugen, der den Kindern Sicherheit und Geborgenheit vermittelt und somit ihr Wollbefinden stärkt, was zu einer angstfreien Lernumgebung führen soll. Schule bekommt neben den unterschiedlichsten Bildungszielen auch einen Erziehungsauftrag, der die Entwicklung von Sozialkompetenzen betont und eine Wertorientierung schaffen soll (vgl. Lehrplan Grundschule Sachsen, In: Teil Grundlagen, 2004, S.VII). „In der Grundschule erleben die Schüler Regeln und Normen des sozialen Miteinanders. …Die Schüler entwickeln eigene Wertvorstellungen, indem sie Werte im schulischen Alltag erleben und erfahren“ (Lehrplan Grundschule Sachsen, In: Teil Grundlagen, 2004, S.VII). Einmal fest instituierte Rituale und Regeln führen in der Folge zu einem möglichst guten Klassenklima, wobei eine genaue Definition dieses formalen Idealzustands erst mit dieser Arbeit gegeben wird. Mit jedem Schuljahr stehen immer neue Generationen von Kindern vor der Aufgabe, sich in einer völlig neu gebildeten sozialen Gruppe zu Recht zu finden.
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Jedes Kind kommt dabei mit seinen persönlichen Interessen, Wünschen, aber auch Ängsten in eine völlig neue und zudem unbekannte Umgebung, die in der folgenden Zeit der Ort der gemeinsamen Bildung werden soll. Das Kind steht vor der Herausforderung des kennen lernen: sich selbst kennen lernen und andere Menschen kennen lernen. Der Lehrer ist in dieser Situation der Moderator zwischen all den unterschiedlichen sozialen Vorerfahrungen der Kinder und muss versuchen ein Klassenklima zu schaffen, welches jedem Kind und dabei vor allem den jeweiligen individuellen Voraussetzungen gerecht wird. Gleichzeitig gilt es auch die Grundlagen des Lehrplanes zu erfüllen, in dem deutlich die Kompetenzentwicklung auch im sozialen Miteinander hervorgehoben wird. Das Kind muss die Möglichkeit bekommen, sich selber als „zoon politikon“ zu begreifen, ein Begriff, den Aristoteles geprägt hat und dem zufolge der Drang nach Gemeinschaft im positiven Sinne einem jeden ganz natürlich innewohnt.
Diese Arbeit soll, auch an praktisch erlebten Beispielen, aufzeigen, wie ein gezielter Umgang mit Regeln und Ritualen dem Lehrer, aber nicht zuletzt auch jedem Schüler helfen kann, ein Klima in der Klasse zu schaffen und zu erleben, welches Schule zu einem angstfreien Raum der Bildung macht, der zugleich Erfahrungs- und Lebensraum ist. Es sollen Möglichkeiten, aber auch klare Grenzen hervorgehoben werden, was insgesamt eine kritische Reflexion fordert, die den Abschluss dieser Arbeit bilden soll.
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2. Definitionen
Im folgenden Kapitel soll aus pädagogischer Sicht je eine Definition für die Begriffesinhalte von Regeln, Ritualen, wie auch des Klassenklimas gefunden werden. Die Einschränkung auf die pädagogische Sicht erfolgt dabei sehr bewusst, da jeder Begriff eine sehr breite und wissenschaftsübergreifende Definitionsgrundlage bildet, die in ihrer jeweiligen Bedeutung aber keine Relevanz für diese Arbeit trägt.
2.1 Definitionsansatz für Rituale
Bei der Literaturrecherche zeigte sich sehr schnell, dass der Begriff „Ritual“ einen starken Wandel in seiner zugeschriebenen Bedeutung erlebt hat. Damit ergibt sich auch eine erschwerte Definitionsgrundlage, da selbst die zeitgenössischen Autoren unterschiedliche Interpretationsansätze verfolgen. Ursache für diesen Umstand ist, dass Rituale immer stark an kulturspezifische Lebensformen der Menschen gebunden sind. Für einen pädagogischen Definitionsansatz möchte ich gern Piper zitieren, der eine vereinheitlichende Wirkung von Ritualen in den Mittelpunkt stellt. „Rituale sind für alle Teilnehmenden gleichartige Handlungsformen, durch deren Mitvollzug sie ihre Zugehörigkeit darstellen. Das Ritual stiftet einen gemeinsamen Bezugspunkt, der die Teilnehmenden als Einheit zusammenfasst“ (Piper, „Rituale im Aufwind“. In: Grundschule 11/1996, S.48).
Für eine Erweiterung und auch anderweitige Fokussierung sorgt Meier, der in seinem Definitionsversuch den wiederholenden Charakter von Ritualen betont und der damit einer festgelegten Handlungsfolge Wichtigkeit zuschreibt. „Rituale sind wiederkehrende, gestaltete Handlungen, die in einer gewohnten Ausprägung und Reihenfolge der Bestandteile ablaufen. Unser Alltag ist in vielen Situationen von Handlungen geprägt, die Ritualen nahe kommen, wenn sie auch nicht den besonderen Charakter tragen, der von Ritualen erwartet wird“ (Meier, „Rituale rund um den Körper“. In: Grundschule 03/1993, S.28).
Jackel erweitert diese vorgestellten Definitionsansätze mit einem weiteren sehr interessanten Ansatzpunkt. Sie schreibt den Ritualen einen Schutz vor Überforderung zu, wobei sie auch Bezüge zu religiösen, wie auch archetypischen Ursprüngen sucht (vgl. Jackel, „Rituale als Helfer im Grundschulalltag“, 1999, S.13).
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Auf den Unterricht bezogen findet sie eine Definitionsunterscheidung, die als zweidimensionales Schema aufgefasst werden kann. Einerseits sieht sie inhaltlich ritualisierte Unterrichtssequenzen, andererseits unterscheidet sie organisatorisch rituelle pädagogische Mittel, die nur in ihrer äußeren Organisationsform gleich ablaufen, aber inhaltlich immer wieder unterschiedliche Verlaufformen annehmen können. Beispiele hierfür sind der Morgenkreis, die täglichen Bewegungsphasen, aber auch Entspannungsspiele (vgl. Jackel, „Rituale als Helfer im Grundschulalltag“, 1999, S.15f). Auch wenn durch klare Texte, Bilder oder Melodien wiederkehrende Inhalte dargestellt werden, spricht man von inhaltlichen Ritualen.
Betrachtet man die Schulpädagogik und in Selbiger die Frage nach Ritualen, dann stellt sich schnell ein Zusammenhang zu einem erzieherischen Auftrag der Schule dar. Ritualen wird in der Erziehung eine hohe Bedeutung zugeschrieben, die nicht zuletzt darauf gründet, dass sie stets an Emotionen des zu Erziehenden gebunden sind. Im Grunde hat jedes Ritual a priori ein erzieherisches Element in sich (vgl. Bennack, „Schulprobleme -Erziehung“, 1997, S.4). Ableitung finden diese pädagogisch gefärbten Rituale in feststehenden
Handlungssequenzen, die folgende Dimensionen aufweisen: sprachliche Dimension, weil sie nach bestimmten Sprachmustern ablaufen
- emotionale Dimension, weil sie in verlässlicher Weise ablaufen und damit emotionale Sicherheit bieten
- kognitive Dimension, weil sie Strukturhilfen bei der Organisation von Abläufen darstellen
- soziale Dimension, weil sie durch automatisierte Abläufe für alle eine feste soziale Platzierung erlauben
- motorische Dimension, weil sie Verhaltens- und Handlungsmuster wiederholend praktizieren lassen (vgl. Bennack, „Schulprobleme - Erziehung“, 1997, S.5). Schließen möchte ich den Definitionsversuch von Ritualen aus einer pädagogischen Sicht mit einer deutlichen Kritik, ebenfalls hervorgehend aus der Fachliteratur, die sich auf eine allzu naive Transformation des Ritualbegriffs in die Schulpädagogik bezieht.
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Die „Pädagogisierung des Ritualbegriffes“ wird namentlich von Wimmer und Schäfer zu bedenken gegeben, die sich zudem „gegen eine Instrumentalisierung des Rituals“ aussprechen (vgl. Schäfer/Wimmer, „Zur Aktualität des Ritualbegriffs“ In: Schäfer (Hrsg.): „Rituale und Ritualisierung“, 1998, S.32).
Insgesamt lässt sich bei dieser Definitionssuche feststellen, wie breit die Grundlegung eines pädagogischen Ritualbegriffes auseinander liegen kann und wie schwer es ist, dem Lehrer als Pädagoge eine verlässliche Handreichung zu bieten. Vielmehr ist hier der Lehrer gefordert, sich aus den fachwissenschaftlichen Erkenntnissen und aufgestellten Definitionen eine Grundlage zu schaffen, die ein realistisches Abbild in der Unterrichtspraxis erlaubt. Die Theorie muss zu einem handhabbaren Handwerkszeug werden, damit alle Vorteile eines pädagogischen Rituals auch wirklich, mit Zielführung eines guten Klassenklimes, umgesetzt werden kann. 2.2 Rituale im pädagogischen Diskurs
Die folgende Übersicht soll einen groben Abriss darstellen, in dem die in der Literatur am häufigsten angeführten Rituale in der Schulpädagogik in ihrer Pro-, wie auch Contraposition repräsentiert werden. Diese Übersicht bildet gleichzeitig die Grundlage für eine spätere Zielformulierung für den eigenen Unterricht.
2.2.1 Rituale als Orientierungshilfe vs. Verlust individueller Freiheit
Ritualen wird eine Selbständigkeitsförderung zugeschrieben indem sie Strukturierungs-und Orientierungshilfen bilden. Undurchsichtige Abläufe erfahren eine klare Strukturierung und es wird so einer möglichen Krise präventiv vorgebeugt. In diesem Zusammenhang entlasten „Rituale durch Gewohnheiten, ermöglichen die Identifikation mit der sozialen Gruppe, unterstützen den individuellen Aufbau sozialer und persönlicher Identität und stabilisieren ebenfalls die soziale Gemeinschaft“ (Maschwitz, „Rituale in der Grundschule“, 1998, S.47). Ein noch deutlicheres Bild dieses Ansatzes entsteht durch eine Metapher, die folgenden Wortlaut trägt: „Rituale sind verinnerlichte Abläufe, die wie ein Geländer, das zur eigenen Sicherheit da ist, Stütze, Orientierung und auch mal Halt gibt“ (Maschwitz, „Rituale in der Grundschule“, 1998, S.47).
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Diesem Ansatz steht die These gegenüber, dass gerade die Strukturierung, die stets stark an die Lehrkraft gebunden ist und Prozesse vereinheitlicht, Kinder ihrer Individualität beraubt. „Je mehr Einzelheiten des Zusammenlebens in Schulordnungen geregelt sind, je stärker das Verhalten der Schüler kontrolliert wird, umso deutlicher nähert sich die Schule den Merkmalen einer totalen Institution, bei der die individuelle Freiheit auf der Strecke bleibt. … Rituale sollen dazu dienen, die Heranwachsenden stark zu machen, nicht aber sie zu uniformieren und von der Außenwelt abzugrenzen“ (Sustek, „Rituale in der Schule“, In: Grundschule 1/1996, S.17). Eine sicher radikal anmutende Gegenthese, aber in ihrer leichten Übertreibung und intensiven Wortgestaltung sicher eine bildhafte Darstellung von möglichen Gefahren, die in einer zu normierten Strukturierung stecken können. Es obliegt der Lehrkraft aus beiden Polen den nötigen Mittelweg zu finden.
2.2.2 Ritual als Orientierungshilfe vs. Disziplinierungsmaßnahme
Rituale haben die Kraft, richtig eingesetzt, den Unterricht eine deutliche Transparenz zu geben, was den Schülern Sicherheit vermittelt und gleichzeitig für den Lehrer die Chance bietet, sich auf die eigentliche Wissensvermittlung zu konzentrieren. Gerdes bringt diese Tatsache zudem noch in Verbindung mit unserer heutigen, sich stark gewandelten sozialen Umwelt und schreibt: „Kinder brauchen heute auf Grund der Reizüberflutung durch eine mediatisierte Umwelt verlässliche Vereinbarungen und sich wiederholende Übungen, um zur Ruhe zu kommen, sich zu konzentrieren und sich im Klassenraum geborgen zu fühlen“ (Gerdes, „Rituale im Unterricht.“ In: Grundschule 10/1997, S.55). Möglichen Kritikern greift Gerdes im selben Artikel vehement vor und beschreibt die Ritualwirkung auf den Schüler mit folgenden Worten: „Je mehr die Schülerinnen und Schüler an der Verabredung von Zeichen und Verhaltensweisen beteiligt werden, desto mehr werden sie auf die Einhaltung achten und sich daran orientieren, ohne es als Zwang zu betrachten“ (Gerdes, „Rituale im Unterricht.“ In: Grundschule 10/1997, S.56). Die pädagogische Contraposition geht gleichwohl von einer präsenten Gefahr aus, dass Rituale als intensiv genutzte Disziplinierungsmaßnahmen betrachtet werden und folglich auch unreflektiert eingesetzt werden. Es erfolgt keine kritische Betrachtung auf eine ritualisierte Handlung im Schulalltag, denn allein die Funktion und nicht der pädagogisch sinnvolle Hintergrund bestimmen die Existenz des Rituals.
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Die Folge kann der Verlust der Sinnhaftigkeit eines Rituals werden, was eine sofortige Abschaffung dieses nach sich ziehen muss, was aber, da nicht hinreichend hinterfragt, leider in der Praxis oft nicht passiert.
2.2.3 Ritual als a priori inneres Bedürfnis vs. Stereotypisierung
Wenn man das Spiel, aber auch fast alle anderen Handlungen eines Kindes beobachtet, dann zeigt sich deutlich, dass Kinder stets auf der Suche nach gewissen Regeln und Ritualen sind. Sie tragen ein natürliches Bedürfnis in sich, ein Bedürfnis nach Ordnung und verlässlicher Regelhaftigkeit, was sich in wiederkehrenden und gleich bleibenden Abläufen widerspiegelt. Sie beginnen dabei sogar selber Rituale zu entwickeln, die eben diese Verlässlichkeit für die Kinder darstellen. Scholz umschreibt diesen Fakt wie folgt: „Rituale ermöglichen, dass wichtige und häufige Handlungssequenzen nicht immer wieder neu ausgehandelt werden müssen, sondern als verlässliche Konstanten im Strom des Alltags Halt geben können“ (Scholz, „Kinder lernen von Kindern“, 1996, S.34). Diese selbständige und auch natürlich geprägte Suche nach eigenen Regeln und vor allem auch Ritualen ist im Übrigen auch der Grund, warum es Kinder (größtenteils) möglich ist, konfliktfrei miteinander zu spielen. Diese Erfahrungen müsse nun die Adaption in den Schulalltag finden, damit aus dem gemeinsamen Spiel auch ein Raum des gemeinsamen Lernens wird.
Der radikale Gegenentwurf zu dieser Position stützt sich auf die lexikalische Begriffsdefinition von Ritualen, in der folgendes formuliert wird: „Das Ritual ist ein stereotypes, starres Verhalten, …, das meist an bestimmte Anlässe gebunden ist, aber auch als ein von Situationsbezug losgelöster Mechanismus auftreten kann“ (Brockhaus -Die Enzyklopädie. 20. Band, 1996). Sicherlich eine inhaltlich richtige Definition, wobei diese Strukturmerkmale nicht notwendigerweise deckungsgleich mit den darin vermittelten Inhalten seinen müssen.
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Arbeit zitieren:
Maik Graf, 2008, Klassenklima in der Reflexion von gemeinsam geschaffenen Regeln und Ritualen einer 1.Klasse, München, GRIN Verlag GmbH
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