I
Das Menschenbild der Humanistischen Psychologie
Inhalt
1. Einleitung 1
2. Anthropologie, Menschenbild und Wissenschaft 1
3. Die Humanistische Psychologie als „Dritte Kraft“ 3
4. Psychoanalyse und Menschenbild 4
5. Behaviorismus und Menschenbild 6
6. Philosophisches Fundament der Humanistischen Psychologie 7
7. Elemente des Menschenbildes der Humanistischen Psychologie 8
7.1 Ganzheitlichkeit 8
7.2 Sozialität 9
7.3 Der Mensch als bewusst lebendes Wesen 10
7.4 Entscheidungsfähigkeit 11
7.5 Intentionalität 11
7.6 Selbstaktualisierungstendenz 12
8. Schlussbetrachtung und Kritik 13
Literaturverzeichnis II
1. Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Menschenbild der Humanistischen Psychologie. Die zentrale Frage die geklärt werden soll lautet: „Was ist das Besondere am Menschenbild der Humanistischen Psychologie, als Teildisziplin der Psychologie?“ Diese Fragestellung impliziert drei Dimensionen, die untersucht werden sollen. Zum einen soll geklärt werden, in welchem Verhältnis die Humanistische Psychologie im Speziellen und Wissenschaft im Allgemeinen und eine bestimmte anthropologische Vorstellung, welche sich im Menschenbild manifestiert, stehen. Zweitens sollen die Elemente des Menschenbildes der Humanistischen Psychologie herausgearbeitet werden und drittens soll das „Besondere“ des Menschenbildes der Humanistischen Psychologie verdeutlicht werden, indem es in Kontext zu anthropologischen Vorstellungen psychologischer Nachbardisziplinen, nämlich der Psychoanalyse und des Behaviorismus gesetzt wird.
Zwar werden in dieser Arbeit auch inhaltliche Methoden und Therapieformen der Humanistischen Psychologie angesprochen, jedoch hat diese Arbeit nicht den Anspruch diese vollständig zu analysieren.
Die vorwiegend verwendete Methode die in dieser Arbeit verwendet wird, ist die hermeneutische Betrachtung. So soll das Menschenbild der Humanistischen Psychologie im Entstehungskontext seiner Zeit analysiert werden. Aus diesem Grunde ergibt sich auch, wie bereits angesprochen, die Notwendigkeit, die Humanistische Psychologie und deren Menschenbild nicht isoliert, sondern im Verhältnis zu den anthropologischen Vorstellungen der Psychoanalyse und des Behaviorismus zu betrachten.
2. Anthropologie, Menschenbild und Wissenschaft
Bevor die eigentliche Auseinandersetzung über das anthropologische Verständnis der Humanistischen Psychologie geführt werden soll, müssen zwei wichtige Schlüsselbegriff dieser Arbeit, nämlich die Begriffe „Anthropologie“ und „Menschenbild“ und deren Bedeutung für die Theoriebildung, nicht nur für die Humanistischen Psychologie, geklärt werden.
Aus etymologischer Sicht, ist der Begriff „Anthropologie“ eine Komposition der (alt)griechischen Wörter anthropos (Mensch) und logos (Lehre). Anthropologie kann also mit „Lehre vom Menschen“ übersetzt werden.
Ulfig unterscheidet dabei zwischen naturwissenschaftlich-medizinischer/ biologischer, theologischer, soziologischer und philosophischer Anthropologie. Die philosophische Anthropologie nimmt dabei eine zentrale Stellung ein da sie, wie Hamann bemerkt „die Erkenntnisse der Einzel- oder Regionalwissenschaften (Regionalanthropologien) zu einem größeren Ganzen, also zu einer Theorie des Menschseins, zusammenführt“ 1 .
Die zentrale Aufgabe der philosophischen Anthropologie formulierte erstmals Emanuel Kant, indem er fragte „Was ist der Mensch?“ 2 Die Anthropologie untersucht also das spezifisch menschliche am Menschen.
„Was macht den Menschen zum Menschen? Was unterscheidet ihn vom übrigen Seienden)? Was ist seine Stellung in der gesamten Wirklichkeit und seine Beziehung zur Welt?“ 3
Aus dieser Definition wird der Zusammenhang zwischen dem Begriff der „Anthropologie“ und dem des „Menschenbildes“ ersichtlich. Muss „Anthropologie“ in erster Linie als eine Wissenschaft, in der sich verschiedene Überlegungen, Überzeugungen und Theorien versammeln, verstanden werden, ist das „Menschenbild“ dessen Destillat - Das „Menschenbild“ welches ein Mensch in sich trägt, ist ein Spiegelbild eines gewissen theoretischen anthropologischen Verständnisses und bestimmt sein Denken und Handeln in seiner Umwelt. 4 Wie stellt sich nun jedoch der Zusammenhang zwischen der wissenschaftlichen Theoriebildung und dem Menschenbild dar? Oder anders gefragt: „Warum lohnt es, sich mit dem anthropologischem Verständnis einer wissenschaftlichen Theorie (etwa dem der Humanistischen Psychologie) auseinanderzusetzen?“ Die Frage impliziert bereits die Antwort. Jede Theorie, gerade jede geisteswissenschaftliche, die den Menschen als zu untersuchendes Subjekt objektiviert, fußt auf einem bestimmten Bild vom Menschen. Das Menschenbild einer wissenschaftlichen Theorie ist das Fundament, auf dessen es gebaut ist und hat so unmittelbare Konsequenzen für die Aussagen einer Theorie.
Besonders klar ersichtlich wird dies etwa im politikwissenschaftlichen Bereich.
1
Hamann, B. (1998
3
): Pädagogische Anthropologie, Klinkhardt Verlag, Bad Heilbrunn, S. 11
2 Vgl. Ulfig, A. (1993 1 ): Lexikon der philosophischen Begriffe, S. 32
3 Ebd.
4 Sicher ist das Menschenbild, welches ein Mensch in sich trägt auch und vor allem Produkt seiner persönlichen Erfahrungen. Aber diese Erfahrungen geschehen in einer gesellschaftlichen Umwelt welche durch herrschende anthropologische Ideen geprägt ist. Marxisten würden diesen Punkt sicherlich bestreiten, da nach deren Auffassung nicht die Theorie/das Bewusstsein das Sein, sondern das Sein das Bewusstsein bestimmt.
So fundiert Thomas Hobbes‘ Verteidigung des monarchischen Absolutismus, welche er in seinem Hauptwerk Leviathan darlegt, auf seinem Menschenbild, wonach der Mensch von Furcht und Angst getrieben ist. Der Satz, „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ 5 ist Hobbes zentrale anthropologische Aussage und hat zur Folge, dass konsequenterweise diese Wolfsnatur nur durch den allmächtigen, absolutistisch geprägten Staat gezähmt werden kann, wobei Hobbes die Fähigkeit der Staatenbildung des Menschen wiederum auf dessen Vernunftfähigkeit zurückführt. 6
Dass Hobbes ein besonders negatives Bild vom Menschen entwirft, ist als Folge des 30-jährigen Krieges (1618-48) und seiner persönlichen Erfahrung des brutalen englischen Bürgerkriegs (1642-49), nicht weiter verwunderlich 7 - Ein weiteres Kennzeichen anthropologischer Anschauungen: Ihre zeitgeschichtliche Kontextgebundenheit.
Dass der spezielle Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Menschenbild in der Psychologie in besonderer Weise gilt, ist einsichtig, ist deren wissenschaftlicher Untersuchungsgegenstand doch der Mensch selber.
„Psychologie“ bedeutet übersetzt „Seelenlehre“. Sie untersucht die Teile, Funktionen und Vermögen der menschlichen Seele. 8 Ihre frühen Ursprünge hat die Psychologie (damals noch als Teil der Philosophie) bereits bei Platon und Aristoteles. Als eigenständige wissenschaftliche Disziplin wurde sie jedoch erst im 19. Jahrhundert durch Johann Friedrich Herbart und Wilhelm Wundt begründet.
3. Die Humanistische Psychologie als „Dritte Kraft“
Anders als die übrigen Wissenschaftsstränge innerhalb der Psychologie, ist die Humanistische Psychologie nicht Produkt eines langjährigen Theoriebildungsprozesses, in der sie zu einer eigenen innerdisziplinären Wissenschaftsrichtung herangewachsen ist, sondern wurde 1961, durch Gründung
5 ebd., S.80
6 Vgl. Münkler, H. (2001): Thomas Hobbes, Campus Verlag, Münster, S. 80ff
7 Vgl. Gelfert, H.D. (1999): Kleine Kulturgeschichte Großbritanniens. Von Stonehenge bis zum Millennium Dome, C.H. Beck, München, S. 124
8 Vgl. Varnhorn, B. (2006): Bertelsmann- das neue Universallexikon, Wissenmedia Verlag, Gütersloh, S.
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Arbeit zitieren:
Christoph Dressler, 2009, Das Menschenbild der Humanistischen Psychologie, München, GRIN Verlag GmbH
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