Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
Abbildungsverzeichnis 4
Tabellenverzeichnis 5
Abk ürzungsverzeichnis 6
1 Einleitung 7
2 Das IOC als nichtstaatliche Organisation im Weltsport 9
2.1 Die Sonderstellung des IOC im Weltsport. 9
2.2 Die Olympische Charta als Grundlage für die Olympische Bewegung 10
2.3 An der Olympischen Bewegung beteiligte Akteure 11
2.3.1 Handlungsfelder und Ziele des IOC innerhalb der Olympischen Bewegung 11
2.3.2 Die Internationalen Sportfachverbände und Nationalen Olympischen
Komitees 13
2.4 Organe, Kommissionen und Administration des IOC 15
2.5 Resulotionsprozesse des IOC 18
2.5.1 Bestimmungen zur Mitgliedschaft 18
2.5.2 Die Vergabe der Olympischen Spiele 19
2.5.3 Richtlinien bei der Gestaltung des Wettkampfprogramms 21
2.6 Interaktion des IOC mit elementaren und externen Akteursgruppen zur
Produktion der Olympischen Spiele 22
2.7 Kritik am IOC und daraus resultierende Reformvorschläge 26
3 Das Programm der Olympischen Spiele im Zeitraum von 1992 - 2008. 29
3.1 Historischer Exkurs und zeitliche Einordnung des Geschehens 29
3.2 Die Programmentwicklung der Olympischen Sommerspiele seit 1992 33
3.3 Die Programmentwicklung der Olympischen Winterspiele seit 1992 37
3.4 Perspektiven der olympischen Programmentwicklung 39
3.5 Olympische Randsportarten an der Existenzgrenze 41
4 Die Olympischen Spiele in der Krise? 44
4.1 Die Zukunft der Olympischen Bewegung 44
4.2 Wachstumsprozesse und Strukturwandel 45
4.2.1 Der olympische Sport als inszenierter Teil der Unterhaltungsindustrie 45
4.2.2 Einbahnstraße zum Gigantismus und zur Globalisierung 47
4.3 Aktuelle Tendenzen in der Sportentwicklung 49
4.4 Doping im Hochleistungssport als zentrales Problem der Olympischen
Bewegung 52
2
5 Sport und Politik - eine symbiotische Beziehung 59
5.1 De-Politisierung als Kehrseite der Re-Kulturalisierung der olympischen
Sportgeschichte 59
5.2 Gegenseitige Einflussnahme von Sport und Politik aufeinander 63
5.3 Die Olympischen Spiele in Peking aus sportpolitischer Sichtweise 66
6 Zusammenfassung 74
Literaturverzeichnis 76
3
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Pyramidenmodell der Olympischen Bewegung
Abb. 2: Organisationsstruktur des IOC
Abb. 3: Geschätzte Einnahmequellen des IOC für Peking 2008
Abb. 4: Marketing des IOC bei den Sommerspielen seit 1993
Abb. 5: Olympische Sommerspiele
Abb. 6: Anzahl und Entwicklung der insgesamt zu vergebenen Medaillen sowie
Anstieg der Wettbewerbe von 1924 - 2006
Abb. 7: Anzahl der teilnehmenden Nationen sowie Entwicklung der
Teilnehmerzahlen bei den Olympischen Winterspielen von 1924 - 2006
Abb. 8: Die Einführung neuer olympischer Wettbewerbe von 1992 - 2006.
Abb. 9: Kosten der TV-Rechte an den Olympischen Spielen
4
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Kommissionen des IOC 17
5
Abkürzungsverzeichnis
ARISF: ASOIF: BOCOG: Organisationskomitee für Peking 2008 CAS:
DBV: DFB: Deutscher Fußballbund EBU:
EPO: FIFA: GAISF:
GUS: HRIC: IAAF: IF:
ILTF: IOA:
IOC: ISF: ISU: ITU: Internationaler Triathlonverband NOK:
RC: UCI: UN: UNO:
VRC: WADA: 6
1 Einleitung
Die Olympischen Spiele sind eines der größten sportlichen Ereignisse weltweit und rufen bei Millionen von Menschen eine rege Anteilnahme und Aufmerksamkeit hervor. Nur wenigen ist es vorbehalten als Athlet, Trainer oder im Auftrag der Presse hautnah dabei zu sein (Altenberger, Haag & Holzweg, 2004, S. 7). Vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten haben die Olympischen Spiele verschiedenste sportliche, wirtschaftliche und auch politische Veränderungen erfahren. Um den sehr komplexen und vielschichtigen Sachverhalt der Olympischen Bewegung und dessen Olympischen Spiele als zeitlichen Höhepunkt richtig zu verstehen, ist es notwendig, die Olympiade und die dahinter stehende Olympische Idee näher zu betrachten und zu analysieren. Allem voran ist hierbei das Internationale Olympische Komitee zu nennen, welches die oberste Instanz der Olympischen Bewegung darstellt und somit weitreichende und exklusive Entscheidungsanrechte besitzt. Somit bedarf es der Beschäftigung mit einigen grundsätzlichen Fragen, dessen Antworten gleichsam einen Bezugsrahmen für die Zielsetzung, Wesensart, Entwicklung aber auch Gefährdung der kommenden Olympischen Spiele bilden.
Im ersten Drittel der Arbeit gilt es ein grundlegendes Verständnis für die Struktur des IOC und der vorhandenen Organisationen innerhalb der Olympischen Bewegung zu erlangen. Basis hierfür soll die Olympische Charta darstellen, welche im engen Zusammenhang mit der Olympischen Bewegung steht und die theoretischphilosophischen Grundlagen in Paragraphenform enthält. Es wird somit deutlich, wie vielfältig das Netzwerk internationaler und nationaler Institutionen ist, welche in Verbindung zu Olympischer Idee, Olympischer Bewegung und Olympischen Spielen stehen. Seitens der Öffentlichkeit kommt es immer wieder zu heftigen Kritiken gegen das IOC. Ausgehend von Struktur, Handlungsfeldern, Zielen und Entscheidungsprozessen des IOC werden die Beanstandungen näher betrachtet und nach Lösungsvorschlägen gesucht.
Mit den erworbenen Grundkenntnissen über das IOC und die Olympische Bewegung, stehen im zweiten Abschnitt die Olympischen Spiele im Zeitraum von 1992 -2008 im Fokus. Dabei werden zunächst Veränderungen in der Programmauswahl der Sommer- und Winterspiele, auf Basis von historischen Ereignissen erläutert und mögliche Perspektiven und auftretende Probleme in der Programmentwicklung aufgezeigt. Beunruhigende Wachstumsprozesse sowie Änderungen in der Struktur der Olympischen Spiele geben darüber hinaus zu denken, ob die Olympische Bewegung in einer Krise steckt. Aktuelle Tendenzen der Sportentwicklung sollen Aufschluss geben, inwieweit Reformvorschläge von Nöten sind. Dem Doping im Hoch-leistungssport bedarf es in diesem Kontext einer besonderen Aufmerksamkeit, da dieser Themenbereich in den letzten Jahren zu einem zentralen Problem der Olympischen Bewegung herangewachsen ist.
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Die Olympiade ist nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, sie ist auch in vielfältiger Weise mit der Politik verwoben. Aktuelle politische Ereignisse in Tibet im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking gaben erneut zu denken, wo der (olympische) Sport aufhört und wo Wirtschaft und Politik beginnen. Im letzten Abschnitt wird gezeigt, dass politische Zusammenhänge für lange Zeit das Thema überhaupt bei jeglicher Beschäftigung mit olympischen Fragen waren. Trotz einer gewissen Relativierung seit den 90er Jahren, bleibt das Thema Sport und Politik von unausweichlicher latenter Bedeutung und ist somit auch ein fester Bestandteil dieser Niederschrift. Die gegenseitige Einflussnahme von Sport und Politik soll u. a. am Beispiel der aktuellen Olympischen Spiele in China erläutert werden.
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2 Das IOC als nichtstaatliche Organisation im Weltsport
2.1 Die Sonderstellung des IOC im Weltsport
Das IOC versteht sich als eine non-governmental und non-profit Institution, d. h. ein Zusammenschluss von Menschen, der nicht am geldlichen Gewinn orientiert und freiwillig erfolgt ist. Gegründet wurde das IOC im Zuge der Wiederaufnahme der Olympischen Spiele durch den späteren Präsidenten Pierre de Coubertin (1863 -1937) auf einem Sportkongress in Paris am 23. Juni 1894. Dieses Zusammentreffen sollte später als der erste Olympische Kongress in die Geschichte eingehen. Auf der Tagesordnung standen neben der Wiederbelebung der Olympischen Spiele, die Themen Amateurismus und Professionalismus. Die Teilnehmer des Kongresses beschlossen, dank des intensiven Drängens von Coubertin, die Olympischen Spiele wieder einzuführen. Coubertin und seine Mitstreiter wollten an die Idee der Olympischen Spiele der Antike anknüpfen und die Spiele der Neuzeit in den Dienst der Völkerverständigung und der Förderung des Friedens stellen. Die 13 Gründungsmitglieder des IOC standen alle im persönlichen Kontakt zu Coubertin. Erster Deutscher Vertreter aus Deutschland war Willibald Gebhardt im Jahre 1896. Das IOC behauptete seine Vormachtstellung trotz vieler Mängel, Fragwürdigkeiten und Missverständnissen, ungeachtet zweier Weltkriege, einer tiefgreifenden Veränderung der staatlichen Ordnungen in der Welt, technischer und sozialer Revolutionen, Bildung von politischen Machtblöcken, Armut in der dritten Welt und immer wieder neuen kriegerischen Auseinandersetzungen, auf beinahe wundersame Weise.
Als Schöpfer und Hüter der Olympischen Idee, stellt das IOC die Dachorganisation der Olympischen Bewegung dar. Es besitzt die Rechte an den olympischen Symbolen, der olympischen Flagge, dem olympischen Motto, der olympischen Hymne und den Olympischen Spielen (Altenberger et al., 2004, S. 31-32; Grupe, 1999, S. 119-123). Diese Rechte werden auf einem weltweiten Markt durch das IOC angeboten. In einem komplizierten Prozess vergibt das IOC die zeitlich befristete Lizenz, das Produkt Olympische Spiele als spezifisches Sportereignis für einen weltweiten sportbezogenen Markt herzustellen (Kutschke, 2006, S. 43). Diese durch die Olympische Charta geschützten Rechte machen das IOC zu einer autokratischen Institution von unbegrenzter Dauer und ohne jegliche Gewaltenteilung (IOC, 2007a, rule 19). Darüber hinaus definiert Regel 14 der Olympischen Charta alle getroffenen Beschlüsse des IOC als endgültig. Somit ist eine Form von Selbstdarstellung und Selbstermächtigung in Gesetzen verfasst, wie sie in der Politik und im demokratischen Raum ansonsten undenkbar wäre. Seit Jahrzehnten wird das IOC deshalb immer wieder zum Anlaufpunkt von Kritikern aus verschiedensten Lagern (Güldenpfennig, 2004, S. 355). Auch bei den letzten Sommerspielen 2008 in Peking stand das IOC im Vorfeld der Spiele im Mittelpunkt des Medieninteresses. Die Liste
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der Beanstandungen war lang. Sie ging von Menschrechtsverletzungen bis hin zur Luftverschmutzung in China.
Rein formal stellt das IOC, welches seinen Sitz seit 1915 in Lausanne hat, eine juristische Person in Gestalt eines nach Schweizer Zivilrecht verfassten Vereins dar, welcher sich nicht auf den Geltungsbereich des Schweizer Rechts beschränkt, sondern vielmehr auf zwischenstaatlicher Ebene agiert (IOC, 2007a, rule 15). Da die Olympische Bewegung ein weltweites und dauerhaftes Engagement darstellt, begreift sich das IOC selbst als höchste Weltautorität im Sport. Zweifellos verfügt das IOC über eine spezifische Form von Befehlsgewalt, welche sie im globalen Raum kontinuierlich einsetzt. Dieser Einfluss besteht größtenteils darin, dass das IOC über eines der weltweit größten Kulturereignisse mit immensen kulturellen, ökonomischen und politischen Umfeldwirkungen verfügt, sowie darin, eine universal ausstrahlendes Organ innerhalb einer weltweit beständig an Bedeutung gewinnenden Sportbewegung zu sein. Der charakteristische Vorzug dieser Machtfaktoren verweist darauf, dass die Olympische Bewegung stärker als andere Führerschaften von der Rechtmäßigkeit abhängt, die ihr zugesprochen wird und um deren Glaubwürdigkeit sie fortdauernd kämpfen muss (Güldenpfennig, 2004, S. 219).
„Nur im Bereich des olympischen Sports verfügt das IOC über unbestrittene Machtressourcen, nur hier kann es höchste Autorität beanspruchen. Der außerolympische Weltsport wird demgegenüber vor allem von den Weltsportfachverbänden kontrolliert. Wir haben gesehen, daß die Macht des IOC innerhalb der olympischen Bewegung nicht zuletzt auf seiner selbstauferlegten ′Mission beruht′, […]“ (Grupe, 1997, S. 147-148).
Aus diesem Zitat geht hervor, dass die Kompetenzen des IOC gegenüber anderen Weltfachverbänden nicht unbegrenzt sind. Grupe (1997, S. 148) betont in diesem Zusammenhang weiter, dass dem IOC ein gewisser Rahmen gesetzt ist, in welchem es sich nur der selbstauferlegten Verordnung der Olympischen Charta beugen muss. Jedoch strahlen die regulierenden und distributiven Aktivitäten auch in den außerolympischen Weltsport hinein.
2.2 Die Olympische Charta als Grundlage für die Olympische Bewegung
Eine Charta bezeichnet ein Dokument, welches grundlegende Relevanz und belangvolle Moralvorstellungen besitzt. Eine solche Charta wird in separaten Bereichen der Öffentlichkeit verwendet, wie z. B. in der Politik die UNO-Charta oder auch im sportlichen Bereich. Neben der Europäischen und der Internationalen Charta für Leibeserziehung gibt es die für die Olympische Idee, Olympische Bewegung und Olympischen Spiele maßgebende Olympische Charta (Altenberger, et al., 2004, S. 10).
Die Olympische Charta umfasst neun Grundsatzartikel und sogenannte 61 Regeln, samt der dazugehörigen Zusatzbestimmungen. Sie kann gleichsam als Satzung des IOC und damit als formelle Grundlage bezeichnet werden (IOC, 2007a, p. 9).
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Inhalt dieses Dokuments sind Regelungen zur Olympischen Bewegung und den Olympischen Spielen, sowie zum IOC, den Internationalen Sportfachverbänden und Nationalen Olympischen Komitees.
Die Charta ist in zweifacher Betrachtung Gründungsschriftstück der Olympischen Bewegung. Der Olympismus der Neuzeit ist 1894 durch Coubertin gegründet worden und auf ihr gründet er derzeit ideell und sachlich. Jedoch bildet sie jeweils nur eine Art Übergangslösung, da nahezu jede Session (Vollversammlung) des IOC Reformänderungen oder Revisionen aus Erfahrungsgründen vornimmt (Güldenpfennig, 2004, S. 344). Die Seit 1894 zahlreichen unterzogenen Veränderungen haben einen langen Weg bis hin zur aktuell überarbeiteten Charta von 2007 hinter sich. Die technische Entwicklung, die Rolle der Politik, die Möglichkeiten der Manipulation, die Aufnahme neuer Sportarten und der steigende Stellenwert der Medienbranche werden auch in nächster Zeit zu Ergänzungen und Veränderungen führen. Beispielsweise die 1997 im IOC aufgedeckten Unregelmäßigkeiten, hatten damals einen großen Reformprozess ins Laufen gebracht. Neben personellen Änderungen, hatte dies auch Konsequenzen für die Olympische Charta. Sie betrafen u. a. die Schaffung einer Ethikkommission, eines Verhaltenskodex, die Neuorganisation der Wahl der Gastgeberstädte und die Ersetzung des Medical Code durch den Anti-Doping Code. In der Entwicklung der Olympischen Regeln spiegelt sich die Geschichte des Sports der letzten 100 Jahre wieder (Buss, Güldenpfennig & Krüger, 2006, S. 147-148).
Die Charta bestimmt heutzutage nur noch einen Teil der Realität des olympischen Sports. Durchführungsbestimmungen, Manuels, Handbücher und Codices treten an ihre Seite um sie zu unterstützen und zu entlasten. Relevante Dokumente für die Entsendung der Olympiamannschaften füllen ganze Aktenschränke. Der olympische Sport spiegelt Veränderungen wieder. Werte und Prozesse der Individualisierung und Ökonomisierung werden immer undurchsichtiger. Somit liegt es in der Weiterentwicklung der Charta dem Verlauf des Olympischen Sports positiv zu gestalten (Buss et al., 2006, S. 148).
2.3 An der Olympischen Bewegung beteiligte Akteure
2.3.1 Handlungsfelder und Ziele des IOC innerhalb der Olympischen Bewegung
Zum Verständnis der Olympischen Idee und der Olympischen Bewegung ist der historische Kontext und die tiefere Intention Pierre de Coubertins entscheidend. Coubertin ließ sich im 19. Jahrhundert von bürgerlichen, feudalen und proletarischen Strömungen leiten und erlebte in diesem Zusammenhang in Frankreich den Kapitalismus und Sozialismus, in welchen sich die politischen Veränderungen ausdrückten. In dieser Zeit der Ausrichtungsprobleme und Krisen der Industrie und Kultur der Menschen, sah er den sportlichen Wettkampf als ein Mittel der Heilung für
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die Gesellschaft. Sein Vorgehen galt einer größeren, körperlichen, charakterlichen und nationalen Leistungsstärke (Kutschke, 2006, S. 60).
Die Olympische Idee kann als seine Lebensphilosophie betrachtet werden, welcher die Impression zu Grunde liegt, Sport, Kunst, Kultur und Erziehung zu verbinden. Hierbei sollen die menschlichen Eigenschaften des Körpers und des Willens sowie die geistigen Fähigkeiten in ein proportioniertes Verhältnis gebracht werden. Die Würde des Menschen und die Berücksichtigung der grundlegenden und moralischen Werte, kann als eine Art Lebensform oder Olympismus bezeichnet werden. „Der Olympismus ist das Resultat eines Gleichgewichts zwischen den im Menschen widerstreitenden Wesensmerkmalen Wille und Gewissen und zwischen inneren und äußeren Gehorsamkeitsverpflichtungen“ (Müller, Messing & Preuß, 2006, S. 64). Viele Unternehmen bilden kollektiv ein Netzwerk, um die Olympische Bewegung und dessen Verbreitung zu unterstützen. In diesem Gefüge haben Erzieher, Lehrer, Sportfunktionäre, Trainer und Athleten eine außerordentliche Funktion. Ein gegenseitiges Verständnis, getragen von Freundschaft, Solidarität und Fair Play, soll eine friedlichere und bessere Welt aufbauen (Altenberger et al., 2004, S. 9). Die Olympischen Spiele sind die beste Werbung für die Olympische Idee und für eine öffentliche Erziehung im Sinne dieser. Vielseitige, faire und friedliche Wettkämpfe werden auf Basis der antiken Tradition alle vier Jahre ausgetragen, um ein Modell der besseren Welt abzugeben (Kutschke, 2006, S. 60).
Oberste Zuständigkeit der Olympischen Bewegung hat das IOC. Seine Funktion ist der Erhalt des Olympismus auf Grundlage der Olympischen Charta. Das IOC gibt den Slogan „Sport für alle“ aus und wirkt mit vielen Unternehmen bei Bewahrung seiner Eigenständigkeit zusammen (Altenberger et al., 2004, S. 9). Laut der Olympischen Charta (2007, p. 29-54), fördert das IOC die Koordination, Organisation und Entwicklung des Sports und sportlicher Wettkämpfe und sorgt zusammen mit den internationalen und nationalen Institutionen des Sports für die Unterstützung von Maßnahmen, die auf die Stärkung der Einheit der Olympischen Bewegung gerichtet sind. Des Weiteren sorgt das IOC für die regelmäßige Veranstaltung der Olympischen Spiele und beteiligt sich an Aktionen zur Förderung des Friedens, Schutz der Rechte der Mitglieder der Olympischen Bewegung und kämpft gegen jede Art von Diskriminierung. Besondere Aufmerksamkeit bedarf es bei der Förderung der Ethik, speziell im Kampf gegen Doping im Sport. Das IOC widersetzt sich jedem Missbrauch des Sports und der Athleten zu politischen oder kommerziellen Zwecken und wacht darüber, dass die Olympischen Spiele unter Bedingungen abgehalten werden, die in verantwortungsvoller Weise den Problemen der Umwelt Rechnung tragen. Die IOA, welche die Aufgabe der olympischen Erziehung hat, wird durch das IOC unterstützt sowie die strikte Anwendung des Grundsatzes der Gleichheit von Mann und Frau.
Diese in der Olympischen Charta festgeschriebenen Statuten und Ziele spiegeln jedoch nur einen Teil des Kompetenzbereiches des IOC wieder. Relativ unpräzise Angaben in der Olympischen Charta angesichts neuer Entwicklungen wie es zum
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Beispiel in der Dopingproblematik der Fall ist, können durch das IOC präzisiert und verändert werden. Somit kann das IOC nicht nur sich selbst sondern auch die Olympische Bewegung reformieren. Die hinsichtlich der zur Anwendung kommenden Verfahren und Resolutionsprozesse können neu ausgerichtet werden. Entscheidungsbefugnisse können somit in letzter Konsequenz sich selbst zugewiesen werden (Hofmeister, 2006, S. 105).
Eine exklusive Machtressource des IOC stellen die Olympischen Spiele dar, welche aus den Spielen der Olympiade und den Olympischen Winterspielen bestehen und vorbehaltlos alle vier Jahre stattfinden. Die Spiele sind ausschließlich Eigentum des IOC und alle Rechte hinsichtlich ihrer Durchführung, Verwertung, Übertragung, Aufnahme, Darstellung, Wiedergabe, ihres Zugangs und ihrer Verbreitung in jeder Form und durch jedwede Mittel und Techniken. Alle Gewinne aus der Veranstaltung der Olympischen Spiele sind für die Entwicklung der Olympischen Bewegung und des Sports zu verwenden. Darüber hinaus liegt die letzte Entscheidung in allen die Olympischen Spiele betreffenden Fragen beim IOC, welches in diesem Zusammenhang über die teilnehmenden Sportarten, Disziplinen und Wettkämpfe, die im Rahmen der Spiele ausgetragen werden bestimmt. Den Austragungsort der Olympischen Spiele wählt ebenfalls das IOC, in einem zweistufigen Verfahren aus dem potentiellen Bewerberkreis aus. Die gewählte Stadt muss in Zusammenarbeit mit dem betreffenden NOK ein Organisationskomitee gründen, das mit dem IOC einen Vertrag über die Ausrichtung der Spiele, deren organisatorische Vorbereitung sowie den Bau der Wettkampfstätten abschließt (IOC, 2007a, rule 9, 11, 16, 33, 34).
2.3.2 Die Internationalen Sportfachverbände und Nationalen Olympischen Komitees
Die Olympische Bewegung als Institutionalisierung des olympischen Gedankenguts gibt sich selbst die Aufgabe, die Ideen des Olympismus weltweit zu verbreiten. In diesem Kontext ermächtigt sich das IOC weitere Organisationen als zur Olympischen Bewegung zugehörig anzuerkennen, wobei der Führungsanspruch des IOC gewahrt bleiben muss (IOC, 2007a, rule 1, 3).
Das Reglement der Olympischen Charta wurde vom IOC dahingehend umgesetzt, das die Olympische Bewegung aus dem IOC, den IFs und den NOKs besteht. Da das IOC die Leitung übernimmt und die IFs und NOKs gleichgestellt sind, spricht Hofmeister (2006, S. 98) von einem Pyramiden-Modell (Abb. 1).
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Abbildung 1. Pyramidenmodell der Olympischen Bewegung (Hofmeister, 2006, S. 98)
Ebenso gehören jedoch laut der Regel 1 auch die Athleten, Trainer, Offizielle sowie Schiedsrichter und Techniker zur Olympischen Bewegung. Die jeweiligen Organisationskomitees verlieren ihren Status nach Beendigung der Spiele wieder und besitzen einen sogenannten temporären Einfluss (Hofmeister, 2006, S. 98).
Im Folgenden gilt es, die IFs und NOKs und deren Aufgaben und Funktionen ausführlicher zu betrachten. Die IFs sind vom IOC anerkannte internationale nichtstaatliche Organisationen. Sie haben die Verantwortung und Pflicht, das Betreiben ihrer Sportart, einschließlich der praktischen Organisation sowie die Anzahl der jeweiligen Athleten zu überwachen. Sie setzen die Regeln und technischen Anforderungen sowie Wettkampf- und Qualifikationsnormen fest. Diejenigen IFs sind Be-standteile der Olympischen Bewegung, deren Sportarten vom IOC als olympisch anerkannt sind. Diese Anerkennung ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit der Aufnahme ins Wettkampfprogramm der Olympischen Spiele. Weiterhin können die IFs Vorschläge und Meinungen, u. a. bei der Organisation der Olympischen Spiele geben und dürfen Stellung nehmen, ob z. B. eine Stadt als Kandidat zur Durchführung der Olympischen Spiele geeignet ist (IOC, 2008a). Die IFs sind verpflichtet sich nach den Statuten der Olympischen Charta zu richten und das IOC im Kampf gegen Doping zu unterstützen (IOC, 2007a, rule 26 & 27).
Wie im Fall der IFs erfolgt eine Anerkennung von NOKs im Sinne einer Aufnahme in die Olympische Bewegung durch das IOC. Im Gegensatz zu den IFs bestehen NOKs jedoch nicht unabhängig vom IOC, sie beziehen ihre Rechtfertigung aus der Existenz der Olympischen Bewegung (IOC, 2007a, rule 4). Die Nationalen Olympischen Komitees werden als Körperschaften auf der Ebene von Staaten, Ländern und in Ausnahmefällen auch Territorien bezeichnet. Beispielsweise ist das NOK für Deutschland ein eingetragener Verein, welcher ausschließlich gemeinnützig ist und keinen wirtschaftlichen Gewinn anstrebt. Mitgliederbeiträge, wirtschaftliche Maßnahmen und die Vergabe von Lizenzen für die Nutzung von Rechten, finanzieren das NOK. In enger Zusammenarbeit mit dem IOC fördert das NOK die Olympische Bewegung, entsendet die Olympiamannschaften, Schützt die Olympischen Symbo-
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le und betreut die jeweiligen Olympiateilnehmer (Altenberger et al., 2004, S. 43). Eine weitere Aufgabe besteht in der Verbreitung des Olympismus in den Lehrplänen der Leibeserziehung und des Sports in den Schulen und Universitäten sowie der Kulturarbeit olympischer Akademien, olympischer Museen und von Kulturprogrammen mit olympischem Bezug. Die Entwicklung sowohl des Hochleistungs- als auch des Breitensports ist ein zentraler Aufgabenbereich und ist von besonderer Bedeutung (Güldenpfennig, 2004, S. 356). Gegenwärtig existieren 205 NOKs verteilt auf fünf Kontinenten (IOC, 2008a).
2.4 Organe, Kommissionen und Administration des IOC
Während das IOC nach außen ausschließlich von seinen Mitgliedern repräsentiert wird, agieren in ihm einzelne Individuen als Entscheidungsträger. Die Olympische Charta benennt als einzelne Organe des IOC die Session, das Exekutivkomitee und den Präsidenten. Diese drei Institutionen sind lediglich von IOC-Mitgliedern besetzt (IOC, 2007a, rule 16, 17) (Abb. 2).
Abbildung 2. Organisationsstruktur des IOC (Hofmeister, 2006, S. 115)
Die Session ist das nominell höchste Entscheidungsorgan des IOC. Ihre Beschlüsse sind endgültig. Diese Vollversammlung trifft sich einmal jährlich und ein zusätzliches Mal im Olympiajahr am Austragungsort, wie es 2008 in Peking der Fall war (Grupe, 1997, S. 138). Auf Initiative des Präsidenten oder durch eine ein Drittel Mehrheit der Mitglieder kann außerdem eine Session abgehalten werden. In Bezug auf die Olympischen Spiele bestimmt die Vollversammlung über den Austragungs-ort und das Programm, hinsichtlich der teilnehmenden Sportarten. Die Olympische Bewegung betreffend, entscheidet die Session über die Aufnahme und den Ausschluss von NOKs und IFs. Aus dem Zentrum der Session wird das Exekutivkomi-
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tee und der Präsident gewählt (IOC, 2007a, rule 17-18). „Durch das Recht, die Olympische Charta zu ändern, hat die Session in Bezug auf die gesamte Olympische Bewegung legislative Kompetenz“ (Hofmeister, 2006, S. 108). Somit ist die zentrale Aufgabe der Session ebenfalls die Neuwahl bzw. die Exklusion von Mitgliedern.
An der Spitze des IOC steht der Präsident, welcher auf acht Jahre gewählt wird. Eine Amtszeitverlängerung von vier Jahren ist durch Wiederwahl möglich. Seine Macht ist zum einen in der Olympischen Charta niedergeschrieben und zum anderen abhängig von seinen individuellen Eigenschaften. Avery Brundage, welcher 20 Jahre Präsident des IOC war, füllte u. a. Haushaltsdefizite durch sein privates Vermögen und besaß zweifellos mehr Macht als sein Nachfolger Lord Killanin. Juan Antonio Samaranch, Präsident von 1980 bis 2001 und einst Anhänger der Falange und Sportminister unter Franco, hielt nicht viel von demokratischer Entscheidungsfindung. Er veränderte die Olympische Bewegung durch seine persönliche Führungsstärke (Grupe, 1997, S. 138). Seit 2001 ist der Belgier Jacques Rogge Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. Er hat laut den Statuten der Olympischen Charta (2007) neben repräsentativen Aufgaben den Vorsitz bei allen Tätigkeiten des IOC und somit auch Autorität auf die Kommissionen. Er kann nach eigenem Ermessen Kommissionen und Arbeitsgruppen bilden und auch wieder auflösen. Weiterhin bestimmt er über die personelle Zusammensetzung dieser. Seit der Gründung des IOC 1894 gab es folgende acht IOC-Präsidenten:
1., Demetrius Vikelas (1894-1896)
2., Pierre de Coubertin (1896-1925) 3., Henri de Baillet-Latour (1925-1946) 4., J. Siegfrid Edström (1946-1952) 5., Avery Brundage (1952-1972) 6., Lord Killanin (1972-1980) 7., Juan Antonio Samaranch (1980-2001) 8., Jaques Rogge (seit 2001)
Der Präsident, die vier Vizepräsidenten und zehn weitere IOC-Mitglieder bilden zusammen das Exekutivkomitee. Dieser Ausschluss trifft sich auf Impuls des Präsidenten oder der Mehrheit seiner Mitglieder und wird durch die Session gewählt. Er befasst sich u. a. mit der internen Organisation, den Finanzen und der Administration des IOC und verfügt über weitreichende exekutive Machtbefugnisse durch das Recht, in Bezug auf die Implementierung der Olympischen Charta und die Organisation der Olympischen Spiele Richtlinien zu erstellen und Anweisungen zu erteilen. Die Tagesordnung für die Treffen der Session fällt ebenfalls unter die Verpflichtung des Exekutivkomitees (IOC, 2007a, rule 18, 19).
Um bestimmte Themen zu studieren und Empfehlungen für den Vorstand zu machen, stellt der Präsident spezielle Kommissionen auf. Manche Kommissionen sind gemischt, d. h. einschließlich IOC-Mitglieder, Vertreter der internationalen olympi-
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Andreas Grill, 2008, Das IOC als Dachorganisation der Olympischen Bewegung, München, GRIN Verlag GmbH
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Peter Schollmeier
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