Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 1
2. Theoretische Betrachtung 1
2.1. Überraschungsinflation als Mittel der Geldpolitik 1
2.2. Das Zeitinkonsistenzproblem 2
2.3. Ansätze zur Lösung des Zeitinkonsistenzproblems. 5
3. Empirische Betrachtung 8
3.1. Kriterien der Unabhängigkeit 8
3.2. Indizes zur Messung der Zentralbankunabhängigkeit. 9
3.2.1. Indizes mit rechtlichen Quantifizierungskriterien 9
3.2.2. Indizes mit verhaltensbezogenen Quantifizierungskriterien 12
3.3. Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Unabhängigkeit
und Inflation. 13
4. Fazit. 15
Literaturverzeichnis. 17
Abbildungsverzeichnis :
Abbildung 1: Grafische Darstellung des GMT-Index. 11
Tabellenverzeichnis :
Tabelle 1: CUK- und TOR-Index für 14 ausgewählte Länder 12
Abk ürzungsverzeichnis:
Abb. Abbildung
Aufl. Auflage
d.h. das heißt
EZB Europäische Zentralbank
f. folgende
ff. fortfolgende
Jg. Jahrgang
OECD Organisation for Economic
Cooporation and Development
S.
vgl. vergleiche
z B zum Beispiel
1
1. Einleitung
Der Zusammenhang zwischen Zentralbankunabhängigkeit und Inflation spielte bis zu den 80er Jahren praktisch keine Rolle. Im Laufe der 90er Jahre erschienen zahlreiche Publikationen zur theoretischen Analyse und zur empirischen Belegbarkeit eines bestehenden Zusammenhangs zwischen Zentralbankunabhängigkeit und Inflation bzw. zur Widerlegung desselben.
Ziel dieser Arbeit ist es, einen Zusammenhang zwischen der Unabhängigkeit einer Notenbank und ihren Auswirkungen auf die Inflation im Hinblick auf die aktuelle Literatur zur Theorie und Empirie zu untersuchen.
Die Arbeit ist dabei wie folgt aufgebaut:
Gegenstand des zweiten Kapitels ist die theoretische Betrachtung einer Wirtschaft, in der die Regierung versucht, ihre eigenen
konjunkturpolitischen Interessen zu Lasten einer höheren Inflationsrate zu verfolgen. Neben der modelltheoretischen Betrachtung sollen dabei in der Literatur herausgearbeitete Hypothesen zur Lösung dieses Problems analysiert werden.
Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der empirischen Belegbarkeit der im zweiten Kapitel dargestellten theoretischen Betrachtungen. Dabei werden im Anschluss an die Begriffsbestimmung zur Zentralbankunabhängigkeit die gängigsten Indizes zur Zentralbankunabhängigkeit beispielhaft dargestellt. Im Anschluss daran werden die in der Literatur herausgearbeiteten Zusammenhänge zwischen Zentralbankunabhängigkeit und Inflation herausgearbeitet und analysiert. Im vierten Kapitel werden die wesentlichen Ergebnisse dieser Arbeit zusammenfassend dargestellt.
2. Theoretische Betrachtung
2.1. Überraschungsinflation als Mittel der Geldpolitik
Preisstabilität und damit eine „stabile“ Inflationsrate stellt in der Literatur das Hauptziel der meisten Zentralbanken im Weltwirtschaftssystem dar. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) ist das vorrangige Ziel der Preisstabilität sogar verfassungsmäßig in Artikel 4, Absatz 2 sowie Artikel 105 des EG-Vertrages kodifiziert 1 .
1 Vgl. Junius/Kater/Meier/Müller (2002), S. 33.
2
In mehreren Arbeiten wurde jedoch festgestellt, dass es für eine Regierung und die hieran gebundene Zentralbank als Organ der Regierung von Interesse sein kann, durch das Herbeiführen einer höheren Inflationsrate eine Geldpolitik zu verfolgen, die eigenen konjunkturpolitischen Zielen dient 2 .
Anreizpunkte für eine Regierung, eine solche Überraschungsinflation zu generieren, wurden in der Literatur durch Cukierman 3 unter Bezug auf Barro und Gordon 4 dargestellt.
So kann unter Berücksichtigung der kurzfristigen Phillipskurve die Höhe der Beschäftigung (employment motive) nur durch eine überraschende Inflation beeinflusst werden.
Zum zweiten kann das Einkommen (revenue motive) des Staates durch eine Inflation erhöht werden, da die festgelegten Zinsen der Staatsanleihen nominal definiert sind und daher im Falle des Anstiegs der Inflation „günstiger“ durch den Staat zurückgezahlt werden können
(Seignorageeffekt). Schließlich kann eine überraschende Inflation nach Cukierman zum Ausgleich der Zahlungsbilanz (balance of payments motive) zum Abbau der Staatsverschuldung genutzt werden.
Leidtragende einer (überraschenden) Inflation ist jedoch die Gesellschaft und damit die Unternehmen und privaten Haushalte, deren rationale Erwartungen an die Inflationspolitik der Regierung durch eine Überraschungsinflation nicht erfüllt werden. Im Ergebnis werden sie daher der Regierung in den auf die Überraschungsinflation folgenden Perioden hinsichtlich ihrer Inflationspolitik keinen Glauben mehr schenken und ihre erwartete Inflationsrate entsprechend (höher) anpassen. Dieses Verhalten wird in der Literatur als Zeitinkonsistenzproblem bezeichnet (siehe 2.2.).
2.2. Das Zeitinkonsistenzproblem
Mittels der Geldpolitik ist eine Zentralbank (d.h. für den Fall einer abhängigen Zentralbank die Politiker einer Regierung) in der Lage, schnell d.h. mit geringer Verzögerung auf makroökonomische Schocks zu reagieren sowie diese absichtlich herbeizuführen. Hierdurch gewinnt die Geldpolitik als konjunkturpolitisches Mittel an Bedeutung, konfrontiert sie aber andererseits mit dem sogenannten Problem der Zeitinkonsistenz 5 .
2 Vgl. Persson/Tabellini (1997).
3 Vgl. Cukierman (1992a).
4 Vgl. Barro/Gordon (1983), S. 102-104.
5 Vgl. Berger (1997), S. 90.
3
Nach Kydland und Prescott 6 sowie Barro und Gordon 7 versteht man unter dem Zeitinkonsistenzproblem den Umstand, dass es für eine Regierung unter bestimmten Voraussetzungen reizvoll sein kann, das Ziel einer längerfristigen Preisstabilisierung und damit einer niedrigen Inflationsrate zugunsten einer kurzfristigen konjunkturpolitischen Maßnahme zurückzustellen.
Grundlage des Zeitinkonsistenzproblems ist eine Ökonomie, in der die Wirtschaftsobjekte zwar rationale Erwartungen hinsichtlich der Entwicklung der Inflation bilden, sie ihre Verträge (z.B. Tarifverträge,
Immobilienfinanzierungen) aber nur nominal und für eine gewisse Dauer abschließen. In diesen Fällen ist es für die Geldpolitik möglich, nach Vertragsschluss die realen Preise zu verändern. So führt eine expansive Geldpolitik bzw. unerwartete Inflation, infolge der Orientierung der Arbeitsnachfrage der Unternehmen am Reallohn, zu einer erhöhten Arbeitsnachfrage und damit zu einem höheren realen Sozialprodukt, also einem für die Regierung günstigen Zustand.
Hinsichtlich der formalen Darstellung des Zeitinkonsistenzproblems existieren in der Literatur mehrere Varianten, von denen das auf der Arbeit von Kydland und Prescott basierende Barro-Gordon-Modell nachfolgend in den wesentlichen Grundzügen dargestellt und erläutert wird 8 . z die durch Aus Sicht eines Politikers entstehen in jeder Periode Kosten t die Gleichung a
π 2 e − = , > ) ( ) ( b z 0 b a (1) mit
t t 2
dargestellt werden können. Es ist ersichtlich, dass der erste Summand die Kosten, der zweite Summand hingegen den Nutzen der Inflation darstellt. Somit wird deutlich, dass eine Überraschungsinflation, d.h. ein Anstieg der π − e Differenz zwischen tatsächlicher und erwarteter Inflationsrate zu
t z führt. einem Absinken der Kosten t
Ziel des Politikers ist es demnach, seine erwartete Kostenfunktion unter Berücksichtigung des Abzinsungsfaktors r wie folgt zu minimieren:
[ ]
+ ⋅ + ⋅ + = ... )) 1 )( 1 /( 1 ( )) 1 /( 1 ( z r z r z E Z (2) .
+ t 1
Das Modell unterstellt nun einen Politiker, der ein Geldinstrument π für jede Periode kontrolliert, welches ihm ermöglicht, die Inflationsrate t
6 Vgl. Kydland/Prescott (1977), S. 475-477.
7 Vgl. Barro/Gordon (1983), S. 102 ff.
4
festzulegen 9 . Die Auswirkungen seines Handelns im Rahmen von diskretionärer, geregelter und täuschender Geldpolitik können im Barro-Gordon-Modell wie folgt dargestellt werden: Für den Fall einer diskretionären Geldpolitik und die Kenntnis der Inflationserwartungen der Gesellschaft wird der Politiker zur Minimierung seiner Kostenfunktion (2) die Inflationsrate mittels der Gleichung (1) mit π = / a b bestimmen. Bedingt durch rationale Erwartungen der
t
Gesellschaft (private Haushalte und Unternehmen) beträgt die = π e = a b / Inflationserwartung . Da somit im Gleichgewicht kein
t
Inflationsschock besteht, mithin die Differenz zwischen erwarteter und tatsächlicher Inflationsrate den Wert null annimmt, betragen die Kosten: 1 2
⋅ = a b z t / .
2
Für den Fall einer geregelten Geldpolitik (policy under a rule) wird die Existenz einer Regel vorausgesetzt, die es dem Politiker zwar ermöglicht, die Inflationsrate festzulegen, diese jedoch von Parametern abhängt, die sowohl dem Politiker als auch der Gesellschaft bekannt sind. Da beide π = , was e Parteien über dieselben Informationsgrundlagen verfügen, gilt
t
wiederum dazu führt, dass in Gleichung (1) der zweite Summand aus der π 2 ⋅ ) ( ) 2 / ( a Gleichung entfällt und nur der erste Term mit übrig bleibt. Zur
t
Minimierung der Inflationskosten ist es nunmehr zielführend, eine tatsächliche Nullinflation in sämtlichen Perioden anzustreben. Für diesen Fall betragen die Kosten sodann: * = 0 z
t
Der dritte von Barro und Gordon angeführte Fall ermittelt die Kosten des Politikers, sofern dieser durch Täuschung (cheating) die geltenden Regeln bricht, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Hierzu wird unterstellt, dass die Gesellschaft (die der im zweiten Fall dargestellten Regel folgt) eine Nullinflation erwartet. Aus der Gleichung (1) folgend wird der Politiker die π = a b / festlegen. Mittels der Funktion zu (2) Inflationsrate nunmehr mit
t
ergeben sich die geschätzten Inflationskosten für den Politiker mit: 2 − = a b Ez t / ) 2 / 1 ( .
8 Vgl. Barro/Gordon (1983), S. 104 ff.
9 Vgl. Barro/Gordon (1983), S. 105.
Arbeit zitieren:
Patrick Kassing, 2007, Zentralbankunabhängigkeit und Inflation, München, GRIN Verlag GmbH
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