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Inhalt
Vorwort 4
Einleitung
1. Das Thema im heutigen Umfeld 6
2. Die Aufgabenstellung der Arbeit
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Teil I: Der Weg zum Führerstaat
3. Hitlers “Programm 16
4. Die zwanziger Jahre - Erste Prägung und Umrisse eines Weltbilds 19
5. “Programm und (Außen-)politik nach dem 30. Januar 1933 24
6. Parteiprogramm und Führerwille 26
Teil II: Schritte zum Krieg- die Idee der Großmachtposition als Ziel
7. Nichtangriffspakt mit Polen, Flottenabkommen mit England 28
8. Rheinlandbesetzung als außenpolitischer Coup 29
9. Anschluss Österreichs und außenpolitischer Machtzuwachs 30
10. Blick nach Osten - Münchener Abkommen 31
11. “Griff nach Prag 31
12. Politik, Kriegspläne und Strategie - ein Langzeitprogramm? 32
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Teil III: Idee oder Ideologie als Gesetz des Handelns
13. Überfall auf Polen - Kriegserklärung der Westmächte 34
14. “Weserübung” - die Aktion gegen Dänemark und Norwegen 37
15. Der Feldzug im Westen 40
16. Optionen nach dem Waffenstillstand mit Frankreich 42
17. Warum nach Russland? 44
Teil IV: Zugzwang oder Ideologie statt Vernunft
18.Kriegswende 1941- Halt vor Moskau 47
19. Der Weg in den Krieg mit den USA 49
20. Die Konferenz von Casablanca 53
21. Ideologie vor Strategie: Planvoller Mord 54
22. Invasion 1944 als faktisches Ende deutscher Außenpolitik 56
Teil V: Ergebnisse und Erkenntnisse
23. Hitler als “Finis Germaniae” 60
24. Schlussbetrachtung 63
67 Anmerkungen
84 Literatur
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Vorwort
Die Beschäftigung mit Adolph Hitler und dem Nationalsozialismus ruft zu recht eine mehr oder weniger starke, reflexhafte Abwehrhaltung in einer Mischung aus Abscheu und Unverständnis hervor. Abscheu empfinden wir gegenüber den Untaten und maßlosen Verbrechen des Regimes, auf Unverständnis trifft das Verhalten der Mehrheit der damaligen Bevölkerung, weil sie die nationalsozialistische Bewegung lange aktiv unterstützte oder zumindest tolerierte, ganz zu schweigen von einem tatsächlichen Widerstand.
Wir tradieren das “Versagen” einer früheren Generation und münzen es um in ein überzeugtes “Videant consules!” Rassismus und gar Antisemitismus finden heute keinen wirklichen Nährboden, die Nation ist als Selbstvergewisserung in einem geeinten Europa nur noch von abgeschwächter Bedeutung. Wir wollen die damals offenbare Attraktivität einer egalitär-sozialistischen Bewegung, die ihre “Volksgenossen” unter den “Arbeitern der Stirn und Faust” suchte und fand, nicht wahr haben. Als Nachgeborene entwickeln wir kein Gespür für das massenpsychologische Phänomen einer charismatischen Führungspersönlichkeit, die den Empfindungen der Zuhörer geschickt entgegenzukommen wusste.
Die politische Kultur in ganz Deutschland fordert, fördert und baut Mahnmale oder Gedenkstätten, um das ehrende Andenken an die Opfer des Nationalsozialismus lebendig zu halten, weil die Erinnerung an die Schrecken verblasst. Vielfach bleibt im heutigen Wissen nur Raum für ein Bild mit groben Strichen. So waren es gerade die Reaktionen meiner beiden 1981 bzw 1985 geborenen Söhne und ihrer Mitschüler bzw Mitstudenten, die voller abwehrendem Widerwillen mit dem Dritten Reich und der Person Hitlers nahezu ausschließlich organisierte Angriffs-/Vernichtungskriege und systematische Verbrechen sowie planmäßigen Judenmord auf der Basis der Rassenideologie verbinden und mich so auf den Gedanken brachten, einen Anstoß zur mehr analytischen Rückschau zu geben.
Bonn, im Januar 2011
Vorwort zur überarbeiteten Fassung
In dem grundsätzlich unveränderten Text mit beibehaltener Einteilung sind neben notwendigen redaktionellen Korrekturen einige Passagen nach Auswertung
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weiterer Literatur ergänzt, umgestellt oder konkreter formuliert worden. Dies betrifft etwa im Kapitel 18 die Situation im Herbst 1941 und die Waffenstillstands/Separatfriedensinitiativen Englands und Russlands im Frühjahr 1942. Inhaltlich wurde in Kapitel 19 die Rolle der USA stärker aus ihrer wirtschafts- und machtpolitischen Grundhaltung erklärt. In den Aktivitäten sahen Deutschland, Italien und Japan jeweils die wesentliche Ursache für ihren Entschluss zum Kriegsbeginn.
Bonn, im Juli 2011
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Einleitung
1. Das Thema im heutigen Umfeld
1 Die Urkatastrophe des Ersten Weltkriegs hatte u. a. zum Zusammenbruch des deutschen, des österreichisch-ungarischen, des türkisch-osmanischen und des russischen Reichs geführt. Die Erinnerung an diesen “Großen Krieg”, wie er im 2 englischen und französischen Sprachgebrauch noch heute heißt , wird dort durch den Gedenktag an den Waffenstillstand vom 11. November 1918 und den damit errungenen Sieg als nationales Ereignis wach gehalten. Erst im Jahr 2009 nahm dann mit Bundeskanzlerin Angela Merkel erstmals die deutsche Seite offiziell an den Feierlichkeiten in Paris teil. In Deutschland haben Schrecken und Leid des Zweiten Weltkriegs mit den Untaten des NS-Regimes das Gedenken an die Jahre 3 von 1914 bis 1918 längst überlagert und verdrängt. Stevenson sieht eine dahingehende Veränderung in allen Ländern.
Während des gesamten Kriegsverlaufs von 1914 - 1918 standen nur ganz kurz im Osten (bis zum deutschen Sieg bei Tannenberg) fremde Truppen auf deutschem Boden; Luftangriffe nach dem damaligen Stand der Technik erfolgten nicht systematisch und in insgesamt nur begrenztem Umfang mit eher fraglicher Wirkung auf die Einsatzfähigkeit des deutschen Heeres und die Moral der Zivilbevölkerung. Dagegen hatten etwa Italien (Isonzo), Frankreich (Verdun, Somme) oder Belgien (Flandern, speziell Ypern) das Kriegsleid der Graben- und Stellungskämpfe mit 4 ihren verlustreichen, aber häufig militärisch ergebnisarmen Angriffen über lange Zeit ertragen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland schon sehr früh durch Luftangriffe und dann, nach einem entsprechenden Beschluss der Alliierten während der Konferenz in Casablanca im Januar 1943, mit sich bis ins Unsägliche steigernder Intensität der Flächenbombardements Schauplatz des Bombenkriegs und schließlich des Landkriegs. Im Frühjahr 1945 kämpften sich von Ost und West die gegnerischen Truppen über die Gesamtfläche Deutschlands hinweg bis zu ihrem symbolischen Tref- 5 fen am 25. April1945 bei Torgau an der Elbe vor.
Mit dem wachsenden zeitlichen Abstand zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa kommt acht Aspekten bei der objektivierenden Beschreibung der Geschehnisse, bei der Bewertung der handelnden Personen und der Interpretation ihrer Motive eine verstärkte Bedeutung zu:
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1.Die Quellenlage zu den dokumentierten Fakten dürfte - vorbehaltlich immer noch denkbarer Entdeckungen - als prinzipiell vollständig einzuschätzen sein. Die Unzahl nicht oder noch nicht erschlossener staatlicher, halböffentlicher und privater Quellen sollte keine wirklichen Überraschungen mehr bergen, sie wird bereits Bekanntes insgesamt eher bekräftigen.
2.Wer unter deutschen Verbrechen und Kriegsverbrechen gelitten hat oder in seiner Umgebung traumatisierte Erzähler erlebt, empfindet Fakten, die dies bestätigen, als Stimulans zu spezifisch intensiver Erforschung und Aufhellung des Geschehens. Das dabei dann vorrangig archivarische Interesse an den - zumeist grausamen - Details lässt keinen Raum oder verhindert sogar die als zweiten Schritt notwendige Einordnung in den historischen Kontext..
3. In vielen Bereichen hat heute die Geschichtswissenschaft ihre Elfenbeintürme verlassen . Die heutigen Medien, insbesondere das Fernsehen, wecken und unterhalten das Interesse breiter Kreise an der Zeitgeschichte. Dabei wird der Historiker leicht aus der Rolle des Wissenschaftlers in die Funktion einesunangreifbaren- Zeugen gedrängt. Nicht er stellt dass Ergebnis einer Forschungsarbeit vor, sondern ihm wird eine konkrete Frage, ein eingegrenztes Beweisthema, vorgelegt. Er bestätigt dann mit seinen sachlichen und objektivierten Aussagen, was die Erinnerungskultur an Bildern - in unserem Fall - über die Diktatur des “Dritten Reiches” und die Ursachen seines Aufstiegs und Falls schon vermittelt hat. Bei aller berechtigten Freude über die gesteigerte Aufmerksamkeit bleibt ein Desiderat der wissenschaftlichen Tätigkeit, sich in diesem Aufgabenfeld sorgfältig von der eher effekthascherischen Erinnerungskultur abzugrenzen. Weder die Memoiren früherer Entscheidungsträger noch die Berichte einfacher Befehlsempfänger oder überlebender Opfer der Terror- und Vernichtungsmaßnahmen des NS-Staates ergeben allein oder auch im Kontext ein vollständiges Bild. Die “entscheidende Erkenntnisoperation der historischen Forschung” bleibt mit Theo- 6 dor Mommsens klassischem Credo die auf lückenloser Erfassung und Auswertung der zugänglichen Quellen beruhende “objektivierende und systematisierende Interpretation der Überlieferung”, um so, wie Ranke es fordert, zeigen zu können, wie es eigentlich gewesen war.
4. Differenzen in der Bewertung eines Geschehensablaufs, beispielhaft steht hier die bekannte “Fischer-Kontroverse” über die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914 - 1918, führen zu heftig ausgetragenen Meinungsverschiedenheiten unter den Fachleuten, freudig begleitet von einem breiten Medienecho. Das rechtlich-moralisch gefestigte Urteil über die Nationalsozialisten und das “Dritte Reich” mit ihren singulären Verbrechen überwölbt zwangsläufig auch die histori- sche Forschung. Die Möglichkeit ist nicht von der Hand zu weisen, dass Auf-
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fassungen und Interpretationen besser Gehör finden und die Deutungshoheit reklamieren können, weil sie auf der Linie des consensualen Werturteils besonders eingängig erscheinen.
Hier gewinnt noch ein eher psychologisches Moment an Gewicht. Der Extremismus der Nationalsozialisten, ihre Führergläubigkeit und -hörigkeit (“Führer befiel, wir folgen!”), die Zurückdrängung der individuellen Persönlichkeitsrechte zugunsten der Volksgemeinschaft, das Bemühen, jeden Volksgenossen in einer der zahl- 7 reichen Organisationen des Regimes zu erfassen , die ständigen Appelle der NS-Propaganda an die Emotionen, die Uniformierung der Gesellschaft und letztlich der Horror des zweiten Weltkriegs vor dem Hintergrund des millionenfachen Juden-mords bedingen ein zwiespältiges Reflektieren. Jeder Erörterung wird schon im Ansatz der Boden entzogen, wenn sie als “rechts”, “antisemitisch”, “nazistisch” 8 oder vereinfachend “faschistisch” bezeichnet wird. Eine angemeldete 9 Versammlung/-Kundgebung von “Rechten” darf behindert und gestört werden , 10 auch wenn das Versammlungsgesetz für Störungen Sanktionen vorschreibt . Wir schätzen die Meinungs- und Pressefreiheit als ganz hohes demokratisches Grundrecht; im Schutz dieses Rechts darf man mehr oder weniger jede Fahne mit 11 sich führen, aber das Zeigen eines NS-Symbols ist strafbar .Wer singt “Völker, 12 hört die Signale, auf zum letzten Gefecht!” , ist nicht unbedingt ein Weltverbesserer, aber bekennt sich als Sozialist, wer seinen inhaltlich ähnlichen Aufruf mit den Worten anstimmt “Zum letzten Mal wird zum Appell geblasen. Zum Kampfe 13 stehn wir alle schon bereit,” begeht eine strafbare Handlung und ist zudem ein Fall für den Verfassungsschutz. Die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen kann jederzeit mit grausigen Bildern und Dokumentationen von den Zuständen in den Konzentrationslagern am Jahresanfang 1945 bei Einmarsch der 14 alliierten Truppen gestärkt werden . Die bedrückende Bildmacht wirkt - obwohl ein direkter Zusammenhang fehlt - zurück auf die Vorstellung vom Geschehens- 15 ablauf spätestens seit Kriegsbeginn 1939 . Das politische Spektrum im Nachkriegsdeutschland hat möglicherweise links und rechts seiner Mitte nicht die gleich weit reichende Ausdehnung oder der Focus ist - durchaus getragen von der Mehrheitsmeinung - nach links verschoben. So ist es schlecht vorstellbar, dass sich korrespondierend zur Partei “Die Linke” am anderen Endpunkt eine Gruppierung unter dem Namen “Die Rechte” etablieren und halten könnte. Eine Gedenkveranstaltung am Grab eines “Rechten” könnte kaum so selbstverständlich und ungestört ablaufen, wie dies alljährlich im Januar in Berlin-Friedrichsfelde zur Erinnerung an die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 15. 16 Januar 1919 möglich ist . Mit bisweilen missionarischem Eifer, wird alles “Rechte” ohne auch nur den Versuch der Unterscheidung zwischen rechts, rechts- extrem und rechtsradikal aufgespürt und bekämpft.
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5. Daran knüpft noch ein weiterer Aspekt an. Wir verdammen eher pauschal und vorsorglich alles, was in den zwölf Jahren der NS-Herrschaft geschehen ist, um uns gegen den möglichen Vorwurf der verdeckten oder gar von uns selbst noch nicht eingestandenen Sympathie zu wappnen. Zugleich betonen wir, dass es ja immer “die Nazis” waren, denen wir alle Schuld zuweisen können. Dagegen beschreibt 17 Conze beispielhaft die Unterschiede und unterschiedlichen Einschätzungen der Regimenähe von Angehörigen des Auswärtigen Dienstes. Die Bundesrepublik ehrte am 20. Juli 1961 elf der wegen ihres Widerstands gegen das NS-Regime hingerichteten Diplomaten mit einer Gedenktafel in der Eingangshalle des Auswärtigen Amtes in Bonn, dabei waren sechs der Geehrten - z. B. Werner Graf von der Schu- 18 lenburg seit dem 01. Oktober 1934 - Mitglieder der NSDAP . Irritiert erfahren wir, dass der Schriftsteller Günter Grass der Waffen-SS angehört hatte. Die durch eine Dissertation von 2008 wohl erstmals breiter bekannt gewordene Mitgliedschaft des späteren Bundespräsidenten Gustav Heinemann im Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen (BNSDJ) und in der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) delegitimiert ihn keineswegs a limine, wie der Verfasser deutlich 19 macht .
Unter dem beherrschenden Eindruck des planmäßigen Mordes an den Juden und an anderen Menschengruppen laufen wir Gefahr, ohne anderweitige Prüfung hierin 20 das Movens aller Politik des NS-Staates zu sehen . Tatsächlich war die Judenfrage anfänglich aus der Sicht der damaligen Machthaber wohl eher nachrangig. Schließlich lebten vor 1933 im Reich kaum mehr als 500.000 Juden. Ein unverhältnismäßig hoher Anteil allerdings in exponierten Positionen von Wissenschaft und Kunst, Kreditwesen, Handel und Gewerbe. Daher waren vielfach nur Neid und Mißgunst der eigentliche Kern des vermeintlichen Antisemitismus. Jüdische Sol- 21 daten hatten sich im Ersten Weltkrieg keineswegs vor dem Dienst gedrückt und waren vielfach ausgezeichnet worden.
Aber jetzt folgte - ausgehend von dem Ausschluss aus der Volksgemeinschaft durch das NS-Parteiprogramm - ab 1933 die systematische Entrechtung und Enteignung des deutschen jüdischen Bevölkerungsteils. Endziel und damit “Endlösung” im ursprünglichen Sinn war noch nicht die physische Vernichtung, vielmehr die durch Freiwilligkeit, Drohung, Rechtsbruch und Gewalt bewirkte Entfernung aus Deutschland. Nach Kriegbeginn und der Besetzung der angrenzenden Länder war einerseits ein Abschub in einen zur Aufnahme bereiten Staat rechtlich und tatsächlich kaum noch möglich, andererseits vervielfachte sich das Problem, weil in den außerdeutschen Territorien erheblich mehr Juden lebten, allein in Polen etwa 1,5 Millionen. In dieser selbst geschaffenen scheinbaren Zwangslage bedurfte es dann der Strukturen des Regimes mit seinen Exponenten wie Himmler oder Heydrich, um dem Wort “Endlösung” mit den beginnenden Massenmorden seinen uns geläufigen entsetzlichen Sinn zu geben und nach den Beschlüssen der Wannsee-
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konferenz vom 20. Januar 1942 dann zentral organisierte Taten folgen zu lassen.
Weitaus wichtiger als das sekundäre Judenproblem war das Bemühen um die “Volksgenossen” und um ihr Engagement für die Ideen des NS-Staates. Wir übersehen, dass die “Bewegung” neben dem Hakenkreuz und dem vielgestaltigen Appell an die Emotionen durchaus sehr Konkretes zu bieten wusste..Die Zahl der Arbeitslosen sank von mehr als sechs Millionen im Zeitpunkt von Hitlers Machtübernahme innerhalb der folgenden fünf Jahre auf unter 500 000. Baumaßnahmen wie die Schwarzwaldhochstraße, das überdimensionale Erholungsheim in Prora auf Rügen oder der Nürburgring boten gezielt für strukturschwache Gegenden Arbeit und Wohlstand. Der Staat zeigte sich bewusst zukunftsorientiert, propagierte eine neue Zeit und gab dem Fortschritt z. B. durch Mobilität (Verkehrsprojekte wie Autobahnausbau und VW-Konzept) oder die moderne Technik der Informations- 22 verbreitung (Rundfunk und preiswerte “Volksempfänger”) Raum . Es ist eine wenig berechtigte Vereinfachung, wenn man die hier zuletzt genannten Punkte als Teil der systematischen Kriegsvorbereitung oder der effektiveren Massenbeeinflussung abtut. Die große Mehrheit der neuen Arbeitsplätze entstand nicht im 23 Rüstungsbereich sondern in normalen zivilen Produktionseinrichtungen und der Rundfunkempfang war nicht auf regierungsamtliche Informationen beschränkt. Das betont egalitäre Element des Systems verschaffte breite Sympathie, die attraktiven Leistungen für alle “Volksgenossen” etwa der NS-Volkswohlfahrt oder des Erholungswerks “Kraft durch Freude” (KdF) der Deutschen Arbeitsfront ( DAF) sicherten Rückhalt. Nicht ohne Grund waren die Anhänger der NSDAP und ihre Führungselite ungewöhnlich jung, Adolf Hitler war bei der Machtübernahme am 30. Januar 1933 erst 43 Jahre alt, seine Parteimitglieder waren zu 70 % jünger als 40 Jahre. Das Bild der Nationalsozialisten in der Öffentlichkeit vermittelte keineswegs den Eindruck einer dumpfen “braunen Horde” oder von halbkriminellen Schläger- 24 typen, es war überwiegend positiv besetzt . Die SS mit dem Wahlspruch “Meine 25 Ehre heißt Treue” konnte insoweit kaum anstößig erscheinen .
In der Rückschau werden diese Faktoren von den Schrecken des späteren (Vernichtungs-)krieges mit den eigenen und gegnerischen Gefallenen der regulären Kriegshandlungen einerseits und andererseits den Opfern der Geiselerschießungen, kriegsverbrecherischen Einsätze gegen “Partisanen” und “Banden” oder der Ge-fangenenmisshandlung überdeckt und verdrängt. Der bewußt in Kauf genommene Hungertod russischer Kriegsgefangener bleibt unfasslich, der millionenfache Mord der Rassen- und Lebensraumideologie sprengt die Vorstellungskraft.. Die 26 Ereignisse verschwimmen. zu einer traumatischen Last . Das Datum 08. Mai 1945 gilt in erster Linie als ein Tag der Befreiung vom Joch des Unrechtregimes, dass Deutschland an diesem Datum umfassend besiegt und der Gnade oder Ungnade der Sieger ausgeliefert war, wird als gerechte Strafe für das von “den Nazis” begangene
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Unrecht, insbesondere für den Beginn und die Führung des Krieges empfunden. 27 Mit den damaligen Siegern gemeinsam “freuen” wir uns über unsere Niederlage .
6. Mit der Sprachregelung über die (Allein-)verantwortlichkeit der Nazis laufen wir Gefahr, ein schiefes , unscharfes Bild des Geschehens zu erzeugen, mit dem zugleich eine wenig angebrachte Entlastung der Bevölkerungsmehrheit einhergeht. Nicht allein “die Nazis” haben auf deutscher Seite Krieg geführt, das damalige Deutsche Reich hat unter der NS-Führung so agiert. Begriffe wie “Anti-Hitler-Koalition” oder “Nazi-Deutschland” verschleiern, dass in dem Millionenheer der Wehrmacht ein wesentlicher Teil der deutschen Bevölkerung im Kampf stand und zumindest bis zur Vernichtung der 6. Armee des Generalfeldmarschalls Paulus in 28 Stalingrad im Winter 1942/43 dabei breiten Rückhalt fand .
7. Der Zweite Weltkrieg hat die Menschen insgesamt keineswegs friedlicher gemacht oder gestimmt. Die Massenvernichtungswaffen aus der Büchse der Pandora mit atomarer, biologischer und chemischer Wirkung konnten die Angst vor dem 29 Krieg erhöhen, aber das Übel nicht abschaffen . Wie schon der Völkerbund haben auch die Vereinten Nationen sich nicht als wirksames Instrument zur Kriegsverhinderung erwiesen. Die gewaltsamen kriegerischen Auseinandersetzungen nach 1945 30 haben die Zahl 200 bereits überstiegen. Nur wenige davon erreichen unser kriti- 31 sches Bewusstsein . Wir halten in Deutschland an der Grundüberzeugung fest, dass vom deutschen Boden nie wieder Krieg ausgehen darf, unsere Verfassung verbietet 32 in Artikel 26 Abs. 1 des Grundgesetzes den Angriffskrieg , aber wir sehen zugleich, wie wenig Andere eine vergleichbare Auffassung vertreten. Wir sind unsicher, ob die Einschätzung nicht doch zutrifft, eine spezifisch deutsche Neigung zur Gewalt und 33 eine spezielle Kriegsbereitschaft seien, wenn nicht Hauptursache, so doch zumindest wesentlicher Faktor für die offensichtlich über mehr als fünf Kriegsjahre hinweg fortdauernde Bereitschaft des großen Teils der deutschen Bevölkerung gewesen, ihrem “Führer” willig zu folgen. Diese deutschen Eigenschaften seien für 34 die Dauer und die Dimension des Zweiten Weltkriegs entscheidend geworden . Die 35 Bekämpfung jeder Form von Militarismus ist für breite Kreise in der Zivilgesellschaft selbstverständliche Bürgerpflicht, um dahingehend vermutete Neigungen und Absichten nicht manifest werden zu lassen. Das Grundgesetz nennt und begrenzt aufzählend die Einsatzmöglichkeiten der Streitkräfte, ihr oberster Soldat gehört nicht der Regierung an; der zivile Bundesminister der Verteidigung ist Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt.
8. Bis in die Neuzeit hinein wurde im Kontext mit zwischenstaatlichen Kriegen die
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Nach 1945 herrscht. zumindest in der westlichen Welt und in Russland weitgehend 38 Konsens, wonach Deutschland den “Zweiten Weltkrieg entfesselt” hat .. Diese - eine erneute Alleinschuld wie selbstverständlich implizierende - Wortwahl engt darüber hinaus doppelt ein, geographisch auf Europa und Nordafrika sowie zeitlich auf die Jahre von 1939 bis 1945. Zudem ist der 01. September 1939 als der Anfang einer im Wortsinne weltweiten Auseinandersetzung ein entweder recht willkürlich oder sogar sehr gezielt irreführend gewähltes Datum. Dabei werden aus den Vorjahren der 39 japanisch-chinesische Krieg von 1931 , der mit internationaler Beteiligung auf beiden Seiten unterstützte spanische Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 oder der Krieg Italiens gegen Abessinien 1935/1936 und der 1937 erneute Krieg Japans gegen 40 China sowie der russisch-japanische Grenzkonflikt der Sommermonate 1939 im Grenzdreieck Korea-Mandschurei-Sowjetunion ausgeklammert. Bei einer betont völkerrechtlichen Wertung müßte man auch sehen, dass das Vorgehen des Deutschen Reiches 1938 gegen die Tschechei mit militärischen Mitteln realisiert wurde; es handelte sich um eine Aggression, ein Eindringen unter deutlicher Verwendung militärischer Machtmittel, bei dem jedoch für die Einordnung als “Krieg” das Ele- 41 ment der Gegenwehr des Angegriffenen fehlte . Tatsächlich begann am 01. September 1939 zunächst “nur” der deutsche Überfall auf Polen als ein weiterer - und nach dem spanischen Bürgerkrieg - in Europa zweiter Krieg in diesem Jahrzehnt. Rein von der Anzahl der Staaten her, die sich im Kriegszustand befanden, wäre als Zeitpunkt der 03. September 1939 mit der förmlichen englischen und ebenfalls der französi- 42 schen Erklärung sowie den Folgekriegserklärungen weiterer Länder eher zutreffend. Mit der Kriegserklärung oder - falls sie unterbleibt - mit der Eröffnung der 43 Feindseligkeiten beginnt der Krieg . Hier ex-post zunächst die genannten Aus-einandersetzungen in der Welt der dreißiger Jahre wie kleine Scharmützel zu übergehen, um dann den Zeitpunkt des Beginns eines annähernd weltweiten Kriegszustands nicht mit der Vielzahl rechtsändernder Erklärungen sondern mit der politisch-moralischen Bewertung des schon laufenden Kriegshandelns einer Seite in einem bilateralen Konflikt zu fixieren, ist jedenfalls fragwürdig.
Aber selbst wenn man die kriegerischen Ereignisse vor 1939 und nach dem 08. Mai 44 1945 bis zur bedingungslosen Kapitulation Japans am 02. September 1945 außer Acht lässt und für Europa den spezifischen, nämlich auf Vernichtung gerichteten 45 Charakter der deutschen Kriegführung im Osten herausstellt , bleibt der Begriff doch eher psychologisch als historisch vertretbar. Kriege werden nicht entfesselt, vielmehr von einer Seite in der Hoffnung auf den Sieg erklärt oder begonnen. Die
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unterschwelligen Assoziationen des von seinen Fesseln befreiten Untiers korrespondieren mit der Kriegserinnerung der Menschen aller Nationen und aller Länder, die unter dem Krieg und den Deutschen gelitten haben. Die Chronologie der politischen Aktivitäten, der strategische Plan und die tatsächlichen Motive der Kriegshandlungen und -entscheidungen aller Beteiligten ergeben ein durchaus komplexes Bild. Hier sei für die deutsche Seite auf Hildebrands Darstellung zur deutschen Außen- 46 politik von 1933 - 1945 und für die Hauptkriegsgegner auf Hillgrubers Werk 47 48 über die Kriegsziele der Alliierten verwiesen . Jan Kershaw stellt in seinen “Fate- 49 ful choices” etwa am Beispiel der Situation der englischen Regierung im Mai/Juni 1940 heraus, welche innerstaatlichen Schwierigkeiten zu überwinden waren, um den Widerstand gegen Deutschland fortzusetzen und weiter “im Krieg” zu bleiben.
Nach dem deutschen Überfall auf Polen am 01. September 1939 entschieden in Paris und London verantwortliche Politiker, die durchaus Herr ihrer eigenen Handlungsspielräume waren, das politisch aus ihrer Sicht einzig Richtige zu tun und dem Expansionsstreben Hitler-Deutschlands nachdrücklich Einhalt zu gebieten. Sie erklärten dem deutschen Reich am 03. September 1939 förmlich den Krieg. Es ist hier nicht der Ort, 50 51 diese Erklärungen an der Völkerbundsatzung oder dem Briand-Kellogg-Pakt oder der rückwirkend maßgeblichen Rechtsprechung des Internationalen Militärgerichtshofs 52 von Nürnberg (International Military Tribunal - IMT ) zu messen. Beide Länder wollten den Kriegszustand mit Deutschland, den sie ohne Zwang durch eine äußere 53 Macht herbeiführten. Die an Polen im Vorfeld gegebenen Garantien sollten eher Deutschland beeindrucken als Polen schützen. Keineswegs wollten England und Frankreich damals Krieg gegen “die Nazis” führen oder etwa Deutschland vom Joch der Naziherrschaft befreien. Beide Länder nahmen ausschließlich die eigenen Interessen wahr, es gibt keine direkte Bedingtheit zwischen Naziherrschaft in Deutschland 54 und Kriegserklärung der Alliierten . Die Grenzen zwischen einem reinen Angriffskrieg und einem möglicherweise gerechtfertigten Präventivkrieg werden schwer zu ziehen sein. Hier sei nur an englische Pläne aus dem September 1939 zur Besetzung Norwegens mit dem Ziel der Sicherung des Zugangs zu den schwedischen Erzgruben in 55 Kiruna erinnert, an die tatsächliche Besetzung der Färoer-Inseln am 16. April 1940 und Islands am 10. Mai 1940 durch englische Kräfte, nur kurz nach Beginn des 56 deutschen Angriffs auf Dänemark und Norwegen am 09. April1940 , an die spätere 57 Besetzung Islands durch die USA im Juli 1941 , das Suez-Unternehmen Englands und Frankreichs im Jahr 1956, die Einsätze der NATO 1995 in Bosnien und 1999 im Kosovo oder den Irak-Krieg der USA.
Hofer verteidigt in seinem in der sechsten Auflage neu aufgelegten und ergänzten 58 Buch in einem einleitenden Kapitel unter der Überschrift: “Gibt es eine deutsche 59 Kriegsschuldfrage?” seine seit 35 Jahren vertretene These von der “Entfesselung” des Zweiten Weltkriegs durch Deutschland mit detaillierten Belegen aus dem aktuellen
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Forschungsstand. Tatsächlich hatte ja Hitler kriegerische Absichten, wie sie etwa das 60 Hoßbach-Protokoll nachzeichnet, mit den späteren Handlungen realisiert. Mit den Kriegserklärungen Englands und Frankreichs wurde aber seine Langfristplanung überholt und eine neue Kausalität gesetzt. Diesen Kriegserklärungen folgten auch unmittelbar Feindseligkeiten, deren in den Septemberwochen letztlich geringes Geplänkel Polen keine wirkliche Entlastung vom Angriffsdruck Deutschlands bot. Als Erklärung wird regelmäßig auf moralische Bedenken der Alliierten und fehlende waffentechnische und psychologische Einsatzfähigkeit ihrer Streitkräfte verwiesen. Beide Argumente sind weder einzeln noch in der Summe überzeugend. Wer einen Krieg erklärt, hat irgendwelche Skrupel bereits zurückgestellt oder sieht sich zumindest gerechtfertigt und hofft zudem, den Waffengang mit seinen Mitteln siegreich führen zu können. Jedoch beide Länder zögerten, so unterblieb der - allerdings nur bei Überwindung des deutschen Westwalls mögliche - schnelle Stoß in das Ruhrgebiet als das rüstungstechnische Zentrum des Reiches, den die deutsche Generalität mit guten Gründen fürchtete. Die Westgrenze Deutschlands war während der Kämpfe in Polen nur schwach gesichert. Es gab aus damaliger alliierter Sicht offensichtlich kein Kriegsziel, das den sofortigen großen Einsatz im Westen Europas gegen Deutschland, schon gar nicht gegen die “Nazis”, erfordert und gelohnt hätte und dabei vom Mehrheitswillen der Bevölkerung beider Staaten getragen worden wäre. Polen war ohnehin verloren. Nach der Niederlage Polens mußten sich die Politiker in London und Paris zudem vorsorglich die Frage stellen, wie wohl Russland regieren würde, wenn ein englisch/französischer Feldzug gegen den deutschen Westen eine Bedrohung oder Störung des deutsch-russischen Warenverkehrs und eine Verschiebung der politischen Gewichte in Europa verursachen würde. Ein eher langatmiges Konzept sollte die Wirkung einer Blockade herbeiführen und Deutschland im Norden von der Erzzufuhr und im Südosten vom Ölnachschub abschneiden. Hier sei nochmals auf Hillgrubers oben erwähnte Darstellung zu den alliierten Kriegszielen verwiesen.
2. Die Aufgabenstellung der Arbeit
Die nachfolgenden Darlegungen gehen zunächst der Frage nach, ob, und wenn ja in 1 welchem Umfang, von wann an und bis zu welchem Zeitpunkt der “Führer” als letztlich die Richtlinien der nationalsozialistischen Außenpolitik bestimmende zentrale Figur die Idee von einer Großmacht Deutschland auf dem Weg zur Weltmacht, ja zur Weltvormacht verfolgte und verkörperte. Es wird auszuleuchten sein, ob und inwieweit ein ideologisch verblendetes Konzept die Oberhand gewann, das sich in bestimmten Merkmalen der Persönlichkeit bereits am Anfang seiner politischen Laufbahn andeutet. Beides wird sich nicht völlig voneinander trennen lassen. Sein enormes politisches Talent, die charismatische Fähigkeit, Menschen und speziell große Men- schenversammlungen durch Reden und Ansprachen für sich einzunehmen und für seine
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2 Überzeugungen zu gewinnen , seine Bereitschaft, Politik als die Kunst des Möglichen ohne jedweden moralischen Skrupel zu betreiben, führten ihn auf eine Erfolgsspur zunächst ohne Beispiel. Sein erster deutlicher Misserfolg, die Kriegserklärungen Frankreichs und Englands nach dem deutschen Überfall auf Polen, beruhte auf der 3 Fehleinschätzung in der Haltung dieser Länder und ihrer Regierungen Dauerhaft erfolgreich konnte er nicht werden, weil seine fanatischen Grundüberzeugungen, Rassenlehre und Judenhass, ihm den in der Politik notwendig nüchternen Blick auf die weltpolitischen Realitäten in den entscheidenden Momenten versperrten. Dabei werden die Entwicklungslinien und Brüche sowie die Aktionen und nur Reaktionen im Handlungsbild herauszuarbeiten sein.
Auf dieser Grundlage aufbauend sind nachfolgende Fragen zu beantworten: 1. Erlauben die uns vorliegenden Erkenntnisse von der Persönlichkeitsentwicklung Hitlers den Schluss auf die frühzeitige Entwicklung und Existenz und weiter die systematische Verfolgung eines radikalen “Programms”?
2. Sind seine Maßnahmen folgerichtig und als Einzelschritte zum Ziel anzusprechen oder bestimmen vorrangig ideologische Motive den Entscheidungsgang? 3. Gibt es eine Zäsur, einen Zeitpunkt oder ein Ereignis, von dem an das Gesetz des Handelns ihm aus der Hand glitt und ein System der Aushilfen unter Zugzwang die planende Politik ablöste?
4. Scheiterten Hitlers Großmachtambitionen an seiner eigenen Ideologie und seinen rassistischen, antisemitischen Wahnvorstellungen? 4
Es wird der Versuch zu unternehmen sein, die im Einzelfall rücksichtslos mit hohem Risiko unternommenen Aktivitäten als Mosaiksteine eines zukünftigen Weltbildes oder als Zwischenziele auf dem Weg zur Realisierung einer Grundidee einzuordnen. Dann müßten die äußeren Ereignisse einer inneren Linie folgen. Ebenso gilt es zu verdeutli- chen, wo ein solcher Kontext nicht oder nicht mehr erkennbar wird.
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Teil I: Der Weg zum Führerstaat
3. Hitlers “Programm”
Bei der Beschäftigung mit Hitlers Plänen, Zielvorstellungen, Absichten und Visionen 1 versteht man heute unter dem überwölbenden Begriff “Programm” die großen und letzten Ziele der konsequenten Machtpolitik sowie die dafür notwendigen Schritte. 2 Das machtpolitische “Programm” ist deshalb klar vom Parteiprogramm seiner Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) abzugrenzen. Hitler fixiert keineswegs eine aufzählbare Reihe von Einzelzielen. Der Ausdruck beschreibt die ausschließlich in der Person des “Führers” als Gedankengebäude manifesten Vorstellungen von der in eine fernere Zukunft projizierten Stellung Deutschlands in der Welt.
Von einem solchen “Programm” mit hinreichend konkretisierten Inhalten lässt sich in der frühen Kampfzeit von 1919 - 1923 kaum sprechen. Hildebrand verweist auf die in dieser Zeit noch durchaus konservativen und an die Politik der Kaiserzeit erinnernden 3 Gedanken in Hitlers außenpolitischen Äußerungen . Der Eindruck des von den “No- 4 vemberverbrechern” ohne Not erbetenen Waffenstllstands und der erklärten Niederlage Deutschlands dürfte restaurativen Gedanken gebührend Raum verschafft haben. Die Wiederherstellung des zertrümmerten (Kaiser-)reichs ist ein vages Wunschbild, aber es bleibt noch weit entfernt von einem halbwegs strukturierten Programm für ein zukünftiges Großreich unter deutscher Vorherrschaft. Dieser Bewertung steht keineswegs Hitlers schon damals überbordender Nationalismus und Antisemitismus und auch nicht sein manischer Blick zum ”Lebensraum im Osten” entgegen. Die formalen Umstände der Verhandlungen in Versailles, zunächst nur unter den alliierten und assoziierten Mächten, dann Konfrontation des besiegten Reiches mit einem für nicht 5 abänderbar erklärten Vertragsentwurf , die Symbolkraft des nicht zufällig gewählten Orts der Ausrufung des Deutschen Reichs am 18. Januar 1871 für die Unterzeichnung, hatten den Charakter eines kompromißlosen Diktats ohne jede caesarische clementia. Die belastenden Bedingungen (Reparationen in Geld und Waren, Verlust großer Territorien, Ablieferung/Internierung der Kriegsflotte) und erniedrigenden Inhalte ( Alleinschuldartikel) weckten zwangsläufig heftige nationale Emotionen, auch 6 ohne weitergehende machtpolitische Ambitionen . Erst in der Summe konnte aus den unterschiedlichen Faktoren der Charakterzüge, den ersten Prägungen, traumatischen Kriegserlebnissen sowie den Verhältnissen im Nachkriegsdeutschland eine Überzeugung entstehen, die mit unterschiedlichen Gewichten aus machtpolitischem Ehrgeiz 7 und ideologischem Fanatismus resultierte. Jäckel sieht im Zeitraum von 1919 bis 1924 in Hitlers außenpolitischem Konzept Wandlungen vom ”gewöhnlichen Revisio- nismus zum Lebenraumimperialismus”.
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8 Haffner ist genauer, wenn er eine Unterscheidung vornimmt .Danach war der innenpolitische Teil des “Programms” gewissermaßen als Schlussfolgerung aus der” unnötigen” Niederlage Deutschlands vom November 1918 bei Hitlers tatsächlichem Beginn 9 seiner politischen Arbeit im Oktober 1919 weitgehend strukturiert . Neben und nach diesem innenpolitischen Programmteil habe Hitler in den Jahren nach 1919 die außenpolitischen Ideen entwickelt, die er später in seiner Kampfschrift artikulierte.
Dabei wäre es zu einfach, Hitlers Programmatik nur als Produkt aus einem übersteigerten Nationalismus und Antisemitismus unter der Klammer eines rücksichtslosen Machthungers anzusehen. Auf dieser Linie bewegt sich eine zu vordergründige Bewertung. Sie stützt sich auf Hitlers Selbstzeugnis in seinem Buch “Mein Kampf”, das heißt eigentlich nur auf die prophetische Aussage im 14. Kapitel über “Ostorientierung oder Ostpolitik”, die in der Prognose des Autors gipfelt: “Deutschland wird 10 entweder Weltmacht oder überhaupt nicht sein” . Tatsächlich ist das Werk, das ohne Änderung immer wieder neu aufgelegt und in Millionen von Exemplaren verbreitet wurde (Standesämter überreichten es dem Brautpaar bei der Trauung, es dürfte nach der Bibel das meistgedruckte Buch weltweit sein), immer wieder als schwer lesbar und über weite Strecken unverständlich eingestuft worden. Es gibt dafür eine banale, aber einleuchtende Erklärung. Mit diesem Argument konnte man dem Druck zur Lektüre der mehr als 700 Seiten damals vielfach ausweichen, heute will kaum noch jemand sich ernsthaft mit dem Machwerk auseinandersetzen. Hinzu kommt, dass es in Deutschland durch Strafandrohung nach § 86 des Strafgesetzbuchs nicht gedruckt oder vertrieben werden darf. Von der Befürchtung ganz zu schweigen, man bewege sich in geistiger Nähe zum Nationalsozialismus. Jaeckel kommt etwas überraschend zu einem gegen- 11 12 teiligen Ergebnis , er wagt es sogar hier einen “ungewöhnlichen Geist” des Urhebers zu attestieren, der zugleich “eine ungewöhnliche politische Kraft” bildete. Hitler habe in einem dreistufigen Prozeß zunächst vorhandene Ansichten - Antisemitismus und Revisionismus - aufgenommen, sie im zweiten Takt zu Radikalisierung und Expansionismus verstärkt und schließlich auf der dritten Ebene mit weiteren Elementen wie Daseinskampf und Sieg des Stärkeren zu einer geschlossenen Weltanschauung zusammengeführt. Um zu diesem durchaus innerlich distanzierten Urteil zu kommen, muss man allerdings zunächst Hitlers schwierigen Stil akzeptieren und sich darauf einlassen, seinen Gedankengängen zu folgen.
Hitlers Selbstverständnis erschöpfte sich aber gerade nicht in der Entwicklung und Ausformulierung eines Programms für eine innere und äußere Ordnung eines Gemeinwesens. Derartige Anschauungen und Überzeugungen bleiben im Regelfall theoretische Gedankengebäude wie etwa bei Staatsrechtsphilosophen oder Gesellschaftskritikern wie Karl Marx. Bei Hitler geht im November 1918 der unter dem Schock der Verkündung des Waffenstillstands geborene Entschluss voraus, “Politiker zu 13 werden” . Damit findet das spätere hitlersche Programm in seiner eigenen Person
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bereits eine Figur vor, die sich energisch für die Verwirklichung einsetzen wird. Hitler ist also nach seiner Selbsteinschätzung zugleich Politiker und Programmatiker, wobei er dieser Kombination Seltenheitswert zuspricht und sie deshalb für sich mit einem 14 spürbaren Stolz in Anspruch nimmt .
Radikaler Antisemitismus, die Überzeugung von unterschiedlicher Wertigkeit der Rassen und die Vorstellung von einem Großreich, keineswegs von einem Großdeutsch-land, verschmolzen zu einer spezifischen Vision . Hitler war nicht auf das deutsche Volk, die deutsche Nation fixiert. Überwölbend war für ihn die Rasse als Herrenrasse im von ihr beherrschten Raum. Eine Bestätigung für diese Fundamente seiner inneren Haltung findet sich später in der unterschiedlichen Behandlung der nordischen Bewohner Dänemarks und Norwegens nach der Besetzung und der slawischen Völker im Russlandfeldzug. Dass er sich mit der engeren deutschen Bevölkerung keineswegs identifizierte und von ihr “eiskalten” Abstand hielt, hat er bei zwei entlarvenden 15 Gelegenheiten währen des Krieges selbst gesagt.
Hitlers “Mein Kampf”aus dem Jahr 1923 enthält keineswegs bereits das endgültige “Programm”, mögen diese Ideen in drei späteren Dokumenten aus den Jahren 1932-1934, 1941-1942 und 1945 auch wieder auftauchen. Die von Haffner (s. o.) herausgestellten unterschiedlichen Entstehungszeiträume des innenpolitischen und des außenpolitischen Programms und das unterschiedliche Gewicht in seinem Buch sprechen gegen ein bereits ausgeformtes außenpolitisches Konzept in dem frühen Zeitpunkt. Allein der tatsächlich ab September 1939 in Europa geführte Krieg belegt nicht überzeugend, dass dem noch politisch unerfahrenen Hitler des Jahres 1923 bereits ein Krieg, ein großes weltweites Ringen unter Beteiligung der USA als Gegner vorschwebte .In den der Außenpolitik gewidmeten Kapiteln 13 - 15. des zweiten Bandes von “Mein Kampf” ergeht Hitler sich eher pathetisch-schwülstig über die Lage und die Absichten der großen europäischen Mächte, die “richtige” deutsche Außenpolitik und den derzeitigen Rang Deutschlands unter den Staaten. Der beispielhafte Satz: “Unsere Aufgabe..ist, unser eigenes Volk zu der Einsicht zu bringen, dass es sein Zukunftziel nicht im berauschenden Eindruck eines neuen Alexanderzuges erfüllt sieht, sondern vielmehr in der emsigen Arbeit des deutschen Pfluges, dem das Schwert nur den Boden zu geben hat”, sprechen eher gegen ein Weltmachtkonzept. Reinhardt zitiert eine Äußerung Hitlers, der im November 1941 der Meinung war, dass “der europäische Raum, den Deutschland sich durch seine bisherige Kriegführung gesichert habe, für die 16 Zukunft des deutschen Volkes ausreichend ....sei .
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4. Die zwanziger Jahre - Umrisse eines Weltbilds
Der am 20. April 1889 im österreichischen Braunau am Inn geborene Adolf Hitler kehrte 1918 als Gefreiter, dekoriert mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse, aus einem Krieg zurück, den das Kaiserreich zwar im Osten im Jahr 1917 mit dem Diktatfrieden von Brest-Litowsk überlegen hatte beenden können. Im Westen hatten sich die Verhältnisse anders entwickelt. Nach definitiver Erschöpfung der militärischen Kräfte hatte die Oberste Heeresleitung die Politik ultimativ aufgefordert, Waffenstillstandsver-handlungen mit den Alliierten aufzunehmen. Die Reichsregierung akzeptierte als Vorbedingung die 14 Punkte des US-Präsidenten Wilson und ab 11. November 1918 schwiegen die Waffen, während die deutschen Truppen überall noch im Ausland standen.
Vor diesem Hintergrund keimte bei vielen Soldaten aller Ränge und in weiten, nicht nur deutsch-national oder konservativ gesonnenen Kreisen der Zivilbevölkerung die 1 Dolchstoßlegende , weil man sich in völliger Verkennung der tatsächlichen Lage “im 2 3 Felde unbesiegt” wähnte. Diese Gefühl dürfte auch den “böhmischen Gefreiten” beseelt haben. .Für ihn war die Bekanntgabe des Waffenstillstands am 11. November 4 1918 ein tiefgehender Schock, ein Erweckungserlebnis , das seinen Entschluss aus- 5 löste, Politiker zu werden . In seinen Augen hatten die politischen “Novemberverbrecher” den Krieg ohne militärische Notwendigkeit verloren gegeben. Hier liegt eine Wurzel für seine später regelmäßig polemisch gerittenen Attacken gegen die 6 Reichsregierung, die das “Diktat von Versailles” angenommen hatte.
Bei diesen Angriffen gegen die offizielle deutsche Politik zeigte sich früh eine außergewöhnliche rhetorische Begabung und das in der Tat bemerkenswerte Gespür Hitlers, verbreitete Stimmungen und zum Teil nur unbewusste Abwehrhaltungen der Bevölkerung aufzunehmen, mit griffigen Formulierungen für die Angesprochenen fassbar zu machen und so propagandistisch auszunutzen. Ganz offensichtlich beruhte seine Fähigkeit, einen Zuhörerkreis und letztlich eine große Menschenmenge rednerisch einzufangen, in seinen Bann zu schlagen und Begeisterungsstürme zu entfachen, auf einem sehr spezifischen und überstark ausgeprägten demagogischen Talent, einer 7 persönlichen Ausstrahlung, der sich nur Wenige zu entziehen vermochten Hitler war sich dieser Eigenschaft sehr bewusst, er setzte sie als Trommler seiner Partei erfolg- 8 reich ein und versicherte sich später so der Zustimmung weiter Bevölkerungskreise .
9 Am 16. September 1919 trat Hitler als Mitglied Nr..7 der von Anton Drexler am 05. Januar 1919 gegründeten “”Deutschen Arbeiterpartei” bei; sie war als “Nationalsozia- 10 listischer Deutscher Arbeiterverein” ins Vereinsregister eingetragen worden . Das Programm der dann Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) vom
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25. Februar 1920 umfasste nach einer Präambel 25 Einzelforderungen. Hier taucht zwar die Forderung (Nr. 3) nach Land und Boden zur Ernährung des Volkes und Ansiedlung des Bevölkerungsüberschusses auf, konkrete Territorien sind aber nicht benannt.
Aus heutiger Sicht ist wie selbstverständlich die NSDAP im politischen Spektrum ganz rechts und extremistisch einzuordnen. Anknüpfungspunkte liefern die Überbetonung des völkisch-deutschen Elements, die rassistischen Parolen und die erklärt antisemitischen Programmsätze. Jedoch rechtfertigt ein Blick auf das Gesamtprogramm diese plakative Zuordnung nicht. Schon der im Namen auftauchende Teilbegriff “...sozialistisch” und der Parteiname als “Arbeiterpartei” weisen zur anderen politischen Seite. Unter den Exponenten des NS-Apparates steht Joseph Goebbels für diese 11 eher antikapitalistisch.-sozialistische Richtung . In diesem Umfeld war man durchaus russophil und sah eine ideologische Nähe zu den Kommunisten. So sah sich durch die Unterscheidung zwischen dem “schaffenden” und dem “raffenden” Kapital das Bankgewerbe durchaus bedroht. Der Gegensatz zum Mainstream der NSDAP und damit zu Hitlers eigenen Auffassungen wurde nicht wirklich ausgeräumt, vielmehr fand Goebbels schließlich eine Brücke mit der von ihm entwickelten Definition, wonach Sozialismus die “Überordnung des Volksbegriffs über den Individualbegriff” bedeute. Hitler selber spricht von sich und seiner Partei im Plural regelmäßig mit der Wendung. “Wir Nationalsozialisten..”. Nach dem im “Horst-Wessel-Lied” immer wieder gesungenen Credo der Nationalsozialisten waren die politischen Gegner sowohl die “Rotfront” 12 13 auf der einen Seite als auch die “Reaktion” am anderen Rand des Spektrums .”. Heuss sieht als Generalnenner aller Gruppen, die zur NSDAP stießen, die gemeinsame anti- 14 kapitalistische Gesinnung .
Hierher gehört eine Begriffserklärung. Im Alltag sprach und spricht heutzutage niemand von “Nationalsozialisten”, üblich ist die Bezeichnung “Nazi” oder für die vorgeblichen Nachfolger “Neonazi”. Das Wort soll - ähnlich wie “Sozi” für Sozialisten/Sozialdemokraten - herabsetzend wirken oder die Betroffenen zumindest lächerlich machen. So muss, wer einen Sozialisten oder Sozialdemokraten als “Sozi” bezeichnet, mit einer Beleidigungsklage rechnen. Es kommt im Fall der NS-Anhänger jedoch eine politische Absicht hinzu. Anders als das Langwort vermeidet die Abkürzung jede Assoziation mit der linken Domäne des Sozialismus und etikettiert “Nazis” plakativ als durchgehend rechtsextremistisch.
Ein Streben nach Vormacht oder Herrschaftsposition in der internationalen Umgebung ist im Parteprogramm der NSDAP nicht enthalten, als Forderung Nr. 3 erscheint das Verlangen nach Gleichberechtigung des deutschen Volkes gegenüber anderen Nationen. Der Ungeist des Nationalsozialismus kommt in Nr. 4 zum Ausdruck: “Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer
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deutschen Blutes ist, ohne Rücksicht auf die Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein”. Eine genauere Lektüre ergibt, dass in mehr als der Hälfte der 25 Punkte 15 des Parteiprogramms Forderungen gegen die Juden enthalten sind. Picker sieht in Hitlers Entscheidung für das Hakenkreuz als Symbol der NSDAP die Anknüpfung an das alte, weit verbreitete Kult-Zeichen der Germanen für die Sonne, das Gute und das Glück und zugleich ein Abwehr-Symbol gegen alles Jüdische, weil den Semiten dies 16 Heilszeichen unbekannt gewesen sei .
Der so dezidiert in das Parteiprogramm aufgenommene Antisemitismus war nun keineswegs neu oder überraschend. Noch weniger war er typisch deutsch. Er fand sich während der Industrialisierungsphase des 19. Jahrhunderts als reflexhafte Abwehr der Moderne. Die Produktion in großen Fabriken erforderte Kapital. Im Geld- und Kreditgeschäft waren jüdische Kaufleute lange vor den noch feudalistisch strukturierten Völkern Europas engagiert. Jüdische Bankiers kannten, betrieben und förderten die 17 moderne kapitalistische Konkurrenzwirtschaft . In der besonderen Nachkriegssituation nährte sich der Antisemitismus aus der vielerorts willig aufgenommenen Vorstellung, das Versagen in der Heimat hinter der Front, der Dolchstoß, sei auf planvolle und gezielte Aktionen der Juden zurückzuführen. Die Mär wurde um so leichter geglaubt, weil die Lehre von der unterschiedlichen Veranlagung verschiedener Rassen im ausgehenden 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit pseudo-wissenschaftlichen Argumenten durchaus Anhänger gefunden hatte. So reichte es aus, auf die vielerorts sichtbaren Erfolge der Juden im Geschäftsleben und ihre internationalen Kontakte hinzuweisen, um Vorbehalte aufzubauen. Die recht abenteuerliche Version fand durchaus Anhänger, wonach die weltweit agierenden Juden planvoll die deutsche Industrie geschwächt und die alliierten Produktionskräfte gestärkt hätten, um so den tatsächlichen Ausgang des Krieges herbeizuführen. Tatsächlich dürfen eher Neid und Mißgunst einen erheblichen Anteil an dem zur Schau getragenen Antisemitismus gehabt haben.
Hitler selber versucht später den Eindruck zu vermeiden, er habe einfach die Vorurteile seiner Umgebung gegen die Juden übernommen. Er will “das Wirken des jüdischen Volkes in ruhiger Klarheit einer Betrachtung unterzogen” haben. Zwar muss eher im Bereich der Vermutungen die Frage nach den frühesten Gründen und dem ersten Äußern antijüdischer Vorurteile bleiben. Die Quellenlage weist dann aber schon konkret in eine eindeutige Richtung. Danach ist zumindest für seine Jahr ein Wien, das heißt bis 1913, neben einem extrovertierten Nationalismus - er meldete sich im folgenden ersten Kriegsjahr 1914 freiwillig als Soldat - auch ein virulenter Antise- 18 mitismus belegt . Es erscheint richtig, hier ein Segment seiner Persönlichkeit weiter auszuleuchten. Offensichtlich hatte sich bei Hitler bereits 1920 die Grundüberzeugung von einer jüdischen Weltverschwörung und einem systematischen, im Verborgenen 19 agierenden Streben nach umfassender Beherrschung der ganzen Welt gebildet . Auch
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der frühe Demagoge Hitler wird keine Bedenken gehabt haben, bewusste Unwahrheiten in eine Rede einzuflechten, aber die Häufung und die wechselnden Lebensbereiche, für die er den schädlichen jüdischen Einfluss entdecken zu müssen glaubte, nötigen zu dem Schluss, dass er in dieses Phase bereits weit über den in seinem Umfeld gepflegten Antisemitismus hinaus einen fanatischen, krankhaften Judenhass entwickelt hatte. Sonst wäre kaum erklärlich, warum er sich -wenn auch auf einer Parteiversammlung- nicht scheute, im Umgang mit Juden Unrecht für richtig und 20 Inhumanität für gerechtfertigt zu erklären .
Die Breite und Tiefe der hier schon sichtbaren Charakterzüge erlaubt den noch spekulativen Blick in die Zukunft der Persönlichkeit. Hitler wird mit allen Mitteln für seine extreme Form des Antisemitismus werben, ihn auf seine Fahnen schreiben und damit eben einen wesentlichen Teil seines politischen Programms bestreiten. Sodann wird er jedes ihm zukünftig zuwachsende Machtmittel mit Schwerpunkt antijüdisch einsetzen. Schließlich ist es dann nur logisch, wenn er seine feste Überzeugung vom Weltherrschaftsstreben der Juden als Ausgangspunkt nimmt, um selber eine herrschende Position anzustreben und so den Juden entgegenzutreten.
Andererseits liegen aus der “Kampfzeit” in den Jahren bevor Hitler 1924/1925 das Manuskript seines Buches “Mein Kampf” diktierte, keine verwertbaren Quellen vor, aus denen sich auf ein schon damals bestehendes Weltbild Hitlers als Vision oder Ziel eines langen Marsches seiner Ideen durch die Köpfe und Herzen der noch zu findenden und zu begeisternden Mitkämpfer schließen ließe. Die äußeren Umstände, das Umfeld der noch kleinen Gruppe nationalistisch gesinnter Genossen, die traumatischen Kriegserlebnisse sprechen eher dagegen. Die Formulierungen zu außenpolitischen Fragen sind nur in den letzten drei von insgesamt 27 Kapiteln enthalten. Sie weisen keineswegs schon klar in Richtung eines damals in der Person angelegten Strebens nach Weltherrschaft. Wenn Hitler als Ziel künftiger Außenpolitik des Deutschen Reiches die “Ostpolitik im Sine der Eroberung der notwendigen Scholle für unser 21 deutsches Volk” aufzeigt, wissen wir heute, dass er damit überraschend deutlich, seine späteren Zielvorstellungen zu erkennen gab. Die Forderung erhält durch ein weiteres Element eine besondere Bedeutung. Auch wenn die Informationen über den Ablauf der russischen Oktoberrevolution nicht unbedingt ungeprüft richtig waren, entwickelte sich doch in Deutschland die instinktive Furcht vor ähnlichen Verhältnissen. Es war nicht zuletzt Hitler, der in seinen Reden die Bolschewisten mit übelster 22 Polemik verächtlich machte . So konnte sich die Forderung nach Lebensraum im Osten quasi mit dem Streben nach Abwehr der marxistischen Revolution und der “Vernichtung und Ausrottung der marxistischen Weltanschauung” verbinden.
Erhebliche Vorbehalte sind aber gegenüber den eher unbestimmten Andeutungen eines Strebens nach der weltbeherrschenden Position angebracht, wenn man sie über-
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haupt so verstehen kann. Der vorletzte Satz im “Schlusswort” seines Buches lautet: “Ein Staat, der im Zeitalter der Rassenvergiftung sich der Pflege seiner besten rassi- 23 schen Elemente widmet, muss eines Tages zum Herrn der Erde werden.” . Hier zeigt sich die rassenideologische Verbohrtheit in ihrer schon pathologischer Dimension. Damit kommt Hitlers Überzeugung von der Überlegenheit der reinen Rasse zum Ausdruck. Es ist eine apodiktische These, hinter der noch kein Programm verborgen wird. Als Programmsatz eines langfristigen Weges ist die Passage im Zeitpunkt ihrer Entstehung überbewertet. Rauschning schreibt Hitler später den Begriff des “Welt- 24 volks” zu .Danach definiert Hitler selbst so nur die Nation, die völlig unabhängig in dem eigenen Raum leben und sich militärisch verteidigen kann. Als Beispiele nennt Hitler Russland, die USA und England, auch Frankreich bis zu einem gewissen Grade. Die Äußerung ist wenig geeignet, um auf ein schon 1923 vorhandenes Weltmachtstreben rückzuschließen.
Ein Weltherrschaftsstreben oder ein darauf ausgerichtetes inneres “Programm” ist in dieser Phase auch nicht hinter der Verwendung des Begriffs ”Weltmacht” zu vermuten. Eine dahingehende Interpretation würde voraussetzen, dass Hitler im Kontext bewusst zwischen Großmächten und einer alle übrigen übertrumpfenden Weltmacht unterschieden hätte. Vielmehr wollte er den weltweiten Rang einer Macht skizzieren und für Deutschland einen entsprechenden, mit anderen großen Mächten wie etwa den 25 England oder USA ,vergleichbaren Rang anmahnen . “Deutschland wird entweder Weltmacht oder überhaupt nicht sein. Zur Weltmacht aber braucht es jene Größe, die ihm in der heutigen Zeit die notwendige Bedeutung und seinen Bürgern das Leben 26 gibt” . Insoweit vermutet Funke mit Recht die “Weltherrschaft” in Hitlers Vorstellung eher als visionäres Kraftzentrum und weniger als gestaltbaren Endzweck 27
Ex post sieht man heute, dass sich Hitlers frühe programmatische Äußerungen und seine spätere Politik bruchlos ineinander fügen. Unter diesem Aspekt - so lautet der Vorwurf - hätten Hitlers innen- und außenpolitische Widersacher und Verhandlungspartner sehr viel sorgfältiger seine Kampfschrift lesen sollen und sie wörtlich nehmen. Die bei Hitler zu findende “absolute Übereinstimmung und Folgerichtigkeit im Denken und Handeln” vom Beginn seiner politischen Aktivitäten über seine Zeit als diktatorischer Staatsmann bis zum Ende in seinem “politischen Testament” vom 29. April 28 1945 drängt den Glauben an die frühe Zielprojektion förmlich auf. Die Sichtweise ist mangels entgegenstehender Fakten auch kaum widerlegbar. Es wäre aber problematisch, alle Äußerungen Hitlers aus seiner Frühzeit, die auf gewaltsame Eroberungspläne deuten, ungeprüft zu lassen, die verbindlicheren Formulierungen etwa ab 1933 oder die Friedensbeteuerungen als Reichskanzler einfach in den Bereich der Irreführung und Taktik zu verweisen. Man sollte bei der Beurteilung mit der gebotenen Vorsicht zu Werke gehen. Für den Parteiführer Hitler und den späteren Reichskanzler galt gleicher- maßen der eherne Lehrsatz von der Politik als der Kunst des Möglichen. Nimmt man
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die Erfahrungstatsache hinzu, dass jeder erzielte Erfolg den Schritt zum nächsten Erfolg erleichtert, liegt es näher, in seinen frühen Thesen eben nur die These und noch nicht das mehr oder weniger geschlossene Handlungskonzept zu sehen. Erst unter dem Eindruck der stetig besseren Ergebnisse konnte sich aus ersten Ideen und Überzeugungen ein nimmersatter Größenwahn als politische Leitlinie entwickeln.
Wesentlicher Teil der Persönlichkeitsstruktur Hitlers war seine fast animalische Auffassung von der Natur des einzelnen Menschen und auch der menschlichen Gruppierungen, zum Beispiel der Staaten. Er lebt in der bereits von Thukydides artikulierten Vorstellung, wonach das Leben ein ständiger Kampf ist, der von den Individuen und Gruppen ohne Erbarmen um die Nahrungsquellen und als Staat um die Beherrschung des Lebensraums für die eigene Bevölkerung zu führen ist. Weil Freiräume nicht vorhanden sind, gilt das eherne Recht des Stärkeren, der den Schwächeren verdrängt und unterdrückt. “Mit der Unabdingbarkeit eines Naturgesetzes wird dabei der Stärkere die Herrschaft über Schwächere erstreben und auch gewinnen., soweit es dem Schwächeren nicht gelingt, Maßnahmen zu treffen, durch die er sich schützen oder gar selbst 29 zum Stärkeren machen kann” . Aus Hitlers Sicht ist der Stärkere - dem Naturgesetz folgend - zugleich der Bessere. Irgendwelche moralischen Skrupel finden in diesem Weltbild keinen Platz. Richtige und damit gute Außenpolitik wird sich daher stets und ausschließlich von der Maxime leiten lassen müssen, ob sie dem eigenen Volk nützt. Entscheidungskriterien wie “Recht und Unrecht”, “Gut und Böse” sind dieser Betrachtungsweise völlig fremd. Sie können lediglich mittelbaren Einfluss gewinnen, wenn eine beabsichtigte Vorgehensweise auf voraussichtliche Zustimmung stoßen wird und deshalb weniger Widerstand zu überwinden sein dürfte.
5. “Programm” und (Außen-)politik nach dem 30.Januar 1933
Aus den Wahlen im November 1932 waren die Nationalsozialisten mit einem Verlust von zwei Millionen Stimmen und 34 Mandaten im Reichstag aber als relativ stärkste 1 Partei hervorgegangen. Fest schildert detailliert die Verhältnisse im Vorfeld des 30.Januar 1933. Er analysiert, warum und durch welche Winkelzüge die eigentlich noch mächtigen Staatsmänner sich gegenseitig ausmanövrierten, sodass als Ergebnis an Hitler als dem Repräsentanten der relativ stärksten Partei nicht vorbeizukommen war. In der Regierung der nationalen Konzentration standen dann den drei Nationalsozialisten acht konservative Minister gegenüber. Anders als Hitler, der in seinem ungebrochenen Machtwillen genau und zielstrebig für seine vorgeblich überparteiliche nationale Revolution Rückhalt fand, traten die Konservativen im Kabinett nicht als homogene Gegenkraft in Erscheinung.
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2 Fest betont ein massenpsychologisches Element. Er stellt überzeugend heraus, dass das öffentliche Bewusstsein in den Erscheinungsformen und Ritualen der neuen Machthaber, er nennt beispielhaft Massenschwüre, Führeransprachen oder Höhenfeuer, den Ausdruck einer bis dahin lange vermissten durchgreifenden Energie zu erkennen 3 meinte . Mit dem 30. Januar 1933 setzte ein großes Überlaufen zu den Nationalsozia- 4 listen ein . Damit entkräftet Fest die von nachdenklichen und kritischen Köpfen oft angestellte Vermutung, die Machtergreifung sei vielleicht kein historischer Unfall, aber jedenfalls durch Intrigen und Verschwörungen gelungen. Hitler kam eben keineswegs 5 wie der Dieb in der Nacht . Der Vollständigkeit halber sei hier eingeflochten, dass,, wie es Klaus Hildebrand formuliert, “der allgemeine Lauf der Dinge” die “erstaunlich 6 reibungslose Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur begünstigte” . Seit Mussolinis Marsch auf Rom im Jahr 1922 waren in Europa autoritäre Regierungen etwa in 7 Bulgarien, in Spanien, in der Türkei, in Albanien und in Portugal entstanden .
Wenn aber Fest als Quintessenz des Ablaufs der Ereignisse bis zur Machtübernahme folgert, Hitler habe mit seinen Reden aufgedeckt, was er unverrückbar angesteuert hat, 8 nämlich, Diktatur, Antisemitismus und Lebensraumeroberung , fehlt ein verbindendes Glied, das die langfristig bestehende Zielvorstellung und das unverrückbare Ansteuern für alle drei Teilziele hinreichend belegt. Natürlich waren der Antisemitismus ebenso wie die Forderung nach Lebensraum im Osten Teil des Parteiprogramms der NSDAP 9 und auch von Hitlers “Programm”. Bracher spricht in diesem Zusammenhang von den “Grundemotionen seiner Weltanschauung”. Danach hat Hitler seit seiner Zeit in Wien vor allem anderen am Antisemitismus und Antislawismus festgehalten. Zugleich kommt Bracher aber zu der relativierenden Erkenntnis, dass der “Machtergreifungs-und Herrschaftspolitik” Hitlers weder eine” konsistente Philosophie noch ein detailliert vorentworfener Meisterplan” zugrunde lag. Die häufige Annahme, Hitler sei mit einem 10 fertig entworfenen politischen Programm Reichskanzler geworden lässt sich nicht auf den damaligen Faktenstand stützen. Sie unterlegt den späteren Entschlüssen Hitlers bis hin zum Krieg einen von einer großen Idee getragenen Gesamtplan. Aber nur weil es so sein kann, muss es nicht so gewesen sein..Die paranoiden Wesenszüge Hitlers, sein ideologisch verstelltes Menschenbild, sein abgrundtiefer Hass auf alles “Andersartige” und “Minderwertige” lassen Zweifel an der Existenz eines rationalen Konzepts berechtigt erscheinen.
Bereits wenige Tage nach der Machtübernahme, am 03. Februar 1933, traf Hitler erstmals die höchsten Militärführer des Reiches im Rahmen eines “privaten” Abendes- 11 sens . Ein Protokoll des Gesprächs besteht, was nach den Umständen der Veranstaltung naheliegt, nicht; es gibt lediglich nachträglich angefertigte Notizen eines 12 Teilnehmers . Der frühe Zeitpunkt und die fehlende Protokollierung reichen aber nicht aus, um hier die für alle Teilnehmer überraschende Verkündung eines geheimen Aufrüstungs- und Expansionsprogramms zu erkennen. Es wäre eher im Gegenteil
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überraschend gewesen, wenn der Trommler und Einpeitscher der NSDAP, ihr Führer und politischer Kopf, sich unmittelbar nach der Übernahme der Regierungsverant-wortung ausgerechnet in diesem Rahmen von seinen bisherigen Erklärungen distanziert hätte. Es ist nur logisch, wenn Hitler als Ziel der Gesamtpolitik die Wiedergewinnung der politischen Macht herausstellt. Dazu gehört u. a. der Aufbau der Wehrmacht. Nach Erlangung der politischen Macht sollen möglichst neue Exportmöglichkeiten erschlossen oder soll - besser - Lebensraum im Osten gewonnen und germanisiert werden. Tatsächlich dürften die hauptsächlich in der Kaiserzeit militärisch geprägten Generale und Admirale den Ausführungen des “Gefreiten Hitler” eher mit einer Mischung aus neugieriger Erwartung und innerer Reserve als mit Respekt gelauscht 13 haben . Insgesamt ist die Rede Hitlers hier überbewertet, wenn man sie als “geheim” kolportiert und in ihr die ersten deutlichen Hinweise auf systematisch beabsichtigte Weltkriegspläne identifiziert.
Bedrückende Beispiele für das damals vorherrschende politische Meinungsklima und die auf dieser Basis verbreitete Bereitschaft, nationalsozialistische Vorstellungen zu legalisieren, liefert ein Blick in die Gesetzgebung des Reiches in den Jahren 1933 und 14 1934 .
6. Parteiprogramm und Führerwille
Weder das Parteiprogramm der NSDAP noch Hitlers “Programm” enthalten direkte Hinweise oder liefern zumindest unübersehbare Indizien für den absoluten Machthunger, ja die Machtbesessenheit seiner Person. Vielmehr finden sich Anzeichen für diesen fast pathologisch überbordenden Wesenszug etwa in seiner oben bereits beschriebenen Überzeugung vom “Recht des Stärkeren”. Für ihn verbindet sich damit nichts Negatives, wie es etwa die resignierende Erkenntnis “Gewalt geht vor Recht” ausdrückt. Im Gegenteil ist für Hitler die Natur ausschließlich vom Naturgesetz des Rechts des Stärkeren gesteuert, also wird die Gewaltanwendung des Stärkeren eben durch die Natur legitimiert. Nicht die Orientierung an den Kriterien von “Gut und Böse”, sondern das Gewinnen der Oberhand, der Sieg und die gewaltsame Überwindung des Anderen oder der Anderen schafft Recht. Demnach wird man durch Erlangung der Machtposition nicht zum Diktator oder Willkürherrscher, die Ausübung der Macht ist Vollstreckung eines Naturgesetzes. Es leuchtet ein, dass für solche Grundüberzeugungen vom ewigen Kampf um den Sieg der Krieg mehr als der Frieden den Normalzustand darstellt. Es ist deswegen ungenau, in Hitlers Handeln und in seiner Politik das planvolle Vorbereiten des von ihm von Anfang an beabsichtigten 1 großen Krieges um die Großmacht- oder Weltmachtstellung zu sehen . Er denkt nicht in den Kategorien eines Angriffs- oder Verteidigungskriegs, weder im moralischen noch im engeren militärstrategischen Sinn. Er will gerüstet sein für den ohnehin
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kommenden und unvermeidbaren Krieg um die Lebensinteressen des deutschen Volkes.
In dieser Vorstellungswelt hat das Recht weder eine Ordnungsfunktion für das Zusammenleben der Menschen oder die Regulierung staatlicher Tätigkeiten noch vermittelt es eine Richtschnur für den Einzelnen im Sinne von Kants kategorischem Imperativ. Vielmehr darf die Mehrheit der (geführten) Volkgemeinschaft ganz legal der Minderheit oder einer außenstehenden Gruppe den Willen aufzwingen. Gleichheit vor dem Gesetz gilt nur für die Volksgenossen. Schon am 23. März 1933 erklärte Hitler vor dem Reichstag, das Rechtswesen müsse “in erster Linie der Erhaltung der Volks- 2 gemeinschaft dienen” . Bei diesem Begriff gilt es die Forderung aus dem Parteiprogramm der NSDAP vor Augen zu behalten, wonach Volksgenosse nur sein kann, wer deutschen Blutes ist.
Der vorsätzliche Rechtsbruch wurde in einem Einzelfall taktisch geschickt verborgen. Am 10. April 1933 war das Gesetz über die Einführung eines nationalen Feiertags der Arbeit verkündet worden, am 01. Mai 1933 ließ die NS-Propaganda überall im Land den nationalen Sozialismus als den natürlichen Treuhänder des deutschen Arbei- 3 ters herausstellen . Die Gewerkschaftsführung konnte wohl kaum widersprechen. Aber bereits am 02. Mai zerschlugen SA und SS mit einem Sturm auf die Gewerkschaftshäuser gewaltsam diese Organisation. Eine Gruppe, eine Struktur oder auch nur eine Mehrheit, die hier offenen Widerstand hätte anmelden und leisten können, stand nicht zur Verfügung. Jetzt fanden sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber plötzlich zusammen als “Arbeitsschaffende” in der “Deutschen Arbeitsfront” (DAF ) wieder. Nach der Logik der NS-Bewegung war die Wertschöpfung im Arbeitsprozeß gemeinsame Aufgabe aller daran in unterschiedlicher Weise beteiligten Volksgenossen, die sich demnach keineswegs auf unterschiedlichen Seiten gegenüber stehen.
Ein Beispiel für die dann ganz bewußte und nicht mehr zu übersehende Mißachtung des Rechts zeigte sich bei der im Volksmund nachträglich so genannten “Nacht der langen Messer”, also die kaltblütige Ermordung von etwa 150 - 200 Angehörigen der SA, insbesondere des Stabschefs Röhm, im wesentlichen am 30. Juni 1934 im erklärten Auftrag der Parteiführung. Am 03. Juli 1934 legalisierte der Reichstag mit dem oben bereits erwähnten Gesetz über Maßnahmen des Staatsnotstandes alle Rechtsverletzungen. Am 13. Juli 1934 nach dem Röhmputsch sagte Hitler vor dem Reichstag: “Wenn mir jemand den Vorwurf entgegenhält, weshalb wir nicht die ordentlichen Gerichte zur Aburteilung herangezogen hätten, dann kann ich ihm nur sagen: In dieser Stunde war ich verantwortlich für das Schicksal der deutschen Nation und damit des deutschen Volkes oberster Gerichtsherr."
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Teil II: Schritte zum Krieg - die Idee der Großmachtposition als Ziel
7. Nichtangriffspakt mit Polen, Flottenabkommen mit England
Ansatz- und Anknüpfungspunkt aller deutschlandbezogenen politischen Analysen und Beurteilungen - dies galt auch schon vor Hitler und es behielt in gleicher Weise Gültigkeit für seine europäischen Nachbarn - war die geostrategische Lage des Machtkonglomerats in der Mitte Europas. Bei entsprechender Rüstung zwar stärker als jedes einzelne Nachbarland, aber in jedem Fall schwächer als ein gegen Deutschland gerichtetes Bündnis zweier starker Nachbarn, bringt eine Alleinstellung nicht die Vormacht auf dem Kontinent, sie bleibt selbst im günstigsten Fall nur halbhegemonial, im Gegenteil besteht sogar die ständige Gefahr der Isolierung und Auskreisung aus dem Konzert der übrigen Mächte. Erinnert sei an Bismarcks Alptraum der Koalitionen. Nach dieser wenig hitlerspsezifischen Logik eines allgemeinen Lehrsatzes ist ein Mindestmaß in der politisch/militärischen Handlungsfähigkeit, das heißt zumindest ein Gleichstand mit dem stärksten Nachbarn anzusteuern. Hierfür weist Hitler in seinem oben erwähnten ersten Zusammentreffen, also seiner frühesten Ansprache vor Militärbefehlshabern, am 03. Februar 1933 den von ihm beabsichtigten Weg.
Bezeichnend für Hitler politischen Realitätssinn ist seine Einschätzung, dass er in dieser nach 1933 zunächst noch andauernden Schwächephase des Reichs eine vorbeugende Intervention Frankreichs für aus französischem Interesse geboten hält und dass er sich später darüber mokiert, weil sie unterblieben ist. So gesehen hätte ein Stillhalteabkommen oder förmlicher Nichtangriffspakt mit Frankreich nahe gelegen. Es findet sich jedoch kein Anhaltspunkt für Vorstöße in dieser Richtung. Die Erklärung liegt in Hitlers offensichtlich zutreffender Bewertung der grundsätzlich defensiv ausgerichteten Politik Frankreichs, das sich im Schutz der für unüberwindbar gehaltenen Maginotlinie zur Verteidigung eingerichtet hatte. Demnach drohte aus dem Westen für das Reich zunächst ohnehin keine Gefahr.
Um so gezielter konnte die deutsche Politik im Osten aktiv werden. Das Verhältnis zu dem nach dem ersten Weltkrieg wieder als Staat erstandenen Polen war nicht frei von Belastungen. Gegenüber dem militärisch schwachen Deutschland der zwanziger Jahre, dass Landheer war auf 100.000 Mann begrenzt, konnte sich Polen ohne derartige Beschränkungen durchaus überlegen fühlen. Streitpunkte waren etwa die Grenzziehung in Oberschlesien, die Korridorprobleme der Landverbindung durch jetzt polnisches Territorium nach Ostpreußen oder die Danzigfrage. Zudem suchte Polen den Kontakt zu Frankreich, um dessen Rückendeckung für eine Arrondierung im polnischen Westen zu bekommen. Sowohl Frankreich wie England hatten zwar ein laten- tes Interesse an einem weiterhin schwachen oder noch weiter geschwächten Deutsch-
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land, aber sie hätten eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Polen kaum reaktionslos toleriert. Sie mußten fürchten, dass Deutschland dann sofort seine in Versailles vereinbarten Reparationsleistungen einstellen würde. In dieser labilen Konstellation lag die Gefahr einer Einkreisung oder doch Isolation Deutsch-lands auf der Hand. Der Frieden an der Ostgrenze zu Polen wurde mit dem Freund-
1 schafts- und Nichtangriffspakt vom 26. Januar 1934 gesichert. Er liegt zudem ganz auf der Linie Hitlers vom zukünftigen Lebensraum im Osten, wie sich im Folgejahr zeigte, als er am 27. Januar 1935 Göring in Warschau über die Möglichkeiten einer 2 deutsch/polnischen Militärallianz gegen Russland verhandeln ließ .
8. Die Rheinlandbesetzung als außenpolitischer Coup
Eine Art Gesellenstück, vielleicht sogar eine Meisterleistung lieferte Hitler mit dem “Timing” und der Realisierung der militärischen Rheinlandbesetzung am 07. März 1936. Nach dem Vertrag von Versailles blieb das “Rheinland”, genauer das linksrheinische deutsche Gebiet einschließlich eines 50 Km breiten Streifens entlang des rechten deutschen Rheinufers von der Schweiz bis an die niederländische Grenze entmilitarisiert.. Diese Zone diente primär dem französischen Sicherheitsbedürfnis, eröffnete für Frankreich aber auch faktisch die Möglichkeit, bei Bedarf in das Rhein-land, einen großen Teil des Ruhrgebiets oder in Frankfurt einmarschieren zu können. Mit der Besetzung des Ruhrgebiets 1921 und 1923 war dieser Aspekt deutlich geworden. Die für jedermann sichtbaren Beschränkungen der Souveränität des Reiches und seiner militärischen Handlungsfähigkeit bildeten eine ständige Herausforderung.
Am 02. Mai 1935 schloss Frankreich mit der Sowjetunion einen Freundschafts und Beistandspakt, den Deutschland naturgemäß als Bedrohung empfand. Rein von der Rechtslage her war der Pakt nach deutscher Auffassung mit Frankreichs Zusicherungen zum Absehen von militärischer Ge walt gegen Deutschland im Vertrag von Locarno 1 unvereinbar. Politisch-strategisch wertete Berlin das Zusammengehen der beiden Mächte als Umklammerung aus Ost und West. Gegen deutsche Bedenken ratifizierte die französische Nationalversammlung den Vertrag am 27. Februar 1936.
Hitler, und wohl nur er, erkannte im rechten Moment die Chance für einen ungeheuren Prestigegewinn, wenn die handstreichartige Besetzung des Rheinlands durch deutsches Militär ohne Kampfhandlungen erfolgreich würde, weil andere Ereignisse die Aufmerksamkeit der Mächte, das heißt in erster Linie Englands und Frankreichs, ablenkten und vorrangig beanspruchten. Den seinerseitigen Bruch der deutschen Verpflichtungen aus dem Locarno-Vertrag nahm er bewusst in Kauf.
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Diese Gelegenheit schaffte der von Italien in Afrika - nach vorausgegangenen Grenzstreitigkeiten um die Oase Wal-Wal zwischen Italienisch-Somalia und dem Kaiserreich Abessinien - am 03. Ok tober 1935 begonnene Krieg. Für viele Italiener eine späte Rache für die vernichtende Niederlage, die Menelik I von Abessinien 1895 bei Adua den Italienern beigebracht hatte, aus der Sicht des Duce eher ein Schritt zur Stabilisierung des Impero auf dem afrikanischen Kontinent durch Inbesitznahme des Landes zwischen der italienischen Besitzung Erithrea im Norden und Somalia im Süden. Zudem fühlte sich Italien immer noch um einen Teil des Preises gebracht, hier Vergrößerung seines Kolonialreiches, der ihm im Mai 1915 geboten worden war, um es zum Ausscheiden aus dem Dreibund mit Deutschland und Österreich und zum Eintritt in den Krieg auf der Seite der Alliierten zu bewegen. Italien sah in der Rheinlandbesetzung die willkommene Ablenkung der Weltöffentlichkeit von seinem Vorgehen in Abessinien. Deutschland hatte offiziell Italien mit Materiallieferungen unterstützt, um eine stärkere Bindung zu erreichen. Die Spekulationen beider Diktatoren gingen auf.
9. “Anschluss” Österreichs und außenpolitischer Machtzuwachs
Wenn hier das Augenmerk nur auf Hitlers Konzepte gerichtet ist, mag es reichen, sich vor Augen zu halten, dass sowohl Deutsch-Österreich wie Deutschland nach 1918 1 ein Zusammengehen beabsichtigten , der für Österreich maßgebliche Friedensvertrag von Saint-Germain vom 10. September 1919 dies jedoch ausschloss und gegen den erklärten Willen der Mehrheit der österreichischen Bevölkerung die Unabhängigkeit des Landes festschrieb.
Veränderungen in Österreich würden aber zwangsläufig italienische Interessen berühren. Hitler ist es außenpolitisch gelungen, Italien durch die Unterstützung in dessen Abessinienkrieg aus der Front der früheren Weltkriegsgegner heraus auf seine Seite zu ziehen. Der Duce sperrt sich nicht mehr gegen den Anschluss. Der Einmarsch deutscher Truppen in Österreich am 12. März 1938 barg das Risiko der Konfrontation mit England und Frankreich wegen des Bruchs der Bestimmungen aus dem Frieden von Saint-Germain. Am 15. März 1938 verkündete Hitler im Rahmen einer für die Zeit und die Nationalsozialisten typischen Massenveranstaltung auf dem zentralen Heldenplatz in Wien vom Balkon der Hofburg den “Eintritt” seiner Heimat in das Deutsche Reich. Er agierte er in der sicheren Überzeugung, dass England und Frankreich zwar formal protestieren aber die neue Situation dulden werden. Tatsächlich folgte auf den Protest beider Staaten vom 12. März 1938 bereits am 02. April 1938 die Anerkennung. Hitler hat sich - wie bei der Rheinlandbesetzung - als der in der Reichsregierung beste Psychologe erwiesen Die Volksabstimmungen am 10.April 1938 bringen sowohl in Österreich wie in Deutschland eine überwältigende Mehrheit für ein Zusammengehen, das unter diesen Umständen treffender als Vereinigung bezeichnet werden müßte.
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10. Blick nach Osten - Das Münchener Abkommen
Für Hitler ist der durch die Pariser Friedensverträge von Versailles (für Deutschland), Saint-Germain (für Österreich) und Trianon (für Ungarn) geschaffene neue Staat der Tschechoslowakei mit seinen unterschiedlichen Volksgruppen und gemischt be- 1 wohnten Gebieten vor allem aus zwei Gründen ein Objekt seine Politik . Dort leben mehr als 3 Millionen deutschsprachige Bürger (Sudetendeutsche) in den Bereichen entlang der Grenzen zu Deutschland und Österreich. Sie bilden nach der Mehrheit von fast 7 Millionen Tschechen die größte Minderheit vor 2 Millionen Slowaken, und den deutlich kleineren Anteilen der Ungarn, Ruthenen, Polen und weiteren Nationalitäten. Eigenständigkeitsbestrebungen der Sudetendeutschen werden von Hitler - unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht in Wilsons 14 Punkten - unterstützt, alarmieren aber London und Paris. Unter Vermittlung durch Mussolini kommt in München am 30. September 1938 zwischen Deutschland, Frankreich und England ein Abkommen zustande, das im Kern eine Eingliederung des Sudetengebiets in das Deutsche Reich und ein Optionsrecht für Tschechen und Sudetendeutsche sowie einen freiwilligen Bevölkerungsaustausch vorsieht.
Es gibt aber für den kühlen Machtanalytiker Hitler einen durchaus gewichtigeren außenpolitischen Grund, die Tschechoslowakei zu schwächen, zu entmachten und letztlich zu zerschlagen. Das Land bildet einen erheblichen wirtschaftlichen und militärischen Machtfaktor an der Hintertür oder besser im Rücken des Reichs. Mögliche Aktionen an den Außengrenzen im Westen oder Osten wären problematisch, wenn die tschechoslowakische Regierung auf die Seite der oder des Gegners träte. Hitler arrondiert also mit dem Münchener Abkommen Deutschland zu Lasten der entsprechend geschwächten Tschechoslowakei.
11. “Griff nach Prag”
Dieser Gedanke an die wünschenswerte Rückenfreiheit war von Hitler bereits in seiner internen Ansprache vom 05. November 1937 vor Außenminister von Neurath 1 und den Spitzen der Wehrmachtführung geäußert worden. Es liegt daher in der Logik seiner Vorstellungen, wenn er ab Ende 1937 den Fall “Grün” , d. h. einen Angriff auf die Tschechoslowakei vorbereiten läßt. Die Entwicklung in dem Land arbeitet für Hitler. Nach dem Herauslösen des Sudetenlandes im Westen auf der Grundlage des Münchener Abkommens vom 30. September 1938 und der unter ultimativem polnischen Druck erfolgten Abtretung des Teschener Landes an Polen wird am 02.November 1938 mit ausdrücklicher Billigung Londons durch ein deutsch-italie- nisches Schiedsgericht auch am Südostrand der Tschechoslowakei, also im Territorium
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der Slowakei und der Karpato-Ukraine die Grenze zu Ungarn neu festgelegt. Während Polen und Ungarn noch weiterhin Gebietsansprüche geltend machen, wird ein Höhepunkt mit der Unabhängigkeitserklärung der Slowakei am 14. März 1939 erreicht. In einer nächtlichen Verhandlung in Berlin am 15. März 1939 stellt der Präsident der jetzt noch existenten Resttschechei sein Land unter den Schutz des Deutschen Reiches. Die tschechischen Streitkräfte erhalten die Weisung, gegen den Einmarsch deutscher Truppen keinen Widerstand zu leisten.
12. Politik, Kriegspläne und Strategie - ein Langzeitprogramm?
Hitlers früheste programmatische Äußerungen, wie etwa die Kernaussagen über die Judenfrage und den Lebensraum für das deutsche Volk in “Mein Kampf”, werden durch die späteren Ereignisse so eindrucksvoll scheinbar bestätigt, dass für eine vorsichtig-kritischere Betrachtung kaum Raum bleibt. Ernst Jäckel fordert in seinem Vorwort zur Neuherausgabe 1968 des 1932 von Theodor Heuss verfassten Buchs. “Hitlers Weg” zwei gedankliche Operationen des Lesers:
• alle Kenntnis der späteren Dinge aus dem Gedächtnis verbannen 1 • sich Umstände und Umgebung des Autors zu jener Zeit vor Augen führen . Ein ehemaliger hoher Militär des Dritten Reiches, Großadmiral a. D. Karl Dönitz, 2 erwartet in seiner Biographie nur Gleiches: “ Diese Betrachtung muß, wenn sie über vergangenes Handeln urteilt, zugrunde legen, was der Handelnde damals gewusst hat und nicht etwa das, was wir heute wissen. .Sie muß die gegebenen und bestimmenden Verhältnisse dieser vergangenen Zeit berücksichtigen und nicht etwa ganz andere Umstände der Gegenwart bei einer Beurteilung der Vergangenheit mitsprechen lassen”.Es zeugt von wenig berechtigter intellektueller und moralischer Überheblichkeit, wenn wir heute den Akteuren am Anfang der dreißiger Jahre vorhalten, dass sie früher die späteren Pläne des Führers hätten erkennen müssen.
Die Gelegenheit, bei der sich Hitler erstmals grundlegend und ausgreifend über die zukünftige Politik, seine Absichten und Vorstellungen sowie die Strategien zum Erfolg äußerte, fand sich in einer Besprechung in der Reichskanzlei am 10. November 1937. Teilnehmer waren außer dem Führer und Reichskanzler der Reichskriegsminister Generalfeldmarschall v. Blomberg, der Oberbefehlshaber des Heeres Generaloberst Freiherr von Fritsch, der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Generaladmiral Dr. h.c. Raeder, der Oberbefehlshaber der Luftwaffe Generaloberst Göring, der Reichsminister des Auswärtigen Freiherr von Neurath sowie der Wehrmachtsadjutant Oberst Hoßbach. Während dieser Veranstaltung ist ein Wortprotokoll oder auch nur eine offizielle Stichwort- oder Ergebnisniederschrift nicht erstellt worden. Hoßbach selbst hat seine Notizen in den Tagen nach dem 10. November zu einer von ihm ausdrücklich nicht als
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3 Protokoll sondern als Niederschrift bezeichneten Langfassung ausgearbeitet . Die ungenaue Bezeichnung als Protokoll hat sich jedoch seit der entsprechenden Benen- 4 nung vor dem Internationalen Militärgerichtshof eingebürgert.
Geben damit die Umstände der Entstehung der Niederschrift und der nur von Hoßbach selbst geschilderte Umfang der inhaltlichen Kenntnisnahme durch einen Teilneh- 5 mer , Anlass zu Vorbehalten, besteht im Kern kein Grund, an der inhaltlich richtigen 6 Wiedergabe der Äußerungen Hitlers zu zweifeln. Kuhn sieht überzeugend einen Nachweis für die von Hoßbach dokumentierten Äußerungen Hitlers in der Tatsache, dass Blomberg am 07. November 1937, also zwei Tage nach der Besprechung eine frühere Weisung mit einem Nachtrag im Sinne der hitlerschen Gedankengänge ergänzte.
Hitlers einleitende Worte erklären sofort, warum er ein Protokoll nicht erstellen ließ und zeigen zugleich die enorme Bedeutung auf, die er der Bekanntgabe seiner Überlegungen an einen sehr kleinen ausgewählten Teilnehmekreis beimaß. Der Inhalt sei so wichtig, dass selbst das Reichskabinett bereits ein zu großes Gremium für die Erörterung sei. Zugleich legt der Führer Wer auf die Feststellung, dass es sich bei seinen Ausführungen für den Fall seines Ablebens um ein politisches Testament handelt.
In der Sache stellt Hitler als Ziel der deutschen Politik die “Sicherung und die Erhaltung der Volksmasse und deren Vermehrung” heraus. Er streift die beiden Möglichkeiten der Autarkie und der Beteiligung an der Weltwirtschaft, stuft sie als unsicher ein und kommt lapidar zu dem Ergebnis, dass es “zur Lösung der deutschen Frage” nur den “niemals risikolosen” Weg der Gewalt gebe. In drei explicit durchgespielten Fallvarianten steht jeweils die Angliederung Österreichs und der Tschechei am Ende.
Als Markstein der persönlichen Entwicklung sind Hitlers hier dargelegte Ideen wichtig, weil er erstmals über die abstrakte Möglichkeit der Gewaltanwendung als Mittel im Repertoire der Politik hinausgeht und seine konkrete Absicht zur Besetzung Österreichs und der Tschechei verlautbart. Dabei bleiben nach Hoßbachs Notizen rassische Aspekte oder Hass auf den Kommunismus jedenfalls ohne Erwähnung. Kühles machtpolitisches Kalkül und in Großmachtdimensionen abgesteckte Ziele stehen im Vordergrund. Anders als in seinen öffentlichen Reden, bei denen naturgemäß Friedensbeteuerungen und die Forderung nach rüstungstechnischem Gleichstand mit anderen Nationen sowie das Verlangen nach Revision der Verträge von Versailles und Saint-Germain den Schwerpunkt bilden, denkt Hitler vor diesem Kreis laut über die Aussichten einer aktiven Kriegspolitik nach.
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Teil III: Idee oder Ideologie als Gesetz des Handelns
13. Überfall auf Polen - Kriegerklärung Englands und Frankreichs
.Das auf der Grundlage von Wilsons “14 Punkten” mit den Verträgen von Versailles vom 29. Juni 1919 und Saint-Germain vom 10. September 1919 wieder erstandene Polen konnte bei der Arrondierung seines Territoriums auf die stillschweigende Duldung, vielleicht sogar das Wohlwollen und bis zu einem gewissen Grad die Unterstützung der Westmächte mit ihrem Streben nach einem schwachen Deutschland zählen..Es lag im englischen und französischen Interesse, wenn ein starkes Polen ein jederzeit verlässlicher Gegner Deutschlands wurde. Durchaus noch auf dieser Linie besetzte Polen im Schatten der Sudetenkrise den ihm von den Alliierten nicht zugesprochenen Westteil des Teschener Landes in der Tschechoslowakei. Im Verhältnis zu Deutschland schwelten die Dauerstreitigkeiten um die Situation in Danzig, im Korridor (Westpreußen-Pomerellen) und Oberschlesien. Hitler glaubte spätestens im Frühjahr 1939 nicht mehr an eine echte Kompromissbereitschaft der polnischen Seite. Am 26. März 1939 hatte der polnische Botschafter Lipski die Ablehnung deutscher Vorschläge - die Forderung Berlins vom 21. März 1939 nach Verhandlungen über Danzig - überbracht und die Erklärung angefügt: “Ich habe die unangenehme Pflicht, darauf hinzuweisen, dass jegliche weitere Verfolgung dieser deutschen Pläne, insbesondere soweit sie die Rückkehr Danzigs zum Reich beträfen, den Krieg mit Polen 1 bedeutet” . Eine polnische Teilmobilmachung in diesen Tagen hatte der Geste Nachdruck verliehen. Hitler kündigte am 28. April1 939 den Nichtangriffspakt mit Polen. Übrigens hatte er am Vortag, also am 27. April 1939 bereits das Flottenabkommen mit England aufgekündigt.
Am 01. September 1939 begann der deutsche Überfall auf Polen, der Fall “Weiß”. Hitler konnte auf Handlungsfreiheit nach Osten setzen, weil er sich durch den Nicht- 2 angriffsvertrag vom 23. August 1939 und dessen geheimes Zusatzprotokoll mit Russland verständigt und eine Interessensphäre abgegrenzt hatte. Die eindeutigen politischen Warnungen vor allen Dingen Englands und Frankreichs vermochten Hitler nicht zu beeindrucken. Er schätzte die Reaktionsbereitschaft beider Länder falsch ein. Im Fall der Tschechoslowakei hatte Frankreich seine Garantieerklärung nicht eingelöst, die englische und ebenso die französische Garantie für Polen widersprachen nach Hitlers Meinung der natürlichen Interessenlage dieser Staaten. Er war der irrigen Überzeugung, dass England alle Kräfte auf den Erhalt des nicht mehr sehr stabilen Kolonialreiches verwenden müsse. Schon deshalb werde es keine Truppen in einen Konflikt auf dem europäischen Kontinent schicken .Zu dieser rein am Kräftepotential orientierten Betrachtung kam die Erinnerung an Chamberlains erleichterten und er- leichternden Ausruf nach dem Münchener Abkommen: “Peace in our time” ebenso wie
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an die rhetorische Frage in Studentenkreisen der Universität Oxford: “Mourir pour Danzig?” Aber selbst wenn - so Hitlers weitere Annahme - sich England stark genug für einen neuerlichen (Land-)Krieg gegen Deutschland fühlen sollte, würde es das einzig starke Bollwerk auf dem Kontinent gegen Expansionsgelüste des “russischen Bären”nicht schwächen wollen. Der Gedanke; dass England sich durch seine Garantien für Polen verpflichtet fühlen könnte, lag außerhalb von Hitlers Vorstellungswelt und kam als abzuwägendes Argument nicht in Betracht. Letzteres ist durchaus zutreffend, denn entscheidend für Englands Kriegseintritt war nicht ein moralischer Druck, Polen die zugesagte Hilfe zu gewähren. Es war auch keineswegs die entschlossene Aufnahme des aktiven Kampfes gegen den Nationalsozialismus. Dieses Argument wird gerade in Deutschland gerne rückdatiert, um Englands sowie Frankreichs Kriegserklärungen als letztlich im deutschen Interesse liegend zu rechtfertigen. Vielmehr verfolgte England das ureigenste Ziel seiner traditionellen Europapolitik, die Vormachtstellung eines Landes auf dem Kontinent zu verhindern. Die Reichsgründung von 1871 hatte zu 3 englischem Mißvergnügen Anlass gegeben. Gegen das dann erstarkte Reich war England 1914 in den Krieg eingetreten. In dieses Langfristkonzept fügte es sich jetzt, 4 wenn England konsequent wieder zum Kriegsgegner Deutschlands wurde .
Es bleiben noch weitere Argumente, die dafür sprechen, dass Hitler zwar hoch pokerte, aber letztlich im September 1939 (noch) keinen Krieg mit England und Frankreich wollte:
1. Hitler hatte den Ersten Weltkrieg an der Westfront mitgemacht. Ihm stand die Niederlage des Deutschen Reiches im Westen deutlich vor Augen, wenn er auch das erzwungene Aufgeben für unnötig hielt, weil im Osten nach dem Frieden von Brest-Litowsk der Rücken frei war. Er wusste um die zahlenmäßig-militärische Stärke der Franzosen. Frankreich sah sich durch seine Maginot-Linie im Süden und durch die neutralen Staaten Belgien und Holland als Puffer hinreichend gegenüber Deutschland geschützt und hatte sich eher zur Verteidigung eingerichtet. Frankreich würde nicht ohne England handeln und noch hoffte Hitler, wenn schon nicht mit England so doch wenigstens ohne England, das heißt ohne englisches Eingreifen gegen Polen agieren zu 5 können .
2. Ein bewusst in Kauf genommener Zweifronten-Krieg - allein im Westen mit zwei als Verbündete dem Deutschen Reich zumindest ebenbürtigen Mächten - würde die Schlagkraft der Wehrmacht aufs äußerste herausfordern, vermutlich überfordern. Für spätere Unternehmungen stände dann sein wichtigstes Machtinstrument für längere Zweit nicht mehr voll einsatzbereit zur Verfügung.
3. Speziell für einen Krieg mit der Seemacht England war die deutsche Marine 1939 nicht ansatzweise gerüstet. Die Stärkeverhältnisse lagen etwa bei 10 zu 1, das langfristige Flottenbauprogramm des Reichs faßte als Zieljahr 1944 ins Auge. Hitler hatte in den Jahren 1935 - 1938 gegenüber dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine wie- derholt erklärt, dass er im Augenblick und bis auf weiteres die Marine für seine politi-
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schen Zwecke nicht benötige, Bedeutung werde eine starke Flotte erst in künftigen 6 Jahren haben .
4. Hitler selbst war sich im Klaren, dass die nur gewaltsam durchsetzbaren Ziele seiner Politik nicht alle gleichzeitig erreicht werden konnten. Wenn es eine Konstante in seinen”Programmideen” gab, dann war es das Konzept des gezielten Nacheinander, das Warten auf die Gunst der Stunde, die Konzentration auf ein einzelnes, möglichst durch geschickte Politik isoliertes Opfer. Dieser Taktik verdankte er seine bisherigen Erfolge von der militärischen Besetzung des Rheinlandes bis zum Griff nach Prag. Mit diesem Vorgehen wollte er auch zukünftig auf der Gewinnerstraße bleiben, dabei gingen seine Pläne über sein eigenes, von ihm früh erwartetes Lebensende hinaus. 5. Der am 23. August 1939 in Moskau unterzeichnete Nichtangriffsvertrag schloss mit 7 seinem Artikel II eine Einmischung Russlands bei einer kriegerischen Handlung zwischen Deutschland und Polen aus. Zugleich enthielt er damit ein deutliches Signal an die Westmächte. Sie konnten nicht auf eine Beteiligung Russlands hoffen, falls sie sich zugunsten Polens gegen Deutschland militärisch engagieren sollten. 6. Die Formulierung vom “aufgezwungenen” Krieg im Westen muss nicht reine Propagandasprache sein. Die Wortwahl kann durchaus Hitlers tatsächliche Einschätzung widerspiegeln..
7. Als der deutsche Chefdolmetscher Schmidt für Hitler am 03. September 1939 in dessen Arbeitszimmer den Wortlaut der englischen Kriegserklärung übersetzte, war außerdem nur Ribbentrop im Raum. . Nichts spricht gegen die von Schmidt kolportierte Version, wonach Hitler für einen Moment zusammensank und murmelte.”Was nun?” 8 Eher im Gegenteil ist dies Zeichen überraschter Ratlosigkeit nur logisch, wen man sich Hitlers beständige Überzeugung von der mit England erreichten Interessenabgrenzung vor Augen hält.
9 Wenn Weinberg folgert, Hitler habe erkannt, dass er die Westmächte und Polen nicht trennen könne und den Krieg mit England und Frankreich in Kauf genommen, hat er die hier genannten Argumente nicht gewürdigt, ohne einen Beleg für seine Einschätzung anzubieten.
Als Zwischenergebnis bleibt festzuhalten, dass Hitler mit dem am Morgen des 01. September 1939 ohne vorausgehende Kriegserklärung vom Zaun gebrochenen Krieg mit Polen einen gezielten Schritt in Richtung seines ideologischen Ziels der Gewinnung von Lebensraum im Osten unternahm, dabei aber in seinen Aktivitäten als analysierender und die möglichen Aktionen und Reaktionen der Gegenspieler durchkalkulierender Pragmatiker handelte. Er verlor das mit hohem Einsatz gewagte Spiel zu einem wesentlichen´Teil, weil seine Vorausberechnungen der englischen und französischen Reaktionen unzutreffend waren. 10
Hitler legte Wert darauf, dass sich Russland an der militärischen Besetzung Polens
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beteiligte. Tat sächlich begann die russische Besetzung Ostpolens - Stalin hatte Hitlers Kalkül wohl durchschaut - erst ab dem 17. September 1939. Der von deutscher und russischer Seite zeitversetzt erfolgende Einmarsch in Polen liefert ein Beispiel für die irritierende Logik der Politik und zugleich den Beleg, dass die Westmächte sich gegen Deutschland engagieren, aber keineswegs Polen retten wollten. Sie erklärten dem Deutschen Reich den Krieg, Aktivitäten Englands oder Frankreichs zum Schutz Polens vor dem eindringenden Russland sind nicht bekannt.
Die Kampfhandlungen in Polen endeten endgültig erst am 13. Oktober 1939. Der Erfolg der Wehrmacht war durchaus teuer erkauft. Sie hatte 11.000 Gefallene und 30.000 Verwundete zu beklagen. Zugleich waren 300 gepanzerte Fahrzeuge, 5000 11 sonstige Fahrzeuge und 560 Flugzeuge verloren gegangen . Auf polnischer Seite zählte man allein für den Abwehrkampf gegen Deutschland 70.000 Gefallene. Die Zahl ist erschreckend, weil grundsätzlich die Verteidigung als die stärkere Kampfart gilt und eigentlich der Angreifer mit den höheren Verlusten zu rechnen hat. Die Verlustzahlen machen deutlich, dass die polnischen Streitkräfte, die seit dem 17. September 1939 zugleich im Kampf gegen die Rote Armee standen, sich aufopferungsvoll zur Wehr gesetzt 12 haben. Polen hatte frühzeitig mobil gemacht und war prinzipiell abwehrbereit .
Den Waffengang einfach als “Blitzkrieg” einer übermächtigen Militärmaschine 13 gegen einen friedfertigen und hoffnungslos unterlegenen Nachbarn einzuordnen, entspricht demnach nicht der sich im Sommer 1939 deutlich zuspitzenden politischen Situation zwischen Deutschland und Polen und schon gar nicht der Heftigkeit der Kämpfe gegen die offensichtlich starken polnischen Streitkräfte oder der Dauer der Kampfhandlungen. Unter bewusstem Verzicht auf rein militärisch wesentliche Aspekt kann man vereinfachen, dass die deutschen Truppen für die auf der längsten Strecke höchstens 300 Km von den Deutschen Grenzen bis nach Warschau (Kapitulation am 28. September 1939) immerhin 28 Tage gebraucht haben.
14. “Weserübung” - Aktion gegen Dänemark und Norwegen
Hitlers politisches Kalkül analysierte Machtzentren und Koalitionen, denen es in bester macchiavellistischer Manier zum geeigneten Zeitpunkt aus einer Position der Stärke und des Stärkeren heraus entgegenzutreten galt. Sein Programm als sein innerer Kompass war dabei an Kontinentaleuropa orientiert. Der am 26. Januar 1934 mit Polen geschlossene Nichtangriffspakt hatte ganz auf dieser Linie gelegen. Er sicherte einerseits gegen Bestrebungen im Polen des Marschalls Pilsudski zur Ausweitung der polnischen Westgebiete und schaffte andererseits eine Basis, um eventuell Polen für ein gemein- sames Vorgehen gegen Russland zu gewinnen.
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Zugleich hielten ihn im Herbst 1939 nach der Interessenabgrenzung mit Stalin und der Aufteilung Polens die mit Russland getroffenen Vereinbarungen davon ab, zugunsten Finnlands Position zu beziehen. Insbesondere der Grenz- und Freundschaftsvertrag vom
28. September 1939 sicherte für Hitler die notwendige Rückenfreiheit im Osten, weil sein Augenmerk in dieser Zeit sich auf eine baldige Niederwerfung Frankreichs richtete. Er verweigert Finnland die im Interesse des intensiven finnisch/deutschen Warenverkehrs eigentlich sinnvolle Hilfe, als das Land sich durch russische Expansionsbestrebungen bedroht sah. Weil Schweden und Norwegen offiziell strikt neutral bleiben, steht Finnland im am 30. November 1939 beginnenden Winterkrieg mit Russland weitgehend allein. Zur weltweiten Verblüffung tun sich die russischen Streitkräfte mit dem kleinen Finnland unerwartet schwer. Entscheidend für den Friedensschluss am 13. März 1940 mit Wahrung der finnischen Selbständigkeit wird aber ein anderer Grund. Stalin fürchtet, dass England einen ausgreifenden Plan in die Tat umsetzen könnte. Unter dem Vorwand der Hilfe für Finnland würde ein englisches Expeditionskorps norwegische Häfen besetzen, auf dem Landweg über Nordnorwegen und Schweden die schwedischen Erzgruben für England in Besitz nehmen, Deutschland zugleich von diesem wichtigen Materiallieferanten abschneiden, Brückenköpfe an der schwedischen und finnischen Küste bilden und im Ostseeraum als Machtfaktor an Land und wohl auch 1 auf See in Erscheinung treten .
Hatte Hitler Anfang September 1939 mit einem ersten politischen Missgriff die Grundlinie der englischen und französischen Politik falsch bewertet, unterläuft ihm mit seiner Haltung gegenüber Finnland eine erste - ad hoc noch folgenlos bleibende - strategische Fehleinschätzung. Er realisiert zwar, dass Finnland mangels deutscher Hilfe naheliegend die Unterstützung des traditionellen russischen Widerparts England suchen wird und welche militärisch-strategischen Optionen sich daran theoretisch für England knüpfen, wird aber nicht vorbeugend gegenüber Russland aktiv. Während Stalin mit Finnland letztlich Frieden schließt, um England nicht auf den Plan zu rufen, hat Hitler die strategische Bedeutung Nordosteuropas und des Ostseeraums zunächst unterschätzt. Dabei stellte sich für ihn nicht die Frage, ob England die von Norwegen und Schweden reklamierte Neutralität respektieren und deshalb Aktivitäten gegen den Willen dieser Länder unterlassen würde. Derartige Vorbehalte sind Hitler fremd. Die Länder liegen nicht in Englands Interessensphären, wie sie Hitler auf den Weltmeeren und nicht in der Ostsee sieht.
. Welchen Stellenwert ein Denken in maritimen Kategorien auch in Deutschland haben mußte, wurde drastisch vor Augen geführt, als am 16. März 1940 der englische Zersörer “Cossack” das aus dem Atlantik zurückkehrende deutsche Marinehilfsschiff “Altmark” in norwegischen Hoheitsgewässern attackierte. Ziel der Aktion war die Befreiung von Besatzungsangehörigen der Handelsschiffe, die das im Südatlantik erfolgreich operie- rende Panzerschiff “Admiral Graf Spee” aufgebracht hatte. Die Engländer wollten
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verständlicherweise verhindern, dass die “Altmark”nach geglückter Rückfahrt durch den Nordatlantik und die Grönlandstraße ihnen noch weiter ausweichen und dann sozusagen an ihrer Hintertür vorbei die gefangenen Besatzungen nach Deutschland 2 bringen könnte . .
Deutschland hatte sich am 02. September 1939, also noch vor Eingang der englischen Kriegserklärung, auf die Erklärung zur Wahrung der norwegischen Neutralität 3 beschränkt, sofern sie nicht durch eine dritte Macht verletzt wird . Auch nach einem Vortrag von Großadmiral Raeder bei Hitler am 10. Oktober 1939 hatte dieser zunächst keinen Grund für planerische Aktivitäten gegen Norwegen und Dänemark gesehen. Der Umschwung trat erst ein, als aus Norwegen Vidkun Quisling bei einem Besuch in Berlin am 11. Dezember 1939 vor einem “Festsetzen” der Engländer in Norwegen warnte. Damit wurde dem Führer klar, dass England entschlossen war, jedenfalls durch die Besetzung des Erzhafens Narvik und des nördlichen Territoriums in Norwegen den Schiffsverkehr mit dem in Deutschland so dringend benötigten Eisenerz aus Schweden 4 zu unterbinden. Die deutschen und englischen Aktivitäten beschreibt Hubatsch als “Wettlauf” in einer Synopse.
Das am 09. April 1940 begonnene Unternehmen “Weserübung” kam also für die englische Admiralität keineswegs unerwartet, vielleicht im Zeitpunkt überraschend. Die Wehrmacht mußte heftigen norwegischen Widerstand überwinden und sich zur See Gefechte mit englischen Marinekräften liefern sowie an Land gegen gelandete englische und französische Verbände kämpfen. Nach dem Abzug der fremden Truppen, die Frankreich nach Beginn des deutschen Westfeldzugs im eigenen Land benötigte, und dem Ende der Kampfhandlungen erst am 10. Juni 1940 war die grundsätzliche Sicherung des Schiffsverkehrs zwischen Norwegen und Deutschland erreicht.
Bleibt die Erkenntnis, dass hier vier Faktoren das Handeln Deutschlands bestimmten, nämlich die Sicherung des Erznachschubs, die Erweiterung der Operationsbasis für die Marine, die gesinnungsmäßige Sympathie für Quisling und die Furcht der Militärs, in Norwegen als Zweite von See kommend auf abwehrbereite englische Verbänden zu treffen. Die Idee des Abwartens, um später über Schweden, also auf dem Lande gegen englische Truppen in Norwegen zu operieren, wurde in der Seekriegsleitung aus rein militärischen Gründen zwar erwogen, fand aber schon bei Raeder kein Gehör. Das Auswärtige Amt war am Planungs- und Entscheidungsprozess nicht beteiligt. Die Chance, England dem Odium des Aggressors auszusetzen und daraus politischen 5 Vorteil zu ziehen, verging ungeprüft .
Die Personalverluste der Wehrmacht insgesamt blieben mit 5660 Mann verhältnismäßig gering, aber die Kriegsmarine verlor einen im weiteren Kriegsverlauf nicht mehr 6 ausgleichbaren Teil ihrer Kampfeinheiten , nämlich 1 schwerer Kreuzer (“Blücher” im
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Oslofjord), 2 leichte Kreuzer, 10 Zerstörer von 14, 1 Torpedoboot, 6 Unterseeboote und 15 kleinere Fahrzeuge. Die beiden - bis dahin einzigen - Schlachtschiffe “Scharnhorst” und “Gneisenau” waren wie weitere 2 schwere und 1 leichter Kreuzer so beschädigt, dass sie für längere Zeit nicht einsatzfähig blieben. Dabei hatte ohnehin im September 1939 das Stärkeverhältnis der deutschen zur englischen Kriegsflotte bei erst 1:10 gelegen. Es ist wohl übertrieben, aus der Sicht der Marine von einem Pyrrussieg zu sprechen, aber unbestreitbar brachte die erreichte Ausweitung der Operationsbasen die erhofften Vorteile nur mit Vorbehalt, weil es an einsatzfähigen Schiffen fehlte, die von dort aus hätten sinnvoll operieren können.
. Während Hitler mit den Spitzen des Heeres auf fachlich ebenbürtiger Augenhöhe 7 verhandelte, ja häufig eigne Ideen entwickelte , ließ er Gespür für die spezifischen Einsatzbedingungen und -möglichkeiten der Marine nicht deutlich werden. Heer und Luftwaffe waren für Hitler interessanter als die Marine, von der er nach seiner eigenen 8 Einschätzung nichts verstand . Eine Rolle spielt dabei sicher seine bis in das Jahr 1938 hinein dauernde Überzeugung von der Interessenkongruenz Deutschlands und Englands. Erst im Mai 1938 - die erste Krise um die Tschechoslowakei war auf dem Höhepunktwird ein signifikantes Umdenken Hitlers erkennbar. Er äußerte gegenüber Großadmiral Raeder, England werde doch auf der Seite der Gegner Deutschlands stehen. Das Flotten- 9 bauprogramm sei zu beschleunigen . Mit dem Kriegsbeginn am 01. September wurde aber der im großen Umfang beabsichtigte Schiffbau nach dem Z-Plan zunächst eingestellt.
Kriegsschiffe waren für den Führer auch Prestigeobjekte. Der spätere Verlust des modernsten Schlachtschiffs “Bismarck” im Kampf gegen überlegene englische Einheiten am 27.. Mai 1941 war ein Fanal. Ein solches Ereignis durfte sich keinesfalls wiederholen. Deshalb sollten die vorhandenen Einheiten eher in der Nähe oder von ihren (sicheren) Rückzugsbasen in Deutschland, Dänemark oder Norwegen aus operieren. Der sogenannte Kanaldurchbruch (Rückführung der beiden Schlachtschiffe “Scharnhorst” und “Gneisenau” sowie des schweren Kreuzers “Prinz Eugen” in der Zeit vom 11.- 13. Februar 1942 aus dem Hafen in Brest durch den Ärmelkanal) liegt ganz auf dieser Linie. Offensichtlich spielte Hitler Ende des Jahres 1941 durchaus mit dem Gedanken, zugunsten des verstärkten Ubootkriegs die Überwasserstreitkräfte 10 aufzulegen .
15. Der Feldzug im Westen
Hitler wollte - so sein Kalkül - möglichst bald, das heißt noch im Herbst 1939, nach dem Erfolg in Polen im Westen einen Schlag gegen Frankreich führen, der den Erbfeind niederringt und England vom Kontinent vertreibt. Dann müßte ein Ausgleich mit England möglich sein auf der Basis folgender Interessenabgrenzung: England akzeptiert
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Deutschland als Vormacht auf dem Kontinent und wird dafür bei seinen Aktivitäten zur See und in Übersee nicht gestört. Das Drängen Hitlers, dem die Generalität aus sehr 1 unterschiedlichen Motiven Widerstand entgegensetzte , hatte eine gewisse Logik. Er fürchtete, dass längerfristig weder Russland noch die USA unbeteiligt dem Geschehen in Mitteleuropa zusehen würden. Damit drohe eine Übermachtkonstellation zu entstehen, die ähnlich im Weltkrieg zur Niederlage Deutschlands geführt habe und der das Reich auch jetzt nicht mit Erfolg begegnen könnte.
Tatsächlich mußte sich Hitler nicht durch den Widerstand seiner Offiziere gebremst sehen, konnte aber die Bedeutung der ungünstigen und im Winter miserablen Wetterbedingungen nicht übersehen. So wurde der Termin für den Angriff immer wieder, ins- 2 gesamt 29 mal, hinausgeschoben wonach er endlich am 10. Mai 1940 tatsächlich begann. Der schnelle Erfolg beruhte wesentlich auf dem Operationsplan des Generals von Manstein, der nicht den Schlieffen-Plan neu auflegte, wie es die Franzosen und das englische Expeditionskorps erwartet hatten. Vielmehr erfolgte ein “Sichelschnitt” der deutschen Panzerverbände durch die alliierte Front zur Sommemündung, der die gegnerischen Truppen ostwärts Dünkirchen in Flandern mit dem Rücken zur Kanalküste 3 einkesselte .
Nicht endgültig zu klären sein wird die immer wieder diskutierte Frage, aus welchem oder vielleicht besser, aus welchem ausschlaggebenden Grund Hitler am 24. Mai 1940 bei seinem Besuch im Hauptquartier des Generaloberst von Rundstedt, nach der Einweisung in die aus deutscher Sicht hervorragende militärische Lage vor Dünkirchen, 4 5 befohlen hat, den siegreichen Vormarsch anzuhalten . Kershaws Feststellung , v. Rundstedt selber habe dies unter den von ihm vorgestellten Alternativen als beste Möglichkeit vorgeschlagen, um seine motorisierten Einheiten für den finalen Stoß nach Süden zu schonen, ist kaum überzeugend. Der Oberbefehlshaber West hatte den sicheren Sieg über die in Auflösung begriffenen englischen Kräfte und die Gefangennahme vieler Soldaten vor Augen. Nach einem glänzenden Zwischenerfolg hätte er sich mit freiem Rücken um so nachdrücklicher nach Süden wenden können.
Allerdings gehört die Vermutung, Hitler habe mit der “Schonung” des britischen Expeditionscorps erste Friedensfühler nach England ausgestreckt, in den Bereich der anhaltspunktlosen Spekulation. Er dachte offensichtlich nicht im Entferntesten daran, den Waffeneinsatz aus derartigen Gründen zu begrenzen. Vielmehr wollte er die Chance zur definitiven Vernichtung des weitgehend bereits geschlagenen Gegners wahrnehmen. Er wechselte lediglich das militärische Einsatzmittel vom traditionellen Heer zur modernen Luftwaffe mit ihren neuen Möglichkeiten. Ebenfalls an diesem 24. Mai 1940 erging Hitlers Weisung Nr. 13., die der Lufwaffe die Kampfführung gegen England in vollem Umfang freigab, sobald ausreichende Kräfte zur Verfügung standen. So erhielt Göring 6 nach dessen entsprechender Zusage vom 25. Mai 1940 , also am Tag nach dem Besuch
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Hitlers bei v. Rundstedt, die Gelegenheit, mit seiner modernen Teilstreitkraft aus der Luft zu agieren. Hitler hielt dabei weiter am Wunschergebnis fest. In seiner Gedankenwelt war das Zerschlagen des militärischen Potentials der einzig vorstellbare und einzig sichere Weg, um England gewissermaßen an den Verhandlungstisch zu bomben und in die Knie zu zwingen. Von einer tatsächlichen Schonung kann wohl kaum die Rede sein, wenn an Stelle der befehlsgemäß haltenden Truppen des Heeres jetzt die Bomber und Jagdflugzeuge ihre Ziele suchten. Ohne die Luftangriffe hätte nach einer Kapitulation und geordneten Gefangennahme der Engländer für Verhandlungen ein gewichtiges Faustpfand zur Verfügung gestanden. Es konnte den Friedenswillen der Engländer kaum fördern, wenn sie tagelang miterleben mußten, wie Görings Luftwaffe mit aller Kraft die auf dem Festland eingekreisten englischen und französischen Truppenteile attackierte und die leidenden Soldaten mit allem, was halbwegs schwimmfähig war, sich in heilloser Flucht über den Ärmelkanal auf die britische Insel retteten. Die Überfahrt glückte vielfach, weil die britische Luftwaffe dank kurzer Anflugwege über der Kanalzone die 7 weitgehende Luftüberlegenheit wahren konnte . So entkamen insgesamt 370 000 8 Soldaten, davon 139 000 Franzosen dem Inferno .
16. Optionen nach dem Waffenstillstand mit Frankreich
Mit dem am 22. Juni 1940 im Wald von Compiègne mit Frankreich geschlossenen Waffenstillstand erreichte die Machtausdehnung des Deutschen Reiches auf dem europäischen Kontinent einen vorläufigen Höhepunkt: Polen war besiegt, Dänemark und Norwegen in deutscher Hand, Belgien, Luxemburg und die Niederlande besetzt und schließlich der wesentliche Teil Frankreichs erobert. Mochte die Summe der bisher erzielten militärischen Erfolge eindrucksvoll erscheinen, erforderte doch der unverstellte Blick nach vorn ein Abwägen der bestehenden Handlungsoptionen und einen Vergleich mit den eigentlichen Zielen des “Programms”. England war nicht wirklich besiegt, mochte auch Hitler in der damaligen Lage angesichts der Rückzugs, also eigentlich der Flucht der Soldaten des britischen Expeditionskorps zurück über den Kanal, sich mit einigem Recht als Sieger fühlen. Für ihn war damit eine Situation entstanden, die ein vages Friedensangebot verbunden natürlich mit einer unmißverständlichen Drohung erlaubte. Hitlers demgemäß letzter “Appell an die Vernunft” an England im Rahmen einer Reichsstagsrede vom 19. Juli 1940 war also durchaus aus seiner Sicht ernst gemeint und diente nicht nur zur Ablenkung von seinen Zielen oder der Rechtfertigung des weiteren Krieges. Der Stellenwert der Rede erschließt sich aus der Übereinstimmung mit Hitlers Weltbild von der Seemacht England, die keine echten Interessen auf dem europäischen Festland haben kann und gegen die er den bisherigen Krieg nur aufgezwungen geführt hat. Eben diese Aspekte tauchen in der Rede auf und 1 stießen in England keineswegs nur auf taube Ohren . Jedoch wies der britische Außen- minister Lord Halifax am 22. Juli 1940 den Vorstoß zurück, wobei er ausdrücklich eine
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2 Rede des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt heranzog . Damit lenkte er die Aufmerksamkeit Hitlers auf das Verhältnis zwischen den USA und England. Hitler erkannte, dass die USA einer Festigung der deutschen Vormachtstellung in Europa auf Dauer nicht tatenlos zusehen würden und in absehbarer Zeit politische Initiativen zugunsten und zur Unterstützung Englands entwickeln würden. Für ein Landungsunternehmen auf der britischen Insel fehlten dem Reich die militärisch-technischen Mittel; deren Bereitstellung und die Vorbereitung der Truppenteile würden mehrere Monate benötigen. Wollte der Führer weiter das Gesetz des Handelns in der Hand behalten, mußte er unter Aufbieten aller verfügbaren Mittel den Seeverkehr nach England unterbinden und zugleich einen Luftkrieg gegen die englische Luftwaffe, die übrigen militärischen Einrichtungen des Lande und schwerpunktmäßig die Zentren der dortigen Rüstungsindustrie aufnehmen. Während eine solche Vorgehensweise aus der Sicht der Militärs logisch und eher zwingend erschien, war sie aus der programmatischen Sicht Hitlers gegen seine fortwährende Grundüberzeugung von der imperialen Seemacht England in friedvoller Abgrenzung zur kontinentalen Vormacht Deutschland gerichtet. Sein Ziel war nicht die Eroberung und Besetzung der Insel. In seiner Weisung Nr. 16 vom 16. 3 Juli 1940 erteilt er den Auftrag zur Vorbereitung einer Landungsoperation gegen England und nimmt den eher abschwächenden ja bremsenden Zusatz auf, sie sei “wenn nötig” durchzuführen. Hitler sieht sich gezwungen, auf der aus seiner Sicht “falschen Seite” Europas weiter Krieg führen zu müssen. Eine aus seiner Sichtweise unnötige und schädliche Auseinandersetzung, weil sie das britische Mutterland schwächt und damit das englische Weltreich gefährdet und der Zerstörung durch dritte Mächte aussetzt. In Hitlers Ideenwelt konnten in Europa England als Überseemacht, Italien im Mittelmeerraum und Deutschland im Osten jeweils ihre Expansionsziel verfolgen, ohne 4 untereinander in Interessenkonflikte zu geraten . Damit eigentlich widerwillig und in völliger Verkennung der aktuellen englischen Haltung mit ihrem in der Vergangenheit bewährten Prinzip der Schaffung und Erhaltung eines Mächtegleichgewichts auf dem 5 Kontinent billigt Hitler die verstärkte Fortführung des Tonnagekriegs gegen die englischen Seeverbindungen und den Beginn der Luftschlacht um England. So widersprüchlich es scheint, Hitler wollte durch Bomben und Hunger England an den Verhandlungstisch und aus dem Krieg herausbomben. Wenn England seine ureigensten Interessen im Blick habe, werde es aus dem Krieg ausscheiden. Er wiederholte im Vertrauen auf die Überlegenheit der eigenen Mittel jetzt in einer politisch/strategischen Dimension den militärtaktischen Fehler, den er mit dem nur mäßig erfolgreichen Einsatz der Luftwaffe gegen das bei Dünkirchen eingeschlossene englische Expeditionskorps begangen und offensichtlich nicht als Lehre empfunden hatte.
Hitlers abwegige Vorstellung, wie man England zu Verhandlungen zwingen könne, liefert zugleich ein deutliches Indiz gegen ein programmatisches Weltmachtstreben. Er ist offensichtlich unverändert bereit, England den “maritimen” Teil der Erde zu noch auszuhandelnden Konditionen zu überlassen.
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Nach den Personalverlusten in Polen (11 000 Gefallene) und während des Unternehmens “Weser-übung” (5600 Tote) fielen auf dem westlichen Kriegsschauplatz während des ersten Kriegsjahrs, also bis zum 31. August 1940, 220 209 Mann (davon 6 8564 Offiziere) . Aus der Sicht Hitlers und wohl auch aus der Einschätzung der Militärführung kein zu hoher Preis für die bisher erreichten Ziele und schon gar kein Grund, irgendwelche Planungen aufzugeben.
17. Warum nach Russland?
Der Entschluss zum Angriff des Deutschen Reichs auf Russland während der Kampf im Westen noch andauerte und somit die Herbeiführung der Zwei-Fronten-Situation steht nur scheinbar in Widerspruch zu Hitlers Grundprinzip des Nacheinander gegen einzelne, isolierte oder geschwächte Gegner. Übliche Erklärungsmuster reichen nicht hin. Auch wenn in Hitlers Ideenwelt der “Lebensraum im Osten” eine beherrschende Rolle spielte, blieb die Realisierung dieses Traums für seinen konkreten Entschluss zum Krieg gegen Russland ab dem 22. Juni 1941 eher unbedeutend. Weiter war es kein Präventivschlag, um einem bevorstehenden oder vermuteten Angriff Russlands zuvozukommen. Der Feldzug diente auch nicht einem begrenzten politischen oder strategischen Ziel, z.B. der Eroberung einer militärstrategisch wichtigen Position, wie etwa eines beherrschenden Gebirges oder einer Meeresdurchfahrt. Schließlich war es kein Ringen um Lebensmittel oder Industriegüter, wie die Kornkammer in der Ukraine oder die Wirtschaftsregion im Donezbecken. Maßgeblich trieb auch nicht die eigene Ideologie oder der Hass auf den Kommunismus. Diese Aspekte waren zwar bedeutsam, blieben aber nachrangig gegenüber dem Hauptziel der schnellen und totalen Niederwerfung der Sowjets. Wie kam es dann zu dieser Entscheidung?
1 Der in der Luft mit hoher Intensität ab dem 13. August 1940 aufgenommene Kampf gegen England beruhte auf einer nur teilweise zutreffenden Beurteilung der Kräfte- 2 verhältnisse . Die Verluste auf deutscher Seite dezimierten in den folgenden Monaten ohne einen entscheidenden Erfolg die Verbände Görings. Die Luftwaffe hatte im Westen bis zum 31. August 1940 allein 4 016 Tote (davon 650 Offiziere) und mit den verwundeten und vermißten Soldaten insgesamt 12 813 (davon 2 023 Offiziere) Personalverluste zu beklagen. In der Zeit zwischen dem 01. August 1940 und dem 31. März 1941 fielen 3 3363 Soldaten (davon 541 Offiziere) .. Bei allen zugleich erzielten Ergebnissen gegen die britische Luftwaffe und der Wirkung der gegen die militärische Infrastruktur, die Industriezentren, die Versorgungseinrichtungen unter Inkaufnahme von Kollateral- 4 schäden abgeworfenen Spreng- Brand- und Minenbomben war die britische Insel bis 5 zum Jahresende 1940 keineswegs “sturmreif” für ein Landungsunternehmen . Anders als angenommen und geplant entwickelte sich nach den ersten fünf Monaten die Luft- schlacht um England zu einem Zermürbungskrieg ohne konkrete Aussicht auf ein Ende.
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Am 18. Dezember 1940 erließ Hitler die Weisung Nr. 21 “Barbarossa”. Die Wehrmacht, aus Hitlers Sicht in erster Linie also das weitgehend untätige Heer, hatte sich auf einen Zug gegen die Sowjetunion vorzubereiten, auch wenn der Krieg im Westen noch andauern sollte. 6
Die Weisung dokumentiert Hitlers erschreckend weit ausgreifende politische Annalysen, die keineswegs der engen NS-Ideologie untergeordnet bleiben. Vielmehr zeigt sich der konsequente Abschluss früherer Erwägungen. Völlig bindungslos analysiert der Führer die weltweiten Kräfteverteilungen und die denkbaren oder absehbaren Konstellationen mit ihren möglichen Auswirkungen auf Deutschland und seine eigenen Pläne. Im Herbst 1939 drängte Hitler damals auf ein schnelles Handeln im Westen. Er wollte dort aus seiner Sicht Tatsachen schaffen und Sicherheit gewinnen, ehe er zwischen den angelsächsischen Mächten und der Sowjetunion von zwei Seiten bedroht und 7 in einen Zwei-Fronten-Krieg verwickelt werden konnte .In der Kriegslage des Sommers 8 1940 lässt er bei einer Besprechung am 21. Juli 1940 eine weiter entwickelte Überlegung erkennen. Danach setze England seine Hoffnung auf Amerika und Rußland. Da aber Rußland für England und für Amerika in Ostasien das notwendige Gegengewicht gegen Japan bilde, müßte eine Zerschlagung Rußlands sofort England und Amerika zu einer Konzentration auf den Ostasienraum zwingen und damit von Europa ablenken. Also müsse Rußland ehestmöglich zur Gänze erledigt werden. Dann werde Amerika nicht zur Gefahr werden und England den Kampf in Europa zugunsten seiner Interessen in Ostasien aufgeben. Der Gedankengang hat für Hitler den erfreulichen Nebeneffekt, sich besser in sein Weltbild einzufügen, wonach letztlich der Osten den Lebensraum bringt und Rußland, die Sowjetunion, der Kommunismus die natürlichen Gegner sind.
Waren diese Analyse und die Folgerung noch eigenständig, zumindest ohne erkennbaren äußeren Druck entstanden, hat sich bis zum Jahresende 1940 die Lage verändert. Mit der Weisung vom 18. Dezember 1940 bleibt Hitler zwar auf seiner Linie, er unterwirft sich aber erstmals den unübersehbaren Erkenntnissen aus dem ungünstigen Ablauf der Luftschlacht um England. Er kann nicht mehr frei über “ob und wann gegen Ruß-land” entscheiden, vielmehr zwingt ihn die Lagentwicklung mit der offenen Prognose nach seiner eigenen politischen Logik zu einem “auf jeden Fall bald gegen Rußland” und läßt ihm nur noch Spielraum hinsichtlich des Zeitpunkts. Denn England hält eisern an seinem Abwehrwillen fest und zeigt keinerlei Neigung, Festlandeuropa zwischen dem Nordkap und der Biskaya dem Deutschen Reich zu überlassen. Hitler bewegt sich also, besser gesagt wird er bewegt, mangels eines durchgreifenden militärischen Erfolgs gegen England in Richtung auf einen Feldzug, der ihn seinen Großmachtideen einen entscheidenden Schritt näher bringen kann und seiner Ideologie entspricht, aber ihm das Risiko der zweiten Front aufzwingen wird. Damit muss er von seinem bisheriges Erfolgskonzept der Aktionen nacheinander gegen einzelne oder politisch isolierte Gegner zu einem von ihm taktisch gewählten Zeitpunkt abweichen. Er ist nur noch mit Vorbehalt
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Herr über Krieg und Frieden, das Kriegsglück wendet sich schon jetzt gegen ihn. Ein 9 entscheidender Wendepunkt ist bereits erreicht, Hitlers Stern hat den Zenith mit der Weisung Nr. 21 vom 18. Dezember 1940 überschritten.
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Teil IV: Zugzwang oder Ideologie statt Vernunft
18. Kriegswende im November 1941- Halt vor Moskau
Am 22. Juni 1941 begann die Wehrmacht auf der gesamten Frontbreite den Angriff auf die Sowjetunion. Die Euphorie über die Erfolge der ersten Schlachten gegen Rußland wurde unter den Militärs schon früh wieder gedämpft. Der Chef des Wehrmachtführungsstabes Generaloberst Halder gestand sich intern bereits am 11. August 1941 1 durchaus ein, dass man den Gegner unterschätzt hatte . Jedoch behielten die deutschen Truppen zunächst noch unverändert die Initiative.
In den Monaten Oktober und November 1941 verschlechterte sich die militärische 2 Gesamtlage an der Ostfront dramatisch . Die Angriffe hatten sich totgelaufen . Generaloberst Hoepner, Befehlshaber der Panzergruppe 4, hatte auf einer Besprechung der Generalstabschefs in Orscha am 13.November 1941 ernstlich vorgeschlagen, die deutschen Verbände an die Reichsgrenze zurückzunehmen. Offensichtlich ergab sich für Hitler aus den Meldungen ein Bild ohne Illusionen. Er realisierte, dass im Osten ein Sieg unwahrscheinlich wurde und erkannte unter Einbeziehung der Probleme in Nordafrika 3 , dass sich das Kriegsschicksal gegen ihn wendete. Zumindest im engen Kreis seines Hauptquartiers deutete er die Bewertung an, wonach weder England noch Deutschland den anderen vernichtend schlagen könnte und deshalb ein Ausgleichsfrieden möglich 4 sei . Seine tatsächliche Haltung ergibt sich aber aus einer immer wieder kolportierten 5 Äußerung in einer Unterredung am 27. November 1941 mit dem dänischen Außenminister Scavenius: “Wenn das deutsche Volk einmal nicht mehr stark und opferbereit genug sei, sein eigenes Blut für seine Existenz einzusetzen, so soll es vergehen und von einer anderen stärkeren Macht vernichtet werden. Es verdiene dann nicht mehr den Platz, 6 den es sich errungen hat”. Reinhardt widmet Hitlers Schlussfolgerungen eine eigenständige Passage. Hitler sei zwar bis Ende Januar 1942 niedergeschlagen und voller Zweifel gewesen, habe aber angesichts einer Stabilisierung der Frontlage bei der Heeresgruppe Mitte die innere Lähmung überwunden. Natürlich konnten die taktischen Erfolge die Stimmung aufbessern, die vorausgehende - von Reinhardt a.a. O. S. 263 auch zitierte- Einschätzung der Ostlage, wonach die Wehrmacht sich “nahe am Abgrund einer Napoleonischen Katastrophe” befunden habe, ist damit vielleicht verdrängt aber nicht überwunden. Hierfür spricht auch die a. a. O. S. 262 in einer Fußnote aufgenommene Aufzeichnung Jodls in Nürnberg: “Früher als irgend ein Mensch in der Welt ahnte oder wusste Hitler, dass der Krieg verloren war”. Die Personalausfälle des Ostheeres in- 7 gesamt hatten Ende Januar 1942 bereits 920.000 Mann erreicht, davon 29.000 Offiziere . Faktisch existierten ganze Truppenteile nur noch auf dem Papier. So schätzte Generaloberst Reinhardt, Befehlshaber .der Panzergruppe 3, den Gefechtswert seiner acht Divisionen auf nur noch sieben Kompanien.
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Hitler spielt hier gedanklich den Untergang des deutschen Volkes durch. Das setzt aber zwei logisch davor liegende Annahmen voraus: Zunächst, wenn sich eine umfassende Niederlage abzeichnet, ist der Weg zur Großmacht und Vormacht auf dem Kontinent nicht mehr gangbar.. Die machtpolitische Idee in ihrer strategischen Ausformung, wie sie das Hoßbach-Protokoll nachzeichnet, wollte und sollte durch einzelne, möglichst kurze Schläge gegen einen jeweils durch geschickte Politik allein stehenden unterlegenen Gegner zu einer schrittweisen Ausweitung des Herrschaftsbereichs führen. Bleibt der Erfolg eines solchen Schlages - in dem Fall des Feldzugs gegen Russland - aus, ist das 8 “Programm” hoch gefährdet . Sodann, wenn über den einzelnen Misserfolg hinaus eine totale Niederlage droht, ist dem “Programm” insgesamt der Boden entzogen.
Die letztere Erkenntnis bedeutet für Hitler aber das desillusionierende Ende seiner politischen Ideen. Damit rückte der Lebensraum im Osten in weite Ferne und der Weg zur beherrschenden Großmacht in Kontinentaleuropa war versperrt. An der Spitze eines in das Verderben marschierenden Volkes will er als kühler Machtmensch nicht stehen. 9 So erklären sich die an anderer Stelle noch wiedergegebenen Sätze aus dem oben bereits zitierten Gespräch mit dem dänischen Außenminister. Hitler hat begonnen mit:”Ich bin auch hier eiskalt.” Er endete mit dem Wort: “Ich werde dem deutschen Volk keine Träne nachweinen”.
Der erste sichtbare Rückschlag für Hitler auf seinem Weg zur Realisierung seines “Programms”, hier des Teilziels mit seinen Vorstellungen über den Lebensraum im Osten, kam also keineswegs erst mit der Tragödie der 6. Armee in Stalingrad im Dezember 1942 und Januar 1943. Im Winter 1941/1942 war der “Kulminationspunkt des Sieges 10 definitiv überschritten” . Hitler sah sich aus seiner nächsten Umgebung mit der sorgfältig abgewogenen Bewertung konfrontiert, dass der Krieg militärisch nicht mehr zu gewinnen sei und politisch beendet werden müsse. So hatte bereits im Oktober 1941 der Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres Generaloberst Friedrich Fromm dem Führer eine Denkschrift mit der deutlichen Forderung vorgelegt, Frieden zu schließen. Fromms Statistiken belegten seine Folgerung, dass eine Fortdauer des Krieges 11 nicht durchzuhalten sein würde . In einer Besprechung am 29. November 1941 schloss Reichsminister Dr. Todt einen Lagevortrag mit der Quintessenz ab: “Dieser Krieg ist 12 militärisch nicht mehr zu gewinnen” . Hitlers bereits skizzierter Erkenntnisstand erlaubt es, den bei Rohland wiedergegebenen Anschlussdialog zwischen ihm und Dr.Todt für wahrheitsgemäß zu halten: “Wie soll ich dann diesen Krieg beenden?” Todt: “Er ist nur noch auf politischem Weg zu beenden”. Hitler: “Ich sehe aber kaum noch einen Weg, politisch zu einem Ende zu kommen. Wir werden uns hierüber noch einmal unterhalten müssen”. Die eher vage und ausweichende Reaktion bedeutet keineswegs, dass Hitler auch nur ansatzweise irgendwelche Friedensangebote oder ernsthafte Verhandlungen in Erwägung zog. Sein oberstes Gesetz und damit die Maxime seines Handelns war nicht die Realisierung seines Programms. Für ihn war die regelmäßig mit Gewalt betriebene
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Auseinandersetzung zwischen Völkern, Nationen oder Gruppen um Lebensraum und Überleben der natürliche Normalfall, deshalb blieb der Gedanke an einen Verzicht auf eine errungene Position oder die Preisgabe eines eroberten Territoriums ohne Druck außerhalb seiner Vorstellungswelt.
Erforderte demnach die militärische Gesamtlage jetzt objektiv unabweisbar eine politische Initiative, die diplomatisch verdeckt auf eine Art Befreiungsschlag hinführen musste, war bei nüchterner Betrachtung ein politischer Handlungsspielraum zur Zeit 13 nicht vorhanden . Die beiden Hauptkriegsgegner England und Russland waren zwar nicht verbündet, kämpften aber jeweils noch ohne sichtbare Erschöpfung. Bei allen Erfolgen des U-Bootkriegs gegen die lebenswichtigen englischen Versorgungsrouten über den Nordatlantik konnte England mehr und mehr auf die Unterstützung der USA setzen. Drohte mangels möglicher Initiativen auf dem Feld der Politik jetzt den Ideen des hitlerschen Programms das faktische Aus, bedeutet das nicht zwangsläufig ein Abrücken von ideologischen Überzeugungen. Der opportunistische, eiskalte Machtpolitiker Hitler bleibt durchdrungen und übersteuert durch den ideologisch fixierten Fanatiker Hitler mit seiner Vorstellung vom “slawischen Untermenschen” und der nordischen Herrenrasse. Deren natürliche Überlegenheit mußte die Gelegenheit abwarten, unter günstigeren äußeren Bedingungen als im derzeitigen Winter dem Gegner die Entscheidungsschlacht aufzuzwingen.
Tatsächlich ließ Hitler am 08. Dezember 1941 mit der Weisung Nr. 39 alle größeren 14 Angriffsoperationen sofort einstellen und zur Verteidigung übergehen . Der Befehl mischt Kosmetik mit einem Optimismus verbreitenden Appell: (Nur) der überraschend früh eingebrochene strenge Winter habe die Versorgungsschwierigkeiten ausgelöst und die Truppe solle die Möglichkeit der “Erholung und Auffrischung” bekommen für die “Wiederaufnahme größerer Angriffsoperationen im Jahr 1942".
19. Der Weg in den Krieg mit den USA
Im Verhältnis zwischen Deutschland und den USA wird in der deutschen (und zeitgleich der italienischen) Kriegserklärung vom 11. Dezember 1941 - vier Tage nach dem Angriff der Japaner auf die US-Kriegsflotte in Pearl Harbor - die endgültige Ausweitung des von Hitler begonnenen Krieges zum Weltkrieg gesehen. Tatsächlich wollten weder Deutschland noch die USA die militärische Ausein-andersetzung letztlich vermeiden oder durch aktive Schritte verhindern. Seit seiner als Markstein berühmt gewordenen 1 “Quarantäne”-Rede” am 05. Oktober 1937 verfolgte der amerikanische Präsident 2 3 Franklin Delano Roosevelt innen- und außenpolitisch korrespondierende Ziele . Evans wird hier nicht konkret, wenn er - allerdings mit einem Verweis auf detailliertere Literatur - formuliert, dass Roosevelt Ende 1940 “seit einiger Zeit die Möglichkeit erwogen hatte, dass die USA etwas unternehmen müßten, um eine weitere deutsche Aggression zu
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unterbinden”. Roosevelt hatte mit dieser Absicht die verbreitet isolationistische Grundstimmung der Bevölkerung abgebaut und er setzte nach dem Kriegsbeginn in 4 Europa eine England stützende und fördernde Linie durch . Hierzu gehört z. B. die bereits am 04. November 1939 erweiterte “Cash-and Carry”-Klausel im Neutralitätsgesetz, die England den Kauf aller (Rüstungs-)güter gegen sofortige Zahlung und Ausfuhr auf eigenen Schiffen ermöglichte, die Erklärung einer Neutralitätszone im Atlantik vor der US-Ostküste, in der die Schiffe von und nach England vor deutschen U- 5 Booten sicher waren und das Leih- und Pachtabkommen vom 02. September 1940, mit 6 dem England 50 Zerstörer überlassen wurden . In Kenntnis der langfristigen Grundlinie in Roosevelts Politik darf man bei der Beurteilung der Haltung und der Schritte der USA die Reihenfolge nicht umkehren. Nicht der Stand der im Jahr 1937 schwachen Land- und Luftrüstung in den USA belegt eine Friedensbereitschaft, die in der Folgezeit etwa erst durch Deutschland gestört und dann deshalb aufgegeben wurde. Die USA wollten keineswegs “eigentlich” neutral, friedlich und schwach gerüstet bleiben, sie verfolgten 7 die Eindämmung Deutschlands, Italiens und auch Japans .Nach Beginn des Krieges in Europa lag es auf dieser Linie, den wichtigsten Gegner Deutschlands zu unterstützen Das 8 Flottenbauprogramm wurde massiv beschleunigt und erlaubte so die oben erwähnte Überlassung der Zerstörer an England.. Hierzu gehörte auch ein indirekter Schutz der englischen Interessen in Fernost, wo Amerika den japanischen Expansionsbestrebungen 9 1 0 mit Embargomaßnahmen und der Stationierung der Pazifikflotte entgegentrat. In 11 diesen Aktivitäten sieht Lamb trotz aller ihr bekannten Kontroversen um “Pearl Har-bor” in ihrer sehr persönlichen Wertung eine Politik, die den Krieg mit Japan vermeiden wollte aber das Gegenteil bewirkte. Mit dieser Interpretation würde man Japan ungewollt zumindest teilweise moralisch entlasten, weil es den Krieg gegen die USA demnach nicht als Schritt seiner aggressiven Expansionspolitik sondern als Reaktion und zur 12 Abwehr der die eigene Existenz bedrohenden Haltung Amerikas begonnen hat .
Die Haltung “short-of-war” der US-Amerikaner, das Verhalten der US-Kriegsschiffe als Geleitfahrzeuge für Handelsschiffe auf dem Weg nach England erschwerte und beeinträchtigte den von den deutschen U-Booten schwerpunktmäßig im Nordatlantik geführten Tonnagekrieg. Zwischenfälle mit amerikanischen Einheiten blieben nicht aus, gegen alle Forderungen der Seekriegsleitung ließ Hitler, so nach der militärischen Besetzung 13 Islands durch die Amerikaner im Juli 1941 seine Überzeugung durchblicken, dass zunächst Russland auszuschalten sei. Bis zu diesem Zeitpunkt sei jede Zersplitterung der eigenen Kräfte durch eine Auseinandersetzung mit den USA zu vermeiden. Der Einwand ist aus der Sicht des verantwortlichen Gesamtstrategen rein militärisch schon überzeugend. Zugleich offenbart er wieder den spezifischen Wesenszug des Führers als ausgeprägter “Programmatiker”, der die ideologischen Ziele seines Programms in kühler Pragmatik mit “einzelnen Schlägen” nacheinander verfolgt. Er will den von ihm selbst für unvermeidlich erachteten Krieg mit den USA erst führen, wenn alle kontinental- 14 europäischen Probleme in seinem Sinne gelöst sind . Offensichtlich ist Hitler erneut
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oder weiterhin in der Fehleinschätzung gefangen, die ihn auch zu seinem Entschluss geführt hat, sich gegen Russland zu wenden, um so zugleich den englischen Widerstand zu brechen.. Nach einer Niederlage Russlands werde England die dann in Europa ent-standene Lage neu beurteilen, den Kampf gegen die übermächtige Kontinentalmacht Deutschland nicht mehr fortsetzen, voraussichtlich sogar die Seite wechseln und für einen gemeinsam geführten Krieg gegen die USA bereit stehen.
Zwei sich in der zweiten Hälfte des Jahres 1941 langsam verstärkende Faktoren, zu denen etwa in November 1941 ein drittes Moment hinzutrat, wurden jetzt bedeutsam. Zunächst war in Russland der schnelle Erfolg ausgeblieben, im Gegenteil mußte die Wehrmacht dem russischen “General Winter” Tribut zollen und Hitler mußte mit seiner bereits erwähnten Weisung Nr. 39 vom 08. Dezember 1941 alle größeren Angriffsoperationen einstellen lassen. Die damit offenbar gewordene Schwäche der Wehrmacht konnte für die USA ein Anreiz sein, überraschend auf dem europäischen Kriegsschauplatz an der Seite Englands zu erscheinen. Sodann hatten die von den Amerikanern im Nordatlantik einseitig geschaffenen Fakten - Ausdehnung de Sicherheitszone bis 30 GradWest, Besetzung Islands, Rosevelts Befehl vom 11. September 1941 zum “Shoot- 15 on-sight” gegen Schiffe der Achsenmächte , - Formen eines unerklärten Kriegs angenommen. Schließlich hatte in diese Lage hinein gleichsam als Katalysator Japan im November 1941 seinen Entschluss deutlich werden lassen, seinerseits die USA anzugreifen und so deren militärisches Potential teilweise zu binden. Ein zugleich von deutscher Seite begonnener Krieg gegen Amerika hätte damit deutlich bessere Erfolgschancen.
Die drei vorgenannten Umstände wären weder einzeln noch in der Summe ausreichend gewesen, den Entschluss zum Krieg mit den USA auszulösen, wenn sie nicht in der Persönlichkeit Hitlers einen spezifischen Resonanzboden gefunden hätten. So ist es bezeichnend, dass er die Entscheidung schon vor der Kenntnis vom konkreten Angriffs- 16 termin der Japaner wohl schon am 04. Dezember 1941 ohne Absprache mit seinen 17 militärischen Beratern getroffen hat. Grundsätzlich wähnte sich Hitler damals in einer starken Position, er war aus seiner Sicht auf gutem Weg, um als beherrschende Kontinentalmacht spätestens nach dem 1942 zu erwartenden Sieg über die Sowjetunion die Stellung einer Weltmacht zu erreichen. Dann würde als ernstlicher Widerpart nur noch Amerika bleiben. Japans Planungen boten ihm die günstige Gelegenheit, sein bisher verfolgtes Konzept der einzelnen Schläge gegen einen isolierten oder noch wenig gerüsteten Staat jetzt gegen die USA zu richten. Hitler hatte die Rüstungsanstrengungen der USA kritisch im Auge und traute den USA ab 1942 einen Angriff zu (s. o.) Wie unabdingbar der zu erwartende Kriegszustand zwischen Japan und den USA für Hitlers Entschluss war, ergibt sich aus der in diesen Tagen noch kurzfristig getroffenen Absprache zwischen Tokio, Berlin und Rom, wonach weder Japan noch Deutschland oder Italien ohne Einverständnis der beiden anderen Länder einen Separatfrieden mit den USA
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18 oder England abschließen würden .
Schon bei seinem Angriff auf Russland war Hitler nicht mehr - wie oben dargelegttatsächlicher Herr des Geschehens und sein Handeln zog eher notgedrungen die Konsequenzen. aus einer sich entwickelnden Lage. Bei der Wendung gegen Amerika gilt dies mit einigen Besonderheiten in verstärktem Maße. Das Besondere ist zunächst die Gunst der Stunde, die Hitler mit den japanischen Plänen zu erkennen glaubte. Hierfür spricht sein plötzlicher Sinneswandel in den Wochen vor dem 11. Dezember 1941, der fast einer Kurzschlussreaktion gleicht und der ohne Beratung einsam gefasste Entschluss. Ebenfalls anders als im Falle Russlands rechnete Hitler mit einem Eingreifen Amerikas in den europäischen Krieg ab 1942, dem er durch eine Präventivmaßnahme zuvorkommen wollte. Damit wird aber zugleich deutlich, dass er das Gesetz des Handelns verloren hatte. Seine Kriegserklärung vom 11. Dezember 1941 bedeutete nur vordergründig das Ergreifen der Initiative 19 . Sie zielte weder auf Ausdehnung seiner Einflusssphäre noch auf Verbreitung seiner Ideologie ab. Sie ermöglichte aber, den Handels- bzw Tonnagekrieg der deutschen U-Boote im Nordatlantik ohne Einschränkung bis in die amerikanischen Küstengewässer auszudehnen und so England und zugleich Amerika zu schwächen. Nur dieses Nahziel, abgesichert durch die Absprachen mit Tokio, dürfte der wesentliche Grund für den förmlich erklärten Krieg mit den USA gewesen sein. Jedenfalls hatte Hitler keine Pläne für eine Auseinandersetzung mit den USA erarbeiten lassen 20 und er selbst hatte auch kein Konzept Die im Vergleich mit den im Atlantik verfügbaren Seestreitkräften der USA und Englands mehr als 10:1 unterlegenen wenigen deutschen Überwassereinheiten der Kriegsmarine in den Atlantik zu entsenden - allen stand die Katastrophe der Bismarck vom 27. Mai 1941 vor Augen - wäre wohl einem Todesritt gleichgekommen. Hitler selbst hätte schon aus Prestigegründen solche Planun- 21 gen nicht mehr gebilligt . Für Heer und Luftwaffe blieb das amerikanische Territorium auf absehbare Zeit außerhalb jeder Reichweite.
Zwei Aspekte sind hier noch klarzustellen und zu unterscheiden. Die deutsch Seekriegsleitung (SkL) und als Person der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Großadmiral Raeder hatten aus rein seestrategischen Erwägungen die Freigabe des Kampfes in amerikanischen Gewässern und gegen amerikanische Schiffe schon seit langem gefordert. Nicht Selbstüberschätzung, eher im Gegenteil die Einsicht in die begrenzten und faktisch auf den U-Boot- Einsatz beschränkten Möglichkeiten waren Beweggrund für das Drängen der SkL auf Krieg gegen Amerika. Bei Hitler waren bis zu diesem Zeitpunkt die Vorstöße nicht durchgedrungen. Wenn der Führer jetzt scheinbar nachgab, schloss er sich keineswegs plötzlich den Argumenten der Marine an. Sein weiter reichendes Kalkül umfasste England, Russland und die zunehmende Bedeutung des Machtfaktors USA.
Nur vor letzterem Hintergrund erklärt sich dann auch, warum eine sich im März 1942 unverhofft bietende Friedensinitiative versandete. England und Russland verfolgten
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konsequent und voller Vorbehalte ihre teilweise unvereinbaren politische Ziele. Stalin wollte aus der offenbar gewordenen Schwäche der Wehrmacht Kapital schlagen und mit Deutschland über eine neuerliche Interessenabgrenzung wie im Juni 1941 verhandeln. England sollte die entsprechende sowjetische Grenze völkerrechtlich sanktionieren, mochte aber dem Partner den territorialen Zuwachs mit der Annexion des Baltikums, Ostpolens und Bessarabiens nicht gönnen. Beide Länder unterhielten über Schweden bzw über die Schweiz zeitweilig Kontakt mit Deutschland, um separat eine Einigung 22 auszuloten . Offensichtlich erwog England auch noch nach zweieinhalb verlustreichen Kriegsjahren aus machtpolitischen Erwägungen den Pakt mit dem Teufel, zumindest ein starkes Indiz, dass man sich dort immer noch nicht in einem alternativlosen Kampf gegen die Nazis sah. Der deutliche Gegensatz zwischen England und Russland brachte für Deutschland die Option zur Beendigung der Kampfhandlungen in Ost oder West. Aber selbst wenn das Auswärtige Amt die Positionen der Hauptkriegsgegner analysiert und aufgehellt haben sollte, hätte das Hitlers Grundeinstellung des “Alles oder Nichts” und seine Überzeugung, dass Englands einzige Hoffnung auf Russland und Amerika beruht, wohl kaum erschüttert. Beide Initiativen blieben unbeantwortet.
20. Die Konferenz von Casablanca
Die ohne Stalin, der wegen der Kämpfe um Stalingrad nicht anreiste, in Casablanca vom
14. bis 26. Januar 1943 abgehaltene Konferenz zwischen Roosevelt und Churchill hat ihre wichtigste Bedeutung durch die von Roosevelt in einer Presseerklärung am 24. Januar 1943 formulierte Forderung nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands, Italiens und Japans. Der Beschluss und seine Bekanntgabe sind aus Roosevelts Sicht die vor aller Welt deutlich gemachten Eckpfeiler der amerikanischen Außenpolitik, die ja spätestens seit Anlaufen der systematischen Unterstützung Englands nicht mehr Neutralität oder wenigstens Einhegung des Krieges zum Ziel hatte. Roosevelt schreckte ja vor einem Krieg mit Deutschland/den Achsenmächten wie auch mit Japan keineswegs zurück, mochte er ihn auch nicht für unausweichlich gehalten haben. Die genannten Länder hatten ihm den Gefallen getan, Japan am 07. Dezember 1941, Deutschland und ebenfalls Italien am 11. Dezember 1941, ihrerseits die Rolle des Aggressors zu übernehmen.
Die in der Konferenz von Casablanca zwischen den USA, England und Russland vereinbarte Forderung nach “unconditional surrender” markiert einen Wendepunkt in der Kriegszielpolitik der zukünftigen Sieger. Das angestrebte Ziel hat jetzt eine neue Qualität, die deutlich über einen “vollständigen Sieg über die Feinde” der Washingtoner Erklärung der Vereinten Nation in vom 01. Januar 1942 hinausgeht. Nicht der Sieg und die eingestandene Niederlage des Gegners sollen am Ende des militärischen Ringens 1 stehen, vielmehr hat sich der Unterlegene auf Gedeih und Verderb den Gewinnern 2 auszuliefern . Zwar kannten schon die Römer den Begriff des “Fundere atque fugare” als
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Umschreibung für das vollständige (in die Flucht) Schlagen der Feinde, und aus römischer Zeit stammt die lapidar resignierende Erkenntnis: “Vae victis -Wehe den Besiegten”, in einem Krieg der Neuzeit ist der Ausschluss jedweder Bedingung lange vor der Schlussphase des Kampfes bis dahin einmalig. Hier wird das Ende der Eigenstaatlichkeit des Reiches ins Auge gefasst und eine politische Neuordnung des Reichsgebiets in Abhängigkeit vom (guten) Willen der Sieger angekündigt. Man mag das damit beschriebene Kriegsziel der Anti-Hitler-Koalition sachlich gutheißen, dessen ganz offizielle Bekanntgabe bleibt ein schwerwiegender politisch-strategischer Missgriff. Die Veröffentlichung war jedenfalls nicht geeignet - falls das überhaupt zu Roosevelts damit verfolgten Absichten gehört haben sollte- den Krieg abzukürzen. Die Soldaten der Koalition mußten sich bei aller begründeten Siegeszuversicht auf weitere verlustreiche Eroberungskämpfe einstellen.. In Deutschland war nach dem Stalingradtrauma in der Kriegslage des Februar 1943 weder die Militärführung oder die Führungselite in den Machtzentren der Regierung, der SS oder der NSDAP noch die Masse der Bevölkerung bereit, die Waffen bedingungslos zu strecken. Bis zum tatsächlichen Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 vergingen daher nach der Konferenz noch mehr als anderthalb Jahre mit einer dramatischen und immer eindeutiger unumkehrbaren Verschlechterung der 3 Gesamtlage des deutschen Reiches unter Hinnahme hoher Verluste und großer Schäden. Noch in der desolaten Situation des Juli 1944 fand die sich ausbreitende Bereitschaft zur 4 Aufgabe des Kampfes in der Führung keinen Halt . Eher im Gegenteil stand der Appell 5 zur Geschlossenheit .Die Wehrmacht war von ihrer inneren Verfassung her “wohl wenig 6 tauglich als Instrument einer Revolution”, besonders nachdem der Krieg begonnen hatte .
Eindeutig dürfte die Wirkung auf Hitler gewesen sein. Für ihn kam ein solcher Beschluss keineswegs überraschend und er sah darin nicht die ihm angekündigte endgültige Niederlage. Weder kühle Machtpolitik noch Rassenideologie noch Kämpferfanatismus waren das letztlich entscheidende Movens seiner Persönlichkeit. Er war im Kern doch immer nur von einem darvinistisch anmutenden “ Recht des Stärkeren”, dem Bild des “Sieg oder Untergang”, überzeugt. Er mußte sich in seinen Vorstellungen bestärkt fühlen, die offensichtlich ja auch bei seinen Gegnern vorherrschend geworden waren .
21. Ideologie vor Strategie: Planvoller Massenmord
Die Achtung und die Erinnerung an das Schicksal der Millionen von Menschen, die durch deutsche Maßnahmen zu Tode kamen, verweigert sich innerlich einer eher konkret sachverhalts- und anlassbezogenen Differenzierung der Ereignisse. Hinter dem systematischen und mechanisierten Mord an den Juden vor allem in Auschwitz treten Geschehnisse wie das Massaker von Babyn Jar in der Ukraine im September 1941, die Vernichtung der Zivilbevölkerung im griechischen Dorf Kalvryta im Dezember 1943, die Geiselerschießung in den Fosse Adreatine bei Rom im März 1944 oder die Ermordung
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der Einwohner von Oradour sur Glane im Juni 1944 zu schnell aus dem Zentrum der Aufmerksamkeit. Dies gilt ebenso für den viel tausendfachen Hungertod russischer 1 Kriegsgefangener oder das Wüten der vier Einsatzgruppen A,B,C und D der SS im rückwärtigen Gebiet in Russland. Deren “Ereignismeldungen” gelangten mit 40 bis 50 Kopien in die Partei- und Regierungsbüros; Gestapochef Heinrich Müller hatte bereits am 01. August 1941 angeordnet, die Einzelmeldungen Hitler vorzulegen. Der Macht- 2 apparat des Staates einschließlich des Führers war also umfassend informiert . Einzig Hitler selbst hätte Einhalt gebieten können, seine bereits beschriebene Grundüberzeugung vom “Recht” des Stärkeren, seine Skrupellosigkeit, die Überzeugung von der Minderwertigkeit anderer Rassen, sein Antisemitismus und der Glaube, dass keine Nachteile zu befürchten sind, ließen ihn jedoch nicht einschreiten.
Schwierig bleibt die moralische Einordnung der vielen Fälle, in denen Truppenkommandeure unterschiedlichster Ebenen die Grenzen zwischen völkerrechtlich gedeckter Kriegshandlung einschließlich scharfer Repressalien gegen die Zivilbevölkerung bis hin zur Geiselerschießung und strafwürdigem Kriegsverbrechen verkannt oder bewusst überschritten haben 3 .
Hitler, dem ja ohnehin irgendwelche rechtlichen Bedenken oder moralischen Skrupel völlig fremd und sogar unverständlich waren, hatte den Krieg gegen die Sowjetunion von Anfang an als einen Vernichtungsfeldzug konzipiert, in dem zwei Weltanschauungen miteinander ringen. Die Vernichtung der jüdisch-bolschewistischen Intelligenz setzte er 4 als eines der Kriegsziele fest . Weiter dokumentieren zwei in seinem Auftrag oder mit seiner Billigung im Vorfeld des Feldzuges ergangene Regelungen Hitlers mörderisches Kalkül:
• Erlass über die Ausübung der Kriegsgerichtsbarkeit im Gebiet “Barbarossa” und über besondere Maßnahmen der Truppe vom 13. März 1941
• Richtlinien für die Behandlung politischer Kommissare vom 06. Juni 1941. Die erste Maßgabe entband die Truppe von der Pflicht zur Abgabe verdächtiger Personen an die deutsche Kriegsgerichtsbarkeit und ordnete die Erledigung vor Ort an, Zudem hob sie den Verfolgungszwang von Straftaten der Wehrmachtsangehörigen gegen die Zivilbevölkerung auf. Der Kommisarbefehl schrieb die “Erledigung” von gefangenen 5 politischen Kommissaren der Roten Armee - nur wegen ihrer Funktion - vor .
Nicht erst die Meldungen der im Kampf stehenden Truppe über Problemfälle lösten die Weisungen aus, vielmehr wurde die Wehrmacht mit diesen Vorgaben in den Feldzug geschickt. Es bleibt unerklärbar, warum die ganz offensichtlich kriegsvölkerrechtswidrigen Regelungen nicht auf den entschiedenen Widerstand der Wehrmachtführung stießen. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass höhere Weisungen bei der Umset- 6 zung durch die nachgeordneten Stellen eher verstärkt als abgeschwächt werden .
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Es leuchtet ein, dass die hier geforderten Verfahren nicht geeignet waren, die Freundschaft oder wenigstens die neutrale Zurückhaltung der Bewohner in den eroberten Gebieten zu gewinnen oder zu erhalten. Sie setzten aus vornehmlich rassenideologischen und weltanschaulichen Grundüberzeugungen ausschließlich auf Konfrontation, die in eine umfassende Beseitigung der “unbrauchbaren Elemente” einmünden sollte.
Bei allem Erschrecken und Entsetzen über die Art der rücksichtslosen Kriegführung namentlich in den rückwärtigen Gebieten der besetzten Teile der Sowjetunion sollte man nicht übersehen, dass die Wehrmacht ihre hohen Verluste nicht im sekundären Einsatz gegen Partisanen und “Banditen” sondern primär in den regulären Kampfhandlungen hinnehmen mußte. Dies galt nicht erst mit oder nach der Katastrophe in Stalingrad sondern bereits seit Beginn des Feldzugs. In den ersten sieben Monaten bis zum 31. 7 Januar 1942 hatte das Ostheer 917 985 Mann verloren .
22. Die Invasion der Alliierten am 06. Juni 1944 in Nordfrankreich als faktisches Ende deutscher Außenpolitik
In der Anti-Hitler-Koalition aus den USA, England, den Kräften des Freien Frankreich unter de Gaulle und Russland hatte immer wieder Stalin neben der Unterstützung durch die umfangreichen Lieferungen von Rüstungsgütern die Entlastung der Roten Armee 1 durch Errichtung einer zweiten Front gegen Deutschland “im Westen” gefordert . Dabei spielten die Koalitionäre im Umgang miteinander keineswegs mit offenen Karten, vielmehr behielten sie ihre politischen Fern- und Nahziele durch aus im Auge. So sperrte sich Stalin gegen eine Landung alliierter Truppen in Griechenland, weil er bei einem erwartungsgemäß siegreichen Vordringen nach Norden um die Aussicht auf einen eigenen militärischen Erfolg und eine Eroberung “im Osten” gebracht worden wäre. Ähnliches gilt für die bei den Alliierten erwogene und von den Deutschen befürchtete Landung im Golf von Genua. Die zweite Front sollte in möglichst großer Entfernung von den Einsatzräumen und Eroberungszielen der Roten Armee bleiben.
2 Für die USA und England galt bei ihren Kriegszielen die Devise: “Germany first” , das 3 heißt, erst ist Deutschland zu schlagen, danach ist der Krieg gegen Japan zu beenden . Solange aber die deutschen Divisionen ihre Kampfkraft in verlustreichen Schlachten und Abwehrkämpfen im Osten verbrauchten, war die risikoreiche Errichtung der Landfront in Westeuropa nicht vorrangig, mochte auch Frankreich den Beginn der Befreiung herbeisehnen..Eben diese Zurückhaltung hatte den stets misstrauischen Stalin zu seinem oben erwähnten Brief an Churchill vom 18. Juli 1941 bewogen. Er blieb davon überzeugt, dass Amerika und England ihm gerne die Hauptlast des Kampfes überließen, um 4 zumindest Deutschland auszuschalten und so ihre eigenen Machtbereiche zu sichern .
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Am 06. Juni 1944 begann unter dem Decknamen “Operation Overlord” die Invasion mit der Landung alliierter Truppen an vier Strandabschnitten der Normandie. Angesichts der uns heute bekannten Mengen an aufgebotenem Material und Personal und der daraus folgenden rechnerischen Überlegenheit erscheint der Erfolg des Landungsunternehmens selbstverständlich. Aber die Abwehr aus vorbereiteten Küstenstellungen ist auch gegen einen über die See kommenden nach Zahl und Material überlegenen Gegner nicht chancenlos. Tatsächlich hatten die alliierten Stäbe ein zumindest teilweises Scheitern des 5 Unternehmens zumindest nicht ausgeschlossen bzw vorsorglich einkalkuliert . Die hohen Verluste an Menschenleben in den ersten Stunden des Unternehmens sprechen 6 hier eine deutliche Sprache .
Die deutsche Militärführung und selbstverständlich auch Hitler selber hatten sich schon 7 länger etwa durch den Auf- und Ausbau des “Atlantikwalls” auf die Invasion vorbereitet. Jedoch bleiben die dem Führer zugeschriebenen Einschätzungen der Bedeutung für den weiteren Kriegsverlauf widersprüchlich. So enthält das mehrfach zitierte Standardwerk des MGFA “Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg” in Band 7 zwei kaum vereinbare Aussagen. Einerseits habe Hitler der Invasion ungeduldig ent- 8 gegengesehen, um den Feind in einem dann an Land zu führenden Krieg zu schlagen , andererseits habe er wiederholt geäußert, der Krieg sei verloren, wenn die Invasion 9 gelinge .
Nachvollziehbar und damit glaubhaft wird diese Antinomie, wenn man in der ersten Aussage den Appell an die Kampfbereitschaft und das Wecken von Siegeszuversicht unter der Generalität erkennt und die zweite als illusionslos-pessimistische Beurteilung der Gesamtlage einordnet. Die tatsächliche Entwicklung seit der Wende vor Moskau im November 1941 über die Katastrophe in Stalingrad im Januar 1943, den Verlust in Nordafrika mit der Kapitulation der Heeresgruppe Tunis am 13. Mai 1943, die Landung der Alliierten in Sizilien am 10. Juli 1943, den notwendigen Abbruch der Sommeroffensive im Osten nach der Schlacht am Kursker Bogen am 05. Juli 1943, die Kapitulation Italiens am 13 Oktober 1943 mit nachfolgender Kriegserklärung an Deutschland, die Aufgabe der Stellungen vor Leningrad am 30. März 1944 bis zur kampflosen Räumung Roms am 04. Juni 1944 lag nach dem erfolgreichen Beginn der Invasion am Abend des 06. Juni 1944 offen zutage.
Hatte Hitler nach einer ersten bedrohlichen Entwicklung der militärischen Lage im Dezember 1941 außer dem “Halt vor Moskau” keine politischen Schritte unternommen und nur weiter unbedingt auf Sieg gesetzt, war jetzt für eine aktive Außenpolitik kein Raum mehr. Um einen Separatfrieden im Westen würde Hitler sich wegen seiner Persön- 10 lichkeitsstruktur nie bemühen .
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Seit der Casablanca-Konferenz vom Januar 1943 war die bedingungslose Kapitulation Deutschlands das einvernehmliche Kriegsziel der Anti-Hitler-Koalition. Weniger würden die Westalliierten, die im Begriff standen, dem bereits wankenden Deutschland den Todesstoß zu versetzen, nicht mehr akzeptieren. Eine einseitige Einstellung der Kampf-handlungen würde die USA und England zu nichts verpflichten. Sie käme der -vorweggenommenen- Selbstaufgabe des Reiches gleich und hätte mit gestaltender Außenpolitik nichts mehr zu tun. Deutschland war politisch am Ende und stand militärisch vor dem Ende.
Für Hitler bedeuteten die Monate nach dem Attentat des 20. Juli 1944 eine Art Götterdämmerung. Sein Programm ist definitiv nicht mehr zu verwirklichen, die zwischenzeitlichen Erfolge sind zunichte. Sein ideologisierter Fantismus erlaubt ihm aber keine konstruktiven oder altruistischen Handlungsoptionen. Er bilanziert auf seine zerstörerische Weise. Die Justiz verfolgt systematisch alle Personen, die zu den Attentätern in Verbindung standen. Im Rahmen der am 22. August 1944 begonnenen “Aktion “Gewitter” werden potentielle Führungskräfte einer Opposition verhaftet. Sodann “verbraucht” Hitler die noch kampfkräftigen Verbände der Wehrmacht in der Ardennenoffensive, schließlich will er mit dem Nero-Befehl v0m 19. März 1945 die Lebensgrundlagen in Deutschland systematisch vernichten lassen. Sein Selbstmord am 30. April 1945 bildet den logischen Schlusspunkt dieser Bilanz.
Bleibt zu erwähnen, dass der Konferenzbeschluss von Casablanca mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht zwar realisiert war, allerdings fehlte die politische Kapitulation des Deutschen Reiches . Eine Regierungsgewalt deutscher Stellen war aber nach dem 08. Mai 1945 nicht mehr kraft eigenen Rechts ausübbar, auch wenn die letzte Regierung Dönitz bis zu ihrer auf sowjetischen Druck erfolgten Verhaftung durch 11 englische Truppen am 23. Mai 1945 nicht förmlich zurückgetreten ist . Die Alliierten hatten ganz Deutschland besetzt, sie standen auf und in den Scherben des Deutschen Reiches, sie übernahmen in der Berliner “Erklärung in Anbetracht der Niederlage Deutschlands und der obersten Regierungsgewalt hinsichtlich Deutschlands” vom 05. 12 Juni 1945 die oberste Verantwortlichkeit. Damit hatten sie erreicht, was 1918 zwar schon möglich aber noch an ihren Meinungsunterschieden und wohl namentlich an dem Interessengegensatz zwischen England und Frankreich über die Machtgewichte auf dem Kontinent gescheitert war, nämlich das 1871 gegründete Zweite Deutsche Reich 13 definitiv zu zerschlagen. Sie setzten die am 14. November 1944 beschlossenen Kontrollratsvereinbarungen in Kraft und legten somit fest, wie weiter in Deutschland und mit den Deutschen verfahren werden sollte .Auf diese rechtlich wohl problematische Weise 14 wurde die “politische” Kapitulation Deutschlands ersetzt . Ein Dokument, das in den folgenden Jahren und Jahrzehnten nie von einer deutschen Stelle offiziell anerkannt 15 wurde . Insbesondere in England blieb trotz aller Westbindungen der Bundesrepublik Deutschland die Furcht vor deutscher Stärke in Mitteleuropa latent. So sollte die “British
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Army on the Rhine” (BAOR) auch ein Gegengewicht zur Bundeswehr bilden. Englische Diplomaten beschrieben die Aufgabe der NATO mit einem schlechten Scherz gern als “..to keep the Russians out, the Americans in and the Germans down”. Erst die Verhand- 16 lungen zum “2 + 4 Vertrag” vom 12. September 1990 haben nochmals vor Augen geführt, dass bis zu diesem Zeitpunkt weder ein Friedensvertrag noch eine andere Lösung den mit dem Waffenstillstand vom 08. Mai 1945 eingetretenen Zustand zwischen Deutschland und den Siegermächten umfassend geklärt und beendet hatte.
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Teil V: Ergebnisse und Erkenntnisse
23. Hitler als “Finis Germaniae”
Die Erfolge der Alliierten im Westen und das Vordringen der Roten Armee im Osten drängten unausweichlich nicht nur den objektiven Betrachtern die Erkenntnis der nicht mehr abwendbaren totalen Niederlage auf. Das Attentat vom 20. Juli 1944 war in diesem Zusammenhang ein Fanal. Die Bevölkerung hatte fast überall den Verlust von Familienangehörigen und/oder Schäden durch den Bombenkrieg zu beklagen. Der Krieg, in den die meisten Deutschen keineswegs begeistert sondern eher pflichtgemäß gezogen waren, hatte sich gegen seine Verursacher gewendet. Die Kriegsmüdigkeit machte vor den Toren der Reichskanzlei nicht halt und blieb Hitler keineswegs verborgen. Die Parallelen zwischen der Kriegslage des Reiches Ende August 1944 und der Situation im Herbst 1918 sind nicht zu übersehen. Damals drängte die Oberste Heeresleitung unter Luden-dorff die Politik auf eine definitive Beendigung der Kampfhandlungen durch baldigen Waffenstillstand. Für Hitler war der November 1918 und die Art der Einstellung des Kampfes ein absoluter Tiefpunkt Er benutzte für die damls verantwortlich handelnden Personen. gern das Schimpfwort “Novemberverbrecher”. Die damaligen Geschehnisse 1 hatten seinen Entschluss ausgelöst, Politiker zu werden. Haffner nennt es sein Erweckungserlebnis.
Für den Führer Adolf Hitler war demnach der Fehler wie 1918 keine denkbare Lösung, vielmehr mußte er verhindern, dass sich derartige Ideen in Deutschland wirkmächtig zeigen konnten. Dazu wählte er einen Weg, der sich für ihn als kalter und moralisch bindungsloser Machtmensch anbot. Als er im Rahmen der oben erwähnten “Aktion Gewitter” etwa 5000 ehemalige exponierte Funktions- und Mandatsträger der Weimarer Republik verhaften lässt, um mögliche Ansätze für die Bildung einer informellen Opposition im Keim zu ersticken, ging es dabei nicht (mehr) um die Überwindung oder Ausschaltung politisch mißliebiger Akteure. Das Motiv war nicht in einer der ideologischen Überzeugungen des Führers zu suchen.. Es durften sich, insbesondere nach den Erfahrungen des 20. Juli 1944, keine neuen Kristallisationspunkte finden, die sich einem Kampf bis zum bitteren Ende entgegenstellen könnten. Hinter dem Mantel der politischen Ideen und Machtstrategien und aus dem Schatten der ideologischen Verblendetheit tritt damit ein Wesenszug hervor, der in krassem Gegensatz zu seinen demnach nur scheinbar vertretenen Thesen vom Führer eines von der Vorsehung ausgewählten Herrenvolkes auf dem Weg zur Weltvormacht steht. Spätestens jetzt läßt Hitler erkennen, dass er den Krieg endgültig verloren gibt, aber gewillt ist, den Kampf sehenden Auges bis zum Untergang des deutschen Volkes fortzusetzen. Es beginnt mit dem Erlass vom 2 25. September 1944 über die Bildung des deutschen Volkssturms aus allen waffen- fähigen Männern im Alter von 16 bis 60 Jahren.
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Es wäre zu einfach, wollte man seiner Haltung attestieren, dass er hier in einer bedrohlichen Lage alle Kräfte mobilisierte, um - ähnlich wie sein Widersacher Churchill im Sommer 1940 - die Niederlage doch noch abzuwenden. Hitler will nicht mehr den strategischen Erfolg, den Sieg oder doch einen Ausgleich, ab jetzt treibt er das deutsche Volk gewissermaßen vor sich her in den sicheren Tod des Reiches. Den Beweis liefert nicht erst die Ex-post-Bertachtung und der 08. Mai 1945, den Nachweis erbringen Hitlers nächste Schritte.
Innenpolitisch erhöhte sich der Verfolgungsdruck gegenüber den “Defätisten”, die den Krieg für verloren erklärten; militärisch ließ Hitler mit der Ardennenoffensive ab 16. Dezember 1944 bis Januar 1945 den wesentlichen Teil der noch vorhandenen Kräfte der Wehrmacht nutzlos aufbrauchen. Sie erforderte ein Ausdünnen der Abwehrfront im Osten und sollte unter winterlichen Bedingungen durch schwieriges Gelände gegen einen mehr als überlegenen Gegner führen. Das Unternehmen war demnach - abgesehen von taktischen Anfangserfolgen - insgesamt von vornherein zum Scheitern verurteilt. Wenn Hitler die Offensive gegen den ausdrücklichen Rat seiner militärischen Fachleute planen 3 und durchführen ließ - Guderian hatte anhand der Zahlen argumentiert -, sollten zumindest weitergehende, also außenpolitische Beweggründe denkbar sein. Mangels konkreter Belege für die eine oder andere spekulative These bleiben eigentlich nur zwei halbwegs als realistisch einzustufende Absichten denkbar. Nach der ersten einfacheren Alternative wollte der Führer im Westen Kampfkraft demonstrieren, um doch noch eine Kompromissbereitschaft der Westmächte zu wecken. Hiergegen spricht allerdings seine Kenntnis von dem offiziellen alliierten Kriegsziel des “unconditional surrender”nach den oben in Kapitel 20 erwähnten Beschlüssen der Casablanca-Konferenz vom Januar 1943. Die zweite kompliziertere Annahme unterstellt ein gezieltes Entblößen der Ostfront und ein in Kauf genommenes Vordringen der Russen, um den Westmächten die Wahl zwischen seiner Person und Stalin vor Augen zu führen. Dafür, dass solche Überlegungen zumindest Churchill nicht fremd waren, spricht das ihm später zugeschriebene Zitat, man habe am Ende des Krieges “das falsche Schwein geschlachtet”. M.E. liegt es näher, einen unterhalb der politischen Bestrebungen liegenden, sehr viel banaleren aber der hitlerschen Linie und seiner Menschenverachtung entsprechenden Grund zu vermuten. Er wollte an den Anfang des Endes ein von ihm bestimmtes Aufbäumen mit letzter Stärke setzen. Die Gesamtlage der Wehrmacht, speziell der katastrophale Mangel an Kraftstoff, erlaubte aber keine großräumigen Bewegungen motorisierter Verbände mehr. Damit schied eine Unternehmung in die Tiefe des Ostraumes aus. Hier bot die Westfront bessere Chancen für einen Achtungserfolg.
Letzte Zweifel an dem offensichtlichen Willen Hitlers, Deutschland und seine Bewohner dem Untergang zu weihen und dieses Ende aktiv mit herbeizuführen, liefern der Führerbefehl vom 18. März 1945 und der bereits erwähnte “Nerobefehl”vom 19. März 1945. Weil die Bevölkerung im Westen offensichtlich die Besetzung/Befreiung durch die
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feindlichen Truppen herbeisehnte und beim Herannahen der Front weiße Tücher in die Fenster hängte, sollten nach dem ersten Befehl vom 18. März 1945 alle Bewohner den Raum hinter der Front ausnahmslos verlassen und zu Hunderttausenden zum Fußmarsch nach Osten gezwungen werden. Ein solcher Marsch ohne Ausrüstung, ohne organisierte Versorgung, ohne Quartiere und ohne Ziel wäre einem Massenmord gleichgekommen. Für Hitler war aber das Schicksal des deutschen Volkes ohnehin besiegelt, es hatte sich 4 als das schwächere erwiesen . Damit erklärte Hitler seinen Nerobefehl vom 19. März 1945, mit dem die Zerstörung aller militärischen Verkehrs-, Nachrichten-, Industrie- und Versorgungsanlagen sowie von Sachwerten angeordnet wurde.
Die beiden Befehle sind nur unvollständig umgesetzt worden. Vielfach unterblieb die 5 Weitergabe und wenn doch, wurden sie vor Ort nicht ausgeführt. Speer nennt ausgerechnet den SS-Führer Hausser als Beispiel für die bremsende Interpretation. Gelegentlich verhinderte die Ankunft alliierter Truppen das Schlimmste.
Es gibt einen inneren Zusammenhang zwischen den erwähnten Vernichtungsbefehlen und Hitlers Selbstmord am 30. April 1945. Beides entspringt der identischen Motivation. Rassenhass, Antisemitismus und Großmachtstreben waren von Anfang an lediglich Werkzeuge, mit denen er den nach seiner Grundüberzeugung notwendigen und unumgänglichen Daseinskampf führte. Am Ende steht dann die physische Vernichtung des Unterlegenen.
Letzten Endes war Deutschland für Hitler nur interessant, solange er es auf einer Erfolgsspur halten konnte. Er war aber offensichtlich nicht bereit und nach seinen vorherrschenden Charakterzügen nicht in der Lage, aus einer sich abzeichnenden Niederlage frühzeitig die noch möglichen Konsequenzen zu ziehen. Wenn es eine Konstante in seinem Leben gab, dann der unverrückbare Glaube an das “Recht” des Stärkeren. Nicht das national-deutscheElement oder der Nationalsozialismus sind in den entscheidenden Augeblicken die bestimmenden Kriterien. Das Naturgesetz so, wie Hitler es für sich interpretiert, verdammt den Unterlegenen zum Verschwinden. Das liegt durchaus auf der Linie seiner Haltung zu den ja doch deutschen “Novemberverbrechern” von 1918, denn sie hatten nach Hitlers Meinung den noch nicht entschiedenen Kampf zu früh aufgegeben. Nach der Wende vor Moskau im Herbst 1941 wird Hitlers Äußerung vom 27. November 1941 aufgezeichnet: “Wenn das deutsche Volk einmal nicht mehr stark und opferbereit genug ist, sein eigenes Blut für seine Existenz einzusetzen, so soll es vergehen und von einer anderen, stärkeren Macht vernichtet werden. .. Ich werde dann dem 6 deutschen Volk keine Träne nachweinen” .
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24. Schlussbetrachtung
. Die in den einzelnen Kapiteln vorangestellten Thesen und aufgestellten Behauptungen sind dort je-weils untermauert und die Fragwürdigkeit anderer Annahmen ist widerlegt worden. Entsprechend dem Gang der Darstellung werden die Einzelergebnisse in ein Gesamtbild eingefügt.
1. Adolf Hitlers “Programm” stand weder als politische Idee noch als ideologisches Konzept am Anfang seiner Karriere, als er sich “entschloss, Politiker zu werden”.Die in ihm angelegten Vorurteile gegen Juden oder seine Verachtung für Österreich-Ungarn waren nicht maßgeblich. Sein erstes Streben war darauf gerichtet, dem Deutschen Reich den ihm gebührenden Rang und in etwa die Stellung wie vor 1914 wieder zu verschaffen.
2. Die Prägungen der zwanziger Jahre konnten nur so wirkmächtig werden,, weil ihre Hauptfaktoren - die tief empfundene Niederlage am Kriegsende und die Schmach des Diktats von Versailles - auf eine durch Veranlagung, Erziehung, Umfeldeinflüsse und insbesondere Kriegserlebnisse zutiefst nationalistisch und antisemitisch strukturierte Persönlichkeit trafen.
3. Das formal legitime Streben der Nationalsozialisten nach politischer Macht und deren Übernahme ist nur zum geringen Teil kongruent mit Hitlers persönlichen Vorstellungen. Für ihn ist die Funktion als “Führer” der Bewegung wichtiger als die des Reichskanzlers. Deswegen verwendet er ehestmöglich - nach dem Tod Hindenburgs - beide Titel in dieser Reihenfolge auch bei der Wahrnehmung von reinen Regierungsaufgaben und beschränkt sich später generell auf die erste Bezeichnung. Der “Führerwillle” wird oberstes Gesetz in Deutschland..
4. Auch eine so durch und durch pathologische Persönlichkeit wie Hitler durchläuft Entwicklungsschritte, die sich erst unter dem Eindruck weiterer Erlebnisse und Erfolge ergeben. Nicht jeder (außen-)politische Anfangserfolg Hitlers war in seiner Kampfschrift als anzusteuerndes Ziel so vorgezeichnet. Sein völlig rücksichts- und bindungsloser Opportunismus, seine Bereitschaft zum riskanten Spiel mit hohem Einsatz (Rheinlandbesetzung) und seine offensichtlich weit überdurchschnittliche Fähigkeit, die Reaktionen seiner Verhandlungspartner und Gegner richtig einzuschätzen, ließen ihn Chancen wahrnehmen, die sich nicht erst oder ausschließlich durch das Verfolgen einer systematischen Programmatik eröffneten.
5. Hitler wollte keineswegs schon 1933 die ersten planvollen Schritte auf dem Weg “ zur Weltmacht durch Weltkrieg” vorbereiten. Selbstverständlich war für ihn Krieg ein Instrument und Machtmittel der Politik, darin unterschied er sich von vielen anderen Regierungen insoweit nur durch das völlige Fehlen irgendwelcher Skrupel. In der ersten
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Zeit nach der Machtergreifung war das Streben des Führers innenpolitisch auf Sicherung, Festigung und weiteren Ausbau der Macht gerichtet. Die Reichwehr an der Jahreswende 1932/1933 war weder nach ihrer inneren Verfassung noch nach ihrer zahlenmäßigen Stärke und Struktur ein politisches Gewicht für Verhandlungen auf Augenhöhe 1 mit Nachbarn des Reichs .
6. In Hitlers Ideenwelt verbanden sich zumindest bis etwa zum Jahrsende 1937 mehrere Faktoren zu einer aus seiner Sicht zwingenden außenpolitischen Logik: Ein starkes Deutschland auf dem Kontinent bot England Schutz vor dem drohenden Marxismus Russlands. Der betonte Blick der Reichs nach Osten und etwa das Flottenabkommen sollten England Handlungsfreiheit und Sicherheit bei der Verfolgung seiner maritimen und kolonialen Interessen im Empire bieten und zugleich dem Reich eine expansive Politik auf dem Kontinent erlauben.
7. Nur sehr langsam und wohl wenig überzeugt löste sich Hitler von dem Bild des natürlichen Partners England, mit dem man sich in korrespondierenden Interessenlagen zunächst arrangieren könnte. Die Erkenntnis bewog ihn keineswegs zum Überdenken oder Ändern seiner primären Ziele im Osten,. vielmehr mußte jetzt die Taktik darauf gerichtet sein, die englischen Bestrebungen, die den Frieden um fast jeden Preis erhalten wollten, zu stützen und auszunutzen. Wenn es nicht “mit England” geht, muss es jetzt “ohne England” versucht werden. Erst unter dem Einfluss der seestrategischen Lage und der maritimen Interessen Deutschlands bezog Hitler als dritte Phase eine Politik “gegen England” mit ein.
8. Bei dem Bemühen, Hitlers außenpolitische Aktivitäten entweder als berechnete Schritte seines Machtstrebens oder als ideologische Impulshandlungen einzuordnen, darf man nicht der Gefahr erliegen, den Emotionen zu großes Gewicht beizumessen. Bullock 2 bringt für Hitlers Fähigkeit, die Zuhörer in seinen Bann zu schlagen, den Vergleich mit den “okkulten Kräften eines afrikanischen Medizinmannes oder eines asiatischen Schamanen”, mit der “Sensibilität eines Mediums und der Suggestivkraft eines Hypnotiseurs”. Zugleich stellt Bullock aber auch klar, dass Hitler sich erst nüchtern für eine bestimmte Vorgehensweise entschied , um sie dann mit der gerade beschriebenen Fähigkeit über- 3 4 zeugend und jeden Widerstand brechend zu verkünden . Kuhn kommt in seinen Schlussbetrachtungen zu dem Ergebnis, dass Hitler kein Ideologe war und immer der machtpolitische Aspekt sein Handeln bestimmte; die (antisemitische) Begründung sei 5 notfalls angepaßt worden.. Jacobsen sieht Ideologie und Machtpolitik untrennbar miteinander verbunden, weil nicht einfach die Beherrschung fremder Territorien un Völker angestrebt wurde, vielmehr zugleich die physische Vernichtung der Gegner und der Aufbau eines neuen Systems nach rassischen Kriterien gewollt war. Bei aller Ambivalenz wird man sehen müssen, dass sich nüchternes Kalkül und fanatische Ideologie nicht zwangsläufig ausschließen. Keineswegs war es verblendeter Fanatismus, der den
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Führer gegen Ende des Ringens sinnlos gegen eine Übermacht anrennen ließ, er steuerte sehenden Auges die Katastrophe an.
9. Nach den bis heute ermittelten Fakten muss man sich der Erkenntnis fügen, dass der Nationalsozialismus, die “Nazis” nicht ohne ihren Führer, das Phänomen Adolf Hitler, den dämonischen Demagogen mit dem intuitiven Gespür für die Reaktionen der Masse, so erfolgreich werden konnten. Dabei ist die Abhängigkeit wechselseitig. Die Nazis wurden durch Hitler machtvoll, er benötigte zunächst das Ideenspektrum der Partei für seine Ziele und Erfolge, aber vor allem inspirierte ihn bei seinen Reden die Reaktion der Zuhörer in sich aufschaukelnder Form zu immer wirkungsvolleren Formulierungen. Er konnte gezielt eine Spannung aufbauen, die sich in tosenden Begeisterungsstürmen entlud.
10. Ohne Hitler ist der Beginn des Zweiten Weltkriegs in Europa nicht vorstellbar. Gleichwohl markiert der am 01. September 1939 begonnene deutsch-polnische Krieg nicht den Beginn eines von Hitler geplanten Welteroberungskriegs. Über die theoretische Entwicklung ohne die Kriegserklärungen Englands und Frankreichs vom 03. September 1939 lässt sich nur spekulieren.
Der Antisemitismus beherrschte Hitlers Innenpolitik, die Lebensraumtheorie förderte seinen unter dem Druck der militärstrategischen Lage der Jahreswende 1940/1941 entwickelten Entschluss zum Krieg mit Russland. Das Halt vor Moskau im Dezember 1941 bezeichnete den Wendepunkt des Krieges und den Verlust der Handlungsfreiheit. Hitler realisierte die Wendung und ahnte die Niederlage. Er reagierte energisch mit dem Versuch der gezielten Lähmung des US-Nachschubs für Russland, um der Ostfront Luft zu verschaffen. Die Katastrophe in Stalingrad lieferte ihm dann den offenkundigen Beweis für die tatsächlichen Verhältnisse. Definitiv nach dem Verlust der Schlacht am Kursker Bogen im Sommer 1943 - Unternehmen “Zitadelle” - verdrängte das rein militärische Ringen um noch für möglich gehaltene Erfolge andere Erwägungen. Sie lagen für Hitler eher fern, weil für ihn der Kampf und die gewaltsame Auseinandersetzung der Normalzustand waren. Mit der Landung der Alliierten in Nordfrankreich im Juni 1944 ging auch noch der letzte, eher theoretische Handlungsspielraum verloren. Was blieb, war das “Alles oder Nichts”, mit dem Hitler das deutsche Volk - selbst “eiskalt” - auf die entscheidende Probe stellte, um am Ende zu folgern, dass dies Volk ihn als seinen Führer nicht verdient habe und im übrigen dem stärkeren Ostvolk weichen müsse.
Insgesamt ist Hitlers politische Laufbahn vom Beginn in den zwanziger Jahren bis zu ihrem Ende mit seinem Selbstmord im unter russischem Beschuss liegenden Führerbunker am 30. April 1945 stets durch seinen Antisemitismus und die Wahnvorstellung vom Lebensraum im Osten beeinflusst, aber nicht entscheidend bestimmt worden. Die These
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von der früh entwickelten und konsequent als Richtschnur beibehaltenen Rassenlehre, dem Judenhass, der Lebensraumfrage und der systematischen Kriegsvorbereitung kann sich auf den Geschehensablauf insgesamt nur als “prima-facie-Beweis” stützen. Sie bleibt jedoch den Nachweis für die tatsächliche Kohärenz eines einheitlichen Gesamtkonzepts schuldig. Ihre Annahme wird durch die unvorhersehbaren Abfolgen der Kriegsereignisse, die Aktionen der Anti-Hitler-Koalition und Hitlers Reaktionen erschüttert 6 und widerlegt .
Das Totalitäre des Nationalsozialismus mit seiner Herrenmenschenideologie und seinen Vernichtungskonzepten ist nicht identisch, vielleicht nicht einmal teilkongruent mit der bindungslosen Absolutheit der politischen Programmatik Hitlers. Das vorherrschend nationale Element der NS-Bewegung führt nicht notwendig zu einer weit ausgreifenden Politik nach außen. Die Übereinstimmung mit Hitlers Ideenwelt besteht bei der Überzeugung von der Überlegenheit der eigenen Rasse und dem sich daraus ableitenden Anspruch. Dagegen entwickelte Hitler sein außenpolitisches Programm in stetigen Schritten, seine Überlegungen wiesen weit in die Zukunft, jedenfalls war er seinem Umfeld dabei regelmäßig voraus.
Bleibt die Erkenntnis, dass Hitler an seinen eigenen Eigenschaften scheitern musste. Seine Grundüberzeugungen vom Daseinskampf und dem Überleben des Stärkeren ließen ihn den Krieg aus der Position der Stärke beginnen, konfrontiert mit der ungünstigen Lageentwicklung erweiterte er die Auseinandersetzung als Flucht nach vorn und angesichts der unausweichlichen Niederlage steuerte er sehenden Auges in den endgültigen Untergang.
1. Das Thema im heutigen Umfeld
1. Ausdruck des amerikanischen Diplomaten George Kennan, englisch “original catastrophe”
2. The Great W ar, La Grande Guerre
3. Stevenson a.. a. O. S.594
4. Von den etwa 120.000 britischen Soldaten, die zu Beginn der Somme-Schlacht am 01. Juli 1916 die deutschen Stellungen angriffen, wurden an diesem Tag über 19.000 getötet und etwa 57.000 verwundet (Stevenson a. a. O. S. 209). Zusätzlich wurden etwa 21.000 Mann als vermisst gemeldet. Bei Abbruch der Schlacht im Herbst 1916 waren die Gesamtverluste der Angreifer größer als die der Verteidiger, ohne dass ein nennenswerter unmittelbarer Vorteil errungen worden wäre.
5. Symbolischer Handschlag zwichen Amerikanern und Russen am 25. April 1945
6. Rebenich a. a. O., S, 34/35
7.Der spätere Bundespräsident Gustav Heinemann wurde Ende 1933 Mitglied im Bund Natinalsozialistischer Deutscher Juristen und trat der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt bei, Treffke a. a. O. S. 73
8.Hier ist nicht der Raum,, um auf die prinzipiellen Unterschiede zwischen der Ideologie des Nationalsozialismus und des Faschismaus einzugehen.
9. Am 19./20. September 2008 blockierten in Köln Gegendemonstranten den Zugang zu einem “Anti-Islamisierungskongress” der Bürgerbewegung “Pro Köln”, die den Bau der Großmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld verhindern wollte. Am 01. Mai 2010 nahm Bundestagsvizepräsident W olfgang Thierse in Berlin an einer Sitzblockade gegenn eine geplante Demonstration von Rechtsextremisten teil
10. § 21 des Versammlungsgesetzes sieht Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor.
11. Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole, strafbar nach § 86 a Strafgesetzbuch in Verb. mit § 86 Abs. 1 StGB
12. Refrain der “Internationale”
13. Eingangszeilen der dritten Strophe des Horst-W essel-Liedes der Nationalsozialisten
14. Dagegen sind die kommunistischen Verbrechen - wohl mangels vorhandener oder bekannter Quellen - in der öffentlichen Erinnerung kaum präsent. (Vgl. Karl Peter Schwarz: Das grausige Geheimnis der Partisanen, FAZ 15. April 2009, S. 7). So töteten etwa Titos Partisanen bei Gottschee 50.000 Landsleute (Gebhardt, Band 21, S. 372)
15. Die Bundeswehr tut sich seit Aufstellung ihrer ersten Verbände Ende 1955 schwer, in der soldatischen Traditionspflege der Wehrmacht und ihren Soldaten einen wohl angemessenen Platz einzuräumen. Zur Traditionsproblematik jetzt sehr ausgewogen unter der Kapitelüberschrift “Reflexion und Ausblick” Roth a .a. O. S. 263 ff.
16.In e in e r G rund sa tz entsc he id ung vo m 1 6 . N o ve m b er 2 0 0 9 h a t d a s B u n d e s v e r fa s su n g s g e ric h t Gedenkveranstaltungen für den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß als strafbare Verherrlichung des NS-Regimes eingestuft. Di entsprechende Strafvorschrift in § 130 Abs. 4 des StGB sei zwar kein allgemeines Gesetz, wie es
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Artikel 5 Abs. 2 des Grundgesetzes für zulässige Einschränkungen der Meinungsfreiheit verlange, jedoch müsse in Bezug auf den Nationalsozialismus eine Ausnahme gelten - Az 1 BvR 2150/08. Damit legalisiert der Rechtsstaat eine einfachgesetzliche Ausnahmevorschrift als zulässige Durchbrechung seiner Prinzipien.
17.a. a. O. z .B S. 319 ff
18. Rainer Blasius in einem Artikel “Das Amt und der 20. Juli” (FAZ vom 20. Juli 2011, S. 6)
19. Treffke a. a. O. S. 73
20. Evans, Band III, S. 949 -
21. Ergebnisdes preußischen Erlasses zur “Judenzählung” vom 01. November 1916
22. Die Lesart, wonach es sich bei allen Maßnahmen nur um Teil einer systematischen Kriegsvorbereitung gehandelt habe, argumentiert ausschließlich vom Ergebnis, nämlich dem tatsächlich folgenden Krieg her.
23. Rommel a.a. O. S. 37
24. Ein bekanntes Beispiel ist der Unterschied in der Stubenordnung von W ehrmacht und SS. Soldaten mußten ihren Spind ständig abschließen, ein Verstoß galt als ahndungswürdige Anstiftung zum Kameradendiebstahl. Bei der SS waren die Schränke offen.
25. Sie beseitigte im internen Dienstgefüge den Unterschied zwischen Offizieren und Unteroffizieren indem sie durchgängig alle Funktionsträger als Führer auf den unterschiedlichen Ebenen ihrer Gliederung, also Rotten-, Sturm-, Sturmbann- Gruppenführer usw. einstufte. Die Vorgesetzten waren nur mit dieser Funktionsbezeichnung, also ohne “Herr” anzusprechen
26. Hartmann, W ehrmacht im Ostkrieg, betont in seinem dort vorangestellten Prolog, ( S. 2 - 10) wie schwierig es ist, die ganze Bandbreite von unterschiedlichen Arten der Kriegführung im Osten zwischen den Extremen der weitgehenden Rechtstreue und der rücksichtslosen Vernichtung in ihren Größenverhältnissen zu erfassen.
27.Diese Freude hat sehr divergierende Gründe. Der italienische Ministerpräsident Giulio Andreott hatte 1984 gefordert: “Es gibt zwei germanische Staaten und zwei müssen es bleiben.” (Zitiert bei Scholtyseck im Aufsatz: “Staatskunst und “Kunst der Diplomatie” 1989/1990, im Sammelband “20 Jahre Deutsche Einheit” S. 32)
28. Rommel a.a .O. S. 252, der auf den psychologischen Effekt hinweist, wonach auch Kriege, die gegen den W illen der Bevölkerung begonnen wurden, mit Begeisterung fortgeführt werden, sobald die ersten Opfer gebracht sind.
29.Haffner, Anmerkungen zu Hitler, S. 146
30.Allein für die Jahre 2008/2009 lassen sich etwa 19 “Krisen” (z. B. der Machtkampf zwischen Regierung und Opposition in Kenia oder der Terror in Irak) und 9 Kriege ( z.B. der georgisch-russische Krieg um Südossetien oder der Krieg islamistischer Gruppen in Somalia gegen die Regierung in Mogadischu) registrieren.
31.Der Krieg zwischen Iran und Irak in den Jahren von 1980bis 1988 dauerte länger als der Zweite W eltkrieg in Europa. Allein in diesem Krieg verloren nach Schätzungen etwa 1 Million Menschen ihr Leben. Die Besetzung Afghanistans durch Russland in der Zeit zwischen 1979 und dem Rückzug der Russen 1989 forderte zwischen 1 und 1,5 Mio Menschenverluste
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32.Die fortdauernden Diskussionen und die Abstimmungsergebnisse im Deutschen Bundestag bei Beschlüssen zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr sprechen eine beredte Sprache
33. Die V ertreter d ieser Auffassung werden nach dem englischen Unterstaatssekretär V ansittart als “Vansittartisten” bezeichnet.
34.Das Argument stützt sich auf die kurze Folge der deutschen Einigungskriege zwischen 1864 und 1871 sowie die
- insbesondere aus französischer Sicht schwer hinnehmbare - Tatsache, dass Deutschland ab 1870 in weniger als 80 Jahren dreimal in Frankreich eingefallen ist.
35. Ob die Bezeichnung als “Neonazis” zutreffend oder nur Abwehrreflexe weckend gebraucht wird, kann hier dahinstehen.
36..Die Theorien vom bellum iustum ( Stichworte bei Repgen a.. a. O S. 11), dem ius ad bellum im Unterschied zum ius in bello, also dem ursprünglich nur Staaten zugebilligten Recht, einen Krieg beginnen zu dürfen in Abgrenzung zu der Frage, wie und mit welchen erlaubten Mitteln er zu führen ist, werden hier nicht behandelt.
37. Artikel 231 a. a. O.
38. Hofer a. a. O.
39. W. Rahn in “Das Deutsche Reich und der Zweite W eltkrieg”, Band 6, S. 183
40. W. Rahn , a. a. O. S. 196
41. Bernd W egner: “W ann begann und wann endete der Zweite W eltkrieg?”- FAZ, M ittwoch, 12. August 2009, S. N 3)
42. Zeitgleich mit England: Australien, Burma, Ceylon, Indien, Jordanien, Kambodscha, Laos, Marokko, Neuseeland, Tunesien und Vietnam; am 06.September 1939 folgte Südafrika und am 10. September 1939 noch Kanada. Bis zum Kriegsende in Europa wurden es insgesamt 53 Staaten, von denen sich viele nicht aktiv an den Feindseligkeiten gegen Deutschland beteiligten.
43.vgl auch die Fiktion des eingetretenen Verteidigungsfalls in Art 115a Abs. 4 des Grundgesetzes, falls das Bundesgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird.
44.Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde durch japanische Unterhändler an Bord des US-Schlachtschiffs Missouri in der Bucht von Tokio
45.Weinberg a. a. O. S. 2/3
46. Deutsche Außenpolitik 1933 - 1945, Kalkül oder Dogma ? (siehe Literaturliste)
47.Der Zweite W eltkrieg - Kriegsziele und Strategie der Großen Mächte (siehe Literaturliste)
48.Die W estmächte planten z. B. ernstlich, die Öleinfuhr Deutschlands aus Russland durch Bombardierung der russischen (!) Ölförderzentren im Raum Baku, Batum, Poti und Grosnij zu unterbinden, a. a. O. S. 36/37.
49. a. a. O. S.11-53
50.Sie ist Teil I des Versailler Vertrages vom 28. Juni 1919. In Artikel 1 Abs. 1 wird “ausdrücklich festgestellt, dass jeder Krieg und jede Bedrohung mit Krieg, mag davon ein Bundesmitglied betroffen werden oder nicht, eine Angelegenheit des ganzen Bundes ist und das dieser zum wirksamen Schutz des Völkerfriedens erforderliche
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Maßnahmen zu ergreifen hat.”
51.Der “Vertrag zur Ächtung des Krieges”, RGBl 1929 II, S. 97, verpflichtet die Vertragsschließenden, auf den Krieg als W erkzeug nationaler Politik zu verzichten. Sie verurteilen zugleich den Krieg als Mittel für die Lösung internationaler Streitfälle
52.Das IMT verhandelte insbesondere wegen folgender vier neu geschaffenen Straftatbestände: 1. Verschwörung gegen den Frieden, 2. Verbrechen gegen den Frieden, 3. Verbrechen gegen das Kriegsrecht, 4. Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Dabei erlaubten die ersten beiden Punkte die Verurteilung für Planung, Vorbereitung , Führung und auch nur Teilnahme an einem Angriffskrieg. Vor dem IMT wurden zwischen dem 01. Oktober 1946 und dem 14. April 1949 insgesamt 13 Verfahren gegen 199 Angeklagte geführt und mit einem Urteil beendet. Gegen 36 Angeklagte erging ein Todesurteil,davon wurden 18 vollstreckt, in 23 Fällen verhängte daas Gericht lebenslängliche Freiheitsstrafen, 39 Personen wurden freigesprochen, der Rest erhielt Freiheitsstrafen zwischen eineihalb und 25 Jahren.
53. Messerschmidt in “Das Deutsche Reich..und der Zweite W eltkrieg”,. Band 1, S. 160
54. Dies wird sehr deutlich durch die ersten Ziele der Besatzungsmächte in Deutschland ab Mai 1945 belegt. Neben der Demilitarisierung, Deindustrialisierung und Demokratisierung war die Denazifizierung nur ein weiterer Punkt.
55. Hubatsch, W eserübung,, S. 21/22 Aufschlußreich in diesem Kontext ist auch das finnische Hillfeersuchen an England und Frankreich mit der Bitte um Unterstützung im finnisch-russischen W interkrieg 1939/1940. Allein die Vorstellung von englisch-französischen Truppen im Ostseebereich bewog Rußland zum Abbruch des Krieges und zu Friedensschluss mit Finnland am 12. März 1940 - Hubatsch a.a. O. S.20.
56. W eserübung, Details in Hubatschs Darstellung, siehe Literaturverzeichnis
57.Als Eckpfeiler der systematischen Ausdehnung der amerikanischen Machtsphäre im Nordatlantik im Rahmen der “short-of war-Politik” gegenüber Deutschland
58.siehe Literaturverzeichnis
59. a.a. O. S. XXI
55. Hoßbach a. a. S. 217
2. Die Aufgabenstellung der Arbeit
1.Erlass vom 02. August 1934 (RGBl I S 751) zum Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches vom
01. August 1934 (RGBl I S. 747)- Aus “Respekt” vor dem verstorbenen Hindenburg “verzichtet” Hitler auf den Titel des Reichspräsidenten. Es soll bei der Anrede als “Führer und Reichskanzler” bleiben.
2.Haffner, Anmerkungen zu Hitler, S. 21
3.Nolte, a. a. O. S. 452
4. Hofer a.a. O. S. 411 zitiert aus der Diagnose eines Psychiaters (Prof. Schaltenbrand): Hitler muß in jene Gruppe schwer charaktergestörter Menschen gereiht werden, die wir als Psychopathen bezeichnen. Er ist ein seelisch Abnormer, der zur Bildung abnormer Vorstellungen neigte und auch zu abormalen gefühlsmäßigen Reaktionen. Seine Vorstel-lungen tragen einen paranoischen Zug und seinen Reaktionen fehlen jene Hemmungen, die ein gesunder Mensch durch Erziehung erwirbt
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3. Hitlers “Programm”
1.Anm. Ausdruck erstmals so bei H .R. Trevor-Roper: Hitlers Kriegsziele, in: Stationen der deutschen Geschichte 1919-1945, Internationaler Kongress zur Zeitgeschichte, Hrsg. Von B. Freudenfeld, Stuttgart 1962, S. 9/10. Der Verfasser spricht dort von einem “radikalen Programm”, auf das bereits Hitlers Buch “Mein Kampf” einen eindeutigen Hinweis gebe
2.Abdruck z. B. bei Grimm a. a. O. S. 216 - 220.
3. Hildebrand, Deutsche Außenpolitik 1933 - 1945, Kalkül oder Dogma?, S. 25
4. Ein wohl nicht von Hitler stammender, aber von ihm gern gebrauchter Ausdruck für die Verantwortlichen des W affenstillstands vom 11. November 1918.
5. Details bei Haffner, Der Vertrag von Verdailles, siehe Literaturverzeichnis
6. Die Selbstversenkung der in Scapa Flow.internierten Flotte unter Admiral von Reuter am 21. Juni 1919 wurde in Deutschland als Triumph empfunden. W ir ordnen heute das Handeln der damals verantwortlichen deutschen Seeoffiziere als einem unsinnigen, überkommenen Ehrbegriff entspringend ein. In ähnlicher, nicht vergleichbarer Lage entzog sich die im Hafen von Toulon liegende französische Flotte am 27.. November 1942 durch Selbstversenkung dem deutschen Zugriff während der militärischen Besetzung Südfrankreichs. Es handelte sich immerhin um 77 Einheiten, darunter 3 Schlachtschiffe,7 Kreuzer und 32 Zerstörer. Einzelheiten zum deutschen Unternehmen “Anton” in: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 6, S. 124 und S. 741 - 745. Auch die dänischen Marineoffiziere, die am 29. August 1943 die dänische Flotte versenkten, handelten aus diesem Motiv.
7.Jäckel, Hitlers W eltanschauung, S. 125
8. Anmerkungen zu Hitler, S. 18-21
9.Dabei unterlegt Haffner dem Obersatz “Nie wieder ein November 1918" insgesamt neun Einzelziele, von denen allerdings nur die ersten fünf daraus herleitbar sind, nämlich Vermeidung einer Revolution, Schaffung der Lage wie 1918, Wiederaufnahme des Krieges, Verfaßtheit ohne revolutionäre Kräfte und Abschaffung aller linken Parteien. Schon bei dem sechsten Teilziel, der Gewinnung der linken Arbeiterschaft für eine neue Form des Sozialismus, also den Nationalsozialismus, ist der Zusammenhang kaum noch erkennbar, bei den Schritten sieben bis neun, Ausrottung des Glaubens an den Marxismus, physische Vernichtung der marxistischen Politiker und Intellektuellen und letztlich Ausrottungsfeldzug gegen alle Juden, fehlt er völlig
10. a. a. O. S. 741
11. Hitlers W eltanschauung, S. 129
12.a.. a. O. S. 139
13. Mein Kampf, S. 225
14. a. a. O. S. 229-232
15. Hitler am 27. November 1941 im Gespräch mit dem dänischen Außenminister Scavenius und am 27. Januar 1942
16. Reinhardt a. a. O. S. 142
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4. Die zwanziger Jahre - Erste Prägungen und Umrisse eines Weltbilds
1. Hierzu ausführlich Rainer Sammet a. a. O., der darunter alle Erklärungsversuche subsumiert, wonach der Krieg nicht notwendig verloren gegeben werden mußte und die dabei die Ursache nicht primär in der Überlegenheit der Entente sehen.
2. W ie verbreitet und auch ganz offiziell unterstützt diese Interpretation war, lässt sich an den Begrüßungsworten des Reichspräsidenten Ebert am 10. Dezember 1918 für die heimkehrende Garde am Brandenburger Tor ablesen: “Eure Opfer und Taten sind ohne Beispiel. Kein Feind hat Euch überwunden. Erst als die Übermacht der Gegner an Mensch und Material immer drückender wurde, haben wir den Kampf aufgegeben. (..) Erhobenen Hauptes dürft Ihr zurückkehren.” ( zitiert nach Sammet a.a. O. S. 67). Bemerkenswert an Eberts Ansprache, der selbst zwei Söhne verloren hatte, ist der symbolträchtige Ort, an dem die siegreich heimkehrenden Truppen der Jahre 1815, 1864, 1866 und 1871 empfangen worden waren. Ob im übrigen Großadmiral Dönitz für den letzten OKW -Bericht vom
09. Mai 1945 Eberts Rede herangezogen hat, lässt sich nur vermuten. Immerhin heißt es dort (Salewski, Deutsche Quellen, S. 311: “...Die deutsche W ehrmacht ist am Ende einer gewaltigen Übermacht ehrenvoll unterlegen. ....Der deutsche Soldat hat, getreu seinem Eid, in höchstem Einsatz für sein Volk für immer Unvergeßliches geleistet....Die einmalige Leistung von Front und Heimat wird in einem späteren gerechten Urteil der Geschichte ihre endgültige W ürdigung finden...Jeder Soldat kann deshalb die W affe aufrecht und stolz aus der Hand legen...
3. Abfällige Bezeichnung, deren Herkunft nicht belegt ist. Sie dürfte sich insbesondere bei Hitler gegenüber kritisch eingestellten Soldaten einer gewissen Beliebtheit erfreut haben.
4. Haffner a. a. O. S. 189
5. Mein Kampf, S. 225
6.Die nicht nur in der hitlerschen Polemik übliche Bezeichnung knüpft an den Umstand an, dass der Inhalt einseitig von den Siegermächten konzipiert/”diktiert” und nicht verhandelbar war.
7. Haffner spricht von hypnotischer Fähigkeit, a. a. O. S. 21.
8. Hitler wörtlich: “Der Redner... wird sich von der breiten Masse immer so tragen lassen, dass ihm daraus gefühlsmäßig gerade die Worte flüssig werden, die er braucht, um seinen jeweiligen Zuhörern aus dem Herzen zu sprechen” - a. a. O. S. 527
9. Mein Kampf, S. 244; Zentner (a. a. O. S. 76) macht deutlich, dass Hitler in W irklichkeit als 55. Mitglied der DAP beigetreten war und nachträglich die Mitgliedsnummer 7 gefälscht wurde.
10. Grimm, Der Nationalsozialismus - Programm und Verwirklichung, S. 42. Fest stellt deutlich heraus, dass der Nationalsozialismus lediglich eine “Spielart dieser Protest- und W iderstandsbewegung europäischen Zuschnitts” war, “die sich anschickte, den Weltzustand umzukehren.”, a. a. O. S. 130
11. Graml a. a. O. S.149; bezeichnend ist auch die polemische Unterscheidung zwischen dem “schaffenden” und dem “raffenden” Kapital.
12. Der “Rotfront-Kämpferbund” war die paramilitärische Truppe der KPD, zur SPD gehörte das “Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold”, der “Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten” stand der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) nahe, die NSDAP hatte ihre SA.
13. Die Textzeile in der ersten Strophe des Liedes lautet: “Kameraden, die Rotfront und Reaktion erschossen”
14. Hitlers W eg, S. 165
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15. a. a. O. S. 13
16. Es würde daher der Herkunft des Symbols mehr entsprechen, wenn es nicht als Kreuz sondern als Rune bezeichnet würde, die aus zwei übereinander gelegten gewinkelten Linien besteht.
17. Anm. Fest a. a. O. S. 139
18. a. a. O. S. 59 ff; Fest ist vorsichtiger, wenn er es nur für wahrscheinlicher hält, dass “Ansatz und Richtung des W eltbildes vom ideologischen Milieu der oberösterreichischen Landeshauptstadt vorgeprägt” worden sind.
19. Schubert: Anfänge nationalsozialistischer .Außenpolitik, S, 27
20.Schubert a.a. O..S. 29
21. Mein Kampf S. 757
22. Fest zitiert die Begriffe “Rote Schlächterkommandos, Mordkommune,”Blutsumpf”, a. a. O. S. 133
23. a. a. O. S. 782
24.Anm. Rauschning a. a. O, S. 115
25.Anm. G. Moltmann, Weltherrschaftsideen Hitlers, in :Europa und Übersee, Festschrift für E. Zechlin
26..Mein Kampf, S. 741
27. Manfred Funke: “Großmachtpolitik und W eltmachtstreben” in Broszat: “Das Dritte Reich im Überblick”, S.147
28. Abdruck bei Grimm, Der Nationalsozialismus, S. 235
29. Thukydides a. a. O. S. 43; im sogenannten Melier-Dialog legt Thukydides den Athener Gesandten folgende Sätze in den Mund: “W ir glauben, dass bei den Göttern vermutlich, ganz sicher aber bei den Menschen, überall aus einem Zwang der Natur heraus das Mächtige über das gebietet, dessen es Herr wird. Dieses Gesetz haben wir nicht gegeben, auch nicht als erste angewandt; wir wenden nur das vorgefundene an und hinterlassen es als ein künftiges für ewige Zeiten, wohl wissend, dass auch ihr und andere, wenn sie zu derselben Macht kommen sollten wie wir, wohl das Gleiche tun würden.” (a. a. O. S. 428)
5. “Programm” und (Außen-)politik nach dem 30. Januar 1933
1.a.a. O. S.473 ff
2. a. a. O. S. 514
3.Ein späteres Beispiel für die symbolgeladene Inszenierungskunst gibt Nolte a. a. O S. 464 - 468 mit seiner Beschreibung des 9. Reichsparteitags der NSDAP in Nürnberg, des Reichsparteitags der Arbeit.
4. Der Volksmund nannte die jetzt eintretenden Parteimitglieder später treffend “M ärzgefallene” oder “Maiveilchen”
5. a.a.O. S. 515
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6.Hildebrand, Das vergangene Reich, S. 564
7.Details bei Hildebrand a. a. O.
8.Anm.:a. a. O. S.515
9.a. a. O. S. 270
10.Messerschmidt in “Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg” , Band I, S. 535 mit weiteren Nachweisen
11.VfZG 1954 S. 434 ; danach hatte General der Infanterie Freiherr von Hammerstein-Equord in seine W ohnung eingeladen, vermutlich um frühzeitig Klarheit über Hitlers Einstellung zur Wehrmacht zu gewinnnen.
12.Handschriftliche Aufzeichnung des damaligen Generalleutnants Liebmann, a.a. O. S. 434
13.a.. a. O. S. 434, wo in der Anmerkung die Gesprächsatmosphäre beschrieben wird.
14.Hier seien beispielhaft genannt:
• 04. Februar 1933 - Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz des Volkes (RGBl I S. 35) - Massive Einschränkungen der Versammlungsfreiheit
• 28. Februar 1933 - Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat (RGBl I S. 83) -Suspendierung von Verfassungsrechten, Stärkung der Zentralgewalt, Strafverschärfungen für eine Reihe von Delikten
• 28. Februar 1933 - Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz gegen Verrat am Deutschen Volke und hochverräterische Umtriebe (Gbl I S. 85) - (Strafrechtsänderungen)
• 31. März 1933 - Vorläufiges Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich (RGBl I S. 153)
• 07. April 1933 - Zweites Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich ( RGBl I S. 173) -Entmachtung der Länder durch Reichsstatthalter
• 07. April 1933 - Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (RGBl I S. 175) -Entlassungszwang für Beamte nichtarischer Abstammung, mit Ausnahmen
• 07. April 1933 - Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft (RGBl I S. 188)
• 10. April 1933 - Gesetz über die Einführung eines Feiertags der nationalen Arbeit (RGBl I S. 191)
• 22. April 1933 - Gesetz über die Bildung von Studentenschaften an den wissenschaftlichen Hochschulen (RGBl I S. 215) - Nur Deutsche mit deutscher Muttersprache
• 01. Dezember 1933 - Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat (RGBl I S. 1016) -Stellvertreter des Führers und der Chef des Stabes der SA werden Mitglieder der Reichsregierung
• 03. Juli 1934 - Gesetz über Maßnahmen der Staatsnotwehr (RGBl I S. 529) - Nachträgliche Straffreiheit für die T äter des Röhm-Putschs, die ganze Vorschrift besteht aus einem einzigen Satz: “Die zur Niederschlagung hoch- und landesverräterischer Angriffe am 30. Juni, 1. Und 2. Juli 1934 vollzogenen Maßnahmen sind als Staatsnotwehr rechtens”.
• 01. August 1934 - Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches (RGBl I S. 747) - Vereinigung des Amts des Reichspräsidenten mit dem Amt des Reichskanzlers, die Vorschrift tritt mit dem Ableben des Reichspräsidenten von Hindenburg in Kraft.
• 02. August 1934 - Erlass des Reichskanzlers zum Vollzug des Gesetzes über das Staatsoberhaupt vom 01. August 1934 (RGBl I .S. 751)- Aus “Respekt” vor dem bisherigen Reichspräsidenten ordnet Hitler an, dass er wie bisher (nur) als Führer und Reichskanzler angesprochen wird. Die Regelung wird am 19 August 1934 erfolgreich (Zustimmung 89,9%) zur Volksabstimmung gestellt .Die Unterscheidung als “Führer” der NSDAP und als “Reichskanzler” verwischte sich; sie war nach der Logik der NSDAP überflüssig und eher irreführend in einem Land, das sich kraft Gesetzes zur Einheit von Partei und Staat bekennt.
• 20. August 1934 - Gesetz über die Vereidigung der Beamten und Soldaten der W ehrmacht (RGBl I S. 785) - Die für Soldaten vorgeschriebene Eidesformel lautete: “Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, dass ich dem Führer des DeutschenReiches und Volkes Adolf Hitler, dem Oberbefehlshaber der W ehrmacht, unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen”.
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6. Parteiprogramm und Führerwille
1.so aber wohl Kuhn a. a. O. in seinen Schlussbemerkungen S. 268
2. Bracher a. a. O. S. 394
3.Bracher a. a..O. S. 237
7.Nichtangriffspakt mit Polen, Flottenabkommen mit England
1. Freundschafts- und Nichtangriffspakt vom 26. Januar 1934, Müller in Gebhardt, Handbuch .. S. 391
2. Müller a. a. O.
8. Rheinlandbesetzung als außenpolitischer Coup
1.Am 16. Oktober 1925 war in Locarno u. a. der Rhein- oder W estpakt paraphiert worden, der die Unverletzlichkeit der deutschen Westgrenze gewährleistete, aber auch Deutschland an die Pflicht zur weiteren Militärfreiheit des Rheinlands gemahnte. Einzelheiten bei Hildebrand, Das vergangene Reich, S. 452 - 460)
9. Anschluss Österreichs und außenpolitischer Machtzuwachs
1.Der Urentwurf der W eimarer Reichsverfassung zählte ausdrücklich auch Deutsch-Österreich und W ien als Reichsgebiete auf, das österreichische Gesetz vom 12. November 1918 nennt Deutschösterreich einen Bestandteil der deutschen Republik, vgl. Anschütz a. a O. S. 129 und S. 150
10. Blick nach Osten - Das Münchener Abkommen
1. Einzelheiten hierzu bis zur Besetzung der Resttschechei bei Schultze-Rhonhof a. a. O. S. 145 - S. 216
11. “Griff nach Prag”
1. Die nachträglich von dem teilnehmenden W ehrmachtsadjutanten Hitlers Oberst Hoßbach angefertigte Niederschrift über den Ablauf wird generell als Hoßbach-Protokoll bezeichnet.
12. Politik, Kriegspläne und Strategie - ein Langzeitprogramm?
1. a. a. O. S. XXXIII
2. Dönitz, Mein wechselvolles Leben S. 226
3. Hoßbach a. a. O. S. 217
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4. Hoßbach a. a. O.
5.Hoßbach will sie v. Blomberg vorgelegt haben, der sie abgezeichnet und an sich genommen habe, a. a.O. S. 218
6.a. a. O. S. 211
13. Überfall auf Polen - Kriegserklärung der Westmächte
1.- IMT-Dokumente Band XLI, Dokument 208; Messerschmidt übergeht dies wichtige Detail in seiner Darstellung der polnischen Haltung - Das Deutsche Reich.., Band I, S. 668-674
2. Gebhardt a. a. O. S. 393
3. Uhle-W ettler, Alfred von Tirpitz, S. 101
4. Thukydides a. a. O. S. 78: “Den Anfang machte die Lösung des dreißigjährigen Vertrages, den die Athener und die Peloponnesier nach der Eroberung von Euböa geschlossen hatten....Der eigentliche, wenn auch nie offen ausgesprochene Grund war meines Erachtens das Hochkommen Athens, das den Lakedämoniern Angst einflößte und sie in den Krieg trieb.”
5. Hillgruber skizziert Hitlers schwankende Einschätzung der französischen Haltung in seinem Beitrag: “Frankreich als Faktor der Deutschen Außenpolitik im Jahr 1939" in Hildebrand/W erner a. a. O. S. 617 - 628)
6. Salewski, Die deutsche Seekriegsleitung 1935 - 1945, Band I 1935 - 1941, S. 78
7. Artikel II hat fogenden W ortlaut: Falls einer der Vertragsschließenden Teile Gegenstand kriegerischern Handlungen seitens einer dritten Macht werden sollte, wird der andere vertragsschließende Teil in keiner Form diese dritte Macht unterstützen.
8. Schmidt a. a. O. S. 464
9. a. a. O. S. 42
10.Während des Polenfeldzugs war die deutsche Westgrenze nur schwach militärisch gesichert. Deutsche Militärs fürchteten durchaus in dieser Zeit einen französischen Angriff, vgl Maier, Rohde, Stegemann, Umbreit in “Das Deutsche Reich und der Zweite W eltkrieg, Band 1, S. 242. Der Ruhrkampf lag erst 15 Jahre zurück und viele französische Offiziere waren mit den Verhältnissen im Ruhrgebiet vertraut. Die rüstungstechnische Bedeutung des Areals für die deutsche Kriegsmaschine lag auf der Hand. W arum sich Frankreich nicht zu einem kühnen Stoß ins Herz der Finsternis entschließen wollte, ist nur schwer verständlich. Allein die eventuelle Achtung vor der belgischen Neutralität -immerhin hatte sich Belgien 1923 an Frankreichs Seite an der Besetzung des Ruhrgebiets beteiligt! - reicht zur überzeugenden Erklärung kaum aus. Möglicher weise ist es tatsächlich das stärker ausgeprägte Zögern demokratisch regierter Staaten vor präventiven Aktionen, wie es Thomas Speckmann in einem Aufsatz mit dem Titel: “Als Angriff die bessere Verteidigung gewesen wäre” vermutet - FAZ Samstag, 29. August 2009, S. Z 3.
11. Maier, Rohde usw. a. a. O. S. 133
12.Einzelheiten zum polnischen Operations- und Aufmarschplan, die Gründe für die letztlich erst am 30. August 1939 erfolgte Generalmobilmachung in “Das Deutsche Reich und der Zweite W eltkrieg, Band 2, S. 104 ff
13. Diese Betrachtung ordnet den Sieg über Polen unwillkürlich als den Beginn der nachfolgenden Blitzerfolge der W ehrmacht ein
77
14. “Weserübung” - die Aktion gegen Dänemark und Norwegen
2. Einzelheiten mit einer Darstellung der rechtlichen und diplomatischen Verwicklungen bei Hubatsch a. a. O. S.33-36
3. Hubatsch a. a. O .S. 13/14
4.a. a . O. S. 553
5.Hubatsch, a, a, O. S. 56 -60
6. alle Angaben bei Hubatsch a. a. O. S. 221
7. Die zunehmende Neigung, die Landkriegführung bis in Details selbst zu ordnen, trug ihm dann allerdings den Spottnamen als “Gröfaz - Größter Feldherr aller Zeiten” ein.
8. Salewski in “Die deutsche Seekriegsleitung, Band I, S. 96
9.Bekker a. a. O. S. 34
10. hierzu: Rahn in “ Das Deutsche Reich und der Zweite W eltkrieg”., Band 6, S. 296 und S. 384 - 388
15. Der Feldzug im Westen
1. Hillgruber a. a. O. S. 32 nennt neben militärfachlichen auch noch politische und moralische Aspekte.
2. Hillgruber a. a. O.
3. Hillgruber a. a. O
4. Saleswki: ” Deutsche Quellen ....”, S. 98
5. Kershaw a. a. O. S. 27
6. Maier in “Das Deutsche Reich und der Zweite W eltkrieg”, Band 2, S. 341
7. a.a O. S. 341; die damit sichtbar dokumentierte Kampfstärke der englischen Flieger wurde bei den späteren Entscheidungen zur Luftschlacht um England wohl nicht richtig gewichtet.
8. Umbreit in “Das Deutsche Reich ..., Band 2, S. 296
16. Optionen nach dem Waffenstillstand mit Frankreich
1. Hitler hatte in der Rede betont, dass es nie seine Absicht war, das englische W eltreich zu vernichten oder auch nur zu schädigen, dass er nicht als Besiegter um etwas bittet, vielmehr als Sieger an die Vernunft appelliert und keinen Grund sieht, der zur Fortführung des Kampfes zwingen könnte. ( Auszug bei Salewski: Deutsche Quellen.., S. 114). Vgl. auch oben Anmerkung 37 zu Kapitel 1
2. Stegemann in: “Das Deutsche Reich...”, Band 2, S. 370
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3. Unternehmen “Seelöwe” - Abdruck bei Saleswki: “Deutsche Quellen..”, S. 113
4. Jäckel, Frankreich in Hitlers Europa, S. 19
5. Dönitz, Deutsche Strategie zur See im Zweiten Weltkrieg , S. 52
6. Umbreit in “Das Deutsche Reich..., Band 2, S. 307
17. Warum nach Russland?
1. zur Luftschlacht um England vgl. Umbreit in “Das Deutsche Reich ..”, Band 2, S. 375 - 408
2. a.a. O. S. 381
3. Alle Zahlen bei Umbreit in: “Das Deutsche Reich ..”, Band 2, S. 307 und S.408.
4. Das Kriegsvölkerrecht subsumiert unter diesen Begriff die ungewwollte Mitschädigung nichtmilitärischer Bereiche, wenn ein militärisches Ziel angegriffen wird.
5. Die englische Zivilbevölkerung zählte in der Zeit von Juli 1940 bis Dezember 1940 insgesamt 23 002 Tote und 32 138 Verletzte - Übersicht bei Umbreit in: “Das Deutsche Reich ..”, Band 2, S. 405
6.Es bleibt unerklärlich, warum nach dieser - im W inter! - ergangenen Entscheidung die Heeresführung zwar ein Feldzugkonzept entwickelte, die Truppe aber nicht gezielt auch auf den Kampf im russischen W inter vorbereitete. Für die Wetter- und W itterungsbedingungen während der später so genannten “Winterschlacht im Osten” im ersten Kriegswinter 1941/1942 waren die Soldaten nicht oder nur ungenügend ausgestattet. Die an die Teilnehmer verliehene Erinnerungsmedaille trug ihren Spitznamen “Gefrierfleischorden” nicht ohne Grund..Waffen, Fahrzeuge und Ausrüstung waren oder wurden bei andauerndem Frost vielfach unbrauchbar. Hoßbach sieht in der gegen den Rat verantwortungsbewußter Truppenkommandeure erfolgenden Fortsetzung des Kampfes ohne W interausrüstung in den Herbst und Winter 1941 hinein eine Sabotage der obersten militärischen Führung., a. a. .O. S. 160.
7. In “Das Deutsche Reich ..”, Band 4, S. 4
8.a. a. O. S.14
9. vgl. die Deutung bei Stegemann in: “Das Deutsche Reich ..”, Band 2, S. 13
18 . Kriegswende 1941 - Halt vor Moskau
1. Das Deutsche Reich und der Zweite W eltkrieg, Band 4, S. 502
2. Reinhardt, Die W ende vor Moskau, S. 102 - 120, gibt einen nüchternen Überblick über die Materialverluste der ersten Monate, so waren von 3580 Sturmgeschützen und Panzern zum Meldedatum 10. November 1941 insgesamt 2090 verloren und dafür lediglich 601 als Ersatz zugeführt. Die Menschenverluste wogen noch schwerer, z.B. verlor die Heeresgruppe Mitte allein zwischen dem 15. und 30. November 1941 weitere 33 295 Mann und damit seit Beginn des Feldzugs insgesamt 350 000 Mann, Reinhardt a. a. O. S. 172.
3. Der dringend benötigte Nachschub für das im Kampf vor Tobruk stehende Afrika-Korps erreichte die Truppe nur teilweise. Schiffstransporte konnten die Engländer weitgehend unterbinden, die für den Lufttransport eingesetzten langsamen Ju-52 Flugzeuge wurden ein leichtes Opfer britischer Jäger. Rommel mußte Tobruk
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verloren geben und ausweichen.
4. Martin a. a. O. S. 487
5. z. B: Salewski 1939- 1945, S. 220;. Reinhardt in Rohwer. Kriegswende 1941, S. 209
6. Reinhardt, Die W ende vor Moskau, S. 262 - 264
7. Zu den Gründen für die zum Teil großen Abweichungen in den Verlustzahlen Overmanns a. a. O. S, 9 ff mit einer ausführlichen Darstellung der Entstehung der Datenbasis.
8. Reinhardt a. a. O. S. 180
9. Haffner, Anmerkungen S.139
10. Hoßbach a. a. O. S. 160
11. Overmanns a. a. O. S. 306; in einer weiteren Denkschrift für Hitler aus dem Oktober 1942 erklärte Fromm den Krieg für verloren.
12. Rohland a. a. O. S. 77/78
13. Hildebrand, Deutsche Außenpolitik, S. 122
14. Salewski, Ausgewählte Quellen, S. 222
15. Martin a. a. O. S. 491
19. Der Weg in den Krieg mit den USA
1. Roosevelt hatte vorgeschlagen, alle Staaten, die den internationalen Frieden gebrochen hatten - er meinte Japan in China, Italien in Äthiopien und wohl auch Deutschland im spanischen Bürgerkrieg - von internationalen Kontakten und vom Handel auszuschließen
2.Koch-Hillebrecht geht in seiner Interpretation der Einstellung Roosevelts noch deutlich weiter. Danach habe R. seit der Übernahme des Präsidentenamtes 1933 in der Person des gleichzeitig in Deutschland zur Macht gekommenen Adolf Hitler die Verkörperung des preußisch-wilhelminischen Militarismus gesehen. R. habe zielstrebig auf einen Krieg gegen Deutschland hingewirkt, um die W elt von diesem Übel zu befreien (a. a. O: S. 200/201).
3. a.. a. O. Band III, S. 308
4. Förster in “Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg”, Band 4, S. 6 mit weiteren Nachweisen
5.die Grenze verlief im Nordatlantik vom kanadischen Hafen Sidney entlang einer Linie 60 Grad westl. Länge nach Süden, ab 18. April 1941 bei 30 Grad W est, siehe Skizze in “Das Deutsch Reich und der Zweite Weltkrieg”, Band 6, nach S. 284
6. Ausführlich Boog in “Das Deutsche Reich und der Zweite W eltkrieg, Band 6, S. 3 - 50
80
7. Die USA stationierten ihre Pazifikflotte nicht mehr an ihrer W estküste, vielmehr fast 4000 Km weiter im W esten in Pearl Harbor auf Hawai.
8. Übersicht abgedruckt bei Bavendamm a.a. O. S. 318/319
9. Edward S. Miller schildert in seinem Buch (siehe Literaturverzeichnis) Inhalt, Umfang und W irkung der Maßnahmen im Detail auf der Basis erst in jüngster Zeit freigegebenen Quellen
10. Etwa ab 1942 sollten die US-Seestreitkräfte den “Two-Ocean-Standard” erreichen, also die Fähigkeit, auf beiden Meeren zugleich gegen eine oder mehrere verbündete Mächte erfolgreich krieg zu führen.
11. a. a. O. S. 187
12. Ein Präventivkrieg wird mit dem Argument gerechtfertigt, es komme für die ethisch-moralische und rechtliche Einordnung eines Krieges nicht darauf an, wer ihn begonnen habe; das sei ganz und gar unerheblich, entscheidend werde, was unmittelbar davor geschehen sei.
13. Rahn in “Das Deutsche Reich ..., Band 6, S. 286
14. Boog in “Das Deutsche Reich ..”, Band 6, S. 98/99
15. Boog a. a. O. S: 99
16. a. a. O. S. 100
17.a. a. O. S. 98
18.a. a. O. S. 100
19.Die Beweggründe Hitlers werden unterschiedlich interpretiert. Boog erkennt primär die Absicht, das kaum vermeidbare Eingreifen der USA nicht verhindert aber doch abgeschwächt zu haben, a.. O. S. 97 - 100; W einberg in:.” Kriegswende Dezember 1941" sieht - in der W ortwahl extrem polemisch - nur ein an die japanischen Absichten angehängtes wenig reflektiertes “ Mitmachen” im Vorgriff auf eigene Planungen, a.a. O. S 78/79; Jäckel in: “Im Dienste Deutschlands und des Rechtes” vermutet eher Hitlers Absicht, Japan unbedingt in den Krieg mit Amerika zu bringen und zu halten, um so die USA von einem - im Ersten W eltkrieg entscheidend gewordenen -Eingreifen in Europa abzuhalten. Dafür war er auch bereit, als Preis die bisherige Zurückhaltung gegenüber den USA aufzugeben; a. a. O. S.136/137.
20. Reinhardt a. a. O. S. 183, der dort in einer Anmerkung auch Hitlers Eingeständnis vom 03. 01. 1942 gegenüber dem japanischen Botschafter Oshima mit der Formulierung zitiert: “W ie man die USA besiege, wisse er noch nicht.”
21. Hitler war vom Nutzen der sehr personal- und materialaufwendigen Überwassereinheiten der Marine wohl nicht (mehr) überzeugt. Hierzu nochmals Rahn a. a. O. S. 299
20. Die Konferenz von Casablanca
1. Hillgruber a. a. O. S. 105 zitiert Churchlls Formel von der “unbedingten Unterwerfung auf Gnade oder Ungnade
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2. Roosevelt war der Überzeugung , man dürfe den Gegner nicht durch problematische “Angebote” - Wilsons 14 Punkte zum Ende des Ersten W eltkriegs - zum Verhandlungspartner aufwerten. Nur ein völliges Ausfechten des Krieges, der erst zu Ende ist, wenn der Unterlegene seine umfassende Niederlage anerkennt, eröffne die Möglichkeit, eine den amerikaischen Vorstellungen entsprechende Neuordnung durchzusetzen. .Zu Roosevelts Haltung gegenüber Deutschland vergleiche auch oben Anmerkung 2 zum Kapitel 19: Der W eg in den Krieg mit den USA
3.Wesentliche Rückschläge für die deutsche Kriegführung:-31. Januar 1943: Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad; - ab Februar 1943: Strategischer Bombenkrieg gegen Deutschland (ebenfalls in Casablanca beschlossen); -13. Mai 1943: Kapitulation der Heeresgruppe Tunis in Nordafrika; - 24. Mai 1943: Abbruch des U-Bootkriegs im Nordatlantik wegen steigender Verluste; - 10. Juli 1943: Landung der Alliierten in Sizilien; - 15. Juli 1943: Abbruch der am 05. Juli 1943 begonnenen Sommeroffensive im Osten (Operation “Zitadelle”); - 08. September 1943: Kapitulation Italiens mit am 13. Oktober 1943 nachfolgender Kriegserklärung an Deutschland;-
18. Februar 1944: Heeresgruppe Nord räumt die Stellungen vor Leningrad; - 30. M ärz 1944: - Russ. Frühjahrsoffensive zur Befreiung der Ukraine erreicht die Karpaten; -06. Juni 1944: Invasion der Alliierten in Nordfrankreich; - 22. Juni 1944 bis etwa 04. Juli 1944: Zusammenbruch und Vernichtung der Heeresgruppe Mitte im Osten.
4. Als einer der W enigen dachte offensichtlich Generalfeldmarschall Rommel an einen Separatfrieden im W esten. Ob er dafür tatsächlich die SS gegen Hitler auf seine Seite hätte ziehen können, deutet Manfred Rommel zumindest an, vgl Rommel a. a. O. S. 192
5. Ansprache Dönitz am 24. August 1944 während der Tagung beim ObdM am 24./25. August 1944 - Anlage zum Anschreiben Flottenkommando vom 28. August 1944 an die unterstellten Befehlshaber, Führer, Kommandanten und Chefs, in: Salewski, Die deutsche Seekriegskeitung, Band II, S. 640 (643)
6. Rommel a.a. O. S. 240
21. Ideologie vor Strategie - Planvoller Massenmord
1. hierzu: J.Förster in “Das Deutsche Reich und der Zweite W eltkrieg”, Band 4, S. 426
2. Evans, a. a. O. Band III S. 307
3. z. B. Urteil des Landgerichts München vom 11. August 2009 gegen Josef Scheungraber, die Revision des Angeklagten hat der Bundesgerichtshof durch Urteil vom 11. November 2010 zurückgewiesen (Az 1 StR 57/10)
4. J. Förster a. a. O. S. 414
5. J. Förster a. a . O. S. 430 ff
6. Hürter, Hitlers Heerführer, stellt sehr ausführlich die Reaktionen verschiedener Ebenen der Wehrmacht auf beide Regelungen dar, wobei die jeweiligen Ergänzungen und Maßgaben für die Umsetzung das Unwohlsein und Bewusstsein der rechtlichen Fragwürdigkeit deutlich machten (a. a. O. S. 247 - 265)
7. Reinhardt a. a O. S. 256
82
22. Die Invasion der Alliierten am 06. Juni 1944 in Nordfrankreich als faktisches Ende deutscher Außenpolitik
1. Erstmals am 18. Juli 1941, also kaum ein M onat nach Beginn des deutschen Angriffs auf Rußland am 22. Juni 1941 und vor dem Kriegseintritt der USA, Hoffmann in: “ Das Deutsche Reich und der Zweite W eltkrieg”, Band 2, S. 800, mit dem Hinweis auf einen entsprechenden Brief Stalins an Churchill
2. Festlegung Roosevelts und Churchills auf der ersten offiziellen Kriegskonferenz am 22. Dezember 1941 in W ashington
3. Dönitz, Deutsche Strategie zur See, S. 97
4. Hoffmann in: “Das Deutsche Reich .”., Band 4, S. 800
5. Vogel in: “Das Deutsche Reich...”, Band 4 S. 530
6. Vogel a.a. O. S. 544
7. Hitler ordnete bereits am 29. September 1942 den beschleunigten Ausbau an.
8. a. a. O. Einleitung S. XII
9.a. a. O. S. 636
10. Am 19. Februar 1945 versuchte Himmler, über Schweden geheime Verhandlungen mit den Westmächten aufzunehmen. Die Initiative blieb ohne Erfolg
11. Großadmiral Dönitz, der sich in den zwanzig Tagen seiner Funktion als Staatsoberhaupt natürlich mit Rücktrittsgedanken trug, hatte sich durch seinen juristischen Berater davon überzeugen lassen, dass ein solcher Rücktritt als wirksamer Verzicht auf die Fortexistenz deutscher Staatsgewalt interpretiert werden könnte.
12. Amtsblatt des Kontrollrats, Ergänzungsblatt Nr. 1, S. 7 ff
13. Rechtlich hat es das umgangssprachlich so bezeichnete “Dritte Reich” des NS-Staates nicht gegeben.
14. M. Schweitzer in: Handbuch des Staatsrechts, Band VIII, S. 200
15. Beide auf dem Gebiet des ehemaligen Reiches gebildeten Teilstaaten, die Bundesrepublik Deutschland (BRD) und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) wurden schrittweise souverän und traten auf dem internationalen Parkett mit anderen Staaten scheinbar gleichrangig in Erscheinung. Die fortbestehenden Vorbehalte der Siegermächte des Zweiten W eltkriegs ließen sich aber an einem protokollarischen Affront während der beiden Außenministerkonferenzen des Jahres 1959 in Genf erkennen, wo für die Vertreter der BRD und der DDR neben dem eigentlichen Konferenztisch der Teilnehmer ein gesonderter “Katzentisch” aufgestellt war. Russland hat bis zum Ende der DDR seine dort stationierten Truppen konsequent als “Gruppe der sowjetischen Truppen in Deutschland” (!) bezeichnet.
16.Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland - BGBl II 1990 S. 1318. Die etwas umständlich erscheinende Abschlusskonstruktion war in Absprache mit dem damaligen deutschen Außenminister Genscher gewählt worden, um nicht in förmliche Friedensvertragsverhandlungen mit allen 53 Staaten eintreten zu müssen, mit denen sich Deutschland seit dem 08. Mai 1945 formal noch im Kriegszustand befand.
83
23. Hitler als “Finis Germaniae”
1. Anmerkungen zu Hitler, S. 18
2. Salewski, deutsche Quellen.., S. 301
3. Haffner a. a. O. S.176
4. Speer a. a. O. S. 445/446: “W enn der Krieg verloren geht, wird auch das Volk verloren sein. Es ist nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das deutsche Volk zu seinem primitivsten W eiterleben baucht, Rücksicht zu nehmen. Im Gegenteil ist es besser, selbst diese Dinge zu zerstören. Denn das Volk hat sich als das schwächere erwiesen, und em stärkeren Ostvolk gehört ausschließlich die Zukunft. W as nach diesem Kampf übrigbleibt, sind ohnehin nur die Minderwertigen, denn die Guten sind gefallen”.
5. a. a. O. S. 447
6. s. oben im Kapitel 18: Kriegswende 1941 - Halt vor Moskau
24. Schlussbetrachtung
1. Deist in “Das Deutsche Reich und der Zweite W eltkrieg” , Band 1, S. 401 ff.
2. a.a.O. S. 354ff
3. a. a, O. S. 358
4. a. a. O. S. 270
5.a. a.. O. S. 619
6. Eher thesenartig und sehr stark vereinfachend Schultze-Rhonhof a. a. O. S. 567 - 571, in einem Nachwort zur 6.Auflage, mit dem er auf die vielfache Kritik an seinem Werk reagiert.
Baker, Nicolson
Bekker, Cajus
Bekker, Cajus
Beyer, S./Koop, G.
Broszat,Martin/Frei,Norbert
Bullock, Alan
Deutsches Reich und Zweiter Weltkrieg Gesamtdarstellung in 10 Bänden, heraugegeben
Dickmann, F.
Dönitz, Karl
Dönitz, Karl
Evans, Richard J.
Evans, Richard J.
85
Fest, Joachim. C.
Fischer, Fritz
Gersdorff, Ursula von
Grimm, G.
Haffner, Sebastian
Haffner, Sebastian
Hartmann, Christian
Hartmann,Chr./Hürter,J./Lieb,P./Pohl,D.
Hartwig, Dieter
Heuss, Theodor
Hildebrand, Klaus
Hildebrand, Klaus
Hildebrand, Klaus
Hillgruber, Andreas
Hillgruber, Andreas
Hillgruber, Andreas
Hillgruber, Andreas
Hillgruber, Andreas
Hillgruber, Andreas
Hillgruber,A./Hildebrand,K.
Hitler, Adolf
Hitlers Zweites Buch
Hobsbawm, Eric
Hofer, Walther
Hürter, Johannes
Jacobsen, Hans-Adolf
Jacobsen, Hans-Adolf
Jacobsen, H.-A./Rohwer, Jürgen
Jäckel, Eberhard
Jäckel, Eberhard
Kershaw, Jan
Koch-Hillebrecht
Kuhn, Axel
Lamb, Margaret
Lieb, Peter
Mayer, Tilman
Martin, Bernd
Meyer, Hermann Frank
Miller, Edward S.
Müller, Klaus-Jürgen
Overmanns, Rüdiger
Picker, Henry
Rauschning, Hermann
Raeder, Erich
Rebenich, Stefan
Rich, Norman
Rohland, Walter
Rohwer, Jürgen/Jaeckel, Eberhard
Rommel, Manfred
Roth, Günter
Ruge, Friedrich
Ruggenthaler,P./Walther M. Iber
Salewski, Michael
Sammet, Reiner “Dolchstoss” Deutschland und die Auseinander-
Schmidt, Paul
Schubert, Günter
Schweitzer, Michael
Speer, Albert
Taylor, Alan John Percivale
Thies, Jochen
Thukydides
Treffke, Jörg Gustav Heinemann Wanderer zwischen den Par-
Weinberg, Gerhard Ludwig
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Hans Friedrich zur Nieden, 2011, Idee oder Ideologie? Hitlers Politik und Strategie als Schritte seines "Programms", München, GRIN Verlag GmbH
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