Inhaltsverzeichnis
Prolog 2
Handlungsorientierte Medienpädagogik 3
Was bedeutet „handlungsorientiert“? 3
Lernzielbereiche einer ganzheitlich handlungsorientierten Medienpädagogik 4
Grunds ätze einer ganzheitlich handlungsorientierten Medienpädagogik 5
Ziele einer ganzheitlich handlungsorientierten Medienpädagogik 6
Ganzheitlich handlungsorientierte Medienpädagogik in der Schule 7
Öffnung der Schule 8
Probleme ganzheitlich handlungsorientierter Medienpädagogik in der Schule 8
Aktive Medienarbeit 10
Grundlegende Lernprinzipien der aktiven Medienarbeit 10
Aktive medienorientierte Projektarbeit 13
Handelndes Lernen im Projekt 14
Ziele medienpädagogischer Projekte 15
Vorbereitung einer medienorientierten Projektarbeit 17
Was sollen medienpädagogische Projekte leisten? 20
Praktisches Beispiel 21
Relevanz innerhalb der schulpädagogischen Diskussion 22
Literaturverzeichnis 24
1
Prolog
Medien umgeben die Lehrkräfte und auch die Schülerinnen und Schüler im Alltag, haben eine historische Tradition, unterliegen dynamischen Veränderungsprozessen und werden „[…] zunehmend Bestandteil kultureller Erbschaft, in die eingeführt werden muss […]“ 1 . Die Schule hat auf diesem Sektor Aufgaben zu übernehmen. Sie kann es nicht ignorieren, dass die Medien in vielen Bereichen menschlichen Lebens eine zentrale Rolle spielen - und das nicht erst seit heute.
Die heutigen Schülerinnen und Schüler des 21. Jahrhunderts leben in „[…] reich aggregierten und strukturierten Medienwelten […]“ 2 , die ihr tägliches Leben beeinflussen und prägen. Daher ist ein kritischer und reflexiver Umgang mit den Medien vor allem in der erzieherischen und bildenden Institution Schule vonnöten und bedarf pädagogischer Begleitung, um die Heranwachsenden durch ästhetische Anregung, bildende Auseinandersetzung und ethische Diskussion zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern der modernen (Medien-)Gesellschaft zu „erziehen“. 3
Als Lehrkraft steht man den Medien in einer ähnlich rezeptiven Situation gegenüber wie die Schülerinnen und Schüler, da man selbst Mediennutzer ist. Daher ist es die Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer, das Medienangebot und die Medienbotschaften mit fachlichem Wissen und dem erzieherischen Auftrag zu verbinden. Dies bedeutet, es gilt Medieninhalte adäquat aufzubereiten, die Medien und ihre Inhalte möglichst objektiv und kritisch zu betrachten sowie den Schülerinnen und Schülern in einer handlungsorientierten Form Medienkompetenz zu vermitteln. 4
1 Baake 1992: S. 35.
2 ebd.: S. 33.
3 vgl. Niesyto 2001: S. 5.
4 vgl. Baake 1992: S. 33.
2
Handlungsorientierte Medienpädagogik
„Handlungsorientierte Medienarbeit knüpft an den Lebens- und Medienerfahrungen von
Kindern und Jugendlichen an und macht den Schritt von der Mediennutzung zur
Medienproduktion.“ 5
Die handlungsorientierte Medienpädagogik fußt auf der kritischen Medientheorie der 1960er Jahre. Diese besagt, dass der Rezipient nicht nur durch die Massenmedien beeinflusst ist, sondern betrachtet ihn in erster Linie als gesellschaftliches Subjekt, welches in seiner Lebens-und Alltagswelt reale Erfahrungen macht und unterschiedliche Bedürfnisse und Interessen entwickelt. Die Medien stehen den Subjekten nicht nur zur Rezeption gegenüber, sondern sie sollen von diesen selbst im gesellschaftlichen Kontext benutzt werden. Es entsteht folglich ein Prozess vom passiven Rezipienten zum aktiven Produzenten. 6
Was bedeutet „handlungsorientiert“?
Unter dem Begriff „handlungsorientiert“ versteht man traditionell „[…] ‚praktisches Tun’, ‚Lernen mit allen Sinnen’ [und] ‚Erfahrungslernen’ […]“ 7 .
Diese Aspekte gehen auf den amerikanischen Pädagogen John Dewey zurück, dessen Theorie oft verkürzt mit dem Slogan „learning by doing“ wiedergegeben wird. Dieses Prinzip legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Erfahrungsbildung, bei der Erlebnisse verarbeitet und reflektiert werden sollen, um „ganze“/ganzheitliche Erfahrungen bilden zu können. Dewey definiert außerdem zwei Quellen der Erfahrungsbildung. Die sinnlichen Erfahrungen werden in Kontakt mit der natürlichen sowie der sozialen Umwelt gemacht und die inneren Erfahrungen werden in Auseinandersetzung mit den eigenen Vorstellungen, Fantasien und Gefühlen erworben. „Ganze“ oder „ganzheitliche“ Erfahrungen bedeuten daher, das Zusammenspiel von sinnlichen Eindrücken, emotionaler Aufnahme („Färbung“) und denkender Verarbeitung. 8
Ein wichtiger Zusammenhang dieser Theorie besteht zwischen den tatsächlichen Erfahrungen, die im Alltag gemacht werden, und der Reflexion, der geistigen Verarbeitung und Bewusstmachung dieser plurimedialen Wahrnehmungen. Bei einer handlungsorientierten Medienpädagogik geht es daher um eine „[…] Reflexion der Beziehung zwischen den
5 Niesyto 2001: S. 5.
6 vgl. Sander et al. 2005: S. 77.
7 Niesyto 2001: S. 5-6.
8 vgl. ebd.: S. 6.
3
Menschen, der Gesellschaft und der Technik und um die Entwicklung eines ausgewogenen Verhältnisses verschiedener Erfahrungsweisen von Wirklichkeit […]“ 9 .
Lernzielbereiche einer ganzheitlich handlungsorientierten Medienpädagogik 10
In den folgenden sechs Lernzielbereichen dokumentieren sich die Ganzheitlichkeit und damit die bei einer an handlungsorientierter Medienpädagogik orientierten Arbeit abzudeckenden Lernfelder.
1. Dimension Wissen
Diese erste Dimension erfüllt theoretisches Grundlagenwissen, wie jenes zum Beherrschen der Medientechniken, Kenntnisse über die Organisationsformen sowie den Ablauf und die Bedingungen einer Produktion, Kenntnisse zur Unterscheidung verschiedener medialer Darbietungsgenres sowie der unterschiedlichen visuellen wie audiovisuellen Codes. 2. Dimension der Kritik
Ein kritischer Umgang mit Medien ist bei der Arbeit mit diesen unabdingbar. Es geht vor allem darum, bestimmte Ideologien und möglicherweise manipulative Techniken zu durchschauen, die unterschiedlichen Darstellungsmöglichkeiten verschiedener Medien zu untersuchen und mit den eigenen Handlungsmöglichkeiten zu messen sowie entsprechende Schlussfolgerungen für die eigene produktive Arbeit zu ziehen. 3. Dimension der Genussfähigkeit
Um ganzheitliche Erfahrungen zu machen, ist ein emotionaler Umgang mit Medienangeboten ein zentraler Bestandteil der Medienpädagogik. In dieser Dimension soll gelernt werden, durch mediale Reize Betroffenheit zu erleben und von dem Pluralismus der Formen zu profitieren. Gleichzeitig sollen die Machart, Tricks und ästhetische Werte verstanden und deren Intention gedeutet werden. 4. Dimension Handlungsfähigkeit
Diese Ebene zielt auf die Bewusstwerdung, dass mit Hilfe von Medien die Gesellschaft und die eigene Zukunft gestaltet, verändert und mitbestimmt werden kann. Hier soll eine angemessene Ausdrucksfähigkeit und die Handhabung der erweiterten
9 Niesyto 2001: S. 6.
10 vgl. Baake 1992: S. 56-57.
4
Medienangebote innerhalb, aber auch außerhalb der Gruppe, in einer Öffentlichkeit erlernt werden. 5. Dimension Umsetzungsfähigkeit
In dieser Dimension sollen Schülerinnen und Schüler lernen und begreifen, inwieweit ihre Visionen und Projektideen realisierbar sind. Dabei werden Erfahrungen in parasozialen, also speziell geplanten Interaktionen gemacht und die erworbenen pathetischen Erlebnisformen im Alltag genutzt, um aus gemachten Fehlern zu lernen und damit die Strukturierungsleistungen weiterer folgender Projekte zu verbessern. 6. Dimension Offenheit
Schülerinnen und Schüler sollen dem Themenkomplex Medien offen gegenüberstehen und ihn als Chance verschiedenster Entwürfe betrachten, die das Freisetzen von Kreativität und das Wagnis des Ausdrucks als Abenteuer ermöglichen.
Grundsätze einer ganzheitlich handlungsorientierten Medienpädagogik 11
Die drei folgenden Grundsätze gehen von einer Orientierung an Schülerinnen und Schülern aus und sollen auf der einen Seite neue Dimensionen jenseits der alltäglichen „verkopften“ Gestaltungs- und Lernkonzepte in der Schule und auf der anderen Seite Differenzerfahrungen bieten. Damit sind Prozesse der Erfahrungsbildung gemeint, welche den status quo der vorhandenen Sichtweisen und Deutungsmuster der Welt kritisch hinterfragen und aufgrund der Öffnung für alternative Möglichkeiten weiterentwickeln.
1. Bedürfnis- und Lebensweltorientierung
Der erste Grundsatz orientiert sich an den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler und soll verdeutlichen, dass diese Bedürfnisse von der Lehrperson zu akzeptieren sind. Die Mediennutzung muss als wichtiger Teil der lebensweltlichen Erfahrung verstanden werden und die Medienwelten als integraler Bestandteil alltäglichen Handelns. Daher müssen die für die Orientierungs- und Sinnsuche wichtigen ästhetisch symbolischen Angebote der Medien aufgegriffen und verarbeitet werden. 2. Erfahrungsorientierung
Schülerinnen und Schüler sollen die Möglichkeit bekommen, ihre lebensweltlichen Erfahrungen, die sie mit ihrer medialen Umwelt machen, zu verarbeiten. Dies zielt auf eine Auseinandersetzung mit Medienbotschaften, ihren ästhetisch-symbolischen
11 vgl. Niesyto 2001: S. 6-7.
5
Dimensionen, das Erkennen von Medieneinflüssen auf die eigene Identitätsbildung sowie die Reflexion von gesellschaftlichen Aspekten moderner Medienkommunikation. 3. Produktionsorientierung
Bei der Produktionsorientierung soll die Möglichkeit gegeben werden, Medien selbst und eigenständig zu produzieren. Hierbei soll sich die Umwelt symbolisch neu angeeignet und ästhetisch verarbeitet werden. Dadurch wird Platz für die eigenen Erfahrungen, Gefühle und die Fantasie geschaffen.
Ziele einer ganzheitlich handlungsorientierten Medienpädagogik
Im Grundsatz versteht sich die ganzheitlich handlungsorientierte Medienpädagogik als „emanzipierten Pädagogik“ 12 . Daher sind auch die beiden Kernziele entsprechend formuliert:
1. Mündigkeit
Dieses erste Ziel beschreibt die „[…] Fähigkeit, gesellschaftliche Bedingungen, Normen und Werte nicht nur zu erkennen, sondern daraus auch sich selbst und sein eigenes Handeln zu definieren und abzuleiten […]“ 13 . 2. Emanzipation
Emanzipation wird nach Kant wie folgt definiert: Es zielt auf den „[…] Ausgang aus selbstverschuldeter Unmündigkeit, somit auf den Abbau der Herrschaft von Menschen über Menschen, auf die Befreiung von Abhängigkeiten, die auf Gewaltverhältnissen ruhen […]“ 14 .
Es soll mit diesen Zielen ein Lernprozess angestoßen werden, der die Individuen nach erfolgreichem Abschluss zu einem fähigen und kritischen Mitglied einer demokratischen Gesellschaft macht, welches eine aktive Rolle in ihr spielt.
Die beiden Leitziele werden unter dem Begriff „authentische Erfahrung“ 15 zusammengefasst. Diese wird als die „[…] autonome Aneignung von Realität und die selbstbestimmte aktive Einwirkung auf diese […]“ 16 beschrieben. Allerdings ist dies nur möglich, wenn die so
12 Klimsa 2007: S. 90.
13 ebd.: S. 90.
14 Schell 2005: S. 11.
15 ebd.: S. 11.
16 ebd.: S. 11.
6
Arbeit zitieren:
Carlos Steinebach, 2009, Pädagogische Konzepte zum Umgang und zur Arbeit mit Medien, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Pädagogik - Medienpädagogik: Pädagogische Konzepte zum Umgang und zur Arbeit mit Medien ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Pädagogik - Medienpädagogik: neuer Titel erschienen: Pädagogische Konzepte zum Umgang und zur Arbeit mit Medien
Carlos Steinebach hat einen neuen Text hochgeladen
Pädagogisches Konzept und Schulprofilakzente
Empirische Darstellung am Beis...
Oliver Berg, Hans-Ulrich Grunder, Thorsten Bohl
Konzepte sozialpädagogischen Handelns
Ein Leitfaden für soziale Beru...
Karlheinz A. Geißler, Marianne Hege
Schulische Eigenverantwortung und staatliche Aufsicht
Eine Untersuchung der Möglichk...
Judith Müller
Zum Umgang mit Heterogenität in der Schule 2
Band 2: Chancen und Problemlag...
Adolf Gut, Hans U. Grunder
Ein Ratgeber für die Lebensmit...
Torsten Weber, Michael Lendle, Markus Grube
0 Kommentare