2
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Bildbeschreibung 4
3. Analyse 5
3.1 Die irrationale Eingebung und Kindheitsreflexion 5
3.2 Die Kopie fremden Gedankenguts mit kalkulierten Verweisen 7
4 Fazit 10
5 Literaturliste 12
6 Abbildungsteil 13
[3]
1 Einleitung
„Entschuldigen Sie mich,
aber ich muss jetzt da raus gehen und ein bisschen Dalí spielen.“
Mit diesem Satz pflegte der Künstler nicht selten Gespräche vor öffentlichen Auftritten abzuschließen, um dann als öffentlichkeitswirksame Kunstfigur die Bühne zu betreten. Dalí war sich seiner Wirkung auf die Menschen bewusst, lebte und spielte den Exzentriker und strebte danach, sich selbst immer wieder zu überbieten. Er war in jedem Augenblick seines Lebens strengstens bedacht darauf, zu hundert Prozent Dalí zu sein, mit all seinem Wahnsinn, seinem Genie und seinem unbändigen Streben nach noch größeren, noch verrückteren Ideen. Betrachtet man diesen Eifer des Künstlers und der Kunstfigur Dalí, so erwartet das erlebnisverwöhnte Publikum förmlich, zum Ursprung der berühmten Dalí-Uhren in seinem Werk „Die Beständigkeit der Erinnerung“ eine Geschichte zu hören, die ebenso verrückt und irrational ist, wie die ganze Persönlichkeit des Meisters selbst. Diese lieferte Dalí den Lesern in seiner Autobiographie „Das geheime Leben des Salvador Dali“. Er führte das Motiv der weichen Uhren auf eine spontane Assoziation mit Camembert zurück. 1
Doch entspricht diese Geschichte einer wahren Begebenheit oder lediglich einer Phantasie des Medienmenschen Dalí, der wie nur wenigen bekannt ist, ein ebenso geschickter Leser und Illustrator fremder Ideen wie begabter Künstler war? In dieser Arbeit soll das zentrale Sujet des Gemäldes „Die Beständigkeit der Erinnerung“ nicht lediglich auf die fieberhafte Visionen Dalís zurückgeführt, sondern auch auf literarische Einflüsse und kalkulierte Verweise analysiert werden. Die relevanten Bildgegenstände werden unter diesen Aspekten vielfältig gedeutet, um schlussendlich die Frage klären zu können: Ist „Die Beständigkeit der Erinnerung“ tatsächlich aus einer irrationalen Eingebung oder doch aus der Umsetzung fremden Gedankenguts entstanden?
1 Vgl. Liebe-Kreutzner 2005, S.51./ Vgl. Descharnes 1974, S.23.
[4]
2 Bildbeschreibung
„Die Beständigkeit der Erinnerung“ (S.14, Abb. 1) ist ein 24,2 mal 33 Zentimeter kleines Ölgemälde, welches im Jahre 1931 von Salvador Dalí gemalt wurde. Bereits wenige Wochen nach seiner Fertigstellung wurde das Werk an einen amerikanischen Geschäftsmann namens Julien Levi in die USA verkauft, wo es bis heute im Museum of Modern Art in New York aufbewahrt ist. 2 Es zeigt eine stark ausgeleuchtete Küstenlandschaft im Hintergrund, „in einem transparenten, melancholischen Dämmerlicht" 3 . In der linken oberen Bildhälfte findet sich eine liegende Steinplatte, die das Blau des Himmelsstreifens reflektiert. Der Vordergrund nimmt etwa zwei Drittel des Gesamtwerkes ein und liegt im Schatten. Die braunorangen Erdfarbtöne des Bodens, des Steinquaders und der geschlossenen Taschenuhr sind dabei komplementär zu dem zyanblauen Himmel, der steinernen Platte und den gleichfarbigen Schattierungen der Ziffernblätter der Wanduhren. Die drei weichen Uhren sowie die Steinfigur in der Werkmitte bilden das zentrale Sujet und werden in den folgenden Kapiteln näher betrachtet. Dabei liegt eines der zerfließenden Zeitmessgeräte über dem Rücken des Steingebildes, das mit einem geschlossenen Auge sowie einer angedeuteten Braue und Nase an ein deformiertes Gesichtsprofil erinnert. Die zweite Uhr hängt über dem Ast eines Baumtorsos, der nach Dalís eigenen Angaben einen „Ölbaum mit abgeschnittenen Zweigen“ 4 darstellt. Das letzte verformte Chronometer ist mit einer Fliege besetzt und passt sich im rechten Winkel der Kante des Steinquaders an, welcher aus der unteren linken Ecke ins Bild ragt und den Ölbaum sowie eine weitere, aber geschlossene Uhr trägt. Diese ist eine orange Taschenuhr, die unverformt und verriegelt, doch mit Ameisen versehen ist, die sich, wie auch die Fliege, bereits um die Entsorgung der zerfließenden und der noch intakten Uhr kümmern. 5
2 Vgl. Otte 2006, S.58.
3 Dalí 1997, S.389.
4 Ebd., S.389.
5 Vgl. Karge 1991, S.289.
Arbeit zitieren:
Laura Näder, 2010, Salvador Dali - Die Beständigkeit der Erinnerung, München, GRIN Verlag GmbH
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