Free Cash-Flow vs. Cost Income Ratio und Eigenkapitalrentabilität bei der Bewertung von Sparkassen
Kurzfassung
Die Bewertung des Erfolgs ist für jedes Unternehmen, gleich welcher Branche es angehört, ein zentrales Thema. Diese Bachelorarbeit befasst sich mit der Bewertung des unternehmerischen Erfolgs von Sparkassen. Erläutert werden die bisherigen Kennzahlen anhand deren das Ausmaß des Erfolgs festgestellt werden kann. Hierbei wird sowohl auf die Entstehung der jeweiligen Kennzahlen als auch auf die allgemeine Anwendungsmöglichkeit eingegangen. Zusätzlich wird eine Studie der Kreissparkasse Tübingen vorgestellt, die sich inhaltlich mit einer alternativen Kennzahl zur Erfolgsmessung befasst hat.
Im Anschluss findet ein direkter Vergleich zwischen den in der Praxis aktuell verwendeten Bewertungsmethoden und der von der Kreissparkasse Tübingen entwickelten Kennzahl statt. Es werden Stärken und Schwächen der jeweiligen Bewertungskennzahlen aufgezeigt. Ziel ist es, eine durch Abwägung der verschiedenen Untersuchungsergebnisse fundierte Empfehlung über die mögliche zukünftige Vorgehensweise bei der Bewertung von Sparkassen abzugeben.
II
Free Cash-Flow vs. Cost Income Ratio und Eigenkapitalrentabilität bei der Bewertung von Sparkassen
Inhaltsverzeichnis
Kurzfassung II
Inhaltsverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
Anhangverzeichnis VI
1. Einleitung 1
2. Derzeitige Kennzahlen und Orientierungsgößen von Sparkassen 2
2.1 Cost-Income-Ratio (CIR) 2
2.2 Eigenkapitalrentabilität (EKR) 5
2.3 Risikodeckungspotenzial 6
3. Untersuchung der Kennzahl Free Cash-Flow (FCF) 8
3.1 Definition und Entwicklung 8
3.2 Verschiedene Arten zur Bestimmung der Kennzahl FCF 9
3.2.1 Free Cash-Flow-Ermittlung nach Rappaport 12
3.2.2 Free Cash Flow-Ermittlung nach Copeland/Koller/Murrin 14
3.3 Projekt Free Cash-Flow der Kreissparkasse Tübingen 15
3.3.1 Ausgangsbasis der Untersuchung 16
3.3.2 Erläuterung der Bestandteile des Berechnungsschemas 17
4. Direkter Vergleich und Bewertung der Kennzahlen 28
4.1 Ergebnisse der PIMS-Studie 28
4.2 Free Cash-Flow vs. Cost-Income-Ratio 32
4.3 Free Cash-Flow vs. Eigenkapitalrentabilität (Return on Equity) 33
5. Fazit 35
Anhang 37
Literaturverzeichnis 42
III
Free Cash-Flow vs. Cost Income Ratio und Eigenkapitalrentabilität bei der Bewertung von Sparkassen
Abkürzungsverzeichnis
AfA Abschreibung für Abnutzung BilMoG Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz CIR Cost Income Ratio ca. circa c.p. Ceteris paribus EBIT Earnings before Interest and Taxes evtl. eventuell EWB Einzelwertberichtigungen FCF Free Cash-Flow HGB Handelsgesetzbuch KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau RechKredV Rechnungslegungsverordnung für Kreditinstitute ROI Return on Investment ROE Return on Equity z.B. zum Beispiel
IV
Free Cash-Flow vs. Cost Income Ratio und Eigenkapitalrentabilität bei der Bewertung von Sparkassen
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Enge und Weite Abgrenzung bei der Cost-Income-Ratio
Abbildung 2: Berechnung der Bruttobedarfsspanne
Abbildung 3: Bruttoertragsspanne
Abbildung 4: Umkehrung der Grundformel CIR
Abbildung 5: Ermittlung der Eigenkapitalrentabilität durch die Deutsche
Bundesbank
Abbildung 6: Beziehungen zwischen den Cashflow-Definitionen
Abbildung 7: Zahlungsströme eines Unternehmens bei konstantem
Kassenbestand
Abbildung 8: Free Cash-Flow-Ermittlung nach Rappaport
Abbildung 9: Free Cash-Flow-Ermittlung nach Copeland/Koller/Murrin
Abbildung 10: Free Cash-Flow-Schema der Kreissparkasse Tübingen
Abbildung 11: Behandlung von Wertpapieren im Handelsbuch
Abbildung 12: Behandlung von Rückstellungen
Abbildung 13: Behandlung von Wertpapieren des Anlagebuchs
Abbildung 14: Behandlung von Beteiligungen
Abbildung 15: Behandlung von Vorgängen aus dem Bewertungsergebnis
Kreditgesch äft
Abbildung 16: Behandlung von Vorsorgereserven und Ausschüttungen
Abbildung 17: Vergleich des Free Cash-Flows mit anderen Kennzahlen
Abbildung 18: Berechnung des
Abbildung 19: Einflussfaktoren auf ROI nach Malik
V
Free Cash-Flow vs. Cost Income Ratio und Eigenkapitalrentabilität bei der Bewertung von Sparkassen
Anhangverzeichnis
Abbildung 1: Beispielrechnung: Indirekte Free Cash-Flow-Ermittlung
Abbildung 2: Beispielrechnung: Direkte Free Cash-Flow-Ermittlung
Abbildung 3: Aufwand/Ertrag-Relation nach Bankengruppen
Abbildung 4: Du Pont Kennzahlsystem, ROI-Baum
Abbildung 5: Kennzahlen der Kreissparkasse Tübingen
VI
Free Cash-Flow vs. Cost-Income-Ratio und Eigenkapitalrentabilität bei der Bewertung von Sparkassen
1. Einleitung
Sparkassen, Genossenschaftsbanken oder Privatbanken sehen sich seit Jahren mit der gleichen Fragen konfrontiert: „Welche Finanzkennzahl, welche Steuerungsgröße ist die richtige und sinnvolle um den Erfolg der Geschäftstätigkeit darzustellen und zu bewerten?“.
Privatbanken legen in aller Regel ihren Fokus stark auf die Eigenkapitalrentabilität (EKR), die eine erste Orientierungsgröße über die Verzinsung des eingesetzten Kapitals der Eigenkapitalgeber darstellt. Vor allem bei den Privatbanken die in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft firmieren ist der Return on Investment (ROI) für die Eigentümer (eng. shareholder) eine wichtige Kennzahl. Sparkassen und Genossenschaftsbanken, welche eher eine langfristige Geschäftsstrategie verfolgen, ermitteln zwar ebenfalls ihre Eigenkapitalrentabilität, allerdings steht diese vor allem bei Sparkassen nicht im Mittelpunkt bei der Beurteilung des Geschäftserfolgs. Diese betrachten eher das Risikodeckungspotential als Risikoindikator und die Cost-Income-Ratio 1 (CIR) als Verhältniskennzahl zwischen Verwaltungsaufwand und die daraus resultierenden Erträge. Nicht zuletzt wegen den Erfahrungen und Rückschlüssen aus der noch nicht komplett überstandenen Finanz- und Wirtschaftskriese wird der Ruf nach alternativen Beurteilungskennzahlen die den Erfolg eines Bankinstituts risikogerecht und frei von Einflüssen (Unternehmensintern oder extern) abbilden immer größer. Einen möglichen Lösungsweg könnte die Finanzkennzahl Free Cash-Flow (FCF) aufzeigen.
Diese cashflowbasierte Kennzahl kann gegenüber periodenbezogenen Kennzahlen (z.B. Jahresüberschuss vor Steuern) die Eigenschaft haben, dass sie wegen der laufenden Betrachtung der Geldzuflüsse und Geldabflüsse weitestgehend immun gegen bilanzpolitische Einflüsse ist. Dies kommt ganz darauf an ob eine kurz- oder eher längerfristige Zeitspanne eines Geschäftsbetriebs betrachtet wird.
1 Vgl. Sokolovsky/ Löschenkohl (2005), S. 798.
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Free Cash-Flow vs. Cost-Income-Ratio und Eigenkapitalrentabilität bei der Bewertung von Sparkassen
2. Derzeitige Kennzahlen und Orientierungsgößen von Sparkassen
Die Sparkassen unter der Leitung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) haben in ihren aktuellsten Leitlinien für die zukünftige strategische Zielsetzung innerhalb der Sparkassenorganisation sieben Orientierungspunkte festgelegt (Marktanteilsentwicklung, Produktivität, Innovation, Mitarbeiterqualifikation/ -bindung, Liquidität, Rentabilität und Gemeinwohl). Diese lassen sich wiederum in vier verschiedene Bereiche zusammenfassen. Der Bereich „Kunde und Markt“, „Mitarbeiterorientierung“, „Gemeinwohlorientierung“ und zu guter Letzt die „Finanz-und Risikopolitik“. 2
Im Näheren möchte ich auf den letzten Punkt „Finanz- und Risikopolitik“ eingehen. Und in diesem Bereich sollen die Cost-Income-Ratio (deutsch: Aufwand-Ertrags-Verhältnis) und die Eigenkapitalrentabilität (englisch: Return on Equity, ROE) im Detail betrachtet werden.
2.1 Cost-Income-Ratio (CIR)
Kennzahlen werden in der Regel als ein zentrales Instrument des Controllings gesehen. 3 Es handelt sich dabei um Zahlen, die quantitativ erfassbare Zusammenhänge in verdichteter und somit vereinfachter Form darstellen. Im Rahmen dieser Arbeit erfolgt eine Fokussierung auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen. Diese beschreiben wirtschaftliche (und nicht etwa technologische) Zustände und Entwicklungen des Unternehmens und können im Rahmen vieler betrieblicher Funktionen eines Unternehmens, wie z.B. Beschaffung, Produktion und Absatz, eingesetzt werden. 4
Durch die konzentrierte Form von Kennzahlen ist ein schneller Überblick über Sachverhalte möglich. 5 Dieser Vorteil wird jedoch durch eine möglicherweise nicht umfassende und ausgewogene Darstellung der Informationslage relativiert. So sind evtl. zusätzlich zu Kennzahlen, qualitative Informationen zur vollständigen Erfassung eines Sachverhaltes zu berücksichtigen um den erwähnten Informationsverlust
2 Vgl. DSGV (2009), S. 32.
3 Vgl. Meyer (1994), S. 1.
4 Vgl. ZVEI e.V. (1989), S. 13.
5 Vgl. Groll (2004), S. 13.
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abzuschwächen oder ganz auszuräumen. 6 Die Cost-Income-Ratio (CIR) ist eine Kennzahl, die die operative Aufwand-Ertrags-Relation angibt. 7 Allgemein gibt es zwei verschiedene Arten diese Kennzahl zu berechnen. Die unten aufgeführte Abbildung 1 soll die unterschiedlichen Rechnungsmethoden aufzeigen.
Abbildung 1: Enge und Weite Abgrenzung bei der Cost-Income-Ratio
Die Bruttobedarfsspanne wird wie folgt ermittelt: 8
Die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen setzen sich aus Personalaufwand und den anderen Verwaltungsaufwendungen (Sachaufwand, Aufwendungen für externe Dienstleistungen sowie Abschreibungen auf Sachanlagen) zusammen. 9 Ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt, ergibt sich daraus die Bruttobedarfsspanne.
Abbildung 2: Berechnung der Bruttobedarfsspanne
Werden die Kennzahlen Zinsspanne und Provisionsspanne addiert, ergibt sich die Kennzahl Bruttoertragsspanne (diese kann auch aus der Summe von Zinsüberschuss plus Provisionsüberschuss im Verhältnis zur durchschnittlichen Bilanzsumme ermittelt werden). 10
6 Vgl. Reichmann (2001), S. 22.
7 Vgl. Krumnow/ Gramlich/ Lange/ Dewner (2002a), S. 290.
8 Vgl. Krumnow/ Gramlich/ Lange/ Dewner (2002b), S. 244.
9 Vgl. Deutsche Bundesbank (2007), S. 19.
10 Vgl. Krumnow/ Gramlich/ Lange/ Dewner (2002c), S. 244.
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Free Cash-Flow vs. Cost-Income-Ratio und Eigenkapitalrentabilität bei der Bewertung von Sparkassen
Abbildung 3: Bruttoertragsspanne
Die CIR ermöglicht eine Aussage über die Kosteneffizienz der Kreditinstitute. Je niedriger dieser Wert ist, desto effizienter wurde im Institut gewirtschaftet. Es wird der Bruttobedarf durch den Bruttoertrag geteilt. Diese Finanzkennzahl sagt aus wie hoch der Aufwand war um einen Euro zu verdienen. 11
Der internationale Zielrichtwert liegt bei 60 %. 12 Dies ist der identische Wert den auch die Sparkassen in Deutschland in ihrem aktuellen Strategiepapier für sich festgelegt haben. Um diesen Wert zu halten bzw. zu senken, muss der Bruttoertrag gleich stark bzw. stärker als der Bruttobedarf ansteigen. 13
Abbildung 4: Umkehrung der Grundformel CIR 14
Die im Großkunden- und Interbankengeschäft tätigen meist filiallosen Landesbanken und genossenschaftlichen Zentralbanken weisen eine deutlich niedrigere CIR auf, während die Sparkassen und die Kreditgenossenschaften auf Grund ihres ausgedehnten Netzes an Zweigstellen höhere CIR-Werte aufweisen. Ein Vergleich der im flächendeckenden Retail Banking tätigen Sparkassen und der Kreditgenossenschaften macht deutlich, dass die CIR der Sparkassen geringer als die der Genossenschaftsbanken ist. 15
Daraus kann geschlossen werden, dass die Sparkassen effizienter als die Kreditgenossenschaften in Deutschland arbeiten. Die im Anhang befindliche Abbildung 3 zeigt die Entwicklung dieser Verhältniskennzahl der letzten Jahre.
11 Vgl. Paul/ Horsch/ Stein (2005a), S. 255.
12 Vgl. Bellavite-Hövermann (2004), S. 183.
13 Vgl. Schierenbeck (2003), S. 449.
14 Vgl. Paul/ Horsch/ Stein (2005b), S. 255.
15 Vgl. Deutsche Bundesbank (2010a), S. 2.
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2.2 Eigenkapitalrentabilität (EKR)
Die Eigenkapitalrendite (EKR) oder auch Return on Equity (ROE) ist eine jahresabschlussbasierte Erfolgskennzahl aus Perspektive der Eigenkapitalgeber. Allgemein wird der Reingewinn einer Periode vor oder nach Steuern in das Verhältnis zum eingesetzten Eigenkapital gesetzt. 16
Je kleiner die Eigenkapitalquote eines Kreditinstituts ist, desto deutlicher wirkt sich eine Änderung des Reingewinns auf die Eigenkapitalrentabilität aus. Sinkt die Eigenkapitalquote erhöht sich zunächst die Eigenkapitalrentabilität. Gleichzeitig sinkt aber der Reingewinn bzw. die Reingewinnspanne des Kreditinstituts, da der höhere Fremdkapitalanteil mit höheren Zinsaufwendungen verbunden ist. Im Gegensatz dazu steht das Eigenkapital zinskostenfrei zur Verfügung. Solange die Gesamtkapitalrentabilität höher ist als der Fremdkapitalzins, rentiert sich die Reduzierung der Eigenkapitalquote und gleichzeitige Erhöhung der Fremdkapitalquote (Leverage-Effekt) für ein Geldinstitut. Fällt allerdings die Reingewinnspanne, z.B. aufgrund steigender Risikokosten (d.h. höhere Fremdkapitalzinsen die zu zahlen sind), kann dieser Effekt zu negativen wirtschaftlichen Folgen führen. Im Allgemeinen handelt es sich bei der EKR um eine einperiodische vergangenheitsorientierte Kennzahl auf Basis des externen Rechnungswesens. 17 Die nachfolgende Abbildung 5 zeigt die Berechnungsformel.
Abbildung 5: Ermittlung der Eigenkapitalrentabilität durch die Deutsche Bundesbank 18
Die häufige Verwendung dieser Kennzahl im Bankenbereich liegt darin begründet, dass Refinanzierungskosten zum elementaren Bestandteil des Kerngeschäfts von Banken gehören. Eine Kennzahl auf Basis einer Erfolgsgröße vor Abzug der Refinanzierungskosten, wie beispielsweise der in der Industrie häufig verwendete EBIT, wird bei diesem Sachverhalt nicht betrachtet.
16 Vgl. Werner/ Padberg (2006), S. 171-174.
17 Vgl. Fiordelisi/ Molyneux (2006), S. 50-53.
18 Vgl. Deutsche Bundesbank (2007), S. 26.
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Mihai Szilvasi, 2010, Free Cash-Flow vs. Cost Income Ratio und Eigenkapitalrentabilität bei der Bewertung von Sparkassen, München, GRIN Verlag GmbH
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