Inhalt
1. Einleitung 3
2. Intertextualität im Postmodernen Roman 3
2.1 Definition von Intertextualität 4
2.2 Funktionen der Intertextualität 4
2.3 Hypertextualität als Subkategorie der Intertextualität 5
3. Schlafes Bruder als Hypertext? Ein Vergleich mit Das Parfum 6
3.1 Das Geniemotiv 6
3.2 Weitere mögliche Schnittmengen 8
3.2.1 Schauplatz der Romane 8
3.2.2 Die Geburt 9
3.2.3 Das Eremitendasein 10
3.3 Fazit 11
4. Schluss 12
5. Literaturverzeichnis 14
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1. Einleitung
„Die meisten Bücher von heute scheinen in einem Tag aus den Büchern von gestern ent-standen zu sein.“ 1 So äußerte sich der französische Dichter Nicholas Chamfort und das bereits im 18. Jahrhundert. Ist es tatsächlich so, dass viele oder gar sämtliche Bücher und Geschichten nur noch „Nachfahren“ vorangegangener Werke sind; dass sie aufgrund ihrer zahlreichen namhaften Vorgänger nicht mehr vollends eigenständige und unabhängige Werke sind?
In dieser Hausarbeit möchte ich zum einen das theoretische Konzept der Intertextualität beleuchten und zwar mit einem Fokus auf deren Subkategorie der Hypertextualität. Zum anderen möchte ich mich mit Robert Schneiders Roman Schlafes Bruder beschäftigen, der immer wieder dem Vergleich mit Süskinds Das Parfum standhalten musste. Es soll untersucht werden, inwiefern sich hypertextuelle Elemente in Schlafes Bruder finden lassen und ob diese als Beweis dafür gewertet werden können, dass Robert Schneiders Werk in Anlehnung an Süskinds Parfum entstanden ist. Demgemäß werde ich mit einem eher allgemeinen Teil beginnen, der sich mit der intertextuellen Theorie und deren Hauptfunktionen beschäftigt. Im Anschluss werde ich in Kapitel 3 Schlafes Bruder genauer behandeln.
2. Intertextualität im Postmodernen Roman
Sowohl Patrick Süskinds Das Parfum als auch Robert Schneiders Schlafes Bruder zählen zu den so genannten postmodernen Romanen. Die Postmoderne ist eine Denkweise, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den USA auftrat und sich von dort aus auch in Europa ausbreitete. Generell scheint es relativ schwer zu sein, diese Epoche klar abzugrenzen, da es sich um einen sehr weit gefassten Begriff handelt. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass sich diese intellektuelle Strömung gegen die Moderne richtete. Dessen elitärer und werkzentrierter Charakter wurde scharf kritisiert. Ziel der postmodernen Literatur war es viel mehr, die „Kluft“ zwischen der herrschenden „Elite- und Massengesellschaft“ zu schließen. (vgl. Borchmeyer, 307).
Eins der Hauptmerkmale postmoderner Literatur ist die Intertextualität. Borchmeyer spricht gar davon, dass sie zum „[…] Babel der Zitate [und] zum permanenten pla(y)giarism wird“ (Borchmeyer, 310). Bezüglich Schlafes Bruder von einem Plagiat zu
1 http://www.zitate.de (23.08.2010)
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sprechen, ginge sicherlich zu weit. Allerdings scheint es lohnenswert, das Werk auf einen gegebenenfalls vorhandenen hohen Grad an Intertextualität hin zu untersuchen.
2.1 Definition von Intertextualität
Der Begriff „Intertextualität“ ist relativ jung, es ist aber wichtig darauf hinzuweisen, dass dies nicht auch für das Phänomen an sich gilt. Intertextuelle Verfahren wird es schon deutlich länger als den Begriff an sich gegeben haben. Der Begriff Intertextualität wurde von Julia Kristeva geprägt und kam in den späten sechziger Jahren auf (vgl. Pfister, 198). Für Kristeva war ein Text nur noch ein „Mosaik von Zitaten“, außerdem sprach sie von einer „Absorption und Transformation eines anderen Textes“ (Kristeva zitiert nach Pfister, ibid). Diese fast schon radikalen Aussagen waren zum damaligen Zeitpunkt mehr oder weniger revolutionär. Die Vorstellung, dass es eigentlich keine neuen, vollkommen unabhängigen Äußerungen gibt, sondern alles schon mal auf irgendeine Weise gesagt worden ist, war zunächst sehr befremdlich. Aber bei genauerem Hinsehen machte Kristevas Theorie durchaus Sinn. Es ist also nicht verwunderlich, dass bis heute auf dieses Konzept verwiesen wird.
Stocker definiert Intertextualität als „die spezifische Eigenschaft eines Textes, der auf einen oder mehrere andere frühere Texte bezogen ist, wobei die früheren („Prätexte“) zusammen den Intertext des späteren („Posttext“) bilden.“ (Stocker, 15).
2.2 Funktionen der Intertextualität
Im vorangegangenen Kapitel sollte bereits deutlich geworden sein, dass der Begriff der Intertextualität äußerst facettenreich und oftmals alles andere als simpel und eindeutig ist. Ähnlich hält es sich mit den Funktionen der Intertextualität. Diese erweisen sich als sehr vielfältig und lassen sich kaum auf wenige Hauptfunktionen festlegen. In meiner Beschreibung beziehe ich mich auf Peter Stockers Funktionsmodell, der sich auf drei Funktionsbereiche festgelegt hat. Nicht ohne Grund spreche ich hier von „Funktionsbereichen“, denn wie bereits oben erwähnt, ist die Intertextualität nicht etwas, das aufgrund weniger, eindeutiger Funktionen verwendet wird. Nach Stocker lassen sich diese Bereiche in eine kulturelle, eine poetische und eine texttheoretische Funktion unterteilen. (vgl. ibid, 73).Die kulturelle Funktion zeichnet sich hauptsächlich durch eine Art intertextuelles Erinnern oder Gedenken aus. (vgl. ibid). Durch das Aufgreifen bereits behandelter Themen und Geschichten werden eben diese weiter konserviert und darüber hinaus auch immer wieder der aktuellen Zeit angepasst. James
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Joyce’s Ulysses verdeutlicht dies sehr gut. Der Roman erinnert nicht nur an die berühmte Odysseussage, er adaptiert sie auch in die heutige Zeit. Auch wenn es sich bei intertextuellen Vorkommnissen oftmals nur um Auszüge, Bruchstücke oder gar nur um Ideen handelt, werden diese bewahrt und bleiben in der Tat im Gedächtnis. Umberto Eco, der selbst oftmals intertextuelle Elemente in seinen Werken gebrauchte, geht sogar so weit zu sagen, dass die Möglichkeit der Löschung von Informationen gar nicht besteht. Eine beständige „Überlagerung und Konfusion von Informationen“ verhindere dieses (Eco zitiert nach Stocker, 79.)
Die poetische Funktion scheint sich hauptsächlich durch eine Bereicherung des Werkes auszuzeichnen. Durch intertextuelle Elemente wird das Werk gleichsam angereichert, es wird nicht nur erweitert sondern macht außerdem den Weg offen für neue Bezüge und Hintergründe. Für Stocker liegt daher ein „semantischer Mehrwert“ vor (ibid, 80). So positiv dies auch zunächst klingt, lässt sich dennoch ein gewisser Nachteil nicht leugnen. Die eben beschriebene Bereicherung eines Werkes kann durchaus auch zu einem „Mehr-aufwand“ führen (ibid). Schließlich reicht es dann nicht mehr, das Werk an sich zu betrachten. Der Leser muss Zusammenhänge erkennen und verstehen, um überhaupt von der Intertextualität profitieren zu können.
Dieses Problem führt mich direkt zur textheoretischen Funktion. Ganz offensichtlich ist, dass der Bildungsstand eines Lesers eine große Rolle spielt. Die Intertextualität ist folglich kein vollkommen unabhängiges Stilmittel, das auf jeden Fall erkannt und verstanden wird. Inwieweit die Intertextualität wahrgenommen wird, ist leserabhängig. (vgl. ibid, 89). Jemand der die Odysseussage nicht kennt, wird Ulysses als komplett eigenständiges Werk betrachten und es sicherlich bisweilen als befremdlich oder gar als absurd ansehen. Ist der Leser hingegen mit der Sage vertraut, wird er Ulysses vollkommen anders betrachten und deutlich andere Schlüsse ziehen.
2.3 Hypertextualität als Subkategorie der Intertextualität
Wie bereits erwähnt, ist die Intertextualität ein facettenreiches Phänomen. Dies ist sie nicht zuletzt deshalb, weil es einige Subkategorien gibt, die sich auf die eine oder andere Weise in das Konzept der Intertextualität einfügen. Angesichts der Fragestellung dieser Hausarbeit möchte ich mich nun auf die Hypertextualität konzentrieren. In meinen Ausführungen beziehe ich mich größtenteils auf Gérard Genette, der zu Recht als ein Pionier der Textthe-orie bezeichnet werden kann.
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Arbeit zitieren:
Sarah Ruhnau, 2010, Intertextualität in Postmodernen Romanen, München, GRIN Verlag GmbH
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