Inhalt
1 Einleitung 3
2 Rhetorik im Reformationszeitalter 4
3 Der Anlass für den Sendbrief vom Dolmetschen 5
4 Rede oder Brief? 5
5 Analyse des Sendbriefs vom Dolmetschen 6
5.1 Rhetorische Analyse des Aufbaus 6
5.2 Analyse des Stils 11
5.2.1 Die Schmähung der Gegner 11
5.2.1.1 Hieronymus Emser 13
5.2.1.2 Johann Faber und Johann Dobneck 14
5.2.2 Richtermetapher 15
5.2.3 Musik 15
5.2.4 „allein“ 16
5.2.5 Sprichwort und Redensart 17
5.2.6 Autoritäten 21
5.2.7 Ad-hoc-Bildung 22
6 Schluss 22
7 Bibliographie 24
7 24
2
2
1 Einleitung
“«Nunquam mihi melius procedit orare, praedicare, scribere, quam cum irascor.» (Ich kann nie besser beten, predigen, schreiben, als wenn ich erzürnt bin.) 1
Dieses Zitat Luthers gilt für seine Streitschriften, aber genauso für seinen Sendbrief vom Dolmetschen. Der Anlass für seinen Sendbrief war hauptsächlich die Kritik des Theologen Eck, der sich über seine Bibelübersetzung ausgelassen hatte. Wie scharfsinnig und durchdacht dieser Text Luthers ist, erkennt man bei genauerer Untersuchung seiner Rhetorik. Die Aufgabe dieser Arbeit war es, den Aufbau, sowie den Stil des Sendbriefs vom Dolmetschen genauer zu betrachten und dabei besondere Feinheiten und Vorgehensweisen Luthers in Augenschein zu nehmen.
Zunächst möchte ich allgemein auf die Behandlung der Rhetorik in der Reformationszeit eingehen und die literarischen Vorbilder Luthers aufzeigen. Danach soll kurz der Anlass zum Sendbrief erklärt werden. Des Weiteren muss vor der Analyse des Aufbaus bestimmt werden, ob es sich bei diesem Text wirklich um einen Brief oder doch eher um eine Rede handelt. Im Hauptteil befasse ich mich zunächst mit der Strukturierung des Textes und anschließend werde ich den Stil des Textes analysieren. Dabei gehe ich zunächst auf die Art und Weise ein, wie Luther seine Gegner schmäht. Dabei sollen einige Hintergrundinformationen zu den geschmähten Theologen Emser, Faber und Dobneck gegeben werden. Anschließend soll die Metapher des Richters ihre Funktionen im Text im Vordergrund stehen. Des Weiteren soll betrachtet werden, welchen Einfluss die Musik auf Luthers Text hat. Daraufhin wird der Mittelpunkt des Streits zwischen Luther und seinen Gegnern ins Zentrum gerückt, nämlich das Wort „allein“. Seine Verwendung im Text soll näher betrachtet werden. Wichtig für die Rhetorik Luthers ist, dass er sich der deutschen Sprache und ihren Phänomenen besonders annimmt und so muss auch auf die verwendeten Sprichwörter und Redewendungen besonders eingegangen werden. Anschließend sollen auch die im Text erwähnten Autoritäten zur
11 Ueding, Gert (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd 5 L-Musi. Tübingen: Max Niemeyer 2001, Sp. 686. 3
Geltung kommen. Zum Schluss will ich noch auf eine Ad-hoc-Bildung Luthers in diesem Text eingehen.
Die Angaben zu den Zitaten aus dem Primärtext stelle ich zur besseren Übersicht direkt hinter die Zitate, wobei zuerst die Seitenzahl und anschließend die Zeile genannt wird.
2 Rhetorik im Reformationszeitalter
Die Wiederentdeckung vergessener oder verloren geglaubter Texte der antiken Rhetoriker, wie Cicero oder Quintillian, verhalfen der Rhetorik in der Renaissance zu neuer Blüte. Sie wurde zu einer der dominierenden Wissenschaften erhoben und war ein Bestandteil der schulischen Erziehung. 2 Im Mittelpunkt standen Ciceros Werk De oratore, Aristoteles Rhetoric, sowie das wiederentdeckte Lehrbuch Institutio oratoria Quintillians. 3 Luther empfahl ausdrücklich letztgenanntes Werk zum Studium und es wurde auch 1518 bei der Wittenberger Universitätsreform in den Lehrplan aufgenommen. Die Forschung und Lehre in Wittenberg bezog sich Anfang des 16. Jahrhunderts vor allem auf die italienischen Humanisten. Was diese vor allem von den Scholastikern unterschied, war nicht die Konzentration auf Cicero, sondern auf Quintillian, der die Hauptaufgabe der Rhetorik in der Erregung und der Dämpfung der Gefühle sieht. Cicero hingegen stellt den Verstand, die ratio, als wichtigsten Punkt in den Vordergrund. Luther war ein Befürworter des Rhetorikprofessors Laurentius Valla (1407-1457), der in seinem Lehrwerk De lingua latinae elegantia vor allen anderen Quintillian anpries. Luther teilte die Meinung Vallas, der die Ansicht vertrat, „nur wer die hebräischen und griechischen Bibeltexte lesen könne, habe ein Recht, sie zu interpretieren“ 4 . Als weiterer Lehrmeister galt Augustinus‘ De doctrina christiana, das vor allem sehr nützlich für das Verfassen von Predigten war. In diesem Werk versah Luther vor allem die Stellen mit zahlreichen Randbemerkungen, die für die Interpretation der Bibel hilfreich waren.
2 vgl. Kolmer, Lothar und Carmen Rob-Santer: Studienbuch Rhetorik. Paderborn: Ferdinand Schöningh 2002, S. 28.
3 vgl. Stolt, Birgit: Martin Luthers Rhetorik des Herzens. Tübingen: Mohr Siebeck 2000, S. 42.
4 Stolt, S. 43.
4
Besonderen Erfolg hatte die Schrift De duplici copia verborum et rerum des zeitgenössischen Autors Erasmus von Rotterdam. Dieses Traktat wurde noch zu Lebzeiten des Autors sechzigmal aufgelegt. 5 Ein Schauplatz der Rhetorik waren die konfessionellen Streitgespräche und -schriften zwischen Katholiken und Protestanten. vor allem die Dispute zwischen Luther und seinen Gegnern beweisen hohes sprachliches Niveau. So standen den „geschulten protestantischen Kontoverstheologen die ebenso rhetorisch gebildeten Jesuiten gegenüber.“ 6
3 Der Anlass für den Sendbrief vom Dolmetschen
Luthers Sendbrief vom Dolmetschen ist eine Selbstverteidigung gegen die Angriffe seiner Gegner auf seine Übersetzung des Neuen Testaments. Vor allem die Kritik Ecks an der Übersetzung vom Röm. 3,28 und die damit verbundene Kritik an Luthers „sola fide“-Konzeption, veranlassten den Theologen zu einer Stellungnahme.
4 Brief oder Rede?
Die folgenden Informationen ziehe ich aus dem Studienbuch Rhetorik und werde, falls nicht anders angegeben, mich im Weiteren darauf beziehen. 7 Der im Mittelalter entstandenen Briefschreibekunst liegen die Gliederungskriterien einer Rede zugrunde. Einem antiken Topos folgend, galt der Brief als Rede eines Abwesenden an einen Abwesenden (sermo absentis ad absentem). Das klassische Briefschema folgt dem Aufbau Ciceros, das vier Redeteile beinhaltet:
In den Brieflehren des Mittelalters trennte man die Einleitung (exordinum) in die Begrüßung (Salutatio) und die Gewinnung der Gunst des Lesers (captatio bebevolentiae). Die Begrüßung steht am Anfang und beinhaltet meist Namen, Titel oder das Verhältnis, indem man mit der Person steht. Die Gewinnung der Gunst war äußerst wichtig, da man in einer feudalen Gesellschaft durch Bittbriefe oder Gesuche an eine höher gestellte Person
5 Stolt, S. 44.
6 Komer, S.29.
7 Kolmer, S. 46.
5
deren Gunst erwerben und sein Anliegen erfüllt wissen wollte. So sollte der Empfänger in eine günstige Haltung dem Bittsteller gegenüber versesetzt werden. In der Schilderung des Sachverhalts (narratio) legt man die Situation und seinen Standpunkt dar. Daraufhin folgt das Gesuch (Petitio), welches eine kurze Zusammenfassung des Inhalts enthält und gipfelt im Appell oder dem Ausdruck der Hoffnung, dass die Bitte erfüllt werde.
Luthers Rede umfasst aber auch die Teile, die in der klassischen Rede enthalten sind. So finden wir im Sendbrief vom Dolmetschen außerdem die Propositio, in der das Thema angespochen, umrissen und eingegrenzt wird und die Schwerpunkte gesetzt werden. Nach der Narratio folgt der Hauptteil (Argumentatio), in dem die Materien ausgebreitet und die Argumente klar strukturieret vorgestellt werden. Dabei gibt es eine Beweisführung, die induktiv durch Beispiele oder deduktiv durch die Anführung von Gründen erfolgt. Die genaue Abfolge bei Luther bis zum Ende der ersten Frage lautet daher:
Exordinum - Propositio - Narratio - Argumentatio - Perorartio. Anschließend wird das Schema bei der zweiten Frage wiederholt und anschließend noch eine Petitio und Conclusio angehängt. Daher kann man durchaus behaupten, dass Luther hier zwar die Form des Briefes wählt, dies aber nur der Rahmen für eine schriftliche Rede ist. Natürlich ist Luther auch von der Form der Predigt beeinflusst. Dies kann aber in diesem Zusammenhang vernachlässigt werden, da der Inhalt eine Rechtfertigung und Diffamierung gegen seine Widersacher und seine Erläuterung für seine Befürworter darstellt.
5 Analyse des Sendbriefs vom Dolmetschen
5.1 Rhetorische Analyse des Aufbaus
Der Sendbrief beginnt mit einer Widmung: „Dem Erbarn und fursichtigen N., meinem gunstigen Herrn und freunde.“ (632) Damit wird sofort die Textgattung festgelegt, aber wir erfahren nicht, an wen Luther diesen Brief richtet. Er baut hier eine schriftstellerische Fiktion auf, mit der er selbst als Autor im Hintergrund bleiben kann. Luther hätte auch einen offenen Brief
6
Arbeit zitieren:
Veronika Luther, 2009, Untersuchungen zu Luthers Rhetorik, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik: Untersuchungen zu Luthers Rhetorik ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik: neuer Titel erschienen: Untersuchungen zu Luthers Rhetorik
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik: neuer Titel erschienen: Untersuchungen zu Luthers Rhetorik
Aedificiorum Figurae: Untersuchungen Zu Den Architekturdarstellungen D...
Rolf Dr Tybout, Rolf Albert Tybout
An den christlichen Adel deutscher Nation / Von der Freiheit eines Chr...
Martin Luther, Ernst Kähler
Harcourt School Publishers Signatures: Lib Bk: Martin Luther King, JR ...
Harcourt Brace, Harcourt School Publishers
John F. Kennedy - Martin Luther King
Wegbereiter für Barack Obama
Christina Callori di Vignale, Gernot Erler, Karl Diefenbach
The Papers of Martin Luther King, JR.: Volume I: Called to Serve, Janu...
Clayborne Carson, Martin Luther, Jr. King, Martin Luther King Jr
The Papers of Martin Luther King, JR.: Volume III: Birth of a New Age,...
Clayborne Carson, Martin Luther, Jr. King, Martin Luther King Jr
The Papers of Martin Luther King, JR.: Volume IV: Symbol of the Moveme...
Martin Luther, Jr. King, Clayborne Carson, Martin Luther King Jr
0 Kommentare